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Dienstag, 15. Dezember 2020

Adventskonzert (Berlin Classics)


Man glaubt es kaum, aber die vorweihnachtlichen Konzerte des Dresdner Kreuzchores in einem Fussballstadion gibt es erst seit 2015. Damals hatte der weltberühmte Knabenchor anlässlich seines 800jährigen Bestehens die Dresdner erstmals zum Adventskonzert eingeladen. Mittlerweile hat sich das Konzert zu einem Event entwickelt, zu dem alljährlich mehr als 25.000 Menschen anreisen; zudem erleben Hunderttausende das Programm zu Hause am TV mit. 

Wenn die großen Stars aus Klassik und Pop gemeinsam mit den Kruzianern Weihnachtslieder singen, wenn das Publikum begeistert mit einstimmt, und wenn auf den Rängen und auf dem Rasen tausende kleine Lichter aufleuchten, dann ist wieder ein Jahr vergangen, und einmal mehr steht Weihnachten vor der Tür. In diesem Jahr allerdings hat die Corona-Pandemie auch dieses Großereignis verhindert. 

Dennoch muss das Publikum nicht auf die stimmungsvollen Klänge verzichten. Denn die Kruzianer sind unter der Leitung von Kreuzkantor Roderich Kreile ebenso ins Studio gegangen wie Rockstar Peter Maffay, die finnische Sopranistin Camilla Nylund, Tenor Klaus Florian Vogt, die Musicalsängerin Sabrina Weckerlin sowie die norwegische Trompeterin Tine Thing Helseth. So entstand unter strengen Hygienebedingungen dieses Album. Und man staunt, wie professionell sich die Jungs auf die ungewohnten Arbeitsbedingungen eingestellt haben – zu hören ist das nicht; alles klingt gewohnt klar und weihnachtlich. 

An der Seite der Chorsänger und der Solisten musiziert auch in diesem Jahr das Cross Bell Orchestra, bestehend aus renommierten Band- und Studiomusikern, unter der Leitung von Peter Christian Feigel. Ob Orgel- oder Saxophonsound – auf zwei CD erklingen bekannte Weihnachtsmelodien in klassischen und modernen Arrangements. Ein wichtiger Höhepunkt im umfangreichen Programm ist die Weihnachtsgeschichte aus dem Lukas-Evangelium, gelesen von Samuel Koch. 

So bringt dieses Album festliche Stimmung in die vorweihnachtliche Stube – auch wenn in diesem Jahr die Weihnachtsmärkte abgesagt sind, in den Gottesdiensten nicht gesungen werden darf, und alle Konzerte ausfallen müssen. Von Herzen Dank an alle Beteiligten, für ein Stück Normalität in einer äußerst seltsamen Zeit. 


Montag, 7. August 2017

Variations over Variations (Aurora)

Neue Musik von norwegischen Komponisten ist auf dieser CD zu hören: Alfred Janson, Knut Vaage, Maja Ratkje und Jan Erik Mikalsen unterscheiden sich nicht nur durch Alter, Ausbildung und Wohnort. Jeder von ihnen hat auch seine ganz individuelle musikalische Handschrift. Aber jeder nimmt in seinem Werk auf einzigartige Weise Bezug auf norwegische Traditionen. 
So bezieht sich beispielsweise Variations Over Variations von Alfred Janson auf die g-Moll-Ballade von Edvard Grieg, die wiederum eigentlich aus Variationen über ein norwegisches Volkslied besteht. Mit seinen Variationen über Griegs Variationen schuf er ein originelles Trompetenkonzert für Tine Thing Helseth – das auf dieser CD in Erstaufnahme erklingt. Die Trompeterin musiziert gemeinsam mit dem Kringkastingsorkestret, dem Norwegischen Rundfunkorchester, das unter Leitung von Miguel Harth-Bedoya auch die anderen zeitgenössischen Kompositionen aufmerksam erkundet. 

Freitag, 1. März 2013

Tine (Emi Classics)

Diese Musikerin kann sich Under- statement leisten: Die norwegische Trompetenvirtuosin Tine Thing Helseth nannte ihr neues Album schlicht Tine. Auf der CD spielt sie gemeinsam mit der Pianistin Kathryn Stott Trompetenstücke und Arrangements von Werken, die ursprünglich für ein anderes Melodieinstrument oder Sing- stimme geschrieben wurden, aber auch auf der Trompete verblüffend gut klingen.
"In gewisser Weise kann man wohl sagen, dass diese Liste von Stücken für mich den perfekten Musikabend darstellt", schreibt Helseth in Beiheft, "vom Beginn mit der spielerischen, jazzigen Impromptu von Ibert bis zur monumen- talen Hindemith-Sonate am Ende, deren abschließende Choralzeile lautet ,Alle Menschen müssen sterben' - darauf kann nicht mehr viel folgen." Doch es folgen darauf noch die Vocalise von Rachmaninoff und zwei hübsche Kreisler-Stücke.
"Die Trompete ist genau so ein expressives Instrument die die Vio- line, die Querflöte oder die menschliche Stimme", meint die Musi- kerin. "Wir Trompeter können dies in einem Stück wie der Vocalise klar herausstellen." In dem informativen Beiheft erläutert Helseth ihre Werkauswahl und gibt Informationen zu den einzelnen Stücken. Das ist durchaus interessant, denn die CD enthält nicht nur Musik von bekannten Komponisten wie Jacques Ibert, Alexander Glasunow, Giacomo Puccini, Manuel de Falla oder George Enescu. Die Trompete- rin spielt auch Werke ihrer Landsleute Edvard Hagerup Bull und Oistein Sommerfeldt.   
Das Programm dieser CD ist aber nicht nur abwechslungsreich, es gibt den beiden Musikerinnen auch die Gelegenheit, sehr verschiedene Klangfarben einzusetzen, und sehr unterschiedliche technische Herausforderungen zu bewältigen. Helseth erweist sich erneut als eine brillante Trompeterin, die hörbar Vergnügen daran hat, die Möglichkeiten ihres Instrumentes auszuloten. Mit Charme und Spielfreude führt sie zudem gemeinsam mit Stott das Publikum auch an weniger populäre Bereiche des Repertoires heran. Ich jedenfalls habe den beiden jungen Damen gern dabei zugehört. 

Freitag, 20. Juli 2012

tenThing (EMI Classics)

Die weiblichen Wesen auf dem Cover dieser CD sehen aus, als könnten sie kein Wässerchen trü- ben. Doch wer sie spielen gehört hat, der weiß, dass dies ein Irrtum ist. Denn die zehn jungen Damen, die hier auf Trompeten, Flügel- horn, Waldhorn, Posaunen und Bassposaune sowie Tuba musizie- ren, sind durchweg exzellente Fachfrauen. "In Norwegen wollen viele junge Mädchen Blechblas- instrumente spielen, das ist also normal", kommentiert die Trom- peterin Tine Thing Helseth, Gründerin und Leiterin des Ensembles, diese Tatsache. In anderen Regionen freilich  gelten andere Sitten, weiß die Musikerin: "Wenn wir nach Deutschland gehen, heißt es: , Wow! Ist das möglich?' Als ich in Russland war und über tenThing sprach, sagten sie: ,Wie können Mädchen Tuba oder Posaune spie- len? Das ist unmöglich!' Wir können ihnen zeigen, dass es möglich ist."
Diese "Mädchen" könnten in jedem Orchester dieser Welt musizieren. Fünfmal im Jahr treffen sie sich, um als Ensemble zu proben und zu konzertieren. Und das Ergebnis ist phänomenal. "Carmen in sechsein- halb Minuten zu spielen, macht so viel Spaß", sagt Helseth. Dabei setzen die Mädels aber nicht einfach plump auf den Blaskapellen- sound. Ihre Carmen ist ebenso sexy wie gefährlich, und auch ihre Interpretation ausgewählter Stücke aus der Dreigroschenoper hat es schwer in sich. Hier nutzen die Musikerinnen die Neigung des Kompo- nisten Kurt Weill, französische Vulgarität mit stereotyper deutscher Steifheit zu verbinden, "um die Musik besonders spukig zu machen", meint Helseth. Und man kann sich gut vorstellen, dass sie dabei lacht. Ausdrucksstärke und Spielfreude zeichnen diese CD aus - und was zehn Finger auf dem Klavier oder der Gitarre hinbekommen, das lässt sich offenbar auch mit zehn Blasinstrumenten umsetzen.
Man muss jedenfalls sagen, dass Asturias von Isaac Albéniz oder die Tangos von Astor Piazzolla in der Brass-Version ganz hervorragend klingen. Beim Rondo alla Turca von Mozart können die Musikerinnen ihre Virtuosität demonstrieren. Natürlich erklingen auch drei Stücke von Edvard Grieg. Und weil die Musikerinnen auch ein Stück spielen wollten, das kein Arrangement ist, haben sie die Blechbläser-Sinfonie von Jan Koetsier mit ausgewählt. Eine Super-CD - wer gern Canadian Brass hört, der wird auch von tenThing begeistert sein.