Eine ganz famose Orgel stellt diese Doppel-CD vor. Sie befindet sich im Dom zu Riga, und wurde 1882/83 von der Ludwigsburger Orgelbau- firma Walcker errichtet. Hinter dem frühbarocken Orgelprospekt des Vorgängerinstrumentes, der übrigens zu den ältesten der Welt gehört, befinden sich 6.718 Pfeifen; verfügbar sind 124 Register auf vier Manualen und Pedal.
Als dieses Instrument im Januar 1884 eingeweiht wurde, war es die größte Orgel der Welt. Und zum hundertsten Geburtstag gab es eine umfassende Restaurierung durch das niederländischen Orgelbau- unternehmen Flentrop.
Beeindruckend klingt sie noch immer. Und der russische Organist Alexander Knjasew bringt mit seinem Spiel das Instrument so recht zur Geltung. Knjasew ist ein Phänomen – denn eigentlich ist er von Haus aus ein erfolgreicher Cellist; er hat bereits in vielen erstklassigen Konzertsälen und mit namhaften Dirigenten musiziert, und war Gast auf bedeutenden Festivals weltweit.
Mit dieser Einspielung aus dem Jahre 2012 wendet er sich den berühmten Leipziger Chorälen von Johann Sebastian Bach zu. Sein Kommentar dazu: „Ich suche nach einer Interpretation von Bachs Musik, die in erster Linie und vor allem sehr lebendig sein soll. Ich glaube, dass der Genius von Bachs Musik extrem modern ist. Wir sollten sie auf keinen Fall wie einen Museumsgegenstand behandeln.“
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Mittwoch, 28. November 2018
Sonntag, 26. August 2018
Mussorgsky: Piano Works (Melodija)
Klaviermusik von Modest Mussorgski hat das russische Label Melodija veröffentlicht. Die CD kombiniert diverse Archivaufnahmen aus dem Zeitraum 1949 bis 2017. Zu hören sind fünf (!) Pianisten; ich muss gestehen, dass ich ihre Namen nie zuvor gesehen hatte. Und was ich gehört habe, das veranlasst mich auch nicht dazu, weitere Aufnahmen zu suchen.
Es gibt bereits etliche Gesamtein- spielungen des Klavierwerkes des russischen Komponisten – wer sich für sein Schaffen interessiert, der sollte sich dort umsehen. Diese CD jedenfalls kann ich leider nicht guten Gewissens empfehlen.
Es gibt bereits etliche Gesamtein- spielungen des Klavierwerkes des russischen Komponisten – wer sich für sein Schaffen interessiert, der sollte sich dort umsehen. Diese CD jedenfalls kann ich leider nicht guten Gewissens empfehlen.
Freitag, 27. April 2018
Shostakovich: Complete Symphonies (Melodija)
In einer limitierten Edition hat das Label Melodija eine neue Gesamteinspielung der Sinfonien Dmitri Schostakowitschs (1906 bis 1975) veröffentlicht. Die 15 CD konnte man gar nicht so schnell anhören und besprechen, wie diese Box vergriffen war. Wer sie kaufen möchte und sie noch irgendwo findet, der sollte wohl rasch zuschlagen, denn es kann sich nur um einige wenige Einzelexemplare handeln. Das erstaunt ein wenig.
Zwar hat sich das Tatarstan National Symphony Orchestra, beheimatet in der Millionenstadt Kazan am Ufer der Wolga, auf zwei umjubelten Deutschlandtourneen als eines der besten modernen russischen Orchester empfohlen. Das Orchester hat zudem unter Leitung seines Chefdirigenten Alexander Sladkovsky bereits eine viel beachtete Aufnahme von Sinfonien Gustav Mahlers vorgelegt.
Aber mit den Sinfonien Schostakowitschs erreicht das Ensemble meiner Meinung nach kein Spitzenniveau. Die 15 Werke hat das Tatarstan National Symphony Orchestra durchweg im Jahre 2016 eingespielt – neben einem umfangreichen Konzert- und Tourneeprogramm, selbstredend. Das ist ein höchst kräftezehrendes Unterfangen. Vielleicht hätte man sich für das Projekt mehr Zeit nehmen sollen. Hört man diese Einspielung im Vergleich zu älteren, beispielsweise jener mit dem Berliner Sinfonie-Orchester unter Kurt Sanderling aus dem Jahre 1961, fällt zum einen auf, dass das Klangbild zu wünschen übrig lässt. Da mangelt es sowohl an Klarheit als auch an farblicher Differenziertheit.
Sladkovsky setzt stark auf Virtuosität und auf Brillanz. Schostakowitsch hat allerdings, unter dem Druck der Verhältnisse, sehr oft doppeldeutig komponiert. Der Sarkasmus, der seine Werke häufig geprägt hat, ist hier kaum wahrzunehmen. Das ist schade, denn bei den meisten Sinfonien Schostakowitschs kommt es genau darauf an, dass der Hörer dies wahrnehmen kann. Für eine neue Referenz ist das eindeutig zu wenig.
Zwar hat sich das Tatarstan National Symphony Orchestra, beheimatet in der Millionenstadt Kazan am Ufer der Wolga, auf zwei umjubelten Deutschlandtourneen als eines der besten modernen russischen Orchester empfohlen. Das Orchester hat zudem unter Leitung seines Chefdirigenten Alexander Sladkovsky bereits eine viel beachtete Aufnahme von Sinfonien Gustav Mahlers vorgelegt.
Aber mit den Sinfonien Schostakowitschs erreicht das Ensemble meiner Meinung nach kein Spitzenniveau. Die 15 Werke hat das Tatarstan National Symphony Orchestra durchweg im Jahre 2016 eingespielt – neben einem umfangreichen Konzert- und Tourneeprogramm, selbstredend. Das ist ein höchst kräftezehrendes Unterfangen. Vielleicht hätte man sich für das Projekt mehr Zeit nehmen sollen. Hört man diese Einspielung im Vergleich zu älteren, beispielsweise jener mit dem Berliner Sinfonie-Orchester unter Kurt Sanderling aus dem Jahre 1961, fällt zum einen auf, dass das Klangbild zu wünschen übrig lässt. Da mangelt es sowohl an Klarheit als auch an farblicher Differenziertheit.
Sladkovsky setzt stark auf Virtuosität und auf Brillanz. Schostakowitsch hat allerdings, unter dem Druck der Verhältnisse, sehr oft doppeldeutig komponiert. Der Sarkasmus, der seine Werke häufig geprägt hat, ist hier kaum wahrzunehmen. Das ist schade, denn bei den meisten Sinfonien Schostakowitschs kommt es genau darauf an, dass der Hörer dies wahrnehmen kann. Für eine neue Referenz ist das eindeutig zu wenig.
Montag, 12. Juni 2017
András Schiff piano Live (Melodija)
„Contest stage has never been part of my world“, bekannte einst András Schiff. „In fact, life would be much better without music contests. Why? Naturally, music in not a kind of sports. It cannot be measured in seconds, metres or kilograms.“
Dennoch hat der Philosoph unter den Musikern, Jahrgang 1953, einst selbst an etlichen Wettbewerben teilgenommen und auch Rekorde gebrochen. So wurde er bereits im Alter von 14 Jahren Student an der Franz-Liszt-Musikakademie in Budapest – der jüngste, den die Hochschule jemals hatte. Ein Jahr später gewann er seinen ersten Preis in einem ungarischen TV-Wettbewerb.
Diese CD dokumentiert seine Beteiligung an einem der berühmtesten Wett- bewerbe überhaupt: 1974 musizierte András Schiff beim Tschaikowski-Wettbewerb in Moskau. Er errang dort einen vierten Preis; gewonnen hat damals Andrei Gawrilow.
Sämtliche Wettbewerbsbeiträge wurden mitgeschnitten. Das Programm, das András Schiff seinerzeit gespielt hat, wurde nun bei Melodija veröffentlicht. Die Aufnahmen zeigen, dass der Pianist schon in diesen jungen Jahren sehr eigene Wege ging. Das beginnt bereits bei der Auswahl der Stücke, soweit sie den Wettbewerbsteilnehmern überlassen war. Doch auch bei der Interpretation wird deutlich, dass es Schiff schon damals nicht darum ging, sein Publikum mit einem Feuerwerk an Brillanz zu überwäl- tigen - man höre nur die Liszt-Konzertetüde.
Dennoch hat der Philosoph unter den Musikern, Jahrgang 1953, einst selbst an etlichen Wettbewerben teilgenommen und auch Rekorde gebrochen. So wurde er bereits im Alter von 14 Jahren Student an der Franz-Liszt-Musikakademie in Budapest – der jüngste, den die Hochschule jemals hatte. Ein Jahr später gewann er seinen ersten Preis in einem ungarischen TV-Wettbewerb.
Diese CD dokumentiert seine Beteiligung an einem der berühmtesten Wett- bewerbe überhaupt: 1974 musizierte András Schiff beim Tschaikowski-Wettbewerb in Moskau. Er errang dort einen vierten Preis; gewonnen hat damals Andrei Gawrilow.
Sämtliche Wettbewerbsbeiträge wurden mitgeschnitten. Das Programm, das András Schiff seinerzeit gespielt hat, wurde nun bei Melodija veröffentlicht. Die Aufnahmen zeigen, dass der Pianist schon in diesen jungen Jahren sehr eigene Wege ging. Das beginnt bereits bei der Auswahl der Stücke, soweit sie den Wettbewerbsteilnehmern überlassen war. Doch auch bei der Interpretation wird deutlich, dass es Schiff schon damals nicht darum ging, sein Publikum mit einem Feuerwerk an Brillanz zu überwäl- tigen - man höre nur die Liszt-Konzertetüde.
Samstag, 31. Dezember 2016
Yehudi Menuhin - Anniversary Collection (Melodija)
In diesem Jahr wäre Yehudi Menuhin (1916 bis 1999) hundert Jahre alt geworden. Zum Jubiläum hat Melodija Raritäten aus dem Archiv herausgesucht: Auf sechs CD, untergebracht in einem Buch, das sich wiederum in einem stabilen Schuber befindet, präsentiert das einstige sowjetische Staatslabel Aufnahmen, die zwischen 1945 und 1962 entstanden sind. Dabei handelt es sich um sorgsam ausgewählte, teilweise bislang unveröffentlichte Konzertmitschnitte.
Yehudi Menuhin, einer der bedeutenden Geiger des 20. Jahrhunderts, ist in Liveaufnahmen mit seiner Schwester Hephzibah zu hören; er musiziert aber auch mit den Pianisten Lew Oborin und Abram Makarow sowie mit dem Moscow Chamber Orchestra unter Rudolf Barschai, und dem USSR State Symphony Orchestra unter Jewgeni Swetlanow.
Schon als Kind beeindruckte Menuhin durch sein Geigenspiel das Publi- kum und große Virtuosen. Nach Anfangsunterricht bei Sigmund Anker durfte der gerade einmal Sechsjährige seine Ausbildung bei Louis Persinger fortsetzen, dem Konzertmeister des San Francisco Symphony Orchestra (der eigentlich keine Kinder unterrichtete). Ein Mäzen ermöglichte es der Familie, nach Paris zu reisen, wo Menuhin bei Persingers Lehrer Eugène Ysaÿe studieren sollte. Der hörte sich wohlwollend an, wie der Zehnjährige die Symphonie espagnole von Edouard Lalo vortrug. Doch dann wollte er einen A-Dur-Dreiklang hören, über alle Oktaven und Grifflagen. An dieser simplen Aufgabe scheiterte das Wunderkind, das offenbar zuvor keinerlei Etüden gespielt hatte.
Und so lernte Menuhin zunächst bei George Enescu, der ihn dann an Adolf Busch weiter verwies. 1929 musizierte der junge Geiger mit den Berliner Philharmonikern unter Bruno Walter. Ein Mäzen schenkte ihm zum Geburtstag eine Stradivari, die Prinz Khevenhüller aus dem Jahre 1733. Sie sollte ihn durch sein ganzes Musikerleben begleiten. Dieses Instrument erklingt auch auf diesen sechs CD. Yehudi Menuhin ist hier mit etlichen seiner Encores zu erleben; er spielt zudem Werke von Mozart, Franck, Debussy – vor allem aber von Bach, Brahms und Beethoven, und von Béla Bartók, den der Geiger sehr schätzte.
Yehudi Menuhin, einer der bedeutenden Geiger des 20. Jahrhunderts, ist in Liveaufnahmen mit seiner Schwester Hephzibah zu hören; er musiziert aber auch mit den Pianisten Lew Oborin und Abram Makarow sowie mit dem Moscow Chamber Orchestra unter Rudolf Barschai, und dem USSR State Symphony Orchestra unter Jewgeni Swetlanow.
Schon als Kind beeindruckte Menuhin durch sein Geigenspiel das Publi- kum und große Virtuosen. Nach Anfangsunterricht bei Sigmund Anker durfte der gerade einmal Sechsjährige seine Ausbildung bei Louis Persinger fortsetzen, dem Konzertmeister des San Francisco Symphony Orchestra (der eigentlich keine Kinder unterrichtete). Ein Mäzen ermöglichte es der Familie, nach Paris zu reisen, wo Menuhin bei Persingers Lehrer Eugène Ysaÿe studieren sollte. Der hörte sich wohlwollend an, wie der Zehnjährige die Symphonie espagnole von Edouard Lalo vortrug. Doch dann wollte er einen A-Dur-Dreiklang hören, über alle Oktaven und Grifflagen. An dieser simplen Aufgabe scheiterte das Wunderkind, das offenbar zuvor keinerlei Etüden gespielt hatte.
Und so lernte Menuhin zunächst bei George Enescu, der ihn dann an Adolf Busch weiter verwies. 1929 musizierte der junge Geiger mit den Berliner Philharmonikern unter Bruno Walter. Ein Mäzen schenkte ihm zum Geburtstag eine Stradivari, die Prinz Khevenhüller aus dem Jahre 1733. Sie sollte ihn durch sein ganzes Musikerleben begleiten. Dieses Instrument erklingt auch auf diesen sechs CD. Yehudi Menuhin ist hier mit etlichen seiner Encores zu erleben; er spielt zudem Werke von Mozart, Franck, Debussy – vor allem aber von Bach, Brahms und Beethoven, und von Béla Bartók, den der Geiger sehr schätzte.
Dienstag, 20. Dezember 2016
Christmas Bells - The Children's Choir of the Bolshoi Theatre (Melodija)
Die Weihnachtsglocken lässt der Kinderchor des Bolschoi-Theaters erschallen. Dieses Ensemble wurde 1920 gegründet, und wirkt seitdem an den Produktionen des berühmten Hauses mit. Die Kinder und Jugend- lichen erhalten dort zudem eine Ausbildung, die ihnen den Zugang zu den besten Musikhochschulen eröff- net; etliche Opernsänger sind bereits aus diesem Chor hervorgegangen.
Seit 2004 wird das Ensemble von Julia Moltschanowa geleitet. Der Kinderchor ist derzeit nicht nur an Theateraufführungen beteiligt, er gibt auch eine Vielzahl von Konzerten in namhaften Konzertsälen Russlands und im Ausland. So hat der Kinder- chor des Bolschoi-Theaters bereits erfolgreich in Japan gesungen, in Südkorea, in Italien, in Deutschland und in einigen anderen Ländern.
Auf dieser CD ist überwiegend weihnachtliche Musik zu hören. Sie beginnt mit einer gelungenen Interpretation der A Ceremony of Carols op. 28 von Benjamin Britten. International bleibt das Programm, das von César Francks Panis Angelicus über das Halleluja aus Mozarts Motette Exsulate, jubilate KV 165 bis hin zu Franz Xaver Grubers Stille Nacht, heilige Nacht reicht. Russische Lieder sind leider nicht zu hören, und manches klingt ein wenig sehr brav; aber die Mädchen und Jungen können mit einem schö- nen, homogenen Chorklang aufwarten – und mit etlichen zauberhaften Soli.
Seit 2004 wird das Ensemble von Julia Moltschanowa geleitet. Der Kinderchor ist derzeit nicht nur an Theateraufführungen beteiligt, er gibt auch eine Vielzahl von Konzerten in namhaften Konzertsälen Russlands und im Ausland. So hat der Kinder- chor des Bolschoi-Theaters bereits erfolgreich in Japan gesungen, in Südkorea, in Italien, in Deutschland und in einigen anderen Ländern.
Auf dieser CD ist überwiegend weihnachtliche Musik zu hören. Sie beginnt mit einer gelungenen Interpretation der A Ceremony of Carols op. 28 von Benjamin Britten. International bleibt das Programm, das von César Francks Panis Angelicus über das Halleluja aus Mozarts Motette Exsulate, jubilate KV 165 bis hin zu Franz Xaver Grubers Stille Nacht, heilige Nacht reicht. Russische Lieder sind leider nicht zu hören, und manches klingt ein wenig sehr brav; aber die Mädchen und Jungen können mit einem schö- nen, homogenen Chorklang aufwarten – und mit etlichen zauberhaften Soli.
Dienstag, 10. März 2015
Grigory Sokolov (Melodija)
Aufnahmen mit dem russischen Pianisten Grigory Sokolov sind Raritäten. Der Musiker, der als derzeit weltbester Pianist gilt, hat schon sehr lange keine Studio- aufnahmen mehr gemacht, und auch Live-Mitschnitte sind nicht besonders viele verfügbar. Das russische Label Melodija hat nun seine Schatz- kammern geöffnet – und einige dieser Aufzeichnungen aus den Archiven geholt. Darunter befindet sich auch ein ganz besonderes Tondokument: Aufnahmen jenes Konzerts, mit dem Sokolov seinerzeit 1966 im Alter von nur 16 Jahren die Goldmedaille des Tschaikowski-Wettbewerbs gewann. Er spielte damals die Etüde op. 25, Nr. 11 von Frédéric Chopin und die Etüde op. 8, Nr. 10 von Alexander Skrjabin. Die beiden CD enthalten zudem einen Mitschnitt von Schumanns Carnaval op. 9 aus dem Jahre 1967, Schuberts a-Moll-Klaviersonate D784 sowie eine weitere Chopin-Etüde und eine Mazurka, aufgezeichnet 1969, dazu Skrjabins Sonate Nr. 9, op. 68, Fragmente aus dem Ballett Petruschka von Igor Strawinsky, sowie die Klaviersonaten Nr. 7 und 8 von Sergej Prokofjew.
Auch wenn Sokolov heute noch wesentlich klarer strukturiert – seine unentwegte Suche nach dem Kern eines jeden Werkes, nach der ange- messenen Interpretation ist bei diesen frühen Aufnahmen bereits zu spüren. Es ist sehr erfreulich, dass man diesem grandiosen Pianisten in Zukunft (hoffentlich!) öfters zuhören kann. Einige seiner Konzertauftritte von seiner Studienzeit bis hinein in die 80er Jahre jedenfalls sind nun auf diesen beiden CD zu erleben.
Auch wenn Sokolov heute noch wesentlich klarer strukturiert – seine unentwegte Suche nach dem Kern eines jeden Werkes, nach der ange- messenen Interpretation ist bei diesen frühen Aufnahmen bereits zu spüren. Es ist sehr erfreulich, dass man diesem grandiosen Pianisten in Zukunft (hoffentlich!) öfters zuhören kann. Einige seiner Konzertauftritte von seiner Studienzeit bis hinein in die 80er Jahre jedenfalls sind nun auf diesen beiden CD zu erleben.
Sonntag, 3. Februar 2013
Tchaikovski: Violin Concerto / Rococo Variations (Melodija)
Das russische Label Melodija hat mit dieser CD gleich zwei legendäre Aufnahmen wieder zugänglich gemacht. Sie gelten beide Werken von Pjotr Iljitsch Tschaikowski, und stammen aus dem Jahre 1957. Das Violinkonzert D-Dur op. 35 spielt David Oistrach, er musiziert her gemeinsam mit dem Staatli- chen Sinfonieorchester der UdSSR unter Leitung von Kyrill Kondra- schin. Solist der Rokoko-Variatio- nen op. 33 ist Mstislaw Rostropo- witsch. Er spielt gemeinsam mit der Leningrader Philharmonie, die mittlerweile mit der Stadt wieder unbenannt ist. Dirigiert hat seiner- zeit Gennadi Roschdestwenski.
Ich kenne diese Aufnahmen seit meinen Kindertagen - und ich muss gestehen, dass ich sie noch immer faszinierend finde. Denn diese alten Einspielungen erfassen in idealer Weise das Wesen dieser Musik, und die Solisten sollte man ohnehin öfters anhören. Es sind Giganten in Technik und Ausdruck, die für alle Zeiten Maßstäbe gesetzt haben.
Ich kenne diese Aufnahmen seit meinen Kindertagen - und ich muss gestehen, dass ich sie noch immer faszinierend finde. Denn diese alten Einspielungen erfassen in idealer Weise das Wesen dieser Musik, und die Solisten sollte man ohnehin öfters anhören. Es sind Giganten in Technik und Ausdruck, die für alle Zeiten Maßstäbe gesetzt haben.
Montag, 21. Januar 2013
Debussy: Preludes; Ljubimov (Melodija)
Der russische Pianist Alexej Ljubi- mow, Jahrgang 1944, studierte am Moskauer Konservatorium als einer der letzten Schüler von Hein- rich Neuhaus. In seinem Debüt- konzert spielte er 1968 Werke von John Cage und Terry Riley - und bekam prompt Ärger, denn west- liche Avantgarde war nicht unbe- dingt das, was Kulturfunktionäre damals unters interessierte Volk gebracht sehen wollten.
So verlegte sich der Pianist dann auf die Erkundung der Traditionen, und gehörte 1976 zu den Mitbe- gründern des Moskauer Barock-Quartetts sowie der Moskauer Kammerakademie. 1987 durfte Ljubimow dann seine internationale Karriere starten. Und noch immer gilt sein Engagement sowohl der zeitgenössischen Musik - wo er zahlreiche Werke von russischen Komponisten auch im Westen vorgestellt hat - als auch der historisch informierten Aufführungspraxis.
Daher ist es interessant, seiner Einspielung der Préludes von Claude Debussy zu lauschen. Quasi im Kontrast zu einer neuen Aufnahme, die bei ECM erschienen ist, hat das russische Label Melodija zum Debus- sy-Jubiläum im vergangenen Jahr seine frühe Version der Préludes aus dem Jahre 1971 wiederveröffentlicht. Ljubimow spielt sie ziemlich distanziert-technisch. So wirken sie wie impressionistische Gemälde, allerdings aus Tönen dahingetupft - und mal in hellen, mal in eher gedeckten Farben gestaltet. Das passt zu dieser Musik prima, und macht diese Aufnahme hörenswert.
So verlegte sich der Pianist dann auf die Erkundung der Traditionen, und gehörte 1976 zu den Mitbe- gründern des Moskauer Barock-Quartetts sowie der Moskauer Kammerakademie. 1987 durfte Ljubimow dann seine internationale Karriere starten. Und noch immer gilt sein Engagement sowohl der zeitgenössischen Musik - wo er zahlreiche Werke von russischen Komponisten auch im Westen vorgestellt hat - als auch der historisch informierten Aufführungspraxis.
Daher ist es interessant, seiner Einspielung der Préludes von Claude Debussy zu lauschen. Quasi im Kontrast zu einer neuen Aufnahme, die bei ECM erschienen ist, hat das russische Label Melodija zum Debus- sy-Jubiläum im vergangenen Jahr seine frühe Version der Préludes aus dem Jahre 1971 wiederveröffentlicht. Ljubimow spielt sie ziemlich distanziert-technisch. So wirken sie wie impressionistische Gemälde, allerdings aus Tönen dahingetupft - und mal in hellen, mal in eher gedeckten Farben gestaltet. Das passt zu dieser Musik prima, und macht diese Aufnahme hörenswert.
Sonntag, 21. Oktober 2012
Pyotr Ilyich Tchaikovsky - The Ballets (Melodija)
Kaum zu glauben - aber Ballettmusik galt einmal als "minderwertig", als bloße Begleitung zu Unterhaltung und Vergnügen. Wer die Ballette anhört, die Pjotr Iljitsch Tschaikowski (1840 bis 1893) komponiert hat, der ahnt, dass diese Werke damals einen Kulturschock ausgelöst haben müssen.
Denn statt einer Abfolge von un- verbindlichen, ziemlich beliebig tanzbaren Stücken findet sich hier eine dramaturgisch durchdachte, dramatische, ausgesprochen bild- hafte Musik. Wenn man in diesen Werken streicht, umstellt oder ergänzt (was zu Tschaikowskis Lebzeiten absolut üblich war), dann beschädigt man sie. Dennoch wurden auch die Ballette von Tschai- kowski oftmals mit solchen Änderungen aufgeführt.
In dieser Box mit insgesamt acht CD finden sich Schwanensee, Dorn- röschen und Der Nussknacker in ihrer ursprünglichen Form. Die Aufnahmen stammen aus den 80er Jahren. Zu hören ist das Staatliche akademische Sinfonieorchester der UdSSR unter Jewgeni Fjodoro- witsch Swetlanow, seinem langjährigen Chefdirigenten. Musiziert wird mitreißend, ausdrucksstark und tänzerisch; die dicke Schicht aus akustischem Puderzucker, die man bei älteren Aufnahmen aus der Sowjetunion oftmals findet, wird man hier freilich vergebens suchen.
Denn statt einer Abfolge von un- verbindlichen, ziemlich beliebig tanzbaren Stücken findet sich hier eine dramaturgisch durchdachte, dramatische, ausgesprochen bild- hafte Musik. Wenn man in diesen Werken streicht, umstellt oder ergänzt (was zu Tschaikowskis Lebzeiten absolut üblich war), dann beschädigt man sie. Dennoch wurden auch die Ballette von Tschai- kowski oftmals mit solchen Änderungen aufgeführt.
In dieser Box mit insgesamt acht CD finden sich Schwanensee, Dorn- röschen und Der Nussknacker in ihrer ursprünglichen Form. Die Aufnahmen stammen aus den 80er Jahren. Zu hören ist das Staatliche akademische Sinfonieorchester der UdSSR unter Jewgeni Fjodoro- witsch Swetlanow, seinem langjährigen Chefdirigenten. Musiziert wird mitreißend, ausdrucksstark und tänzerisch; die dicke Schicht aus akustischem Puderzucker, die man bei älteren Aufnahmen aus der Sowjetunion oftmals findet, wird man hier freilich vergebens suchen.
Samstag, 25. August 2012
Rimsky-Korsakov: Sadko (Melodija)
Gleich zwei Werke hat Nikolai Andrejewitsch Rimski-Korsakow (1844 bis 1908) Sadko, der Titel- figur einer russischen Sage gewidmet. In dieser Drei-CD-Box befindet sich seine gleichnamige Oper, die in sieben Bildern die Geschichte des Helden erzählt. Das gab dem Komponisten Gelegenheit zu kraftvollen Chören ebenso wie zu farbenprächtiger Musik, mit der er ganz besonders das Zauberreich des Meereskönigs ausstattete.
Das Märchen, das sich dahinter verbirgt, und das seinerzeit diverse russische Künstler inspirierte, ist im Westen wenig bekannt. Die Oper beginnt mit einem Fest in Nowgorod. Dort preisen Gusli-Spieler die Gäste; ein junger Sänger namens Sadko hingegen erzählt in seinem Lied, was er alles unternehmen würde, wenn er nur Geld hätte: Er würde allerlei Waren einkaufen, Schiffe ausrüsten und damit in die Welt hinaussegeln, um den Ruhm Nowgorods weithin zu verbreiten. Doch den Gästen gefällt sein Gesang nicht, Sadko muss das Fest ver- lassen.
Frustriert rastet er am Ufer, wo er ein trauriges Lied singt. Weiße Schwäne kommen heran; sie verwandeln sich in schöne Mädchen, und Sadko singt für sie. Es sind die Töchter Meereskönigs; sie ermöglichen es Sadko, seinen Traum zu verwirklichen. Nach zwölf Jahren allerdings soll Sadko das Versprechen einlösen, dass er Wolchowa, der schönsten der Töchter einst gegeben hat: Er soll sie heiraten. Und so geschieht es dann auch, denn der Zar der Meere hat Sadko in die Finger bekommen. Allerdings ist der Held bereits ver- ehelicht. Deshalb erscheint der Heilige Nikolaus, verdonnert den Helden zur Heimkehr – und Wolchowa dazu, ihn zu begleiten. Sie wird dazu in einen Fluss verwandelt. Sadko erwacht am Gestade zu Nowgo- rod. Seine Schiffe treffen ein, und er hört das Klagelied seiner Ehefrau, die ihren Mann vermisst. So wird zum Schluss doch noch alles gut. Zu hören ist eine historische Aufnahme aus dem Bolschoi Teatr, aufge- zeichnet im Jahre 1952.
Das Märchen, das sich dahinter verbirgt, und das seinerzeit diverse russische Künstler inspirierte, ist im Westen wenig bekannt. Die Oper beginnt mit einem Fest in Nowgorod. Dort preisen Gusli-Spieler die Gäste; ein junger Sänger namens Sadko hingegen erzählt in seinem Lied, was er alles unternehmen würde, wenn er nur Geld hätte: Er würde allerlei Waren einkaufen, Schiffe ausrüsten und damit in die Welt hinaussegeln, um den Ruhm Nowgorods weithin zu verbreiten. Doch den Gästen gefällt sein Gesang nicht, Sadko muss das Fest ver- lassen.
Frustriert rastet er am Ufer, wo er ein trauriges Lied singt. Weiße Schwäne kommen heran; sie verwandeln sich in schöne Mädchen, und Sadko singt für sie. Es sind die Töchter Meereskönigs; sie ermöglichen es Sadko, seinen Traum zu verwirklichen. Nach zwölf Jahren allerdings soll Sadko das Versprechen einlösen, dass er Wolchowa, der schönsten der Töchter einst gegeben hat: Er soll sie heiraten. Und so geschieht es dann auch, denn der Zar der Meere hat Sadko in die Finger bekommen. Allerdings ist der Held bereits ver- ehelicht. Deshalb erscheint der Heilige Nikolaus, verdonnert den Helden zur Heimkehr – und Wolchowa dazu, ihn zu begleiten. Sie wird dazu in einen Fluss verwandelt. Sadko erwacht am Gestade zu Nowgo- rod. Seine Schiffe treffen ein, und er hört das Klagelied seiner Ehefrau, die ihren Mann vermisst. So wird zum Schluss doch noch alles gut. Zu hören ist eine historische Aufnahme aus dem Bolschoi Teatr, aufge- zeichnet im Jahre 1952.
Experten sind der Meinung, es habe sich dabei um eine der besten Inszenierungen des Regisseurs Boris Alexandrowitsch Pokrowski (1912 bis 2009) gehandelt. Dirigiert hat das exzellente Sänger- ensemble sowie Chor und Orchester des Bolschoi Teatrs der ebenso legendäre Nikolai Semjonowitsch Golowanow.
Dienstag, 19. Juni 2012
From Russia with Song (Melodija)
Russische Volkslieder in reicher Zahl werden hier gesungen von einst hochdekorierten Ensembles und Solisten. Da findet sich das Alexandrow-Ensemble der frühe- ren Sowjetarmee neben dem Staatlichen Akademischen Russischen Chor oder Staatlichen Volkschören aus Woronesch oder dem Ural.
Die Aufnahmen stammen aus den Jahren 1958 bis 1996; die Arrange- ments sind zumeist populär, ganz im Stile der guten alten Estrada. Wer so etwas schätzt, und Sinn für Nostalgie hat, der wird diese CD mögen.
Die Aufnahmen stammen aus den Jahren 1958 bis 1996; die Arrange- ments sind zumeist populär, ganz im Stile der guten alten Estrada. Wer so etwas schätzt, und Sinn für Nostalgie hat, der wird diese CD mögen.
Mittwoch, 25. April 2012
Richter plays Bach - The Well-Tempered Clavier Book 1 (Melodija)
Eine der ganz großen Bach-Auf- nahmen ist bei Melodija wieder erhältlich: Swjatoslaw Richter hat am 20. und 21. April 1969 im Großen Saal des Moskauer Konser- vatoriums Bachs Wohltemperier- tes Clavier eingespielt. Wie er die 24 Präludien und Fugen spielt, das ist ein musikalisches Ereignis. Man hört diese Aufnahme noch heute mit Staunen an - was erneut meine These bekräftigt, dass die wirklich herausragenden Interpretationen an Musikerpersönlichkeiten ge- bunden sind, und nicht an Modetrends und Musikmarkt.
Dienstag, 11. Oktober 2011
Works on themes of Paganini (Melodija)
Mit seinen spektakulären Auf- tritten beeindruckte der Geiger Niccolo Paganini nicht nur das "normale" Publikum, sondern auch etliche namhafte Komponisten. So hört der junge Robert Schumann 1830 in Frankfurt Paganini - und beschloss, Musiker zu werden. Wie sehr ihn die Musik des Geigers be- schäftigt hat, zeigen die Studien für Klavier op. 3 und die Sechs Kon- zert-Etüden op. 10 nach Capricen von Paganini, die Schumann 1832 und 1833 niederschrieb. Es ist interessant, zu verfolgen, wie sich der junge Komponist mit dem berühmten Vorbild auseinandersetzt - und musikalisch zunehmend eigene Akzente setzt. Damit freilich steht er nicht allein.
Nikolai Arnoldowitsch Petrow (1943 bis 2011), einer der führenden russischen Pianisten seiner Generation, hat 1982 Schumanns Konzertetüden für das Label Melodija eingespielt - und auch noch zwei andere Werke, die zeigen, wie sehr Paganini die Musik des
19. Jahrhunderts beeinflusst hat: Johannes Brahms' Variationen über ein Thema von Paganini für Klavier in a-Moll, op. 35, und die Études d'exécution transcendante d'après Paganini von Franz Liszt - in der Fassung aus dem Jahre 1838 als Ersteinspielung.
Ist Brahms' Werk eher eine Strapaze für den Hörer, so erweist sich Liszts Opus in erster Linie als Parforceritt für den Pianisten - kein Wunder, dass seine Zeitgenossen die Études für unspielbar hielten, so dass Liszt 1851 eine Neufassung vorlegte.
Nikolai Arnoldowitsch Petrow (1943 bis 2011), einer der führenden russischen Pianisten seiner Generation, hat 1982 Schumanns Konzertetüden für das Label Melodija eingespielt - und auch noch zwei andere Werke, die zeigen, wie sehr Paganini die Musik des
19. Jahrhunderts beeinflusst hat: Johannes Brahms' Variationen über ein Thema von Paganini für Klavier in a-Moll, op. 35, und die Études d'exécution transcendante d'après Paganini von Franz Liszt - in der Fassung aus dem Jahre 1838 als Ersteinspielung.
Ist Brahms' Werk eher eine Strapaze für den Hörer, so erweist sich Liszts Opus in erster Linie als Parforceritt für den Pianisten - kein Wunder, dass seine Zeitgenossen die Études für unspielbar hielten, so dass Liszt 1851 eine Neufassung vorlegte.
Samstag, 17. Juli 2010
Alexander Frauchi - Guitar (Melodija)
Alexander Kamillowitsch Frautschi (1954-2008) war ein bekannter russischer Gitarrist - und einer der wenigen Musiker aus der Sowjetunion, die auch im Westen gastieren durften. Er war zudem ein begnadeter Gitarren- pädagoge, und seine Studenten haben ebenfalls weltweit zahl- reiche Wettbewerbe gewonnen.
Frautschi muss in der Sowjetunion einen wahren Gitarrenboom ausgelöst haben; sein Auftreten und sein Vorbild führten zur Gründung von Gitarrenklassen an etlichen Musikhochschulen des Landes. Diese CD setzt ihm ein klingendes Denkmal - mit einigen Werken von Bach, einer Cembalo-Sonate von Scarlatti in einer Transkription für Gitarre von Andrés Segovia, der Grand Sonata und einer Sonata für Violine und Gitarre von Paganini und der Variationen über ein Thema aus Mozarts Oper "Die Zauberflöte" op. 9 von Fernando Sor.
Mittwoch, 30. Juni 2010
The Greatest Russian Violists - Michael Kugel (Melodija)
Michail Benediktowitsch Kugel, Jahrgang 1946, studierte an der Musikhochschule in seiner Heimatstadt Charkov sowie am Rimski-Korsakow-Konservatorium in Leningrad. Er war Solist der Moskauer Konzertorganisation "Moskonzert", Violist des Staat- lichen Beethoven Quartetts und unterrichtete am Moskauer Tschaikowski-Konservatorium.
1990 ging er nach Jerusalem, wo er als Professor an der Rubin Academy of Music and Dance arbeitete. Seit 1996 lebt er in Belgien. Heute lehrt er als Professor an den Königlichen Konservatorien in Gent und in Maastricht.
Er hat mehr als 20 CD eingespielt und etliche Werke komponiert; auch im Konzertsaal ist er offenbar ziemlich präsent. Und dennoch ist er im Westen nach wie vor wenig bekannt, was ziemlich erstaunt, wenn man diese Aufnahmen hört. Denn da bleibt kein Zweifel: Hier musiziert einer der besten Virtuosen dieser Generation, und sein Repertoire ist erstaunlich vielgestaltig.
Da Stücke für die Bratsche nach wie vor rar sind, handelt es sich meistens um Bearbeitungen von Werken, die ursprünglich für andere Besetzungen geschrieben wurden. So komponierte Giovanni Battista Martini seine Sonate a-Moll op. 19 Nr. 3 für Violoncello und Cembalo, und Bachs Sonate Nr. 1 in G-Dur BWV 1027 entstand für Viola da Gamba und Cembalo. Michail Kugel wird bei dieser Aufzeichnung aus dem Jahre 1979 von Sergej Leschenko begleitet. Die beiden Musiker wählen frappierend langsame Tempi, bauen dadurch aber auch eine enorme Spannung auf, was sehr interessant ist.
Paganinis Sonate in C-Dur op. 35 hingegen nimmt Kugel als Virtuo- senstück; diesen Eindruck unterstreichen noch seine extrem an- spruchsvollen Kadenzen. Als Referenz an die russische Heimat erscheint Michail Glinkas Sonate für Viola und Klavier, die leider unvollendet blieb. Kugel schließt mit der Carmen-Fantasie von Franz Waxman, einem der bedeutendsten Komponisten von Filmmusiken überhaupt. Am Klavier ist hier Elena Kusnetzowa zu hören; sie Aufnahmen stammen aus dem Jahre 1989.
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