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Samstag, 9. März 2019

Bach - Avi Avital (Deutsche Grammophon)

Avi Avital spielt das Violinkonzert in a-Moll BWV 1041 und die rekonstru- ierten Violinkonzerte BWV 1052R und 1056R von Johann Sebastian Bach. Die Tatsache an sich wäre kaum eine Schlagzeile wert, wenn der israelische Musiker ein Geiger wäre. Doch er ist ein Mandolinist – und wie er diese bekannten Werke vorträgt, das ist schier atemberaubend. 
„This recording is a dream come true“, sagte der Musiker in einem Interview, das man im Beiheft nachlesen kann. „Bach's music has always been a dominant part of my musical life. It is the absolute nature of Bach's music that has given me the freedom to offer these interpretations on the mandolin. This music goes far beyond any given instrument.“ 
So ergänzt Avital dann auch das Programm durch die Flötensonate BWV 1034, die bekannte Partita Nr. 2 BWV 1004 und das Prélude aus der Cello-Suite BWV 1007; die beiden letzteren Stücke erklingen auf der zweiten CD, die damit freilich etwas arg schlank geraten ist. Doch dafür enthält die Edition dann eine Bonus-DVD, noch einmal mit dem Violinkonzert und der Flötensonate
Diese CD-Edition finde ich aus zwei Gründen überaus erfreulich. Zum einen zeigt Avi Avital immer wieder, dass man mit einer Mandoline phantastisch musizieren kann – wenn man sie derart virtuos beherrscht. Nichts scheint unmöglich; so gespielt, erweist sich die Mandoline als ein höchst achtbares Instrument, absolut klassiktauglich. 
Zum anderen bläst Avital mit dieser Einspielung eine dicke Staubschicht von unserem Bild des langjährigen Leipziger Thomaskantors. Bach war gewiss ein frommer Mann – aber er war offenbar auch sehr lebenslustig. Zwar kam Bach nie nach Italien. Seine weiteste Reise führte ihn aus dem Thüringischen nach Lübeck zu Buxtehude. Aber dennoch hat Bach Werke italienischer Komponisten geschätzt und aufmerksam studiert. 
Das Schaffen des Meisters hat dies durchaus beeinflusst: Avital zeigt, wie italienisch Bachs Musik ist. Der Klang der Mandoline macht dies besonders deutlich. Und der enormen Musizierlust des Virtuosen, der brillant gemeinsam mit der Kammerakademie Potsdam sowie Shalev Ad-El, Cembalo, und Ophira Zakai, Theorbe, zusammenwirkt, kann man sich kaum entziehen. Das ist einfach grandios – eine Aufnahme, die mich rundum begeistert! 

Montag, 11. Mai 2015

Avi Avital - Vivaldi (Deutsche Grammophon)

Mit seinem neuen Album begibt sich Avi Avital nach Venedig. Italien ist die Heimat der Mandoline, und im
17. Jahrhundert haben dort berühmte Komponisten Musik für dieses Instru- ment geschrieben. 

Die Mandolinenkonzerte von Antonio Vivaldi sind für Avital im Repertoire das „Alte Testament“. Und so hat er auf dieser CD auch eines davon, RV 425,  mit eingespielt. Gemeinsam mit dem Venice Baroque Orchestra sowie mit ausgewählten Solisten hat er aber auch andere Werke des Meisters auf ihre Mando- linentauglichkeit getestet. So erklingen zwei Violinkonzerte, darunter der bekannte Sommer aus den Vier Jahreszeiten, ein Konzert, das im Original für Laute entstanden ist, ein langsamer Satz aus einem Konzert für Flautino sowie die Triosonate in C-Dur RV 443, komponiert für Violine und Laute. 
Der fragile Klang der Mandoline passt zu dieser Musik ziemlich gut; allerdings macht sich trotz aller Versuche, durch ungewöhnliche Klänge und Akzente zu überraschen, irgendwann eine gewisse Monotonie störend bemerkbar. Der Klang der Mandoline ist leider wenig wandlungsfähig, und auch dynamisch stehen ihr eher wenig Variationsmöglichkeiten zur Verfügung. Avital spielt präzise und inspiriert, aber wenig mitreißend. Weil es aber in der Musik keine Tabus geben darf, so das Credo des jungen Musikers, endet diese CD dann doch verblüffend – mit einem traditionellen venetianischen Gondellied, wunderbar gesungen von Juan Diego Flórez.