Posts mit dem Label Glyndebourne werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label Glyndebourne werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

Sonntag, 30. Dezember 2018

Humperdinck: Hänsel und Gretel (Glyndebourne)

Es muss ein Ereignis gewesen sein, als Robin Ticciati, seit 2014 Musikdirektor der Glyndebourne Festival Opera, dort 2010 eine Inszenierung von Humperdincks Hänsel und Gretel dirigierte. Publikum und Kritiker zeigten sich hingerissen über die Kombination aus Volkslied und Wagner, die der junge Kapellmeister mit viel Charme präsentierte. Auf dieser Doppel-CD ist nun die Aufführung dokumentiert, wobei die Inszenierung wohl gar nicht so niedlich-unschuldig gewesen sein muss. 
Hänsel und Gretel, phantastisch gesungen von Alice Coote und Lydia Teuscher, sind ziemliche Racker. Mutter und Vater, zu erleben sind Irmgard Vilsmayer und William Dazeley, hausen mit den beiden Kindern in einer Bruchbude, wie aus dem Slum, und der Umgangston in dieser Familie ist eher derb. Kein Wunder, dass die knallbunte Supermarkt-Welt dieses Geschwisterpaar schwer beeindruckt – doch hinter all den Leckereien lauert schon die Hexe. Wolfgang Ablinger-Sperrhacke gibt diese als ein Monster mit Riesenbusen und knallpinkem Kostüm, rundum bedrohlich und gefährlich. Das ist eine ziemlich moderne Lesart des traditionellen Weihnachtsmärchens; am deutschen Stadttheater würde man das wohl anders machen. Aber musikalisch ist dieser Mitschnitt wirklich sehr reizvoll. 

Montag, 24. November 2014

Bizet: Carmen (Glyndebourne)

2002 entstand in Glyndebourne diese Carmen-Live-Aufnahme. Die Oper von Georges Bizet wird in französi- scher Sprache gesungen. Das Ensemble ist, wie auf dem berühmten Festival üblich, international. So singt Star-Sopranistin Anne Sofie von Otter die Titelpartie. Sie gilt gemein- hin als sehr kontrolliert und etwas unterkühlt, hier war sie allerdings einmal erstaunlich leidenschaftlich zu erleben. Auch die anderen Partien sind durchweg hörenswert besetzt. Das eigentliche Ereignis aber ist das London Philharmonic Orchestra. Es musizierte an diesem Abend unter Philippe Jordan, einem jungen Dirigen- ten aus der Schweiz, damals gerade neu verpflichtet als Chefdirigent in Graz. Was er dem LPO entlockt, das ist schlicht phänomenal. Wer seinen Lebensweg weiter verfolgt, der wird feststellen, dass Jordan mittlerweile als Chefdirigent der Wiener Symphoniker tätig ist. Auf die nächsten Stationen darf man gespannt bleiben - bravo!

Donnerstag, 26. Juli 2012

Handel: Theodora (Glyndeboure)

Das Oratorium Theodora ist im Werk Georg Friedrich Händels ein Solitär. Ohnehin befassen sich nur drei seiner Oratorien mit genuin christlichen Themen - Messiah und La Ressurezione aber vollziehen biblische Handlungen nach. Theodora hingegen berichtet die Geschichte einer Märtyrerin. Die junge Frau aus offenbar gutem Hause hatte das Pech, zur Zeit des Kaisers Diokletian zu leben. Der wollte alle Römer bewegen, ausschließlich den römischen Göttern zu huldigen - und bestrafte Abtrünnige hart. Die Christin Theodora wurde zu einem Dasein als Prostituierte verurteilt. Doch das dauerte den Didymus, einen jungen römischen Soldaten. Er ließ sie entfliehen, und sollte dafür mit seinem Leben bezahlen. Das wiederum wollte Theodora nicht zulassen. Sie stellte sich, und ging mit Didymus in den Tod. Und weil das ziemlich wenig Handlung ist, gibt es dazu reichlich christliches Bekenntnis in Form frommer Gesänge. 
Diese unerträglich öde Geschichte ist nur zu ertragen, weil sie durch Händel vertont wurde. Was die Veranstalter bewogen hat, ausgerech- net Theodora 1996 in einer Inszenierung durch Peter Sellars auf die renommierte Bühne in Glyndebourne zu bringen, das bleibt auch nach dem Anhören des Mitschnittes ein Rätsel. Daran ändern auch zumeist die exzellenten Sänger Dawn Upshaw, Lorraine Hunt, David Daniels, Richard Croft, Michael Hart-Davies und Frode Olsen sowie der Glyndebourne Chorus und das hervorragende Orchestra of the Age of Enlightenment unter William Christie nichts. 

Montag, 27. Februar 2012

Strauss: Der Rosenkavalier (Glyndebourne)

Über das Opernereignis Glynde- bourne Festival ist in diesem Blog schon mehrfach berichtet worden. Das Unternehmen legt schrittweise Mitschnitte von Aufführungen aus seiner grandiosen Vergangenheit vor - in diesem Falle handelt es sich um eine Aufzeichnung von Richard Strauss' Rosenkavalier, aufgenommen am 30. Mai 1965. 
Das Ensemble ist exzellent - so ist als Feldmarschallin Montserrat Caballé zu erleben, als Octavian die polnische Mezzosopranistin Teresa Zylis-Gara, als Sophie die junge Edith Mathis, und als Baron Ochs auf Lerchenau Otto Edelmann. Auch die weniger gewichtigen Partien sind gut besetzt, und die Aufführung sprüht geradezu vor komödiantischem Geist. Das London Philharmo- nic Orchestra spielt unter John Pritchard; er betont die theatrali- schen Akzente der Handlung. Da verzeiht man gerne manchen derben Ton insbesondere der Blechbläser. Köstlich! 

Sonntag, 5. Juni 2011

Bellini: I Puritani (Glyndebourne)

Glyndebourne, 1960: Joan Suther- land sang zum ersten Male Bellini. Bei dem legendären Opernfestival gab sie ihr Rollendebüt als Elvira in I Puritani. Diese Oper war in Groß- britannien seit 1887 nicht mehr aufgeführt worden; die Organisato- ren des Opernfestivals engagierten sich stark für das italienische Repertoire, und sorgten auch für die Wiederentdeckung einiger anderer Werke. 
Sutherland, von ihren Fans gefeiert als la stupenda, war in Glynde- bourne in insgesamt fünf Inszenierungen zu erleben - vier davon aber waren Mozart-Opern. Umso bedeutsamer ist dieses Dokument, das sie in der Rolle der jungen Elvira zeigt, die mit einem Mann verheiratet werden soll, den sie nicht liebt, und dann auf einmal doch denjenigen bekommen soll, dem sie zugetan ist. Doch dann verhilft ihr Arturo der Gefangenen Enrichetta - Königin Henrietta von Frankreich - zur Flucht, und wird dafür zum Tode verurteilt. Dieses Wechselbad der Gefühle überfordert die Braut, die dem Wahn anheim fällt - immer wieder gern genommen, weil eine exzellente Gelegenheit für den Koloratursopran zu ganz besonders rasanten Arien. Am Ende dieser Oper steht dann ein Happy End. Und wenn man sich anhört, welche Leistungen dieses Ensemble zeigt, und welche Stimmung selbst die Konserve bewahrt hat, dann dürfte das Publikum in Glyndebourne damals auch ziemlich happy gewesen sein - auch wenn eine andere Aufnahme der Sutherland mit Pavarotti zur Referenzaufnahme ge- worden ist. 

Samstag, 25. September 2010

Dvorák: Rusalka (Glyndebourne)

Jedes Jahr im Sommer findet in Glyndebourne, zwei Autostunden von London, ein musikalisches Fest statt, wie es wohl nur in Groß- britannien denkbar ist: Opern- freunde treffen sich in einem Opernhaus, das aus dem Landhaus des Gründers des Festivals, John Christie, hervorgegangen ist, und erleben eine Oper - mit einer überlangen Pause, die traditionell dazu genutzt wird, ein opulentes Picknick im Garten zu genießen. Was dort - selbstverständlich  in Abendkleid und Frack - gespeist wird, das kann man übringens auf der Homepage des Glyndebourne Opera Festivals nachlesen (und gleich mit den Karten ordern). 
Im vergangenen Jahr gab es dort Antonín Dvoráks Oper "Rusalka"; das hauseigene Label legte nun einen Mitschnitt vor. Und der lässt in jeder Beziehung aufhorchen. Das fängt schon damit an, dass in Ori- ginalsprache gesungen wird. Das ist nicht selbstverständlich, denn Tschechisch ist gar nicht so einfach. Die Sänger sind durchweg ex- zellent - angefangen von Ana Mariá Martínez als Rusalka, Brandon Jovanovich als Prinz, Tatjana Pawlowskaja als Fremde Fürstin und Mischa Schelomjanski als Wassermann über Larissa Djadkowa als Hexe Jezibaba, Natasha Jouhl, Barbara Senator und Élodie Méchain als Elfen bis hin zu Diana Axentii als Küchenjunge, Alasdair Elliott als Förster und John Mackenzie als Jäger. Der Glyndebourne Chorus, geleitet von Thomas Blunt, ist eine Wucht. Und auch das London Philharmonic Orchestra entdeckt unter Jirí Belohlávek seine sla- wisch-romantische Ader. Selbst die Inszenierung muss, glaubt man den Fotos, phänomenal gewesen sein.

Sonntag, 18. Juli 2010

Mozart: Ideomeneo (Glyndebourne)

Jedes Jahr im Sommer findet in Glyndebourne, zwei Autostunden entfernt von London, östlich von Brighton, ein Spektakel der ganz besonderen Art statt: Opern- freunde treffen sich in einem Opernhaus, das aus dem Landhaus des Gründers des Festivals, John Christie, hervorgegangen ist, und erleben eine Oper - mit einer überlangen Pause, die traditionell dazu genutzt wird, ein opulentes Picknick im Garten zu genießen. Stilecht allerdings, in Abendkleid und Frack. Als das Festival 1934 zum ersten Mal stattfand - gespielt wurde Mozarts Hochzeit des Figaro - hatte das Opernhaus 300 Plätze; Anfang der 90er Jahre musste das alte Gemäuer einem Neubau weichen, in dem 1200 Zuhörer Platz haben.
Die Glyndebourne Festival Opera gibt es immer noch; mittlerweile gehört zu dem Unternehmen auch ein Label, das die wertvollen Archiv-Aufnahmen vermarktet.  In diesem Falle handelt es sich um Mozarts Oper Ideomeneo - eine sagenumwobene Aufnahme von 1964 mit Gundula Janowitz in der Rolle der Ilia, Luciano Pavarotti als Idamante und Richard Lewis in der Titelrolle. Die Aufführung wurde dirigiert von John Pritchard; es spielte das London Philharmonic Orchestra, und es sang der Glyndebourne-Chor. 
Mozart hat Ideomeneo zeitlebens für seine beste Oper gehalten. Leider konnten die Opernfreunde späterer Generationen mit der Opera seria generell wenig anfangen, und so verschwand auch dieses hübsche Werk, in dem der Chor eine tragende Rolle spielt, bald vom Spielplan. Dort ist sie bis heute ein Exot geblieben. Das Ereignis dieser Aufnahme ist zweifelsohne Pavarotti als Mozart-Tenor - der sich hier wohl erstmals in seiner Sängerkarriere gezwungen sah, "leise" zu singen.