„Je ne peux pas me resoudre de travailler pour la flute, cet instrument étant trop borné et imparfait”, so schrieb Ludwig van Beethoven 1806 an den Edinburgher Verleger George Thomson, der ihn um leichte Stücke für das Instrument gebeten hatte. Dennoch brachte er in den Jahren 1818/19 einige Volksliedvariationen zu Papier, denn Kunst geht nach Brot – und Geld gab es dafür. In Beethovens Werk spielt die Flöte ansonsten kaum eine Rolle. Selbst in seiner Orchestermusik tritt sie kaum einmal wirklich solistisch in Erscheinung; typischerweise musiziert sie zusammen mit anderen Holzbläsern, oder aber sie wird zur Oktavierung der 1. Violine eingesetzt.
Das hatte seinen Grund darin, dass die Traversflöte, seit Quantz‘ Tagen unverändert geblieben, für die modernen Orchester und Konzertsäle jener Zeit, die immer größer wurden, zu leise war und darüber hinaus klanglich unausgewogen. Erst nach der Weiterentwicklung des Instrumentes durch Theobald Böhm (1794 bis 1881), der diese Mängel beseitigte, wurde die Querflöte auch wieder ein attraktives Konzertinstrument.
Doch zu Lebzeiten Ludwig van Beethovens (1770 bis 1827) wurde es in erster Linie von Liebhabern gespielt – auch einige seiner Freunde schätzten die Flöte. Und so komponierte Beethoven, vor seinem Abschied aus Bonn 1792, für den Notar Johann Martin Degenhart ein ebenso heiteres wie virtuoses Flötenduo.
Helen Dabringhaus spielt dieses Werk gemeinsam mit ihrem einstigen Lehrer Vukan Milin, Soloflötist des Niedersächsischen Staatsorchesters Hannover. Und auch sonst fand sich in Beethovens Schaffen doch noch einiges an Flötenmusik, was durchaus Qualität hat, wie man beim Anhören dieser CD feststellen wird. Neben zwei Sonaten, die für eine Aufführung mit der Flöte von unbekannter Hand mehr oder minder stark bearbeitet wurden, erklingt insbesondere eine Serenade in D-Dur für Flöte, Viola und Violine, 1802 in Wien erschienen und im Jahr darauf in einer Bearbeitung für Flöte und Klavier noch einmal publiziert. Dieses gelungene Arrangement hat Beethoven zwar nicht selbst erstellt, aber doch „durchgesehen und stellenweise ganz verbessert“, wie er dann an den Verleger schrieb. So fand es dann als op. 42 auch Aufnahme ins Werkverzeichnis.
Die Zugabe erklingt kurioserweise im Programm an zweiter Stelle; eher als ein Echo aus romantischer Zeit erscheint der einzelne langsame Satz aus Beethovens erstem Klavierkonzert in C-Dur op. 15, den Theobald Boehm einst effektvoll für Flöte und Klavier arrangiert hat.
Dabei musiziert Helen Dabringhaus im Duo FlautoPiano mit Fil Liotis. Die junge Flötistin spielt faszinierend; ihr Flötenton ist wunderbar rund, sehr präsent und wandlungsfähig. jede Phrasierung ist klug gewählt, und jede noch so feine Nuance mit Bedacht platziert. Auch ihr Klavierbegleiter ist exzellent – insgesamt erscheint diese CD, mit Blick auf den jungen Beethoven, als ein ebenso gelungener wie überraschender Auftakt zum Beethovenjahr 2020. Bravi!
Eine schöne Aufnahme, eigentlich älteren Datums, ist bei Tudor wieder verfügbar: Das Flötenduo Anne Utagawa und Dominique Hunziker hatte 1978 gemeinsam mit dem Orchestre de Chambre Paul Kuentz Sinfonie concertante von Federigo Fiorillo, Giuseppe Cambini und ein Concerto für zwei Flöten und Orchester von Domenico Cimarosa eingespielt. Es sind durchweg anspruchsvolle und ansprechende Werke, die den Solisten Gelegenheit bieten, sowohl Virtuosität als auch musikalisches Gestaltungsvermögen unter Beweis zu stellen. Das Flötisten-Ehepaar musiziert zudem auch in den turbulentesten Passagen perfekt aufeinander abgestimmt.
Die Brüder Albert Franz Doppler (1821 bis 1883) und Carl Doppler (1825 bis 1900) waren Flötenvir- tuosen. Franz Doppler begann seine musikalische Ausbildung im Alter von sieben Jahren – und spielte bereits ein Jahr später erstmals als Solist mit einem Orchester. Carl trat als Elfjähriger seine erste Stelle als Flötist in Budapest an. Die Brüder gingen auch auf Konzertreisen.
1858 wurde Franz Doppler Erster Flötist und Kapellmeister an der Wiener Hofoper; in späteren Jahren unterrichtete er zudem als Professor für Flöte am Konservatorium der Gesellschaft der Musikfreunde in Wien. Carl Doppler wirkte zunächst als Musikdirektor am Theater in Budapest; 1865 wurde er dann Hofkapellmeister in Stuttgart, wo er bis an sein Lebensende blieb.
Wie es damals üblich war, komponierten die Brüder für ihre Auftritte eine Menge Virtuosenmusik. Das Label Capriccio hat nun damit begonnen, diese Werke in einer Zehn-CD-Edition zusammenzutragen. Spiritus rector dieses Projektes ist offenbar der spanische Flötist Claudi Arimany. Er konnte dafür zudem vier spanische Orchester sowie eine Vielzahl von Musikerkollegen aus ganz Europa begeistern.
Die Aufnahmen sind zwischen 2007 und 2016 in Katalonien entstanden. Sie sind auch von ziemlich unterschiedlicher Qualität – aber dafür ist der Repertoire-Wert der Edition enorm; sehr viele Werke sind in Welterst- einspielung zu hören. Wer Flötenmusik mit ungarischen Melodien und französischem Esprit mag, der sollte sich daher diese Neuerscheinungen nicht entgehen lassen.
Die Silberflöte mit zylindrischer Bohrung, entwickelt von Theobald Böhm (1794 bis 1881), ist heute das Standardinstrument, das Flötisten weltweit nutzen. Doch bevor es soweit war, gab es eine lange Übergangszeit, in der Flöten in erstaunlich vielen verschiedenen Bauweisen gespielt worden sind.
Die alten Traversflöten – die aller- dings bereits Klappen hatten – wurden von führenden Flötisten der damaligen Zeit nur ungern aufge- geben. Sie schätzten die klanglichen Differenzierungsmöglichkeiten, die ihnen diese Instrumente boten. Für jeden Ton existierten zahlreiche unterschiedliche Griff-Versionen, die von den Virtuosen zur Nuancierung eingesetzt wurden. Anton Bernhard Fürstenau (11792 bis 1852), Erster Flötist der Dresdner Hofkapelle, schrieb 1833: „Die Töne der Böhm-Flöte sind schön gleichmäßig, die Arpeggios sind rein und der Ton spricht leicht und mit ungewöhlicher Stärke an. Aber eben diese Ausgeglichenheit zerstört den Charakter der Flöte.“ Er meinte damit die frühe Böhm-Flöte, eine konische Ringklappenflöte. Sie wurde in einzelnen Orchestern bis in die 30er Jahre gespielt, und dürfte somit die Flöte der Romantik sein.
Auch wenn sie heute wenig bekannt sind – aber in dieser Zeit entstanden Werke für die Flöte in ganz enormer Zahl. Eine Auswahl davon präsen- tieren Dorothea Seel und Christoph Hammer auf diesem Album – stilecht vorgetragen auf einer konischen Ringklappenflöte von Julius Max Bürger, angefertigt um 1890 nach Böhms Modell von 1832, und auf einem Ham- merklavier aus der Werkstatt von Johann Baptist Streicher, entstanden um 1870.
Er erklingen die Sonate Undine für Flöte und Klavier op. 167 von Carl Reinecke, die Variations sur une valse de Schubert op. 21 von Theobald Böhm, Introduktion, Thema und Variationen von Richard Strauss, die Rhapsodie für Flöte und Pianoforte op. 27 von Josef Rheinberger sowie die bekannte Fantasie pastorale hongroise op. 26 von Albert Franz Doppler. Nicht nur das Repertoire, auch der Klang bietet so manche Überraschung.
Eine hinreißende CD hat jüngst das Ensemble Quintessenz veröffentlicht. Das Leipziger Flötenquintett besteht nunmehr seit 20 Jahren – und aus diesem Anlass beschenkt es sein Publikum mit einem magischen Al- bum: Incantations, Beschwörungen, haben die Musiker auf das Cover geschrieben.
Dieser Titel ist treffend gewählt. Denn der Hörer darf sich auf allerlei Zauberhaftes gefasst machen – so sind beispielsweise die Tänze, von Gioachino Rossinis Tarantella La Danza über Claude Debussys La danse de Puck bis hin zu Camille Saint-Saens' Danse macabre, nicht ohne Hintersinn ausgesucht. Ungarisches Temperament zeigt das Quintett bei Franz Dopplers stimmungsvoller Fantaisie Pastorale Hongroise. Die CD enthält zudem zwei Ersteinspielungen von Werken, die speziell für Quintessenz entstanden sind – Medusa von Anže Rozman und Spells von Ian Clarke.
Arrangiert hat die Stücke ansonsten Gudrun Hinze. Wie es ihr gelingt, den Klang eines ganzen Orchesters mit nur fünf Flöten zu imitieren, das grenzt mitunter an Magie. Insbesondere ihre Bearbeitung von Felix Mendelssohn Bartholdys Ein Sommernachtstraum ist absolut bezaubernd; die Flöten-Variante begeistert mit Klangfarben und Fluidum. Mit gefällt sie beinahe besser als das Original. Und in den 19 Variationen aus Marin Marais' Les Folies d'Espagne gelingt es Gudrun Hintze sogar, Gambe, Harfe und spanische Rhythmusinstrumente mit dem Flötenensemble anklingen zu lassen. Grandios!

Zwei junge Instrumentalisten spielen zusammen Kammermusik. Ob es geschickt ist, ein Duo, das Mozart für Violine und Bratsche geschrieben hat, auf Querflöte und Violoncello zu spielen, darüber lässt sich sicherlich streiten. Cellist Georgiy Lomakov fabriziert auch in der Höhe seiden- weiche Töne, aber besonders gut zur Geltung kommt das Instrument dabei natürlich nicht. Und die Flötenso- nate BWV 1034 hat man schon oft gehört, oft genug leider auch besser. Wirklich überzeugend sind die beiden Musiker, wo sie allein musizieren; die Werke für Flöte solo von Fuminori Tanada und Rika Suzuki sind Atsuko Koga gewidmet und erklingen auf dieser CD in Weltersteinspielungen. Hier kann die japanische Flötistin einerseits technische Brillanz beweisen. Andererseits sind die beiden Kompositionen auch musikalisch wirklich spannend. Lomakov wiederum spielt die Cellosonate op. 25 Nr. 3 von Paul Hindemith (1859 bis 1963). Zum Schluss ist eine besondere Rarität zu hören: Die Sonatine von Eugène Bozza (1905 bis 1991), entstanden 1938, enthält Zitate aus dem Flötenkonzert von Jacques Ibert, der Bozzas Lehrer am Pariser Konservatorium war.
Ignaz Moscheles (1794 bis 1870) begann seine Ausbildung bei Friedrich Dyonis Weber am Prager Konservatorium, und studierte dann ab 1808 in Wien bei Antonio Salieri und Johann Georg Albrechtsberger. Als reisender Klaviervirtuose wurde er wenig später in allen europäischen Musikmetropolen gefeiert. In Berlin begegnete er 1824 dem 15jährigen Felix Mendelssohn Bartholdy. Auf Bitten der Mutter erteilte Moscheles ihm und seiner Schwester Fanny Klavierunterricht; trotz des Alters- unterschiedes waren die beiden Musiker bald eng befreundet. 1825 ging Moscheles dann nach London, wo er als Pianist und Dirigent sehr gefragt war, und von Schülern schier überrannt wurde. Felix Mendelssohn Bartholdy allerdings konnte ihn davon überzeugen, nach Deutschland zurückzukehren und im beschau- lichen Sachsen zu wirken: 1846 übernahm Moscheles die Klavierklasse am Leipziger Konservatorium.
Wie damals üblich, hat Moscheles einen Gutteil der Musik, die er in Konzerten spielte, auch selbst komponiert. Dazu entstanden zahlreiche Werke auf Drängen der Verleger, und für seine Schüler schrieb er Etüden, die noch heute sehr geschätzt sind, weil sie nicht nur simple „technische“ Übungsstücke sind, sondern obendrein sehr gut klingen.
Kammermusik für Flöte und Klavier von Ignaz Moscheles erklingt auf einer CD, die bei Naxos erschienen ist. Kazunori Seo, Flöte, und Makoto Ueno, Klavier, spielen das Divertimento à la savoyarde op. 78, die Sonate concertante in G-Dur op. 79, die Quatre Divertissements op. 82b mit allerlei musikalischen Anspielungen, die Six Variations concertantes op. 21 und die Grande Sonate concertante in A-Dur op. 44. Die beiden Musi- ker sind exzellent aufeinander eingestellt, ihr Zusammenspiel begeistert. Makoto Ueno bewältigt den oftmals sehr anspruchsvollen Klavierpart locker und hörenswert. Mit dem Flötenspiel von Kazunori Seo hingegen werde ich nicht glücklich; insbesondere in schnellen Passagen gelingt es ihm nicht wirklich, seinen Ton zu formen und zu färben. So klingen die rasanten Läufe oftmals flach und in der Höhe spitz und blechern. Schade!
Carl Czerny (1791 bis 1857) war ein exzellenter Pianist. Den ersten Unterricht erhielt er bei seinem Vater, der sich als Klavierlehrer aus großer Armut emporgearbeitet hat. Im Alter von neun Jahren spielte Carl Czerny Ludwig van Beethoven vor, und wurde dessen Schüler. Er studierte zudem bei Muzio Clementi, Antonio Salieri und Johann Nepomuk Hummel.
Bei der Wiener Erstaufführung von Beethovens fünftem Klavierkonzert („Emperor“) spielte Czerny den Klavierpart. Dennoch trat er relativ selten als Solist in Konzerten in Erscheinung, weil er der Meinung war, dass ihm die dazu notwendige Ausstrahlung fehle – und Lust darauf, dem Publikum eine Show zu bieten, hatte er auch nicht. Sein Geld verdiente er daher, sehr erfolgreich, als Klavierpädagoge. Zu seinen Schülern gehörten unter anderem Franz Liszt und Sigismund Thalberg. Außerdem komponierte Czerny mehr als tausend Werke; fast jedem Klavierschüler sind noch heute seine Etüden („Schule der Geläufigkeit“) vertraut.
Weniger bekannt ist, dass Carl Czerny auch „richtige“ Musik geschrieben hat – Kirchenmusik, Sinfonien und Klavierkonzerte sowie Kammermusik. Eine kleine Auswahl daraus präsentieren der Flötist Kazunori Seo und der Pianist Makoto Ueno. Die beiden japanischen Musiker spielen die Trois Rondeaux faciles et brillans pour Pianoforte et Flute (ou Violon) concer- tans sur des motifs favoris de Rossini & Bellini op. 374, Introduzione, Variazioni e Finale op. 80, das Rondoletto concertant for Piano, Flute and Cello ad lib. op. 149 und das Duo concertant pour Piano-Forte et Flûte in G major op. 129. Dabei handelt es sich um anspruchsvolle Unter- haltungsmusik; die Bühne, auf der solche Werke seinerzeit erklungen sind, dürfte der Salon gewesen sein.
Czerny setzt sowohl die Flöte als auch das Klavier effektvoll in Szene; die beiden Solisten spielen exzellent aufeinander abgestimmt, und zeigen im Dialog, dass diese aparte Musik durchaus einen Platz im Repertoire verdient hätte. Allerdings würde man sich wünschen, dass der Flötenton von Kazunori Seo noch runder und farbenreicher wird, besonders in der Höhe. Trotz zahlreicher Auszeichnungen und Preise bei Wettbewerben – der Solist ist technisch zweifelsohne gut, aber bei Klang und Ausdruck gibt es noch Reserven.
Johann Adolf Hasse (1699 bis 1783) hat nicht nur für die Singstimme und für das Cembalo wundervolle Musik geschrieben. Er mochte offenbar auch die Flöte, wie diese CD zeigt – und in der Tat wurde kein anderes Instru- ment von Hasse mit derart vielen Konzerten und kammermusikali- schen Werken bedacht. Die Flötistin Imme-Jeanne Klett hat eine Auswahl getroffen und stellt auf ihrer zweiten CD bei Es-Dur gemeinsam mit den Musikern des Elbipolis Barock- orchesters Hamburg gekonnt einige der Konzerte und Sonaten vor.
Erstmals auf CD zu hören sind dabei das Konzert in G-Dur, op. 3.7, die Sonate in d-Moll op. 1,11 sowie zwei Duo-Sonaten des englischen Kom- ponisten Robert Valentine (1674 bis nach 1735). Sie sind als Nr. 7 und Nr. 8 der VIII Sonates pour deux flutes im Jahre 1735 bei Le Cène in Amsterdam als Werke Hasses erschienen, aber sie waren bereits um 1720 in einem anderen Verlag publiziert worden – mit korrekter Autorenangabe. Valentine wirkte als Flötist, Oboist und Komponist in Rom; so musizierte er mehrfach im Palazzo Ruspoli. Es wird angenommen, dass er um 1730 nach England zurückgekehrt ist; belegen lässt sich das aber nicht, ebenso wenig wie andere Überlegungen, die den Musiker 1735 bei Locatelli in Amsterdam vermuten. Seine Duo-Sonaten sind wirklich Kabinettstück- chen; Imme-Jeanne Klett hat die beiden Werke mit Nele Lamersdorf eingespielt.

Zwei junge kanadische Musiker aus Kanada haben diese CD mit „alter“ europäischer Musik eingespielt. Vincent Lauzer, Blockflöten, hat ebenso wie der Cembalist und Organist Mark Edwards bereits etliche Wettbewerbe gewonnen. Für ihre Einspielung haben sie ein Programm zusammengestellt, das sich weniger an populären Melodien und bekannten Namen als vielmehr an musikhistorischen Entwicklungen orientiert. So erklingen die Variationen von Giovanni Bassano (1558 bis 1617) zu Orlando di Lassos Lied Susanne un jour, mit einer wahren Flut an Verzierungen. Ähnliches ist über die Variationen von Riccardo Rogniono (um 1555 bis um 1620) über das Madrigal Ancor che co'l partire von Cipriano de Rore zu berichten. Auch wenn die Komponisten sicherlich, wie es damals Brauch war, nicht alles ausnotiert haben, was die Musiker letztendlich gespielt haben, so geben diese beiden Werke doch einen interessanten Einblick in die damalige Musizierpraxis. Ähnlich sorgsam haben Lauzer und Edwards auch den Rest des Programmes zusammengestellt – mit Werken von Girolamo Frescobaldi (1583 bis 1643), Angelo Notari (1566 bis 1663), Angelo Berardi (um 1636 bis 1694), Dario Castello (um 1590 bis um 1630), zwei der expressiven Sonaten von Giovanni Antonio Pandolfi Mealli (um 1620 bis 1669) und zwei von seinem deutschen Kollegen Johann Heinrich Schmelzer (um 1620 bis 1680). Eine spannende Kombination, die beiden Musikern Gelegenheit bietet zu virtuosem und farbenreichem Spiel. Unbedingt hörenswert.
Jacques-Martin Hotteterre (1674 bis 1763) entstammte einer etablierten Musiker- und Instrumentenbauer- dynastie, die im Umfeld des französi- schen Hofes tätig war. In den Jahren 1698 bis 1700 war er in Rom, wo er als maestro di flauto bei Marchese Francesco Maria Ruspoli musizierte – und die italienische Musiktradition gründlich kennenlernte. Nach Frankreich zurückgekehrt, wurde Hotteterre Oboist im Orchester der Grande Ècurie und flûte de la chambre du roi. Und er integrierte das Wissen, das er aus Italien mitgebracht hatte, behutsam in die ziemlich konservative französische Musik. 1707 veröffentlichte er in Paris das Lehrbuch „Principes de la flûte“, den Holzbläsern zur Unterweisung, insbesondere jenen, die die Traversflöte spielen wollten, die damals sehr in Mode war. Da es aber nur wenig Repertoire für dieses neue Instrument gab, schrieb Hotteterre auch gleich sein Opus 2, das Premier Livre de pièces mit Suiten für die Flöte und andere Instrumente mit Basso continuo.
Das Label cpo eröffnete mit einer Einspielung dieses Bandes eine neue Reihe, in der die komplette Kammermusik des Komponisten erscheinen soll. Das ist eine dankbare Aufgabe, denn das Werk dieses Musikers ist zum einen umfangreich – und zum anderen wirklich hörenswert und viel zu wenig bekannt. Die Camerata Köln haben inzwischen auch die zweite Folge dieser Edition mit Triosonaten Hotteterres vorgestellt – und die Musiker um die beiden großartigen Flötisten Michael Schneider und Karl Kaiser beweisen einmal mehr ihre Klasse. Auf die nächsten Folgen darf man sich schon freuen.
Das 19. Jahrhundert war für die Flöte ein Zeitalter rasanter Veränderung: Neue Materialien, eine neue Mechanik, ein völlig neuer Klang, und ein sehr viel voluminöserer Ton und die Chance der perfekten Intonation sämtlicher Ganz- und Halbtöne faszinierten nicht nur die Flötisten, sondern auch eine Vielzahl von Komponisten.
Hans-Udo Heinzmann und Elisaveta Blumina haben für ihre neue CD im Hause Genuin drei Werke aus jenem „goldenen Zeitalter der Flöte“ ausgewählt. Die Violinsonate A-Dur von César Franck (1822 bis 1890), dem großen Geiger Eugène Ysaye vom Komponisten als Hochzeitsgabe gewidmet, hatten schon bald sowohl die Flötisten als auch die Cellisten für sich entdeckt. Mit ihrem Schwung und ihren üppigen Phrasen ist sie für die beiden Instrumente in der Tat ebenfalls wie geschaffen.
Claude Debussy (1862 bis 1918) hingegen hat sein Prélude à l'après-midi d'un faune für Flöte geschrieben, und es wird wohl auch niemand auf die Idee kommen, dieses Werk für eine andere Besetzung bearbeiten zu wollen. Es lebt nicht zuletzt von den Klangfarben, und strahlt eine Sinnlichkeit aus, wie sie sich mit keinem anderen Instrument erzeugen lässt. Die Kla- vierfassung, die auf dieser CD zu hören ist, entstand nicht als Reduktion des Orchestersatzes, sondern sie beruht auf handschriftlichen Skizzen Debussys, die er für seine Arbeit an diesem Stück genutzt hat.
Als Joseph Jongen (1873 bis 1953) seine Sonate für Flöte und Klavier
op. 77 schrieb, war die Böhmflöte bereits etabliert. Sein Werk ist für das Instrument geradezu maßgeschneidert; sowohl die Technik als auch der ganz spezielle Klang sind in diesem brillanten Opus gefragt. Vom Umgang mit dem musikalischen Material her sind wir da allerdings bereits unüberhörbar im 20. Jahrhundert angekommen. Der erfahrene Flötist Hans-Udo Heinzmann hat an dieser virtuosen Musik hörbar Vergnügen. In Elisaveta Blumina hat er eine hervorragende Partnerin am Klavier, die sensibel begleitet, wo dies erforderlich ist, aber auch auftrumpfen und Akzente setzen kann.
Die Flöte sei „ein instrument das ich nicht leiden kann “, maulte Wolfgang Amadeus Mozart 1778 in einem Brief aus Mannheim an seinen Vater. Der Komponist sah sich gezwungen, für einen Verehrer Konzerte und Quartette zu schreiben – denn er sollte dafür üppig entlohnt werden, mehr als ein Salzburger Jahresgehalt war aufgeboten. Und so machte Mozart flugs aus einem Oboenkonzert in C-Dur eines in D-Dur für Flöte. Das G-Dur-Flötenkonzert war wohl bereits im Juli 1777 in Salzburg aufgeführt worden. Wenn man die Werke heute hört, mag man kaum glauben, dass Mozart einst so gar keine Lust zu dieser Arbeit hatte. Die jüngste Einspielung bei Sony stammt von der französischen Flötistin Magali Mosnier.
„Quelle joie pour moi de graver enfin ces concerti de Mozart! Que de moments heureux vécus avec eux!“, freut sich die Solistin im Beiheft zu dieser CD. „Ces chefs-d'oeuvres sont en quelque sorte mes bonnes fées!“ Diese CD macht auch den Zuhörer glücklich. Denn Mosnier hat einen unglaubliches Händchen für Mozarts Musik. Sie spielt mit einem schwerelosen, silberhellen Ton, und bezaubert durch die Leichtigkeit und Lebendigkeit ihres Vortrages. Das Münchner Kammerorchester ist ihr dabei ein großartiger Partner. Und weil die Querflöte mit der menschlichen Stimme ziemlich viel gemeinsam hat, fügte die Solistin dem Flötenquartett G-Dur KV 285 sowie den Konzerten KV 313 und 314 nebst dem berühmten Andante KV 315 noch zwei von ihr für die Flöte neu arrangierte Opern- arien hinzu. Dafür wählte sie die Arie der Fortuna Lieve sono al par del vento aus Il sogno di Scipione aus, und Paminas Klagegesang Ach, ich fühl's aus der Zauberflöte. Hier demonstriert Mosnier noch einmal, dass die Flöte nicht nur Wohlklang verbreiten kann, sondern mit ihren vielen Klangfarben auch ein ausdrucksstarkes Instrument ist.
Zur Zeit des Biedermeier liebten die Wiener Spazierstöcke – ganz besonders dann, wenn sie mehr waren als nur ein Gehstock. Geschickte Handwerker brachten darin allerlei nützliche Dinge unter, wie Tabaksdosen, Uhren, Regen- schirme oder aber Musikinstrumente. Diese CD stellt Musik vor, die für die Spazierstock-Blockflöte geschrieben wurde, den sogenannten Csakan. Dieses kuriose Instrument, das seinen Ursprung in Ungarn haben soll, wurde am oberen Ende durch einen Griff ergänzt, und am unteren Ende durch einen massiven Stock – und schon konnte, wer wollte, seine Flöte sozusagen Gassi führen.
Gespielt wurde sie natürlich auch, zum Vergnügen im Freien, oder aber virtuos im Salon. Die Profis ließen sich eigens dafür Instrumente mit Klappen anfertigen, was schließlich dazu führte, dass der Csakan eher wie eine Oboe aussah. Wie er geklungen hat, das demonstriert das Trio Krähmerata; welche Instrumente allerdings die beiden Flötisten Cordula Schertler und Martin Jung spielen, darüber erfährt man aus dem Beiheft leider gar nichts. Pianist Peer Findeisen musiziert auf einem historischen Hammerflügel des Wiener Fortepianobauers Conrad Graf aus den Beständen der Reiss-Engelhorn-Museen Mannheim.
Es erklingen Werke von Johann Ernst Krähmer (1795 bis 1837) und das Duo Nr. 1 von Anton Kargl. Über Kargl ist so gut wie nichts bekannt. Krähmer begann seine Laufbahn als Militärmusiker im sächsischen Annaberg und anschließend in Dresden. Von 1815 bis 1822 war er Oboist am kaiserlichen Hoftheater in Wien. Dann erhielt er den Titel eines Kaiserlichen Hof- und Kammermusikers, und ging fortan auf Konzert- reisen. Seine besondere Liebe galt dem Csakan, für den er zahlreiche Mu- sikstücke schuf. Wer gehobene Unterhaltungsmusik aus dem 19. Jahr- hundert schätzt, liebevoll ausgewählt und vorgetragen, der wird an dieser CD großes Vergnügen haben.
Und noch eine Entdeckung findet sich bei Dabringhaus und Grimm: Das Ardinghello Ensemble um Karl Kaiser beschäftigt sich in einer Ersteinspielung mit den Flöten- quintetten von Andreas Romberg. Dass diese Werke nicht ganz leichte Kost sind, wird man schon anhand der Besetzung feststellen.
Nicht das Divertimento stand hier Pate, die leichte Unterhaltung, son- dern das ernsthafte Streichquintett – und so musiziert Traversflötist Kaiser hier gemeinsam mit Annette Reh- berger, Violine, Sebastian Wohlfahrt und Bodo Friedrich, Viola, und Ursula Kaiser, Violoncello.
Andreas Jakob Romberg (1767 bis 1821) entstammte einer Musiker- dynastie. Den ersten Unterricht erhielt er bei seinem Vater, einem Militärmusiker, der hervorragend Klarinette und auch Geige spielte. Die ersten Erfolge seines Leben feierte Romberg junior gemeinsam mit seinem Vetter Bernhard Romberg, der Violoncello spielte. Sie musizierten zusammen, gingen gemeinsam auf Konzertreisen quer durch Europa, und sie spielten in der Münsteraner Hofkapelle. Im Herbst 1790 wurden die Rombergs Mitglieder der Bonner Hofkapelle. Dort trafen sie auf eine illustre Kollegenschar; in dem Orchester musizierten seinerzeit unter anderem der junge Beethoven, Anton und Josef Reicha, der Geiger Franz Anton Ries sowie der Hornist und spätere Musikverleger Nikolaus Simrock.
Leider bereiteten die französischen Truppen dem rheinischen Idyll bald ein Ende. Die Rombergs gingen nach Hamburg, wo sie etliche Jahre wirkten, immer wieder unterbrochen durch ausgedehnte Konzertreisen. Andreas Romberg erwarb sich nicht nur als Geiger einen exzellenten Ruf, sondern bald auch als Komponist. Allerdings wurde das Leben in Hamburg nach 1810 infolge der Kontinentalsperre schwierig. 1815 nahm Romberg daher, nach langem Zögern, die Nachfolge von Louis Spohr als Konzertmeister der Gothaer Hofkapelle an. Er erhielt ein großzügiges Gehalt, aber er hatte auch eine große Familie zu ernähren, was ihm wohl erhebliches Kopf- zerbrechen bereitete. Schließlich erkrankte er; Cousin Bernhard meinte, Andreas sei letztendlich vor Kummer gestorben, weil er nicht wusste, wie er seine in Gotha angehäuften Schulden bezahlen sollte.
Romberg hat insgesamt sechs Flötenquintette geschrieben. Entstanden sind sie in seinen Hamburger Jahren. „Romberg zeigt sich hier auf einer kompositorischen Höhe, die tatsächlich Vergleiche mit den Großmeistern der Epoche nicht zu scheuen braucht“, urteilt Kaiser in dem sehr infor- mativen Beiheft zu dieser CD. Die Flöte führt in diesen Werken allerdings klar und eindeutig; die anderen vier Instrumente dürfen sich an dem motivischen Geschehen zwar gelegentlich ein Stück weit beteiligen, haben ansonsten aber eher Begleitfunktion. Auch sonst wird man erstaunt feststellen, wie sehr diese Quintette schon der Romantik vorgreifen. Die klassischen Formen werden sehr persönlich, in op. 41,1 sogar hoch- politisch, genutzt. Auf die Fortsetzung dieser Edition darf man jedenfalls sehr gespannt sein.
„Monsieur Boehm (de Munich) a obtenu une grande médaille pour l'application d'un nouveau systè- me de perce aux instruments à vent à trous“, schrieb einst Hector Berlioz, der bei der ersten Weltaus- stellung 1851 in London Mitglied der Jury war. „M. Boehm fait la plupart de ses flûtes en argent. Le son des ces instruments est doux, cristallin, mais moins plein et moins fort que celui des flûtes en bois. Ce noveaux système a pour avantage de donner aux instru- ments à vent à trous une permettre aux exécutants de jouer sans difficulté, dans des tonalités presque impracticables sur les instru- ments anciens. (..) Nous ne doutons pas qu'avant peu le système de Boehm ne triomphe, et il faut féliciter les jurys de l'Exposition univer- selle de'l avoir compris.“
Der Franzose sollte recht behalten. Die Veränderungen, die Theobald Boehm (1794 bis 1881) vorgenommen hat, eröffneten der Flöte gänzlich neue Wege. Bei der Konstruktion der zylindrischen Flöte nahm Boehm akustische Untersuchungen vor – und führte somit zum ersten Male überhaupt den Holzblasinstrumentenbau auf physikali- sche Grundlagen zurück. Weil es sich besser messen ließ, nutzte er dafür Metallröhren – und stellte zugleich fest, dass Silber sich ideal als Material für den Flötenbau eignet. Boehm hatte viele Talente. Der Münchner war nicht nur Musiker, er komponierte auch, und die von ihm angefertigten Querflöten zeigen, dass er wohl als Goldschmied ebenfalls nicht unerfahren war.
Um zu zeigen, in welchen Schritten Boehm einst die Traversflöte überarbeitete, spielt Konrad Hünteler auf dieser CD verschiedene Exemplare, durchweg Originale aus Boehms Werkstatt. Die CD beginnt mit der „klassischen“ konischen Flöte in alter Konstruktion, angefer- tigt von Boehm und Greve um 1840, und stellt dann ein ähnliches Instrument vor, das aber bereits mit Ringklappen ausgestattet ist. Es erklingen zudem die zylindrische Silberflöte, die Boehm 1851 zur Weltausstellung vorgestellt hat, eine Altflöte, entstanden um 1860, sowie eine zylindrische Holzflöte von Boehm & Mendler um 1870.
Vorgestellt werden die Instrumente anhand von Kompositionen und Arrangements von Theobald Boehm – der auch in diesem Bereich durchaus sehr versiert war. Begleitet wird Hünteler dabei durch Michaela Pühn auf einem Fortepiano von Conrad Graf, einem klang- lich gut passenden Instrument um 1835. „Dass seine Musik und seine Flöten (..) zu jeder Zeit und in jedem Stadium von enormem Klang- sinn, tiefem musikalischen Ausdruck, unbändiger Spielfreude und zirzensischer Lust an der Virtuosität geprägt sind, das will diese Einspielung zum ersten Mal erlebbar machen“, schreibt Hünteler in dem sehr informativen Beiheft. Die Klangbeispiele sind faszinierend – und das nicht nur, weil sie überragend gespielt werden. Es ist ganz erstaunlich, wie sehr sich die Flöten im Klang unterscheiden. Hün- teler macht exemplarisch hörbar, welche enormen Auswirkungen im Musikinstrumentenbau scheinbar kleine Details haben können.
Die Piccoloflöte ist die Leiden- schaft der Leipziger Musikerin Gudrun Hinze. Sie hat gemeinsam mit Kollegen, die zumeist dem MDR Sinfonieorchester und dem Gewandhausorchester Leipzig angehören, eine CD eingespielt, um diese Passion weiterzugeben. „Feuerzauber, Hexentanz und ländliche Gewitter haben seit vielen Jahrhunderten Komponi- sten bei der Instrumentation ihrer Orchesterwerke zum Piccolo greifen lassen. Neben den funkensprühenden Eigenschaften meines kleinen Instrumentes gibt es aber auch noch die nahe Verwandtschaft zur irischen Penny Whistle mit ihrem schwebenden und romantischen Klang, die feingliedrige virtuose Klarheit und den spitzbübischen Witz, die in der Seele des Piccolos schlummern“, schwärmt Hinze im Beiheft zu dieser CD. In der Musik, die die Flötistin ausgewählt hat, kommen all diese Facetten zur Geltung. Musiziert wird zudem wunderbar. Meine Empfehlung - diese CD ist wirklich hinreißend!
Was für ein Sound! Wenn die
14 Berliner Flötisten musizieren, zumeist Solisten der führenden Berliner Orchester, dann ist das ein großartiges Erlebnis. Das Ensemble hat sich 1996 um Andreas Blau formiert. Der Soloflötist der Berliner Philharmoniker hatte die Idee, die Riege der im Orchester üblichen Flöten, vom Piccolo bis zur Alt-, mitunter auch zur Bass-Querflöte, durch Instrumente in der ganz tiefen Lage zu ergänzen. Sie sehen futuristisch aus – und ermöglichen es den Musikern, sich auch an sinfonische Werke zu wagen.
Auf dieser CD sind Stücke aus der Zeit des Fin de Siècle zu hören. Das Programm reicht von dem berühmten Hummelflug aus der Oper Das Märchen vom Zaren Saltan von Nikolai Rimski-Korsakow über die Bläserserenade op. 7, die einst dem jungen Richard Strauss eine Stelle als zweiter Kapellmeister der Meininger Hofkapelle einbrachte, bis hin zu jener Serenade, mit der sich seinerzeit Antonin Dvorák Brahms empfahl. Emil Nikolaus von Reznicek (1860 bis 1945) ist vertreten mit der Ouvertüre zu seiner Oper Donna Diana – ein charmantes Stück, das im Zusammenhang mit der Fernsehsendung „Erkennen Sie die Melodie“ bekannt geblieben ist.
Am besten aber gefallen mir die vier Werke von Claude Debussy; die Bearbeitung für die 14 Berliner Flötisten lässt ein ganzes Spektrum von Klangfarben aufscheinen. Nie zuvor hat das Prélude à l'après-midi d'un Faune so geflirrt und gefunkelt; man hört förmlich, wie die Sonnenstrahlen durch die Blätter blinzeln und die Gräser flüstern. Auch das berühmte Claire de lune wirkt wie verzaubert. Das ist wirklich beeindruckend – bravi, und mehr davon!
Zwei junge Musikerinnen stellen sich auf dieser CD vor. Die Flötistin Atsuko Koga studierte in Tokio und am Conservatoire National Supérieure de Musique de Paris. Sie war bei etlichen Wettbewerben erfolgreich, und musiziert als Solistin mit namhaften Orchestern. Begleitet wird sie am Klavier von Mayuko Miyata, die in Polen und in Deutschland studiert hat, und nun in Berlin lebt. Klangschön und virtuos präsentieren die Koga und Miyata Werke vor allem aus der französischen Tradition. Dabei kombinieren sie Populäres wie die berühmte Méditation aus der Oper Thais von Jules Massenet oder die Méditation sur le 1er Prélude de Bach von Charles Gounod, auch bekannt als Ave Maria, mit hierzulande wenig Bekanntem wie der Suite op. 34 pour flute et piano von Charles-Marie Widor. Es erklingt aber auch das Konzertstück Introduktion und Variationen über Trockne Blumen, das einzige Werk für Flöte von Franz Schubert.
Die Ursprünge der modernen Flötenmusik erkunden Kate Clark und das Attaignant Consort bei dem Label Ramée. Mit dieser CD beenden die Musiker einen Zyklus mit Werken für Traversflöte aus dem langen Zeitraum vom 16. bis zum frühen 18. Jahrhundert. Er umfasst insgesamt drei CD, und präsentiert Werke für Renaissan- ceflöte, wobei dieses Musikinstru- ment entweder solistisch oder aber im Consort eingesetzt wird.
Die Flöte, zunächst mit zylindrischer Bohrung und ohne die uns heute geläufige Mechanik, begann ihre Laufbahn sozusagen in Familie. Denn es gab sie in verschiedenen Ausführungen mit unterschiedlichen Längen und Tonhöhen. Sie wurden oftmals im Consort gespielt, oder gemeinsam mit anderen instruments bas, den leisen Instrumenten, die in häuslicher Umgebung erklangen.
Am Ausgang des Mittelalters übernahm die Flöte schlicht eine Gesangsstimme. Bis zur barocken Flötensonate war es da noch ein langer Weg, den das Attaignant Consort anhand von sorgsam ausgewählten und sehr hörenswert vorgetragenen Musikbeispielen nachzeichnet. Dabei werden die Flötisten durch den Lautenisten Nigel North unterstützt, was in der Programmgestaltung reizvolle Kon- traste ermöglicht. Wer Flötenmusik schätzt, der wird von diesen gelungenen Einspielungen begeistert sein – auch wenn er sich vielleicht gar nicht für Musikgeschichte interessiert.