Nach den Orgelwerken ist nun auch ein bedeutendes Oratorium aus der Feder von Feliks Nowowiejski (1877 bis 1946) zu entdecken. Quo vadis beruht auf dem gleichnamigen Roman von Henryk Sienkiewicz. Entstanden ist das Werk 1903, und obwohl das Oratorium eine enorm umfangreiche Besetzung mit drei Solisten, einem kopfstarken Chor, Orgel und großem Orchester benötigt, wurde es ein Hit. Mehr als 200 Mal erklang es innerhalb von 30 Jahren in ganz Europa sowie in Amerika.
Dann ist es in Vergessenheit geraten, wie so manches andere monumenta- le Werk aus jener Zeit. Zum 70. Todestag des Komponisten hat der polnische Dirigent Łukasz Borowicz das Oratorium mit der Philharmonie Poznań, dem Organisten Sławomir Kamiński, hervorragenden Solisten und dem Chor der Podlachischen Oper und Philharmonie Białystok erstmals wieder aufgeführt.
Die Einspielung ist bei cpo auf einer Doppel-CD erschienen – und sie lässt noch heute ahnen, warum Quo vadis einst so erfolgreich war. Dieses Oratorium lebt vor allem von großartigen Chören, und von musikalischer Leidenschaft. Gleich am Anfang kann man hören, wie Rom brennt. Nicht nur diese Szene hat Filmmusik-Qualitäten. Auch sonst weiß Nowowiejski Klangeffekte geschickt und höchst wirksam einzusetzen.
Borowicz zeigt, wie viele Facetten diese ausdrucksstarke Musik hat. Zu loben sind vor allem auch die Chorsänger, die ihren gigantischen Part kraftvoll bewältigen – bis hin zum Schlusschor, der eigentlich umfangreich genug wäre für eine separate Aufführung. Respekt!
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Dienstag, 13. März 2018
Dienstag, 27. Dezember 2016
Himmelslieder (SWR Music)
Die Weihnachtslieder auf dieser CD führen den Hörer quer durch Europa. There is no rose und Verbum Patris humanatur sind Beispiele für alte britische Carols; entstanden sind sie im 15. Jahrhundert. Texte aus dem Mittelalter verwendete auch Benjamin Britten (1913 bis 1976), als er A Cere- mony of Carols schrieb. Die Frauen- stimmen des SWR Vokalensembles Stuttgart werden hier durch Maria Stange, Harfe, begleitet (die brillant spielt!); ansonsten sind auf dieser CD ausschließlich A-cappella-Komposi- tionen zu hören.
Auch der estnische Komponist Arvo Pärt (*1935) ist mit einem Zyklus vertreten, der an mittelalterliche Gesänge anknüpft: In der Vesper der sieben letzten Tage vor dem Heiligen Abend wird der kommende Messias mit den sogenannten O-Antiphonen angerufen. Sie beginnen jeweils mit einer der sieben Anreden, die dem Alten Testament gemäß die Propheten für den Messias gebraucht haben, rühmen sein zukünftiges Wirken und enden mit dem Ruf: „Veni!“ – „Komm!“ Arvo Pärt hat, in seiner unnach- ahmlichen Weise, die bildhaften Texte dieser Sieben Magnificat-Anti-phonen in Musik umgesetzt, der man sich nicht entziehen kann.
Francis Poulenc (1899 bis 1963) nutzte für seine Quatre motets pour le temps de noël ebenfalls alte Texte in Kirchenlatein, aber er dachte sie gänzlich französisch – in Melodie, Rhythmus und Betonung. Dazu setzte er auf eine spannungsvolle Harmonik; die vier Motetten bezaubern durch mystische Tiefe und durch ihren Reichtum an Klangfarben.
Diesen drei bedeutenden weihnachtlichen Chorzyklen hat Chorleiter Marcus Creed noch einige weitere Weihnachtslieder beigesellt. Drei Weihnachtliche Liedsätze von Heinrich Kaminski (1886 bis 1946) erscheinen zunächst ziemlich konventionell, doch bei genauerem Hinhören fällt bald auf, dass ihre Schlichtheit und Anmut ausgesprochen kunstvoll erschaffen worden ist. Sie verbinden Kontrapunktik der alten Schule mit romantischer Harmonik. Für Kirchenchöre, die auf Qualität schauen und trotzdem einmal etwas Neueres singen wollen, ein echter Geheimtipp!
Die CD endet mit Es ist ein Ros entsprungen in einer Fassung, die den altbekannten Chorsatz von Michael Praetorius (1571 bis 1621) in einen neuen Rahmen stellt: Der schwedische Komponist Jan Sandström lässt das Original stark verlangsamt erklingen, umhüllt von einem Summchor. Eine interesssante und sehr skandinavische Variante.
Das SWR Vokalensemble unter Leitung von Marcus Creed findet zu jedem dieser sehr unterschiedlichen Werke einen Zugang. Gesungen wird stilsicher, kraftvoll und lebendig. Die Sängerinnen und Sänger agieren ausgesprochen souverän sowie mit Engagement und Freude. Bravi!
Auch der estnische Komponist Arvo Pärt (*1935) ist mit einem Zyklus vertreten, der an mittelalterliche Gesänge anknüpft: In der Vesper der sieben letzten Tage vor dem Heiligen Abend wird der kommende Messias mit den sogenannten O-Antiphonen angerufen. Sie beginnen jeweils mit einer der sieben Anreden, die dem Alten Testament gemäß die Propheten für den Messias gebraucht haben, rühmen sein zukünftiges Wirken und enden mit dem Ruf: „Veni!“ – „Komm!“ Arvo Pärt hat, in seiner unnach- ahmlichen Weise, die bildhaften Texte dieser Sieben Magnificat-Anti-phonen in Musik umgesetzt, der man sich nicht entziehen kann.
Francis Poulenc (1899 bis 1963) nutzte für seine Quatre motets pour le temps de noël ebenfalls alte Texte in Kirchenlatein, aber er dachte sie gänzlich französisch – in Melodie, Rhythmus und Betonung. Dazu setzte er auf eine spannungsvolle Harmonik; die vier Motetten bezaubern durch mystische Tiefe und durch ihren Reichtum an Klangfarben.
Diesen drei bedeutenden weihnachtlichen Chorzyklen hat Chorleiter Marcus Creed noch einige weitere Weihnachtslieder beigesellt. Drei Weihnachtliche Liedsätze von Heinrich Kaminski (1886 bis 1946) erscheinen zunächst ziemlich konventionell, doch bei genauerem Hinhören fällt bald auf, dass ihre Schlichtheit und Anmut ausgesprochen kunstvoll erschaffen worden ist. Sie verbinden Kontrapunktik der alten Schule mit romantischer Harmonik. Für Kirchenchöre, die auf Qualität schauen und trotzdem einmal etwas Neueres singen wollen, ein echter Geheimtipp!
Die CD endet mit Es ist ein Ros entsprungen in einer Fassung, die den altbekannten Chorsatz von Michael Praetorius (1571 bis 1621) in einen neuen Rahmen stellt: Der schwedische Komponist Jan Sandström lässt das Original stark verlangsamt erklingen, umhüllt von einem Summchor. Eine interesssante und sehr skandinavische Variante.
Das SWR Vokalensemble unter Leitung von Marcus Creed findet zu jedem dieser sehr unterschiedlichen Werke einen Zugang. Gesungen wird stilsicher, kraftvoll und lebendig. Die Sängerinnen und Sänger agieren ausgesprochen souverän sowie mit Engagement und Freude. Bravi!
Sonntag, 9. Dezember 2012
Ein Kind ist uns geboren (Auris Subtilis)
Anspruchsvolle Chorsätze zur Weihnachtszeit präsentiert auf dieser CD der Kammerchor der Kreuzkirche Chemnitz unter Kantor Steffen Walther. Er hat dafür Werke ausgewählt von der Geistlichen Chormusik Heinrich Schütz' (1585 bis 1672) bis zu den Quatre motets pour le temps de Noel von Francis Poulenc (1899 bis 1963).
Altvertrautes, wie Nun komm, der Heiden Heiland in einem Satz von Johann Hermann Schein (11586 bis 1630), steht neben Überraschen- dem, wie den Chorsätzen von Ernst Pepping (1901 bis 1981), Heinrich Kaminski (1886 bis 1946) und Josef Gabriel Rheinberger (1839 bis 1901), dessen Drei Adventsmotetten op. 176 erklingen. Und auch lateinische Motetten des 16. Jahrhunderts sind zu hören, wie das berühmte O magnum mysterium von Adrian Willaert (um 1490 bis 1562) oder die Magnificat-Antiphon Hodie Christus natus est in der Vertonung durch Jan Pieterszon Sweelinck (1562 bis 1621).
Der Kammerchor der Chemnitzer Kreuzkirche singt sauber und ver- siert. Einzig ein wenig mehr Temperament würde man sich vielleicht von den Sängerinnen und Sängern wünschen - und von Kantor Steffen Walther, dass die nächste CD auch klanglich ein wenig Abwechslung bietet.
Altvertrautes, wie Nun komm, der Heiden Heiland in einem Satz von Johann Hermann Schein (11586 bis 1630), steht neben Überraschen- dem, wie den Chorsätzen von Ernst Pepping (1901 bis 1981), Heinrich Kaminski (1886 bis 1946) und Josef Gabriel Rheinberger (1839 bis 1901), dessen Drei Adventsmotetten op. 176 erklingen. Und auch lateinische Motetten des 16. Jahrhunderts sind zu hören, wie das berühmte O magnum mysterium von Adrian Willaert (um 1490 bis 1562) oder die Magnificat-Antiphon Hodie Christus natus est in der Vertonung durch Jan Pieterszon Sweelinck (1562 bis 1621).
Der Kammerchor der Chemnitzer Kreuzkirche singt sauber und ver- siert. Einzig ein wenig mehr Temperament würde man sich vielleicht von den Sängerinnen und Sängern wünschen - und von Kantor Steffen Walther, dass die nächste CD auch klanglich ein wenig Abwechslung bietet.
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