Posts mit dem Label Distler werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label Distler werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

Dienstag, 26. Dezember 2017

Distler: Die Weihnachtsgeschichte (Brilliant Classics)

Nachtrag zum Weihnachtsfest: Die Weihnachtsgeschichte op. 10 ist das wohl bekannteste Werk von Hugo Distler (1908 bis 1942). Über den Lebensweg des Musikers, der 1942 im Alter von nur 34 Jahren aus dem Leben schied, nachdem er den Einberufungsbefehl zum Frontdienst erhalten hatte, wurde in diesem Blog bereits an anderer Stelle berichtet. 
In seiner Weihnachtsgeschichte, entstanden 1933, kombinierte Distler den Bericht von der Geburt Christi, nach Lukas- und Matthäusevange- lium, mit Choral-Variationen des Weihnachtsliedes Es ist ein Ros entsprungen. Formal orientiert sich Distler am Vorbild der Werke von Heinrich Schütz; seine Klangsprache ist allerdings modern und höchst anspruchsvoll. 
Die vorliegende Aufnahme wurde 1979 vom Leipziger Thomanerchor unter Leitung von Thomaskantor Hans-Joachim Rotzsch – der auch selbst den Part des Erzählers singt – für das DDR-Label Eterna eingespielt. Sie gilt noch immer als Referenzaufnahme dieses Werkes, und ist nun bei Brilliant Classics wieder verfügbar. 

Donnerstag, 24. Dezember 2015

Distler: Die Weihnachtsgeschichte (Carus)

Hugo Distler (1908 bis 1942) musste sein Leben lang um künstlerischen Freiraum ringen. Der Junge, von seiner Mutter im Alter von vier Jahren verlassen, wuchs bei seinen Groß- eltern auf. Sie kauften ihm ein Klavier und finanzierten ihm den Musik- unterricht sowie eine gute schulische Ausbildung. Durch die Inflation verarmten sie aber, so dass Distler 1925 nicht nur den Tod seiner Großmutter betrauern musste, sondern sich obendrein die private Musikschule nicht länger leisten konnte. Schließlich unterrichtete ihn sein Lehrer unentgeltlich. Nach dem Abitur studierte Distler am Leipziger Konservatorium. Als 1930 auch sein Großvater starb, der ihn trotz großer Armut finanziell unterstützt hatte, musste der junge Musiker aber seine Ausbildung abbrechen und sich eine Arbeit suchen – was zur Zeit der Weltwirtschaftkrise kein leichtes Unterfangen war. 
In dieser Situation half Distler sein Orgellehrer Günther Ramin; auf seine Vermittlung hin wurde Distler Organist derJakobikirche in Lübeck. Dort wirkte er gemeinsam mit Pastor Axel Werner Kühl, einem der führenden Köpfe der Bekennenden Kirche, und Kantor Bruno Grusnick, der mit seinem Lübecker Sing- und Spielkreis etliche Werke Distlers uraufführte. 1937 flüchtete der Musiker, nachdem es Ärger mit der Gestapo gegeben hatte, nach Stuttgart, wo er an der Musikhochschule unterrichtete und zudem Chor und Hochschulkantorei leitete. 1940 wurde er Professor an der Berliner Musikhochschule; im April 1942 übernahm er die Leitung des Berliner Staats- und Domchores. 
In seiner Arbeit erlebte er beständige Behinderungen und Zumutungen durch die Machthaber – vom HJ-Führer, der die Chorbuben zum Dienst befahl, sobald Chorproben angesetzt waren, bis hin zur vaterländischen „Thingspiel-Kantate“, die er in kürzester Frist mit Musik versehen sollte; ein Ansinnen, das Distler nicht abzuweisen wagte. Als er jedoch im Oktober 1942 zum sechsten Male einen Gestellungsbefehl erhielt, der sich diesmal auch nicht abwenden ließ, war es genug: Am 1. November 1942 nahm sich Hugo Distler das Leben. 
Seine Werke geben Zeugnis von Distlers tiefem Glauben. Eine Auswahl seiner Motetten sowie Die Weihnachtsgeschichte op. 10 aus dem Jahre 1933 hat das Athesinus Consort Berlin jetzt bei Carus veröffentlicht. Dort ist übrigens auch die Notenedition dazu verfügbar. 
Das Athesinus Consort Berlin, 1992 von Klaus-Martin Bresgott gegründet, besteht aus professionellen Sängern. Das Ensemble widmet sich mit großer Hingabe anspruchsvollen Projekten, von Musik der Spätrenaissance bis hin zur Uraufführung von Werken zeitgenössischer Komponisten. 
Aus dieser Erfahrung heraus hat sich das Athesinus Consort nun Distlers Werk zugewandt. Diese Musik klingt vertraut, aber die Stimmen sind nur scheinbar simpel geschichtet. Schon bald bemerkt man Bezüge zu großen Vorbildern – beispielsweise in der Motette Also hat Gott die Welt geliebet, die an eine Vertonung des gleichen Textes durch Heinrich Schütz (SWV 380) denken lässt, oder in ganz erstaunlichen Bicinien und Fugen, die alte Formen mit neuem musikalischem Inhalt präsentieren. 
Nicht ohne Grund gehörte Die Weihnachtsgeschichte schon zu Lebzeiten von Hugo Distler zu seinen beliebtesten Kompositionen. Sie ist eines der schönsten A-cappella-Werke des 20. Jahrhunderts für die Advents- und Weihnachtszeit und wird vom Athesinus Consort Berlin ausdrucksstark und engagiert vorgetragen. Und vielleicht trägt diese CD ja dazu bei, dass sich Chöre wieder öfter an Distlers Werke wagen – es lohnt, ganz ohne Zweifel.

Mittwoch, 8. August 2012

Eine Deutsche Messe (Genuin)

Das Ensemble Nobiles, gegründet 2006, gehört zu den Vokalforma- tionen, die aus dem Leipziger Thomanerchor hervorgegangen sind. Christian Pohlers, Paul Heller, Felix Hübner, Lucas Heller und Lukas Lomtscher überzeugen durch die Sensibilität und Homo- genität ihres Gesanges - was für die musikalische Ausbildung bei dem Leipziger Knabenchor spricht, der in diesem Jahr sein 800jähriges Bestehen feiert. Dort werden die Chorknaben offenbar so gut geschult, dass etliche von ihnen auch nach dem Abitur ihren Platz im Konzert- leben finden. 
Für ihr Debütalbum haben sich die fünf jungen Sänger auf ein Reper- toire konzentriert, das ihnen aus ihrer Zeit bei den Thomanern heraus bestens vertraut ist: Kirchenmusik. Dabei kombinieren sie die Ge- sänge zur Feier des heiligen Opfers der Messe D 872 von Franz Schubert, in einer Bearbeitung für vier Männerstimmen von seinem Bruder Ferdinand, mit passenden Motetten. Sie entstammen teilweise dem Schaffen von Thomaskantoren; vertreten sind mit ihren Werken insbesondere Moritz Hauptmann  (1792 bis 1868), Kurt Thomas (1904 bis 1973), Erhard Mauersberger (1903 bis 1982) und der derzeitige Thomaskantor Georg Christoph Biller. Es erklingen aber auch Werke von Camille Saint-Saens, dessen Pfingstmotette Veni Creator Spiritus zugleich das einzige Stück auf Latein auf dieser CD ist, Michael Praetorius, Hugo Distler, Peter Cornelius, Paul Heller und Manfred Schlenker, der seine Komposition Gott wohnt in einem Lichte dem Ensemble Nobiles widmete. 
Und obwohl die Musik Jahrhunderte durchschreitet, überrascht die CD durch eine stimmige, bruchlose Dramaturgie. Hier präsentiert sich ein junges, aber trotzdem sehr professionelles und ehrgeiziges Quin- tett, von dem man in Zukunft noch viel erwarten darf.