Das Ensemble Weser-Renaissance Bremen unter Manfred Cordes wendet sich auf dieser CD den Psalmkompositionen und Kantaten von Georg Österreich (1664 bis 1753) zu. Der musikhistorisch interessierte Hörer wird erstaunt sein – denn bekannt ist Österreich, als Kapellmeister der Herzöge von Schleswig-Holstein-Gottorf, vor allem für seine ebenso exquisite wie umfangreiche Musiksammlung. Insbesondere für Werke der „Vor-Bach-Zeit“ erweist sie sich als ein äußerst wertvoller Bestand, der seinesgleichen sucht.
Österreich stammte aus Magdeburg, und wie auch sein älterer Bruder lernte er an der Leipziger Thomasschule. Dort wurde er bald zum Alt-Solisten. Als Altist und nach dem Stimmbruch dann als Tenor sang er anschließend auch in der Hamburger Ratskapelle. Ab 1686 war Österreich am Hof von Wolfenbüttel als Sänger engagiert; er muss dort von Kapellmeister Johann Theile sehr viel gelernt haben, denn drei Jahre später holte ihn Herzog Christian Albrecht als Hofkapellmeister nach Gottorf.
Dass Georg Österreich sich auch als Komponist auszeichnete, beweist diese CD. Zu hören ist eine Psalmvertonung in venezianischer Tradition, dazu lateinische Psalmmusik protestantischer Prägung sowie eine Sonntagskantate, die Bezug auf einen Evangelientext nimmt, diesen aber ungemein dramatisch ausgestaltet. Auch zwei weitere Beispiele, Trauerkantaten, machen deutlich, dass es Österreich weniger um vor allem raffinierte Strukturen als vielmehr um den musikalischen Ausdruck, um Klangwirkung ging. Die exzellenten Vokalisten und Instrumentalisten des Ensembles Weser-Renaissance machen daraus ein Erlebnis. Sehr gelungen!
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Sonntag, 4. November 2018
Freitag, 20. Juli 2018
Rosenmüller: In te Domine speravi (cpo)
Johann Rosenmüller (1617 bis 1684) gehört zu jenen Komponisten, die italienische Musizierkunst und protestantische Musizierkultur auf höchstem Niveau kombinierten. Über den Lebensweg des Musikers, der als Sohn eines Müllers in Oelsnitz im Vogtland zur Welt kam, wurde in diesem Blog bereits an anderer Stelle ausführlich berichtet.
Nach Italien reiste Rosenmüller zum ersten Mal im Jahre 1645; da hatte er bereits einen ersten Band mit Paduanen, Alemanden, Couranten, Balleten, Sarabanden veröffentlicht – und Heinrich Schütz höchstpersönlich hatte ihm ein Lobgedicht hinzu- gefügt. Nach Leipzig zurückgekehrt, wurde Rosenmüller 1651 Organist an der Nikolaikirche, dazu Universitätsmusikdirektor, und Stellvertreter des kränklichen Thomaskantors Tobias Michael. Dessen Nachfolge allerdings konnte er dann doch nicht antreten: Als er 1655 „grober Excesse bezüch- tiget“ wurde, ergriff Rosenmüller die Flucht.
Und er ging erneut nach Italien, wo er ab 1658 in Venedig als Posaunist in der Kapelle des Markusdomes sowie als maestro della coro am Ospedale della Pietà wirkte. Zugleich pflegte er aber auch seine Kontakte zum deutschen Adel, der seinerzeit gern nach Süden reiste, um Karneval zu feiern und Opern anzuhören. Auch die Gottesdienste, die von den figli der ospedali gestaltet wurden, waren eine Attraktion, die sich Besucher nicht entgehen ließen.
Letzten Endes holte Anton Ulrich von Braunschweig-Wolfenbüttel – der mehrfach in Venedig gewesen war – Rosenmüller im Jahre 1682 zurück nach Deutschland. So befinden sich zahlreiche Noten, insbesondere von Vokalwerken, heute in der Berliner Staatsbibliothek. Dort wird auch die Handschrift aufbewahrt, die dieser Einspielung zugrunde liegt – mit sieben Vertonungen der ersten Verse von Psalm 31.
Jede von ihnen verwendet eine andere Besetzung; sie sind kleine Wunder an Textausdeutung, und jede dieser Kompositionen beruht auf gänzlich eigenständigen musikalischen Ideen. Durch das Ensemble Weser-Renaissance Bremen, mit exzellenten Musikern und einer phantastischen Sängerriege, werden diese geistlichen Konzerte in einer geradezu exemplarischen Interpretation vorgestellt. Unter der Leitung von Manfred Cordes zeigen die erfahrenen Solisten, welcher Nuancenreichtum, trotz aller Klangpracht, in diesen Werken zu finden ist. Hinreißend!
Nach Italien reiste Rosenmüller zum ersten Mal im Jahre 1645; da hatte er bereits einen ersten Band mit Paduanen, Alemanden, Couranten, Balleten, Sarabanden veröffentlicht – und Heinrich Schütz höchstpersönlich hatte ihm ein Lobgedicht hinzu- gefügt. Nach Leipzig zurückgekehrt, wurde Rosenmüller 1651 Organist an der Nikolaikirche, dazu Universitätsmusikdirektor, und Stellvertreter des kränklichen Thomaskantors Tobias Michael. Dessen Nachfolge allerdings konnte er dann doch nicht antreten: Als er 1655 „grober Excesse bezüch- tiget“ wurde, ergriff Rosenmüller die Flucht.
Und er ging erneut nach Italien, wo er ab 1658 in Venedig als Posaunist in der Kapelle des Markusdomes sowie als maestro della coro am Ospedale della Pietà wirkte. Zugleich pflegte er aber auch seine Kontakte zum deutschen Adel, der seinerzeit gern nach Süden reiste, um Karneval zu feiern und Opern anzuhören. Auch die Gottesdienste, die von den figli der ospedali gestaltet wurden, waren eine Attraktion, die sich Besucher nicht entgehen ließen.
Letzten Endes holte Anton Ulrich von Braunschweig-Wolfenbüttel – der mehrfach in Venedig gewesen war – Rosenmüller im Jahre 1682 zurück nach Deutschland. So befinden sich zahlreiche Noten, insbesondere von Vokalwerken, heute in der Berliner Staatsbibliothek. Dort wird auch die Handschrift aufbewahrt, die dieser Einspielung zugrunde liegt – mit sieben Vertonungen der ersten Verse von Psalm 31.
Jede von ihnen verwendet eine andere Besetzung; sie sind kleine Wunder an Textausdeutung, und jede dieser Kompositionen beruht auf gänzlich eigenständigen musikalischen Ideen. Durch das Ensemble Weser-Renaissance Bremen, mit exzellenten Musikern und einer phantastischen Sängerriege, werden diese geistlichen Konzerte in einer geradezu exemplarischen Interpretation vorgestellt. Unter der Leitung von Manfred Cordes zeigen die erfahrenen Solisten, welcher Nuancenreichtum, trotz aller Klangpracht, in diesen Werken zu finden ist. Hinreißend!
Mittwoch, 2. Mai 2018
Walter: Geystliches Gesangk Buchleyn (cpo)
Eyn geystlich Gesangk Buchleyn von Johann Walter (1496 bis 1570), im Druck erschienen 1524, steht am Be- ginn der Tradition protestantischer Choralbearbeitungen. Der Komponist war ein enger Vertrauter Martin Luthers. Er stammte aus dem thüringischen Kahla, studierte in Leipzig, und wollte dann mit diesem Chorbuch eine Karriere als Sänger und Komponist am ernestinischen Hof in Torgau starten.
Leider starb sein Dienstherr, Kurfürst Friedrich der Weise, schon 1525 – und sein Nachfolger, Johann der Beständige, löste 1526 die Hofkantorei auf. Daraufhin gründete Walter die Stadtkantorei, die aus Torgauer Schülern und Bürgern bestand, und den Gottesdienst an der Marienkirche mit der neuartigen Kirchenmusik gestaltete. Damit wurde er zum „Urkantor“ der protestantisch-lutheri- schen Kirche.
Ein Schulkantorat für die muskalische Ausbildung der Schüler kam bald hinzu. Und ab 1536 gab es vom neuen Kurfürsten, Johann Friedrich dem Großmütigen, sogar Geld dafür. Im Schmalkaldischen Krieg fiel Torgau dann an die albertinische Linie. Kurfürst Moritz ernannte Walter zum Kapellmeister der Hofkantorei. Doch Querelen verleideten dem Musiker diesen Posten. 1554, nach der Weihe der neuen Dresdner Hofkapelle, ließ er sich pensionieren und kehrte nach Torgau zurück.
Auf dieser CD stellt das Ensemble Weser-Renaissance unter Leitung von Manfred Cordes eine Auswahl an Liedsätzen aus dem Geistlichen Gesangbüchlein Walters vor. Musikalisch orientierte sich Walter für seine Kompositionen am (weltlichen) Tenorlied, einer genuin bürgerlichen Gattung. Die vierstimmigen Liedsätze, bei denen die Melodie in der Tenorstimme liegt, werden von den Vokalisten und Instrumentalisten klanglich ausgesprochen abwechslungsreich und technisch versiert vorgetragen. So wird Musikgeschichte zum Hörgenuss!
Leider starb sein Dienstherr, Kurfürst Friedrich der Weise, schon 1525 – und sein Nachfolger, Johann der Beständige, löste 1526 die Hofkantorei auf. Daraufhin gründete Walter die Stadtkantorei, die aus Torgauer Schülern und Bürgern bestand, und den Gottesdienst an der Marienkirche mit der neuartigen Kirchenmusik gestaltete. Damit wurde er zum „Urkantor“ der protestantisch-lutheri- schen Kirche.
Ein Schulkantorat für die muskalische Ausbildung der Schüler kam bald hinzu. Und ab 1536 gab es vom neuen Kurfürsten, Johann Friedrich dem Großmütigen, sogar Geld dafür. Im Schmalkaldischen Krieg fiel Torgau dann an die albertinische Linie. Kurfürst Moritz ernannte Walter zum Kapellmeister der Hofkantorei. Doch Querelen verleideten dem Musiker diesen Posten. 1554, nach der Weihe der neuen Dresdner Hofkapelle, ließ er sich pensionieren und kehrte nach Torgau zurück.
Auf dieser CD stellt das Ensemble Weser-Renaissance unter Leitung von Manfred Cordes eine Auswahl an Liedsätzen aus dem Geistlichen Gesangbüchlein Walters vor. Musikalisch orientierte sich Walter für seine Kompositionen am (weltlichen) Tenorlied, einer genuin bürgerlichen Gattung. Die vierstimmigen Liedsätze, bei denen die Melodie in der Tenorstimme liegt, werden von den Vokalisten und Instrumentalisten klanglich ausgesprochen abwechslungsreich und technisch versiert vorgetragen. So wird Musikgeschichte zum Hörgenuss!
Sonntag, 29. Oktober 2017
Förtsch: Sacred Concertos - Cantatas (cpo)
Diese CD erinnert gleich dreifach an Gewichtiges aus der Musikgeschichte. Da wäre zum ersten die Hofkapelle der Herzöge von Schleswig-Holstein-Gottorf. Im 17. Jahrhundert gehörte, man glaubt es kaum, Gottorf in eine Reihe mit Musikmetropolen wie Wolfenbüttel, Dresden und München. Es schließt also in jeder Hinsicht eine Lücke, wenn das Label cpo nun mit einer CD-Reihe an diese glanzvolle Musiktradition im Norden erinnert.
Dann wäre da die Hofkapelle von Schloss Gottorf aus dem 16. Jahr- hundert mit ihrer prachtvollen Ausstattung, die glücklicherweise unverändert erhalten geblieben ist. Das gilt auch für die Orgel, die um die Jahrtausendwende aufwendig von dem dänischen Orgelbauer Mads Kjersgaard restauriert worden ist und heute wieder so klingt wie einst im Frühbarock.
Sie ist auch auf dieser CD zu hören, die in diesem historischen Klangraum eingespielt worden ist. Das Ensemble Weser-Renaissance Bremen präsentiert eine Auswahl von Kantaten von Johann Philipp Förtsch (1652 bis 1732). Er stammte aus Wertheim und studierte Medizin; in der Musik unterwies ihn unter anderem Johann Philipp Krieger. 1678 ging Förtsch nach Hamburg, wo er als Sänger in der Ratskapelle sowie in der Oper am Gänsemarkt wirkte. 1680 engagierte ihn der Herzog als Hofkapellmeister; allerdings wurde er schon bald Hofarzt. 1689 wurde Georg Österreich (1664 bis 1735) sein Nachfolger im Kapellmeisteramt. In seiner umfangreichen Musikaliensammlung sind auch Förtschs Werke überliefert.
Förtsch selbst war in späteren Jahren wohl ausschließlich als Arzt und Diplomat für die Herzöge tätig. In seinen Werken fällt auf, dass er trotz einer eher kleinen Besetzung höfisch-repräsentative Erwartungen geschickt bediente – auf dieser CD sind gleich zwei Werke zu finden, wo neben den Sängern auch zwei Trompeten, zwei Violinen, drei Gamben und Continuo zu hören sind.
Außerdem hat Förtsch seine Kantaten gekonnt als kleine geistliche Dramen gestaltet, so dass er seinen Dienstherren im Gottesdienst mit jenen Stilmitteln erfreute und erbaute, die dieser offenbar gut kannte und sehr schätzte; immerhin unterstützte der Herzog die Hamburger Oper finanziell. Dazu kombinierte Förtsch Bibelworte, frei gedichtete Zusätze und Choralstrophen, um eine szenische Wirkung zu erzielen.
Die Gottorfer Schlosskapelle mit ihrer reich verzierten Holz-Inneneinrich- tung erweist sich dafür als der perfekte Aufführungsort – sie hat kaum Nachhall, was den Klang transparent macht. Und das Ensemble Weser-Renaissance überzeugt einmal mehr als Spezialist für derartiges Repertoire. Vielen Dank für diese Entdeckung!
Dann wäre da die Hofkapelle von Schloss Gottorf aus dem 16. Jahr- hundert mit ihrer prachtvollen Ausstattung, die glücklicherweise unverändert erhalten geblieben ist. Das gilt auch für die Orgel, die um die Jahrtausendwende aufwendig von dem dänischen Orgelbauer Mads Kjersgaard restauriert worden ist und heute wieder so klingt wie einst im Frühbarock.
Sie ist auch auf dieser CD zu hören, die in diesem historischen Klangraum eingespielt worden ist. Das Ensemble Weser-Renaissance Bremen präsentiert eine Auswahl von Kantaten von Johann Philipp Förtsch (1652 bis 1732). Er stammte aus Wertheim und studierte Medizin; in der Musik unterwies ihn unter anderem Johann Philipp Krieger. 1678 ging Förtsch nach Hamburg, wo er als Sänger in der Ratskapelle sowie in der Oper am Gänsemarkt wirkte. 1680 engagierte ihn der Herzog als Hofkapellmeister; allerdings wurde er schon bald Hofarzt. 1689 wurde Georg Österreich (1664 bis 1735) sein Nachfolger im Kapellmeisteramt. In seiner umfangreichen Musikaliensammlung sind auch Förtschs Werke überliefert.
Förtsch selbst war in späteren Jahren wohl ausschließlich als Arzt und Diplomat für die Herzöge tätig. In seinen Werken fällt auf, dass er trotz einer eher kleinen Besetzung höfisch-repräsentative Erwartungen geschickt bediente – auf dieser CD sind gleich zwei Werke zu finden, wo neben den Sängern auch zwei Trompeten, zwei Violinen, drei Gamben und Continuo zu hören sind.
Außerdem hat Förtsch seine Kantaten gekonnt als kleine geistliche Dramen gestaltet, so dass er seinen Dienstherren im Gottesdienst mit jenen Stilmitteln erfreute und erbaute, die dieser offenbar gut kannte und sehr schätzte; immerhin unterstützte der Herzog die Hamburger Oper finanziell. Dazu kombinierte Förtsch Bibelworte, frei gedichtete Zusätze und Choralstrophen, um eine szenische Wirkung zu erzielen.
Die Gottorfer Schlosskapelle mit ihrer reich verzierten Holz-Inneneinrich- tung erweist sich dafür als der perfekte Aufführungsort – sie hat kaum Nachhall, was den Klang transparent macht. Und das Ensemble Weser-Renaissance überzeugt einmal mehr als Spezialist für derartiges Repertoire. Vielen Dank für diese Entdeckung!
Sonntag, 12. März 2017
Praetorius: Erhalt uns Herr bey deinem Wort (cpo)
Das Label cpo startet seine Veröffent- lichungen zum Reformationsjubiläum gleich mit einer neuen Reihe: „Musik aus Schloss Wolfenbüttel“ erinnert an die Welfen, die ihre Residenzstadt, beginnend in der Spätrenaissance, zu einem norddeutschen Kulturzentrum ausbauten. Über mehrere Generatio- nen förderten sie als Mäzene nicht nur die Musik, sondern auch die Lite- ratur, das Theater und die Malerei.
Mit Regierungsantritt im Jahre 1568 vollzog Herzog Julius von Braun- schweig-Wolfenbüttel in seinen Landen die Reformation. Zugleich orientierte er sich auch kulturell an Kursachsen. Die engen Kontakte nach Mitteldeutschland äußerten sich beispielsweise darin, dass sein Nachfol- ger, Herzog Heinrich Julius, Michael Praetorius (1571 bis 1621) als Kammerorganisten in seine Hofkapelle holte; 1604 beförderte er den Musiker dann zum Hofkapellmeister.
Auf dieser CD sind Luther-Choräle in Vertonungen von Michael Praetorius zu hören. Das ist kein Zufall: Praetorius entstammte einer Familie, die die Reformation seit ihren Anfängen mit Leidenschaft begleitet hatte. Michaels Vater, unter dem noch den nicht latinisierten Familiennamen Schulteis, hatte an der Universität zu Wittenberg studiert, wo Luther lehrte. Er unterrichtete dann zunächst als Lehrer an jener Lateinschule in Torgau, an der Johann Walter wirkte, der „Urkantor“ der evangelischen Kirche.
Dort begann auch die Schulausbildung von Michael Praetorius, die dieser anschließend in Zerbst fortsetzte. 1585 ging der Knabe zum Studium nach Frankfurt/Oder, wo er sich wie seine beiden älteren Brüder der Theologie widmen wollte. Als der Bruder starb, bei dem er wohnte, übernahm er, um weiter studieren zu können, das Amt des Universitätsorganisten. Wer sich für die Biographie des Musikers interessiert, kann mehr in diesem Blog an anderer Stelle nachlesen; bei den Orgelwerken wurde darüber bereits ausführlich berichtet.
Praetorius schuf ein umfangreiches Werk, das auch zu guten Teilen über- liefert ist, weil der Komponist seine Musik drucken ließ. Er verhalf der Wolfenbütteler Hofkapelle zu überregionalem Ruhm; man kann sich daher leicht vorstellen, wie gefragt diese Noten waren. Einen besonderen Platz in seinem Schaffen hatten die Choräle, die sich in vielfältigsten Varianten finden – vom schlichten Kantionalsatz bis hin zum großformatigen mehr- chörigen Konzert nach italienischen Vorbild.
Die venezianische Musizierpraxis soll Praetorius während seiner Reisen nach Prag kennengelernt haben. Wie erfolgreich er sich dieses Modell zu eigen gemacht hat, obwohl er nie selbst in Italien war, zeigt diese CD mit einer Auswahl an Choralkonzerten aus Praetorius' erlesener Kollektion Polyhymnia caduceatrix et panegyrica, veröffentlicht 1619. Bei Nun Frewt euch lieben Christen gemein sind gleich zwei Versionen, in großer und in weniger umfangreicher Besetzung, zu hören, unterbrochen vom Kantional- satz aus den Musae Sioniae VII.
Praetorius' Konzerte sind teilweise üppig besetzt, sie warten mit Klang- effekten und Mehrchörigkeit auf in der „neuen italienischen Concerten-Manier“. In den Werken des Wolfenbütteler Hofkapellmeisters haben nicht nur die Sänger, sondern auch die Instrumentalisten mitunter ausgespro- chen virtuose Partien; nicht nur im gemeinsamen Musizieren mit den Sängern, sondern auch in Sinfonien und Ritornellen können sie ihre Kunst zeigen. Das Ensemble Weser-Renaissance Bremen unter Leitung von Manfred Cordes musiziert mit starkem Ausdruck ebenso wie mit großer Klangpracht. So, wie die Vokalisten und Instrumentalisten des renommier- ten Ensembles diese Werke vortragen, vermag man sich gut vorzustellen, wie diese neue Art des Musizierens seinerzeit die Leute beeindruckt hat. Nicht nur der Andacht im Gottesdienst, sondern vor allem auch dem Ansehen des Herrscherhauses dürfte dies sehr zuträglich gewesen sein.
Mit Regierungsantritt im Jahre 1568 vollzog Herzog Julius von Braun- schweig-Wolfenbüttel in seinen Landen die Reformation. Zugleich orientierte er sich auch kulturell an Kursachsen. Die engen Kontakte nach Mitteldeutschland äußerten sich beispielsweise darin, dass sein Nachfol- ger, Herzog Heinrich Julius, Michael Praetorius (1571 bis 1621) als Kammerorganisten in seine Hofkapelle holte; 1604 beförderte er den Musiker dann zum Hofkapellmeister.
Auf dieser CD sind Luther-Choräle in Vertonungen von Michael Praetorius zu hören. Das ist kein Zufall: Praetorius entstammte einer Familie, die die Reformation seit ihren Anfängen mit Leidenschaft begleitet hatte. Michaels Vater, unter dem noch den nicht latinisierten Familiennamen Schulteis, hatte an der Universität zu Wittenberg studiert, wo Luther lehrte. Er unterrichtete dann zunächst als Lehrer an jener Lateinschule in Torgau, an der Johann Walter wirkte, der „Urkantor“ der evangelischen Kirche.
Dort begann auch die Schulausbildung von Michael Praetorius, die dieser anschließend in Zerbst fortsetzte. 1585 ging der Knabe zum Studium nach Frankfurt/Oder, wo er sich wie seine beiden älteren Brüder der Theologie widmen wollte. Als der Bruder starb, bei dem er wohnte, übernahm er, um weiter studieren zu können, das Amt des Universitätsorganisten. Wer sich für die Biographie des Musikers interessiert, kann mehr in diesem Blog an anderer Stelle nachlesen; bei den Orgelwerken wurde darüber bereits ausführlich berichtet.
Praetorius schuf ein umfangreiches Werk, das auch zu guten Teilen über- liefert ist, weil der Komponist seine Musik drucken ließ. Er verhalf der Wolfenbütteler Hofkapelle zu überregionalem Ruhm; man kann sich daher leicht vorstellen, wie gefragt diese Noten waren. Einen besonderen Platz in seinem Schaffen hatten die Choräle, die sich in vielfältigsten Varianten finden – vom schlichten Kantionalsatz bis hin zum großformatigen mehr- chörigen Konzert nach italienischen Vorbild.
Die venezianische Musizierpraxis soll Praetorius während seiner Reisen nach Prag kennengelernt haben. Wie erfolgreich er sich dieses Modell zu eigen gemacht hat, obwohl er nie selbst in Italien war, zeigt diese CD mit einer Auswahl an Choralkonzerten aus Praetorius' erlesener Kollektion Polyhymnia caduceatrix et panegyrica, veröffentlicht 1619. Bei Nun Frewt euch lieben Christen gemein sind gleich zwei Versionen, in großer und in weniger umfangreicher Besetzung, zu hören, unterbrochen vom Kantional- satz aus den Musae Sioniae VII.
Praetorius' Konzerte sind teilweise üppig besetzt, sie warten mit Klang- effekten und Mehrchörigkeit auf in der „neuen italienischen Concerten-Manier“. In den Werken des Wolfenbütteler Hofkapellmeisters haben nicht nur die Sänger, sondern auch die Instrumentalisten mitunter ausgespro- chen virtuose Partien; nicht nur im gemeinsamen Musizieren mit den Sängern, sondern auch in Sinfonien und Ritornellen können sie ihre Kunst zeigen. Das Ensemble Weser-Renaissance Bremen unter Leitung von Manfred Cordes musiziert mit starkem Ausdruck ebenso wie mit großer Klangpracht. So, wie die Vokalisten und Instrumentalisten des renommier- ten Ensembles diese Werke vortragen, vermag man sich gut vorzustellen, wie diese neue Art des Musizierens seinerzeit die Leute beeindruckt hat. Nicht nur der Andacht im Gottesdienst, sondern vor allem auch dem Ansehen des Herrscherhauses dürfte dies sehr zuträglich gewesen sein.
Sonntag, 13. Dezember 2015
de Morales: O Magnum Mysterium (cpo)
Geht es um die Feier der Geburt Christi, sind sich die verschiedenen christlichen Konfessionen in etlichen Details überraschend einig. So wurden Werke des katholischen Komponisten Cristóbal de Morales (um 1500 bis möglicherweise 1553) auch in protestantischen Drucken verbreitet. Das gilt insbesondere für jene Motetten, in denen er die Geburt Christi und die Anrufung Mariens nach biblischem Vorbild gestaltete. Wer aber war der Musiker, dessen Werke auch in Wittenberg oder in Nürnberg erschienen?
Der spanische Komponist, über dessen Herkunft, Kindheit und Jugend man offenbar nichts weiß, tritt im Jahre 1526 aus dem Dunkel der Geschichte – als Kapellmeister in Ávila, später dann in Plascencia. 1535 wurde er Sänger im Päpstlichen Chor der Kapella Sixtina. Fast zehn Jahre wirkte er in Rom; von Papst Paul III. wurde der Musiker sogar geadelt. 1545 kehrte de Morales nach Spanien zurück, wo er wieder als Kapell- meister tätig wurde – zunächst an der Kathedrale von Toledo, dann in Málaga. Dort verliert sich 1553 seine Spur; es wird vermutet, dass Cristóbal de Morales im September gestorben ist.
In seinen Werken kombiniert er die musikalischen Traditionen seiner Heimat mit der Musik, die er in Rom kennengelernt hat. Das Ergebnis überrascht, denn die Kompositionen wirken erstaunlich zeitlos; wer es nicht weiß, der wird nicht vermuten, dass diese ausdrucksstarken Werke tatsächlich so alt sind.
Manfred Cordes hat mit seinem Ensemble Weser-Renaissance eine CD mit Weihnachtsmotetten von Cristóbal de Morales bei cpo veröffentlicht. Dabei hatte er eine Besetzung zur Verfügung, die ebenso ungewöhnlich ist wie die Musik, die er gemeinsam mit diesen Sängern erkundet hat: Franz Vitzthum und Alex Potter, Diskant, Achim Schulz und Bernd O. Fröhlich, Tenor altus, Maciej Gocman und Jan van Elsacker, Tenor sowie Ulfried Staber und Kees Jan de Koning, Bass. Es ist eine faszinierende Musik zum Weihnachtsfest, feierlich und seltsam innig zugleich. Sie wird hier mit Noblesse und Transparenz vorgetragen – eine Aufnahme von großer Intensität und Strahlkraft.
Der spanische Komponist, über dessen Herkunft, Kindheit und Jugend man offenbar nichts weiß, tritt im Jahre 1526 aus dem Dunkel der Geschichte – als Kapellmeister in Ávila, später dann in Plascencia. 1535 wurde er Sänger im Päpstlichen Chor der Kapella Sixtina. Fast zehn Jahre wirkte er in Rom; von Papst Paul III. wurde der Musiker sogar geadelt. 1545 kehrte de Morales nach Spanien zurück, wo er wieder als Kapell- meister tätig wurde – zunächst an der Kathedrale von Toledo, dann in Málaga. Dort verliert sich 1553 seine Spur; es wird vermutet, dass Cristóbal de Morales im September gestorben ist.
In seinen Werken kombiniert er die musikalischen Traditionen seiner Heimat mit der Musik, die er in Rom kennengelernt hat. Das Ergebnis überrascht, denn die Kompositionen wirken erstaunlich zeitlos; wer es nicht weiß, der wird nicht vermuten, dass diese ausdrucksstarken Werke tatsächlich so alt sind.
Manfred Cordes hat mit seinem Ensemble Weser-Renaissance eine CD mit Weihnachtsmotetten von Cristóbal de Morales bei cpo veröffentlicht. Dabei hatte er eine Besetzung zur Verfügung, die ebenso ungewöhnlich ist wie die Musik, die er gemeinsam mit diesen Sängern erkundet hat: Franz Vitzthum und Alex Potter, Diskant, Achim Schulz und Bernd O. Fröhlich, Tenor altus, Maciej Gocman und Jan van Elsacker, Tenor sowie Ulfried Staber und Kees Jan de Koning, Bass. Es ist eine faszinierende Musik zum Weihnachtsfest, feierlich und seltsam innig zugleich. Sie wird hier mit Noblesse und Transparenz vorgetragen – eine Aufnahme von großer Intensität und Strahlkraft.
Dienstag, 28. April 2015
Moritz Landgraf von Hessen: Sacred & Secular Works (cpo)
Landgraf Moritz von Hessen-Kassel (1572 bis 1632), genannt „der Gelehrte“, regierte in Kassel von 1592 bis 1627. Schon sein Vater Wilhelm IV. der Weise interessierte sich für die Wissenschaften. Er ließ nicht nur die erste Sternwarte Mitteleuropas in seinem Schloss errichten, er ließ auch seinen Kindern die bestmögliche Er- ziehung und Ausbildung zukommen. So studierte Moritz an der Marburger Universität. Als Landesherr war er eine beeindruckende Persönlichkeit: „Moritz beherrscht Griechisch und Latein vollkommen, auch Spanisch, Italienisch und Französisch“, berichtete der Gesandte der Medici. „Vermehrt wird sein Ruhm durch vollständige Kenntnis der Philosophie und darüber hinaus aller Wissenschaften, worin er sich ganz erstaunlich auszeichnet.“ In der Politik freilich war der Landgraf nicht ganz so erfolgreich. Letztendlich zwangen die Landstände ihn, zu Gunsten seines Sohnes abzudanken.
Die besondere Liebe des Herrschers galt der Musik. Er hat sowohl die Werke der flämischen als auch der italienischen Komponisten aufmerksam studiert. Moritz entdeckte und förderte den jungen Heinrich Schütz, und investierte sehr viel Geld in seine Hofkapelle. Etliche Komponisten widmeten dem schöngeistigen Landgrafen Werke, so neben Schütz auch Michael Praetorius, Melchior Franck oder Hans Leo Hassler. Moritz komponierte aber auch selber – und seine Werke können sich neben jenen der „Profis“ absolut hören lassen, wie die vorliegende CD beweist. In der vierten Folge der Serie „Renaissance im Norden“ stellt das Ensemble Weser-Renaissance unter Leitung von Manfred Cordes einige seiner geistlichen und weltlichen Werke vor.
Die besondere Liebe des Herrschers galt der Musik. Er hat sowohl die Werke der flämischen als auch der italienischen Komponisten aufmerksam studiert. Moritz entdeckte und förderte den jungen Heinrich Schütz, und investierte sehr viel Geld in seine Hofkapelle. Etliche Komponisten widmeten dem schöngeistigen Landgrafen Werke, so neben Schütz auch Michael Praetorius, Melchior Franck oder Hans Leo Hassler. Moritz komponierte aber auch selber – und seine Werke können sich neben jenen der „Profis“ absolut hören lassen, wie die vorliegende CD beweist. In der vierten Folge der Serie „Renaissance im Norden“ stellt das Ensemble Weser-Renaissance unter Leitung von Manfred Cordes einige seiner geistlichen und weltlichen Werke vor.
Sonntag, 21. Dezember 2014
Virgo prudentissima (cpo)
Polen hat trotz seiner schwierigen Geschichte – das Land wurde immer wieder von Kriegen verwüstet und zerteilt – eine beeindruckende musikalische Tradition. Diese CD führt uns ins 17. Jahrhundert, in die Zeit der Wasa-Könige. Sie demonstriert am Beispiel von Musik, die für Marienfeste entstanden ist, wie international und auf welch hohem Stand insbesondere zur Zeit des Königs Sigismund III. Wasa nicht nur am Hof in Warschau musiziert wurde. Dazu stellt Manfred Cordes mit seinem Ensemble Weser-Renaissance Bremen Werke von drei Komponisten vor.
Über Mikolaj Zielenski ist wenig bekannt; nicht einmal seine Lebensdaten gelten als gesichert. Nachgewiesen ist, dass er 1604 Organist des Bischofs Baranowski von Plock war, der 1608 Erzbischof von Gniezno und polni- scher Primas wurde. Zielenski wurde sein Kapellmeister; zwei Kollektionen seiner Werke, die Offertoria und die Communiones totius anni, wurden 1611 in Venedig gedruckt.
Marcin Mielczewski (um 1600 bis 1651) wirkte von 1638 bis 1644 als Musiker und Komponist am Hof von König Wladyslaw IV. in Warschau. 1645 wurde er Hofkapellmeister bei dessen Bruder Karl Ferdinand, Bischof von Breslau und Plock. Etliche seiner Werke sind überliefert, und sie finden sich in ganz Europa – selbst in Frankreich wurden sie aufbewahrt. Die bedeutendste Sammlung seiner Werke liegt heute in der Staatsbibliothek zu Berlin. Wer in Mielczewskis prachtvollen Werk Virgo prudentissima Zitate aus Monteverdis berühmter Marienvesper erkennt, der hat sich übrigens keineswegs verhört. Derartige Anleihen waren damals nicht unüblich. Dieses Detail ist aber sehr interessant, denn es belegt, dass Monteverdis Musik, 1610 im Druck erschienen, in Europa weithin bekannt und ver- breitet war.
Adam Jarzebski (um 1590 bis 1649) stand 1612 in Berlin als Violinist im Dienste Johann Sigismunds von Brandenburg. 1615 schickte ihm der Kurfürst für ein Jahr nach Italien. 1617 wurde Jarzebski Mitglied der königlichen Hofkapelle in Warschau. Er ist hier mit einigen Instrumental- werken vertreten.
Diese CD ist außerordentlich spannend, weil sie den Blick weitet auf die europäischen Dimensionen der Musik zur Zeit des Barock. Sie zeigt, wie eng verflochten Entwicklungen an scheinbar weit voneinander entfernten Orten erfolgten. Und sie macht Raritäten zugänglich, die man sonst nir- gends hören kann. Das lohnt sich, zumal das Ensemble Weser-Renaissan- ce unter Manfred Cordes die Werke der polnischen Komponisten mit der gebotenen Klangpracht präsentiert. Wunderschön!
Über Mikolaj Zielenski ist wenig bekannt; nicht einmal seine Lebensdaten gelten als gesichert. Nachgewiesen ist, dass er 1604 Organist des Bischofs Baranowski von Plock war, der 1608 Erzbischof von Gniezno und polni- scher Primas wurde. Zielenski wurde sein Kapellmeister; zwei Kollektionen seiner Werke, die Offertoria und die Communiones totius anni, wurden 1611 in Venedig gedruckt.
Marcin Mielczewski (um 1600 bis 1651) wirkte von 1638 bis 1644 als Musiker und Komponist am Hof von König Wladyslaw IV. in Warschau. 1645 wurde er Hofkapellmeister bei dessen Bruder Karl Ferdinand, Bischof von Breslau und Plock. Etliche seiner Werke sind überliefert, und sie finden sich in ganz Europa – selbst in Frankreich wurden sie aufbewahrt. Die bedeutendste Sammlung seiner Werke liegt heute in der Staatsbibliothek zu Berlin. Wer in Mielczewskis prachtvollen Werk Virgo prudentissima Zitate aus Monteverdis berühmter Marienvesper erkennt, der hat sich übrigens keineswegs verhört. Derartige Anleihen waren damals nicht unüblich. Dieses Detail ist aber sehr interessant, denn es belegt, dass Monteverdis Musik, 1610 im Druck erschienen, in Europa weithin bekannt und ver- breitet war.
Adam Jarzebski (um 1590 bis 1649) stand 1612 in Berlin als Violinist im Dienste Johann Sigismunds von Brandenburg. 1615 schickte ihm der Kurfürst für ein Jahr nach Italien. 1617 wurde Jarzebski Mitglied der königlichen Hofkapelle in Warschau. Er ist hier mit einigen Instrumental- werken vertreten.
Diese CD ist außerordentlich spannend, weil sie den Blick weitet auf die europäischen Dimensionen der Musik zur Zeit des Barock. Sie zeigt, wie eng verflochten Entwicklungen an scheinbar weit voneinander entfernten Orten erfolgten. Und sie macht Raritäten zugänglich, die man sonst nir- gends hören kann. Das lohnt sich, zumal das Ensemble Weser-Renaissan- ce unter Manfred Cordes die Werke der polnischen Komponisten mit der gebotenen Klangpracht präsentiert. Wunderschön!
Mittwoch, 29. Mai 2013
Dulichius: Sacred Motets (cpo)
Philipp Dulichius (1562 bis 1631) war der Sohn des Tuchmachers, Ratsherren und mehrfachen Bürgermeisters Caspar Deulich aus Chemnitz. Über seine frühen Jahre und seine Ausbildung ist kaum etwas bekannt. Sein Musiklehrer in Chemnitz dürfte ein Andreas Gott- hardt aus Schweidnitz gewesen sein – er heiratete Philipps älteste Schwester Justina. Belegt ist, dass Deulich an den Universitäten in Leipzig und Wittenberg studiert hat. Seine Publikationen verraten uns, dass er ein exzellentes Latein schrieb, und viel von den großen italienischen Meistern seiner Zeit gelernt hat.
Als knapp 25jähriger wurde er 1587 durch Herzog Johann Friedrich von Pommern als Kantor an die Marienkirche und an das Fürstliche Pädagogium in Stettin berufen. Dulichius fand dort seine Lebens- stellung. Er hat mehr als 200 Motetten komponiert, die zu seinen Lebzeiten in ganz Europa bewundert und gesungen wurden. Dann aber verschwanden sie aus dem Repertoire. Und obwohl sich bereits seit 1890 Musikwissenschaftler darum bemühen, das Werk des „pommerschen Lassus“ - so nannte ihn Rudolf Schwartz, einer seiner Wiederentdecker, damals – vom Archivstaub zu befreien, hat es in der Kirchenmusik bis heute keinen Platz gefunden.
Dafür gibt es eine Reihe von Gründen. So sind die Werke vergleichs- weise komplex. Die meisten Kirchenchöre hierzulande sind schon stolz, wenn es ihnen gelingt, einen mäßig schwierigen vierstimmigen Chorsatz sauber vorzutragen. Dulichius' Motetten aber sind fünf- bis achtstimmig, teilsweise doppelchörig, überwiegend in lateinischer Sprache – und sie beruhen nur in seltenen Ausnahmefällen auf einem der bekannten und beliebten evangelischen Kirchenlieder.
Für uns sehr ungewohnt ist es zudem, dass Dulichius die ganze Vielfalt des damals gebräuchlichen Tonartensystems ausschöpfte. Die vorlie- gende CD greift dies auf, und ordnet die 18 ausgewählten Werke sogar nach den Modi. Eines wird bald klar: Die Motetten von Dulichius zeichnen sich durch Kunstfertigkeit aus und durch Wohlklang. Stilistisch steht der Komponist Orlando di Lasso näher als Claudio Monteverdi.
Das Ensemble Weser-Renaissance Bremen musiziert unter seinem Leiter Manfred Cordes sehr hörenswert. Bei der Besetzung wurde mit Fingerspitzengefühl vorgegangen; die einzelnen Stimmen wurden klug auf Sänger und Instrumentalisten verteilt, so dass auch klanglich für Abwechslung gesorgt ist. Die sieben Vokalisten singen mit schlankem Ton, nahezu vibratofrei und stark am Ensembleklang orientiert. Für eine Kantorei ist das sicher nichts, aber im Konzert würde man diese Musik wirklich gern öfter hören.
Als knapp 25jähriger wurde er 1587 durch Herzog Johann Friedrich von Pommern als Kantor an die Marienkirche und an das Fürstliche Pädagogium in Stettin berufen. Dulichius fand dort seine Lebens- stellung. Er hat mehr als 200 Motetten komponiert, die zu seinen Lebzeiten in ganz Europa bewundert und gesungen wurden. Dann aber verschwanden sie aus dem Repertoire. Und obwohl sich bereits seit 1890 Musikwissenschaftler darum bemühen, das Werk des „pommerschen Lassus“ - so nannte ihn Rudolf Schwartz, einer seiner Wiederentdecker, damals – vom Archivstaub zu befreien, hat es in der Kirchenmusik bis heute keinen Platz gefunden.
Dafür gibt es eine Reihe von Gründen. So sind die Werke vergleichs- weise komplex. Die meisten Kirchenchöre hierzulande sind schon stolz, wenn es ihnen gelingt, einen mäßig schwierigen vierstimmigen Chorsatz sauber vorzutragen. Dulichius' Motetten aber sind fünf- bis achtstimmig, teilsweise doppelchörig, überwiegend in lateinischer Sprache – und sie beruhen nur in seltenen Ausnahmefällen auf einem der bekannten und beliebten evangelischen Kirchenlieder.
Für uns sehr ungewohnt ist es zudem, dass Dulichius die ganze Vielfalt des damals gebräuchlichen Tonartensystems ausschöpfte. Die vorlie- gende CD greift dies auf, und ordnet die 18 ausgewählten Werke sogar nach den Modi. Eines wird bald klar: Die Motetten von Dulichius zeichnen sich durch Kunstfertigkeit aus und durch Wohlklang. Stilistisch steht der Komponist Orlando di Lasso näher als Claudio Monteverdi.
Das Ensemble Weser-Renaissance Bremen musiziert unter seinem Leiter Manfred Cordes sehr hörenswert. Bei der Besetzung wurde mit Fingerspitzengefühl vorgegangen; die einzelnen Stimmen wurden klug auf Sänger und Instrumentalisten verteilt, so dass auch klanglich für Abwechslung gesorgt ist. Die sieben Vokalisten singen mit schlankem Ton, nahezu vibratofrei und stark am Ensembleklang orientiert. Für eine Kantorei ist das sicher nichts, aber im Konzert würde man diese Musik wirklich gern öfter hören.
Sonntag, 5. Dezember 2010
Baroque Christmas in Hamburg (cpo)
Im 17. Jahrhundert war Hamburg eine Musikmetropole von europä- ischem Rang. In der reichen Han- sestadt wirkten zahlreiche bedeu- tende Musiker der unterschiedlich- sten Provenienz, und sie bescher- ten dem "norddeutschen" Barock einen Farben- und Formenreich- tum, der seinesgleichen sucht.
Aus dem reichen Fundus der Organisten- und Kantorenmusik der damaligen Zeit schöpft das Bremer Barock Consort, ein Ensemble von Studierenden und Absolventen derHochschule für Künste Bremen unter Leitung von Manfred Cordes. Musiziert wird sehr achtbar und solide. So erklingen auf dieser CD Werke des Organisten Hieronymus Praetorius und seines Sohnes Jacob Praetorius, der ebenfalls in Hamburg als Organist wirkte. Er war wie Heinrich Scheidemann und Samuel Scheidt, von denen gleichfalls Werke auf dieser CD vorgestellt werden, ein Schüler des Amsterdamer "Organistenmachers" Jan Pieterszon Sweelinck. Stadtkantor Thomas Selle ist mit zwei Werken vertreten; auch sein Nachfolger Christoph Bernhard und Johann Philipp Förtsch, der als Kantoreisänger nach Hamburg kam, aber eigentlich Arzt war, werden mit prachtvollen Werken einbezogen. Auch Matthias Weckmann ist zu hören; allerdings will mich die Zuschreibung der Toccata primi toni an Bernhard nicht recht überzeugen - dieses Werk klingt gar zu typisch nach Weckmann. Die CD endet mit Christoph Bernhards Kantate Herr, nun lässest du deinen Diener in Frieden fahren - eine hochkomplexe Vertonung des Nunc dimittis, die an Schütz denken lässt.
Auffällig ist, dass all diese Werke auf Pauken und Trompeten ver- zichten. Möglicherweise ist dies auf die traditionelle Zurückhaltung des Bürgertums der Hansestadt zurückzuführen, das seinen Reichtum fleißig mehrte, aber eher nicht zeigte.
Mittwoch, 8. September 2010
Schütz: Musikalische Exequien, Bußpsalmen (cpo)
Als Heinrich Reuß Posthumus 1635 in Gera starb, hatte er sein Haus bestens bestellt. Selbst seine Bei- setzung hatte der Landesherr bereits vorbereitet - vom Datum und Ablauf der Zeremonie über die Reihenfolge, in der die Gäste im Trauerkondukt vom Schloss zur Familiengruft in der städtischen Kirche ziehen sollten, bis hin zum Text, der seinen Lebensweg würdigen sollte.
Denn der reußische Landesvater hatte beschlossen, dass für sein Begräbnis der Tag und das biblische Vorbild Simeons gerade recht komme - was jener seinerzeit beim Anblick des Jesuskindleins sagte, das wird als Nunc dimittis noch heute zur Nacht in wohl jedem Kloster gebetet. Er hatte den Text für seine Leichenpredigt festgelegt. Und er hatte Bibelworte und Kirchenlied-Strophen ausgewählt, und einen Sarg aus Kupfer damit beschriften lassen.
Seine Familie beauftragte schließlich den Dresdner Hofkomponisten Heinrich Schütz, einst im benachbarten Bad Köstritz als reußisches Landeskind geboren, mit der Umsetzung dieser Inszenierung in eine Trauermusik. Schütz schuf die Musikalischen Exequien - eines seiner Meisterwerke, das wie alle anderen auch umgehend aus dem Musik- leben und dem Gedächtnis des Publikums entschwand.
Nun liegt die Wiederentdeckung seines Werkes bereits einige Jahr- zehnte zurück, es sind zahlreiche - auch brillante - Aufnahmen auf dem Markt, und man fragt sich daher, warum es noch eine weitere sein muss. Bei dieser Einspielung mit Weser-Renaissance Bremen unter Manfred Cordes fällt mir dafür, ehrlich gesagt, kein Grund ein. Das ist ja alles ganz solide gemacht. Aber auch ziemlich langweilig. Denn bereits die Besetzung mit neun Sängerinnen und Sängern, Chitarrone und gleich zwei Orgeln sowie - in drei der Bußpsalmen - Harfe erlaubt wenig klangliche und dynamische Differenzierung. Doch genau davon lebt diese Musik. Schade.
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