„One evening after a beautiful dinner, a good friend of ours with a love for rare and obscure music, handed us Arensky's arrangement of Tchaikovsky's Nutcracker to play as a piano duet“, berichten Mari und Momo Kodama im Beiheft zu dieser CD. „There and then, we sight-read it over a glass of wine all in the name of fun. The scores turned out to be such wonderful music that we decided to play it in our concerts, and that was a great success! Following that, we looked up on more arrangements made by other famous composers, such as Debussy ans Rachmaninov, of Tchaikovsky's ballets, that a friend had told us about.“
Letzten Endes ist daraus dann dieses Album entstanden. Die beiden Schwestern lieben Tschaikowskis Ballettmusiken, vor allem Nussknacker, seit ihrer Kindheit. „We practically grew up with the Nutcracker“, er- innern sich die Pianistinnen. „We were about three or four years old when our music teacher gave us a recording – our first recording of Nutcracker which we played at the time.“ Diese Liebe ist offenbar immer noch sehr lebendig, und prägt das Spiel der beiden Klaviervirtuosinnen. Die Nuss- knacker-Suite, die hier in der Version von Anton Stepanowitsch Arenski (1861 bis 1906) zu hören ist, erklingt äußerst sorgsam ausgearbeitet, und mit einem hinreißenden Farbenreichtum – es ist wirklich eine Pracht.
Weniger anfangen kann ich mit der Dornröschen-Suite, die einst der 18jährige Sergej Rachmaninow für Klavier zu vier Händen bearbeitet hat. Wie man im Beiheft lesen kann, war auch Tschaikowski einst damit nicht glücklich, und hat umfangreiche Korrekturen vorgenommen. Wie auch immer – mein Favorit ist das nicht.
Spannend ist allerdings Schwanensee – zu diesem Ballett existieren offenbar gleich zwei Suiten. Die eine, geschaffen vom Moskauer Klavierprofessor Eduard Langer (1835 bis 1905), besteht eigentlich aus sechs Stücken; die Kodama-Schwestern haben daraus zwei berühmte Szenen und den Tanz der kleinen Schwäne ausgewählt. Die andere Suite wurde geschaffen vom blutjungen Claude Debussy (1862 bis 1918), der 1880 Tschaikowskis Mäzenin Nadjeschda von Meck auf ihren Reisen durch Europa begleitete, und ihren Kindern Klavierunterricht gab. Er hat den russischen, den spanischen und den neapolitanischen Tanz für Klavierduo bearbeitet – und das sehr charmant.
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Samstag, 17. Dezember 2016
Sonntag, 21. Oktober 2012
Pyotr Ilyich Tchaikovsky - The Ballets (Melodija)
Kaum zu glauben - aber Ballettmusik galt einmal als "minderwertig", als bloße Begleitung zu Unterhaltung und Vergnügen. Wer die Ballette anhört, die Pjotr Iljitsch Tschaikowski (1840 bis 1893) komponiert hat, der ahnt, dass diese Werke damals einen Kulturschock ausgelöst haben müssen.
Denn statt einer Abfolge von un- verbindlichen, ziemlich beliebig tanzbaren Stücken findet sich hier eine dramaturgisch durchdachte, dramatische, ausgesprochen bild- hafte Musik. Wenn man in diesen Werken streicht, umstellt oder ergänzt (was zu Tschaikowskis Lebzeiten absolut üblich war), dann beschädigt man sie. Dennoch wurden auch die Ballette von Tschai- kowski oftmals mit solchen Änderungen aufgeführt.
In dieser Box mit insgesamt acht CD finden sich Schwanensee, Dorn- röschen und Der Nussknacker in ihrer ursprünglichen Form. Die Aufnahmen stammen aus den 80er Jahren. Zu hören ist das Staatliche akademische Sinfonieorchester der UdSSR unter Jewgeni Fjodoro- witsch Swetlanow, seinem langjährigen Chefdirigenten. Musiziert wird mitreißend, ausdrucksstark und tänzerisch; die dicke Schicht aus akustischem Puderzucker, die man bei älteren Aufnahmen aus der Sowjetunion oftmals findet, wird man hier freilich vergebens suchen.
Denn statt einer Abfolge von un- verbindlichen, ziemlich beliebig tanzbaren Stücken findet sich hier eine dramaturgisch durchdachte, dramatische, ausgesprochen bild- hafte Musik. Wenn man in diesen Werken streicht, umstellt oder ergänzt (was zu Tschaikowskis Lebzeiten absolut üblich war), dann beschädigt man sie. Dennoch wurden auch die Ballette von Tschai- kowski oftmals mit solchen Änderungen aufgeführt.
In dieser Box mit insgesamt acht CD finden sich Schwanensee, Dorn- röschen und Der Nussknacker in ihrer ursprünglichen Form. Die Aufnahmen stammen aus den 80er Jahren. Zu hören ist das Staatliche akademische Sinfonieorchester der UdSSR unter Jewgeni Fjodoro- witsch Swetlanow, seinem langjährigen Chefdirigenten. Musiziert wird mitreißend, ausdrucksstark und tänzerisch; die dicke Schicht aus akustischem Puderzucker, die man bei älteren Aufnahmen aus der Sowjetunion oftmals findet, wird man hier freilich vergebens suchen.
Montag, 31. Oktober 2011
Tchaikovsky: Swan Lake; Moldoveanu (RPO)
Hört man Ballettmusik an, ohne zugleich das Bühnengeschehen zu beobachten, kann dies ernüch- ternd sein. So ist es leider auch in diesem Falle.
Das Royal Philharmonic ist wahr- lich kein schlechtes Orchester, aber was die Musiker da unter Nicolae Moldoveanu darbieten, das ist so abwechslungsreich wie der sprichwörtliche englische Rasen. Diese Aufnahme ist derart langweilig, dass man am liebsten den CD-Player ausschalten würde. Daran ändert selbst das schöne Violinsolo von Clio Gould nichts - schade!
Das Royal Philharmonic ist wahr- lich kein schlechtes Orchester, aber was die Musiker da unter Nicolae Moldoveanu darbieten, das ist so abwechslungsreich wie der sprichwörtliche englische Rasen. Diese Aufnahme ist derart langweilig, dass man am liebsten den CD-Player ausschalten würde. Daran ändert selbst das schöne Violinsolo von Clio Gould nichts - schade!
Freitag, 16. April 2010
Tchaikovsky: Swan Lake; Pletnev (Ondine)
Das Ballett Schwanensee nach der ausdrucksstarken Musik von Pjotr Iljitsch Tschaikowski und in der Choreographie von Marius Petipa gehört zum Standardrepertoire eines jeden Tänzers; es steht exemplarisch für die weltweit verehrte und kopierte russische Tanztradition.
Darüber vergisst man leicht, dass Tschaikowskis Auftraggeber seinerzeit mit dem Werk ziemlich unglücklich waren. Zu ungewöhn- lich war die Musik; den Tänzern erschien sie zu dramatisch, und auch das Publikum fand sie "wagnerianisch". Ballettmusik ist in der Tat ein Balanceakt. Librettist und Komponist wollen eine Geschichte erzählen; der Choreograph und die Tänzer aber müssen sie in Bewegung umsetzen. Und die Solisten haben obendrein meist ganz eigene Vorstellungen davon, wie sie sich präsentieren möchten.
Das Resultat ist oftmals ein Kompromiss; deshalb werden Ballett- musiken im Konzertsaal üblicherweise in Form von Suiten zusammengefasst, die die "schönen Stellen" bringen - und die zwar funktional notwendigen, aber musikalisch oft weniger ansprechenden Teile ausklammern. Michail Pletnev spielt mit seinem Russischen Nationalorchester die komplette Partitur Tschaikowskis, wie aus Marmor gemeißelt und auf Hochglanz poliert, perfekt und ein bisschen langweilig. Am stärksten ist diese Einspielung dort, wo sie dramatisch wird - wobei Pletnev jegliches Pathos meidet. Das ist schade, denn eine Bühnenmusik verkraftet hier und da durchaus auch ein Augenzwinkern und ein bisschen Ironie.
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