Eine Kollektion protestantischer Sakralmusik aus dem 17. Jahr- hundert hat das Ensemble Clematis auf dieser CD zusammengestellt. Die Werke entstammen überwiegend der Sammlung Düben; einige davon erklingen in Weltersteinspielung. Den Gesangspart hat der Counter- tenor Paulin Bündgen übernommen.
Immer wieder staunt man, welch hohes Niveau doch die Kirchenmusik damals hatte. David Pohle (1624 bis 1695) und Johann Theile (1646 bis 1724) beispielsweise waren Schüler von Heinrich Schütz; ihre Werke sind nicht weniger beeindruckend als die bekannten geistlichen Konzerte von Johann Christoph Bach (1642 bis 1703) oder Johann Michael Bach (1648 bis 1694). Doch auch längst vergessene Komponisten wie Johann Wolf- gang Franck, der in Ansbach am Hofe und in Hamburg am Gänsemarkt-Opernhaus tätig war, der Mühlhäuser Johann Rudolph Ahle oder Heinrich Schwemmer,der als Kantor in Nürnberg an St. Sebald wirkte, überraschen mit handwerklich gelungenen, ausdrucksstarken Kompositionen.
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Donnerstag, 6. September 2018
Samstag, 23. Dezember 2017
In dulci jubilo (Dacapo)
Vier Szenen rings um die Weihnacht hat das Ensemble Theatre of Voices ausgewählt, um sie auf dieser CD musikalisch auszugestalten: Mariä Verkündigung und Advent, die Schäfer, Christi Geburt sowie Neujahr und Epiphanias. Zu hören sind Werke von Dieterich Buxtehude und anderen Komponisten aus dem norddeutschen Raum.
Mit diesem Album setzt das renom- mierte Ensemble um Paul Hillier die Erkundung einer Musiktradition fort, die viel Attraktives zu bieten hat. Schon im vergangenen Jahr hatten die Sänger und Musiker eine CD mit dem Titel Buxtehude and his Circle veröffentlicht, die viel Lob und Beachtung fand. In diesem Jahr haben sie weihnachtliche Musik ausgesucht. Neben Orgelmusik vom Heinrich Scheidemann, Dieterich Buxtehude und Johann Adam Reincken erklingen Kantaten, Motetten und Geistliche Konzerte von Christian Geist, Johann Christoph Bach, Franz Tunder, Dieterich Buxtehude, Matthias Weckmann und Jan Pieterszoon Sweelinck, der eigentlich eher für seine Orgelmusik sowie als Lehrer einer herausragenden Organistengeneration bekannt ist.
Diese Stücke sind durchweg Raritäten; sie stammen aus der Musikalien- sammlung des schwedischen Hofkapellmeisters und Organisten Gustav Düben. Sein Vater war ebenfalls ein Schüler Sweelincks gewesen. Und wer keine Lust hat auf WO und Messias, der sollte sich unbedingt dieses allererste Weihnachtsalbum des Labels Dacapo besorgen – es lohnt sich! Denn es ist ein rundum prächtiges Programm, mit hohem Engagement und Sinn für Theatralik vorgetragen. Grandios!
Mit diesem Album setzt das renom- mierte Ensemble um Paul Hillier die Erkundung einer Musiktradition fort, die viel Attraktives zu bieten hat. Schon im vergangenen Jahr hatten die Sänger und Musiker eine CD mit dem Titel Buxtehude and his Circle veröffentlicht, die viel Lob und Beachtung fand. In diesem Jahr haben sie weihnachtliche Musik ausgesucht. Neben Orgelmusik vom Heinrich Scheidemann, Dieterich Buxtehude und Johann Adam Reincken erklingen Kantaten, Motetten und Geistliche Konzerte von Christian Geist, Johann Christoph Bach, Franz Tunder, Dieterich Buxtehude, Matthias Weckmann und Jan Pieterszoon Sweelinck, der eigentlich eher für seine Orgelmusik sowie als Lehrer einer herausragenden Organistengeneration bekannt ist.
Diese Stücke sind durchweg Raritäten; sie stammen aus der Musikalien- sammlung des schwedischen Hofkapellmeisters und Organisten Gustav Düben. Sein Vater war ebenfalls ein Schüler Sweelincks gewesen. Und wer keine Lust hat auf WO und Messias, der sollte sich unbedingt dieses allererste Weihnachtsalbum des Labels Dacapo besorgen – es lohnt sich! Denn es ist ein rundum prächtiges Programm, mit hohem Engagement und Sinn für Theatralik vorgetragen. Grandios!
Montag, 17. April 2017
Caldara: Motetti a due o tre voci op. 4 (Pan Classics)
Die Motetti a due o tre voci op. 4 waren die letzten Werke von Antonio Caldara (um 1670 bis 1736), die zu seinen Lebzeiten im Druck erschie- nen sind. Sie wurden 1715 in Bologna veröffentlicht. 1716 übersiedelte der Komponist nach Wien, wo er Vize- kapellmeister am Hofe des Kaisers Karl VI. wurde.
Wie eng verbunden Europas Kultur- metropolen seinerzeit waren, das zeigt ein Blick in ihre Kunstsamm- lungen – und in die Archive. Ein Exemplar von Caldaras Motetten beispielweise gelangte nach Dresden, wo Jan Dismas Zelenka die Stücke, teilweise mit neu unterlegten Texten, zum Gebrauch im Rahmen der Fastenpredigten einrichtete.
Sie gehörten wahrscheinlich seit Mitte der 1720er Jahre in Dresden zum Repertoire, das während der vorösterlichen Fastenzeit alljährlich erklang. So dürfte auch Johann Adam Hiller (1728 bis 1804) sie kennengelernt haben, der seine Ausbildung als Kruzianer in Dresden begann. Hiller, der später nach Leipzig ging und letztendlich sogar Thomaskantor wurde, nahm eine dieser Motetten in seine berühmte Sammlung mit auf – was wiederum dazu führte, dass Caldara in die protestantische Kirchenmusik- praxis mit integriert wurde.
Auf dieser CD sind die zehn Motetten komplett zu hören – eindringlich gesungen von Ingeborg Dalheim, Anna Kellnhofer, Sopran, Franz Vitzthum und Alex Potter, Countertenor, Jan Van Elsacker, Tenor, und Florian Götz, Bariton. Begleitet werden die Sänger vom United Continuo Ensemble, bestehend aus Jörg Meder, Violone, Johannes Hämmerle, Orgel, und Thomas C. Boysen, Theorbe, der auch die Leitung dieses Ensembles inne hat.
Kombiniert wurden die Motetten mit Orgelwerken niederländischer und norddeutscher Komponisten älterer Generationen – Matthias Weckmann (1618/19 bis 1674), Franz Tunder (1614 bis 1667) und Jan Pieterszoon Sweelinck (1562 bis 1621). Johannes Hämmerle spielt sie an der histori- schen Orgel des Schlosses Gottorf. Sehr hörenswert!
Wie eng verbunden Europas Kultur- metropolen seinerzeit waren, das zeigt ein Blick in ihre Kunstsamm- lungen – und in die Archive. Ein Exemplar von Caldaras Motetten beispielweise gelangte nach Dresden, wo Jan Dismas Zelenka die Stücke, teilweise mit neu unterlegten Texten, zum Gebrauch im Rahmen der Fastenpredigten einrichtete.
Sie gehörten wahrscheinlich seit Mitte der 1720er Jahre in Dresden zum Repertoire, das während der vorösterlichen Fastenzeit alljährlich erklang. So dürfte auch Johann Adam Hiller (1728 bis 1804) sie kennengelernt haben, der seine Ausbildung als Kruzianer in Dresden begann. Hiller, der später nach Leipzig ging und letztendlich sogar Thomaskantor wurde, nahm eine dieser Motetten in seine berühmte Sammlung mit auf – was wiederum dazu führte, dass Caldara in die protestantische Kirchenmusik- praxis mit integriert wurde.
Auf dieser CD sind die zehn Motetten komplett zu hören – eindringlich gesungen von Ingeborg Dalheim, Anna Kellnhofer, Sopran, Franz Vitzthum und Alex Potter, Countertenor, Jan Van Elsacker, Tenor, und Florian Götz, Bariton. Begleitet werden die Sänger vom United Continuo Ensemble, bestehend aus Jörg Meder, Violone, Johannes Hämmerle, Orgel, und Thomas C. Boysen, Theorbe, der auch die Leitung dieses Ensembles inne hat.
Kombiniert wurden die Motetten mit Orgelwerken niederländischer und norddeutscher Komponisten älterer Generationen – Matthias Weckmann (1618/19 bis 1674), Franz Tunder (1614 bis 1667) und Jan Pieterszoon Sweelinck (1562 bis 1621). Johannes Hämmerle spielt sie an der histori- schen Orgel des Schlosses Gottorf. Sehr hörenswert!
Dienstag, 3. Januar 2017
buxtehude_21 (GP Arts)
Dieterich Buxtehude hat sowohl mit seinem Orgelspiel als auch mit den Abendmusiken, die er von seinem Vorgänger Franz Tunder übernahm und zu einer groß dimensionierten Konzertreihe ausbaute, europäische Musikgeschichte geschrieben. Nicht umsonst ist der junge Johann Sebastian Bach im November (!) bei Wind und Wetter zu Fuß von Arnstadt nach Lübeck gereist, und im Januar, bei sicherlich auch nicht gerade kuschligen Temperaturen, dieselbe Strecke wieder retour. Denn die Abendmusiken fanden an den fünf Sonntagen vor Weihnachten statt, und auch Bachs Orgelwerke bezeugen, wie tief ihn Buxtehude beeindruckt hat.
Bernd Ruf und Franz Danksagmüller spüren auf dieser CD dem nach, was das Werk Buxtehudes bis in die Gegenwart geprägt hat. Der Titel „buxtehude_21 On the bridge“ ist allerdings kurios, zumal das Bild auf dem Cover einen langen Anlegesteg zeigt, der quasi ins Nichts führt. Wenig anfangen kann ich auch mit der Ausdeutung der barocken Werke durch die beiden Lübecker Musikprofessoren. Dazu heißt es auf der CD: „DANKSAGMÜLLER_RUF spielen und forschen mit der Intention, die Wirkung von Barockmusik in der Gegenwart erfahrbar zu machen. Ihre Mittel sind Improvisation, Rekomposition, Live-Elektronik, Historische Aufführungspraxis und Elemente der Neuen Musik. Damit begegnen sie der Original-Partitur, befreien sie von ihrer Patina, offenbaren ihren Kern und setzen sie neu zusammen. Es entsteht ein klangliches Destillat, welches zeitepochales Denken auflöst.“
Fragmente nach Buxtehude, Händel und Tunder, dazu stückweise auch Bach in wabernde Klangwolken zu hüllen und eine Melodiestimme mit dem hier immer weich säuselnden Klang des Sopransaxophons zu versehen, das löst allerdings zunehmend auch meine Entdeckerfreude auf – sie verflüchtigt sich, geschockt von zuviel New Age und zu wenig erkennbarer Restsubstanz. Wenn sich die barocke Musica Poetica in postromantische Musica Empathica wandelt, dann halte ich das für ein großes Missverständnis. Sorry.
Bernd Ruf und Franz Danksagmüller spüren auf dieser CD dem nach, was das Werk Buxtehudes bis in die Gegenwart geprägt hat. Der Titel „buxtehude_21 On the bridge“ ist allerdings kurios, zumal das Bild auf dem Cover einen langen Anlegesteg zeigt, der quasi ins Nichts führt. Wenig anfangen kann ich auch mit der Ausdeutung der barocken Werke durch die beiden Lübecker Musikprofessoren. Dazu heißt es auf der CD: „DANKSAGMÜLLER_RUF spielen und forschen mit der Intention, die Wirkung von Barockmusik in der Gegenwart erfahrbar zu machen. Ihre Mittel sind Improvisation, Rekomposition, Live-Elektronik, Historische Aufführungspraxis und Elemente der Neuen Musik. Damit begegnen sie der Original-Partitur, befreien sie von ihrer Patina, offenbaren ihren Kern und setzen sie neu zusammen. Es entsteht ein klangliches Destillat, welches zeitepochales Denken auflöst.“
Fragmente nach Buxtehude, Händel und Tunder, dazu stückweise auch Bach in wabernde Klangwolken zu hüllen und eine Melodiestimme mit dem hier immer weich säuselnden Klang des Sopransaxophons zu versehen, das löst allerdings zunehmend auch meine Entdeckerfreude auf – sie verflüchtigt sich, geschockt von zuviel New Age und zu wenig erkennbarer Restsubstanz. Wenn sich die barocke Musica Poetica in postromantische Musica Empathica wandelt, dann halte ich das für ein großes Missverständnis. Sorry.
Dienstag, 24. Mai 2016
Buxtehude and his Circle (Dacapo)
Paul Hillier hat sich mit dem Theatre of Voices auf die Suche nach den Spuren von Dieterich Buxtehude be- geben. Der nordddeutsche Orgelvir- tuose war offenbar auch ein außer- ordentlich engagierter Netzwerker. Bedeutende Musikerkollegen, wie Bach und Händel, besuchten ihn in Lübeck und lernten von ihm. Diese CD nun zeigt uns den engeren Kreis um Buxtehude: Der Organist selbst war ein Schüler von Kaspar Förster (1617 bis 1673), auf der CD ebenso vertreten wie Franz Tunder (1614 bis 1667), dessen Tochter Buxtehude heiratete. Auch Vokalwerke von Christian Geist (um 1650 bis 1711), Organist in Kopenhagen, und Buxtehudes Schüler Nicolaus Bruhns (1665 bis 1697), Organist in Husum, erklingen – und natürlich zwei Kantaten von Buxtehude selbst. Die meisten der Kompositionen, die diese CD vorstellt, sind ausgesprochene Raritäten, was den Hörer freut. Allerdings legt Hillier mit seinen Sängern und Instrumentalisten ein erstaunlich flottes Tempo vor; Bruhns' De profundis beispielsweise in knapp zwölf Minuten ist für meinen persönlichen Geschmack etwas zu sportlich.
Mittwoch, 30. Dezember 2015
Die Orgeln der Marienkirche zu Lübeck (Querstand)
Die drei Orgeln der Marienkirche in Lübeck präsentiert Marienorganist Johannes Unger auf einer CD, die im Hause Querstand erschienen ist. Die Lübecker Marienkirche hat nicht nur das mit mehr als 38 Metern höchste Backsteingewölbe der Welt. Die Haupt-Pfarr- kirche der Hansestadt gilt als „Mutterkirche“ der Backsteingotik, und sie beherbergte bereits im 14. Jahrhundert bedeutende Orgeln. Neben der Hauptorgel war besonders die Chororgel, die sogenannte Totentanzorgel, von Bedeu- tung; sie wurde 1477 in der Totentanzkapelle errichtet, anschließend noch mehrfach erwei- tert und im 17. Jahrhundert durch Friedrich Stellwagen repariert. Danach fanden keine großen Umbauten mehr statt – ein Umstand, der die Orgel für die Orgelbewegung sehr interessant machte. So wurde sie 1937 restauriert. Doch das Instrument verbrannte 1942 bei einem Bombenangriff, ebenso wie die Große Orgel und eine weitere, kleinere Orgel auf dem Lettner.
1948 wurde in der sogenannten Briefkapelle, die der Gemeinde als Winterkirche dient und die nach dem Krieg als erster Raum wieder für Gottesdienste nutzbar gemacht wurde, eine kleine Orgel aufgestellt, die aus Ostpreußen stammt. Sie wurde 1723 von Johannes Schwarz erbaut. 1933 erwarb sie der Lübecker Orgelbauer Karl Kemper. Sie stand zunächst in der Katharinenkirche, von wo sie Organist Walter Kraft dann als Übergangs- instrument in die Marienkirche holte. Die kleine einmanualige Barockorgel mit geteilter Lade verfügt über neun Register, wovon aber derzeit nur acht spielbar sind, und einen Cymbelstern. Sie ist hier zum ersten Mal auf CD zu hören.
Die neue Totentanzorgel wurde von der Wilhelmshavener Orgelbaufirma Alfred Führer 1986 erbaut. Das Instrument sollte bewusst kein historisches Vorbild kopieren. Es verfügt bei vier Manualen und Pedal über 56 Register. Unger demonstriert mit dieser Aufnahme, dass an der neuen Totentanz- orgel aufgrund ihrer interessanten Disposition sowohl die Orgelwerke der alten Meister, wie der berühmten Marienorganisten Franz Tunder (1614 bis 1667) und Dieterich Buxtehude (um 1637 bis 1707), als auch Musik der Romantik und Moderne, insbesondere auch aus der französischen Orgel- tradition, bestens gespielt werden können.
Die Große Orgel der Marienkirche wurde durch die Lübecker Orgelbaufirma Kernper & Sohn errichtet und 1968 nach sechsjähriger Bauzeit fertigge- stellt. Zum damaligen Zeitpunkt war sie die größte Orgel der Welt mit mechanischer Traktur, und auch heute noch erscheint dieses Instrument gewaltig. Hundert Register auf fünf Manualen sowie einem Pedal, dass sich in Groß- und Kleinpedal teilt, 8.512 Orgelpfeifen – die größte davon ist über elf Meter lang – sowie diverse Schweller und weitere Spielhilfen eröffnen dem Organisten grandiose klangliche Gestaltungsmöglichkeiten. Unger spielt an der Großen Orgel Präludium und Fuge über BACH von Franz Liszt (1811 bis 1886), die Choralimprovisationen über Nearer, my God, to Thee! von Sigfrid Karg-Elert (1877 bis 1933) und Venus aus der Suite The Planets von Gustav Holst (1874 bis 1934), wobei Unger Orgel- transkriptionen von Arthur Wills und Peter Sykes kombiniert.
1948 wurde in der sogenannten Briefkapelle, die der Gemeinde als Winterkirche dient und die nach dem Krieg als erster Raum wieder für Gottesdienste nutzbar gemacht wurde, eine kleine Orgel aufgestellt, die aus Ostpreußen stammt. Sie wurde 1723 von Johannes Schwarz erbaut. 1933 erwarb sie der Lübecker Orgelbauer Karl Kemper. Sie stand zunächst in der Katharinenkirche, von wo sie Organist Walter Kraft dann als Übergangs- instrument in die Marienkirche holte. Die kleine einmanualige Barockorgel mit geteilter Lade verfügt über neun Register, wovon aber derzeit nur acht spielbar sind, und einen Cymbelstern. Sie ist hier zum ersten Mal auf CD zu hören.
Die neue Totentanzorgel wurde von der Wilhelmshavener Orgelbaufirma Alfred Führer 1986 erbaut. Das Instrument sollte bewusst kein historisches Vorbild kopieren. Es verfügt bei vier Manualen und Pedal über 56 Register. Unger demonstriert mit dieser Aufnahme, dass an der neuen Totentanz- orgel aufgrund ihrer interessanten Disposition sowohl die Orgelwerke der alten Meister, wie der berühmten Marienorganisten Franz Tunder (1614 bis 1667) und Dieterich Buxtehude (um 1637 bis 1707), als auch Musik der Romantik und Moderne, insbesondere auch aus der französischen Orgel- tradition, bestens gespielt werden können.
Die Große Orgel der Marienkirche wurde durch die Lübecker Orgelbaufirma Kernper & Sohn errichtet und 1968 nach sechsjähriger Bauzeit fertigge- stellt. Zum damaligen Zeitpunkt war sie die größte Orgel der Welt mit mechanischer Traktur, und auch heute noch erscheint dieses Instrument gewaltig. Hundert Register auf fünf Manualen sowie einem Pedal, dass sich in Groß- und Kleinpedal teilt, 8.512 Orgelpfeifen – die größte davon ist über elf Meter lang – sowie diverse Schweller und weitere Spielhilfen eröffnen dem Organisten grandiose klangliche Gestaltungsmöglichkeiten. Unger spielt an der Großen Orgel Präludium und Fuge über BACH von Franz Liszt (1811 bis 1886), die Choralimprovisationen über Nearer, my God, to Thee! von Sigfrid Karg-Elert (1877 bis 1933) und Venus aus der Suite The Planets von Gustav Holst (1874 bis 1934), wobei Unger Orgel- transkriptionen von Arthur Wills und Peter Sykes kombiniert.
Montag, 12. Oktober 2015
Abendmusik (Brilliant Classics)
Die Tradition der Abendmusiken entstand in Lübeck. Begründet wurde sie von Franz Tunder (1614 bis 1667), dem Organisten an der Marienkirche. Entstanden ist diese besondere Form des Konzertes aus einer Orgelmusik, die Tunder ab 1646 für die „Commer- zierenden Zünfte“ spielte, bevor diese zur Börse in das nebenan gelegene Rathaus gingen. Später erweiterte Tunder die Besetzung dann um Sing- stimmen und Violinen.
Tunders Nachfolger Dieterich Buxte- hude übernahm die Abendmusiken und baute diese Konzertreihe weiter aus. So wurden auf seinen Wunsch hin sogar Sängeremporen eingebaut, damit Chor und Orchester ausreichend Platz hatten. Bis zu 80 Musiker wirkten damals an diesen Konzerten mit.
Leider ist von den Werken, die Buxtehude für die Abendmusiken geschaffen hat, offenbar kein einziges überliefert worden. Sie sollen eher Oratorien als Kantaten geähnelt haben. Die Zuhörer jedenfalls waren sehr beeindruckt, und so gab es bald auch in anderen Städten ähnliche Veranstaltungen.
Ein Programm mit Kantaten aus jenen frühen Tagen der protestantischen Kirchenmusik hat nun Brilliant Classics vorgelegt. Zu hören ist Bassbari- ton Mario Borgioni – eine wundervolle, ausdrucksstarke Stimme mit satter Tiefe – gemeinsam mit dem italienischen „Alte“-Musik-Ensemble Accademia Hermans. Es erklingen ausgewählte Vokalwerke von Johann Christoph Bach (1642 bis 1703), Franz Tunder, Matthias Weckmann (um 1616 bis 1674), Johann Rosenmüller (1619 bis 1684), und Nicolaus Bruhns (1665 bis 1697), Buxtehudes Lieblingsschüler, sowie Instrumentalmusik von Johann Philipp Krieger (1649 bis 1725) und dem Hamburger Rats- musiker Johann Schop (1660 bis 1741). Die Aufnahmen entstanden im April 2014 in der Stiftskirche von Santa Maria Maggiore im italienischen Collescipoli.
Tunders Nachfolger Dieterich Buxte- hude übernahm die Abendmusiken und baute diese Konzertreihe weiter aus. So wurden auf seinen Wunsch hin sogar Sängeremporen eingebaut, damit Chor und Orchester ausreichend Platz hatten. Bis zu 80 Musiker wirkten damals an diesen Konzerten mit.
Leider ist von den Werken, die Buxtehude für die Abendmusiken geschaffen hat, offenbar kein einziges überliefert worden. Sie sollen eher Oratorien als Kantaten geähnelt haben. Die Zuhörer jedenfalls waren sehr beeindruckt, und so gab es bald auch in anderen Städten ähnliche Veranstaltungen.
Ein Programm mit Kantaten aus jenen frühen Tagen der protestantischen Kirchenmusik hat nun Brilliant Classics vorgelegt. Zu hören ist Bassbari- ton Mario Borgioni – eine wundervolle, ausdrucksstarke Stimme mit satter Tiefe – gemeinsam mit dem italienischen „Alte“-Musik-Ensemble Accademia Hermans. Es erklingen ausgewählte Vokalwerke von Johann Christoph Bach (1642 bis 1703), Franz Tunder, Matthias Weckmann (um 1616 bis 1674), Johann Rosenmüller (1619 bis 1684), und Nicolaus Bruhns (1665 bis 1697), Buxtehudes Lieblingsschüler, sowie Instrumentalmusik von Johann Philipp Krieger (1649 bis 1725) und dem Hamburger Rats- musiker Johann Schop (1660 bis 1741). Die Aufnahmen entstanden im April 2014 in der Stiftskirche von Santa Maria Maggiore im italienischen Collescipoli.
Montag, 25. März 2013
Mein Herz ist bereit (Rondeau)
Wenn wir heute über norddeutsche Barockmusik reden, dann meinen wir in erster Linie die Werke der Komponistengenerationen zwi- schen Heinrich Schütz und Johann Sebastian Bach.
Wie stark sie Traditionen kreativ weiterentwickelt hat, das zeigt die vorliegende CD, die im September 2011 in St. Wilhadi zu Stade auf- gezeichnet wurde. Dort befindet sich eine prachtvolle Orgel, die der ortsansässige Orgelbauer Erasmus Bielfeldt in den Jahren 1731 bis 1735 errichtet hat. 1990 wurde sie durch die Orgelbauwerkstatt Jürgen Ahrend restauriert.
Wie stark sie Traditionen kreativ weiterentwickelt hat, das zeigt die vorliegende CD, die im September 2011 in St. Wilhadi zu Stade auf- gezeichnet wurde. Dort befindet sich eine prachtvolle Orgel, die der ortsansässige Orgelbauer Erasmus Bielfeldt in den Jahren 1731 bis 1735 errichtet hat. 1990 wurde sie durch die Orgelbauwerkstatt Jürgen Ahrend restauriert.
An diesem hochbarocken Instrument spielt der Stader Kirchenmusik- direktor und Organist Hauke Ramm Orgelwerke von Georg Böhm (1661 bis 1733) und Dieterich Buxtehude (1637 bis 1707). Sie bilden einen beeindruckenden Rahmen für eine Reihe von Solokantaten, die Bassbariton Gotthold Schwarz gemeinsam mit Solisten des Sächsi- schen Barockorchesters vorträgt.
In ihrer Werkauswahl zeigen die Musiker geschickt auch Verbin- dungslinien auf. So hatte Franz Tunder (1614 bis 1667), der Vor- gänger Dieterich Buxtehudes im Amt dies Organisten an der Lübecker Marienkirche, sogenannte Abendmusiken neu eingeführt. Welche Musik dort erklang, das wird anhand der Kantate O Jesu dulcissime demonstriert. Buxtehude führte diese Tradition fort - und erweiterte zugleich die Besetzung, wie an Ich bin die Auferstehung und das Leben hörbar wird.
Nicolaus Bruhns (1665 bis 1697) gilt als Lieblingsschüler Buxte- hudes; er kam als 16jähriger nach Lübeck, um durch seinen Onkel, einen Ratsmusiker, auf Geige und Gambe unterwiesen zu werden. Bruhns wurde das jüngste Mitglied der Lübecker Violinisten, ging dann als Organist an den königlichen Hof nach Kopenhagen und wechselte 1689 an die Husumer Stadtkirche. Es wird vermutet, dass Bruhns die beiden Kantaten, mit denen er auf dieser CD vertreten ist, für Kantor Georg Ferber geschrieben hat, der hervorragend gesungen haben soll.
Vokalwerke von Schütz' Meisterschüler Christoph Bernhard und von Georg Philipp Telemann runden das Bild; sie wirkten beide als Kantor am Johanneum und Musikdirektor der Stadt Hamburg - und fügten den Anregungen, die sie durch ihre Ausbildung in Sachsen erhalten hatten, etliche stilistische Eigenheiten hinzu, die wir heute als typisch norddeutsch bezeichnen.
Doch wer diese CD anhören möchte, der muss sich mit solchen Über- legungen gar nicht plagen. Man kann sich auch entspannt zurück- lehnen und genießen - Gratulation zu dieser klangschönen, rundum gelungenen CD!
In ihrer Werkauswahl zeigen die Musiker geschickt auch Verbin- dungslinien auf. So hatte Franz Tunder (1614 bis 1667), der Vor- gänger Dieterich Buxtehudes im Amt dies Organisten an der Lübecker Marienkirche, sogenannte Abendmusiken neu eingeführt. Welche Musik dort erklang, das wird anhand der Kantate O Jesu dulcissime demonstriert. Buxtehude führte diese Tradition fort - und erweiterte zugleich die Besetzung, wie an Ich bin die Auferstehung und das Leben hörbar wird.
Nicolaus Bruhns (1665 bis 1697) gilt als Lieblingsschüler Buxte- hudes; er kam als 16jähriger nach Lübeck, um durch seinen Onkel, einen Ratsmusiker, auf Geige und Gambe unterwiesen zu werden. Bruhns wurde das jüngste Mitglied der Lübecker Violinisten, ging dann als Organist an den königlichen Hof nach Kopenhagen und wechselte 1689 an die Husumer Stadtkirche. Es wird vermutet, dass Bruhns die beiden Kantaten, mit denen er auf dieser CD vertreten ist, für Kantor Georg Ferber geschrieben hat, der hervorragend gesungen haben soll.
Vokalwerke von Schütz' Meisterschüler Christoph Bernhard und von Georg Philipp Telemann runden das Bild; sie wirkten beide als Kantor am Johanneum und Musikdirektor der Stadt Hamburg - und fügten den Anregungen, die sie durch ihre Ausbildung in Sachsen erhalten hatten, etliche stilistische Eigenheiten hinzu, die wir heute als typisch norddeutsch bezeichnen.
Doch wer diese CD anhören möchte, der muss sich mit solchen Über- legungen gar nicht plagen. Man kann sich auch entspannt zurück- lehnen und genießen - Gratulation zu dieser klangschönen, rundum gelungenen CD!
Samstag, 2. März 2013
Schätze aus Uppsala (Raumklang)
Die Musikaliensammlung des Hofkapellmeisters Gustaf Düben befindet sich heute in der Uni- versitätsbibliothek Uppsala. Die Familie Düben war eine Musiker- dynastie, die über hundert Jahre das Musikleben am schwedischen Hof mit geprägt hat. Begründet wurde sie von Andreas Düben (um 1597 bis 1662), der aus der Umgebung von Leipzig stammte und ein Schüler Sweelincks war. Anlässlich der Hochzeit des schwedischen Königs Gustaf II. Adolf wurde er für die neu gegründete Hofkapelle "eingekauft" - und blieb. Sein Sohn Gustaf Düben (1624 bis 1690) wurde dann sein Nachfolger, sowohl im Hofkapellmeisteramt als auch als Organist der Deutschen Kirche in Stockholm. Er trug den größten Teil der Notensammlung zusammen, die später seinen Namen tragen sollte. Sein Sohn Anders von Düben (1673 bis 1738) folgte dem Vater im Amt nach, und führte auch die Sammlung weiter. Als er andere Aufgaben bei Hofe übernahm, übergab er die Musikalien der Hoch- schule.
Dort wurde die Kollektion, die auf gut 30.000 handschriftlichen Seiten und einigen Drucken um die 2.300 Werke des 17. und frühen 18. Jahrhunderts umfasst, auf einem Dachboden eingelagert und vergessen. Wiederentdeckt wurde sie erst über 150 Jahre später - und mit großer Freude erschlossen. Denn Vater und Sohn hatten sowohl Musik aus dem Ostseeraum als auch Werke aus Frankreich, Italien und England zusammengetragen. Etliches davon ist heute nur noch in dieser Sammlung zu finden.
Welche Schätze die Sammlung Düben birgt, das zeigt die vorliegende CD, die einige dieser Werke vorstellt. Darunter ist Musik von Kaspar Förster (1616 bis 1673), der zwischen Italien und dem Baltikum regelrecht pendelte, von Marco Giuseppe Peranda (um 1625 bis 1675), der um 1650 von Rom nach Dresden ging, wo er Schütz' Nachfolger als Hofkapellmeister wurde, oder von Franz Tunder (1614 bis 1667). Die Namen der anderen Komponisten sind noch weniger geläufig; sie gehören aber durchweg der Generation zwischen Schütz und Buxtehude an. Und genau so klingt auch ihre Musik. Wolf Matthias Friedrich singt diese Raritäten mit ebenso sonorem wie beweglichem Bass; und auch Les Cornets Noirs erweisen sich einmal mehr als herausragende Interpreten "Alter" Musik. Das Programm, das die Musiker zusammengestellt haben, ist abwechslungsreich und ausgewogen. Und die CD ist insgesamt derart klangschön und gelungen, dass sie nicht nur Freunde der "Alten" Musik faszinieren wird.
Dort wurde die Kollektion, die auf gut 30.000 handschriftlichen Seiten und einigen Drucken um die 2.300 Werke des 17. und frühen 18. Jahrhunderts umfasst, auf einem Dachboden eingelagert und vergessen. Wiederentdeckt wurde sie erst über 150 Jahre später - und mit großer Freude erschlossen. Denn Vater und Sohn hatten sowohl Musik aus dem Ostseeraum als auch Werke aus Frankreich, Italien und England zusammengetragen. Etliches davon ist heute nur noch in dieser Sammlung zu finden.
Welche Schätze die Sammlung Düben birgt, das zeigt die vorliegende CD, die einige dieser Werke vorstellt. Darunter ist Musik von Kaspar Förster (1616 bis 1673), der zwischen Italien und dem Baltikum regelrecht pendelte, von Marco Giuseppe Peranda (um 1625 bis 1675), der um 1650 von Rom nach Dresden ging, wo er Schütz' Nachfolger als Hofkapellmeister wurde, oder von Franz Tunder (1614 bis 1667). Die Namen der anderen Komponisten sind noch weniger geläufig; sie gehören aber durchweg der Generation zwischen Schütz und Buxtehude an. Und genau so klingt auch ihre Musik. Wolf Matthias Friedrich singt diese Raritäten mit ebenso sonorem wie beweglichem Bass; und auch Les Cornets Noirs erweisen sich einmal mehr als herausragende Interpreten "Alter" Musik. Das Programm, das die Musiker zusammengestellt haben, ist abwechslungsreich und ausgewogen. Und die CD ist insgesamt derart klangschön und gelungen, dass sie nicht nur Freunde der "Alten" Musik faszinieren wird.
Samstag, 3. November 2012
Dietrich Fischer-Dieskau sings baroque arias (Hänssler)
Das ist eine interessante CD - und dies wiederum liegt nicht nur an dem wie üblich phänomenalen Gesang von Dietrich Fischer-Dieskau, sondern durchaus auch an dem Repertoire, mit dem der berühmte Bariton zu hören ist.
Es handelt sich hier nämlich keineswegs um ein Album mit Barockarien. Auf dieser CD hat Hänssler Classic vielmehr Mit- schnitte von Kantaten zusammen- gefasst, die durchweg als Raritäten gelten können. Sie stammen von Gottfried Heinrich Stölzel, Adam Krieger, Franz Tunder, seinem Schwiegersohn und Amtsnachfolger Dietrich Buxtehude sowie Buxtehudes Lieblingsschüler Nikolaus Bruhns.
Entstanden sind diese Aufnahmen auf Initiative des Chordirigenten August Langenbeck, der die Redaktion "Geistliche Musik" beim Süddeutschen Rundfunk in Stuttgart betreute. In den 50er Jahren lud er den Sänger mehrfach zu Produktionen ein - und Fischer-Dieskau widmete sich offenbar gern den Pretiosen, die Langenbeck für diese Projekte ausgesucht hat. Gemeinsam mit den Cembalisten Lisedore Praetorius, Hermann Werdermann und Karl Gerok sowie einzelnen Musikern des Südfunk-Sinfonieorchesters hat er diese Kantaten mit großer Sorgfalt im Detail erarbeitet - und gelangte so zugleich zu einer beeindruckenden Ausdrucksstärke; man höre nur Stölzels Aus der Tiefe rufe ich, Herr, zu dir oder Bruhns' Erstanden ist der heilige Christ. Bei einigen Kantaten singt Fischer-Dieskau gemeinsam mit Helmut Krebs, seinerzeit ein bekannter Bach-Tenor, und mit der Mezzosopranistin Erika Winkler. Bedenkt man, dass diese Aufnahmen durchweg weit vor den ersten Versuchen, historische Aufführungs- praxis zu rekonstruieren, entstanden sind, dann wird man das Ergeb- nis sehr beachtlich finden.
Es handelt sich hier nämlich keineswegs um ein Album mit Barockarien. Auf dieser CD hat Hänssler Classic vielmehr Mit- schnitte von Kantaten zusammen- gefasst, die durchweg als Raritäten gelten können. Sie stammen von Gottfried Heinrich Stölzel, Adam Krieger, Franz Tunder, seinem Schwiegersohn und Amtsnachfolger Dietrich Buxtehude sowie Buxtehudes Lieblingsschüler Nikolaus Bruhns.
Entstanden sind diese Aufnahmen auf Initiative des Chordirigenten August Langenbeck, der die Redaktion "Geistliche Musik" beim Süddeutschen Rundfunk in Stuttgart betreute. In den 50er Jahren lud er den Sänger mehrfach zu Produktionen ein - und Fischer-Dieskau widmete sich offenbar gern den Pretiosen, die Langenbeck für diese Projekte ausgesucht hat. Gemeinsam mit den Cembalisten Lisedore Praetorius, Hermann Werdermann und Karl Gerok sowie einzelnen Musikern des Südfunk-Sinfonieorchesters hat er diese Kantaten mit großer Sorgfalt im Detail erarbeitet - und gelangte so zugleich zu einer beeindruckenden Ausdrucksstärke; man höre nur Stölzels Aus der Tiefe rufe ich, Herr, zu dir oder Bruhns' Erstanden ist der heilige Christ. Bei einigen Kantaten singt Fischer-Dieskau gemeinsam mit Helmut Krebs, seinerzeit ein bekannter Bach-Tenor, und mit der Mezzosopranistin Erika Winkler. Bedenkt man, dass diese Aufnahmen durchweg weit vor den ersten Versuchen, historische Aufführungs- praxis zu rekonstruieren, entstanden sind, dann wird man das Ergeb- nis sehr beachtlich finden.
Sonntag, 10. April 2011
Stellwagen-Orgel (1659) zu St. Marien Stralsund; Rost (MDG)
Wie köstlich! Eine Orgel-CD, die mit dem Signal des Calcantenglöck- chens beginnt, gefolgt vom Atem- geräusch der Balganlage - das ist geradezu nostalgisch. Und im Beiheft liest man dann, das den Orgelwind für dieses Orgelporträt tatsächlich "statt des Orgelmotors in authentischer Weise die durch Calcanten betätigten 12 Keilbälge" geliefert haben. Und auch sonst stellt man bald fest, dass hier durchweg sachkundige Hände am Werk waren.
Martin Rost ist ohne Zweifel einer der profiliertesten Organisten und Orgelsachverständigen seiner Generation. Er setzt sich seit vielen Jahren für die Restaurierung historischer Orgeln ein, und hat bislang mehr als 80 derartige Projekte fachlich begleitet. Ihm verdanken wir zudem die Wiederentdeckung der verloren geglaubten Archivalien über den Bau der Stellwagen-Orgel der Marienkirche in Stralsund. Eine sorgfältige Bestandsaufnahme sowie vergleichende Unter- suchungen an weiteren Orgeln ermöglichte die Restaurierung dieses kostbaren Instrumentes in den Jahren 2003 bis 2008 - mit dem Ziel der Wiederherstellung des Orgelwerkes in dem Zustand, in dem der Orgelbauer es einst an die Kirchgemeinde übergeben hatte.
Der Lübecker Friedrich Stellwagen (1603 bis 1660) hat in der Stral- sunder Marienkirche sein größtes und wohl auch schönstes Instru- ment errichtet. Wenige Monate vor seinem Tod, im Oktober 1659, vollendet, war es mit 51 klingenden Registern, verteilt auf Hauptwerk, Oberpositiv, Rückpositiv und Pedal Höhepunkt und Abschluss seines Lebenswerkes. Durch Kriegsgeschehen, nicht immer sachgemäße Umbauten und mangelhafte Instandhaltung erlitt die Stellwagen-Orgel im Laufe der Jahrhunderte etliche Blessuren. 1943 wurde sie aus der Kirche entfernt, und in einem Gutshaus eingelagert. Während St. Marien den Krieg ohne Schäden überstand, lässt sich das von der Orgel nicht gerade sagen. Dennoch erreichte der damalige Organist Dr. Dietrich W. Prost in den 50er Jahren die Wiederherstellung des Instrumentes.
Die Stellwagen-Orgel ist letztendlich die einzige große Barockorgel, die in einer der norddeutschen Backstein-Basiliken erhalten geblieben ist. In Werkaufbau und Klangkonzept gleicht sie ihren berühmten Schwestern in der Lübecker Marienkirche und der Hamburger Katharinenkirche, die heute beide nicht mehr existieren. Martin Rost hat für sein Orgelporträt neben Werken Dietrich Buxtehudes, der als Inbegriff norddeutscher Orgelkunst gilt, auch die seiner Vorgänger Peter Hasse, Franz Tunder, sowie seiner Schüler Nicolaus Bruhns, Johann Sebastian Bach und Christian Schiefferdecker ausgewählt. Daran demonstriert er einerseits die Klangvarianten und Möglich- keiten der Stellwagen-Orgel; andererseits aber auch die Entwicklung der Orgelmusik innerhalb von gut hundert Jahren. Eine rundum gelungene CD, die einen beeindruckenden Klangeindruck vermittelt.
Martin Rost ist ohne Zweifel einer der profiliertesten Organisten und Orgelsachverständigen seiner Generation. Er setzt sich seit vielen Jahren für die Restaurierung historischer Orgeln ein, und hat bislang mehr als 80 derartige Projekte fachlich begleitet. Ihm verdanken wir zudem die Wiederentdeckung der verloren geglaubten Archivalien über den Bau der Stellwagen-Orgel der Marienkirche in Stralsund. Eine sorgfältige Bestandsaufnahme sowie vergleichende Unter- suchungen an weiteren Orgeln ermöglichte die Restaurierung dieses kostbaren Instrumentes in den Jahren 2003 bis 2008 - mit dem Ziel der Wiederherstellung des Orgelwerkes in dem Zustand, in dem der Orgelbauer es einst an die Kirchgemeinde übergeben hatte.
Der Lübecker Friedrich Stellwagen (1603 bis 1660) hat in der Stral- sunder Marienkirche sein größtes und wohl auch schönstes Instru- ment errichtet. Wenige Monate vor seinem Tod, im Oktober 1659, vollendet, war es mit 51 klingenden Registern, verteilt auf Hauptwerk, Oberpositiv, Rückpositiv und Pedal Höhepunkt und Abschluss seines Lebenswerkes. Durch Kriegsgeschehen, nicht immer sachgemäße Umbauten und mangelhafte Instandhaltung erlitt die Stellwagen-Orgel im Laufe der Jahrhunderte etliche Blessuren. 1943 wurde sie aus der Kirche entfernt, und in einem Gutshaus eingelagert. Während St. Marien den Krieg ohne Schäden überstand, lässt sich das von der Orgel nicht gerade sagen. Dennoch erreichte der damalige Organist Dr. Dietrich W. Prost in den 50er Jahren die Wiederherstellung des Instrumentes.
Die Stellwagen-Orgel ist letztendlich die einzige große Barockorgel, die in einer der norddeutschen Backstein-Basiliken erhalten geblieben ist. In Werkaufbau und Klangkonzept gleicht sie ihren berühmten Schwestern in der Lübecker Marienkirche und der Hamburger Katharinenkirche, die heute beide nicht mehr existieren. Martin Rost hat für sein Orgelporträt neben Werken Dietrich Buxtehudes, der als Inbegriff norddeutscher Orgelkunst gilt, auch die seiner Vorgänger Peter Hasse, Franz Tunder, sowie seiner Schüler Nicolaus Bruhns, Johann Sebastian Bach und Christian Schiefferdecker ausgewählt. Daran demonstriert er einerseits die Klangvarianten und Möglich- keiten der Stellwagen-Orgel; andererseits aber auch die Entwicklung der Orgelmusik innerhalb von gut hundert Jahren. Eine rundum gelungene CD, die einen beeindruckenden Klangeindruck vermittelt.
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