Sie kommen längst nicht mehr nur vom Bodensee, und sie haben eine gemeinsame Leidenschaft: Das Ensemble Lake Brass, gegründet 2010 als Hornquartett, ist heute mit zwölf Hörnern, zwei Tenorhörnern, Tuba und drei Schlagzeugern üppig besetzt. Seit 2017 wird Lake Brass von Norbert Stertz, Professor für Horn an der Hochschule für Musik Detmold, geleitet. Und die Musiker stammen aus vielen verschiedenen Ländern. Auf ihrer ersten CD bei Genuin präsentieren sie einen satten Blechbläsersound mit imposantem Fundament. Was für eine Tiefblechgruppe!
Das Programm ist abwechslungsreich. Zu hören ist Filmmusik von Hans Zimmer, Steve Jablonsky, Trevor Jones, John Powell und John Williams, dazu Sinfonisches von Gustav Mahler, Kammermusik von Dmitri Schostakowitsch, Felix Mendelssohn Bartholdys berühmter Chor Abschied vom Walde in einem Arrangement für Lake Brass, und auch zwei Premieren sind dabei: Die Bodensee Fantasie von Kerry Turner und Zerberus von Alexander Reuber, speziell für das Ensemble geschrieben, erklingen in Weltersteinspielung. Man staunt einmal mehr darüber, wie nuancen- und farbenreich Blechbläser musizieren können. Es ist herrlich, der Sound ist großartig, das kann man mit Worten gar nicht erfassen. Wer den Hörnerklang liebt, der sollte sich diese CD auf gar keinen Fall entgehen lassen.
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Mittwoch, 30. Oktober 2019
Donnerstag, 10. Oktober 2013
Paganini: Violin Concerto No. 5 (Naxos)
Noch eine CD mit Werken von Niccolò Paganini (1782 bis 1840), seufzt der Rezensent, und drückt die „Play“-Taste. Doch schon das erste Stück, das erklingt – das Moto perpetuo op. 11 – lässt aufhorchen. Und im Anschluss daran überzeugt dann das fünfte Violinkonzert vollends, diese Aufnahme bis zum Schluss anzu- hören.
Iwan Potschekin musiziert wirklich brillant, und sein Zusammenspiel mit dem Russian Philharmonic Orchestra unter Dmitri Jablonski ist vom ersten bis zum letzten Ton eine Freude. Die Musiker spielen Paganinis Werke nicht als virtuose Solisten-Turnübung mit Orchesterhintergrund, sie nehmen sie vielmehr ernst und gestalten sie mit großer Sorgfalt. Das Ergebnis begeistert – dies ist eine der besten Paganini-Einspielungen, die ich je gehört habe. Und die I palpiti op. 13 setzen einen würdigen Schluss- punkt.
Iwan Potschekin musiziert wirklich brillant, und sein Zusammenspiel mit dem Russian Philharmonic Orchestra unter Dmitri Jablonski ist vom ersten bis zum letzten Ton eine Freude. Die Musiker spielen Paganinis Werke nicht als virtuose Solisten-Turnübung mit Orchesterhintergrund, sie nehmen sie vielmehr ernst und gestalten sie mit großer Sorgfalt. Das Ergebnis begeistert – dies ist eine der besten Paganini-Einspielungen, die ich je gehört habe. Und die I palpiti op. 13 setzen einen würdigen Schluss- punkt.
Mittwoch, 2. Februar 2011
Weinberg: Complete Music for Solo Cello (Naxos)
Mieczyslaw Wajnberg, geboren 1919 in Warschau, wuchs in einer Künstlerfamilie auf. Sein Vater war ein bekannter Komponist und Ka- pellmeister am Jüdischen Theater, seine Mutter Schauspielerin. Im Alter von zwölf Jahren begann Wajnberg seine Ausbildung am Warschauer Konservatorium, die er 1939 mit Erfolg abschloss. Eigentlich sollte er seine Studien in den USA fortsetzen. Diese Pläne aber ließen sich nicht verwirkli- chen, denn wenig später mar- schierten die Deutschen in Polen ein. Wajnberg floh zu Fuß nach Russland.
Es wird berichtet, dass ihn zunächst seine zwei Jahre jüngere Schwester Esther begleitete. Doch sie lief sich die Füße wund, und kehrte bald um, zurück zu den Eltern. Wajnberg, oder Weinberg, wie er in Russland geschrieben wurde, sah sie niemals wieder. Erst Jahre später fand er heraus, dass seine Angehörigen erst im Ghetto Lodz interniert und dann im Lager Trawniki umgebracht worden waren.
Weinberg ging nach Minsk, und studierte dort am Konservatorium Komposition. Nach Kriegsbeginn wurde er nach Taschkent evakuiert. Dort schuf er seine ersten größeren Werke - und lernte Dmitri Schostakowitsch kennen. 1943 folgte er ihm nach Moskau. Von Shdanows Formalismusdebatte, die seinen berühmten Kollegen Schostakowitsch und Prokofjew viel Ärger brachte, blieb Weinberg verschont. Doch ihn erwischte eine andere "Säuberungswelle" der Stalinzeit: 1953 wurde er verhaftet und des "jüdisch-bourgeoisen Nationalismus" bezichtigt. Schostakowitsch setzte sich persönlich bei Berija für den Kollegen ein. Dann starb glücklicherweise Stalin; Weinberg kam frei und wurde rehabilitiert.
Der Komponist blieb bis zu seinem Tode 1996 in Moskau. Er schuf unter anderem 22 Sinfonien, sieben Opern, mehr als 40 Filmmusiken, 17 Streichquartette, acht Sonaten für Violine, sowie 24 Präludien und sechs Sonaten für Violoncello. Experten gilt er neben Schostako- witsch und Prokofjew als der dritte große russische Komponist seiner Zeit.
In seinen Werken nimmt die Trauer um die ermordete Familie und die zerstörte Heimat breiten Raum ein. Immer wieder erklingen Zitate, werden gebrochen, zermalmt statt entwickelt. Immer wieder aber entspringen aus den zerborstenen Strukturen auch neue Melodien - wie Grashalme, die aus Beton austreiben.
Der lettisch-amerikanische Cellist Josef Feigelson spielte für Naxos sämtliche Solowerke Weinbergs für Violoncello ein - seine wunder- baren 24 Präludien, und die vier Solo-Sonaten. Sein russischer Kollege Dmitri Jablonski interpretierte ebenfalls für Naxos zwei der Solosonaten - die erste und die dritte - sowie gemeinsam mit der Pianistin Hsin-Ni Liu die beiden Cellosonaten op. 21 und op. 63.
Es wird berichtet, dass ihn zunächst seine zwei Jahre jüngere Schwester Esther begleitete. Doch sie lief sich die Füße wund, und kehrte bald um, zurück zu den Eltern. Wajnberg, oder Weinberg, wie er in Russland geschrieben wurde, sah sie niemals wieder. Erst Jahre später fand er heraus, dass seine Angehörigen erst im Ghetto Lodz interniert und dann im Lager Trawniki umgebracht worden waren.
Weinberg ging nach Minsk, und studierte dort am Konservatorium Komposition. Nach Kriegsbeginn wurde er nach Taschkent evakuiert. Dort schuf er seine ersten größeren Werke - und lernte Dmitri Schostakowitsch kennen. 1943 folgte er ihm nach Moskau. Von Shdanows Formalismusdebatte, die seinen berühmten Kollegen Schostakowitsch und Prokofjew viel Ärger brachte, blieb Weinberg verschont. Doch ihn erwischte eine andere "Säuberungswelle" der Stalinzeit: 1953 wurde er verhaftet und des "jüdisch-bourgeoisen Nationalismus" bezichtigt. Schostakowitsch setzte sich persönlich bei Berija für den Kollegen ein. Dann starb glücklicherweise Stalin; Weinberg kam frei und wurde rehabilitiert.
Der Komponist blieb bis zu seinem Tode 1996 in Moskau. Er schuf unter anderem 22 Sinfonien, sieben Opern, mehr als 40 Filmmusiken, 17 Streichquartette, acht Sonaten für Violine, sowie 24 Präludien und sechs Sonaten für Violoncello. Experten gilt er neben Schostako- witsch und Prokofjew als der dritte große russische Komponist seiner Zeit.
In seinen Werken nimmt die Trauer um die ermordete Familie und die zerstörte Heimat breiten Raum ein. Immer wieder erklingen Zitate, werden gebrochen, zermalmt statt entwickelt. Immer wieder aber entspringen aus den zerborstenen Strukturen auch neue Melodien - wie Grashalme, die aus Beton austreiben.
Der lettisch-amerikanische Cellist Josef Feigelson spielte für Naxos sämtliche Solowerke Weinbergs für Violoncello ein - seine wunder- baren 24 Präludien, und die vier Solo-Sonaten. Sein russischer Kollege Dmitri Jablonski interpretierte ebenfalls für Naxos zwei der Solosonaten - die erste und die dritte - sowie gemeinsam mit der Pianistin Hsin-Ni Liu die beiden Cellosonaten op. 21 und op. 63.
Samstag, 16. Oktober 2010
Fikret Amirov: Shur (Naxos)
Fikret Amirov (1922 bis 1984) war ein prominenter aserbaidschani- scher Komponist. Er integrierte als erster Elemente aus der Volksmu- sik, wie er sie schon im Elternhaus kennenlernte, in klassische Kompositionen. Diese CD stellt einige seiner bekanntesten Werke vor: Shur, Kyurdi Ovshari und Gyulistan Bayati Shiraz, die auf sogenannten mugams basieren, einer Art Ballade, die in traditio- neller Manier von einem Sänger vorgetragen und durch Instru- mente begleitet wird. Auch Azerbaijan Capriccio beruht auf Motiven aus der Volksmusik des Landes, die jedoch ebenfalls sehr modern verarbeitet und in "westliche" Instrumentierung umgesetzt wird.
So erinnern diese Werke an eine Filmmusik mit fremdartigen Anklängen, die aber in einer vertraute Matrix eingebettet sind. Das Russian Philharmonic Orchestra unter Dmitri Jablonski bringt die ungewohnten Klangfarben souverän zum Leuchten. Es ist schön, dass Naxos solche Entdeckungen ermöglicht - und nicht nur Werke vor- stellt, die für den Massenmarkt gestylt sind.
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