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Samstag, 1. Februar 2020

Bach: Trumpet Concertos (Berlin Classics)

Wie würde das klingen, wenn Johann Sebastian Bach Trompetenkonzerte geschrieben hätte? 
Matthias Höfs hat es ausprobiert – und sechs bekannte Konzerte des berühmten Barockmusikers für Trompete adaptiert. So erklingt das Konzert BWV 974, nach Alexandro Marcello, ursprünglich für Oboe, aber bei Bach mit einem reich ausgezierten langsamen Satz – denn auf dem Cembalo lassen sich Töne nicht gut lang aushalten. Höfs spielt mit seiner Piccolotrompete Bachs Fassung: „Das fand ich sehr reizvoll“, meint der Musiker: „Es sind sehr berühmte Verzierungen.“ 
Das Concerto nach Italiaenischem Gusto BWV 971, entstanden für Cembalo solo, hat Höfs in seiner Bearbeitung des ersten Satzes quasi nachträglich orchestriert. Kontraste und Klangeffekte, wie sie Bach mit den Manualen und Registern seines Cembalos erzielen konnte, liefert hier das Streicher-Tutti – eine attraktive Variante, die auch Bach sicherlich gefallen hätte. 
Der Thomaskantor bearbeitete seinerzeit selbst seine Konzerte, um sie an die zur Verfügung stehenden Instrumente anzupassen. Für die wöchentlichen Auftritte mit dem Collegium musicum im Zimmermannschen Kaffeehaus setzte er besonders auf das Cembalo. Aus Bachs Arrangements wurden mittlerweile etliche Konzerte rekonstruiert, die ursprünglich offenbar für eine ganz andere Besetzung geschrieben wurden. 
Höfs erkundet nun gemeinsam mit der Deutschen Kammerphilharmonie Bremen, ob diesen Konzerten nicht auch Blechbläserglanz steht. Die Musiker um Konzertmeisterin Sarah Christian waren ihm dabei inspirierende Partner. So kann der Trompeter mit diesem Album auch Skeptiker überzeugen: Es funktioniert, dank der Möglichkeiten des modernen Instrumentes, und auch deshalb, weil Matthias Höfs es wirklich großartig spielt. 
Man kommt aus dem Staunen gar nicht heraus. Denn der Musiker beeindruckt nicht nur durch technische Perfektion, sondern auch durch seinen betörend schönen, enorm wandlungsfähigen Ton und durch grandiose Stilsicherheit. „Die Solopartien der Vivaldi-Konzerte kann man zwar fast im Original spielen, aber mir waren manche Repetitionspassagen zu gleichförmig“, sagt der Trompeter. „Schon Bach hat einige figuriert. Ich habe den Solopart etwas freier gestaltet.“ Und wie! Unbedingt anhören, es lohnt sich.

Mittwoch, 6. Dezember 2017

Telemann: Trompetenkonzerte (Berlin Classics)

Auch wenn diese CD eigentlich keine Aufnahme speziell für Weihnachten ist, verbreitet sie doch festlichen Glanz. Trompeter Matthias Höfs möchte damit Georg Philipp Telemann (1681 bis 1767) ehren, dessen Todestag sich 2017 zum zweihundertfünfzigsten Male jährt. Er wirkte mehr als 50 Jahre als Director Musices in Hamburg, und trug mit seinem Schaffen wesentlich dazu bei, dass die Hansestadt auch eine Musikstadt von hohem Renommée wurde. 
„Wir kennen die unglaublichen Trompetenpartien in den Werken von Bach, Händel und Vivaldi, wie dem Weihnachtsoratorium, der h-Moll-Messe und dem Messias, in den geistlichen Werken meist in D-Dur, als Ausdruck der Verbindung mit dem Göttlichen“, schreibt Höfs. „In der Riege der Barockkomponisten nimmt Telemann eine für uns Trompeter besondere Stellung ein, denn weder Bach noch Händel haben der Trompete ein Solokonzert gewidmet. Telemann komponierte gleich drei fantastische Trompetenkonzerte und eine Sonate, die für mich zu den schönsten überhaupt zählen.“ 
Auf dieser CD sind sie alle zu hören, eingespielt von Matthias Höfs mit der Deutschen Kammerphilharmonie Bremen. Dieses Ensemble erweist sich als genialer Musizierpartner, der mit Präzision und atemberaubender Transparenz gemeinsam mit dem Solisten konzertiert. Sowohl Höfs als auch das Kammerorchester spielen mit hinreißender Leichtigkeit und Sinn für Klangeffekte und Auszierungen. 
Musiziert wird auf modernen Instrumenten. Das ermöglicht die Ergän- zung des Programmes um zwei Sonaten in h-Moll bzw. g-Moll – was eine ebenso angenehme wie anspruchsvolle Abwechslung zum Dauer-D-Dur mit sich bringt. Auch diese werden exquisit musiziert – eine glanzvolle Einspielung, die dem Telemann-Jahr 2017 ein würdiges Finale setzt. 

Samstag, 14. Februar 2015

Martin Fröst - Mozart (BIS Records)

Schon einmal hatte Martin Fröst das Klarinettenkonzert von Wolfgang Amadeus Mozart eingespielt. Die Aufnahme, 2002 erschienen, gehört bis heute bei BIS zu den Bestsellern – und der Katalog dieses Labels ist wahrlich geprägt durch exzellente Musiker und herausragende Interpretationen. Was also veranlasst Fröst dazu, ein solches Werk noch einmal anzugehen? Nun – zum einen gibt es ganz sicher nichts, was man nicht letztendlich gern noch besser machen möchte. Und aus der Erfah- rung sowie aus dem gemeinsamen Musizieren heraus ergeben sich auch neue Ideen. Die Deutsche Kammer- philharmonie Bremen jedenfalls, die Fröst gleich selbst dirigierte, agiert sehr sensibel und feinsinnig. 
Bei der Auswahl der Noten entschied sich Fröst zudem für eine Variante, die dem (verlorenen) Original, das Mozart einst für Anton Stadler komponierte, möglicherweise am nächsten kommt. Genutzt wurde nicht die übliche Version, die dem Tonumfang der A-Klarinette angepasst ist. Fröst spielt statt dessen die moderne Rekonstruktion einer Bassettklari- nette. Für dieses tiefere Instrument aus der Klarinettenfamilie ist das Werk einst entstanden, und es ergibt sich natürlich ein anderes Klangbild, wenn nicht ganze Passagen hochoktaviert gespielt werden müssen. Fröst musiziert mit wundervollem, samtweichem Ton und perfekter sanglicher Phrasierung. 
Da das Klarinettenkonzert, Mozarts letztes Instrumentalkonzert, leider ein Solitär ist, hat Fröst die CD durch das Kegelstatt-Trio und das selten zu hörende Allegro für Klarinette und Streichquartett komplettiert. Dafür hat sich der Klarinettist die Mitwirkung namhafter Musikerkollegen gesichert. Sie waren ganz sicher auch beim kritischen Blick auf die Partitur inspi- rierende Partner. Das Trio für Klarinette, Viola und Piano KV 498 gestaltet Fröst gemeinsam mit Antoine Tamestit, Viola, und Leif Ove Andsnes am Klavier als intime Miniatur, wie einen Blick in einen Wiener Salon mit seiner gepflegten Konversation. 
Das Allegro für Klarinette und Streichquartett B-Dur ist eigentlich ein Fragment; Robert Levin hat das Werk in den 60er Jahren kunstvoll ergänzt, so dass es gespielt werden kann. Fröst musiziert hier mit einem wirklich hochkarätig besetzten Streichquartett zusammen: Zu hören sind Janine Jansen und Boris Brovtsyn, Violine, Maxim Rysanov, Viola und Torleif Thedéen, Violoncello. Faszinierend!

Dienstag, 25. Juni 2013

Vivaldi: Le Quattro Stagioni - La Follia (Coviello Classics)

Mit über hundert Einspielungen im Katalog gehören Vivaldis Vier Jahreszeiten zu den beliebtesten Werken der „klassischen“ Musik überhaupt. Warum also noch eine weitere Aufnahme auf den Markt bringen? 
„Der Schwerpunkt unseres Ansat- zes liegt also auf dem Erzählenden, auf Basis unseres Wissens um historische Aufführungspraxis, ergänzt um ein freies, intuitives Klangempfinden und Gesanglich- keit“, begründet Daniel Sepec im Beiheft, warum er gemeinsam mit der Deutschen Kammerphilhar- monie Bremen dennoch eine eigene Version vorstellt. Der Geiger, der für seine Interpretation von Bibers Rosenkranzsonaten bereits den Jahrespreis der deutschen Schallplattenkritik erhalten hat, setzt auf Klangbilder. So sollen Harfe, Cembalo und Laute im langsamen Satz des Konzertes L'Autunno einen „vernebelten Klang“ erzeugen, denn die Dorfbewohner liegen alkoholisiert herum. Der Betrunkene im ersten Satz wird durch unrhythmisches Spiel vorgeführt. Wer freilich die Geschichte kennt, die Vivaldi in seiner Musik erzählt, der kann leicht zu der Meinung gelangen, dass hier mitunter überzeichnet wird. 
Die Einspielung hat allerdings durchaus auch interessante Aspekte. Denn Sepec verwendet nicht die übliche, 1725 in Amsterdam im Druck erschienene Version als Quelle, sondern eine Fassung, die sich im sogenannten Manchester-Manuskript findet. Spannend ist diese Variante, weil sie offenbar älter ist als der Druck – und weil sie in etlichen Details abweicht. Insgesamt wirkt diese Version farbiger, runder, fertiger; das macht diese Aufnahme sehr reizvoll. 
Auch die Zugabe wird dem Hörer Freude bereiten: Sepec spielt ge- meinsam mit Florian Donderer La Follia, eine nicht ganz brave Sonate für zwei Violinen und Basso continuo. Um den Charakter dieses Werkes – Follia bedeutet soviel wie Verrücktheit oder Wahn- sinn – hervorzuheben, haben die Musiker das Continuo verstärkt, und Schlagwerk hinzugefügt. Das passt sehr schön, aber es  reicht letzten Endes doch nicht ganz bis zur Ekstase. 

Sonntag, 14. Februar 2010

Haydn: Cellokonzerte 1&2, Kraft Cellosonate (Berlin Classics)

"Keiner kann alles: schäkern und erschüttern, Lachen erregen und tiefe Rührung, und alles gleich gut als Haydn." Dieser Ausspruch Mozarts mag insbesondere für das D-Dur-Cellokonzert gelten.
Es verweist in seiner formalen Brillanz bereits auf die Klassik - und enthält, bei aller Dramatik, doch so manche galante Wendung, manches Augenzwinkern.
Jens Peter Maintz lässt dieses Werk, das bis heute im Konzertsaal zu den Standards gehört, auf das C-Dur-Konzert Haydns folgen - und überrascht zwischendurch noch mit einer Ersteinspielung: Die Cellosonate op. 2/2 von Anton Kraft zeigt uns jenen Cellisten, der zwölf Jahre lang als erster Violoncellist in der von Haydn geleiteten Hofkapelle Esterházys wirkte - und für den wohl auch Haydns D-Dur-Konzert geschrieben worden ist. Er war ein hochgeschätzter Instrumentalsolist, und er hatte Kompositions-unterricht bei Haydn. 
Seine Sonate erweist sich als ein ebenso virtuoses wie kraftvolles Stück, ganz in der Tradition der barocken Continuo-Sonate. Maintz hat das Continuo hier lediglich mit einem zweiten Cello besetzt;  ihm sekundiert sehr solide Dávid Adorján. Die Konzerte begleitet die Deutsche Kammerphilharmonie Bremen, die dabei hörbar den Vorstellungen des Solisten folgt: Kein romantisches Pathos, kein Vibrato; hier wird behende musiziert, nicht wuchtig. Das bringt mitunter Probleme. Denn in den Kadenzen, die Maintz auswählte, erweist er seinen Vorbildern und Lehrern Referenz. Das passt nicht immer zu seinem ansonsten so leichtfüßigen und beschwingten Vortrag. Er interpretiert die Stücke mit hellem, sanften Ton - sehr gediegen, sehr elegant, aber mitunter ein bisschen langweilig.