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Freitag, 30. Juli 2010

Lehár: Die lustige Witwe / Das Land des Lächelns (EMI Classics)

Die Operette gilt gemeinhin als die kleine, etwas alberne Schwester der großen, gewichtigen Oper - doch oftmals erweist sich gerade die "leichte Muse" für die Musiker als eine schwierige Aufgabe.
Franz Lehár komponierte etliche Operetten, und er war damit nicht zuletzt deshalb so erfolgreich, weil er sie mit einem Augenzwinkern schrieb. Das Land des Lächelns beispielsweise holte einst das ferne China ins Stadttheater. Lehár lieferte den perfekten Soundtrack zum Traum des Bürgers von exotischen, fremden Welten - heute würde er wahrscheinlich Filmmusik schreiben. Und was bei dieser Operette die ironischen Zitate zur Chinoiserie, das ist bei der Lustigen Witwe der Tanz, der alle und alles überwältigt. Die Komödie um die schwer- reiche Hanna Glawari, die unbedingt einen Landsmann heiraten soll, damit ihr Vermögen im - ansonsten von der Pleite bedrohten - Lande bleibt, reiht Hit an Hit. Und bei der Orchestrierung bediente Lehár sich fröhlich bei den Innovationen, die zeitgleich im Konzertsaal und auf der "ernsthaften" Opernbühne ausprobiert wurden. 
Wenn solche Perlen des Repertoires dann noch mit einer erstklassi- gen Besetzung aufwarten, dann kann Operette durchaus zum Musik- erlebnis werden. So auch im Falle der vorliegenden CD-Box, die gleich zwei Höhepunkte des Genres zusammenfasst - in Einspielungen aus dem Jahre 1953, man mag es beim flüchtigen Hören kaum glauben, so frisch klingt nicht zuletzt das Philharmonia Orchestra unter Otto Ackermann. 
Und selbst die Sänger leisten sich kaum Manierismen, wie man sie heutzutage mitunter noch auf der Bühne erleben muss. Das wird nicht verwundern, denn das Ensemble ist wirklich erstklassig. Es singen Elisabeth Schwarzkopf (Lisa/Hanna Glawari), Nicolai Gedda (Prinz Sou-Chong/Camille de Rossilon), Erich Kunz (Gustl/Graf Danilo- witsch) und Emmy Loose (Mi/Valencienne) sowie Otakar Kraus, Anton Niessner und Josef Schmidinger. Das alles macht die Ein- spielung zum Ereignis. Ich jedenfalls kann mich nicht erinnern, die beiden Operetten schon einmal in besseren Aufnahmen gehört zu haben.

Sonntag, 11. Juli 2010

Strauss: Capriccio (Naxos)

Eine grandiose Aufnahme von Ri- chard Strauss' Oper Capriccio, aufgenommen im Jahre 1958 - eigentlich eines der Kronjuwelen von EMI, erschienen nun bei Naxos in der Reihe Great Opera Recordings.
Strauss' letzte Oper gilt manchem als Langweiler: Keine süffigen Klänge, wie im Rosenkavalier. Auch das Textbuch sprüht nicht gerade vor Geist und Witz. Und die Handlung besteht überwiegend darin, dass Leute auf der Bühne herumlaufen und sich unterhalten. Es geht freilich um nichts geringe- res als um eine künstlerische Grundsatzfrage: Was ist wichtiger für das Gelingen einer Oper - das Libretto oder die Komposition? 
In diesem Falle ist die Frage einfach zu beantworten: Ein exzellentes Sängerensemble! Denn bei dieser Aufnahme singen die Sänger nicht nur ihre Partien; sie verkörpern - im Wortsinne - ihre Figuren, und sind zudem überwiegend ganz hervorragend zu verstehen. Die Be- setzung lässt keine Wünsche offen: Elisabeth Schwarzkopf als Gräfin, Nicolai Gedda als Musiker Flamand und Dietrich Fischer-Dieskau als Poet Oliver; dazu Eberhard Wächter als Graf und Hans Hotter als La Roche. Auch die kleineren Partien sind bestens besetzt; zu hören sind unter anderem Christa Ludwig, Anna Moffo und Karl Schmitt-Walter. Es spielt das Philharmonia Orchestra unter Wolfgang Sawallisch; kleiner Scherz am Rande: Der Dirigent ist auch zu hören - als Diener. Bariton.

Sonntag, 6. Juni 2010

Schumann: Die großen Chorwerke (EMI Classics)

Sie sind nicht eben häufig zu hören, die großen Chorwerke von Robert Schumann. In den 70er Jahren ging EMI Electrola gemeinsam mit dem Chor des Städtischen Musik- vereins zu Düsseldorf unter dem Chorleiter Hartmut Schmidt und mit freundlicher Begleitung durch die Stadt Düsseldorf daran, die teilweise vollkommen in Ver- gessenheit geratenen Werke für Chor, mitunter zudem ein großes Solistenaufgebot und Orchester aufzuzeichnen. Die "Düsseldorfer Schumann-Chor-Edition", entstanden über einen Zeitraum von mehr als zehn Jahren, erregte damals enormes Aufsehen.
Jetzt hat EMI diese legendären, mehrfach preisgekrönten Aufnahmen in einer 9-CD-Box zusammengefasst. Sie enthält Werke wie Das Para- dies und die Peri, die Szenen aus Goethes Faust, Der Rose Pilgerfahrt, eine Vielzahl von Romanzen und Balladen, die Messe c-Moll op. 147, das Requiem Des-Dur op. 148 und das Requiem für Mignon op. 98b. 
An der Seite des von Hartmut Schmidt stets sorgfältig einstudierten Chores, der wirklich prachtvoll singt, sind Weltstars zu hören wie Edith Mathis, Edda Moser, Brigitte Fassbaender, Nicolai Gedda oder Dietrich Fischer-Dieskau. Bei der Missa sacra sind Chor und Solisten gemeinsam mit den Berliner Philharmonikern unter Wolfgang Sawallisch zu hören. Ansonsten sind die Düsseldorfer Symphoniker der Partner der Wahl, geleitet von ihren Generalmusikdirektoren Henryk Czyz, Rafael Frühbeck de Burgos und Bernhard Klee, die sich liebevoll der Meisterwerke ihres Amtsvorgängers annehmen. 
Es ist kein Wunder, dass die Kritik diese Aufnahmen seinerzeit gefeiert hat. Denn hier wird tatsächlich auf höchstem Niveau musiziert. Diese Einspielungen, natürlich mittlerweile sorgfältig remastert, haben in den vergangenen Jahrzehnten kaum Staub angesetzt. EMI gebührt Dank dafür, dass diese Raritätensammlung nun zum 200. Geburtstag Schumanns wieder erhältlich ist.