Sie kommen längst nicht mehr nur vom Bodensee, und sie haben eine gemeinsame Leidenschaft: Das Ensemble Lake Brass, gegründet 2010 als Hornquartett, ist heute mit zwölf Hörnern, zwei Tenorhörnern, Tuba und drei Schlagzeugern üppig besetzt. Seit 2017 wird Lake Brass von Norbert Stertz, Professor für Horn an der Hochschule für Musik Detmold, geleitet. Und die Musiker stammen aus vielen verschiedenen Ländern. Auf ihrer ersten CD bei Genuin präsentieren sie einen satten Blechbläsersound mit imposantem Fundament. Was für eine Tiefblechgruppe!
Das Programm ist abwechslungsreich. Zu hören ist Filmmusik von Hans Zimmer, Steve Jablonsky, Trevor Jones, John Powell und John Williams, dazu Sinfonisches von Gustav Mahler, Kammermusik von Dmitri Schostakowitsch, Felix Mendelssohn Bartholdys berühmter Chor Abschied vom Walde in einem Arrangement für Lake Brass, und auch zwei Premieren sind dabei: Die Bodensee Fantasie von Kerry Turner und Zerberus von Alexander Reuber, speziell für das Ensemble geschrieben, erklingen in Weltersteinspielung. Man staunt einmal mehr darüber, wie nuancen- und farbenreich Blechbläser musizieren können. Es ist herrlich, der Sound ist großartig, das kann man mit Worten gar nicht erfassen. Wer den Hörnerklang liebt, der sollte sich diese CD auf gar keinen Fall entgehen lassen.
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Mittwoch, 30. Oktober 2019
Mittwoch, 21. Dezember 2016
Bach: Christmas Oratorio (Linn)
Der Eingangschor des Weihnachts- oratoriums von Johann Sebastian Bach, mit Pauken und Trompeten, wird typischerweise von einem großen Chor gesungen. Kantoreien landauf, landab üben lange daran, vor allem auch an den Koloraturen. „Jauchzet, frohlocket?“ – naja, letztendlich ist der Zuhörer oftmals froh, wenn die Massen ohne größere Verluste an musikalischer Substanz über die gesangstechnischen Klippen gelangt sind, die Bach da aufgetürmt hat.
John Butt hat Bachs originale Noten sorgsam studiert, und dann beschlossen, das Weihnachtsoratorium mit seinem Dunedin Consort gänzlich anders aufzuführen: Auf dieser CD wird alles von Solisten gesungen. „First, I have assumed a corpus of eight ,expert' singers who shared out the unusually protracted task of singing six cantatas over the short period between Christmas and Epiphany“, erläutert Butt im Beiheft. „Therefore, ohne group of four sings three oft the parts (Parts 1, 3 and 6) and the other group remainder (Parts 2, 4 and 5). For the three parts with trumpets (Parts 1, 3 and 6) I have added ripie- nists to the choruses and chorales (sometimes differentiating between tutti and solo when the texture seems to call for it, just as Bach seems to have done when he provided ripieno parts).“
Ebenso differenziert gestaltet Butt auch die Tempi; so geht er in den Ein- gangschor längst nicht so rasant wie viele seiner Kollegen – was aber den Sängern erlaubt, Bachs Verzierungen wirklich auszusingen. Das Solisten- quartett ist in den Chören, auch in denen ohne Ripienisten, sehr präsent und gut über das Orchester hinweg zu hören, das von John Butt vom Cembalo aus geleitet wird. Die schlanke Besetzung hat hier große Vorzüge – so transparent jedenfalls habe ich die Chöre noch nie gehört. Die Auf- nahme zeichnet sich generell aus durch ein heiter-beschwingtes Musizie- ren, das aber nie plump und oberflächlich wird. Sehr gut ausbalanciert, wohldurchdacht, und insgesamt sehr hörenswert!
John Butt hat Bachs originale Noten sorgsam studiert, und dann beschlossen, das Weihnachtsoratorium mit seinem Dunedin Consort gänzlich anders aufzuführen: Auf dieser CD wird alles von Solisten gesungen. „First, I have assumed a corpus of eight ,expert' singers who shared out the unusually protracted task of singing six cantatas over the short period between Christmas and Epiphany“, erläutert Butt im Beiheft. „Therefore, ohne group of four sings three oft the parts (Parts 1, 3 and 6) and the other group remainder (Parts 2, 4 and 5). For the three parts with trumpets (Parts 1, 3 and 6) I have added ripie- nists to the choruses and chorales (sometimes differentiating between tutti and solo when the texture seems to call for it, just as Bach seems to have done when he provided ripieno parts).“
Ebenso differenziert gestaltet Butt auch die Tempi; so geht er in den Ein- gangschor längst nicht so rasant wie viele seiner Kollegen – was aber den Sängern erlaubt, Bachs Verzierungen wirklich auszusingen. Das Solisten- quartett ist in den Chören, auch in denen ohne Ripienisten, sehr präsent und gut über das Orchester hinweg zu hören, das von John Butt vom Cembalo aus geleitet wird. Die schlanke Besetzung hat hier große Vorzüge – so transparent jedenfalls habe ich die Chöre noch nie gehört. Die Auf- nahme zeichnet sich generell aus durch ein heiter-beschwingtes Musizie- ren, das aber nie plump und oberflächlich wird. Sehr gut ausbalanciert, wohldurchdacht, und insgesamt sehr hörenswert!
Montag, 8. Dezember 2014
The Wexford Carols (Heresy)
Weihnachtslieder aus Irland präsen- tiert die irische Sängerin Caitríona O’Leary. Die uralten Songs erklingen bis zum heutigen Tage in der Gemein- de Kilmore, gelegen in der Grafschaft Wexford. Grundlage für diese Auf- nahme sind zwei Sammlungen von Weihnachtsliedern: 1684 veröffent- lichte Bischof Luke Waddinge „A Smale Garland of Pious & Godly Songs“ mit elf Liedern. Darauf nahm Father William Devereux Bezug, der 1728 ebenfalls elf Lieder unter dem Titel „A New Garland Containing Songs for Christmas“ publizierte.
Die frommen Texte, gedichtet auf damals bekannte irische Volksmelodien, wurden schon bald populär. Denn die Iren lebten damals in Elend und Verfolgung; den Katholiken war sogar das Feiern der Heiligen Messe verboten. Die Wexford Carols erzählen nicht nur die Weihnachtsge- schichte, sie gaben zugleich den Unterdrückten und ihrer tiefen Religiosität eine Stimme.
„I have been fascinated by these sublime carols for the past 25 years, ever since I first heard Nóirín Ní Riain's beautiful album, The Darkest Mid- night, and completely enthralled since I first heard the carol singers of Kilmore one cold Christmas some 5 years later“, berichtet O'Leary im Beiheft zu dieser CD. „Over the past 20 years I have been singing and studying the carols with the notion of expanding the current living tradition, and have also, I believe, found several of the tunes that had been lost.“
An dieser Einspielung, die der vierfache Grammy-Gewinner Joe Henry produziert hat, beteiligten sich rings um Caitríona O'Leary, Tom Jones, Rosanne Cash und Rhiannon Giddens etliche versierte Musiker. Das Ergebnis ist stilistisch zu verorten irgendwo zwischen traditionellen Christmas Carols und moderner Rockmusik, zwischen Irish Folk und Gospel. Wer diese Mischung mag, der dürfte von diesem Album schwer begeistert sein.
Die frommen Texte, gedichtet auf damals bekannte irische Volksmelodien, wurden schon bald populär. Denn die Iren lebten damals in Elend und Verfolgung; den Katholiken war sogar das Feiern der Heiligen Messe verboten. Die Wexford Carols erzählen nicht nur die Weihnachtsge- schichte, sie gaben zugleich den Unterdrückten und ihrer tiefen Religiosität eine Stimme.
„I have been fascinated by these sublime carols for the past 25 years, ever since I first heard Nóirín Ní Riain's beautiful album, The Darkest Mid- night, and completely enthralled since I first heard the carol singers of Kilmore one cold Christmas some 5 years later“, berichtet O'Leary im Beiheft zu dieser CD. „Over the past 20 years I have been singing and studying the carols with the notion of expanding the current living tradition, and have also, I believe, found several of the tunes that had been lost.“
An dieser Einspielung, die der vierfache Grammy-Gewinner Joe Henry produziert hat, beteiligten sich rings um Caitríona O'Leary, Tom Jones, Rosanne Cash und Rhiannon Giddens etliche versierte Musiker. Das Ergebnis ist stilistisch zu verorten irgendwo zwischen traditionellen Christmas Carols und moderner Rockmusik, zwischen Irish Folk und Gospel. Wer diese Mischung mag, der dürfte von diesem Album schwer begeistert sein.
Donnerstag, 26. Januar 2012
Czerny: Piano Sonatas; Jones (Nimbus Records)
Carl Czerny (1791 bis 1857) war der Sohn eines tschechischen Oboisten, Organisten, Sängers und Klavierlehrers. Er wuchs in Wien auf, und sein Vater begann, ihn im Klavierspiel zu unterrichten, als er drei Jahre alt war. Mit sieben Jah- ren begann Carl, zu komponieren, und obendrein spielte er ziemlich gut Geige. Das führte dazu, dass sein Geigenlehrer Wenzel Krump- holz das Wunderkind schließlich Beethoven vorstellte - der den Zehnjährigen als Schüler annahm.
Bei der Uraufführung von Beethovens fünftem Klavierkonzert 1811 in Leipzig spielte Carl Czerny den Solopart. Er komplettierte seine Aus- bildung bei Muzio Clementi, Johann Nepomuk Hummel und Antonio Salieri. Dennoch begeisterte er sich weniger für das Konzertpodium als vielmehr für das Unterrichten. Zu seinen Schülern gehörte beispielsweise Franz Liszt, der Czerny später die Etudes d'exécution transcendante widmete.
Obwohl Carl Czerny mehr als tausend Werke komponierte, sind vor allem seine Etüdensammlungen bis heute populär geblieben. Mit einer Gesamteinspielung der Klaviersonaten des Komponisten macht der britische Pianist Martin Jones deutlich, dass dies ein Verlust ist. Denn klar strukturiert vorgetragen, erweisen sich Czernys Klavier- werke als wirkungsvolle, ziemlich beeindruckende Stücke - originell, immer wieder überraschend, und mitunter sogar brillant. Dabei er- scheint Czerny keineswegs, wie von einigen Musikhistorikern behaup- tet, als Beethoven-Epigone. Oftmals wartet er mit musikalischen Ideen auf, die man eher von den Romantikern erwarten würde. Jones zeigt, dass Czernys Werke interessant sind, und dass sich die Beschäf- tigung damit durchaus lohnt. Eine Entdeckung, die Lust darauf macht, auch Werke von anderen Komponisten kennenzulernen, die im Schatten Beethovens aus dem Blick entschwunden und schließlich in Vergessenheit geraten sind.
Bei der Uraufführung von Beethovens fünftem Klavierkonzert 1811 in Leipzig spielte Carl Czerny den Solopart. Er komplettierte seine Aus- bildung bei Muzio Clementi, Johann Nepomuk Hummel und Antonio Salieri. Dennoch begeisterte er sich weniger für das Konzertpodium als vielmehr für das Unterrichten. Zu seinen Schülern gehörte beispielsweise Franz Liszt, der Czerny später die Etudes d'exécution transcendante widmete.
Obwohl Carl Czerny mehr als tausend Werke komponierte, sind vor allem seine Etüdensammlungen bis heute populär geblieben. Mit einer Gesamteinspielung der Klaviersonaten des Komponisten macht der britische Pianist Martin Jones deutlich, dass dies ein Verlust ist. Denn klar strukturiert vorgetragen, erweisen sich Czernys Klavier- werke als wirkungsvolle, ziemlich beeindruckende Stücke - originell, immer wieder überraschend, und mitunter sogar brillant. Dabei er- scheint Czerny keineswegs, wie von einigen Musikhistorikern behaup- tet, als Beethoven-Epigone. Oftmals wartet er mit musikalischen Ideen auf, die man eher von den Romantikern erwarten würde. Jones zeigt, dass Czernys Werke interessant sind, und dass sich die Beschäf- tigung damit durchaus lohnt. Eine Entdeckung, die Lust darauf macht, auch Werke von anderen Komponisten kennenzulernen, die im Schatten Beethovens aus dem Blick entschwunden und schließlich in Vergessenheit geraten sind.
Donnerstag, 22. September 2011
Prokofiev: Suite from Romeo and Juliet (Naxos)
Romeo und Julia, das berühmte Ballett von Sergej Prokofjew, in einer Fassung für Bratsche und Klavier? Wer wagt denn das? Das Beiheft - wie bei Naxos üblich eher ein Beiblatt, aber dennoch sehr informativ - gibt Auskunft: Dieses Arrangement stammt von Wadim Wassiljewitsch Borisowski (1900 bis 1972), einem berühmten russi- schen Bratscher und Mitbegründer des legendären Beethoven-Quar- tetts. Fünf Jahre nach seinem Exa- men am Moskauer Konservato- rium wurde er dort selbst Professor, und er unterrichtete eine Viel- zahl junger Musiker, so dass er als der Stammvater der russischen Viola-Schule gilt.
Borisowski hat mehr als 250 Werke aus unterschiedlichen Epochen der Musikgeschichte für sein Instrument oder die Viola d'amore bearbeitet, darunter - im Einvernehmen mit dem Komponisten - auch eine Suite aus Prokofjews Romeo und Julia. Sie bestand zunächst aus acht Sätzen für Viola und Klavier; einige Jahre später fügte Borisowski noch weitere fünf hinzu. Für zwei davon wird eine zweite Viola benö- tigt. Das wird nicht verblüffen, denn Prokofjews Stück ist ziemlich komplex. Desto erstaunlicher erscheint es, wie perfekt diese Musik im Arrangement wiedergegeben wird. Das klingt tatsächlich, als wäre dieses Werk für diese Besetzung entstanden. Man mag sich aber nicht ausmalen, was das für die Solisten bedeutet - insbesondere der Brat- schenpart muss eine tour de force sein.
Matthew Jones bewältigt ihn souverän, und auch Rivka Golani an der zweiten Viola sekundiert derart versiert, dass man nur staunen kann. Der warme Klang der Bratsche passt ohnehin ausgezeichnet zu dieser Musik. Michael Hampton ist den beiden Streichern am Klavier ein engagierter Partner. Das Ergebnis ist grandios. Diese CD gehört zu meinen persönlichen Jahresfavoriten. Unbedingt anhören!
Borisowski hat mehr als 250 Werke aus unterschiedlichen Epochen der Musikgeschichte für sein Instrument oder die Viola d'amore bearbeitet, darunter - im Einvernehmen mit dem Komponisten - auch eine Suite aus Prokofjews Romeo und Julia. Sie bestand zunächst aus acht Sätzen für Viola und Klavier; einige Jahre später fügte Borisowski noch weitere fünf hinzu. Für zwei davon wird eine zweite Viola benö- tigt. Das wird nicht verblüffen, denn Prokofjews Stück ist ziemlich komplex. Desto erstaunlicher erscheint es, wie perfekt diese Musik im Arrangement wiedergegeben wird. Das klingt tatsächlich, als wäre dieses Werk für diese Besetzung entstanden. Man mag sich aber nicht ausmalen, was das für die Solisten bedeutet - insbesondere der Brat- schenpart muss eine tour de force sein.
Matthew Jones bewältigt ihn souverän, und auch Rivka Golani an der zweiten Viola sekundiert derart versiert, dass man nur staunen kann. Der warme Klang der Bratsche passt ohnehin ausgezeichnet zu dieser Musik. Michael Hampton ist den beiden Streichern am Klavier ein engagierter Partner. Das Ergebnis ist grandios. Diese CD gehört zu meinen persönlichen Jahresfavoriten. Unbedingt anhören!
Freitag, 5. August 2011
Reicha: Variations & Grand Quintet (Ars Produktion)
Antonius Josephus Reicha (1770 bis 1836) war der Sohn eines Pra- ger Stadtpfeiffers. Sein Vater starb jedoch, als er noch in den Windeln lag. Reicha wuchs daher am 1781 bei seinem Onkel Joseph auf, der als Cellist und Kapellmeister der Hofkapelle des Fürsten Krafft Ernst von Oettingen-Wallerstein eine so- lide Position hatte, und den Neffen adoptierte. Er unterrichtete seinen Ziehsohn in den Fächern Klavier, Violine, Flöte und Komposition. 1785 wechselte Joseph Reicha als Kapellmeister der Kurfürstlichen Hofkapelle nach Bonn. Dort musi- zierte bald auch Anton mit; er erhielt eine Stelle als Zweiter Flötist. In diesem Orchester lernte er einen anderen Musiker kennen, mit dem er zeitlebens eng befreundet blieb: Ludwig van Beethoven spielte dort Bratsche, an einem der hinteren Pulte.
Als die Franzosen das Rheinland besetzten, wurde das Orchester auf- gelöst. Anton Reicha ging als Musiklehrer nach Hamburg, später dann nach Wien, wo er Unterricht bei Johann Georg Albrechtsberger und Antonio Salieri nahm, selbst jedoch auch bereits sehr erfolgreich war als Komponist von Gelegenheitsmusik. 1808 ließ sich Reicha schließ- lich in Paris nieder; 1818 wurde er dort am Konservatorium Professor für Kontrapunkt. Zu seinen Studenten gehörten unter anderem Franz Liszt, Hector Berlioz, Charles Gounod und César Franck.
Seine Werke sind heute fast nur noch Bläsern bekannt. Denn Reicha gilt als der Vater des Bläserquintetts. Für diese Besetzung schuf er allein zwischen 1811 und 1820 mehr als 24 Werke. Sie waren für fünf Professoren am Pariser Conservatoire bestimmt, die außerordentlich virtuos Flöte, Oboe, Klarinette, Horn und Fagott spielten. Ihre Kon- zerte müssen ein Ereignis gewesen sein; wenn sie der Öffentlichkeit ein neues Werk Reichas vorstellen wollten, dann soll sich das Publi- kum um den Einlass schier geprügelt haben.
Das Ensemble Island stellt auf dieser CD zwei ebenso ausgefallene Werke des Komponisten vor: Das Grand Quintet und die Variationen für Fagott und Streichquartett. Sie zeigen, dass Reicha für seine Zuhörer nicht nur jede Menge Überraschungen parat hatte, sondern offenbar auch ein Mann von Humor war, der das strenge Regelwerk der Form virtuos zu handhaben wusste. Jane Gower demonstriert, wie phantastisch ein Fagott - und wir sprechen hier vom historischen Instrument der damaligen Zeit, nicht vom modernen Fagott mit seinem Klappensystem - klingen kann, wenn es nur gut gespielt wird. Diese CD lässt den Zuhörer staunen. denn gemeinsam mit Madeleine Easton und Alice Evans, Violine, Galina Zinchenko, Viola und Cathe- rine Jones, Violoncello bringt Gower diese Musik regelrecht zum Swingen. Reichas tänzerische Sätze hüpfen so fröhlich daher, dass es eine Lust ist, und sein Lento arioso wirkt in seiner sanglichen Gestal- tung so edel, dass man sich nur wundern kann, wie so etwas mit einem Fagott möglich ist. Bravi!
Als die Franzosen das Rheinland besetzten, wurde das Orchester auf- gelöst. Anton Reicha ging als Musiklehrer nach Hamburg, später dann nach Wien, wo er Unterricht bei Johann Georg Albrechtsberger und Antonio Salieri nahm, selbst jedoch auch bereits sehr erfolgreich war als Komponist von Gelegenheitsmusik. 1808 ließ sich Reicha schließ- lich in Paris nieder; 1818 wurde er dort am Konservatorium Professor für Kontrapunkt. Zu seinen Studenten gehörten unter anderem Franz Liszt, Hector Berlioz, Charles Gounod und César Franck.
Seine Werke sind heute fast nur noch Bläsern bekannt. Denn Reicha gilt als der Vater des Bläserquintetts. Für diese Besetzung schuf er allein zwischen 1811 und 1820 mehr als 24 Werke. Sie waren für fünf Professoren am Pariser Conservatoire bestimmt, die außerordentlich virtuos Flöte, Oboe, Klarinette, Horn und Fagott spielten. Ihre Kon- zerte müssen ein Ereignis gewesen sein; wenn sie der Öffentlichkeit ein neues Werk Reichas vorstellen wollten, dann soll sich das Publi- kum um den Einlass schier geprügelt haben.
Das Ensemble Island stellt auf dieser CD zwei ebenso ausgefallene Werke des Komponisten vor: Das Grand Quintet und die Variationen für Fagott und Streichquartett. Sie zeigen, dass Reicha für seine Zuhörer nicht nur jede Menge Überraschungen parat hatte, sondern offenbar auch ein Mann von Humor war, der das strenge Regelwerk der Form virtuos zu handhaben wusste. Jane Gower demonstriert, wie phantastisch ein Fagott - und wir sprechen hier vom historischen Instrument der damaligen Zeit, nicht vom modernen Fagott mit seinem Klappensystem - klingen kann, wenn es nur gut gespielt wird. Diese CD lässt den Zuhörer staunen. denn gemeinsam mit Madeleine Easton und Alice Evans, Violine, Galina Zinchenko, Viola und Cathe- rine Jones, Violoncello bringt Gower diese Musik regelrecht zum Swingen. Reichas tänzerische Sätze hüpfen so fröhlich daher, dass es eine Lust ist, und sein Lento arioso wirkt in seiner sanglichen Gestal- tung so edel, dass man sich nur wundern kann, wie so etwas mit einem Fagott möglich ist. Bravi!
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