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Samstag, 22. Mai 2021

Romantic Music for Oboe, Bassoon and Organ (Brillant Classics)

 

Experimentierfreudig waren Komponisten auch im 19. Jahrhundert. Den Beweis dafür tritt das Trio Andrea Palladio auf dieser CD an, aufgenommen im Dom von Malo in Vicenza. Zu hören sind Michele Antonello, Oboe, Steno Boesso, Fagott, und Enrico Zanovello an der Giovanni Lorenzi Orgel aus dem Jahre 1878 – eine seltene Instrumentenkonstellation, die sich allerdings als höchst attraktiv erweist. 

Als besondere Entdeckung präsentieren die Musiker ein virtuoses Capriccio per fagotto e organo von Giuseppe Verdi (1813 bis 1901) in Weltersteinspielung. Doch auch die Werke seiner Zeitgenossen Théodore Lalliet (1837 bis 1892), Heinrich Molbe (1835 bis 1915), Carl Friedemann (1862 bis 1952), Stanislas Verroust (1814 bis 1863) und Eugène Jancourt (1815 bis 1901) sind überaus originell, und man fragt sich, wie es möglich sein kann, dass Werke von einer solchen Qualität derart in Vergessenheit geraten. Unbedingt anhören, lohnt sich! 


Montag, 28. Oktober 2019

Mireille Mathieu - Mes Classiques (Sony)

Wohl jeder Klassikfreund hat seine Lieblingsmelodien, und mitunter lässt man sich vielleicht auch dazu hinreißen, laut mit dem Orchester mitzusingen. Doch während Sie und ich das in den heimischen vier Wänden tun, möglicherweise beim Putzen oder aber unter der Dusche, hat ein Weltstar ein Album daraus gemacht: Mit „Mes Classiques“ erfüllt sich Mireille Mathieu einen Lebenstraum und zollt ihren liebsten klassischen Werken Tribut. Sie wählte bekannte Melodien von Komponisten wie Tschaikowsky, Mozart, Brahms, Schubert, Fauré und Händel aus und ließ sie von Textern und Arrangeuren zu Liedern umarbeiten. 
Wer also schon immer einmal hören wollte, wie Mireille Mathieu, mit ihrer charakteristischen Stimme, das Thema aus Tschaikowskis erstem Klavierkonzert, César Francks Panis Angelicus oder aber Händels berühmte Arie Lascia ch'io pianga anstimmt, dem sei dieses Album empfohlen. Wir lauschen respektvoll (gesungen wird immerhin in sieben verschiedenen Sprachen!) und freuen uns über das Beiheft mit vielen Fotos, die die Sängerin in großer Robe in der Prager Burg zeigen. 

Dienstag, 13. März 2018

#hornlikes (Genuin)

„Die Hörner sind los!“, warnt das Leipziger Label Genuin Classics. Nachdem sie bisher immer gemeinsam mit anderen Ensembles zu hören waren, haben die Musiker von German Hornsound nun zum ersten Mal eine CD eingespielt, auf der sie pur zu erleben sind. Das darf man durchaus wörtlich nehmen. Denn das Hornquartett hat dafür Lieblingsstücke seiner Mitglieder neu arrangiert. 
Das ermöglicht interessante Eindrücke – egal, ob Sebastian Schorr Händels populäre Arie Lascia ch'io pianga einmal auf dem Horn spielen möchte, Stephan Schottstädt die ebenso berühmte Englischhorn-Melodie der Sinfonie Aus der Neuen Welt von Antonín Dvořák erkundet, Christoph Eß die Trompetenklänge aus dem Finalsatz des zweiten Brandenburgischen Konzertes von Johann Sebastian Bach auf das Horn verlegt, oder Timo Steininger den Meditango von Astor Piazzolla. Jeder Musiker durfte drei Favoriten für diese CD auswählen. Und es gibt, von Händels Wassermusik bis zu Verdis Messa da Requiem und von Alessandro Marcellos Oboenkonzert bis hin zu Bruckners Chorälen, eigentlich kein einziges Werk, das nicht mindestens so schön klingt wie im Original, wenn es derart gekonnt durch vier Hörner vorgetragen wird. 
Und weil es so schön ist, hatte auch das Publikum drei #hornlikes frei. Es entschied sich für Melodien von Richard Wagner, Franz Schubert und Engelbert Humperdinck. Eigens für Tonmeister Michael Silberhorn, der „es gerne hat, wenn es mal ein bisschen schmettert“, erklingt dann zum Schluss noch ein Chor aus Carl Maria von Webers Freischütz. Hinreißend! 
Die Edel-Blechbläser von German Hornsound entlocken ihren Instrumen- ten ebenso farben- wie nuancenreiche Klänge. Sie demonstrieren, dass mit dem Horn gefühlvolle Melodielinien genauso selbstverständlich gestaltet werden können wie rhythmische Fundamente. Von ätherisch bis groovig sind alle Optionen möglich – Horn grandios! 

Mittwoch, 17. Mai 2017

Revive - Elina Garanca (Deutsche Grammophon)

Das Konzept dieses Albums? „Starke Frauen in schwachen Momenten, die aber wieder zu sich selbst und zu ihrer Stärke finden“, beschreibt Elīna Garanča die Idee hinter ihrer neuen CD. Die lettische Mezzosopranistin hat festgestellt, dass sich ihre Stimme zunehmend hin zum dramatischen Fach entwickelt. Ihre erste Partie in diesem Bereich, so berichtet sie im Beiheft, war die Santuzza aus Cavalleria rusticana von Pietro Mascagni. 
Um ihre Romanze Voi lo sapete, o mamma hat Elīna Garanča ein Pro- gramm gestaltet, das von der berühmten Arie der Mignon aus der gleich- namigen Oper von Ambroise Thomas bis hin zu einer Arie der Marina aus Boris Godunov von Modest Mussorgski reicht. 
Neben dem italienischen ist auch das französische Repertoire stark ver- treten. „Wahrscheinlich werde ich einige der auf diesem Album versam- melten Arien und Szenen nie auf der Opernbühne singen“, bedauert die Sängerin. Denn beispielsweise Amilcare Ponchiellis La Gioconda oder Camille Saint-Saëns' Henry VIII schaffen es nur sehr selten auf den Spielplan. 
Typischerweise singen Heldinnen von Opern in der Sopranlage. Ausnah- men sind selten – und Elīna Garanča schildert noch ein weiteres Problem : „Im italienischen Repertoire gibt es nur sehr wenige Fälle, in denen der Mezzosopran eine junge Frau verkörpert. Eboli in Don Carlos, Preziosilla in Forza und Amneris in Aida – das war's aus meiner Sicht. Ulrica im Ballo ist ein altes Weib, Azucena im Trovatore sollte – schon aus Gründen der Glaubwürdigkeit – älter sein als ihr Sohn Manrico. Wenn der Tenor zwischen 40 und 50 Jahre alt ist, müsste die Azucena also mindestens 60 oder 65 Jahre alt sein – das wird schwierig.“ 
Im französischen Repertoire sieht Garanča bessere Chancen - „schließlich ist das Repertoire für Mezzosopran hier viel größer und breiter gefächert. Es zeigt auch eher jüngere Frauen, die in komplizierten Geschichten agieren“, meint die Sängerin. „Und letzten Endes bin ich überzeugt, dass im französischen Repertoire der lyrische Anteil meiner Stimme am besten zur Geltung kommt.“ Figuren wie Didon aus Les Troyens von Hector Berlioz, Dalila aus Samson et Dalila von Camille Saint-Saëns oder Héro- diade aus der gleichnamigen Oper von Jules Massenet geben Elīna Garanča Gelegenheit, ihre stimmlichen Möglichkeiten und ihre Wand- lungsfähigkeit zu demonstrieren. Begleitet wurde sie dabei vom Orquestra de la Comunitat Valenciana unter Leitung von Roberto Abbado. 

Freitag, 12. Mai 2017

Geistliche Meisterwerke (Hänssler Classic)

Geistliche Musik in herausragenden Editionen prägt seit der Gründung mit das Profil von Hänssler Classic. Aus der langjährigen Zusammenarbeit mit renommierten Interpreten sind etliche herausragende Projekte ent- standen. Erinnert sei nur an legen- däre Serien wie die Gesamteinspie- lung der Kantaten und Passionen von Johann Sebastian Bach mit der Gächinger Kantorei und dem Bach-Collegium Stuttgart unter Helmuth Rilling. 
Das Label hat nun aus seinen umfangreichen Beständen eine Kollektion zusammmengestellt, die auf immerhin 50 (!) CD Geistliche Meisterwerke vorstellt. Neben bekannten Werken, von Bachs Weihnachts- oratorium bis hin zu Brahms' Ein deutsches Requiem und von Beethovens Missa Solemnis bis hin zu Haydns Oratorium Die Schöpfung, enthält diese Box auch Raritäten. So bekommt der Einsteiger in die Welt der geistlichen Musik eine Sammlung, in der er faktisch alle wichtigen Werke findet – von Heinrich Schütz' Weihnachtsoratorium bis hin zum Requiem von Gabriel Fauré. Doch selbst für Experten hält diese Box so manche Entdeckung bereit: Wer kennt schon Das Liebesmahl der Apostel von Richard Wagner, das Requiem Opus ultimum von Johann Michael Haydn, oder die Große Messe von Johann Ritter von Herbeck? 
Exzellente Sänger, namhafte Orchester, hervorragende Chöre und berühm- te Dirigenten haben an diese Produktionen mitgewirkt; die Liste ist aber zu lang, um sie an dieser Stelle komplett wiederzugeben. Und es wäre nicht gerecht, einzelne Beteiligte herauszuheben. Denn hörenswert ist wirklich alles, was in dieser Box steckt. Viele der Aufnahmen wurden mit Preisen ausgezeichnet. Der Fokus dieser umfangreichen Edition liegt auf den großen Werken der geistlichen Musik vom Barock bis zur Spätromantik, versammelt sind überwiegend Werke aus dem deutschsprachigen Raum. 

Montag, 16. Juni 2014

Prayer - Voice & Organ (Deutsche Grammophon)

Das aktuelle Album von Magdalena Kozená enthält Musik aus (fast) ganz Europa und aus einem Zeitraum, der vom Barock bis ins 20. Jahrhundert reicht. Die Mezzosopranistin hat gemeinsam mit dem Organisten Christian Schmitt geistliche Lieder und Arien zusammengetragen, die zumeist weniger für den Vortrag im Gottesdienst als vielmehr für die häusliche Andacht geschrieben worden sind. Von Johann Sebastian Bach bis zu Giuseppe Verdi, von Hugo Wolf bis zu Maurice Duruflé und von Franz Schubert bis zu Antonín Dvorák und vom Ave Maria bis zum Kaddisch reicht die Spannbreite der Werke, die für diese CD ausgewählt worden sind. 
Sie sind weniger virtuos als vielmehr innig und besinnlich, was für einen Sänger aber eine besondere Herausforderung darstellt. Denn es gibt kaum etwas schwierigeres, als ein „simples“ Strophenlied gut vorzutragen. Kozená meistert diese Herausforderung bestens – ins- besondere dort, wo es doch so etwas wie eine Handlung zu gestalten gilt. Die Sängerin kann zudem ein berückendes Piano aufbieten. Faszinierend! 

Sonntag, 6. Oktober 2013

Opera! - Sharon Kam (Berlin Classics)

„Ich liebe die Oper! Ich gehe ebenso gern in die Oper wie ins Konzert, und ich bewundere diese besondere Art des Musizierens quasi aus der Entfernung“, berich- tet Sharon Kam im Beiheft zu dieser CD. „Andererseits ist die Oper mir aber auch sehr nah, denn mein Mann Gregor ist Operndiri- gent, und gemeinsam hören und studieren wir so ziemlich alles, was bei uns beiden jeweils an- liegt.“ 
Nun hat die Klarinettistin dieser Leidenschaft nachgegeben – und bereichert zugleich das Konzertrepertoire für dieses Instrument um einige attraktive Stücke. Denn für diese CD hat Sharon Kam nicht einfach Arien eingespielt, bei denen die Klarinette den Part der Gesangsstimme übernimmt. Die Arrangeure Andreas N. Tarkmann und Jonathan Seers erstellten für die Musikerin vielmehr Bearbei- tungen, die an die Opernparaphrasen der Romantiker erinnern. „Wichtig war uns dabei immer eine durchdachte Dramaturgie, die neben Bravourstücken auch die großen Gefühle berücksichtigt, die zur Oper gehören“, erläutert Sharon Kam. 
So ist sie in der glücklichen Lage, die teilweise gar nicht so bekannten Melodien in Bearbeitungen vorzustellen, die den Möglichkeiten von Klarinette und Kammerorchester raffiniert angepasst wurden. Dabei wirkt die Solistin mit dem Württembergischen Kammerorchester Heilbronn unter der Leitung seines Chefdirigenten Ruben Gazarian zusammen. Das erweist sich als eine gelungene Kombination, die es der Klarinettistin ermöglicht, ihren Operntraum auszuleben. Kam musiziert temperamentvoll und bringt die Facetten der ausgewählten Musikstücke gekonnt zum Funkeln. Diese CD präsentiert Melodien von Gioachino Rossini, Giuseppe Verdi, Giacomo Puccini, Amilcare Ponchielli und Ermanno Wolf-Ferrari als brillante Konzertstücke für Klarinette – diese Metamorphose ist grandios gut gelungen, und hinreißend musiziert wird obendrein. Unbedingt anhören!  

Samstag, 5. Oktober 2013

Anna Netrebko - Verdi (Deutsche Grammophon)

Die Deutsche Grammophon legt zum 200. Geburtstag Giuseppe Verdis ein neues Album mit Starsopranistin Anna Netrebko vor. Sie singt, neben berühmten Arien und Szenen beispielsweise aus Macbeth und Il Trovatore, auch weniger bekannte Stücke, darunter eine Szene aus Verdis Frühwerk Giovanna d'Arco. Begleitet wird die Sängerin durch das Orchestra Teatro Regio Torino unter Gianandrea Noseda. Über den „Luxus-Sopran“ - so zitiert das Label die „Opera News“ - mag man geteilter Meinung sein; die Stimme der Netrebko reißt mich jedenfalls immer noch nicht vom Stuhl. Aber sie wagt sich offenbar zunehmend an Partien, die nicht in erster Linie schöne Töne, sondern vor allem Ausdrucksvermögen fordern. 
Auf dieser CD gestaltet sie Figuren, die allesamt einen Knacks weg- haben. Das gilt nicht nur für den Wahnsinn einer Lady Macbeth. „Da gibt es diese wundervolle Arie der Elena aus I Vespri Siciliani“, zitiert das Beiheft Netrebko, „die über zweieinhalb Oktaven führt und dabei so eindringlich von Schmerz und Kraft erzählt. Oder jene der Elisabetta aus Don Carlo: Man hört, wie die großen kraftvollen Gefühle in ihr noch einmal aufleben, um gegen Ende im Pianissimo zu verklingen. Wir haben es hier mit einer Frau zu tun, in der jedes Gefühl bereits zu Lebzeiten abgestorben ist.“ Es gehört wenig Phan- tasie dazu, vorherzusagen, dass sich diese Silberscheibe verkaufen wird wie geschnitten Brot. Anna Netrebko sei der Erfolg gegönnt. Denn die Sängerin ist eine großartige Botschafterin der klassischen Musik, die viele Menschen für die Oper begeistert. 

Samstag, 15. Juni 2013

Siegfried und Violetta oder List, Last, Lust und Lunge (Genuin)

Vier junge Hornisten hatten eine Idee. Das Ergebnis liegt nun im CD-Player - und es ist eine großartige Hommage an die beiden Jubilare des Jahres 2013, Richard Wagner und Giuseppe Verdi, beide geboren 1813, ja , vielleicht sogar die ori- ginellste Geburtstagsgabe, die in diesem Jahr ein Label vorgelegt hat. 
Denn Christoph Eß, Sebastian Schorr, Stephan Schottstädt und Timo Steininger - sämtlich erfolgreich im Hornisten-Beruf sowie gemeinsam als Hornquartett German Hornsound - wollten nicht einfach Musik der beiden Jubilare in schmissigen Arrangements vortragen. Und so haben sie sich auf die Suche nach einem Autor gemacht, der einen Text für dieses Pro- gramm schreibt. In Herbert Rosendorfer fanden sie den idealen Partner, der sich zudem mit Wagner bestens auskannte. Verdi hingegen war eher das Thema seines Freundes Karl Dietrich Gräwe, der sich auch an der Ideensuche beteiligte. 
Schließlich (er-)fanden Musiker und Autoren gemeinsam eine span- nende Geschichte - waren nicht Verdi und Wagner des öfteren in Venedig, mitunter sogar zur gleichen Zeit? Wäre es also nicht denk- bar, dass sie sich dort begegnet sind? Teodoro, einstmals Oberkellner in Caffé Florian auf dem Markusplatz, hat da so einiges beobachtet - und Gräwe ließ es sich nicht nehmen, diese Rolle selbst zu sprechen. Zu Wort kommt außerdem Richard Wagner; ihm gibt Martin Seifert Stimme. Herbert Rosendorfer hat leider die Premiere dieses "Opern- fragmentes in drei Akten", wie das Werk von seinen Schöpfern benannt wurde, nicht mehr erlebt. Es ist ein würdiger Schlusspunkt unter ein großes Lebenswerk. 
List, Last, Lust und Lunge erweist sich als ein geistreiches, humor- volles Opus, in dem Text und Musik in einen witzigen Dialog treten. Die vier Hörner, sehr hörenswert gespielt, kommentieren das gesprochene Wort. Dafür wurden die passenden Ausschnitte aus Werken der beiden Jubilare geschickt ausgewählt und pfiffig arrangiert. Und nicht nur Opernfreunde werden sich beim Anhören dieser beiden CD ausgezeichnet amüsieren - versprochen! 

Freitag, 24. Mai 2013

Massimo Giordano - Amore e Tormento (Giordano)

Eigentlich studierte Massimo Gior- dano Flöte am Konservatorium von Triest. Doch dann entdeckte er sein großes Talent für den Gesang – und begann nach dem Querflöten-Examen im neuen Fach gleich noch einmal mit dem Studium. Mit Erfolg: 1997 gewann der Tenor den Bellini-Gesangswettbewerb in Spoleto, wo er er dann am Teatro Lirico in Mozarts Oper La clemen- za di Tito und am Teatro Nuovo in Verdis La Traviata sein Debüt gab. Es dauerte nicht lange, bis er auch auf den großen internationalen Bühnen gefeiert wurde – eigentlich gibt es kein bedeutendes Opernhaus, an dem er noch nicht engagiert war.
Es ist erstaunlich, dass Giordano erst jetzt seine erste Solo-CD vor- stellt. Mit diesem Album kehrt zugleich BMG auf den Klassikmarkt zurück. Der Tenor präsentiert sich, wie könnte es anders sein, mit Belcanto – er singt berühmte Arien von Puccini, Verdi, Cilea, Giordano und Ponchielli. Liest man die Kritiken, die über seine Opernpremieren berichten, so drängt sich allerdings der Eindruck auf, dass dieser Sänger live auf der Bühne noch stärker überzeugt. Von seinem vielfach gepriesenen Vermögen, zu differenzieren und Figuren zu zeichnen, ist jedenfalls auf dieser CD nicht viel zu bemerken. Man lauscht ihm gern, aber an seine berühmten Kollegen reicht er (noch) nicht heran. 

Freitag, 18. Januar 2013

Viva Verdi - Ouvertures & Preludes (Decca)

Die Beziehung zwischen dem Komponisten Giuseppe Verdi und der Mailänder Scala war nicht ganz unkompliziert. Zwar erlebten auf der Bühne des renommierten Opernhauses fünf seiner sieben frühen Opern ihre Premiere. Doch dann vergingen 24 Jahre, in denen der maestro in der Scala über- haupt nicht präsent war. Als er dann wieder dort erschien, diri- gierte er Opern, die er andernorts schon vorgestellt hatte. Doch so ganz schien er der Sache nicht zu trauen, denn er hat seine Werke eigens  für diese Aufführung über- arbeitet. 
Riccardo Chailly kann dies egal sein, denn das Orchestra Filharmo- nica della Scala spielt Verdi heutzutage so routiniert wie jedes andere professionelle Orchester auf der Welt - vielleicht aber mit einem Fünkchen mehr Herzblut. Diese Aufnahme, die mit der Sinfonia aus I vespri siciliani beginnt und mit der Sinfonia aus La forza del destino endet, unterstreicht den Sinn des Komponisten für das Dramatische. Auch wenn die Ouvertüren und Vorspiele des Komponisten formal erstaunlich unterschiedlich sind, so sind sie doch stets geniale Lösungen der Aufgabe, das Publikum auf das folgende Werk einzu- stimmen. Chailly präsentiert seine Auswahl gemeinsam mit den Musikern mit Vergnügen an den dramaturgischen Kunstkniffen Verdis, mit Sinn für Theatralik und Freude an der Melodie. Eine würdige Ouvertüre zum Verdi-Jahr 2013. 

Donnerstag, 17. Januar 2013

Rolando Villazón sings Verdi (Virgin Classics)

Nahezu zeitgleich mit dem Album, das zuvor in diesem Blog vorge- stellt worden ist, erschien eine sehr ähnliche Auswahl mit Verdi-Arien bei Virgin Classics. Dieses Kuriosum beruht darauf, dass Rolando Villazón bis 2007 bei EMI Records unter Vertrag stand. 
In den Archiven dieses Labels befinden sich etliche Aufnahmen aus jenen Anfangsjahren, in denen der Sänger noch im Vollbesitz seiner stimmlichen Mittel war - und sie schonungslos zu Markte getragen hat. So hat Virgin Classics nun Arien daraus zusammengefasst, und man stellt fest, dass die Auswahl jener stark ähnelt, die auch die Deutsche Grammophon veröffentlicht hat. Wer möchte, der kann vergleichen. In jedem Falle wird der Hörer zwar feststellen, dass das Münchner Rundfunkorchester unter Marcello Viotti bzw. besonders unter Michel Plasson sowie das Orchestra dell'Accademia Nazionale di Santa Cecilia, Roma, unter Antonio Pappano in einer anderen Liga spielen. Und er wird frustriert fest- stellen, dass nach knapp 38 Minuten Schluss ist - und dass Virgin Classics auch beim Beiheft gespart hat. Das wiederum ist schade. 

Villazón Verdi (Deutsche Grammophon)

Auch in diesem Jahr feiert die Musikwelt wieder etliche Jubiläen. So gehört nicht viel Phantasie dazu, vorherzusagen, dass 2013 eine Wagner-Woge über uns hereinbrechen wird. Und im Oktober 1813 wurde der italie- nische Komponist Giuseppe Verdi geboren - Grund genug, schon vor dem Jahreswechsel die ersten CD auf den Markt zu bringen. Ein Album mit Arien von Verdi legt beispielsweise die Deutsche Grammophon vor. Das Label hat Rolando Villazón zu seinem "Verdi-Botschafter" ernannt.
Der mexikanisch-französische Sänger ist derzeit ohne Frage der be- kannteste Verdi-Tenor. Er hat für dieses Album eine sehr persönliche Auswahl aus dem enorm umfangreichen Werk des Komponisten getroffen - und folgt zugleich seinem Lebensweg von den frühesten Werken bis zur letzten Arie, die Verdi je für Tenor geschrieben hat. So kann sich der Musikfreund neben den bekannten Hits aus den Opern Rigoletto und La Traviata auch über einige Arien freuen, die weniger häufig zu hören sind. 
Den Sänger begleitet das Orchestra Teatro Regio Torino unter Gian- andrea Noseda. Bei aller stimmlichen Malaise, die Villazón in den letzten Jahren verfolgt wie ein schwarzer Schatten, ist diese CD dennoch gelungen. Das liegt nicht zuletzt mit daran, dass Villazón klug ausgewählt hat und die großen Helden vemeidet. Auch wenn ihm das sicher nicht leicht fällt - aber der Tenor gibt hier nicht mehr stets 150 Prozent. Das Publikum dürfte auch mit hundert Prozent recht zufrieden sein; und für die eine oder andere Stelle, wo es doch zu hören ist, dass diese Stimme gelitten hat, entschädigt eine insgesamt intelligentere Stimmführung. Wenn Villazón auf den Volldampf-Ge- sang verzichtet, dann kommt mitunter eine Eleganz zum Vorschein, die durchaus ausbauwürdig erscheint.  Hoffen wir, dass sich ein Sänger mit einem solchen Potential zügeln kann - und sich in Zukunft nicht mehr verheizen lässt. Wir drücken beide Daumen! 

Freitag, 16. November 2012

Salvatore Accardo (Dynamic)

Diese Neun-CD-Box, erschienen anlässlich des siebzigsten Geburts- tages des großen Geigers Salvatore Accardo, bestätigt es wieder ein- mal: Virtuosität ist eine notwendi- ge, aber keine hinreichende Vor- aussetzung für den Musikerberuf. 
Das zeigt sich insbesondere an Accardos Auseinandersetzung mit dem Werk Nicoló Paganinis. Wir verdanken ihm viele Ersteinspie- lungen und Wiederentdeckungen - und wer darum weiß, wie der exzellent ausgebildete Nachwuchs diese Werke oftmals spielt, der wird bestätigen, dass es nichts von dem Zauber dieser Musik vermittelt, wenn man sie lediglich technisch brillant und so rasant wie eben möglich vorträgt. So erklingen Paga- ninis Drei Duette für Violine und Fagott als zwar virtuose, aber eben auch geistreiche Stücke, in denen Salvatore Accardo in einen spielerischen Wettstreit mit Claudio Gonella tritt, der die höllisch anspruchsvolle Fagott-Partie locker und mit Witz meistert. 
Auch die Kammermusik gehört offensichtlich zu den Leidenschaften Accardos. Ob das Concerto von Alberto Ginastera oder Werke von Dvorak, Verdi, Chausson, Borodin oder Rolla - in den Archiven von Dynamic fanden sich viele interessante Aufnahmen. Sie zeigen, mit welcher Sorgfalt und Hingabe der Geiger auch Werke erarbeitete, die viele namhafte Solisten gar nicht beachten. Vielen Dank an das Label für dieses großartige Porträt eines bedeutenden Musikers. 

Sonntag, 5. Februar 2012

Verdi: Il Trovatore (Oehms Classics)

Dieser Troubador ist ein Live-Mitschnitt von den Ludwigsburger Schlossfestspielen aus dem Jahre 2009 - und eine Überraschung. Denn wer bei Verdi verschreckt an zu laute Orchester, knödelnde Te- nöre und die Spitzentöne mühsam emporstemmende Primadonnen denkt, der wird erfreut feststellen, dass die Schwaben offenbar Geschmack haben. Denn sie haben auf diese geradezu klassischen Zutaten der Stadttheater-Verdi-Inszenierung verzichtet.
Allein die Besetzungsliste macht neugierig auf diese Aufnahme. Und in der Tat wird der Opernfreund schnell feststellen, dass dieser Trovatore jenen legendären Einspielungen, die man gemeinhin als Referenzaufnahmen behält, durchaus zur Seite gestellt werden kann. Simone Kermes ist eine atemberaubende Leonora. Sie singt diese Partie mit engelsgleicher Leichtigkeit, da kann nicht einmal die Callas mithalten. Kermes macht allein durch ihren Gesang verständlich, warum diese Hofdame der Prinzessin von Aragón von Männern derart umworben wird - und das Kloster wählt, als sie annehmen muss, dass Manrico, den sie liebt, im Kampf umgekommen ist. Luna vorzuheucheln, dass sie ihm gehören wird, um Manrico die Flucht zu ermöglichen, das ist für diese ätherische Gestalt ein unerhörter Schritt. 
Herbert Lippert singt den Manrico mit Strahlkraft und mit einer beeindruckenden Pianokultur, Miljenko Turk seinen Widersacher, den Grafen Luna, geschmeidig und energisch - und so, dass man auch ihm glaubt, dass er verliebt ist. Das hat man so noch nicht gehört. Yvonne Naef als Zigeunerin Azucena und vermeintliche Mutter Manricos ist vielleicht die konventionellste Stimme dieser konzertan- ten Aufführung. Doch auch sie vermag es, die Geheimnisse dieser zutiefst traumatisierten Frau glaubhaft werden zu lassen. Den Ferran- do singt Josef Wagner. 
Vergleicht man diese Aufnahme mit der bisher meiner Ansicht nach unerreichten Einspielung mit Joan Sutherland und Marilyn Horne sowie Pavarotti, Wixell und Ghiaurov, und dem National Philhar- monic Orchestra unter Richard Bonynge, so fällt sofort auf, dass die ältere Aufnahme deutlich zäher wirkt - und lauter. 
Michael Hofstetter lässt Orchester und Chor der Ludwigsburger Schlossfestspiele zwar energisch, aber dabei schlank und durchhör- bar musizieren. Statt Klangbrei gibt's Klangfarben, sorgfältig heraus- gearbeitet, und Tempi, die verblüffen. Mitunter hat man den Ein- druck, dass die Zeit stillsteht - so am Beginn von Lunas Arie Il balen del suo sorriso - dafür geht es aber ansonsten oft irrwitzig schnell voran. 
Hofstetter setzt auf die Phrasierung statt auf einen Handlungsbogen, der in dieser Oper ohnehin nicht so recht funktioniert. Daraus erge- ben sich atemberaubend intensive Momente. So hört man während Azucenas großer Erzählung im Orchester jene Kämpfe wüten, die die Zigeunerin in ihrem Inneren austrägt - und die sie erneut verleugnet, als sie Manrico bestätigt, er sei ihr Sohn. 
Hofstetter zeigt Verdi in der Tradition Donizettis und Bellinis. Er verweist auf musikalische Strukturen, und fordert seinen Sängern ein Differenzierungsvermögen ab, mit dem sogenannte "dramatische" Stimmen wahrscheinlich überfordert gewesen wären. Nicht Dynamik entscheidet, meint Hofstetter, sondern sängerische Intelligenz und Geläufigkeit. Das Ergebnis ist grandios - Verdi für das 21. Jahrhun- dert; und davon möchte man noch viel mehr hören. 

Donnerstag, 5. August 2010

Korsakova: Opera Fantasies (Solo Musica)

Natascha Korsakowa entstammt einer Musikerdynastie. Sie ist die Ururgroßnichte von Nikolai Rimskij-Korsakow; ihre Mutter ist die griechische Pianistin Yolantha Miroshnikova, ihr Vater der 1991 verstorbene russische Geiger Andrej Korsakow. 
Sie begann in Alter von fünf Jahren, selbst Violine zu spielen; Unterricht erteilte ihr zunächst ihr Großvater Boris Korsakow, eben- falls erfolgreich als Solist. Nun schreibt sie selbst ein weiteres Kapitel dieser Familiengeschichte; und das gar nicht ungeschickt.
So hat sie für Solo Musica eine sehr CD mit Opernparaphrasen einge- spielt - schöne, eingängige, teilweise auch virtuose Musik. Allerdings hat sie dafür Bearbeitungen ausgesucht, die wohl zu keinem Zeitpunkt die Funktion hatten, für die diese Gattung ursprünglich entstanden war. Denn vor der Erfindung von Schallplatte und Radio war es durchaus üblich, dass schon wenige Tage nach der Premiere einer neuen Oper die "Hits" im Druck erschienen, und vom begeisterten Publikum daheim gespielt wurden. 
Für die gehobene Hausmusik freilich sind die Stücke auf dieser CD wohl zu schwierig; sie sind offenkundig eher als "Virtuosenfutter" in der Tradition der Fantaisie brillante entstanden. Den Rahmen bilden zwei Werke, die sich mit Gershwins Oper Porgy and Bess auseinan- dersetzen. Der russische Geiger Igor Frolow, ein Schüler David Oistrachs, schuf eine Opern-Fantasie ganz im Stil des 19. Jahrhun- derts. Jascha Heifetz bleibt näher am Original, setzt aber dennoch stark auf geigerische Zirzensik. Natascha Korsakowa hat damit technisch keine Probleme; aber das jazzig-schmissige Spiel scheint ihr mehr Vergnügen zu bereiten. 
Von Henri Vieuxtemps stammt eine Fantaisie brillante über Themen aus Verdis Oper Ernani. Antonio Bazzini - Schumann zählte den Geiger seinerzeit "gewiß zu den größten der Gegenwart" - kompo- nierte eine Fantasia über Themen aus Verdis La Traviata. Als Überraschung erweist sich zudem eine Fantasie über Hoffmanns Erzählungen von Jacques Offenbach aus der Feder von Franz Drdla, einem tschechischen Violinisten. Diese beiden ebenso charmanten wie raffinierten Werke sind für mich die Höhepunkte der CD. Außerordentlich amüsant ist aber auch eine Konzert-Transkription von Mario Castelnuovo-Tedesco, der Rossinis berühmte Figaro-Arie in einen Hexenritt quer durch die Musikgeschichte verwandelt.
Kira Ratner am Piano begleitet perfekt, die beiden Frauen spielen wie aus einem Atem. Wenn die Süddeutsche Zeitung das Spiel der Korsakowa allerdings als "sündhaft schönes Hörerlebnis" bejubelt, dann scheint diese Begeisterung wohl eher auf optischem Wege entstanden zu sein. Die Solistin trägt auf der Bühne ausschließlich Outfits von Laura Biagiotti und ist als "Testimonial" für dieses Modehaus tätig; auch ihre Homepage wimmelt von knackigen Fotos. Nun ist gutes Aussehen ja am Musikmarkt gewiss nicht hinderlich; allerdings würde man sich auch musikalisch über etwas mehr Pfeffer freuen.

Montag, 5. April 2010

Verdi: Messa da Requiem (Deutsche Grammophon)

Ein Konzertmitschnitt aus der Stuttgarter Liederhalle, entstanden im November 1960 - in einer Zeit, als die Stars noch in der Nachbar- schaft wohnten, und nicht nur zum Konzert eingeflogen wurden. Auch die Gesangskultur war eine andere, wie dieses Solistenquartett zeigt - da wird miteinander musiziert, statt um die Wette zu tönen. Natürlich sind die vier Sänger keine Spezialisten fürs italienische Fach; selbst Fritz Wunderlich wirkt etwas angestrengt, aber er wäre in solche Partien ganz sicher hineingewachsen, wenn ihm die Lebenszeit dazu vergönnt gewesen wäre. Wer also den legendären Tenor mit diesem Werk hören will, der muss sich mit dieser Aufnahme be- scheiden - und damit abfinden, dass hier neben dem Südfunk-Chor auch der Stuttgarter Lehrergesangsverein und der Bachchor Stuttgart mitsingen, ein wackerer Haufen zwar begeisterter, aber dennoch musikalischer Laien. Auch Hans Müller-Kray, der diese Sänger- scharen sowie das Südfunk-Sinfonieorchester dirigierte, hat ganz sicher nicht das Format eines Karajan oder Toscanini. Wer sich aber mit dem Gedanken anfreunden kann, dass es sich hier um die Auf- zeichnung eines Konzertes mit lokaler Besetzung und ursprünglich auch nur regionaler Relevanz handelt, der wird viel Staunenswertes finden.

Samstag, 30. Januar 2010

Il bel sogno - Inva Mula, Opera Arias (Virgin Classics)

Die albanische Sopranistin Inva Mula stellt sich auf dieser CD mit Arien von Puccini, Verdi, Gounod und Massenet vor. Die Sängerin ist seit vielen Jahren "im Geschäft", und kann auf eine lange Reihe von Preisen und Engagements an ersten Häusern verweisen. 
Ihre Stimme ist durchaus beein- druckend - wandlungsfähig, voll- und wohltönend durch alle Register, weich und geschmeidig. Hervorzuheben ist zudem die Tatsache, dass Mula in jeder Lage ein berückendes, intensives Piano zur Verfügung steht. Als winziges Manko sei hier jedoch vermerkt, dass sie am Ende mancher Phrase leider minimal zu tief wird.
Ob Traviata, Manon, Mimi, Mireille oder Margarethe - der Sängerin gelingt es stets, innerhalb weniger Takte eine Figur zu erschaffen. Wenn sie so spielt, wie sie singt, dann dürfte dieser Sinn für Dramatik jeden Operndirektor erfreuen. Und es wäre schön, wenn man sie mit ihrem französischen Repertoire vielleicht auch einmal in einer Gesamtaufnahme erleben könnte.

Dienstag, 19. Januar 2010

Erwin Schrott: Arias by Mozart, Verdi, Berlioz, Gounod & Meyerbeer (Decca)


Erwin Schrott, bekannt geworden dank Klatschpresse als Vater des Netrebko-Babys, schaut vom Cover dieser CD wie ein Boss-Model. Doch die Dämonie, die die Typographie ebenso wie die Auswahl der Arien suggeriert, habe ich in seinem Gesang nicht wiedergefunden. Die Teufel von Berlioz, Gounod und Meyerbeer singt er sauber - und?!
Am besten gefällt mir der uruguayische Bassbariton als enttäuschter Philippe von Spanien, der feststellen muss, dass ihn seine Frau Elisabeth nur aus Gründen der Staatsraison geheiratet hat. Verdi liegt ihm, keine Frage.
Über die Stimme des Sängers ist nicht viel zu sagen - leider auch nicht viel Gutes. Seine Technik ist solide, aber nicht überragend. Und es fehlt seinen Interpretationen an Ecken und Kanten; das Ergebnis: Klangbrei, zum Sattlöffeln und Wohlfühlen, doch ohne Wieder-erkennungswert.
Mozart jedenfalls können andere besser. Schrott nimmt man letzten Endes weder einen Figaro noch einen Leporello oder einen Don Giovanni ab - da fehlt etwas, was ein guter Freund unnachahmlich zutreffend  "vokalen Sex Appeal" genannt hat. Schrotts Gesang führt das Publikum nicht in Versuchung; das Prickeln bleibt aus. Schade.

Mittwoch, 15. Juli 2009

Und es blitzten die Sterne - Fritz Wunderlich (Deutsche Grammophon)

Das ist Gesang! Diese herrliche Stimme, perfekte Technik, intelligente Gestaltung - es ist immer wieder eine Freude, Wunderlich zu hören. Erneut hat die Deutsche Grammophon aus ihren Archivbeständen eine CD mit Aufnahmen dieses grandiosen Tenors zusammengestellt, diesmal mit Opern-Arien von Mozart, Verdi, Puccini, Rossini, Tschaikowski und Lortzing. Sie lassen ahnen, welche Möglichkeiten der Sänger gehabt hätte - wenn er denn nicht so jung ums Leben gekommen wäre. Phantastisch!