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Donnerstag, 30. Januar 2020

Abendlieder (Sony)

Bekannte und weniger populäre, aber dennoch entdeckenswerte Abend- und Wiegenlieder präsentiert der Philharmonische Kinderchor Dresden auf seinem neuen Album, das soeben bei Sony erschienen ist. Eigentlich sind mehrere Chöre beteiligt – denn neben dem Konzertchor, in dem Kinder und Jugendliche ab einem Alter von ca. zwölf Jahren mitwirken, ist in zwei Liedern auch der Kinderchor zu hören, in dem die Kleineren das Chorsingen erlernen.
Geleitet wird der Philharmonische Kinderchor Dresden, der 1967 auf Initiative von Kurt Masur hin gegründet wurde, seit 2012 durch Gunter Berger. Derzeit gehören insgesamt etwa 140 Kinder zu den verschiedenen Formationen des Chores. Der Chor arbeitet eng mit der Dresdner Philharmonie zusammen. Bei diesem Aufnahmeprojekt wurden die Jungen und Mädchen, die allesamt hinreißend singen, von Iris Geißler an diversen Tasteninstrumenten begleitet, mitunter auch durch das Collenbusch Quartett oder aber durch ein Bläserquintett. A cappella erklingen beispielsweise Guten Abend, gut Nacht von Johannes Brahms, das französische Kinderlied Au clair de la lune, oder Esti dal von Zoltán Kodály. Nicht unbedingt erwartet hätte man das Cantique de Jean Racine von Gabriel Fauré. Hier wird auch die Orgel mit einbezogen, die sich im neuen Konzertsaal des Kulturpalasts Dresden befindet. Auch sonst hält die musikalisch wie klanglich sehr hochwertige Einspielung einige Überraschungen bereit. Wer Chormusik liebt, der wird erfreut sein.



Dienstag, 18. Dezember 2018

Am Weihnachtsbaum (Sony)

Noch einmal weihnachtliche Musik aus Dresden, diesmal allerdings in einer ganz neuen Einspielung: Tra- ditionelle und moderne Weihnachts- lieder sowie Orgelmusik bietet diese CD mit dem Philharmonischen Kinderchor Dresden. 
Dieses Ensemble wurde 1967 auf Anregung von Kurt Masur, dem damaligen Chefdirigenten der Dresdner Philharmonie, gegründet. In dem Chor engagieren sich um die 140 Kinder und Jugendliche, die dort auch kontinuierlich professionell musikalisch betreut und ausgebildet werden. Das Ensemble, das heute von Gunter Berger geleitet wird, arbeitet eng mit der Dresdner Philharmonie zusammen. 
So gehört das traditionelle Weihnachtskonzert des Chors im Kulturpalast Dresden ohne Zweifel zu den Höhepunkten der Weihnachtszeit. Die jungen Chorsänger tragen ihre Lieder blitzsauber und versiert in altver- trauten wie in zeitgenössischen Chorsätzen teils a cappella, teilweise gemeinsam mit Mitgliedern der Dresdner Philharmonie oder mit Orgel- begleitung vor. 
Die neue Eule-Orgel im Kulturpalast Dresden ist auf dieser CD auch im Solo zu hören. Das Konzertinstrument, das 67 Register auf vier Manualen und Pedal aufweist, bietet dem Organisten eine breite Auswahl an Klang- farben aus verschiedenen Orgeltraditionen. Denny Wilke, Stadtorganist der Marienkirche zu Mühlhausen, nutzt diese Möglichkeiten, um auch französische Orgelmusik mit ins Programm zu integrieren. 

Mittwoch, 27. Juli 2016

Konzert-Raritäten aus dem Pleyel-Museum Vol. 16 (Ars Produktion)

Das Pleyel-Museum, ansässig im niederösterreichischen Ruppersthal im Geburtshaus von Ignaz Joseph Pleyel (1757 bis 1831), überrascht einmal mehr mit einer Neuveröf- fentlichung: Zwei konzertante Sym- phonien und eine Symphonie aus der Feder des Komponisten haben die Camerata pro Musica gemeinsam mit exzellenten Solisten unter Leitung von Christian Birnbaum 2014 in ihrem Neujahrskonzert in Grafen- wörth vorgestellt. 
Hört man den Mitschnitt dieser Aufführung, dann fragt man sich einmal mehr, wieso Pleyel, Musiker, Komponist, Musikverleger und Klavierfabrikant und in all dem sehr erfolgreich, derart in Vergessenheit geraten konnte. Seine Symphonie in d-Moll Ben 160, auf dieser CD in Weltersteinspielung, erweist sich als ein dramatisches Stück von hohem Rang. 
Außedem erklingen die Symphonie Concertante in A-Dur Ben 114 für Klavier, Violine  und Orchester sowie die Symphonie Concertante in F-Dur Ben 115 für Flöte, Oboe, Horn, Fagott und Orchester, letztere in der Origi- nalversion Pleyels nach dem Erstdruck aus dem Jahre 1802. Die konzer- tierenden Soloinstrumente werden durchweg von erstklassigen Musikern gespielt; der Zuhörer darf sich zudem daran erfreuen, dass Pleyel offenbar ein ausgesprochenes „Händchen“ für Klangfarben und musikalische Effekte hatte. Es ist zu wünschen, dass diese charmanten Werke zukünftig auch in so manchem Abonnementkonzert erklingen – sie dürften sowohl den Solisten als auch dem Publikum Vergnügen bereiten. 

Montag, 21. Dezember 2015

Vom Himmel hoch... (Audite)

Vor der Bescherung Hausmusik – und zum Auspacken der Geschenke UKW: Das Radio lieferte in den 50er Jahren festliche Klänge zum Weihnachtsfest. Und weil diese Sendungen wirklich jeder hörte, waren sich auch große Stars nicht zu schade, in die Rund- funkstudios zu gehen und dort ganz schlicht Weihnachtslieder zu singen. In den Archiven des RIAS spürte das Label Audite Aufnahmen aus jener Zeit mit bedeutenden Sängern auf. Zu hören sind unter anderem Erna Berger, Elisabeth Grümmer, Walther Ludwig, der junge Dietrich Fischer-Dieskau, Josephine Varga oder Annelies Westen. Die Arrangements stammen von ebenso namhaften Komponisten, wie Gotthold Frotscher, Hans Chemin-Petit oder Rudolf Kühn. Vom Hendel-Quartett über das Lautenspiel von Gerhard Tucholski sowie die Orgel bis hin zum kompletten Studioorchester wurde auch bei der Begleitung eine breite Palette an Klang- farben aufgeboten. 

Samstag, 10. Oktober 2015

Berger / Schubert: Die schöne Müllerin; Schäfer/Koch (Avi-Music)

„Am Anfang stand ein Gesellschafts- spiel mit Musik“, so berichtet das Beiheft zu dieser CD: „Im Berliner Haus des Geheimen Staatsrats Friedrich August von Staegemann führte eine Schar junger Kunst- freunde im Herbst 1816 ein kleines Theaterstück mit Liedern auf.“ Es ging darin um eine junge Dame namens Rose, die schöne Müllerin, die von drei Männern umschwärmt wird – einem Müller, einem Gärtner und einem Jäger. Diesem gelingt es letztendlich, das Herz des Mädchens zu erobern. 
Um die bei dieser Aufführung improvisierten Gesänge durch „echte“ Vertonungen zu ersetzen, wurde dann der Berliner Komponist Ludwig Berger (1777 bis 1839) hinzugezogen. Er wählte zehn Stücke aus und veröffentlichte sie im Jahre 1818 unter dem Titel Gesänge aus dem gesellschaftlichen Liederspiele ,Die schöne Müllerin’. Die Liedtexte stammten von verschiedenen Autoren, allerdings waren schon unter den von Berger in Musik gesetzten Stücken bereits fünf aus der Feder von Wilhelm Müller. Der junge Mann, der es später in seiner Heimatstadt Dessau bis zum Hofrat brachte, spielte bei dem Theaterstück kurioserweise auch tatsächlich die Rolle des Müllerburschen. 
Er schrieb brillante Gedichte, die von seinen Zeitgenossen mit großer Begeisterung gelesen wurden. So überarbeitete und erweiterte er in späteren Jahren auch seine Beiträge zu jenem Liederspiel, und veröffentlichte schließlich eine Folge von 23 Gedichten nebst einem ziemlich ironischen Prolog und einem Epilog. Auf diese Werke wiederum wurde dann Franz Schubert (1797 bis 1828) aufmerksam. Der Komponist ignorierte die Ironie; er vertonte 20 dieser Gedichte – und schuf mit Die schöne Müllerin einen bedeutenden Liederzyklus der Romantik. 
Auf dieser CD erklingen nun zum allerersten Male beide „Müllerinnen“, gesungen von dem Tenor Markus Schäfer, begleitet von Tobias Koch – der dabei auch ein ganz besonderes Klavier benutzte. Koch spielt ein Piano- forte von Johann Fritz, Wien um 1830, mit Wiener Mechanik und vier Pedalen, aus der Sammlung Beetz. Der „authentische“ Klang ist ja kein Wert an sich, aber in diesem Falle ist er ein Erlebnis. Denn dieses Instru- ment ist sehr viel dezenter und zugleich mit seinen vielen Farben und seinem schwebenden Klang wesentlich präsenter als ein moderner Flügel. 
Berger hat die meisten Gedichte als Strophenlieder gestaltet, und dabei nur selten Varianten auskomponiert. Es ist aber bekannt, dass die Interpreten jener Zeit den Notentext relativ frei gestalteten und abwandelten. Auf der Suche nach der zeitgenössischen Vortragspraxis stießen Schäfer und Koch auf interessante Dokumente – Abschriften und frühe Ausgaben der Schönen Müllerin, mit Eintragungen und Varianten, die zeigen, dass auch bei derart durchkomponierten Werken ein kreativer Umgang mit dem Notentext gang und gäbe war. So wurden Wiederholungen genutzt, um eigene Ideen einzubringen. 
Schäfer und Koch haben diese Praxis ausprobiert, wobei sie auf Variatio- nen im Sinne einer Auszierung meistens verzichten. Statt dessen haben die beiden Musiker nach Möglichkeiten gesucht, Details sowohl aus dem Text als auch aus der Musik hervorzuheben und weiterführend auszudeuten. Nicht nur in der Singstimme, sondern auch im Klavierpart haben sie gemeinsam verblüffende Lösungen gefunden, die aufhorchen lassen. Dabei gehen sie mit Schuberts Musik stets achtsam um. Das Ergebnis finde ich sehr beachtlich und durchaus bedenkens- und hörenswert. 

Mittwoch, 3. November 2010

Birth of The Cello - Julius Berger (Solo Musica)

Das Label Solo Musica verblüfft immer wieder mit verrückten musikalischen Projekten. Wer kommt schon auf die Idee, die ersten Werke für Violoncello, die jemals gedruckt wurden, auf einem Violoncello von Andrea Amati - fertiggestellt im Jahre 1566 und damit eines der ältesten derartigen Instrumente der Welt überhaupt - einzuspielen? 
Der Cellist Julius Berger engagiert sich seit vielen Jahren für die Werke von Gianbattista Degli Antonii (1636 bis 1698) und Domenico Gabrielli (1651 bis 1690). Die beiden Musiker stammen aus Bologna; Degli Antonii war Organist der Kirche San Giacomo Maggiore, Gabrielli wirkte als Cellist an St. Petronio. Beide wurden von Francesco II., dem cellospielenden Fürsten von Modena, geschätzt und gefördert. Ihm widmete Degli Antonii daher seine Ricercate sopra il Violoncello, die 1687 in Bologna im Druck erschienen sind. Es wird vermutet, dass Gabrielli seine Sette ricercari per il violoncello solo ein Jahr später geschrieben hat.
Beide Werke stehen bei Musikwissenschaftlern seltsamerweise nicht hoch im Ansehen. Sie werden gern als pädagogische Werke oder als Lehr- und Übungsstücke abgetan. Diese CD beweist jedoch, dass die alten Stücke viel mehr sind als Trainingsmaterial für Musikerfinger. Denn sie sind stimmungsvolle, traumhaft schöne Musik - und Berger, der hier mit ganzer Seele musiziert, tut recht daran, sie Bachs Solo- suiten zur Seite zu stellen. "Für mich gehört die Entdeckung der ersten Werke für Violoncello solo mit dem ältesten Violoncello der Welt zu meinen faszinierendsten Erfahrungen", meint Berger. "Den Zuhörern wünsche ich ähnliche Erlebnisse, ich wünsche Ihnen durch die Musik von Degli Antonii und Gabrielli das, was Bach die ,Recrea- tion des Gemüths' genannt hat." Die Aufnahme ist grandios gespielt, und von nahezu überirdischer Klangschönheit - ein großer Wurf, in jeder Hinsicht. Für mich gehört diese CD zu den besten und interes- santesten Violoncello-Einspielungen der letzten Jahre.