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Mittwoch, 14. Juni 2017

Brahms: Liebeslieder (Ondine)

Dass man Brahms' Vokalquartette, ursprünglich zum Vortrag durch ein Solistenquartett bestimmt, auch mit einem Chor gut aufführen kann, beweist diese CD. Ein Chor allerdings, der diese Werke aufführen möchte, der sollte exzellent sein. Denn gerade die Liebeslieder-Walzer, für den Zuhörer amüsierlich, erfordern einige Sangeskunst. 
Der Lettische Rundfunkchor hat nun bei Ondine eine beeindruckende Probe seiner Kunst veröffentlicht. Der Kammerchor, der aus professionellen Sängern besteht und von Sigvards Klava geleitet wird, hat für diese CD die Liebeslieder-Walzer op. 52 und die Neuen Liebeslieder op. 65 noch um die Quartette op. 64 und op. 92 ergänzt. Am Klavier werden die Sänger von Dace Klava und Aldis Liepins begleitet. Sehr hörenswert! 

Mittwoch, 7. Januar 2015

Graupner: Trio Sonatas (Ondine)

Mitunter fragt man sich, warum die Musikgeschichte gerade so und nicht ganz anders verlaufen ist. Was beispielsweise hätte sich daraus ergeben, wenn Christoph Graupner (1683 bis 1760) nicht in Darmstadt geblieben, sondern nach Leipzig gegangen wäre? Und wenn Johann Sebastian Bach beispielsweise Dom- und Hoforganist in Berlin anstatt Thomaskantor geworden wäre? 
Schließlich hatte sich der Darm- städter Hofkapellmeister beworben, er wollte wechseln, und eigentlich war Graupner auch der Favorit der Leipziger Stadtväter. Doch dann erhöhte sein Dienstherr, Landgraf Ernst Ludwig von Hessen-Darmstadt, ihm die Bezüge, und verweigerte ihm zugleich den Abschied. Solchen Argumenten pflegten sich Musiker üblicherweise zu beugen. Und so erhielt der Kollege aus Köthen das Amt. 
Kirchenmusik hat Graupner dennoch in großen Mengen komponiert; Aufnahmen seiner Kantaten wurden in diesem Blog bereits an anderer Stelle vorgestellt. Das Finnische Barockorchester hat bei Ondine bereits Orchestersuiten eingespielt. Nun haben sich einige Solisten dieses Ensembles auch der Triosonaten des Komponisten angenommen. Aus der großen Anzahl seiner Werke haben sie dazu einige ausgewählt. Dabei scheinen sie auf die wenigen bereits edierten Sonaten zurückgegriffen zu haben. 
Auffällig ist die farbenreiche Besetzung – neben Traversflöte und Violine setzt Graupner auch Viola d'amore, Fagott sowie das Chalumeau, einen Vorgänger der Klarinette, ein. Im Continuo, notiert für das Cembalo als unbezifferte Basslinie, verwenden die Musiker zusätzlich Barock-Violoncello, Viola da gamba, Barocklaute sowie einmal auch die Orgel. Das macht die CD klanglich attraktiv. Graupner scheint allerdings auch bei seinen Triosonaten mehr auf Ausdruck und Melodik als auch vordergrün- dige Virtuosität bedacht gewesen zu sein. Er überrascht eher durch unerwartete Harmonik als durch kühne Figurationen. Das ist wirklich spannend; man darf neugierig bleiben, welche Schätze sich in Graupners unglaublich umfangreichem Nachlass in Zukunft noch anfinden werden. 

Donnerstag, 26. Juli 2012

Kraus: Viola Concertos (Ondine)

Die drei Bratschenkonzerte auf dieser CD sind 1787 bei Breitkopf als Werke des Benediktiners Pater Romanus Hoffstetter erschienen. Als es vor einigen Jahren Kontro- versen um die Autorschaft eines seiner Streichquartette gab, wur- den auch die Manuskripte anderer Werke zu Rate gezogen. Dabei stellte Bertil van Boer fest, dass die Handschrift der Kopie des Konzer- tes, das sich noch heute in den Breitkopf-Beständen befindet, nicht die Hoffstetters ist, sondern vielmehr die seines Freundes Joseph Martin Kraus (1756 bis 1792). Über seinen Lebensweg wurde in diesem Blog bereits im Mai ausführ- lich berichtet. 
Eine nähere Untersuchung ergab, dass von Hoffstetter nirgends eine Solopartie für die Viola überliefert ist. Kraus hingegen, ein ausgebil- deter und offenbar auch sehr talentierter Geiger, scheint die Bratsche bevorzugt zu haben. Sie war das einzige Streichinstrument, das sich in seinem Nachlass fand. Und in seinen Werken hat er der Bratsche häu- fig ausgesprochen virtuose Aufgaben anvertraut. 
Die Untersuchung stellte zudem fest, dass alle drei überlieferten Kon- zerte für die Viola Kraus' bekanntem Violinkonzert sehr ähnlich sind. Im Schaffen Hoffstetters hingegen fand sich nichts Vergleichbares. Aus diesem Grunde geht die Musikwissenschaft nunmehr davon aus, dass die drei Konzerte Kraus zuzuschreiben sind. 
Nun hat sie David Aaron Carpenter gemeinsam mit dem Ensemble Tapiola Sinfonietta für das Label Ondine eingespielt. Bei dem dritten Konzert auf der CD, dem Concerto in G-Dur VB 153a handelt es sich um ein Konzert für Viola, Violoncello und Orchester; am Violoncello ist hier Riitta Pesola zu hören. Es sind durchweg Werke, die sich durch Eleganz und Charme empfehlen. Bei aller Virtuosität stehen schöne, ausgewogene Melodien immer im Vordergrund, wobei Kraus sich zugleich als Meister darin zeigt, mit Hilfe gekonnter harmonischer Wendungen Langeweile zu vermeiden. Eine gelungene Aufnahme, die ich sehr empfehlen kann. Wer Mozart oder Haydn mag, wird auch an Kraus ganz sicher Gefallen finden. 

Sonntag, 2. Oktober 2011

Tchaikovsky: The Nutcracker (Ondine)

Weihnachtliche Stimmung kam kurz auf beim Anhören dieser Einspielung von Tschaikowskis berühmtem Nussknacker. Das lag weniger daran, dass dieses Ballett typischerweise in der Vorweih- nachtszeit auf die Bühnen dieser Welt kommt. 
Diese CD ist vielmehr wie ein Ge- schenk an alle, die Tschaikowskis Musik lieben, denen die traditio- nellen russischen Aufnahmen aber zu zuckrig und die westlichen zu steif und distanziert sind. Michail Pletnev legt hier mit dem Russischen Nationalorchester eine farben- reiche Interpretation vor, die sich nicht schämt, gelegentlich roman- tisch zu werden, aber die dennoch nie ausschließlich süßlich klingt. Und statt Klangbrei serviert der Maestro ein mild gewürztes Menü, das durch viele Details erfreut. Meine Empfehlung! 

Mittwoch, 2. Juni 2010

Bach: Partitas for Solo Violin; Korhonen (Ondine)

Timo Korhonen spielt Bachs Partiten auf der Gitarre. Und wenn man nicht wüsste, dass diese Werke für Solo-Violine entstanden sind, müsste man annehmen, es handele sich hier um originäre Kompositionen für dieses Instrument. 
Denn die Stücke wirken in einem Maße "gitarristisch", das schon verblüfft. Das liegt daran, dass Korhonen die Partiten nicht einfach für die Gitarre "bearbeitet" hat, wie das beispielsweise die Romantiker getan hätten. "Mein Ziel war es, die Ausdrucksweise des Violinparts auf die Gitarre zu übertragen - nicht damit die Gitarre klingt wie eine Violine, eine Laute oder ein Cembalo, sondern um den musikalischen Inhalt auszuführen, als ob Bach ihn für die sechssaiti- ge Konzertgitarre geschrieben hätte, damals 1720", erläutert der finnische Musiker. Er sieht seine Musik als eine rhetorische Kunst, und nicht als Medium, um Gefühle auszudrücken. "Ein Komponist der Barockzeit beschreibt, der Romantiker hingegen spricht aus. Das ist ein gewaltiger Unterschied im Denkansatz."
Bach selbst hat seine Sonaten und Partiten durchaus auch auf anderen Instrumenten vorgetragen, berichtet beispielsweise sein Schüler Johann Friedrich Agricola: "Ihr Verfaßer spielte sie selbst oft auf dem Clavicorde, und fügte von Harmonie so viel dazu bey, als er für nöthig befand." Insofern hätte der Komponist Korhonens Annähe- rungsversuch mit einiger Sicherheit begrüßt, zumal sich der Gitarrist auch spieltechnisch jedem Anspruch gewachsen zeigt. Eine wunder- bare Einspielung, die ich nur empfehlen kann.

Freitag, 16. April 2010

Tchaikovsky: Swan Lake; Pletnev (Ondine)

Das Ballett Schwanensee nach der ausdrucksstarken Musik von Pjotr Iljitsch Tschaikowski und in der Choreographie von Marius Petipa gehört zum Standardrepertoire eines jeden Tänzers; es steht exemplarisch für die weltweit verehrte und kopierte russische Tanztradition.
Darüber vergisst man leicht, dass Tschaikowskis Auftraggeber seinerzeit mit dem Werk ziemlich unglücklich waren. Zu ungewöhn- lich war die Musik; den Tänzern erschien sie zu dramatisch, und auch das Publikum fand sie "wagnerianisch". Ballettmusik ist in der Tat ein Balanceakt. Librettist und Komponist wollen eine Geschichte erzählen; der Choreograph und die Tänzer aber müssen sie in Bewegung umsetzen. Und die Solisten haben obendrein meist ganz eigene Vorstellungen davon, wie sie sich präsentieren möchten.
Das Resultat ist oftmals ein Kompromiss; deshalb werden Ballett- musiken im Konzertsaal üblicherweise in Form von Suiten zusammengefasst, die die "schönen Stellen" bringen - und die zwar funktional notwendigen, aber musikalisch oft weniger ansprechenden Teile ausklammern. Michail Pletnev spielt mit seinem Russischen Nationalorchester die komplette Partitur Tschaikowskis, wie aus Marmor gemeißelt und auf Hochglanz poliert, perfekt und ein bisschen langweilig. Am stärksten ist diese Einspielung dort, wo sie dramatisch wird - wobei Pletnev jegliches Pathos meidet. Das ist schade, denn eine Bühnenmusik verkraftet hier und da durchaus auch ein Augenzwinkern und ein bisschen Ironie.