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Freitag, 30. März 2018

Vivaldi: Gloria (Decca)

Barocke Kirchenmusik stellt oftmals hohe Anforderungen an die Sänger. Das gilt auch für die Werke von Antonio Vivaldi (1678 bis 1741), die Decca jüngst auf diesem Album vorgestellt hat. Das Gloria RV 589, mit seinen schwungvollen Chören, gehört zu den bekannten Kompositionen des Musikers; es wird vermutet, dass er es für die Mädchen des Ospedale della Pietà schrieb, als Venedig 1716 den Sieg über die Türken feierte. Wenn diese These stimmt, dann muss man allerdings fragen, wieso der Chor in diesem Falle kein reiner Frauenchor ist. Egal – in jedem Falle ist dieses beliebte Werk auf dieser CD zu hören. Und die Besetzung ist grandios: Es singen Julia Lezhneva und Franco Fagioli, sowie der Coro della Radiotelevisione Svizzera, und es musiziert das Ensemble I Barocchisti unter Leitung von Diego Fasolis. Ausgewiesene Barockspezialisten also sind hier versammelt, was sich vor allem auch bei den beiden anderen sakralen Meisterwerken zeigt, die auf dieser CD erklingen. 
Nisi Dominus RV 608, eine Vertonung des 127. Psalms, gibt dem Countertenor Franco Fagioli Gelegenheit zu ausdrucksstarkem Gesang. Der argentinische Sänger beeindruckt einmal mehr mit seiner enorm umfangreichen, beweglichen und obendrein farblich flexiblen Stimme. Jede Passage formt er perfekt, sei sie noch so schwierig, und jede Verzierung sitzt. 
Ähnliches lässt sich über Julia Lezhneva sagen. Sie singt die Solo-Motette Nulla in mundo pax sincera RV 630, bei der Vivaldi fromme Verse höchst raffiniert und extravagant musikalisch gestaltet hat. Insbesondere das abschließende Alleluia mit seiner instrumentalen Stimmführung erweist sich als Herausforderung. Die Sopranistin meistert alles so strahlend und locker, dass man nur staunen kann. Traumhaft! 

Sonntag, 13. November 2011

Vivaldi: Farnace (Virgin Classics)

Keine andere Oper hat Vivaldi so oft vertont wie Farnace, die Geschichte des Pharnakes, König von Pontos, gegen den sowohl die Römer als auch die eigene Schwiegermutter zu Felde ziehen. Zum ersten Male erklang dieses Werk im Februar 1727 in Venedig. Im Herbst des gleichen Jahres wurde sie dort noch einmal aufge- führt, mit einigen Änderungen. Weitere Fassungen schuf Vivaldi 1730 für Prag, 1731 für Pavia, 1732 für Mantua, 1737 für Treviso und 1738 für Ferrara. Dorthin war der Musiker ausgewichen, weil in Venedig mittlerweile Hasse en vogue war. 
Vivaldi sollte in Ferrara in der Karnevalssaison zwei seiner Opern zur Aufführung bringen. Doch die erste war kein Erfolg, und so entschied sich das Theater, lieber kurzfristig ebenfalls eine Oper des "göttlichen Sachsen"  auf die Bühne zu bringen. Vivaldis Farnace blieb ungespielt - und wohl auch unvollendet. Denn die Partitur blieb erhalten. Sie befand sich in Vivaldis persönlicher Musikaliensammlung, enthält ziemlich viele Änderungen gegenüber der Version von 1731, die ebenfalls überliefert ist, und sie bricht nach den zweiten Akt ab. 
Auf der vorliegenden CD erklingt diese Oper nun zum ersten Male in der Fassung, die Vivaldi für Ferrara vorgesehen hatte. Frédéric Delaméa und Diego Fasolis haben den dritten Akt ergänzt. Farnace erweist sich als eine der schönsten Barockopern überhaupt; die Musik ist ungemein ausdrucksstark und  wird hier hervorragend interpre- tiert. Dazu trägt neben dem Ensemble I Barocchisti und dem Coro della Radiotelevisione svizzera aus Lugano unter der Leitung Fasolis auch ein erstklassiges Solistenensemble bei. Max Emanuel Cencic singt die Titelrolle, Daniel Behle den Pompeo und Mary Ellen Nesi die Berenice sowie Ruxandra Donose und Ann Hallenberg Frau und Schwester des besiegten Königs, Karina Gauvin und Emiliano Gonza- lez Toro sind als Gilade und Aquilio, Feldherren der siegreichen Heere, zu hören. Und das ist, man muss es sagen, wirklich ein Erleb- nis. Bravi! 

Montag, 5. April 2010

Handel: Opera Arias - Max Emanuel Cencic (Virgin Classics)

"Händels Musik ist im Hinblick auf Ausdruck, technisches Können und guten Operngeschmack eine enorme Herausforderung für jeden Sänger", meint Cencic. Für diese CD wählte er Arien aus dem gesamten Werk - von Händels Opernerstling Agrippina bis zu Imeneo aus seiner letzten Opernsaison. 
Sie sind vom Gestus her sehr unterschiedlich, und auch für sehr verschiedene Sänger entstanden. Es ist jedoch müßig, darüber zu spekulieren, ob dem Countertenor Cencic nun die Arien mehr liegen, die Händel für Pellegrini, Carestini, Andreoni, Caffarelli, Senesino oder gar für eine seiner Sängerinnen komponiert hat. Denn der Sänger, der seit seiner Kindheit auf der Bühne steht, ist Profi genug, genau die Stücke zu bevorzugen, die ihm stimmlich liegen - und technische Schwächen geschickt zu kaschie- ren. 
In den Koloraturen und in der Höhe fehlen ihm mitunter Fokussiert- heit und Glanz; die große dramatische Geste scheint ohnehin seine Sache nicht so zu sein.  Doch wo es ihm an Durchsetzungsvermögen mangelt, dort beeindruckt er mit poetischer Kraft und mit lyrischem Fluss. Begleitet wird der Sänger hochprofessionell vom Orchester
I Barocchisti unter Diego Fasolis, sowie vom Coro della Radiotele- visione svizzera. Ein durchgestyltes Album, das Fans möglicherweise begeistert - aber die "schönen Stellen", und davon hat es doch etliche, bringen es allein halt nicht.