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Samstag, 23. Dezember 2017

In dulci jubilo (Dacapo)

Vier Szenen rings um die Weihnacht hat das Ensemble Theatre of Voices ausgewählt, um sie auf dieser CD musikalisch auszugestalten: Mariä Verkündigung und Advent, die Schäfer, Christi Geburt sowie Neujahr und Epiphanias. Zu hören sind Werke von Dieterich Buxtehude und anderen Komponisten aus dem norddeutschen Raum. 
Mit diesem Album setzt das renom- mierte Ensemble um Paul Hillier die Erkundung einer Musiktradition fort, die viel Attraktives zu bieten hat. Schon im vergangenen Jahr hatten die Sänger und Musiker eine CD mit dem Titel Buxtehude and his Circle veröffentlicht, die viel Lob und Beachtung fand. In diesem Jahr haben sie weihnachtliche Musik ausgesucht. Neben Orgelmusik vom Heinrich Scheidemann, Dieterich Buxtehude und Johann Adam Reincken erklingen Kantaten, Motetten und Geistliche Konzerte von Christian Geist, Johann Christoph Bach, Franz Tunder, Dieterich Buxtehude, Matthias Weckmann und Jan Pieterszoon Sweelinck, der eigentlich eher für seine Orgelmusik sowie als Lehrer einer herausragenden Organistengeneration bekannt ist. 
Diese Stücke sind durchweg Raritäten; sie stammen aus der Musikalien- sammlung des schwedischen Hofkapellmeisters und Organisten Gustav Düben. Sein Vater war ebenfalls ein Schüler Sweelincks gewesen. Und wer keine Lust hat auf WO und Messias, der sollte sich unbedingt dieses allererste Weihnachtsalbum des Labels Dacapo besorgen – es lohnt sich! Denn es ist ein rundum prächtiges Programm, mit hohem Engagement und Sinn für Theatralik vorgetragen. Grandios! 

Montag, 20. Juni 2016

Bruhns & Scheidemann - Organ works (Dacapo)

Ein ebenso prachtvolles wie klang- schönes historisches Instrument aus dem Dom zu Roskilde, Dänemark, ist auf dieser CD zu erleben. Es wurde 1554/55 von dem niederländischen Orgelbauer Hermann Raphaelis Rottenstein-Pock erbaut, wobei Teile einer bereits vorhandenen Orgel genutzt wurden. Im Laufe der Jahr- hunderte hat das Instrument einige Umbauten und Erweiterungen erfah- ren; in den 80er Jahren entschied aber die Gemeinde, dass die Orgel, so, wie sich das Instrument entwickelt hatte, für eine Schwalbennestorgel nicht wirklich passend ist. Die Firma Marcussen & Sohn, baute daher für die Kathedrale drei moderne, kleinere Instrumente – und restaurierte sorgsam die historische Orgel, die auf den Stand vor 1700 zurückgesetzt wurde. Verlorene Register wurde dabei rekonstruiert. Die Raphaelis-Orgel hat heute 33 Register auf drei Manualen und Pedal. 
Die international renommierte Organistin Bine Bryndorf spielt an diesem Instrument Orgelmusik von Heinrich Scheidemann, dem Begründer der norddeutschen Orgelschule, und das komplette Orgelwerk von Nicolaus Bruhns (1665 bis 1697), einem ihrer letzten Protagonisten. Ihre Auswahl insbesondere der Stücke von Scheidemann ermöglicht es der Professorin, die heute in Kopenhagen unterrichtet, die Orgel quasi nebenher mit vor- zustellen. Sehr gelungen! 

Dienstag, 24. Mai 2016

Buxtehude and his Circle (Dacapo)

Paul Hillier hat sich mit dem Theatre of Voices auf die Suche nach den Spuren von Dieterich Buxtehude be- geben. Der nordddeutsche Orgelvir- tuose war offenbar auch ein außer- ordentlich engagierter Netzwerker. Bedeutende Musikerkollegen, wie Bach und Händel, besuchten ihn in Lübeck und lernten von ihm. Diese CD nun zeigt uns den engeren Kreis um Buxtehude: Der Organist selbst war ein Schüler von Kaspar Förster (1617 bis 1673), auf der CD ebenso vertreten wie Franz Tunder (1614 bis 1667), dessen Tochter Buxtehude heiratete. Auch Vokalwerke von Christian Geist (um 1650 bis 1711), Organist in Kopenhagen, und Buxtehudes Schüler Nicolaus Bruhns (1665 bis 1697), Organist in Husum, erklingen – und natürlich zwei Kantaten von Buxtehude selbst. Die meisten der Kompositionen, die diese CD vorstellt, sind ausgesprochene Raritäten, was den Hörer freut. Allerdings legt Hillier mit seinen Sängern und Instrumentalisten ein erstaunlich flottes Tempo vor; Bruhns' De profundis beispielsweise in knapp zwölf Minuten ist für meinen persönlichen Geschmack etwas zu sportlich. 

Montag, 22. Februar 2016

Buxtehude: The Complete Organ Works (Dacapo)

Eine exzellente Gesamtaufnahme der Orgelmusik von Dieterich Buxtehude (1637 bis 1707) hat das dänische Label Dacapo Records auf den Markt gebracht. Die Box bündelt sechs CD, die bereits separat erhältlich waren: Organistin Bine Bryndorf hat die Orgelwerke in den Jahren 2002 bis 2007 auf fünf histori- schen Orgeln rund um die Ostsee eingespielt. 
Für diese Aufnahmen hat sie Instrumente ausgewählt, die einen Bezug zum Lebens- weg ihres berühmten Kollegen haben: An der Kirche St. Maria in Helsingborg, damals dänisch, heute schwedisch, war Buxtehudes Vater Johann Organist, und später begann der junge Dieterich Buxtehude dort seine Musikerlaufbahn. Das Instrument, das sich heute dort befindet, wurde in den Jahren 1997 bis 2000 durch den schwedischen Orgelbauer Robert Gustavsson aus Härnösand nach einem Konzept von Mads Kjersgaard geschaffen. Es ist ein neues Instrument im Stil der Buxtehude-Zeit. 
Von Helsingborg aus wechselte Buxtehude einst an die Marienkirche Helsingör. Die Orgel dort wurde um 1640 von dem sächsischen Orgelbauer Johan Lorentz angefertigt und, während Buxtehude dort Organist war, durch Hans Christoph Fritzsche umgebaut. Dieses Instrument ist nicht erhalten; die Orgel, die sich heute in dem historischen Gehäuse befindet, hat das Unternehmen Marcussen & Son 1997 im Stil einer dänischen Orgel von 1650 neu gebaut. Zu hören sind zudem die Düben-Orgel der Deutschen Kirche St. Gertrud in Stockholm, rekonstruiert 2004 durch Grönlunds Orgelbyggeri Gammelstad/Schweden, die Arp-Schnitger-Orgel der Kirche St. Jacobi zu Hamburg, und die Stellwagen-Orgel der Kirche St. Jakobi zu Lübeck. Dort spielte Bryndorf auch ein Orgelpositiv von 1673. Es stammte aus der Werkstatt des Hamburger Orgelbauers Jochim Richborn; aller- dings war das eigentliche Instrument seit dem 19. Jahrhundert verloren und nur das Gehäuse erhalten. Die kleine Orgel wurde 2003 durch Mads Kjersgaard nach historischem Vorbild neu zum Leben erweckt. 
Dass diese Aufnahmen seinerzeit von der Kritik hoch gelobt worden sind, verwundert nicht. Bryndorf spielt wirklich bewundernswert, und registriert eher zurückhaltend. Klar strukturiert und gut durchdacht, bringt sie Buxte- hudes Musik hervorragend zur Geltung – diese Box bietet ganz eindeutig eine der besten Gesamteinspielungen von Buxtehudes Orgelwerk, die derzeit zu bekommen sind. 

Donnerstag, 31. Juli 2014

Kuhlau: Violin Sonatas Vol. 1 (Dacapo)

Friedrich Kuhlau (1786 bis 1832) gehört zu den bedeutenden däni- schen Komponisten des frühen
19. Jahrhunderts. Über seine Bio- graphie wurde hier im Blog bereits berichtet. Erinnert sei an dieser Stelle nur daran, dass Kuhlau eigentlich ein Deutscher war. Er stammte aus Uelzen, und setzte seine Ausbildung dann in Hamburg fort. 1810 floh er nach Kopenha- gen, um der Zwangsrekrutierung durch Napoleons Truppen zu entrinnen. 1813 wurde er däni- scher Staatsbürger – und königlicher Hofmusiker. 

Kuhlau hat das Musikleben des sogenannten des Goldenen Zeitalters Dänemarks nachhaltig mit geprägt. Eigentlich galt er als „Beethoven der Flöte“, doch er hat auch bezaubernde Violinsonaten geschrieben, wie diese CD beweist. Christina Åstrand, Violine, musiziert gemein- sam mit ihrem Mann Per Salo am Klavier. Und man wundert sich, warum diese Werke im Konzertbetrieb eigentlich keine Rolle spielen. Denn sie sind durchaus spannend; stilistisch stehen sie der Klassik wohl näher als der Romantik, auch wenn sie als die ersten dänischen Sonaten im romantischen Stil bewertet werden. Auf die Fortsetzung dieser Einspielung darf man sich freuen. 

Sonntag, 18. Dezember 2011

Buxtehude: Scandinavian Cantatas (Dacapo)

Dieterich Buxtehude (1637 bis 1707) wirkte als Organist zunächst an der Marienkirche Helsingborg, dann an der Marienkirche von Helsingor; 1668 wurde er dann der Nachfolger von Franz Tunder als Organist und Werkmeister der Marienkirche in Lübeck. Dort wirk- te er bis an sein Lebensende.
Vokalmusik zu komponieren, war eigentlich nicht Bestandteil seiner Dienstaufgaben. Dennoch sind über 120 Werke verschiedener (geistlicher) Genres in vier Spra- chen überliefert. Paul Hillier hat auf dieser CD mit dem Theatre of Voices, der TOV Band und Bine Bryndorf, Orgel, eine illustre Auswahl daraus getroffen - vom Domine salvum fac regem, einem üppig aus- gelegten geistlichen Konzert, das wohl für den schwedischen Königs- hof entstanden ist, bis hin zu dem eindrucksvollen Lamento Att du Jesu vill mig höra
Sie wird ergänzt durch zwei Orgelstücke des Meisters, die Bine Bryndorf auf der Orgel der Marienkirche in Helsingor eingespielt hat. Dabnei handelt es sich zum einen ein das Präludium in e-Moll, im sogenannten stylus phantasticus frei gestaltet, und die Passacaglia in d-Moll, einem Beleg für die Meisterschaft des Komponisten auch in der strengen Form. 
Die Aufnahme ist exzellent, und die Musik ist von einer Qualität, die einen verstehen lässt, warum ein Johann Sebastian Bach einst von Arnstadt nach Lübeck mehr als 400 Kilometer gelaufen ist, um bei Buxtehude lernen zu können. Bravi! 

Sonntag, 24. April 2011

Schütz: Matthäus-Passion (Dacapo)

"I wanted to record the narrative works of Schütz because I am in- terested in singing stories", erläu- tert Paul Hillier. Gleich sechs der Schützschen Hauptwerke erzählen Geschichten, so der Sänger, und zwar mit einem Erzähler und ver- schiedenen handelnden Personen. Innerhalb von vier Jahren hat Hillier sie alle mit dem Ensemble Ars Nova Copenhagen eingespielt - im vergangenen Jahr erschien eine CD mit Die Sieben Worte SWV 478 und der Johannes-Passion SWV 481; in diesem Jahr folgte eine weite- re mit der Matthäus-Passion SWV 479. 
Hillier entschied sich, für jede der drei Schütz-Passionen einen ande- ren Tenor als Evangelisten auftreten zu lassen, aber immer denselben Bassisten - Jacob Bloch Jespersen - als Christus. Wie nicht anders zu erwarten - immerhin hat Hillier jahrelange Erfahrung in diesem Me- tier, unter anderem als Gründer und Leiter des Hilliard Ensembles und des Theatre of Voices sowie als Direktor des Early Music Institute an der Indiana University - wird hier jede Phrase bis ins Letzte durch- dacht interpretiert, sitzt jeder Ton, und man versteht zudem jedes Wort. In der Qualität vergleichbar sind lediglich die legendären Auf- nahmen der Kruzianer. Bravi! 

Montag, 22. November 2010

Weyse - The key masterpieces (Dacapo)

Christoph Ernst Friedrich Weyse (1774 bis 1842) ging in seinem Leben nur einmal auf eine Schiffs- reise. Sie führte von seinem Geburtsort Altona in Holstein nach Kopenhagen, und muss wohl un- auslöschliche Eindrücke hinter- lassen haben - jedenfalls hat sich Weyse niemals wieder weiter von Kopenhagen entfernt, als das zu Pferde oder mit der Kutsche binnen Tagesfrist möglich ist. Das war auch nicht erforderlich, denn die musikalische Welt kam schon bald zu ihm, und so pflegte er den Kontakt zu zahlreichen Musikerkollegen wie Franz Liszt, Ignaz Moscheles oder Clara Schumann.
Weyse wuchs in einem gutbürgerlichen Elternhaus auf. Er lernte Cembalo spielen, und sang als Knabensopran, auch solistisch. Seine Ausbildung lag in den Händen seines Großvaters, eines Kantors und Organisten. Als dieser der Meinung war, der Knabe müsse nun einen "richtigen" Musiklehrer bekommen, reiste er nach Hamburg und sprach bei Carl Philipp Emanuel Bach vor. Doch dieser wollte nicht gestört werden. Und so kam der 15jährige Weyse nach Kopenhagen, wo Johann Abraham Peter Schulz, ein Schüler Kirnbergers - bekannt als Schöpfer zahlreicher Lieder im Volkston, wie Der Mond ist aufgegangen oder Ihr Kinderlein, kommet - seit zwei Jahren als Hofkapellmeister wirkte. 
In Dänemark war Weyse sehr bekannt und sehr erfolgreich - schon im Alter von 18 Jahren wurde er Organist an der Deutschen Reformier- ten Kirche in Kopenhagen, sieben Jahre später wurde er Organist an der Kathedrale in Kopenhagen, er erhielt den Professorentitel - und 1819 wurde er zum Hofkomponisten ernannt.
Diese Doppel-CD gibt einen Einblick in sein breites Schaffen, das von Cembalo- und Klavierwerken über Sinfonien, Opern und Singspiele, Kantaten und andere Musikstücke für höfische Feierlichkeiten bis hin zu Kunstliedern reicht - letztere waren so populär, dass Weyse zum Ende des 19. Jahrhunderts nur noch als Liedkomponist bekannt war. 
Sein Stil hat sich im Laufe seines Lebens sehr gewandelt. Erscheinen seine frühen Werke eher galant bis klassizistisch, so klingen seine späteren Stücke sehr romantisch; seine Lieder erinnern in ihrer Leichtigkeit mitunter an Mendelssohn und in den Klavierbegleitungen auch an Schumann. Doch ist seine Musik stets sehr eigenständig; Weyse kannte das Schaffen seiner Zeitgenossen, aber er kopierte es nicht. Besondere Empfehlung: CD 2 enthält Weyses Weihnachts- kantate Nr. 3 Jubler, o jubler i salige toner - passend zum Fest, und wunderschön.