Auf der sogenannten Kavalierstour reisten einstmals Sprösslinge aus gutem Hause quer durch Europa. Die angehenden Regenten lernten dabei fremde Sprachen und fremde Sitten kennen; sie erlebten allerlei Abenteuer und erhielten weltmännischen Schliff.
Sonntag, 3. Oktober 2021
Grand Tour (Genuin)
Auf der sogenannten Kavalierstour reisten einstmals Sprösslinge aus gutem Hause quer durch Europa. Die angehenden Regenten lernten dabei fremde Sprachen und fremde Sitten kennen; sie erlebten allerlei Abenteuer und erhielten weltmännischen Schliff.
Sonntag, 5. September 2021
Stille Klagen (Passacaille)
Buße, Reue und Erlösung stehen im Zentrum der vorliegenden CD. Für diese Aufnahme haben Griet de Geyter und das Ensemble Il Gardellino drei Kantaten aus der Barockzeit ausgewählt: Dieterich Buxtehude vertonte für O dulcis Jesu BuxWV 83 einen Text, der dem Zisterzienser Bernhard von Clairvaux zugeschrieben wird. Ein Bußpsalm ist die Textgrundlage für Georg Philipp Telemanns Ach Herr, strafe mich nicht TWV 7:2. Johann Sebastian Bachs Kantate Mein Herze schwimmt im Blut BWV 199 wiederum basiert auf dem biblischen Gleichnis vom Pharisäer und dem Zöllner.
Es ist durchaus möglich, dass die alten Texte einen Menschen heutzutage zunächst wenig ansprechen; zu fremd erscheint ihr Ausdruck, überwältigend oft ihre Metaphernwelt. Desto beredter kann allerdings die Musik wirken, die in ihrer emotionalen Kraft die Botschaft des Textes quasi übersetzt. Die Musiker von Il Gardellino sowie Organist Leo van Doeselaar bringen den schlanken, klaren Sopran von Griet de Geyter exquisit zur Geltung. Besonders schön erklingt die Gesangsstimme dabei im Duett mit der Oboe von Marcel Ponseele (Telemann) bzw. Lidewei De Sterck (Bach). Zum Programm gehören zudem eine Buxtehude-Sonate und zwei Orgelwerke von Johann Sebastian Bach, ebenfalls hinreißend musiziert. Bravi!
Samstag, 10. Juli 2021
Telemann: Miriways (Pentatone)
Für seine Oper Miriways (1728) wählte Georg Philipp Telemann (1681 bis 1767) als Schauplatz die Provinz Kandahar. Sie gehörte einst zu Persien, was aber 1722 auf einem Schlachtfeld bei Isfahan von den Afghanen besiegt worden war. Zeitungen in ganz Europa berichteten darüber, und die Leser zeigten sich fasziniert.
Der Orient erschien verlockend, und das Exotische war in Mode – also wurde es auch auf die Opernbühne gebracht. Johann Samuel Müller, eigentlich Lehrer, aber auch ein gefragter Textdichter, nutzte das Geschehen im fernen Osten als Grundlage für ein Libretto, und Telemann schuf dazu eine Musik, die so fernöstlich klingt, wie es seinerzeit in Hamburg die Phantasie hergab.
Auch Bühne und Kostüme waren sicherlich dementsprechend gestaltet – und Telemanns Oper um Miriways, den Fürsten von Candahar, Sophi, den Sohn des abgesetzten Schahs, und allerlei Intrigen, Ränke und Liebschaften am Hofe war damals ganz sicher ein Erfolg. Heute ist das Werk selten zu hören, was eigentlich schade ist, denn es hat schöne Melodien zu bieten, dazu interessante Charaktere, und die Handlung, in der es um Liebe, Pflicht und Wahrhaftigkeit geht, kann auch heute noch den Geist der Aufklärung verbreiten – denn darum geht es, und mag das Gewand noch so exotisch sein.
Zum Telemann Festival Hamburg 2017 wurde Telemanns Werk in der Elbmetropole aufgeführt. Auf zwei CD präsentiert Pentatone nun einen Mitschnitt des Konzertes mit der Akademie für Alte Musik Berlin unter der Leitung von Bernard Labadie, aufgezeichnet durch den NDR in der Laeiszhalle. Es muss ein Ereignis gewesen sein; denn das Ensemble beeindruckt mit farbenreichem, ausdrucksstarkem Musizieren, und die Sänger sind ebenfalls hervorragend. Zu hören sind unter anderem André Morsch (Miriways), Robin Johannsen (Sophi), Sophie Karthäuser (Bemira), Lydia Teuscher (Nisibis) und Michael Nagy (Murzah). Vom ersten bis zum letzten Ton barockes Hörvergnügen, grandios! Bravi!
Sonntag, 3. Januar 2021
The Colourful Telemann (Naxos)
Ein abwechslungsreiches Programm mit Kompositionen von Georg Philipp Telemann (1681 bis 1767) beschert uns auf dieser CD das Indianapolis Baroque Orchestra unter Leitung von Barthold Kuijken. Es beginnt selbstverständlich mit einer Ouverture, und es zündet ein Feuerwerk an Klangfarben und melodischen Ideen. Der von Musikhistorikern gern als Vielschreiber geschmähte Telemann beeindruckt erneut durch seine Kreativität und Originalität, und die Musiker haben an den ausgewählten Stücken hörbar Vergnügen. Immer wieder gern!
Freitag, 20. November 2020
Telemann (Accent)
Einmal mehr widmet sich Dorothee Mields dem Werk Georg Philipp Telemanns. Gemeinsam mit dem Blockflötisten Stefan Temmingh, Domen Marinčič, Viola da gamba, Daniel Rosin, Barock-Violoncello, und Wiebke Weidanz, Cembalo, hat die Sopranistin für diese Aufnahme bei Accent ein höchst ansprechendes Programm zusammengestellt. Neben drei Solo-Kantaten aus dem Jahrgang 1725/26, im Druck erschienen unter dem Titel Harmonischer Gottesdienst, haben die Musiker dafür auch eine Sonatine sowie drei Triosonaten ausgewählt. Diese musikalisch sehr abwechslungsreichen Stücke, von den Instrumentalisten virtuos prädentiert, erweisen sich als hochkarätige Fassung für die bewusst kurz und prägnant gehaltenen Kirchenkantaten, die dennoch bis zum heutigen Tage als Juwelen des Repertoires gelten können. Bravi!
Dienstag, 30. Juni 2020
Concerti a Quattro (Muso)
Auch sonst wird die Besetzung, ganz im Stil der damaligen Zeit, eher flexibel gehandhabt. Rachel Heymans, Blockflöten und Barockoboe, Anne-Catherina Gosselé, Blockflöten, Leonor Palazzo, die ein fünfsaitiges Violoncello spielt, und Paule van den Driessche am Cembalo haben einige Werke so bearbeitet, wie dies für ihre Instrumente passt. Arrangiert wurde beispielsweise eine Chaconne en trio von Jacques Morel, einem Schüler von Marin Marais, ursprünglich für Querflöte, Viola da gamba und Basso continuo, sowie ein Concert de chambre à deux et trois parties von Jean-Joseph Mouret, dem ersten Leiter des Concert Spirituel.
Bei einem Concerto a quattro, aus der Sammlung der Grafen von Schönborn in Wiesentheid, steht nicht fest, wer es komponiert hat. Experten schreiben es sowohl Händel als auch Telemann zu – bei letzterem steht es als Sonata a 4 unter TWV 43:d3 im Werkverzeichnis.
Es ist generell interessant, wie unscharf Gattungsgrenzen seinerzeit waren. Auf dieser CD zeigen die Musikerinnen des Ensembles Bradamante, dass der Unterschied zwischen einem Concerto grosso und einer Sonata a quattro damals gar nicht so groß war. Wie kreativ die barocken Komponisten Konzert und Kammermusik verknüpften, das bereitet uns noch heute viel Vergnügen. Und so stellt das Ensemble Bradamante neben das konzertierende Quartett von Telemann und die beiden französischen Trios, die sich als verkappte Orchesterwerke erweisen, zum Abschluss noch eines jener exzentrischen Konzerte für Solisten ohne Orchester von Antonio Vivaldi, die einst gezeigt haben, was mit dem konzertierenden Prinzip alles möglich ist. Das Ensemble Bradamante begeistert mit Temperament und enormer Musizierlust. Eine CD, die allen Freunden unkonventioneller Barockmusik an dieser Stelle wärmstens empfohlen sei.
Montag, 17. Februar 2020
Telemann: Aller Augen warten auf dich (cpo)
1716/17 entstanden dabei Kirchenmusiken von Advent bis zum 3. Pfingsttag. Die zweite Jahrgangshälfte von Trinitatis bis zum Ende des Kirchenjahres folgte dann aufgrund von Arbeitsüberlastung des Textdichters 1719/20. Ex Tempore und die Mannheimer Hofkapelle stellen auf dieser CD jeweils zwei Kantaten aus den beiden Jahrgangshälften vor, die in unterschiedlichem Maße durch das konzertierende Prinzip geprägt sind. Entdeckenswert und musikalisch lohnenswert sind sie alle – die Aufführung gehörte ohne Zweifel zu den Höhepunkten der Telemann-Festtage 2016.
Donnerstag, 19. Dezember 2019
Telemann's Garden (Pentatone)
Das Elephant House Quartet ließ sich davon inspirieren und lädt mit seinem Debütalbum bei Pentatone zu einem Spaziergang durch das Werk von Telemann ein. Diese musikalische Blütenlese ergab eine farbenfrohe, abwechslungsreiche Kollektion kammermusikalischer Pretiosen – mitunter duftig, dann wieder tänzerisch grazil, und immer elegant und ausgewogen.
Der Zuhörer hat daran ebenso Vergnügen wie die Mitglieder des Ensembles – Bolette Roed, Blockflöte, Aureliusz Goliński, Violine, Reiko Ichise, Viola da gamba und Allan Rasmussen, Cembalo: „Moreover, each flower ebbs and flows between solo and quartet performances, hence creating a perpetual story“, erklären die Musiker in ihrem Geleitwort zu dieser CD. „Out of the silence, the evocative sound of harpsichord awakens the senses, and through some of Telemann's most dramatic masterpieces, one's passion unfolds. As flowers wither, the last note fades away into silence.“ Vom ersten bis zum letzten Ton berückend.
Montag, 16. Dezember 2019
Cantate Domino (MDG)
Damit schafft das Ensemble zugleich die Verbindung von Salzburg nach Leipzig. Denn Mozart kam 1789 auf einer Reise in die Messestadt. Dort hörte er eine Probe der Thomaner, und fragte nach, von wem denn diese unglaubliche Musik sei. Daraufhin legte man ihm die Noten der Bach-Motette vor. Was Mozart dann von Bach gelernt hat, das zeigt sein Rätselkanon. Er ist immerhin neunstimmig (!) – und wird auf dieser CD ganz in Bachs Sinn interpretiert.
Auch sonst zeigt sich das Ensemble BachWerkVokal rundum versiert; staunend stellt man beim Blick ins Beiheft fest, wie schlank und flexibel besetzt die jungen Musiker agieren. Jeder ist hier ein Solist. Und die Sängerinnen und Sänger formieren sich je nach Bedarf zu Chören. Auch die Instrumentalisten sind exzellent.
Sie lassen Harfe, Trompeten und Posaunen ertönen, das Meer brausen und die Wasserströme frohlocken. Gordon Safari versteht sich bestens darauf, sein Ensemble sprechend-vital und farbenreich musizieren zu lassen. Ganz erstaunlich, wie lebendig doch „Alte“ Musik sein kann! Unbedingt anhören, das ist eine der schönsten CD des Jahres.
Montag, 9. Dezember 2019
Ludwig Güttler - Europa cantat (Berlin Classics)
Flämische Musiker inspirierten Italiener, deutsche Musiker lernten in Italien, Musiker aus Böhmen waren nicht nur in Österreich sehr begehrt, und der französische Hof bot mit seiner Pracht und seinem Sonnenkönig ein Vorbild, das europaweit vielfach kopiert wurde. Händel stammte aus Halle an der Saale, er war schon in Italien erfolgreich, und er ging schließlich nach England. Hasse stammte aus Bergedorf bei Hamburg; in Italien wurde er – nach heutigen Maßstäben – zum Star, und er wirkte schließlich in Dresden.
Bachs weiteste Reise ging nach Lübeck. Doch in seiner Musik griff er, ebenso wie sein Kollege Telemann und viele andere, Anregungen aus Italien ebenso auf wie die neuesten Trends aus Frankreich. Denn nicht nur Musiker reisten von Rom bis nach St. Petersburg, von Stockholm bis Madrid und von Wien bis London quer durch Europa. Auch Noten wurden eifrig studiert, kopiert und weitergegeben.
„Europa cantat“, überschrieb Ludwig Güttler seine neuen CD, Europa singt. Und das prägt auch die Musikauswahl: „Mir war es wichtig, Komponisten zu versammeln, die den Europagedanken zum Ausdruck bringen, sei es in ihrer Herkunft, ihrer Ausbildung, den Reisen und Umzügen nach unterschiedlichen Wirkungsorten“, sagt Güttler. Und so fasst der Trompeter und Dirigent auf dieser CD barocke Weihnachtsmusiken aus verschiedenen Regionen Europas zusammen, die verdeutlichen, wie gut doch seinerzeit der kulturelle Austausch europaweit funktionierte.
Werke namhafter Komponisten wie Bach, Händel und Telemann stehen dabei neben denen weniger bekannter Musiker, wie Pietro Torri, Pavel Josef Vejvanovský oder William Brade. Im Laufe seiner langen Musiker- karriere hat Güttler etliche davon in Archiven wiederentdeckt und mit seinen Ensembles aufgeführt. Dort sind aber auch weiterhin Schätze zu heben, meint der Musiker: „Der Fundus an Meisterwerken ist riesig“, unterstreicht Güttler. „Wir dürfen heute mit unseren Taschenlampen Lichtkegel darauf richten.“
Dienstag, 22. Oktober 2019
Favorites (Tyxart)
Mit ihrer neuen CD bei Tyxart gibt Tabea Debus Einblick in das Netzwerk, das Telemann seinerzeit pflegte. Für diese Einspielung kombinierte sie daher Werke Telemanns und seiner Zeitgenossen. Die junge Blockflötistin greift dabei nicht nur auf originale Werke des Komponisten für das Instrument zurück, sondern stellt auch eigene Arrangements nach Werken von Bach, Händel, Blavet und Telemann vor. Engagiert begleiten sie bei diesem Spaziergang durch die Musikgeschichte Claudia Norz und Henry Tong, Violine, Jordan Bowron, Viola, Jonathan Rees, Violoncello und Viola da gamba sowie Tom Forster, Cembalo. Sehr gelungen!
Mittwoch, 2. Oktober 2019
Telemann: Sacred Cantatas (Deutsche Harmonia Mundi)
Zu hören sind die Kantaten All's Glück und Ungelücke, die Kommunion- kantaten Fliehet hin, ihr bösen Tage und Soll ich nicht von Jammer sagen sowie die Kantaten Vater unser im Himmelreich und Herr erhöre meine Stimme. Komplettiert wird das Programm durch zwei Quartette.
Telemann: Ouverture et Concerti pour Darmstadt (Alpha)
Aus dieser Schatzkammer schöpfte das Ensemble Les Ambassadeurs unter Leitung von Alexis Kossenko. Die ausgewählten Werke lassen ahnen, wie exquisit am Hofe des Landgrafen musiziert wurde – der Flötist Alexis Kossenko stellt natürlich die Flötenkonzerte in den Mittelpunkt. Doch auch Zefira Valova, Violine, Gilles Vanssons und Laura Duthuillé, Oboen, und ganz besonders Pierre-Yves und Jean-François Madeuf, Naturhorn, bewältigen ihre virtuosen Solopartien exzellent. Das Ensemble Les Ambassadeurs beeindruckt generell mit seinem farbenreichen und schwungvollen Spiel. Telemann ist doch immer wieder für eine Überraschung gut!
Dienstag, 27. August 2019
Le Ballet Imaginaire (Genuin)
Der Blockflöten-Virtuose, der als Professor für Blockflöte und Aktuelle Musik an der Hochschule für Musik Nürnberg unterrichtet, genießt vor allem auch im Bereich der sogenannten „Neuen“ Musik ein hohes Renommee.
Dass er Barockmusik ebenfalls hinreißend zu interpretieren vermag, beweist diese Einspielung mit Meisterwerken von Johann Sebastian Bach, Nicolas Chédeville, Georg Philipp Telemann und Georg Friedrich Händel. Jeremias Schwarzer und Ralf Waldner zeigen damit, wie in Europa um 1730 musiziert wurde. Ihr Programm verbindet italienisches Temperament und deutsche Tradition, veredelt durch französische Eleganz.
Die Aufnahme fasziniert durch tänzerische Leichtigkeit, virtuose Detail- freude und brillantes Zusammenspiel. Hier musizieren zwei erstklassige Solisten charmant und engagiert miteinander, dass es wirklich ein Genuss ist. Exquisit! Unbedingt anhören!
Montag, 4. März 2019
Violin Concertos from Darmstadt (Audax)
Seinem Dienstherrn, Landgraf Ernst Ludwig, war es 1709 bereits gelungen, Christoph Graupner als Hofkapellmeister zu engagieren. Er begeisterte sich insbesondere für die Oper, und wollte in seiner Residenz musikalisch ebenso glänzen, wie er das aus Hamburg kannte. Allerdings setzten die Finanzen der Begeisterung enge Grenzen; mehrfach blieb der Landgraf auch seinen Musikern die Bezahlung schuldig, so dass Kress schließlich um seine Entlassung bat.
Die aber verweigerte ihm sein Dienstherr, und ernannte ihn statt dessen zum Konzertmeister, verbunden mit einer Gehaltserhöhung. Kress blieb in Darmstadt bis an sein Lebensende; ähnlich wie Graupner übrigens, der eigentlich 1722 Thomaskantor werden sollte, aber ebenfalls nicht gehen durfte. Auch wenn wir dieses Verfahren nicht unbedingt fair finden – es zeigt aber, dass Ernst Ludwig die Musiker für unverzichtbar ansah, und sie unbedingt behalten wollte.
Hört man diese Einspielung, dann wird auch klar, warum: Kress war ganz offenbar ein ausgezeichneter Geiger, und stand wohl auch mit etlichen Kollegen im Austausch. So wurde Georg Philipp Telemann, seinerzeit unweit von Darmstadt in Frankfurt/Main tätig, nicht nur Taufpate für Kress' Sohn. Er scheint auch für Kress komponiert zu haben, wie das Konzert nahelegt, das Pramsohler auf dieser CD vorstellt.
Johann Friedrich Fasch wiederum reiste 1714 nach Darmstadt, wo er länger als drei Monate durch Christoph Graupner und Vizekapellmeister Gottfried Grünewald unterrichtet wurde. Er blieb der Kapelle verbunden, und schickte immer wieder Kompositionen. In der Universitäts- und Landesbibliothek Darmstadt fand sich ein anspruchsvolles Violinkonzert, das Kress ganz sicher gespielt hat. Prächtig erscheint auch die Ouvertüre von Vizekapellmeister Johann Samuel Endler. Er war selbst Geiger, wurde nach Kress' Tod zunächst Konzertmeister, und später Graupners Nachfolger.
Die beiden Konzerte, die Kress selbst komponiert hat, wirken in diesem Umfeld vergleichsweise unspektakulär. Pramsohler musiziert bei diesem Projekt gemeinsam mit den Darmstädter Barocksolisten; mit Ausnahme des Telemann-Konzertes handelt es sich durchweg um Weltersteinspie- lungen. Die Aufnahme ist daher interessant. Sie enttäuscht aber durch einen Mangel an gestalterischer Raffinesse. Hier zeigt sich, dass es mitunter eben doch klug sein kann, einen Kapellmeister einzubeziehen.
Sonntag, 3. März 2019
Telemann: Quartette (Gramola)
Auch bei der Besetzung war Telemann flexibel. So erklingen im Quartett d-Moll TWV 43:d1 Blockflöte, zwei Traversflöten und Basso continuo. Das Quartett G-Dur, TWV 43:G2 – ebenfalls aus der Tafelmusik – schrieb der Komponist für Traversflöte, Oboe, Violine und Basso continuo. Das a-Moll-Quartett TWV 43:a3 ist mit Blockflöte, Oboe, Violine und Continuo besetzt. Und das Quartett in A-Dur TWV43:A1, aus den Pariser Quartetten, komponierte Telemann für Traversflöte, Violine, Viola da gamba und Basso continuo.
Entsprechend umfangreich ist die Liste der Mitwirkenden – zu hören sind Michael Posch, Blockflöte, Marie-Céline Labbé und Reinhard Czasch, Traversflöte, Andreas Helm, Barockoboe, Ulrike Engel, Barockvioline, Pierre Pitzl, Viola da gamba, Jörg Zwicker, Barockcello, Jennifer Harris, Barockfagott und Erich Traxler, Cembalo. Der Name, den sich dieses Ensemble gegeben hat, ist durchaus Programm; die ganze CD ist heiter, liebenswürdig, erfreulich und ergötzlich. Mein Tipp: Einfach genießen!
Samstag, 12. Januar 2019
Telemann: Per Tromba & Corno da Caccia (Ricercar)
Das Ensemble Eolus kombiniert Barocktrompete und Naturhorn mit Oboen und Fagott. Madeuf vertritt die These, dass all diese Instrumente zunächst in der Militärmusik eingesetzt worden sind, bevor sie Bestandteil der Hofkapellen wurden: „Pour ce premier CD de'l ensemble Eolus, il nous a semblé important de nous éloigner de l'idée convenue que nous pouvons avoir de la musique de chambre pour vents de l'époque baroque afin d'en retrouver toute la saveur originelle de ses origines régimentaires“, schreibt der Musiker im Beiheft. „Ainsi, seules deux pièces de ce program- me font appel au clavecin (instrument d'intérieur) pour la basse continue et nous avons donc privilégié des œvres avec le basson comme seul instrument de basse spécifié par le compositeur.“
Und in der Tat hat Telemann unter anderem einen Marsch komponiert, auf dessen Manuskript sich der Vermerk findet, „Komponiert für das Stück-Schiessen der Artillerie“. In diesem Falle wird die Besetzung – zwei Hörner, drei Oboen und Fagott – durch eine Trommel komplettiert.
Seine Suiten und Konzerte allerdings, sowie ein Konzert für zwei Hörner und Fagott von Maximilian Fiedler, das die Musiker wegen seiner aparten Besetzung mit aufgenommen haben, waren mit Sicherheit für die Hofmusik bestimmt. In der sächsischen Hofkapelle gab es hinreichend Solisten, die den mitunter aberwitzig virtuosen Partien gewachsen waren.
Die Musiker des Ensemble Eolus haben damit ebenfalls keine Schwierigkeiten. Sie sind eine Klasse für sich – und diese Einspielung ist es auch. Bei diesen Bläserklängen vergisst man sogar, darüber zu staunen, dass gar keine Streicher beteiligt sind. Furios!
Samstag, 29. Dezember 2018
Galanterie - Das Quantz Collegium (K&K)
Seit 1982 ist Jochen Baier der Flötist des Quantz Collegiums, das sich vor allem mit Kammermusik der Barock- zeit und der Klassik beschäftigt. Dabei stehen auch immer wieder Werke von weniger bekannten Komponisten auf dem Programm, die wohl, falls notwendig, sogar mit einigem Aufwand aus Quellen zugänglich gemacht werden. Das dürfte auch für dieses Programm erforderlich gewesen sein, das durchweg mit Entdeckungen begeistert.
Der vorliegende Konzertmitschnitt ist im Mai 2018 entstanden. Einmal mehr erfassen Josef-Stefan Kindler und Andreas Otto Grimminger die einzigartige Atmosphäre, die das Musizieren im Gartensaal des „Porzellanschlosses“ Favorite prägt. Mit ihrem Label K&K sind sie seit Jahren darauf spezialisiert, herausragende Konzerte möglichst authentisch für die Nachwelt aufzuzeichnen.
Ein solches Konzert ist auf dieser CD quasi mitzuerleben. Denn was das Quantz Collegium unter dem Stichwort „Galanterie“ zusammengetragen hat, das sind außerordentlich abwechslungsreiche und musikalisch lohnende Raritäten. Neben der Flöte rückt dieses Programm ganz besonders die Bratsche ins Scheinwerferlicht. Sie ist das Solo-Instrument zweier Konzerte von Christoph Graupner (1683 bis 1760) und Georg Philipp Telemann (1681 bis 1767); außerdem erklingen ein Flötenkonzert von Friedrich Wilhelm Heinrich Benda (1745 bis 1814) sowie ein Doppelkonzert für Flöte und Bratsche von Graupner. Und das Quantz Collegium spielt diese Kostbarkeiten derart hinreißend, lebendig und getragen von Musizierlust, dass es rundum eine Freude ist. Unbedingt anhören!
Dienstag, 11. Dezember 2018
"Das neugeborne Kindelein" (Accent)
Im Mittelpunkt dieser Aufnahme steht Bachs Choralkantate Ich freue mich in dir BWV 133. Sie wird von dem Ensemble La Petite Bande um Sigiswald Kuijken in durchweg solistischer Besetzung präsentiert: Es singen Anna Gschwend, Sopran, Lucia Napoli, Alt, Søren Richter, Tenor und Christian Wagner, Bass.
Gefasst ist dieses musikalische Juwel, quasi als kleine Schwester der viel gespielten Kantaten des Weihnachtsoratoriums, in zwei Kompositionen Telemanns. Für Frankfurt/Main entstanden ist wohl um 1720 die Missa sopra Ein Kindelein so löbelich, sehr strikt polyphon gestaltet im stile antico. Die Kantate O Jesu Christ, dein Kripplein ist mein Paradies hingegen, aus dem Jahre 1748, schrieb Telemann ganz modern; hier zeigt sich der Komponist flott und sehr fröhlich, fast wie in einer italienischen Oper der damaligen Zeit.
Den Rahmen bilden zwei Werke Buxtehudes: Die Kantate Das neugeborne Kindelein BuxWV 13 beeindruckt durch Innigkeit, und die Choralkantate In dulci jubilo BuxWV 52 gibt dann mit ihrer freudig-erregten letzten Strophe auch den Instrumentalisten noch einmal Gelegenheit, so recht in Weihnachtsjubel auszubrechen. Himmlisch!
Mittwoch, 28. November 2018
Gott ist unsere Zuversicht (Rondeau)
Die neue CD mit dem Titel „Gott ist unsre Zuversicht“ bietet Chormusik vom 16. bis zum 21. Jahrhundert; das Programm ist auf den 46. Psalm ausgerichtet. Sein Text wurde von Martin Luther zu einem Lied umge- arbeitet: Ein feste Burg ist unser Gott gilt bis heute als ein Symbol der Reformation.
So reicht denn auch dieses Programm von der Reformation bis in die Moderne. Die Anforderungen an die jungen Chorsänger sind hoch, doch sie singen mit hoher Präzision und mit Engagement. Allerdings erfolgte die Aufnahme so ungeschickt, dass der überaus hallige Kirchenraum alles dominiert. Wer auch immer für die Tontechnik verantwortlich war – eine Glanzleistung ist das leider nicht.



















