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Montag, 3. Juni 2019

Pleyel: Piano compositions for two and four hands (Hänssler Profil)

Ignaz Joseph Pleyel (1757 bis 1831) war vielseitig interessiert und auch sehr geschäftstüchtig. Über den Lebensweg des erfolgreichen Pianisten, Kapellmeisters, Komponisten, Musikverlegers und Begründers einer Klaviermanufaktur haben wir in diesem Blog bereits an anderer Stelle ausführlich berichtet. 
Von seiner Musik hingegen gibt es zumeist wenig zu berichten, weil sie heutzutage wenig gespielt wird. Ich bin zu der Meinung gelangt, dass Pleyel unterschätzt wird. Und darin bestätigt mich auch diese neue Einspielung aus der Edition Günter Hänssler: Leonore von Stauss und ihr Lehrer Wolfgang Brunner stellen Klaviermusik des Komponisten vor. Dabei scheuen sie, ebenso wie einst Pleyel, das Populäre nicht – und so erklingen neben dem Konzert für zwei Klaviere und Ausschnitten aus dem Receuil de trois pieces pour le Clavecin solo ou Harpe auch drei Sonaten à Quatre Mains, geschickt arrangiert von Pleyel nach drei seiner Violinduos, und eine Folge von Ecossaisen, also Tänzen, die Wolfgang Brunner behutsam für zwei Hammerflügel arrangiert hat. Musiziert wird auf Nachbauten historischer Instrumente, und klanglich sind die beiden Fortepianos wirklich sehr reizvoll. Die Einspielung hat generell Witz und Charme; in den Kadenzen lugt gelegentlich auch die Moderne um die Ecke. Hinreißend! 

Dienstag, 14. November 2017

Sinfonie Concertante - Mozart, Holzbauer, Pleyel (Sony)

Die Sinfonia Concertante, entstanden aus der Verflechtung von Sinfonie, Solokonzert und Divertimento, erlebte ihre Blütezeit zwischen 1770 und 1825. Sie erfreute Musiker wie Publikum durch einen gefälligen Orchestersatz und brillante Solo-Partien. Die Konzertante, wie sie auch genannt wird, kam zunächst in Paris in Mode. Derartige Werke erklangen aber bald überall, wo exzellente Musiker verfügbar waren – so in Mannheim, in Wien oder aber in London. 
Das Kammerorchester Basel stellt auf dieser CD drei besonders schöne Exemplare vor. Zu hören ist an erster Stelle die Sinfonia Concertante in Es-Dur des Mannheimer Hofkapell- meisters und Hofkomponisten Ignaz Holzbauer (1711 bis 1783). Bei diesem  Stück konzertieren Violine, Viola und Violoncello. 
Flöte, Oboe, Fagott, gleich zwei Violinen, Viola, Violoncello und Kontrabass hat hingegen Ignaz Joseph Pleyel (1757 bis 1831) mit Solo-Aufgaben betraut. Die Sinfonia Concertante in F-Dur B. 113 des Haydn-Schülers und Straßburger Domkapellmeisters bietet aber nicht nur farbenreiche Soli, sondern dazu auch eine  wunderschöne dezente Orchesterbegleitung. 
Die Sinfonia Concertante in Es-Dur KV 297b, von Wolfgang Amadeus Mozart komponiert im April 1778 für Flöte, Oboe, Fagott, Horn und Orchester. Vorgesehen war sie für den Flötisten Johann Baptist Wendling, den Oboisten Friedrich Ramm, den Hornisten Johann Wenzel Stich, besser bekannt als Giovanni Punto, und den Fagottisten Georg Wenzel Ritter; erklingen sollte sie im Concert Spirituel. Die Solisten, so erfahren wir aus Mozarts Briefwechsel mit dem Vater, kennen ihre Partien bereits und „sind noch ganz darein verliebt“. Aber aber dann wird ein ganz anderes Werk aufgeführt, und Mozarts Partitur bleibt auch verschwun- den. 
Im Nachlass des Mozart-Biographen Otto Jahn findet sich dann die Abschrift eines Werkes für Oboe, Klarinette, Horn, Fagott und Orchester. Musikwissenschaftler gehen heute davon aus, dass zwar die Solostimmen auf der ursprünglichen Fassung beruhen – aber dieser Orchesterpart nicht von Mozart stammt. Auf dieser CD erklingt nun das verschollene Werk in einer von Robert Levin rekonstruierten Fassung, dirigiert von Umberto Benedetti Michelangeli. 
Das Kammerorchester Basel musiziert auf modernen Instrumenten, es hat dabei jedoch die historische Perspektive stets im Blick. Den Musikern um Konzertmeisterin Julia Schröder ist einmal mehr eine Produktion gelungen, die rundum überzeugt – und der Hörer darf sich über wirkliche Entdeckungen freuen. 

Sonntag, 24. September 2017

Music for Violin & Viola (Brilliant Classics)

Kammermusik und Konzerte aus drei Jahrhunderten für die seltene Solisten-Kombination Geige und Bratsche bietet diese Doppel-CD aus dem Hause Brilliant Classics. Der italienische Geiger Davide Alogna und der mexikanische Bratschist José Adolfo Alejo haben dafür eine sehr hörenswerte Auswahl zusammen- gestellt, die neben Bekanntem, wie der berühmten Sinfonia Concertante KV 364 von Wolfgang Amadeus Mozart und dem Doppelkonzert in e-Moll op. 88 von Max Bruch auch weniger populäre Stücke enthält, wie die Symphonie Concertante B112 von Ignaz Joseph Pleyel. Bei diesen drei Werken musizieren die Solisten gemeinsam mit dem mexikanischen Kammerorchester Camerata de Coahuila unter Leitung von Ramón Shade. 
Auf der ersten CD sind die beiden verwandten und klanglich doch so unterschiedlichen Instrumente in Duetten zu hören. Neben dem Duo in G-Dur KV 423 von Mozart erklingen hier das erste der 3 Madrigale H313 von Bohuslav Martinů, das Grand Duo op. 13 des Geigenvirtuosen Louis Spohr, eine Sonata a Duo des mexikanischen Komponisten Manuel Ponce und die beliebte Passacaglia auf ein Thema von Georg Friedrich Händel, ein ebenso klangschönes wie virtuoses Werk des norwegischen Kompo- nisten Johan Halvorsen. 

Montag, 3. Oktober 2016

Hidden Gems - Ignaz Joseph Pleyel (Ars)

Ignaz Joseph Pleyel (1757 bis 1831) galt zu Lebzeiten als „Componist von erstem Range“, man sah ihn auf Augenhöhe mit seinem Lehrer Joseph Haydn und mit Wolfgang Amadeus Mozart. Pleyel wurde in ganz Europa gefeiert, und seine Werke erschienen in erstklassigen Verlagen. Der Musi- ker erwies sich auch als erfolgreicher Geschäftsmann: In Paris gründete er einen Musikverlag, der rasch zu den Marktführern gehörte. Auch mit seiner Klaviermanufaktur verdiente Pleyel viel Geld. Und als er schließ- lich eine Konzertreihe, die Salons Pleyel, startete, kamen die Reichen und die Schönen, um europäischen Stars wie Frédéric Chopin oder dem Wunderkind Clara Wieck zu lauschen. La Salle Pleyel ist noch heute eine Institution in Paris. 
Die Musik von Ignaz Pleyel geriet allerdings in Vergessenheit – aus uner- findlichen Gründen, wie man nach dem Anhören zweier CD mit Hidden Gems feststellen muss. Sie sind auf Initiative der Internationalen Ignaz Joseph Pleyel Gesellschaft (IPG) entstanden, die sich an seinem Geburts- ort, im niederösterreichischen Ruppersthal, ganz entschieden für das Vermächtnis des Komponisten einsetzt – und sie enthalten wahrhaftige Schätze. Aus dem Jahre 1792 stammen die drei Streichquartette Ben 359, Ben 360 und Ben 361. Es musiziert das Ignaz Pleyel Quartett mit Raimund Lissy und Dominik Hellsberg, Violine, Robert Bauerstatter, Viola und Bernhard Naoki Hedenborg, Violoncello, sämtlich Mitglieder der Wiener Philharmoniker. 
Auf der zweiten CD folgen Pleyels Violinkonzert in C-Dur, Ben 1106, das Bratschenkonzert in D-Dur, Ben 1062 und die Sinfonie in B-Dur, Ben 127/1493. Es musizieren die Camerata pro Musica unter Christian Birn- baum; als Solisten sind Cornelia Löscher, Violine, und Robert Bauerstatter, Viola, zu erleben. Immer wieder verblüfft die Originalität, mit der Pleyel seine Werke gestaltet, sein überaus eleganter Stil und seine liebevolle Instrumentierung, die auch Orchesterinstrumente mit ihren Klangfarben immer wieder aufs Schönste zur Geltung bringt. Man kann der IPG für diese beiden CD mit Entdeckungen nur dankbar sein; sämtliche Werke erklingen in Weltersteinspielungen – und hoffentlich folgen noch viele ähnlich engagierte Aufnahmen nach; es wäre großartig, wenn sie ergänzt würden durch Noteneditionen.

Mittwoch, 27. Juli 2016

Konzert-Raritäten aus dem Pleyel-Museum Vol. 16 (Ars Produktion)

Das Pleyel-Museum, ansässig im niederösterreichischen Ruppersthal im Geburtshaus von Ignaz Joseph Pleyel (1757 bis 1831), überrascht einmal mehr mit einer Neuveröf- fentlichung: Zwei konzertante Sym- phonien und eine Symphonie aus der Feder des Komponisten haben die Camerata pro Musica gemeinsam mit exzellenten Solisten unter Leitung von Christian Birnbaum 2014 in ihrem Neujahrskonzert in Grafen- wörth vorgestellt. 
Hört man den Mitschnitt dieser Aufführung, dann fragt man sich einmal mehr, wieso Pleyel, Musiker, Komponist, Musikverleger und Klavierfabrikant und in all dem sehr erfolgreich, derart in Vergessenheit geraten konnte. Seine Symphonie in d-Moll Ben 160, auf dieser CD in Weltersteinspielung, erweist sich als ein dramatisches Stück von hohem Rang. 
Außedem erklingen die Symphonie Concertante in A-Dur Ben 114 für Klavier, Violine  und Orchester sowie die Symphonie Concertante in F-Dur Ben 115 für Flöte, Oboe, Horn, Fagott und Orchester, letztere in der Origi- nalversion Pleyels nach dem Erstdruck aus dem Jahre 1802. Die konzer- tierenden Soloinstrumente werden durchweg von erstklassigen Musikern gespielt; der Zuhörer darf sich zudem daran erfreuen, dass Pleyel offenbar ein ausgesprochenes „Händchen“ für Klangfarben und musikalische Effekte hatte. Es ist zu wünschen, dass diese charmanten Werke zukünftig auch in so manchem Abonnementkonzert erklingen – sie dürften sowohl den Solisten als auch dem Publikum Vergnügen bereiten. 

Mittwoch, 6. August 2014

Pleyel: Preußische Quartette 1-3 (cpo)

Mit den Streichquartetten 1-3 schließt das Pleyel Quartett Köln nun seine Einspielung der Preußischen Quartette von Ignaz Pleyel ab. Bereits erschienen waren die Quartette 4-6 und 7-9 auf jeweils einer CD, die außer- ordentlich positive Kritiken erhalten haben. Und das zu recht, denn Ingeborg Scheerer, Milena Schuster, Andreas Gerhardus und Nicholas Selo musizieren auf den Punkt. Mit ihrer Interpretation bringen sie den ganz besonderen Charme dieser Werke wunderbar zur Geltung. Die vier Musiker haben aber auch eine dankbare Aufgabe, denn Pleyel hat alle vier Instru- mente gleichermaßen mit schönen Melodien und  mit konzertanten Episoden bedacht. Diese Aufnahme ist einfach phantastisch – und Pleyel sollte ohnehin viel öfter zu hören sein. Bravi! 

Dienstag, 3. Juni 2014

Pleyel: Streicher-Raritäten (Ars Produktion)

„Dann sind dermalen Quartetten heraus von einem gewissen Pleyel, dieser ist ein Scolar von Joseph Haydn“, schrieb Wolfgang Ama- deus Mozart 1784 in einem Brief an seinen Vater nach Salzburg. „Wenn sie selbige noch nicht kennen, dann suchen Sie sie zu bekommen; es ist der Mühe werth. Sie sind sehr gut geschrieben und sehr angenehm. Er wird seinen Meister gleich herauskennen. Gut und glücklich für die Musik, wenn Pleyel seiner Zeit imstande ist, uns Haydn zu remplacieren.“ Wenn man bedenkt, wie selten Mozart positiv über einen Mitmusiker urteilte, dann wiegt dieses Lob gleich noch viel schwerer – zumal der Briefschreiber Haydn sehr schätzte und verehrte. 
Dennoch hat die Musikgeschichtsschreibung Ignaz Joseph Pleyel (1757 bis 1831) zum Leichtgewicht erklärt und seine Werke dem Vergessen anheimgegeben. Dass dies ein Fehler war, davon kann sich jeder leicht überzeugen, wenn er sich diese CD anhört. Die jüngste Folge der Pleyel-Edition bietet Raritäten in Ersteinspielungen. Das Janácek Quartett, unterstützt durch Bohuslav Matousek und Miloslav Jelínek, musiziert mit schönem Ton und in geistiger Harmonie. Zu hören ist das Streichquartett Ben 352 – mit nur einer Violine, aber dafür mit zwei Bratschen und Violoncello. Das Streichsextett in F-Dur Ben261 besetzte Pleyel mit zwei Violinen, zwei Bratschen, Violoncello und Kontrabass. Das Ergebnis ist ein satter Sound, wie man heute sagen würde. Und wunderbar gelungen, mit zauberhaften musika- lischen Einfällen, ist das Werk obendrein. Den Abschluss macht das Quintett Ben 287, ein Spätwerk Pleyels, das ungedruckt geblieben ist. Es hat einen enormen Umfang und beeindruckt durch eine kühne Kombination aus Kontrapunkt und Moderne. Unbedingt anhören! 

Freitag, 24. Mai 2013

Pleyel: Partitas for Winds (Accent)

Ignaz Joseph Pleyel (1757 bis 11831) war ein Schüler von Johann Baptist Vanhal. Von 1772 bis 1777 wurde er zudem durch Joseph Haydn unterrichtet; finanziert wurde diese Ausbildung von Graf Ladislaus Erdödy, in dessen Diensten Pleyel dann von 1777 bis 1783 als Kapellmeister stand. Dieser Mäzen schickte seinen Schützling obendrein zu einem Studienaufenthalt nach Italien.
Harmoniemusiken schrieb Pleyel wahrscheinlich in dieser seiner Preßburger Zeit; die Bläsermusiken auf der vorliegenden CD sind allerdings mit Sicherheit jünger. Denn es handelt sich um Bearbeitungen von Streichquartetten und einem Streichquintett, die erst in der Strassburger Zeit des Komponisten entstanden sind. Ob die Arrangements durchweg von Pleyel stammen, daran darf zudem gezweifelt werden. In jedem Falle aber lassen sie vergessen, dass diese Werke ursprünglich für Streicher komponiert worden sind – sie klingen, als wären sie für Bläser erdacht, und sie sind auch mitnichten musikalische Meterware, wie sie seinerzeit zur Unterhaltung der adligen Herrschaften von etlichen Komponisten produziert worden ist.
Das Amphion-Bläseroktett stellt eine beachtliche Auswahl davon sehr hörenswert vor. Die Musiker sind Absolventen der Schola Cantorum Basiliensis, und dass sie die Musik der Klassik aus musikhistorischer Perspektive betrachten, das macht ihre Interpretation doppelt spannend. Es ist schon ein erstaunlicher Unterschied, ob Musiker, die an Musik aus Romantik und Spätromantik geschult sind, Pleyel oder auch Beethoven spielen – oder Musiker, die normalerweise im Barockorchester wirken. Die klanglichen Auswirkungen dieses ande- ren Blickwinkels sind enorm. Absolut faszinierend!

Freitag, 19. Oktober 2012

Serenade for Dieter Klöcker (MDG)

Eigentlich wollte Dieter Klöcker Archäologe werden. Doch dann zeigte ihm sein Klarinettenlehrer Karl Kroll, dass man auch als Musiker Entdeckungen machen kann. Denn Kroll war vor dem Ersten Weltkrieg Soloklarinettist des St. Petersburger Hoforchesters gewesen - und steckte mit seiner Begeisterung für die Pretiosen, die er dort in der Bibliothek vorge- funden hatte, auch seinen Schüler an.
Bereits bei seinem Musikstudium in Detmold bei Jost Michaels begann Klöcker, sich für die Kammermusik zu engagieren. Doch der Detmolder Bläserkreis, mit dem Klöcker seine ersten Konzertreisen und Rundfunkaufnahmen absolvierte, zerstreute sich nach dem Examen seiner Mitglieder. Aus den Augen verloren haben sich die Bläser aber nicht; gemeinsamen Auftritten als "Rheinisches Bläsersextett" folgte 1965 die Gründung des Ensembles Consortium Classicum. Das klang nicht nur eleganter - es ließ auch Raum für gemischte Besetzungen, beispielsweise mit Streichern und Klavier.
1968 beschloss Klöcker, die Anstellung im Orchester aufzugeben, um sich ganz der Kammermusik und seiner Solistenkarriere zu widmen. Er ging in Archiven und Musikbibliotheken auf die Suche - und fand dort Musik, die das Publikum entzückte. Wenn Namen wie Cannabich, Lachner oder Hummel heute dem Musikfreund wieder präsent sind, so ist das nicht zuletzt sein Verdienst. Schallplatteneditionen zu Themenkomplexen wie Bayerns Schlösser und Residenzen, Haydn - seine Freunde und Schüler oder Mozart - Original und Fälschung geben Zeugnis von seiner Entdeckerfreude. So ist Klöcker, obwohl er doch Musiker geworden ist, dennoch so manche Ausgrabung gelungen.
Seit 1986 erschienen die Aufnahmen von Dieter Klöcker und dem Consortium Classicum bei Dabringhaus und Grimm. Am 21. Mai 2011, kurz nach seinem 75. Geburtstag, ist der Musiker gestorben. MDG ehrt das Andenken dieses virtuosen Klarinettisten, hochgeschätzten Lehrers und akribischen Forschers nun mit einer Auswahl aus dem umfangreichen Fundus seiner Aufnahmen.
Die Edition beginnt mit den Bläserquartetten von Gioacchino Rossini, aberwitzig virtuosen Stücken, die wirken, als wären sie für das Con- sortium Classicum geschrieben. Noch immer hört man, wieviel Ver- gnügen Wolfgang Dünschede, Flöte, Dieter Klöcker an der Klarinette, Klaus Wallendorf, Horn und  Karl-Otto Hartmann am Fagott mit diesen brillanten Werken hatten. Dieses Feuerwerk an Musizierlust und Esprit war die erste Gesamteinspielung dieser Werke überhaupt – und das Debüt des Ensembles bei MDG.
Klöcker verdanken wir die Wiederentdeckung von großartiger Musik lange vergessener Komponisten, aber auch den Zugang zu berühmten Meisterwerken in zeitgenössischen Arrangements. Ohne seine beharrliche Suche nach solchen Raritäten würden die zauberhaften Serenaden von Johann Nepomuk Hummel und Ignaz Pleyel sowie die Kammermusik von Carl Czerny wohl noch immer im Archivstaub vor sich hin schlummern. Die interessanten Bearbeitungen für Klarinette und Streichtrio von Vincent Gambaro nach Streichquartetten von Joseph Haydn wären ebenso unbekannt geblieben wie ihr Autor. Und natürlich stellte Klöcker auch neben Mozarts berühmte Sinfonia concertante KV 297b zwei Überraschungen.
Ergänzt wird die Sieben-CD-Box durch die Portrait-CD des Consor- tium Classicum aus dem Jahre 1993, die ebenfalls das außerordent- lich breite Repertoire dieses Ensembles präsentiert. Musiziert wird stets auf allerhöchstem Niveau. Jede dieser Aufnahmen ist gelungen, und die Angabe "Vol. 1" auf der Box lässt darauf hoffen, dass weitere folgen werden. 

Samstag, 25. Juni 2011

Pleyel: Piano Trios (cpo)

„Ich arbeite gegenwärtig für Salo- mons Concert“, schrieb Joseph Haydn im Januar 1792 in einem Brief aus London nach Wien, „und bin bemüssigt mir all erdenckliche mühe zu geben, weil unsere geg- ner die Professional versamlung meinen schüller Pleyel von Strass- burg haben anhero kommen lassen, um Ihre Concerte zu Diri- giren. Es wird also einen blutig Harmonischen Krieg absezen zwi- schen dem Meister und schüller“. Doch der Skandal, auf den die beiden Konzertveranstalter Johann Peter Salomon und Wilhelm Cramer möglicherweise spekulierten, bleibt aus. Statt dessen ver- bringen Haydn, der alte Lehrer, und Pleyel, ganz der bescheidene Schüler, viel Zeit gemeinsam – und man einigt sich darauf, dass die Veranstalter sich in die Werke der beiden Stars teilen.
Gerade 15 Jahre alt war Ignaz Pleyel (1757 bis 1831), als ihn Graf Ladislaus Erdödy nach Eisenstadt schickt. Der Graf bezahlte ihm den Aufenthalt am Hofe Esterházy, wo Pleyel immerhin fünf Jahre lang Haydns Schüler und Kostgänger war. Anschließend trat Pleyel seine erste Stelle an – als Kapellmeister seines Mäzens. Nach einer Italien-Reise wurde er erst Assistent und dann Kapellmeister am Straßburger Münster. Doch dann kam die Französische Revolution, und damit war die Kirchenmusik vorerst zu Ende. Da nahm Pleyel das Angebot Cramers gern an – zumal er in London genug Geld verdiente, um sich nach seiner Rückkehr das Chateau d’Ittenwiller unweit von Straßburg zu kaufen. Und auch später erwies sich Pleyel als ein geschäftstüch- tiger Mann, der Chancen erkannte und mit Geschick nutzte.
Diese CD enthält vier seiner Klaviertrios. Es sind durchweg abwechs- lungsreiche Stücke, die so manche hübsche Idee aufweisen, und alle drei beteiligten Instrumente gleichermaßen zur Geltung kommen lassen. Das Trio 1790, spezialisiert auf die Zeitspanne zwischen der Entstehung der Gattung Klaviertrio um 1760 und dem Ausklang der Wiener Klassik um 1820, serviert Pleyels Musik gefällig und auch ein bisschen pikant. Annette Wehnert, Violine, Imola Gombos/Jennifer Morsches, Violoncello und Harald Hoeren, Fortepiano/Cembalo, musizieren schwungvoll und sehr harmonisch. Eine gelungene Einspielung, die hier empfohlen werden kann.

Sonntag, 8. Mai 2011

Pleyel: Klavierwerke (Gramola)

Joseph Stephan Camille Pleyel (1788 bis 1855) war der älteste Sohn des Musikunternehmers Ignaz Joseph Pleyel. Er hat ganz offenbar das Talent seines Vaters geerbt, und wurde ein heraus- ragender Klavierbauer, erfolgrei- cher Verleger, Komponist und einer der besten Pianisten seiner Zeit. Wie exzellent er das Instru- ment beherrschte, davon gibt Masha Dimitrieva auf dieser CD einen Eindruck. Die Pianistin erhielt ihre Ausbildung am Moskauer Konservatorium, der großartigen russischen Klaviertradition folgend - und sie spielt wahrlich beeindruckend. Über Figurationen, die wie gestochen im Raum stehen, errichtet sie Melodiebögen, die wie Brücken den Hörer durch diese Flut an pianistischen Einfällen gelei- ten. Pleyels Werke sind außerordentlich anspruchsvoll; sie verlangen von einem Interpreten nicht nur Virtuosität, sondern auch Sinn für Phrasierung und dynamische Gestaltung. Dimitrieva bringen diese brillanten Kabinettstücke nirgends in Verlegenheit. Sie stellt sich mit Spielfreude, ja mit Humor jeder Herausforderung - und demonstriert dabei ganz nebenbei die Klangmöglichkeiten des herrlichen Hammer- flügels Opus 1614 von Ignaz Joseph Pleyel aus dem Jahre 1831, der sich im Besitz des Pleyel-Museums im niederösterreichischen Ruppersthal befindet.

Freitag, 18. Februar 2011

Contemporaries of Mozart Collection (Chandos)

Sinfonien von Mozart-Zeitgenos- sen fasst diese Box auf fünf CD zusammen. Sie ist schön gestaltet, und wird durch ein sehr informati- ves Beiheft ergänzt - allerdings durchweg in englischer Sprache. Das wird nicht jeden Musikfreund erfreuen, doch das Label Chandos stammt nun einmal aus Groß- britannien.
Die London Mozart Players, eines der führenden Kammerorchester des Landes, musizieren unter Matthias Bamert. Der Dirigent, der aus der Schweiz stammt, ist ein ausgewiesener Experte, wenn es um die Musik des 18. Jahrhunderts geht. Er hat viele vergessene Werke wieder erschlossen. Bamert engagiert sich aber auch stark für die sogenannte Neue Musik, er hat viele Uraufführungen dirigiert. Die London Mozart Players hat er von 1993 bis 2000 geleitet - was diesen Aufnahmen ganz klar seine Handschrift gibt.
Die fünf CD ermöglichen eine ganze Reihe Entdeckungen. Da wären beispielsweise zwei Sinfonien von Franz Krommer, geboren 1759 in Südmähren als František Vincenc Kramář. Er lebte viele Jahre in Wien, und wurde 1818 zum Hofkomponisten und Hofkapellmeister des Kaisers Franz I. berufen. Mehr als 300 Werke des tschechischen Komponisten sind überliefert, darunter zahlreiche Streichquartette, Konzerte für verschiedene Instrumente, und sieben Sinfonien.
Carl Philipp Stamitz (1745 bis 1801) wuchs in Mannheim auf, und spielte dort zunächst 2. Violine in der berühmten Mannheimer Hofkapelle. Später ging er nach Paris und Versaille. Doch auch dort hielt es ihn nicht lange; Stamitz reiste durch ganz Europa, bis er schließlich 1794 die Leitung der akademischen Konzerte in Jena übernahm. Als er 1801 kurz nach seiner Frau starb, wurde von seinen Gläubigern fast sein gesamter Besitz versteigert. Leider sind dabei offenbar auch viele seiner Werke verschwunden.
Ignaz Josef Pleyl (1757 bis 1831) finanzierte ein Gönner die Ausbil- dung bei Joseph Haydn. Er lernte auch bei Vanhal und in Italien, bevor er dann nach Frankreich ging, die französische Staatsbürger- schaft annahm und zu Ignace Joseph Pleyel wurde. Berühmt war er vor allem für seine Kammermusik. Mozart lobte Pleyels Streich- quartette 1784 in einem Brief an seinen Vater: "Sie sind sehr gut geschrieben, und sehr angenehm; Sie werden auch gleich seinen Meister herauskennen. Gut - und glücklich für die Musik, wenn Pleyel seiner Zeit im Stande ist, uns Haydn zu replacieren!" Pleyel schrieb aber auch mehr als 40 Sinfonien - drei davon sind auf CD drei zu hören.
Leopold Kozeluch (1747 bis 1818) hätte der Nachfolger Mozarts als Hoforganist in Salzburg werden können. Dieses Amt wurde ihm angeboten, doch der Musiker, der in Wien sehr erfolgreich als Pianist und Musikpädagoge tätig war, lehnte ab. Er zog es vor, weiterhin Erzherzogin Elisabeth von Württemberg und Marie-Louise, die Tochter des Kaisers, zu unterrichten - und wurde 1792 zum Kammer- kapellmeister und Hofkomponisten ernannt. Seine Werke - es sind etwa 400 Kompositionen überliefert, davon wohl um die 30 Sinfonien - wurden zu Lebzeiten des Künstlers ebenso heftig gefeiert wie abge- lehnt. Sie klingen allerdings mitunter schon eher nach Beethoven als nach Haydn. 

Pavel Vranitzký (1756 bis 1808) stammt aus einem kleinen mähri- schen Städtchen, und hat eigentlich Theologie studiert. Doch statt in den Dienst der Kirche trat Paul Wranitzky, wie er sich im Zuge seiner Übersiedlung nach Wien nannte,  1784 in die Dienste von Graf Johann Baptist Esterházy, und 1785 wurde er Leiter des neu gegründeten Orchesters der Hofoper am Kärntertortheater  in Wien. Er war ein angesehener Dirigent; so leitete Wranitzky auf Wunsch des Musiker- kollegen unter anderem die Uraufführung von Beethovens erster Sinfonie. Doch er komponierte auch selbst. CD fünf enthält zwei seiner mehr als 50 Sinfonien, sowie die Grande sinfonie caractéristique pour la paix avec la République française op. 31 - eigentlich ein Werk für "großes" Orchester, das die Ereignisse der Französischen Revolu- tion schildert. Ihre Uraufführung 1797 in Wien wurde übrigens vom Kaiser untersagt; nicht nur der Titel erschien dem Hof gefährlich. 


Dienstag, 25. Mai 2010

Pleyel: 6 Duos for 2 Violins (Hungaroton)

Ignace Joseph Pleyel (1757 - 1831) war nur ein Jahr jünger als Mozart, aber ein Musikunternehmer vom Scheitel bis zur Sohle. Sein Lebens- werk erscheint gigantisch. Den wechselnden Umständen seines Lebens konnte er immer einen Fortschritt in seiner persönlichen und künstlerischen Entwicklung abgewinnen.
So wurde er auch in Paris, wo er sich letztendlich niedergelassen hatte, bald zu einer zentralen Figur des musikalischen Lebens. Er war Komponist, Kapellmeister, Musikverleger, Musikalienhändler, Klavierfabrikant, Musikpädagoge und sogar Konzertveranstalter in einer Person.
Die Sechs Violinduos op. 23, B 513-518, entstanden vor Pleyels Umzug nach Paris, in seinen fruchtbaren Strassburger Jahren. Vilmos Szabadi und Béla Bánfalvi haben sie für Hungaroton Classic liebevoll erstmals eingespielt. Das lohnt sich durchaus, denn die Duette erweisen sich als ebenso charmante wie anspruchsvolle Stücke mit virtuosen, stürmischen Passagen und bezaubernden, gefühlvollen Kantilenen. Geschrieben wurden sie wahrscheinlich für die gehobene Hausmusik. Sie sind aber keine musikalische Meterware; sie atmen vielmehr Haydnschen Geist und Witz - was kein Zufall ist, denn Pleyel war Haydns Schüler, und die beiden Komponisten waren zudem zeitlebens eng befreundet.