Diese CD entführt uns in die gute alte Zeit: Um 1900 trafen sich in dem idyllisch gelegenen Meran die Reichen und der Adel. Sie reisten zur Kur oder einfach zur Erholung nach Südtirol, und die Stadt bemühte sich natürlich, diese Gäste auch gut zu unterhalten. Das „Curorchester“ in Meran war, nach dem in Karlsbad, eines der ältesten in Europa.
Es spielte auch im Theater, wo vor allem Operetten aufgeführt wurden – und zwar stets die aktuellen Stücke, kurz nach der Uraufführung in Wien. Und so kamen auch Komponisten wie Franz Léhar oder Leo Fall nach Meran, um ihre Werke zu dirigieren.
Heute gibt es in Meran längst kein Kurorchester mehr. Aus Kurgästen, die mehrere Wochen blieben und neben ihren Behandlungen gern auch Konzert und Theater genossen, sind Touristen geworden – Instagram statt High Society.
Das Notenarchiv des Kurorchesters aber ist noch vorhanden. Auf dieser CD zeigt Philipp von Steinaecker mit seiner Musica Saeculorum, welches Repertoire von diesem Ensemble um die Jahrhundertwende gespielt worden ist. Neben allerlei Tänzen, vor allem der Familie Strauss, erklingen beispielsweise auch zwei Fantasien mit Melodien aus Richard Strauss' Opern Ariadne auf Naxos und Elektra oder der Karfreitagszauber aus Richard Wagners Parsifal. Sopranistin Laura Giordano singt zudem eine Arie der Musetta aus Giacomo Puccinis Oper La Bohème.
Wer ein solches Programm bewältigt – und bei mehr als 400 Auftritten pro Jahr war seinerzeit ganz sicher wenig Zeit für Proben – der muss ohne Zweifel ein exzellenter Musiker sein. Entsprechend hoch muss die Qualität des Kurorchesters einst gewesen sein. Das Ensemble Musica Saeculorum tritt da also in große Fußstapfen, und es musiziert ebenfalls höchst hörenswert.
Für diese Einspielung wurde das originale Stimmenmaterial der Kurmusik Meran verwendet. Und es ist erstaunlich, was für Klangfarben so ein Salonorchester mit einer Handvoll Streichern, Flöte, Oboe, Klarinette, Posaune und Schlagwerk sowie Harmonium und Klavier als Fundament erzeugen kann. Ungewohnt, aber vom ersten bis zum letzten Ton faszinierend.
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Montag, 7. Oktober 2019
Sonntag, 12. Februar 2017
Anna Netrebko - Verismo (Deutsche Grammophon)
Mit ihrem neuen Album „Verismo“ geht Anna Netrebko ihren Weg hin zum dramatischen Sopran ein Stück weiter. Musikalische Unterstützung erhält die Sängerin dabei von Chor und Orchester der Accademia Nazionale di Santa Cecilia unter Leitung von Antonio Pappano sowie von ihrem Ehemann, dem Tenor Yusif Eyvazov. Letzterer ist insbesondere im vierten Akt von Puccinis Oper Manon Lescaut in aller Breite zu hören – was nicht entzückt, ganz ehrlich; als Sänger ist er jedenfalls nicht Oberliga.
Opern von Giacomo Puccini (1858 bis 1924) stehen im Zentrum dieses Albums. Anna Netrebko singt Un bel di vedremo aus Madame Butterfly, Vissi d'arte, vissi d'amore aus Tosca, In quelle trine morbide sowie den kompletten vierten Akt aus Manon Lescaut, und zwei Arien aus Puccinis letzter Oper Turandot. Damit gibt die Sängerin zwei unterschiedlichen Figuren Gestalt: Liù, eine Sklavin, die den Tatarenherrscher Timur auf der Flucht begleitet – und seinen Sohn Kalaf liebt. Und Turandot, eine chinesische Prinzessin, die sich ganz dem Andenken an ihre Ahnfrau verschrieben hat, die vor Jahrhunderten von den Tataren verschleppt und getötet worden ist. Um sie zu rächen, will die junge Dame jeden Mann hinrichten lassen, der es wagt, um ihre Hand zu werben.
Liù, erfüllt von Demut und Liebe, und Turandot, voll Hass und Hochmut – gegensätzlicher können Opernheldinnen kaum sein. Das würde man gern hören, doch in diesem Punkt wird man enttäuscht. Ausdruck ist nicht die Stärke von Anna Netrebko. Ihre Stimme hat sich entwickelt; sie ist dunkler und schwerer geworden. Aber das Titelbild, das die Sopranistin mit einer unglaublich kitschigen Talmi-Krone und mit verlaufenen Konturen porträtiert, erweist sich in diesem Falle leider als prophetisch. Die einzige Partie aus dieser Auswahl, die die Sängerin auf der Bühne bereits gesungen hat, ist die der Manon. Ob man sich wirklich darauf freuen kann, sie eines Tages als Tosca oder als Nedda zu hören, das wird die Zukunft zeigen.
Wer es hören mag – ergänzt wird diese CD durch Arien aus Adriana Lecouvreur von Francesco Cilea, Andrea Chénier von Umberto Giordano, Pagliacci von Ruggero Leoncavallo, La Wally von Alfredo Catalani. Mefistofele von Arrigo Boito und La Gioconda von Amilcare Ponchielli. Verkaufen wird sich das Album ohnehin, denn Anna Netrebko hat enorm viele Fans. Und wer sich Karten in Salzburg leisten kann, der kauft viel- leicht auch die Luxus-Edition, mit Seidentüchlein von Chopard.
Opern von Giacomo Puccini (1858 bis 1924) stehen im Zentrum dieses Albums. Anna Netrebko singt Un bel di vedremo aus Madame Butterfly, Vissi d'arte, vissi d'amore aus Tosca, In quelle trine morbide sowie den kompletten vierten Akt aus Manon Lescaut, und zwei Arien aus Puccinis letzter Oper Turandot. Damit gibt die Sängerin zwei unterschiedlichen Figuren Gestalt: Liù, eine Sklavin, die den Tatarenherrscher Timur auf der Flucht begleitet – und seinen Sohn Kalaf liebt. Und Turandot, eine chinesische Prinzessin, die sich ganz dem Andenken an ihre Ahnfrau verschrieben hat, die vor Jahrhunderten von den Tataren verschleppt und getötet worden ist. Um sie zu rächen, will die junge Dame jeden Mann hinrichten lassen, der es wagt, um ihre Hand zu werben.
Liù, erfüllt von Demut und Liebe, und Turandot, voll Hass und Hochmut – gegensätzlicher können Opernheldinnen kaum sein. Das würde man gern hören, doch in diesem Punkt wird man enttäuscht. Ausdruck ist nicht die Stärke von Anna Netrebko. Ihre Stimme hat sich entwickelt; sie ist dunkler und schwerer geworden. Aber das Titelbild, das die Sopranistin mit einer unglaublich kitschigen Talmi-Krone und mit verlaufenen Konturen porträtiert, erweist sich in diesem Falle leider als prophetisch. Die einzige Partie aus dieser Auswahl, die die Sängerin auf der Bühne bereits gesungen hat, ist die der Manon. Ob man sich wirklich darauf freuen kann, sie eines Tages als Tosca oder als Nedda zu hören, das wird die Zukunft zeigen.
Wer es hören mag – ergänzt wird diese CD durch Arien aus Adriana Lecouvreur von Francesco Cilea, Andrea Chénier von Umberto Giordano, Pagliacci von Ruggero Leoncavallo, La Wally von Alfredo Catalani. Mefistofele von Arrigo Boito und La Gioconda von Amilcare Ponchielli. Verkaufen wird sich das Album ohnehin, denn Anna Netrebko hat enorm viele Fans. Und wer sich Karten in Salzburg leisten kann, der kauft viel- leicht auch die Luxus-Edition, mit Seidentüchlein von Chopard.
Freitag, 24. Mai 2013
Massimo Giordano - Amore e Tormento (Giordano)
Eigentlich studierte Massimo Gior- dano Flöte am Konservatorium von Triest. Doch dann entdeckte er sein großes Talent für den Gesang – und begann nach dem Querflöten-Examen im neuen Fach gleich noch einmal mit dem Studium. Mit Erfolg: 1997 gewann der Tenor den Bellini-Gesangswettbewerb in Spoleto, wo er er dann am Teatro Lirico in Mozarts Oper La clemen- za di Tito und am Teatro Nuovo in Verdis La Traviata sein Debüt gab. Es dauerte nicht lange, bis er auch auf den großen internationalen Bühnen gefeiert wurde – eigentlich gibt es kein bedeutendes Opernhaus, an dem er noch nicht engagiert war.
Es ist erstaunlich, dass Giordano erst jetzt seine erste Solo-CD vor- stellt. Mit diesem Album kehrt zugleich BMG auf den Klassikmarkt zurück. Der Tenor präsentiert sich, wie könnte es anders sein, mit Belcanto – er singt berühmte Arien von Puccini, Verdi, Cilea, Giordano und Ponchielli. Liest man die Kritiken, die über seine Opernpremieren berichten, so drängt sich allerdings der Eindruck auf, dass dieser Sänger live auf der Bühne noch stärker überzeugt. Von seinem vielfach gepriesenen Vermögen, zu differenzieren und Figuren zu zeichnen, ist jedenfalls auf dieser CD nicht viel zu bemerken. Man lauscht ihm gern, aber an seine berühmten Kollegen reicht er (noch) nicht heran.
Es ist erstaunlich, dass Giordano erst jetzt seine erste Solo-CD vor- stellt. Mit diesem Album kehrt zugleich BMG auf den Klassikmarkt zurück. Der Tenor präsentiert sich, wie könnte es anders sein, mit Belcanto – er singt berühmte Arien von Puccini, Verdi, Cilea, Giordano und Ponchielli. Liest man die Kritiken, die über seine Opernpremieren berichten, so drängt sich allerdings der Eindruck auf, dass dieser Sänger live auf der Bühne noch stärker überzeugt. Von seinem vielfach gepriesenen Vermögen, zu differenzieren und Figuren zu zeichnen, ist jedenfalls auf dieser CD nicht viel zu bemerken. Man lauscht ihm gern, aber an seine berühmten Kollegen reicht er (noch) nicht heran.
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