Barocke Kirchenmusik stellt oftmals hohe Anforderungen an die Sänger. Das gilt auch für die Werke von Antonio Vivaldi (1678 bis 1741), die Decca jüngst auf diesem Album vorgestellt hat. Das Gloria RV 589, mit seinen schwungvollen Chören, gehört zu den bekannten Kompositionen des Musikers; es wird vermutet, dass er es für die Mädchen des Ospedale della Pietà schrieb, als Venedig 1716 den Sieg über die Türken feierte. Wenn diese These stimmt, dann muss man allerdings fragen, wieso der Chor in diesem Falle kein reiner Frauenchor ist. Egal – in jedem Falle ist dieses beliebte Werk auf dieser CD zu hören. Und die Besetzung ist grandios: Es singen Julia Lezhneva und Franco Fagioli, sowie der Coro della Radiotelevisione Svizzera, und es musiziert das Ensemble I Barocchisti unter Leitung von Diego Fasolis. Ausgewiesene Barockspezialisten also sind hier versammelt, was sich vor allem auch bei den beiden anderen sakralen Meisterwerken zeigt, die auf dieser CD erklingen.
Nisi Dominus RV 608, eine Vertonung des 127. Psalms, gibt dem Countertenor Franco Fagioli Gelegenheit zu ausdrucksstarkem Gesang. Der argentinische Sänger beeindruckt einmal mehr mit seiner enorm umfangreichen, beweglichen und obendrein farblich flexiblen Stimme. Jede Passage formt er perfekt, sei sie noch so schwierig, und jede Verzierung sitzt.
Ähnliches lässt sich über Julia Lezhneva sagen. Sie singt die Solo-Motette Nulla in mundo pax sincera RV 630, bei der Vivaldi fromme Verse höchst raffiniert und extravagant musikalisch gestaltet hat. Insbesondere das abschließende Alleluia mit seiner instrumentalen Stimmführung erweist sich als Herausforderung. Die Sopranistin meistert alles so strahlend und locker, dass man nur staunen kann. Traumhaft!
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Freitag, 30. März 2018
Dienstag, 30. Mai 2017
Graun: Opera Arias - Julia Lezhneva (Decca)
Bei der Vorbereitung eines Konzertes im Schloss Sanssouci hielt Julia Lezhneva zum ersten Male eine Arie von Carl Heinrich Graun (1704 bis 1759) in den Händen – Mi paventi aus der Oper Britannico, wird im Beiheft zu dieser CD berichtet: „I was completely amazed by this fabulous aria“, schwärmt die Sängerin. „It is so beautiful and emotional that I felt myself trembling when I sang it. It was written for one of the greatest female sopranos of the time, Giovanna Astrua. (..) Unlike Handel and Porpora, where you can feel that castrati were still reigning supreme in opera and dominating the concert stage, it seems that Graun had a deep love of the natural female voice and tried to make women equal to the castrati, creating lots of roles for them with as much emotional and dramatic range as possible.“
Carl Heinrich Graun stand, wie auch sein Bruder, der Konzertmeister Johann Gottlieb Graun (1702/03 bis 1771), im Dienst Friedrichs II. von Preußen. Zu seinen Aufgaben als Hofkapellmeister gehörte unter anderem die Leitung des Berliner Opernhauses, für das er auch selbst zahlreiche Werke komponierte. In den Beständen der Staatsbibliothek Berlin, gegenüber dem Opernhaus, befinden sich Abschriften etlicher dieser Opern. Julia Lezhneva hat diese alten Handschriften gemeinsam mit dem Dirigenten Michail Antonenko durchgesehen, um Arien für dieses Album herauszusuchen.
Mit Ausnahme von Mi paventi handelt es sich dabei durchweg um Welt- ersteinspielungen. „Graun goes deep into a character's emotions, and we chose pieces displaying different kinds: furioso, lamenting, ,character', tragic, bravura and utterly joyful“, so die Sängerin. Dennoch sind seine Werke von der Opernbühne vollkommen verschwunden.
Den Grund dafür ahnt man bald. Denn insbesondere die Arien, die durch Leidenschaften motiviert sind, erfordern eine enorme Virtuosität. Rasante Koloraturen, ganze Ketten von Verzierungen – mit ihrer Kehlfertigkeit hätte Julia Lezhneva wohl auch einen Porpora beeindruckt. Mir persönlich aber gefällt ihr Gesang am besten dort, wo sie große Linien gestaltet und langsamen Stücken Farbe gibt. Ein gutes Beispiel dafür ist ein Klagelied aus Grauns Oper Mithridate: „I was moved on tears when I first saw the score of ,Piangete, o mesti lumi'“, meint auch die Sängerin, „it is one of the most touching pieces of music I've ever seen.“
Begleitet wird die Sopranistin bei ihrem Ausflug in die Berliner Opern- geschichte vom Ensemble Concerto Köln unter Michail Antonenko. Die Musiker, die gerade im Bereich der Barockmusik schon viele Schätze gehoben haben, sind ihr ebenso zuverlässige wie temperamentvolle Partner.
Carl Heinrich Graun stand, wie auch sein Bruder, der Konzertmeister Johann Gottlieb Graun (1702/03 bis 1771), im Dienst Friedrichs II. von Preußen. Zu seinen Aufgaben als Hofkapellmeister gehörte unter anderem die Leitung des Berliner Opernhauses, für das er auch selbst zahlreiche Werke komponierte. In den Beständen der Staatsbibliothek Berlin, gegenüber dem Opernhaus, befinden sich Abschriften etlicher dieser Opern. Julia Lezhneva hat diese alten Handschriften gemeinsam mit dem Dirigenten Michail Antonenko durchgesehen, um Arien für dieses Album herauszusuchen.
Mit Ausnahme von Mi paventi handelt es sich dabei durchweg um Welt- ersteinspielungen. „Graun goes deep into a character's emotions, and we chose pieces displaying different kinds: furioso, lamenting, ,character', tragic, bravura and utterly joyful“, so die Sängerin. Dennoch sind seine Werke von der Opernbühne vollkommen verschwunden.
Den Grund dafür ahnt man bald. Denn insbesondere die Arien, die durch Leidenschaften motiviert sind, erfordern eine enorme Virtuosität. Rasante Koloraturen, ganze Ketten von Verzierungen – mit ihrer Kehlfertigkeit hätte Julia Lezhneva wohl auch einen Porpora beeindruckt. Mir persönlich aber gefällt ihr Gesang am besten dort, wo sie große Linien gestaltet und langsamen Stücken Farbe gibt. Ein gutes Beispiel dafür ist ein Klagelied aus Grauns Oper Mithridate: „I was moved on tears when I first saw the score of ,Piangete, o mesti lumi'“, meint auch die Sängerin, „it is one of the most touching pieces of music I've ever seen.“
Begleitet wird die Sopranistin bei ihrem Ausflug in die Berliner Opern- geschichte vom Ensemble Concerto Köln unter Michail Antonenko. Die Musiker, die gerade im Bereich der Barockmusik schon viele Schätze gehoben haben, sind ihr ebenso zuverlässige wie temperamentvolle Partner.
Donnerstag, 3. Dezember 2015
Julia Lezhneva - Händel (Decca)
Barocke Kirchenmusik hatte Julia Lezhneva 2012 für ihr Debüt bei Decca ausgewählt. Nun veröffentlicht russische Koloratursopranistin ihr zweites Soloalbum mit Musik, die Georg Friedrich Händel (1685 bis 1759) während seines Aufenthaltes in Italien komponiert hat. Es wird vermutet, dass Händel 1706 in den Süden reiste; er blieb vier Jahre dort, und lernte insbesondere in Florenz, Rom, Venedig und Neapel zahlreiche Musikerkollegen kennen. Er kompo- nierte in Italien unter anderem zwei Opern, Rodrigo (1707) und Agrip- pina (1709), zwei Oratorien, Il Trionfo del Tempo e del Disinganno (1707) und La Resurrezione (1708), dazu das berühmte Dixit Dominus (1707), die Serenata Aci, Galatea e Polifemo (1708), ein Salve Regina (1707) sowie eine Menge Kantaten.
Arien aus den beiden Opern, den Oratorien sowie Ausschnitte aus den geistlichen Werken präsentiert Julia Lezhneva auf dieser CD. Auch eine Arie aus der Kantate Apollo e Dafne, die Händel in Italien zwar begonnen, aber dann erst in Hannover vollendet hat, singt die Sopranistin. Begleitet wird sie dabei von dem Ensemble Il Giardino Armonico unter Giovanni Antonini – das sich auch in der legendären Sinfonia aus Agrippina als ein Orchester mit Charakter erweist. Die Musiker und die Sängerin harmonie- ren bestens; diese CD beeindruckt mit Präzision und gestalterischer Finesse, mit großen Bögen und mit rasanten Läufen, mit Emotion und mit Überlegung. Und eine Koloratursopranistin mit einer derart dunkel timbrierten Stimme ist ohnehin eine Rarität. Insofern darf man sich schon gespannt fragen, womit Julia Lezhneva als nächstes überrascht.
Arien aus den beiden Opern, den Oratorien sowie Ausschnitte aus den geistlichen Werken präsentiert Julia Lezhneva auf dieser CD. Auch eine Arie aus der Kantate Apollo e Dafne, die Händel in Italien zwar begonnen, aber dann erst in Hannover vollendet hat, singt die Sopranistin. Begleitet wird sie dabei von dem Ensemble Il Giardino Armonico unter Giovanni Antonini – das sich auch in der legendären Sinfonia aus Agrippina als ein Orchester mit Charakter erweist. Die Musiker und die Sängerin harmonie- ren bestens; diese CD beeindruckt mit Präzision und gestalterischer Finesse, mit großen Bögen und mit rasanten Läufen, mit Emotion und mit Überlegung. Und eine Koloratursopranistin mit einer derart dunkel timbrierten Stimme ist ohnehin eine Rarität. Insofern darf man sich schon gespannt fragen, womit Julia Lezhneva als nächstes überrascht.
Montag, 24. März 2014
Pergolesi: Stabat Mater (Erato)
Rechtzeitig vor Ostern legt das Label Erato eines der schönsten Werke der Kirchenmusik in einer neuen Aufnahme vor – das Stabat Mater von Giovanni Battista Pergolesi (1710 bis 1736). Um es gleich vorwegzunehmen: Wer diese CD angehört hat, der wird kaum noch eine andere Einspielung gelten lassen. Dies ist ohne Zweifel die neue Referenzaufnahme. Und das liegt vor allem auch an den Sängern, die keine Schwierigkeiten damit haben, mit eigentlich der Oper entlehnten Ausdrucksmitteln für die angemessene Andacht zu sorgen.
Die russische Sopranistin Julia Lezhneva harmoniert klanglich perfekt mit Countertenor Philippe Jaroussky. Es ist phänomenal, wie die beiden Sänger nicht nur ihre Verzierungen, sondern auch ihr Timbre aufeinander abstimmen. Wer die Partien nicht kennt, der hat mitunter Mühe, zu erkennen, wer gerade singt.
Und weil's so schön ist, hat Barock-Experte Diego Fasolis die CD gleich noch durch zwei weitere Werke Pergolesis ergänzt: Das Confitebor tibi Domine und das üppig orchestrierte Laudate pueri Dominum; beide Stücke bieten nicht nur anspruchsvolle Solo-Partien, sondern auch dankbare Aufgaben für die Musiker des Ensembles I Barocchisti sowie den Coro della Radiotelevisione svizzera. Auf die nachfolgende Aufnahme der Missa Romana sowie des Dixit Dominus, die Fasolis im Beiheft ankündigt, darf man bereits gespannt sein.
Die russische Sopranistin Julia Lezhneva harmoniert klanglich perfekt mit Countertenor Philippe Jaroussky. Es ist phänomenal, wie die beiden Sänger nicht nur ihre Verzierungen, sondern auch ihr Timbre aufeinander abstimmen. Wer die Partien nicht kennt, der hat mitunter Mühe, zu erkennen, wer gerade singt.
Und weil's so schön ist, hat Barock-Experte Diego Fasolis die CD gleich noch durch zwei weitere Werke Pergolesis ergänzt: Das Confitebor tibi Domine und das üppig orchestrierte Laudate pueri Dominum; beide Stücke bieten nicht nur anspruchsvolle Solo-Partien, sondern auch dankbare Aufgaben für die Musiker des Ensembles I Barocchisti sowie den Coro della Radiotelevisione svizzera. Auf die nachfolgende Aufnahme der Missa Romana sowie des Dixit Dominus, die Fasolis im Beiheft ankündigt, darf man bereits gespannt sein.
Donnerstag, 23. Mai 2013
Julia Lezhneva - Alleluia (Decca)
Dieses Debütalbum verdankt seine Entstehung einem Zufall: Ein Executive Producer des Labels Decca erlebte die russische Sopranistin Julia Lezhneva in einem Konzert, in dem sie Mozarts Exultate, jubilate gesungen hat. Er war davon sehr angetan, und er- mutigte die Sängerin, die Motette für eine CD einzuspielen.
„I liked the idea of waiting to record opera arias until I had more experience with them on stage“, zitiert das Beiheft die junge Sängerin. Das ist tief gestapelt. Denn Lezhneva hat nach ihrem Stu- dium am Moskauer Konservatorium bereits im Alter von 18 Jahren gemeinsam mit Juan Diego Flórez zur Eröffnung des Rossini-Opern- festivals in Pesaro gesungen. Für ihr Debüt in Brüssel wählte sie die Opernwelt 2011 zum Nachwuchssänger des Jahres. Lezhneva hat in Salzburg gesungen, in London, New York, Berlin, Wien und in Paris. Sie hat mit einer Vielzahl renommierter Orchester gearbeitet, und zahlreiche Preise in Wettbewerben gewonnen. Und sie hat in Meisterkursen bei etlichen berühmten Sängerkollegen gelernt.
Statt Opernarien also hat Lezhneva für ihr Debütalbum In furore iustissimae irae und Saeviat tellus inter rigores ausgewählt, in jeder Hinsicht höchst anspruchsvolle Motetten von Antonio Vivaldi und Georg Friedrich Händel. Komplettiert wird das Programm durch die Weltersteinspielung der Motette In caelo stella clare aus der Feder von Nicola Porpora. Mozarts Exultate, jubilate präsentiert sie strah- lend, taufrisch und von Freude erfüllt. Ihre Höhe ist atemberaubend; in der Tiefe klingt sie eher dunkel, aber dabei erstaunlich kraftvoll.
„I liked the idea of waiting to record opera arias until I had more experience with them on stage“, zitiert das Beiheft die junge Sängerin. Das ist tief gestapelt. Denn Lezhneva hat nach ihrem Stu- dium am Moskauer Konservatorium bereits im Alter von 18 Jahren gemeinsam mit Juan Diego Flórez zur Eröffnung des Rossini-Opern- festivals in Pesaro gesungen. Für ihr Debüt in Brüssel wählte sie die Opernwelt 2011 zum Nachwuchssänger des Jahres. Lezhneva hat in Salzburg gesungen, in London, New York, Berlin, Wien und in Paris. Sie hat mit einer Vielzahl renommierter Orchester gearbeitet, und zahlreiche Preise in Wettbewerben gewonnen. Und sie hat in Meisterkursen bei etlichen berühmten Sängerkollegen gelernt.
Statt Opernarien also hat Lezhneva für ihr Debütalbum In furore iustissimae irae und Saeviat tellus inter rigores ausgewählt, in jeder Hinsicht höchst anspruchsvolle Motetten von Antonio Vivaldi und Georg Friedrich Händel. Komplettiert wird das Programm durch die Weltersteinspielung der Motette In caelo stella clare aus der Feder von Nicola Porpora. Mozarts Exultate, jubilate präsentiert sie strah- lend, taufrisch und von Freude erfüllt. Ihre Höhe ist atemberaubend; in der Tiefe klingt sie eher dunkel, aber dabei erstaunlich kraftvoll.
Wenn sie allerdings behauptet, sie hätte den Koloraturgesang, den sie auf dieser CD zelebriert, nicht etwa geübt, sondern dieser habe sich ganz natürlich ergeben, so ist das erneut tief gestapelt – solche Triller, Skalen und Staccati singt niemand „ganz natürlich“. Und gerade die russische Gesangsschule steht eigentlich nicht in dem Ruf, reihen- weise Barock-Spezialisten hervorzubringen. Die 23jährige Sängerin aber beeindruckt durch perfekten barocken Ziergesang. Zur Seite steht ihr dabei das Ensemble Il Giardino Armonico unter Giovanni Antonini – erfahrene Spezialisten, die sich gekonnt und mit gehöri- gem Temperament einbringen. Bravi!
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