Pünktlich zum Osterfest veröffent- lichten Bachchor und Bachorchester Mainz ihre Interpretation der Matthäuspassion von Johann Sebastian Bach. Ralf Otto, der den Chor seit 32 Jahren leitet, setzt einmal mehr auf das Motto: „Histo- risch informiert, aber zeitgemäß interpretiert.“
Das Ergebnis begeistert. Und so verwundert es auch nicht, dass für die Einspielung renommierte Solisten gewonnen werden konnten, allen voran Georg Poplutz in der Partie des Evangelisten. Die Jesus-Worte singt Matthias Winckhler. Bei den Arien achtet Otto sehr genau darauf, welchem Chor sie zugeordnet sind. Daher sind die Solisten in allen vier Stimmlagen doppelt besetzt – was für ein Luxus!
Auch sonst achtet Ralf Otto wenig auf Aufführungstraditionen, und umso genauer auf die Noten. Das führt dann dazu, dass auch bei dieser Aufnahme viele Details wahrnehmbar werden, die sonst oft nicht zu hören sind. Auch die Tempi, die Otto wählt, sorgen da für so manche Überraschung.
Hier wird Text ausgelegt mit musikalischen Mitteln. Man höre nur, wie der Chor die Choräle singt – die Wirkung ist verblüffend. Vielfach verzichtet Otto auf Rasanz, und setzt statt dessen auf Ausdruck und Klarheit. Das bekommt beispielsweise dem Eingangschor ausgezeichnet, dem man die Klage in diesem Falle tatsächlich abnimmt. Transparenz bieten aber nicht nur die Chöre, sondern auch die Musiker des Orchesters. Mit ihrem Spiel unterstreichen sie die Aussage der Vokalisten. So sollte es sein; einmal mehr setzen Bachchor und Bachorchester mit dieser Aufnahme Maßstäbe.
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Donnerstag, 25. April 2019
Donnerstag, 20. Dezember 2018
Bach: Weihnachtsoratorium (Naxos)
Jauchzet, frohlocket! Ralf Otto beweist mit dieser Einspielung, dass auch bei Johann Sebastian Bachs vielgespieltem Weihnachtsoratorium durchaus noch Entdeckungen möglich sind. Das gilt insbesondere für den Instrumentalpart, der vom Bachorchester Mainz großartig vorgetragen wird. Die Musik wird nicht nur faszinierend gestisch und lebendig interpretiert, sondern vor allem auch derart sauber strukturiert, dass beim Zuhören immer wieder Be- geisterung ausbricht: So viele Details waren wohl noch nie zu hören.
Der Bachchor Mainz singt ebenfalls hervorragend. Die Chöre erklingen flott, aber immer exakt und nie verwischt, und die Choräle werden eindringlich-andächtig gesungen. Das Solistenquartett ist mit Julia Kleiter, Katharina Magiera, Georg Poplutz und Thomas E. Bauer opulent besetzt, wobei mir Poplutz als Evangelist besser gefällt als in den Arien. Aber Ralf Otto gelingt doch tatsächlich das Kunststück, das Duett Herr, dein Mitleid von einer nervigen Pflichtübung (Kirchen können ziemlich kalt sein!) zu dem zentralen Stück den Oratoriums zu machen. Exzellent!
Der Bachchor Mainz singt ebenfalls hervorragend. Die Chöre erklingen flott, aber immer exakt und nie verwischt, und die Choräle werden eindringlich-andächtig gesungen. Das Solistenquartett ist mit Julia Kleiter, Katharina Magiera, Georg Poplutz und Thomas E. Bauer opulent besetzt, wobei mir Poplutz als Evangelist besser gefällt als in den Arien. Aber Ralf Otto gelingt doch tatsächlich das Kunststück, das Duett Herr, dein Mitleid von einer nervigen Pflichtübung (Kirchen können ziemlich kalt sein!) zu dem zentralen Stück den Oratoriums zu machen. Exzellent!
Dienstag, 4. Dezember 2018
Peter Schreier singt Weihnachtslieder (Berlin Classics)
Eine Legende ist zurück: „Peter Schreier singt Weihnachtslieder“, eine Schallplatte aus dem Jahre 1975, gehörte seinerzeit im Osten wie im Westen zum Fest, ähnlich wie Weih- nachtsbaum und Weihnachtsbraten. In ihrer Liebe zu den traditionellen Weihnachtsliedern waren sich die Menschen in DDR und BRD damals einig.
Und auf beiden Seiten der Mauer wurde das unverkennbare Timbre des berühmten Tenors geschätzt, der auf dieser CD von der Staatskapelle Dresden begleitet wird und gemeinsam mit dem Thomanerchor Leipzig singt. Nach aufwendiger Restaurierung der Original-Tonbänder ist nun die legendäre Einspielung erstmals auf CD erhältlich. Von Kommet, ihr Hirten über Leise rieselt der Schnee bis O du fröhliche reicht das festliche Programm.
Samstag, 31. März 2018
Bach: Johannes-Passion (Naxos)
„Klänge, die atmen“, lautet das Motto des Bachchores Mainz. Das Ensemble, das seit 32 Jahren von Ralf Otto geleitet wird, hat nun erstmals die Johannes-Passion von Johann Sebastian Bach eingespielt. Die Aufnahme, an der auch das Bachorchester Mainz mitgewirkt hat, ist geprägt durch Ottos bewährten Leitsatz: „Historisch informiert, aber zeitgemäß interpretiert“.
So ist diese Interpretation gleicher- maßen dramatisch wie berührend, pulsierend und lebendig, klanglich transparent, aber dabei beseelt und ausgewogen. Derart mitreißend hat man Bachs Werk lange nicht gehört. Otto verzichtet auf übertriebene Schroffheit und auf Manierismen, die man bei „Alte“-Musik-Ensembles leider mittlerweile häufig wahrnimmt (und oftmals als nervig empfindet). Im Mittelpunkt steht hier klar Bachs Musik, die konsequent darauf befragt wird, was sie uns heute zu sagen hat.
Auch das Solistenensemble überzeugt. Georg Poplutz gestaltet den Part des Evangelisten gekonnt und mit großer Klarheit. Yorck Felix Speer ist als Jesus zu hören. Die Arien singen Julia Kleiter, Gerhild Romberger, Daniel Sans und Matthias Winckhler.
Eine Besonderheit der vorliegenden Aufnahme ist die Ergänzung der Partiturversion des Jahres 1749, die als Bachs finale Fassung gilt, um die zusätzlichen Sätze der abweichenden Partiturversion von 1725. Sie wurden der Einspielung angehängt. So kann vergleichen, wer das möchte. Und noch eine erfreulíche Nachricht zum Schluss: In den kommenden Monaten will der Bachchor Mainz noch Bachs Weihnachtsoratorium, die Matthäus-Passion und die h-Moll-Messe einspielen. Da zu erwarten ist, dass diese Aufnahmen von ähnlich hoher Qualität sind wie die der Johannes-Passion, darf man darauf schon heute sehr gespannt sein.
So ist diese Interpretation gleicher- maßen dramatisch wie berührend, pulsierend und lebendig, klanglich transparent, aber dabei beseelt und ausgewogen. Derart mitreißend hat man Bachs Werk lange nicht gehört. Otto verzichtet auf übertriebene Schroffheit und auf Manierismen, die man bei „Alte“-Musik-Ensembles leider mittlerweile häufig wahrnimmt (und oftmals als nervig empfindet). Im Mittelpunkt steht hier klar Bachs Musik, die konsequent darauf befragt wird, was sie uns heute zu sagen hat.
Auch das Solistenensemble überzeugt. Georg Poplutz gestaltet den Part des Evangelisten gekonnt und mit großer Klarheit. Yorck Felix Speer ist als Jesus zu hören. Die Arien singen Julia Kleiter, Gerhild Romberger, Daniel Sans und Matthias Winckhler.
Eine Besonderheit der vorliegenden Aufnahme ist die Ergänzung der Partiturversion des Jahres 1749, die als Bachs finale Fassung gilt, um die zusätzlichen Sätze der abweichenden Partiturversion von 1725. Sie wurden der Einspielung angehängt. So kann vergleichen, wer das möchte. Und noch eine erfreulíche Nachricht zum Schluss: In den kommenden Monaten will der Bachchor Mainz noch Bachs Weihnachtsoratorium, die Matthäus-Passion und die h-Moll-Messe einspielen. Da zu erwarten ist, dass diese Aufnahmen von ähnlich hoher Qualität sind wie die der Johannes-Passion, darf man darauf schon heute sehr gespannt sein.
Dienstag, 28. März 2017
Besuch im Zoo (Genuin)
„Besuch im Zoo“ gehörte einstmals, als wir noch Kinder waren, zu unseren absoluten Lieblingsplatten. Pony Hopp, Teddy Brumm, der auf einem Bein stehende Storch und der Elefant, der das Trompetensolo zum Tierkonzert besteuern kann, waren unsere Favoriten unter den vielen, vielen humorvollen Tierliedern. Hans Sandig (1914 bis 1989), der Gründer des Leipziger Rundfunk-Kinder- chores, hat diese Zookantate seiner- zeit für dieses Ensemble auf Texte von Richard Hambach komponiert. (Und wer den Leipziger Zoo kennt, der weiß, welch großartiges Vorbild er dabei vor Augen hatte.)
Mit „seinem“ Rundfunk-Kinderchor hat Sandig das Werk dann natürlich auch eingespielt. Nun wagte sich der Nachfolger, der MDR Kinderchor, an eine Neueinspielung der Kantate. Es singt der Nachwuchschor 2 unter Leitung von Wieland Lemke – und man muss leider feststellen, dass diese Aufnahme an das Sandig-Original nicht heranreicht. Das ist alles ein wenig zu brav und farblos geraten, und die Balance zwischen den kleinen Sängern und Sprechern und dem Instrumentalensemble „Tierisch musika- lisch“ stimmt ebenfalls nicht; die Musiker sind mir zu laut. Schade!
Ergänzt wird das Programm durch die Weltersteinspielung von Hans Sandigs später Winterkantate nach Texten von Christian Morgenstern, gesungen vom Konzertchor, also den älteren und bereits erfahrenen Mitgliedern des MDR Kinderchores, unter Leitung von Ulrich Kaiser. Am Klavier begleitet werden die jungen Sängerinnen und Sänger von Christian Otto, und Wieland Lemke ist hier mit einem Bariton-Solo zu hören. Auch wenn die Vertonungen nur ein- bis zweistimmig sind, so sind sie doch keineswegs simpel. Denn Sandig setzte in seinem Morgenstern-Zyklus auf eine relativ moderne Tonsprache. Dem Konzertchor bereitet dies keine Probleme – und das ist eindeutig der spannendere Teil dieser CD.
Mit „seinem“ Rundfunk-Kinderchor hat Sandig das Werk dann natürlich auch eingespielt. Nun wagte sich der Nachfolger, der MDR Kinderchor, an eine Neueinspielung der Kantate. Es singt der Nachwuchschor 2 unter Leitung von Wieland Lemke – und man muss leider feststellen, dass diese Aufnahme an das Sandig-Original nicht heranreicht. Das ist alles ein wenig zu brav und farblos geraten, und die Balance zwischen den kleinen Sängern und Sprechern und dem Instrumentalensemble „Tierisch musika- lisch“ stimmt ebenfalls nicht; die Musiker sind mir zu laut. Schade!
Ergänzt wird das Programm durch die Weltersteinspielung von Hans Sandigs später Winterkantate nach Texten von Christian Morgenstern, gesungen vom Konzertchor, also den älteren und bereits erfahrenen Mitgliedern des MDR Kinderchores, unter Leitung von Ulrich Kaiser. Am Klavier begleitet werden die jungen Sängerinnen und Sänger von Christian Otto, und Wieland Lemke ist hier mit einem Bariton-Solo zu hören. Auch wenn die Vertonungen nur ein- bis zweistimmig sind, so sind sie doch keineswegs simpel. Denn Sandig setzte in seinem Morgenstern-Zyklus auf eine relativ moderne Tonsprache. Dem Konzertchor bereitet dies keine Probleme – und das ist eindeutig der spannendere Teil dieser CD.
Montag, 12. Dezember 2016
Telemann: Advent Cantatas (cpo)
Georg Philipp Telemann (1681 bis 1767) war stets darauf bedacht, seine Werke drucken und breit vertreiben zu lassen. Den Kantatenjahrgang 1726/1727 hat der Komponist daher gleich so gestaltet, dass Arien aus den Kantaten herausgelöst und separat musiziert werden können. Diesen „Auszug“ publizierte er in einzelnen Lieferungen, die parallel nach Beginn des Kalenderjahres verfügbar waren.
In seinem Vorwort schreibt Tele- mann, seine Sammlung sei für den Privatgebrauch vorgesehen – also in erster Linie für die häusliche Andacht in gutbetuchten Kreisen; und deshalb sind die Gesangpartien so geschrieben, dass sowohl für hohe als auch für tiefere Stimme jeweils passende Stücke zu finden sind. Und auch wenn die Arien im Original mit Instrumenten begleitet werden, sei das Continuo eigens mit dem Ziel verfasst worden, dass die ursprüngliche Begleitung, so Telemann, „verhoffentlich nicht vermisset werden wird“.
Kantaten-Arien für die Advents- und Weihnachtszeit aus dieser Kollektion hat die Sopranistin Gudrun Sidonie Otto mit ihrem GSO Consort und dem Bariton Ingolf Seidel im Jahre 2013, jahreszeitlich passend, in einem Konzert im Rahmen der Magdeburger Sonntagsmusiken vorgetragen. Ein kurzes Gastspiel gibt zudem der Altus David Erler, begleitet von Caroline Kang, Violoncello, Karl Nyhlin, Gallichon, und Aleksandra Grychtolik, Cembalo/Orgel. Der Live-Mitschnitt ist nun bei cpo erschienen.
Die Arien beziehen sich auf die Evangelien des jeweiligen Sonntages. Es wird vermutet, dass die Texte der Eisenacher Musiker und Sekretär Johann Friedrich Helbig geschrieben hat. Telemanns Vertonung setzt das Wort eindrucksvoll in Musik um. Allerdings lässt die Beschränkung auf eine Singstimme und Generalbass, bei aller Bemühung der Ausführenden, nach einer gewissen Zeit dann doch Abwechslung vermissen. Christine Schwark, Violoncello, Michael Freimuth, Laute und Theorbe, und Wolf- gang Brunner, Cembalo und Orgelpositiv, bringen die Klangfarben ihrer Instrumente gekonnt zum Einsatz – doch irgendwann kommt beim Zuhörer Sehnsucht nach den originalen Ritornellen und Melodie-Instru- menten auf.
In seinem Vorwort schreibt Tele- mann, seine Sammlung sei für den Privatgebrauch vorgesehen – also in erster Linie für die häusliche Andacht in gutbetuchten Kreisen; und deshalb sind die Gesangpartien so geschrieben, dass sowohl für hohe als auch für tiefere Stimme jeweils passende Stücke zu finden sind. Und auch wenn die Arien im Original mit Instrumenten begleitet werden, sei das Continuo eigens mit dem Ziel verfasst worden, dass die ursprüngliche Begleitung, so Telemann, „verhoffentlich nicht vermisset werden wird“.
Kantaten-Arien für die Advents- und Weihnachtszeit aus dieser Kollektion hat die Sopranistin Gudrun Sidonie Otto mit ihrem GSO Consort und dem Bariton Ingolf Seidel im Jahre 2013, jahreszeitlich passend, in einem Konzert im Rahmen der Magdeburger Sonntagsmusiken vorgetragen. Ein kurzes Gastspiel gibt zudem der Altus David Erler, begleitet von Caroline Kang, Violoncello, Karl Nyhlin, Gallichon, und Aleksandra Grychtolik, Cembalo/Orgel. Der Live-Mitschnitt ist nun bei cpo erschienen.
Die Arien beziehen sich auf die Evangelien des jeweiligen Sonntages. Es wird vermutet, dass die Texte der Eisenacher Musiker und Sekretär Johann Friedrich Helbig geschrieben hat. Telemanns Vertonung setzt das Wort eindrucksvoll in Musik um. Allerdings lässt die Beschränkung auf eine Singstimme und Generalbass, bei aller Bemühung der Ausführenden, nach einer gewissen Zeit dann doch Abwechslung vermissen. Christine Schwark, Violoncello, Michael Freimuth, Laute und Theorbe, und Wolf- gang Brunner, Cembalo und Orgelpositiv, bringen die Klangfarben ihrer Instrumente gekonnt zum Einsatz – doch irgendwann kommt beim Zuhörer Sehnsucht nach den originalen Ritornellen und Melodie-Instru- menten auf.
Montag, 26. September 2016
Bach: Köthener Trauermusik (Deutsche Harmonia Mundi)
Darf man verlorene Werke von Johann Sebastian Bach rekonstru- ieren? Und wenn ja, in welchem Umfang sind Ergänzungen zulässig? Darf man beispielsweise Rezitative, deren Musik nicht überliefert ist, neu komponieren? Wo sind Entdeckun- gen möglich, und wo wird die Grenze überschritten zu einem musikalischen Disney-Land?
Einen Beitrag zu dieser Debatte liefert Alexander Grychtolik. Er hat, mit dem Ensemble Deutsche Hofmusik, die Trauerkantate BWV 244a Klagt, Kinder, klagt es aller Welt einge- spielt. Dieses Werk hatte Bach im Jahre 1729 für den Gedächtnisgottes- dienst seines früheren Dienstherrn Fürst Leopold von Anhalt-Köthen geschrieben, der im November 1728 gestorben war.
Die Trauerfeierlichkeiten sind, wie damals üblich, minutiös dokumentiert; wir wissen, wie der Gottesdienst verlaufen ist, ja, selbst was die Gäste an- schließend speisten. Die Trauermusik erklang aufgeteilt in vier Abschnitte, die Landestrauer, Tod und Erlösung, eine nochmalige Würdigung des Verstorbenen sowie Trost und Abschied zum Gegenstand haben. Das Libretto schuf der Leipziger Christian Friedrich Henrici, besser bekannt unter dem Pseudonym Picander. Es ist gleich in drei Versionen überliefert – die Musik dazu allerdings nicht.
Schon 1873 wurde bei der Arbeit an der ersten Bach-Gesamtausgabe festgestellt, dass Bach für die Trauerkantate im Parodieverfahren auf zwei ältere Werke, nämlich die Trauerode für Kurfürstin Christine Eberhardine BWV 198 und die Matthäus-Passion BWV 244, zurückgegriffen hat. Die allermeisten Einzelsätze ließen sich damit zuordnen. Zudem folgt Grych- tolik Vorschlägen des Musikwissenschaftlers Detlef Gojowy, der darauf hingewiesen hatte, dass auch im Falle der Accompagnato-Rezitative Analogien zur Matthäus-Passion aufzufinden sind. Die fehlenden Teile – es sind nur noch wenige – wurden angelehnt an entsprechende Vorbilder neu komponiert.
Man muss anerkennen, dass es Alexander Grychtolik sehr schlüssig gelungen ist, die Köthener Trauermusik zu rekonstruieren. Auch bei der Aufführung folgt das Ensemble Deutsche Hofmusik unter seiner Leitung den historischen Fakten: In Köthen gab es zwar eine exzellente Hofka- pelle, aber keine Kantorei. So wird Bach neben den herausragenden Musikern, wie dem berühmten Gambisten Christian Ferdinand Abel, nur einige wenige professionelle Sänger zur Verfügung gehabt haben. Neben den Solisten Sidonie Otto, David Erler, Hans Jörg Mammel und Daniel Ochoa sind hier noch fünf Ripienisten eingesetzt. Musiziert wurde in der Köthener Stadtkirche St. Jakob; der Kirchenraum ist allerdings heute nach diversen Umbaumaßnahmen, zuletzt im 19. Jahrhundert, nicht mehr in dem Zustand, in dem er sich zu Bachs Zeiten befand.
Es ist also nicht mehr ganz der originale Klangraum; die Grablege des Fürstenhauses von Anhalt-Köthen befindet sich in der Kirche aber bis zum heutigen Tage. In dieser besonderen Atmosphäre hat das Ensemble Deutsche Hofmusik im September 2014 die Trauermusik aufgeführt – und das sehr beeindruckend, wozu nicht zuletzt Instrumentalsolisten wie die Flötisten Jan de Winne und Christine Debaisieux, Mechthild Karkow, Violine, und natürlich Marcel Ponseele mit beitragen. Geht es um Barock- musik, ist dieser Oboist derzeit eine Klasse für sich.
Einen Beitrag zu dieser Debatte liefert Alexander Grychtolik. Er hat, mit dem Ensemble Deutsche Hofmusik, die Trauerkantate BWV 244a Klagt, Kinder, klagt es aller Welt einge- spielt. Dieses Werk hatte Bach im Jahre 1729 für den Gedächtnisgottes- dienst seines früheren Dienstherrn Fürst Leopold von Anhalt-Köthen geschrieben, der im November 1728 gestorben war.
Die Trauerfeierlichkeiten sind, wie damals üblich, minutiös dokumentiert; wir wissen, wie der Gottesdienst verlaufen ist, ja, selbst was die Gäste an- schließend speisten. Die Trauermusik erklang aufgeteilt in vier Abschnitte, die Landestrauer, Tod und Erlösung, eine nochmalige Würdigung des Verstorbenen sowie Trost und Abschied zum Gegenstand haben. Das Libretto schuf der Leipziger Christian Friedrich Henrici, besser bekannt unter dem Pseudonym Picander. Es ist gleich in drei Versionen überliefert – die Musik dazu allerdings nicht.
Schon 1873 wurde bei der Arbeit an der ersten Bach-Gesamtausgabe festgestellt, dass Bach für die Trauerkantate im Parodieverfahren auf zwei ältere Werke, nämlich die Trauerode für Kurfürstin Christine Eberhardine BWV 198 und die Matthäus-Passion BWV 244, zurückgegriffen hat. Die allermeisten Einzelsätze ließen sich damit zuordnen. Zudem folgt Grych- tolik Vorschlägen des Musikwissenschaftlers Detlef Gojowy, der darauf hingewiesen hatte, dass auch im Falle der Accompagnato-Rezitative Analogien zur Matthäus-Passion aufzufinden sind. Die fehlenden Teile – es sind nur noch wenige – wurden angelehnt an entsprechende Vorbilder neu komponiert.
Man muss anerkennen, dass es Alexander Grychtolik sehr schlüssig gelungen ist, die Köthener Trauermusik zu rekonstruieren. Auch bei der Aufführung folgt das Ensemble Deutsche Hofmusik unter seiner Leitung den historischen Fakten: In Köthen gab es zwar eine exzellente Hofka- pelle, aber keine Kantorei. So wird Bach neben den herausragenden Musikern, wie dem berühmten Gambisten Christian Ferdinand Abel, nur einige wenige professionelle Sänger zur Verfügung gehabt haben. Neben den Solisten Sidonie Otto, David Erler, Hans Jörg Mammel und Daniel Ochoa sind hier noch fünf Ripienisten eingesetzt. Musiziert wurde in der Köthener Stadtkirche St. Jakob; der Kirchenraum ist allerdings heute nach diversen Umbaumaßnahmen, zuletzt im 19. Jahrhundert, nicht mehr in dem Zustand, in dem er sich zu Bachs Zeiten befand.
Es ist also nicht mehr ganz der originale Klangraum; die Grablege des Fürstenhauses von Anhalt-Köthen befindet sich in der Kirche aber bis zum heutigen Tage. In dieser besonderen Atmosphäre hat das Ensemble Deutsche Hofmusik im September 2014 die Trauermusik aufgeführt – und das sehr beeindruckend, wozu nicht zuletzt Instrumentalsolisten wie die Flötisten Jan de Winne und Christine Debaisieux, Mechthild Karkow, Violine, und natürlich Marcel Ponseele mit beitragen. Geht es um Barock- musik, ist dieser Oboist derzeit eine Klasse für sich.
Mittwoch, 22. April 2015
Bach: Markus-Passion (Rondeau)
Dass Johann Sebastian Bach eine Markus-Passion geschrieben hat, ist schon seit längerem bekannt. Den Text dazu hat Christian Friedrich Henrici, besser bekannt unter seinem Pseudonym Picander, Bachs wichtig- ster Textdichter, neben anderen in seinen Ernst-, Schertzhafften und Satyrischen Gedichten veröffentlicht. Doch die Musik dazu ist leider verloren. Aus Picanders Druck ist zudem das Datum der Uraufführung zu erfahren – es war Karfreitag, der 23. März 1731. Bekannt ist zudem, dass eine weitere Aufführung 1735 in Delitzsch bei Leipzig stattgefunden hat.
Im Jahre 2009 wurde in der Russischen Nationalbibliothek in St. Peters- burg ein weiterer, bislang unbekannter Textdruck der Markus-Passion entdeckt. Er enthält das Libretto einer Spätfassung aus dem Jahr 1744. Daran wird erkennbar, dass Bach auch diese Passion offenbar mehrfach überarbeitet hat. Denn diese Version enthält unter anderem den Text zweier neuer Arien, sowie eine Vielzahl von kleineren Änderungen.
1873 erkannte Wilhelm Rust bei der Arbeit an der Bach-Gesamtausgabe, dass der Komponist für fünf Sätze der Markus-Passion BWV 247 Teile der Trauer-Ode Lass, Fürstin, lass noch einen Strahl BWV 198 umgearbeitet hat. Einige Chorsätze aus der Trauer-Ode hatte er zuvor bereits in die Trauerkantate BWV 244a für Fürst Leopold von Anhalt-Köthen inte- griert. Das sogenannte Parodieverfahren, bei dem vorhandene Musik mit einem neuen Text versehen und musikalisch angepasst in einem neuen Werk wiederverwendet wird, war zu Bachs Zeiten üblich. Bach wäre vermutlich sehr erstaunt gewesen, zu erfahren, dass in späteren Jahrhun- derten, die das Originalgenie als Maß aller Dinge verehrten, diese Stücke als zweitrangig und minderwertig angesehen wurden.
Wenn aber Bach selbst seine Werke solcherart recycliert hat – warum dann nicht den Versuch wagen, die verschollenen Klänge wiederzubeleben? Und so haben Musikwissenschaftler in den überlieferten Stücken des Thomas- kantors akribisch nach passenden Teilen gesucht, um sie zu einem Ganzen zusammenzufügen. Für die Spätfassung der Markus-Passion hat der Cembalist Alexander Grychtolik, ein erfahrener Spezialist für historische Aufführungspraxis, eine Rekonstruktion gewagt. Sie wurde nun durch die Knabenkantorei Basel und das Capriccio Barockorchester unter Markus Teutschbein aufgeführt; als Solisten wirkten mit Gudrun Sidonie Otto, Sopran, Terry Wey, Altus, Daniel Johannsen, Tenor – ein großartiger Evangelist! –, Hanno Müller-Brachmann, Bass – Jesus und Stephan MacLeod, Bass – Arien. Die Ersteinspielung ist bei Rondeau erschienen.
Sie ist durchaus hörenswert; allerdings hat Bach selbst seine Musik meist recht radikal verändert, wenn er sie für ein neues Werk genutzt hat. Insofern erscheint es diskussionswürdig, ob man eine derartige Rekon- struktion überhaupt wagen kann. Denn bleibt man nahe am erhaltenen Notentext, wird man Bach möglicherweise nicht wirklich gerecht. Je mehr man sich aber von der Überlieferung entfernt, desto spekulativer wird es – und jeder Versuch, aus heutiger Perspektive Bach zu imitieren, muss zwangsläufig scheitern. Gott würfelt nicht.
Im Jahre 2009 wurde in der Russischen Nationalbibliothek in St. Peters- burg ein weiterer, bislang unbekannter Textdruck der Markus-Passion entdeckt. Er enthält das Libretto einer Spätfassung aus dem Jahr 1744. Daran wird erkennbar, dass Bach auch diese Passion offenbar mehrfach überarbeitet hat. Denn diese Version enthält unter anderem den Text zweier neuer Arien, sowie eine Vielzahl von kleineren Änderungen.
1873 erkannte Wilhelm Rust bei der Arbeit an der Bach-Gesamtausgabe, dass der Komponist für fünf Sätze der Markus-Passion BWV 247 Teile der Trauer-Ode Lass, Fürstin, lass noch einen Strahl BWV 198 umgearbeitet hat. Einige Chorsätze aus der Trauer-Ode hatte er zuvor bereits in die Trauerkantate BWV 244a für Fürst Leopold von Anhalt-Köthen inte- griert. Das sogenannte Parodieverfahren, bei dem vorhandene Musik mit einem neuen Text versehen und musikalisch angepasst in einem neuen Werk wiederverwendet wird, war zu Bachs Zeiten üblich. Bach wäre vermutlich sehr erstaunt gewesen, zu erfahren, dass in späteren Jahrhun- derten, die das Originalgenie als Maß aller Dinge verehrten, diese Stücke als zweitrangig und minderwertig angesehen wurden.
Wenn aber Bach selbst seine Werke solcherart recycliert hat – warum dann nicht den Versuch wagen, die verschollenen Klänge wiederzubeleben? Und so haben Musikwissenschaftler in den überlieferten Stücken des Thomas- kantors akribisch nach passenden Teilen gesucht, um sie zu einem Ganzen zusammenzufügen. Für die Spätfassung der Markus-Passion hat der Cembalist Alexander Grychtolik, ein erfahrener Spezialist für historische Aufführungspraxis, eine Rekonstruktion gewagt. Sie wurde nun durch die Knabenkantorei Basel und das Capriccio Barockorchester unter Markus Teutschbein aufgeführt; als Solisten wirkten mit Gudrun Sidonie Otto, Sopran, Terry Wey, Altus, Daniel Johannsen, Tenor – ein großartiger Evangelist! –, Hanno Müller-Brachmann, Bass – Jesus und Stephan MacLeod, Bass – Arien. Die Ersteinspielung ist bei Rondeau erschienen.
Sie ist durchaus hörenswert; allerdings hat Bach selbst seine Musik meist recht radikal verändert, wenn er sie für ein neues Werk genutzt hat. Insofern erscheint es diskussionswürdig, ob man eine derartige Rekon- struktion überhaupt wagen kann. Denn bleibt man nahe am erhaltenen Notentext, wird man Bach möglicherweise nicht wirklich gerecht. Je mehr man sich aber von der Überlieferung entfernt, desto spekulativer wird es – und jeder Versuch, aus heutiger Perspektive Bach zu imitieren, muss zwangsläufig scheitern. Gott würfelt nicht.
Mittwoch, 24. Juli 2013
Bach: Die Israeliten in der Wüste (cpo)
Ein „Geistliches Singgedicht“ nannte Carl Philipp Emanuel Bach (1714 bis 1788) sein Oratorium Die Israeliten in der Wüste. Der Komponist, der nach langen Jahren im Dienste Friedrichs des Großen 1768/69 seinem Paten Georg Philipp Tele- mann im Amt des Musikdirektors der Stadt Hamburg nachfolgte, schrieb dieses Werk nach seiner Ankunft in der neuen Heimat.
Das Thema war unverfänglich, da konfessionell neutral. Und es bot Bach zudem hervorragende Möglichkeiten, sich zu präsentieren. Denn das Werk besteht aus zwei Teilen, mit dramatischen Szenen im ersten Teil, und Momenten der Reflexion im zweiten.
Es beginnt mit einem Blick auf das durstige Volk Israel, das durch die Wüste zieht, aber kein Wasser mehr hat. Dann schlägt Moses das Wasser aus dem Felsen – man hört es förmlich plätschern, und dieses Wunder treibt die Menschen, die eben noch am Verzweifeln waren, zu höchst frommem Lobpreis; all das hat Bach gekonnt in Musik gesetzt.
Seine Zeitgenossen waren hingerissen. So notierte kein geringerer als Johann Friedrich Reichardt: „Und wie passend, wie ganz erschöpft jeder Ausdruck war, wie stark, wie gewaltig das Geschrey des verzweifelnden Volkes, wie originell der Ausdruck seines Spottes und Hohnes gegen Gott und ihren Führer, wie majestätisch die Sprache Mosis gegen das Volk, und wie flehentlich, wie tief in den Staub gebeugt demüthig, sein Gebet zu Gott, wie hinreißend fröhlich die Freude des geretteten Volkes, wie lieblich und angenehm überhaupt die ganze letzte Scene gegen die erstern grauenvollen erbärmlichen Scenen absticht, das kann ich Dir gar nicht ausdrücken, dazu giebt es gar keine andere Zeichen, als Bachs eigene Thöne.“
Wolfgang Brunner hat das Werk mit seinem Ensemble Salzburger Hofmusik bei cpo eingespielt. Er stellt insbesondere die „empfindsamen“ Aspekte des Oratoriums in den Vordergrund, die musikalischen Mittel, mit denen Bach seinerzeit wahrscheinlich die Emotionen seiner Zuhörer wecken wollte. Musiziert wird solide; die Aufnahme ist wirklich hörens- wert.
Das Thema war unverfänglich, da konfessionell neutral. Und es bot Bach zudem hervorragende Möglichkeiten, sich zu präsentieren. Denn das Werk besteht aus zwei Teilen, mit dramatischen Szenen im ersten Teil, und Momenten der Reflexion im zweiten.
Es beginnt mit einem Blick auf das durstige Volk Israel, das durch die Wüste zieht, aber kein Wasser mehr hat. Dann schlägt Moses das Wasser aus dem Felsen – man hört es förmlich plätschern, und dieses Wunder treibt die Menschen, die eben noch am Verzweifeln waren, zu höchst frommem Lobpreis; all das hat Bach gekonnt in Musik gesetzt.
Seine Zeitgenossen waren hingerissen. So notierte kein geringerer als Johann Friedrich Reichardt: „Und wie passend, wie ganz erschöpft jeder Ausdruck war, wie stark, wie gewaltig das Geschrey des verzweifelnden Volkes, wie originell der Ausdruck seines Spottes und Hohnes gegen Gott und ihren Führer, wie majestätisch die Sprache Mosis gegen das Volk, und wie flehentlich, wie tief in den Staub gebeugt demüthig, sein Gebet zu Gott, wie hinreißend fröhlich die Freude des geretteten Volkes, wie lieblich und angenehm überhaupt die ganze letzte Scene gegen die erstern grauenvollen erbärmlichen Scenen absticht, das kann ich Dir gar nicht ausdrücken, dazu giebt es gar keine andere Zeichen, als Bachs eigene Thöne.“
Wolfgang Brunner hat das Werk mit seinem Ensemble Salzburger Hofmusik bei cpo eingespielt. Er stellt insbesondere die „empfindsamen“ Aspekte des Oratoriums in den Vordergrund, die musikalischen Mittel, mit denen Bach seinerzeit wahrscheinlich die Emotionen seiner Zuhörer wecken wollte. Musiziert wird solide; die Aufnahme ist wirklich hörens- wert.
Montag, 1. April 2013
Ruhm und Glück (Rondeau)
Auch nachdem er 1723 sein neues Amt als Thomaskantor angetreten hatte, blieb Johann Sebastian Bach seinem früheren Dienstherrn doch als Hofkapellmeister verbunden. Und zu besonderen Anlässen lieferte er weiterhin Musik für den Köthener Hof.
So schrieb er, wahrscheinlich 1725, zum Geburtstag der jungen Fürstin, die Glückwunschkantate Steigt freudig in die Luft BWV 36a. Für diese musikalische Gratulation an Prinzession Charlotte Friederike Amalie von Nassau-Siegen, die zweite Gemahlin von Fürst Leopold, griff Bach sehr weitgehend auf seine Kantate Schwingt freudig euch empor BWV 36c zurück.
Genau anders herum verfuhr er offenbar bei der 1718 zum Geburtstag des Fürsten komponierten Glückwunsch-Serenata Der Himmel dacht’ auf Anhalts Ruhm und Glück BWV 66a - sie formte er später, 1724, um zur Osterkantate Erfreut euch, ihr Herzen BWV 66. Das ist ein glücklicher Umstand, denn eigentlich sind die Noten dieser musikali- schen Geburtstagspräsente verloren. Die Textbücher aber blieben erhalten, und Alexander Ferdinand Grychtolik hat damit die beiden Werke rekonstruiert.
Zu den Köthener Bachfesttagen 2012 sind sie erstmals wieder erklun- gen, und der Mitschnitt ist nun bei Rondeau auf CD erschienen. Es sind ausgesprochen repräsentative Geburtstagsständchen, muss man sagen. Fürst Leopold wird gar durch Fama, die Göttin des Ruhms, und durch die Glückseligkeit höchstselbst gepriesen. Gudrun Sidonie Otto, Wiebke Lehmkuhl, Hans Jörg Mammel und Carsten Krüger sowie die Mitteldeutsche Hofmusik unter ihrem Gründer Alexander Grychtolik lassen erahnen, wie es seinerzeit geklungen haben mag, als die Sänger und die Musiker der Hofkapelle zu den Feierlichkeiten aufspielten. Gewünscht haben sich die Leute vor fast 300 Jahren übrigens nichts anderes als heute: Gesundheit, Glück und ein langes Leben.
So schrieb er, wahrscheinlich 1725, zum Geburtstag der jungen Fürstin, die Glückwunschkantate Steigt freudig in die Luft BWV 36a. Für diese musikalische Gratulation an Prinzession Charlotte Friederike Amalie von Nassau-Siegen, die zweite Gemahlin von Fürst Leopold, griff Bach sehr weitgehend auf seine Kantate Schwingt freudig euch empor BWV 36c zurück.
Genau anders herum verfuhr er offenbar bei der 1718 zum Geburtstag des Fürsten komponierten Glückwunsch-Serenata Der Himmel dacht’ auf Anhalts Ruhm und Glück BWV 66a - sie formte er später, 1724, um zur Osterkantate Erfreut euch, ihr Herzen BWV 66. Das ist ein glücklicher Umstand, denn eigentlich sind die Noten dieser musikali- schen Geburtstagspräsente verloren. Die Textbücher aber blieben erhalten, und Alexander Ferdinand Grychtolik hat damit die beiden Werke rekonstruiert.
Zu den Köthener Bachfesttagen 2012 sind sie erstmals wieder erklun- gen, und der Mitschnitt ist nun bei Rondeau auf CD erschienen. Es sind ausgesprochen repräsentative Geburtstagsständchen, muss man sagen. Fürst Leopold wird gar durch Fama, die Göttin des Ruhms, und durch die Glückseligkeit höchstselbst gepriesen. Gudrun Sidonie Otto, Wiebke Lehmkuhl, Hans Jörg Mammel und Carsten Krüger sowie die Mitteldeutsche Hofmusik unter ihrem Gründer Alexander Grychtolik lassen erahnen, wie es seinerzeit geklungen haben mag, als die Sänger und die Musiker der Hofkapelle zu den Feierlichkeiten aufspielten. Gewünscht haben sich die Leute vor fast 300 Jahren übrigens nichts anderes als heute: Gesundheit, Glück und ein langes Leben.
Mittwoch, 23. November 2011
Weihnachtslieder (Berlin Classics)
Ein Weihnachts-Klassiker aus dem Jahre 1975 ist nun bei Berlin Classics wieder erhältlich: Weih- nachtslieder mit dem legendären Tenor Peter Schreier, dem Thoma- nerchor Leipzig und der Staats- kapelle Dresden unter Thomas- kantor Hans-Joachim Rotzsch, mit Hans Otto, weiland Domorganist zu Freiberg, an der Orgel und Monika Rost, Gitarre.
Die Arrangements, die den Sänger und die Sängerknaben zumeist in Form musikalischer Dialoge agieren lassen, sind modern, aber nicht avantgardistisch. Wer also eine schöne Zusammenstellung der hier- zulande traditionell üblichen Weihnachtslieder sucht, dem sei diese CD wärmstens empfohlen.
Die Arrangements, die den Sänger und die Sängerknaben zumeist in Form musikalischer Dialoge agieren lassen, sind modern, aber nicht avantgardistisch. Wer also eine schöne Zusammenstellung der hier- zulande traditionell üblichen Weihnachtslieder sucht, dem sei diese CD wärmstens empfohlen.
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