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Montag, 28. Dezember 2020

Messiaen: Catalogue d'Oiseaux (Pentatone)


 Olivier Messiaen (1908 bis 1992) war nicht nur ein Komponist, sondern auch ein passionierter Ornithologe. Diese Leidenschaft hat sich auch in einem großartigen Werk manifestiert: „Mit seinem radikalen Naturalismus bildet der Catalogue d’Oiseuax eine Ausnahme innerhalb der Klavierliteratur“, schreibt Pierre-Laurent Aimard. „Es ist die große Hymne an die Natur von einem Mann, der nie damit aufgehört hat, sich über die Schönheit der Landschaft oder den Zauber des Vogelgesangs zu erstaunen.“ 

Geschrieben hat Messiaen die Stücke für seine Frau, die Pianistin Yvonne Loriod. Mit beiden war Aimard eng befreundet. So erscheint es nur konsequent, wenn er sich nach seinem Wechsel von der Deutschen Grammophon zu Pentatone bei dem neuen Label, dem er nunmehr als Exklusivkünstler verbunden ist, Messiaens eher selten gespielten Zyklus zuwendet. 

Die Box beeindruckt schon beim Auspacken durch ihre liebevolle Gestaltung. Neben den drei CD enthält sie eine hochinteressante Bonus-DVD sowie ein umfangreiches Beiheft, Federchen inklusive. Das pure Entzücken aber bricht aus, sobald die ersten Töne zu hören sind. Einmal mehr wird Aimard seinem Ruf als herausragender Messiaen-Interpret gerecht. Er bringt mit seinem Klavierspiel die Vogelwelt geradezu zu uns ins Zimmer. Man hört die Bewohner dieser klingenden Landschaftstableaus nicht nur krächzen, pfeifen und zwitschern, sondern auch trippeln und umherfliegen – mal eilig, mal majestätisch. Auch die Umgebung und sogar das Wetter hat Messiaen in Noten gefasst, und Aimard nimmt uns durch seine Interpretation mit hinein in diese doch eigentlich sehr persönliche Welt. Faszinierend! Diese Einspielung gehört ganz klar zu den musikalischen Großereignissen des Jahres. 


Freitag, 1. Februar 2019

Reflections (Genuin)

Wenn Yukyeong Ji ihre CD „Reflections“ nennt, dann hat sie offenbar weniger das Phänomen des Spiegels im Sinn als vielmehr den Vorgang der Reflektion in seiner ganzen Vielfalt: „visuell (wie bei Debussy in Reflets dans l'eau), formal (wie Messiaens in Par Lui tout a été fait) oder als Hommage, wie beispielsweise Beethoven von zahllosen Komponisten lebenslang als Vorbild gesehen wurde. Kunst reflektiert die gesellschaftlichen Umstände und generell lassen alle Werke die Persönlichkeit der sie Erschaffenden widerscheinen.“ 
Auf ihrer Debüt-CD bei dem Leipziger Label Genuin präsentiert die koreanische Pianistin, die in Seoul und in Hannover studiert hat, ein höchst anspruchsvolles Programm, das viele Facetten aufzeigt. Zu hören ist Musik von Uzong Choe, der eigens für diese CD ein Prélude neu komponierte, Toru Takemitsu, Bertold Hummel, Maurice Ravel und Olivier Messiaen. Yukyeong Ji begeistert mit einer exzellenten Technik und außergewöhnlichem Gestaltungsvermögen. Sehr beeindruckend! 

Mittwoch, 1. Februar 2017

The Complete Organ Works of Olivier Messiaen (Loft)

Das Orgelwerk von Olivier Eugène Prosper Messiaen (1908 bis 1992), jedenfalls soweit es veröffentlicht ist, hat Colin Andrews für Loft eingespielt. Die einzelnen Aufnahmen, die über mehrere Jahre hinweg erschienen sind, hat das Label nun mit einer – leider wenig praktischen, da unten offenen – Banderole zu einer Gesamtaufnahme zusammengefasst. 
Messiaen war der Sohn eines Englisch- lehrers, der viele Jahre seines Lebens damit verbrachte, Shakespeare zu übersetzen, und einer Dichterin. So wuchs er „in einem Klima von Poesie und Märchen“ auf, wie er später berichtete. Literatur blieb für den Komponisten eine bedeutende Inspirationsquelle; die meisten Texte zu seinen Vokal- werken schrieb er selbst, und auch seiner Instrumentalmusik gab er gern ein Gedicht als Geleitwort mit. 
Eine weitere wichtige Quelle seines Schaffens war der katholische Glauben. 1931 wurde Messiaen Organist an der Kirche La Trinité in Paris, und er hatte dieses Amt mehr als 60 Jahre lang inne. Die Gemeinde freilich hatte wohl einige Probleme mit der Musik ihres Organisten, der für seine Improvisationen und Meditationen eine ebenso moderne wie individuelle Klangwelt kreierte, und seiner Frömmigkeit gelegentlich auch etwas entrückt Ausdruck verlieh. Dabei verwendete Messiaen beispielsweise Techniken der seriellen Musik, und er studierte Gregorianik ebenso wie Hindu-Klänge. Er beschäftigte sich mit Zahlenmystik – und mit dem Vogelgesang, der auch immer wieder durch seine Klaviermusik zwitschert. 
Von 1941 bis 1978 lehrte Messiaen zudem am Conservatoire in Paris; in seinem Unterricht haben Generationen von Komponisten ihren Weg gefunden.Die Musik aber von Pierre Boulez, Karlheinz Stockhausen oder Yannis Xenakis unterscheidet sich deutlich von dem, was ihr Lehrer erschaffen hat. Die Werke von Messiaen haben einen typischen Klang, ganz eigene Strukturen, unverwechselbar. 
Colin Andrews spielt sie an zwei Orgeln der Firma C.B. Fisk aus Massa- chusetts: Opus 126, in der St. Paul's Episcopal Church Greenville/North Carolina, wurde 2005 fertiggestellt. Es handelt sich dabei um ein Instrument in der Tradition von Aristide Cavaillé-Coll, am Spätwerk des französischen Orgelbauers orientiert. Die Orgel wird vor allem zur Ausbildung von Organisten genutzt. 
Dazu dient auch Opus 135; diese Orgel befindet sich in Auer Hall, einem großen Konzertsaal der Indiana University, Bloomington/Indiana, und wurde im April 2010 eingeweiht. Für die Orgelbauer war dieses Projekt eine besondere Herausforderung, da das Unternehmen ein halbfertiges Instrument zu Ende bauen sollte. Die Jacobs School of Music wünschte sich eine Orgel, die sich an französischen Vorbildern aus dem 19. Jahr- hundert orientiert, aber flexibel genug ist, dass sich auch andere Orgel- literatur daran spielen lässt. 
Besonders dieses Instrument ist Colin Andrews bestens vertraut. Denn der Organist lehrt derzeit als Orgel-Professor an der Indiana University. Andrews stammt aus Bristol; er studierte an der renommierten Royal Academy of Music in London sowie in Genf bei Lionel Rogg, und gewann wichtige Wettbewerbe. Er ist als Konzertorganist weltweit sehr gefragt. Die Orgelwerke Messiaens interpretiert er sehr ausgewogen, und sehr auf Klangflächen orientiert. Neben all die berühmten Kompositionen – vom Livre d'Orgue bis zu den Méditations sur le mystère de la Sainte Trinité und vom Livre du Saint Sacrement bis zur L'Ascension hat er die Hommage à Messiaen von Lionel Rogg geschmuggelt. Sie erklingt vor La Nativité du Seigneur – eine charmante Verneigung vor seinem einstigen Lehrer. 

Montag, 15. August 2011

Promenade (Indésens)

Die zweite Hälfte des 19. Jahrhun- derts wird oftmals als das Goldene Zeitalter der Flöte in der franzö- sischen Musik angesehen. Vincent Lukas, Querflöte, und Emmanuel Strosser, Klavier, zeigen mit der vorliegenden Auswahl von Werken bedeutender Komponisten dieser Zeit, dass diese Epoche ihren Titel nicht zu Unrecht trug. 
Sie begann mit der Einführung der Böhmflöte in Frankreich durch Louis Dorus - und damit, dass Dorus den jungen Claude Paul Taffanel unterrichtete. Schon während seines Studiums am Pariser Konservatorium wurde Taffanel Flötist an der Opéra-Comique, später an der Grand Opera. 1879 gründete der Musiker die Sociéte des Instruments à Vent; zahlreiche Kompositionen sind ihm gewidmet. 1893 wurde er der Nachfolger seines Lehrers Joseph-Henri Altès als Professor für Flöte am Conservatoire. 
Auf dieser CD ist zwar kein Werk von Taffanel zu hören, der als Vater der neuzeitlichen französischen Schule des Flötenspiels gilt. Aber es erklingt eine Fantaisie seines Schülers Philipp Gaubert, mit dem er gemeinsam das Unterrichtswerk Méthode complète de flute verfasst hat. 
Die CD beginnt mit der Fantaisie op. 79 von Gabriel Faure aus dem Jahr 1898, gewidmet Taffanel. Sie enthält zudem zwei revolutionäre Kompositionen von Claude Debussy, die heute zum Standardreper- toire eines jeden Flötisten gehören - Syrinx und Prélude à l'après-midi d'un faune, sowie die Suite op. 34 von Charles-Marie Widor, eine Sonate pour flute et piano von Francis Poulenc aus dem Jahre 1957, Le merle noir von Olivier Messiaen und Chant de Linos von André Jolivet - auch diese beiden Werke entstanden für den Flötenwettbe- werb des Conservatoire. Lucas, Soloflötist am Orchestre de Paris, und sein Klavierpartner Strosser zeigen, wie solche Kompositionen dem Instrument den Weg in die Moderne ebneten. Diese CD ist musikhisto- risch außerordentlich interessant; allerdings hat man etliche der bedeutenden Flötenstücke schon in anderen Aufnahmen gehört - mitunter auch besser gespielt.