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Donnerstag, 20. September 2018

Vivaldi: The Folk Seasons (Alba)

Dass auch Musiker aus dem hohen Norden italienische Leidenschaft entwickeln können, beweist diese CD: Das finnische Ensemble Barocco Boreale hat die berühmten Vier Jahreszeiten von Antonio Vivaldi eingespielt – und das Programm dann gleich noch durch die Konzerte RV 114, RV 522 und RV 511 komplettiert. Die Solisten, Kreeta-Maria Kentala und Siiri Virkkala, musizieren gekonnt, aber für meinen Geschmack erstaunlich brav. Farbe bringt allerdings das begleitende Ensemble, das nicht nur die üblichen Streich-, Zupf- und Tasteninstrumente, sondern obendrein allerlei Über- raschungen bereit hält – neben Harfe, Psalterium und Kantele erklingen so auf der CD auch Vogelpfeifen. Nette Idee! 

Samstag, 16. Oktober 2010

A virtuoso faceoff (Alba)

Heinrich Ignaz Franz Biber (1644 bis 1704) und Georg Muffat (1653 bis 1704) waren beide Angestellte des Salzburger Erzbischofs Max Gandolph Graf von Kuenburg. Biber, einer der besten Geiger seiner Zeit, kam aus Böhmen, und wirkte in Salzburg zunächst als Vizekapellmeister und später als Kapellmeister. In Anerkennung seiner herausragenden Virtuosität wurde er 1690 vom Kaiser geadelt, und durfte sich zudem eines üppigen Salärs erfreuen. Muffat, ein Schüler von Jean-Baptiste Lully, war Domorganist in Salzburg. Der Erzbischof schickte ihn 1680 zur Weiterbildung nach Italien; in Rom lernte Muffat unter anderem Arcangelo Corelli kennen, von dem er offenkundig sehr beeindruckt war, denn er schrieb anschließend Concerti grossi nach seinem Vorbild. 
Das Konzept der vorliegenden CD ist ein imaginärer Wettstreit beider Musiker um die Gunst ihres Dienstherrn. Ein solches Szenario ist zwar wenig realistisch, aber dennoch dramaturgisch und musikalisch reizvoll - macht es deutlich, wie vielgestaltig Barockmusik selbst innerhalb einer einzigen Residenz sein konnte. Petri Tapio Mattson, Violine, Markku Mäkinen, Orgel, und Eero Palviainen, Erzlaute, zeigen zudem, dass es in Finnland exzellent ausgebildete Musiker gibt, die den Vergleich mit bekannten Stars der Barock-Szene nicht scheuen müssen.

Donnerstag, 22. Juli 2010

Chopin - Rachmaninov: Sonatas for Cello & Piano (Alba)

Frédéric Chopin schrieb nur sehr wenige Stücke, die nicht aus- schließlich für das Klavier be- stimmt waren. Die Sonate für Klavier und Violoncello in g-Moll op. 65 gehört zu diesen Raritäten; als er sie schrieb, war er schwer an Tuberkulose erkrankt, und hatte sich aus der Gesellschaft weit- gehend zurückgezogen. Chopin widmete dieses Werk seinem Freund, dem Cellisten Auguste-Joseph Franchomme, und spielte es wohl auch gemeinsam mit diesem zum ersten Male, in halbprivatem Rahmen.
Es ist ein ebenso melodisches wie brillantes Stück, das an die beiden Instrumentalisten hohe Anforderungen stellt. Der finnische Cellist Marko Ylönen - er hat zahlreiche internationale Preise gewonnen, und unterrichtet Kammermusik an der Sibelius-Akademie in Helsinki - spielt dieses Werk mit sattem, warmen Ton; er nimmt den breiten Pinsel statt der Feder, um sein musikalisches Bild zu zeichnen. Beim Rachmaninoff, besonders bei der Vokalise, mag das möglicherweise funktionieren - beim Chopin ist mir das zuviel Schwung und, vor allem, Lautstärke. Ähnliches gilt auch für seinen Landsmann Arto Satukangas am Klavier, der zwar exzellent, aber dynamisch meist auch erstaunlich wenig differenziert spielt.
Die Sonate für Violoncello und Klavier in g-Moll op. 19 von Sergej Wassiljewitsch Rachmaninoff ist ebenfalls eines von wenigen Kammermusikstücken in einem Gesamtwerk, das in erster Linie dem Klavier verbunden war. Anders als Chopin, der das Konzertpodium wohl nicht sehr schätzte, war der Russe aber nicht nur als Komponist und Pianist, sondern auch als Dirigent bis ins hohe Alter sehr erfolgreich. Die Cellosonate hat Rachmaninoff gemeinsam mit einem Freund, dem Cellisten Andrej Brandukow, uraufgeführt. Auch in diesem Werk werden beide Instrumente gleichberechtigt eingesetzt; der Pianist ist nicht weniger gefordert als der Cellist. Zum Abschluss erklingt die Vocalise Nr. 14 e-Moll nach op. 34; dieses Stück ist ein charmanter Abschluss einer CD, die mit ein bisschen mehr Feingefühl hätte überragend sein können.