„Klänge, die atmen“, lautet das Motto des Bachchores Mainz. Das Ensemble, das seit 32 Jahren von Ralf Otto geleitet wird, hat nun erstmals die Johannes-Passion von Johann Sebastian Bach eingespielt. Die Aufnahme, an der auch das Bachorchester Mainz mitgewirkt hat, ist geprägt durch Ottos bewährten Leitsatz: „Historisch informiert, aber zeitgemäß interpretiert“.
So ist diese Interpretation gleicher- maßen dramatisch wie berührend, pulsierend und lebendig, klanglich transparent, aber dabei beseelt und ausgewogen. Derart mitreißend hat man Bachs Werk lange nicht gehört. Otto verzichtet auf übertriebene Schroffheit und auf Manierismen, die man bei „Alte“-Musik-Ensembles leider mittlerweile häufig wahrnimmt (und oftmals als nervig empfindet). Im Mittelpunkt steht hier klar Bachs Musik, die konsequent darauf befragt wird, was sie uns heute zu sagen hat.
Auch das Solistenensemble überzeugt. Georg Poplutz gestaltet den Part des Evangelisten gekonnt und mit großer Klarheit. Yorck Felix Speer ist als Jesus zu hören. Die Arien singen Julia Kleiter, Gerhild Romberger, Daniel Sans und Matthias Winckhler.
Eine Besonderheit der vorliegenden Aufnahme ist die Ergänzung der Partiturversion des Jahres 1749, die als Bachs finale Fassung gilt, um die zusätzlichen Sätze der abweichenden Partiturversion von 1725. Sie wurden der Einspielung angehängt. So kann vergleichen, wer das möchte. Und noch eine erfreulíche Nachricht zum Schluss: In den kommenden Monaten will der Bachchor Mainz noch Bachs Weihnachtsoratorium, die Matthäus-Passion und die h-Moll-Messe einspielen. Da zu erwarten ist, dass diese Aufnahmen von ähnlich hoher Qualität sind wie die der Johannes-Passion, darf man darauf schon heute sehr gespannt sein.
Samstag, 31. März 2018
Freitag, 30. März 2018
Vivaldi: Gloria (Decca)
Barocke Kirchenmusik stellt oftmals hohe Anforderungen an die Sänger. Das gilt auch für die Werke von Antonio Vivaldi (1678 bis 1741), die Decca jüngst auf diesem Album vorgestellt hat. Das Gloria RV 589, mit seinen schwungvollen Chören, gehört zu den bekannten Kompositionen des Musikers; es wird vermutet, dass er es für die Mädchen des Ospedale della Pietà schrieb, als Venedig 1716 den Sieg über die Türken feierte. Wenn diese These stimmt, dann muss man allerdings fragen, wieso der Chor in diesem Falle kein reiner Frauenchor ist. Egal – in jedem Falle ist dieses beliebte Werk auf dieser CD zu hören. Und die Besetzung ist grandios: Es singen Julia Lezhneva und Franco Fagioli, sowie der Coro della Radiotelevisione Svizzera, und es musiziert das Ensemble I Barocchisti unter Leitung von Diego Fasolis. Ausgewiesene Barockspezialisten also sind hier versammelt, was sich vor allem auch bei den beiden anderen sakralen Meisterwerken zeigt, die auf dieser CD erklingen.
Nisi Dominus RV 608, eine Vertonung des 127. Psalms, gibt dem Countertenor Franco Fagioli Gelegenheit zu ausdrucksstarkem Gesang. Der argentinische Sänger beeindruckt einmal mehr mit seiner enorm umfangreichen, beweglichen und obendrein farblich flexiblen Stimme. Jede Passage formt er perfekt, sei sie noch so schwierig, und jede Verzierung sitzt.
Ähnliches lässt sich über Julia Lezhneva sagen. Sie singt die Solo-Motette Nulla in mundo pax sincera RV 630, bei der Vivaldi fromme Verse höchst raffiniert und extravagant musikalisch gestaltet hat. Insbesondere das abschließende Alleluia mit seiner instrumentalen Stimmführung erweist sich als Herausforderung. Die Sopranistin meistert alles so strahlend und locker, dass man nur staunen kann. Traumhaft!
Nisi Dominus RV 608, eine Vertonung des 127. Psalms, gibt dem Countertenor Franco Fagioli Gelegenheit zu ausdrucksstarkem Gesang. Der argentinische Sänger beeindruckt einmal mehr mit seiner enorm umfangreichen, beweglichen und obendrein farblich flexiblen Stimme. Jede Passage formt er perfekt, sei sie noch so schwierig, und jede Verzierung sitzt.
Ähnliches lässt sich über Julia Lezhneva sagen. Sie singt die Solo-Motette Nulla in mundo pax sincera RV 630, bei der Vivaldi fromme Verse höchst raffiniert und extravagant musikalisch gestaltet hat. Insbesondere das abschließende Alleluia mit seiner instrumentalen Stimmführung erweist sich als Herausforderung. Die Sopranistin meistert alles so strahlend und locker, dass man nur staunen kann. Traumhaft!
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