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Freitag, 27. Oktober 2017

Henryk Szeryng plays Nardini, Vieuxtemps, Ravel, Schumann (Hänssler Classic)

Noch einmal eine CD, auf der Henryk Szeryng zu hören ist – und was für ein Programm! Der Geiger hat diese Aufnahmen in den Jahren 1955 und 1957 im Baden-Badener Musikstudio mit dem Sinfonieorchester des SWR unter seinem legendären Leiter Hans Rosbaud eingespielt. Der Hörer darf sich über das e-Moll-Konzert von Pietro Nardini (1722 bis 1793) freuen, das hier in romantischer Bearbeitung erklingt. Darauf folgen das Violinkonzert Nr. 4 in d-Moll op. 31 von Henri Vieuxtemps (1820 bis 1881), und die ausgesprochen virtuose Konzert-Rhapsodie Tzigane von Maurice Ravel (1875 bis 1937). 
Abschließend ist das Violinkonzert in d-Moll von Robert Schumann (1810 bis 1856) zu hören, für das sich Szeryng sehr eingesetzt hat. „Ich kenne die Bedenken gegen dieses Stück“, meinte der Geiger einst, „aber ich billige sie nicht. Man sagt, es sei spröd und undankbar für den Solisten. Ich gebe zu, dass es nicht so geigerisch ist wie andere Konzerte, und dass auch die Instrumentierung nicht immer ganz glücklich ist. Aber es hat wunder- bare Melodien. (..) Wenn das musikalische Material gut ist, dann sollte man einem Komponisten auch einmal dadurch huldigen, dass man seine Schwächen verdeckt.“ 
Technische Schwierigkeiten scheint Szeryng so gar nicht zu kennen. Sein Spiel ist stets makellos, dabei stark im Ausdruck, und sein Geigenton ist kraftvoll, klar und strahlend. Diese alten Aufnahmen aus dem SWR-Archiv, sorgfältig digital überarbeitet, sind wirklich vom ersten bis zum letzten Takt ein Genuss. 

Sonntag, 7. Juli 2013

The Pupils of Tartini (Dynamic)

Giuseppe Tartini (1692 bis 1770) war nicht nur ein berühmter Geiger, er unterrichtete auch selbst Musiker aus ganz Europa. Die Violinschule, die um Tartini und seine Schüler entstand, genoss im Europa des 18. Jahrhunderts weithin einen ausgezeichneten Ruf, und der Violinvirtuose wurde bald gerühmt als Maestro delle Nazio- ni
Das lag auch mit daran, dass sich um ihn nicht nur die Musiker scharten. Auch viele andere Gäste besuchten Tartini – der Adel, Kaufleute, Wissenschaftler, Diplomaten, Schriftsteller, bildende Künstler. So verbreitete sich sein Ruf von Spanien bis Schweden und von Böhmen bis England. 
Crtomir Siskovic, Violine, und Luca Ferrini am Cembalo stellen auf dieser CD Violinsonaten vor, die Schüler Tartinis komponiert haben. Die Werke von Michele Stratico, Domenico Dall'Oglio, Antonio Nazari, Ignazio Gobbi und Pietro Nardini brennen  sämtlich ein Feuerwerk an musikalischen Ideen ab. Schöne Melodien, sangliche Linien, und eine ansprechende harmonische Gestaltung machen diese Sonaten zu einem Hörvergnügen – und die beiden Solisten präsentieren fünf Werke in Weltersteinspielung gekonnt und sehr ansprechend. Bravi! 

Freitag, 31. Dezember 2010

Nardini: Kammermusik mit Flöte (Musicaphon)

Pietro Nardini (1722 bis 1793) war ein Schüler von Giuseppe Tartini. Er war nicht in erster Linie für seine Virtuosität berühmt, son- dern für seinen schönen Ton. Leopold Mozart, seinerzeit ein gesuchter Violinpädagoge, erlebte sein Spiel 1763 auf Schloss Ludwigsburg, und berichtete daraufhin in einem Brief: „Sagen sie dem H: Wenzl daß ich gewissen Nardini gehört habe, und daß, in der Schönheit, reinigkeit, gleich- heit des Tones und im Singbaren Geschmacke nichts schöners kann gehöret werden.“
1760 und 1765 musizierte Nardini am Wiener Hof auf den Hochzeiten des Thronfolgers und späteren Kaisers Joseph II. Von 1762 bis 1765 wirkte er als Kammermusiker und Konzertmeister am Hofe des Herzogs Carl Eugen in Stuttgart.  Mehrere Reisen führten ihn auch an den Braunschweiger Hof. 1769 wurde er Konzertmeister und 1770 Musikdirektor am Hofe des Großherzogs Leopold in Florenz.
Seine Musik ist frühklassisch-empfindsam; sie ist unterhaltsam und gefällig. Obwohl Nardini in erster Linie für die Violine komponierte, sind von ihm auch fünf Triosonaten für Flöte, Violine und Basso continuo sowie einige Flötensonaten überliefert. Eine Auswahl dieser hübschen Stücke hat das Ensemble "musica solare" für das Label Musicaphon eingespielt. 
Darja Großheide, Traversflöte, Gabriele Nußberger, Violine, Ulrike Schaar, Violoncello und Willi Kronenberg, Cembalo, sind ausgewie- sene Spezialisten für Kammermusik des 18. Jahrhunderts. Sie musi- zieren mit schönem Ton und mit Gespür für die speziellen Qualitäten der Musik Nardinis - die keine Barockmusik mehr ist, aber auch noch nicht jenem Geniekult huldigt, der im 19. Jahrhundert Rolle und Selbstverständnis des Musikers grundlegend ändern sollte.