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Dienstag, 19. März 2019

Glauben, lieben, hoffen (Coviello)

Glaube, Liebe, Hoffnung – Paulus preist sie in seinem Brief an die Korinther, und immer wieder haben darauf auch Musiker Bezug genommen. Das Ensemble Wunderkammer schließt sich dem an, und kombiniert auf dieser CD drei geistliche Vokalwerke des 17. Jahrhunderts mit Sonaten von Dario Castello (vor 1600 bis um 1650), die jeweils auf ihre Art das Bibelzitat ausdeuten: „Wir hören Kampf und Schlacht, Sinnlichkeit und Sehnsucht, Warten und große Feste, Jubel, Zorn“, schreiben die Musiker im Beiheft. „Für uns sind diese Sonaten eine Quelle neuer Ideen gewesen, eine Herausforderung in der Gemeinsamkeit des Ensembles. Sie erzählen die Geschichten der Vokalwerke untergründig weiter oder bereiten sie vor, sie verwandeln ihre Affekte oder kontrastieren sie.“ 
Wir hören die Klage des Königs David um seinen Sohn Absalom, der gegen den Vater in die Schlacht gezogen und dabei zu Tode gekommen ist – in den Symphoniae Sacrae I bewegend in Musik gesetzt von Heinrich Schütz (1585 bis 1672); ein Meisterwerk der Textauslegung mit musikalischen Mitteln. 
Wie bist du denn, o Gott, in Zorn auf mich entbrannt von Johann Christoph Bach (1642 bis 1703) ist ein ausdrucksstarkes Lamento; und während der Sänger in seinem Monolog grübelt, spiegelt auch der virtuose Violinpart die Gefühle des Verzweifelten – auch dieses Stück, geschaffen von einem Cousin von Johann Sebastian Bachs Vater, gehört zu den ganz großen Kunstwerken der Musikgeschichte. 
Christian Geist (um 1650 bis 1711) stammte aus Güstrow, und wirkte später in Kopenhagen und Stockholm. In seinem kurzen Stück Es war aber an der Stätte schildert er die Grablegung Christi. „Das Stück lässt sich modern hören als eine Umschreibung von Abwesenheit“, schreiben Sarah Perl und Peter Uehling in ihrem Begleittext: „Das Heilsgeschehen, die  Hoffnung wird nicht explizit, der Text ist buchstäblich eine ,Perikope', ,herumgeschnitten' um das Eigentliche. Gerade aber vom Abwesenden und Unbeschworenen geht ein Kraftfeld aus.“ Ein großartiges Album mit einem klugen Konzept; Hans Wijers, Bass, sowie das Ensemble Wunderkammer musizieren nicht nur hörenswert, sie ermutigen auch und regen zur Reflektion an: Das heißt auch, dass wir alle die Kraft haben zum Glauben, zum Lieben und zum Hoffen. Jederzeit und immer. Niemand kann es uns nehmen. Wir brauchen es nur zu tun.

Mittwoch, 28. Juli 2010

Rathgeber: Missa St. Benedicti (cpo)

"Gott selbst möge daran Wohlge- fallen finden, mit dieser engel- haften Harmonie die Himmel zu erfüllen, und er möge den Vorplatz des Himmels so bewachen lassen, dass keinem der Zutritt zum Heiligen Berg Gottes und zu seinen Zelten erlaubt wird, außer dem, der die Musik liebt", schrieb Johann Valentin Rathgeber in der Vorrede zu seinem Opus III. 
Die Benediktsmesse auf dieser CD stammt aus dieser Sammlung. Um sie herum hat Matthias Beckert, Leiter des Monteverdichores und des Monteverdi Ensembles Würzburg, mit Unterstützung der Valentin-Rathgeber-Gesellschaft noch einige passende, ergänzende Werke wie Benediktsoffertorien oder Josephs- und Benediktshymnus sowie Marianische Antiphonen und die Lauretanische Litanei ergänzt. Im Zentrum der CD placierte er, wie eine Meditationspause, das Concerto 21 aus Opus VI - ein Violinkonzert, in dem die Trompeten begleitende Funktion haben.
Die Aufnahme ist dementsprechend prächtig. Es wird inspiriert musi- ziert. Das Solistenquartett - Margriet Buchberger, Sopran, Peter de Groot, Altus, Marco van de Klundert, Tenor und Hans Wijers, Bariton - Konzertmeisterin Pauline Nobes sowie die Sänger und Musiker des Monteverdi Ensembles Würzburg liefern köstliche musikalische Weihrauchwölkchen.
Das Beiheft ist ebenfalls liebevoll gestaltet - hier bringt sich erneut die Rathgeber-Gesellschaft ein. Über die peinliche Widmung, devotissime an den derzeit amtierenden Papst gerichtet, die darin ebenfalls in voller Länge nebst Übersetzung abgedruckt steht, sei hier der Mantel des Schweigens gebreitet.