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Dienstag, 25. April 2017

Glaubensbekenntnisse (Genuin)

Die erste CD des MDR Rundfunk- chores unter seinem neuen künstle- rischen Leiter Risto Joost ist russischer geistlicher Musik gewidmet. Für einen estnischen Dirigenten ist das ein ebenso ungewöhnliches Repertoire wie für die in Leipzig ansässige Sängerschar, die in ihrer Mehrheit ganz sicher nicht dem russisch-orthodoxen Glaubenskreis zugehörig sein dürfte. 
Dort hat der Gesang eine bedeutende Tradition, denn im orthodoxen Gottesdienst werden keine von Menschenhand erbauten Instrumente genutzt. Nur die Stimme, als ein Teil von Gottes Schöpfung, darf dort erklingen. Und so sind im Laufe der Jahrhunderte im Osten großartige Chorwerke entstanden, von denen der Westen so gut wie nichts weiß. Nur selten berühren sich diese doch sehr unterschiedlichen kirchenmusika- lischen Welten. 
„Lang habe ich nicht eine solch liebliche Harmonie gehört“, schwärmte einst ein Zeitgenosse: „So zarte Stimmen! Solch eine Musik! Solch einen Ausdruck auf allen Gesichtern!“ Diese Begeisterung galt der Musik von Dmitri Stepanowitsch Bortnjanski (1751 bis 1825). Er kam schon als Siebenjähriger nach St. Petersburg, wo er Mitglied der Hofsängerkapelle wurde. Ausgebildet wurde der talentierte Knabe vor allem von Hofkapell- meister Baldassare Galuppi, und als dieser nach Venedig zurückkehrte, durfte sein Zögling ihn begleiten. Zehn Jahre lernte und wirkte Bortnjanski in Italien, bis er 1779 zurückgerufen wurde. 
Zunächst war er als Cembalist bei Hofe tätig; 1784 wurde er dann Kapell- meister des Thronfolgers, für den er unter  anderem Opern komponierte. Nachdem sein Dienstherr als Zar Pawel I. die Herrschaft übernommen hatte, wurde Bortnjanski schließlich Leiter der Hofsängerkapelle, die er auf ein legendäres Niveau brachte. Für dieses Ensemble schuf er zahlreiche liturgische A-cappella-Chorwerke. 
Der Kirchengesang am Zarenhof beeindruckte den preußischen König Friedrich Wilhelm III. derart, dass er Musik für den Gottesdienst nach dem Vorbild Bortnjanskis vertonen ließ. Werke des russischen Komponisten gehörten zudem zum Repertoire sowohl des Berliner Staats- und Dom- chores wie auch etlicher deutscher Kirchenchöre und Gesangsvereine. So prägte Bortnjanski die evangelische Kirchenmusik jener Zeit wesentlich mit – umso erstaunlicher ist es, dass er heute im Westen weitgehend vergessen ist. 
Auf dieser CD sind der Cherubinische Lobgesang Nr. 7 sowie zwei seiner Konzerte zu hören. Diese ausdrucksstarken Werke basieren auf Psalmversen, und verknüpfen den östlichen Chorklang mit westlichen Elementen. Der MDR Rundfunkchor singt Bortnjanskis Musik mit der gewohnten Professionalität. Allerdings ist das Klangbild insgesamt stark durch die Oberstimmen dominiert; die Mittelstimmen wünscht man sich präsenter und die Bässe dominanter. Einen russischen Chor zu imitieren, das wird einem westlichen Ensemble ohnehin nicht gelingen. 
Alfred Schnittke (1934 bis 1998) verbrachte einen großen Teil seines Lebens in der Sowjetunion. Sein Vater, ein jüdischer Journalist aus Frankfurt/Main, der 1926 dorthin floh, und seine Mutter, eine Wolga- deutsche, die als Lehrerin arbeitete, waren Kommunisten, so dass Schnittke zur Kirche zunächst keine Beziehung hatte. 
Schnittke absolvierte seine musikalische Ausbildung in Wien und am Moskauer Konservatorium. Dort unterrichtete er auch selbst, bevor er sich dann ab 1973 aufs Komponieren konzentrierte. In den 70er Jahren begann auch seine Auseinandersetzung mit dem Glauben; Kirchenmusik hat Schnittke aber nur sehr wenig geschrieben. Grundlage seines Concerto für Chor, das auf dieser CD erklingt, ist das Buch der traurigen Lieder des armenischen Mystikers Gregor von Narek aus dem 10. Jahrhundert – ein großer Text, voll Tiefe und Weisheit. Schnittke lässt seine Vertonung zwischen Meditation und dramatischen Ausbrüchen oszillieren. Musika- lisch ist das äußerst spannend, und sängerisch ist das ohne Zweifel eine enorme Herausforderung, die der MDR Rundfunkchor aber ohne Abstriche hervorragend bewältigt. Das ist große Chorkunst. 

Samstag, 13. März 2010

Fauré: Cello Sonatas (Naxos)

Ein Violoncello und ein Klavier - das ist eine ideale musikalische Kombination: Das Cello kann singen, fast wie eine menschliche Stimme, begleitet vom Klavier. Es kann aber auch den Continuo-Part übernehmen, und so das Tasten- instrument konzertieren lassen. Diese Rollen können durchaus beliebig oft und beliebig schnell wechseln, wie diese CD beweist. Und wenn die Solisten so exzellent gemeinsam musizieren, wie die deutsch-israelische Cellistin Ina-Esther Joost Ben-Sasson und der Pianist Allan Sternfield, dann garantiert allein das schon ein großartiges Musikerlebnis.
Diese CD enthält die Cello-Sonaten op. 117 und op. 109 sowie einige kleinere, aber großenteils sehr bekannte Stücke von Gabriel Fauré (1845-1924). Der französische Komponist, ein Schüler Saint-Saens, wirkte viele Jahre als Organist und lehrte Komposition am Pariser Konservatorium; zu seinen Schülern gehörten Maurice Ravel, George Enescu und Nadia Boulanger. Seine eigenen Werke aber sind im Konzert nur selten zu hören, da er überwiegend für kleine Besetzung komponierte - Kammermusik, Klavierstücke und viele, viele Lieder. Diese CD lädt dazu ein, einige dieser hübschen kleinen Werke wiederzuentdecken.