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Sonntag, 8. August 2021

Mozart & Flute in Paris (Warner Classics)


 „Die Stücke auf diesem Album repräsentieren verschiedene goldene Zeitalter der Flöte“, sagt Emmanuel Pahud. Auch wenn die moderne Flöte eine deutsche Erfindung war – aber gespielt wurde das Instrument wohl nirgendwo so schön wie in Frankreich. 

Auf diesem Doppelalbum erklingen zum einen zwei Werke aus dem Jahr 1778, die Mozart bei einem Besuch in Paris schrieb: Die Sinfonia concertante für Flöte, Oboe, Horn und Fagott wird durch das Ensemble Les Vents Français in einer rekonstruierten Fassung von Robert D. Levin vorgestellt, und das Konzert für Flöte und Harfe spielt Pahud gemeinsam mit Anneleen Lenaerts. 

Vom 19. Jahrhundert bis in die Gegenwart führt die zweite CD. Sie beginnt mit Dreamtime von Philippe Hersant (*1948), 2014 von Pahud und dem Orchestre de Chambre de Paris uraufgeführt. Auch die anderen Werke sind in Paris entstanden, und zeigen die besondere Beziehung der französischen Musik zur Flöte: Komponisten wie Camille Saint-Saëns (1835 bis 1921), Gabriel Fauré (1845 bis 1924), Cécile Chaminade (1857 bis 1944) und Francis Poulenc (1899 bis 1963) haben für das Instrument großartige Stücke geschaffen, und Emmanuel Pahud präsentiert sie mit Eleganz, Leichtigkeit, technischer Brillanz und herrlichem Flötenton. Der Flötist musiziert gemeinsam mit dem Klarinettisten Paul Meyer sowie dem Orchestre de Chambre de Paris unter Leitung von Francois Leleux. 


Montag, 28. Oktober 2019

Mireille Mathieu - Mes Classiques (Sony)

Wohl jeder Klassikfreund hat seine Lieblingsmelodien, und mitunter lässt man sich vielleicht auch dazu hinreißen, laut mit dem Orchester mitzusingen. Doch während Sie und ich das in den heimischen vier Wänden tun, möglicherweise beim Putzen oder aber unter der Dusche, hat ein Weltstar ein Album daraus gemacht: Mit „Mes Classiques“ erfüllt sich Mireille Mathieu einen Lebenstraum und zollt ihren liebsten klassischen Werken Tribut. Sie wählte bekannte Melodien von Komponisten wie Tschaikowsky, Mozart, Brahms, Schubert, Fauré und Händel aus und ließ sie von Textern und Arrangeuren zu Liedern umarbeiten. 
Wer also schon immer einmal hören wollte, wie Mireille Mathieu, mit ihrer charakteristischen Stimme, das Thema aus Tschaikowskis erstem Klavierkonzert, César Francks Panis Angelicus oder aber Händels berühmte Arie Lascia ch'io pianga anstimmt, dem sei dieses Album empfohlen. Wir lauschen respektvoll (gesungen wird immerhin in sieben verschiedenen Sprachen!) und freuen uns über das Beiheft mit vielen Fotos, die die Sängerin in großer Robe in der Prager Burg zeigen. 

Montag, 9. Juli 2018

Clair de lune - Menahem Pressler (Deutsche Grammophon)

Klaviermusik von Maurice Ravel, Gabriel Fauré und vor allem von Claude Debussy hat Menahem Pressler für die erste Soloaufnahme ausgewählt, die er bei dem Label Deutsche Grammophon veröffent- licht. Der Pianist, geboren 1923 in Magdeburg, musizierte mehr als 50 Jahre lang im Beaux Arts Trio. Seine Solo-Karriere startete Pressler erst nach der Auflösung des legendären Kammermusik-Ensembles im Jahre 2008; diese CD hat er 2017 eingespielt. Da war der Musiker also 94 Jahre alt. Und er reist immer noch um die Welt und gibt Konzerte, die begeistern. 
Der französischen Klaviermusik ist er zutiefst verbunden; sie faszinierte ihn schon, bevor er 1946 in San Francisco den Debussy-Wettbewerb gewann – „despite the fact that my repertoire only included Clair de lune and the two Arabesques“, erinnert sich der Pianist. Diese Stücke spielt er noch heute, aber auch viele andere, und seine Interpretation ist unglaublich: Wie er Spannungsbögen aufbaut, wie er Melodielinien nachspürt und mit welcher Präzision er selbst feinste Nuancen gestaltet, das ist unbeschreiblich, das muss man gehört haben. Man lauscht wie gebannt, vom ersten bis zum letzten Ton. Die reinste Magie! 

Sonntag, 4. Februar 2018

Music for Brass Septett 5 (Naxos)

Das Blechbläserseptett Septura erkundet auf dieser CD zur Abwechslung einmal französische Musik. Das ist ein faszinierendes Unterfangen, denn zum Anfang des 20. Jahrhunderts bot Frankreich eine der spannendsten musikalischen Landschaften überhaupt. Für die vorliegende Aufnahme wählte Septura Werke von drei Komponisten, die diese Entwicklung maßgeblich mit geprägt haben: Gabriel Fauré (1845 bis 1924), Maurice Ravel (1875 bis 1937) und Claude Debussy (1862 bis 1918). 
Dank der gekonnten Arrangements der Ensemblemitglieder Matthew Knight und Simon Cox können ihre Werke, die ursprünglich zumeist für Klavier entstanden sind, höchst eindrucksvoll durch sieben Blechbläser interpretiert werden. Ravels Ma Mère l'Oye beispielsweise klingt, als wäre es für Trompeten, Posaunen und Tuba geschrieben. Und auch die Pavane pour une infante défunte erweist sich als perfektes Blechbläser-Stück. 
Septura spielt zudem sechs der 24 Préludes von Debussy – farbenreich, ausdrucksstark, wirklich beeindruckend. Der Höhepunkt aber sind die Lieder von Gabriel Fauré, die jeweils einem Septura-Mitglieder Gelegenheit für ein hinreißendes Solo bieten. Nur für die tiefen Bläser – Daniel West, Bassposaune, und Peter Smith, Tuba – fand sich offenbar kein geeigneter Part. 

Mittwoch, 2. August 2017

Mariani Klavierquartett - "Idee fixe" Vol. 1 (GWK Records)

Mit Klavierquartetten von Gabriel Fauré (1845 bis 1924) und seinem Schüler George Enescu (1881 bis 1955) startet das Mariani Klavier- quartett eine Folge von Aufnahmen, die sich offenbar damit auseinander- setzen soll, wie Komponisten ihr musikalisches Material organisieren. 
Den Begriff der Idée fixe – nicht ganz frei von Zweideutigkeit, denn er wird auch von der Psychiatrie verwendet – könnte man im Bereich der Musik vielleicht am ehesten auf das Leit- motiv, musikalischer Grundgedanke einer Komposition, beziehen. Der Einsatz von Leitmotiven ist eine Erfindung der Romantik; Louis Spohr beispielsweise hat sie genutzt, Carl Maria von Weber, Hector Berlioz, in seiner Symphonie fantastique, und César Franck, der wiederum ein Vorbild war für Gabriel Fauré. 
Damit sind wir bei dieser Einspielung angekommen. Sie beginnt mit Faurés Klavierquartett Nr. 2 g-Moll op. 45 aus dem Jahre 1886. Dieses Stück startet gewaltig, kraftvoll, sehr energisch. Und wenn Faurés Musik gelegentlich auch elegante, lyrische Passagen aufweist, so beeindruckt sie doch vor allem durch ihre orchestrale Wucht. Pianist Gerhard Vielhaber schafft dafür die klangliche Basis, doch im Klavierquartett ist sein Part letztendlich nicht der einer Begleitung, sondern vielmehr einer musika- lischen Partnerschaft mit den Streichern. Auch Philipp Bohnen, Violine, Barbara Buntrock, Viola, und Peter-Philipp Staemmler, Violoncello, musizieren großartig, mit beeindruckender Sensibilität und Intensität. 
Wie bewundernswert das Zusammenspiel der vier Quartettpartner funktioniert, das wird beim zweiten Werk auf der CD besonders deutlich. Das Klavierquartett Nr. 1 D-Dur op. 16 von George Enescu, Erstling des Komponisten in dieser Gattung aus dem Jahre 1909, ist nicht nur dem Umfang nach ein Solitär. Enescu hat seine Ideen recht penibel notiert – was von den Musikern große Aufmerksamkeit und enorme Präzision fordert. „Das Ergebnis ist ein Meisterwerk der Polyphonie“, so beschreibt es Pianist Vielhaber in seinem Begleittext: „Der rote Faden wird von Instrument zu Instrument gereicht, so dass eine pulsierende räumliche Klangwelt entsteht, die einen vom ersten bis zum letzten Ton umgibt.“ Faszinierend. 

Dienstag, 30. Mai 2017

Short Stories (Genuin)

Den sogenannten Encores widmete Mark Schumann seine Debüt-CD bei Genuin. Gemeinsam mit dem Pianisten Martin Klett hat der Cellist eine Auswahl jener kurzen Stücke eingespielt, die heute typischerweise als Zugaben nach einem Konzert erklingen. 
Mit dieser Aufnahme zeigen die beiden Musiker, dass die kleinen Musikstücke deutlich mehr Potential haben: „In vielen kurzen Werken findet sich jedoch weit mehr, wenn man sich nur die Zeit nimmt, genauer hinzusehen, respektive zu hören. Manch schlicht Melodie entpuppt sich so in ihrer zwingenden Einfachheit als Brennglas, das den Blick für die Wahrheit und Schönheit des Seins schärft“, meint Mark Schumann. „In gleichem Maße erzählt auch manch virtuoser Cellospielertrick weit mehr, als es der Grad an sportlicher Betätigung auf dem Instrument vermuten lässt.“ 
Und so zeigen die beiden Musiker auf dieser CD, dass Ausdruck und Virtuosität durchaus kein Widerspruch sein müssen. Von Niccolò Paganini bis zu Carl Davidoff, von Joseph Haydn bis zu Gabriel Fauré und von Fritz Kreisler bis zu David Popper reicht das Programm, und vom elegischen Chopin-Nocturne bis zum rasanten spanischen Tanz. 
Die Wahl des Titels ist keineswegs Zufall. Mark Schumann erzählt mit seinem Cellospiel in der Tat Kurzgeschichten. Dazu haben die beiden Musizierpartner jedes dieser kleinen Stücke mit großer Sorgfalt gearbeitet. So sind feinste Nuancen möglich. Nicht umsonst heißt es, das Violoncello sei das Instrument, das der menschlichen Stimme am nächsten komme. Entstanden ist ein Album für Genießer, mit schön geführten Linien, faszinierenden Klangfarben, sehr viel Abwechslung, und gelegentlich auch einem charmanten Augenzwinkern. Meine Empfehlung! 

Montag, 10. April 2017

Fauré/Messager: Messe des pêcheurs de Villerville, Bach/Pergolesi: Tilge, Höchster, meine Sünden (Rondeau)

Wer bei den beiden Werken,die auf dieser CD zu hören sind, meint, er hätte diese Musik doch schon ander- weitig gehört, der hat vollkommen recht. Die Messe des pêcheurs de Villerville haben Gabriel Fauré und André Messager gemeinsam geschaffen. Der Komponist und sein Schüler waren in dem Fischerdorf des öfteren zu Gast; 1881 schufen sie ein Werk, das von Dorfbewohnern zusammen mit Sommergästen in der Dorfkirche aufgeführt wurde, begleitet von Harmonium und einer Geige. Die Kollekte, die dabei eingesammelt wurde, kam den Fischern und ihren Familien zugute. 
Im darauffolgenden Jahr waren deutlich mehr Musiker anwesend, was dazu führte, dass die Instrumentalbegleitung der verfügbaren Besetzung angepasst wurde. Auf dieser CD musizieren Eva Ludwig, Flöte, Nikolaus Kolb, Oboe, Sharon Kam, Klarinette, Birte Päplow und Saskia Rohde, Violine, Johanna Held, Viola, Ute Sommer, Violoncello, Heinrich Lade- mann, Kontrabass, und Ulfert Smidt, Orgel. 
Im Jahre 1907 verwendete Fauré diese Musik noch einmal: Die Messe basse ist ohne jeden Zweifel eine Variante der Fischermesse – noch schlichter und vielleicht sogar edler als das Original, das einst in der Sommerfrische entstanden ist. 
Im Parodieverfahren verwandelte 1746/47 Johann Sebastian Bach das Stabat mater von Giovanni Battista Pergolesi in eine Vertonung von Psalm 51. Er brachte die Musik des Italieners, die ihn inspirierte, vor seine Gemeinde – indem er sie für den evangelischen Gottesdienst tauglich machte. 
Für Tilge, Höchster, meine Sünden BWV 1083 wagte Bach aber weit mehr als nur die behutsame Anpassung auf einen neuen Text. Er veränderte Pergolesis Musik mit der offenkundigen Absicht, den Psalmtext musika- lisch auszudeuten. Dies zog stellenweise doch recht deutliche Eingriffe nach sich. So ersetzte Bach lange Notenwerte durch Melismen und überarbeitete auch die Begleitung umfangreich. Allerdings bleibt das Original immer präsent; Bach hat es, bei aller Umdeutung, ausgesprochen respektvoll behandelt. 
Der Mädchenchor Hannover singt die beiden Werke sehr hörenswert. Chorleiterin Gudrun Schröfel führt die jungen Sängerinnen mit sicherer Hand – und auch ungemein stilsicher. So erhält jedes Musikstück seinen individuellen Charakter. Faurés Messe des pêcheurs de Villerville erklingt eindringlich und innig, BWV 1083 klar akzentuiert und affektgeladen. Die Soli singen Ania Vegry, Sopran, und Mareike Morr, Alt; das Arte Ensemble musiziert gemeinsam mit dem Marktkirchenorganisten Ulfert Smidt. Eine gelungene Kombination zweier Raritäten. 

Montag, 28. März 2016

Peter Kofler: Transkriptionen (Querstand)

Peter Kofler, Jahrgang 1979, ist ein Musiker mit einem weiten künstle- rischen Horizont. Er ist Gründungs- mitglied und Cembalist des Barock- orchesters L'Academie giocosa, er musziert aber auch gemeinsam mit dem Symphonieorchester des Bayeri- schen Rundfunks, und konzertiert bei renommierten Musikfestivals. Von 2003 bis 2014 war Kofler Korrepetitor und Assistent von Hansjörg Albrecht beim Münchener Bach-Chor. Er spielt Orgelkonzerte, er ist ein geschätzter Kammermusik-Partner, und er ist zudem Lehrbeauftragter im Fach Chorleitung an der Münchner Musik- hochschule. 
Seit 2008 ist Kofler Organist an der Jesuitenkirche St. Michael in München; dort hat er ein Orgelfestival, den Münchner Orgelherbst, initiiert, das er zudem als künstlerischer Leiter verantwortet. Und auch seine CD-Einspielungen zeugen von breitem musikalischen Interesse; sie reichen von Bachs Kunst der Fuge bis hin zu Rheinberger und Reger. Die neueste Veröffentlichung bei dem Altenburger Label Querstand setzt nun einen weiteren Akzent: Peter Kofler hat Orgeltranskriptionen bekannter Werke aus einer Zeit dafür ausgewählt, die schier süchtig war nach Klangfarben und Tonleiterkaskaden: Daphnis et Cloé, Suite Nr. 2 von Maurice Ravel (1875 bis 1937), die Suite Pelléas et Mélisande von Gabriel Fauré (1845 bis 1924), Saint François de Paule marchant sur les flots sowie die Symphonische Dichtung Prometheus von Franz Liszt (1811 bis 1886) – und zwischen diesen beiden Großwerken hat Kofler noch, mit einem Augenzwinkern, eine eigene Transkription der Klavierminiatur Clair de Lune von Claude Debussy (1862 bis 1918) untergebracht. 
Der Organist musiziert an „seinem“ Instrument, der Michaelsorgel, 2011 unter Einbeziehung von altem Pfeifenmaterial der vorherigen Sandtner-Orgel durch die Firma Orgelbau Rieger aus dem österreichischen Vorarl- berg neu errichtet. Vergleicht man die Transkriptionen, die Kofler für diese Aufnahme ausgesucht hat, mit den Orchester-Originalen, so kann sich die Orgelversion dabei durchaus hören lassen. Man lausche nur, wie Franz Liszt den Heiligen Franziskus von Paola auf den Wassern schreitend die Meerenge von Messina überqueren lässt – das unruhige Rollen der Wel- len passt zur Orgel ebenso trefflich wie die große Fuge im Prometheus, oder der grandiose Sonnenaufgang in Ravels Daphnis et Chloé. Scheinbar mühelos erzielt Kofler mit der Michaelsorgel ähnliche Klangeffekte, wie sie die Komponisten seinerzeit mit einem großen romantischen Orchester erprobt haben. Und auf einer Orgel klingt das noch immer ziemlich kühn.

Donnerstag, 25. Juni 2015

La Belle Excentrique (Deutsche Grammophon)

Patricia Petibon ist eine extrem wandlungsfähige Solistin. Das stellt sie auf La Belle Excentrique einmal mehr unter Beweis. Die französischen Kunstlieder auf dieser CD tragen eine Welt in sich, die sich vom halbseidenen Pariser Cabaret um die Jahrhundertwende über die 60er Jahre bis beinahe in die Gegenwart erstreckt. Sie reicht vom Himmel bis, nun ja, unter die Erde. Es ist Pariser Witz und Charme darin ebenso zu finden wie tiefste Melancholie, und natürlich wird die Liebe beschworen. Für ihre jüngste Einspielung hat Petibon gemeinsam mit ihrer langjährigen Klavierbegleiterin Susan Manoff Werke ausgewählt von Erik Satie (1866 bis 1925), Francis Poulenc (1899 bis 1963), Gabriel Fauré (1845 bis 1924) und seinem Schüler Manuel Rosenthal (1904 bis 2003), Reynaldo Hahn (1874 bis 1947), Léo Ferré (1916 bis 1993) und Francine Cockenpot (1918 bis 2001). Es sind freche Chansons darunter, und großartige Kunstlieder, Miniaturen und Stücke, die eher den großen Auftritt verlangen. Patricia Petibon kann schier alles singen – und wie! Die Sängerin knurrt mit Bruststimme und jubiliert mit feinstem Opernsopran, sie singt wie ein Pariser Straßenjunge und wie eine Diva. Begleitet wird sie dabei von einer kleinen Gruppe handverlesener Musiker – Susan Manoff und David Levy, Klavier, Nemanja Radulović, Violine, Christian-Pierre La Marca, Violoncello, David Venitucci, Akkordeon und François Verly am Schlagwerk. In zwei Liedern ist zudem der Regisseur Olivier Py singend zu hören. 

Freitag, 8. Mai 2015

Elegy - Harriet Krijgh (Capriccio)

Wie macht sie das nur? Harriet Krijgh spielt elegische Komposi- tionen europäischer Meister der Romantik und der frühen Moderne. Es sind überwiegend sehr bekannte Melodien, doch die junge niederländische Cellistin lässt sie frisch und sehr berührend klingen. Ihr Ton ist hinreißend – so poetisch spielt derzeit kein anderer Cellist, so stimmungsvoll und traumhaft schön. Dennoch wirkt jeder Bogenstrich ganz natürlich, nichts klingt gewollt oder aufgesetzt. Ob der berühmte Schwan aus dem Karneval der Tiere von Camille Saint-Saens, die Waldesruhe von Antonín Dvorák oder Max Bruchs berühmtes Kol Nidrei – die junge Solistin findet zu jedem dieser Stücke einen Zugang, fernab von Edelkitsch und plumper Gefühligkeit. Gekonnt begleitet wird die Solistin von der Deutschen Staatsphilharmonie Rheinland-Pfalz unter Gustavo Gimeno. Mein klarer Favorit auf dieser
CD ist ein Werk von Jacques Offenbach, Les larmes de Jacqueline. Bezau- bernd! Und als Zugabe gibt es dann noch eine Bonus-DVD mit einem Porträt der Solistin. 

Freitag, 2. Januar 2015

Fauré: Requiem (Evil Penguin Records Classic)


Das Requiem op. 48 von Gabriel Fauré (1845 bis 1924) erklang erstmals 1888 anlässlich der Beisetzung eines Pariser Architekten. In seiner ursprünglichen Fassung war es besetzt mit Knaben- und Männerstimmen, Solo-Violine, geteilten Bratschen, Violoncelli, Kontrabass, Harfe, Pauken und Orgel. Sie war auch deutlich kürzer. Für die erste „öffentliche“ Aufführung ergänzte der Komponist dann dieses kleine Orchester noch um Trompeten und Hörner. Später hat Fauré noch das Libera me hinzugefügt und das Offertorium erweitert. Im Jahre 1900 erklang schließlich das Werk zur Weltausstellung in großer sinfonischer Besetzung; diese überarbeitete Version ist die heute übliche. 
Der Flämische Rundfunkchor stellt auf dieser CD gemeinsam mit Solisten der Brüsseler Philharmoniker unter Hervé Niquet die Variante von 1893 vor, herausgegeben von John Rutter. Auf die Knabenstimmen verzichtet die Aufnahme; dafür gibt Niquet im Beiheft eine längere und ziemlich launige Begründung. Das Pie Jesu, üblicherweise ein Sopran-Solo, lässt er die Choristinnen singen. Das Bariton-Solo hingegen vergibt er an Bassbariton Andrew Foster-Williams. Die Streicher werden durch vier Hörner berei- chert. Dennoch wirkt Faurés Musik in dieser Einspielung seltsam kraft- und farblos; man ist geneigt, die klanglich deutlich attraktivere Version letzter Hand herbeizusehen.
Wesentlich spannender sind die beiden anderen Stücke, die diese CD komplettieren: Das Ave Verum, vor allem aber Les sept paroles du Christ sur la croix von Charles Gounod (1818 bis 1893). Hier wird hörbar, dass der Komponist die Werke der „Alten“ Meister, insbesondere auch Palestri- nas, mit Hingabe studiert hat. Diese A-capella-Andachtsmusik mit ihren Anleihen beim stile antico ist von höchster Intensität und Ausdruckskraft – und der Chor kann endlich zeigen, was er kann. Dieser Teil der CD ist wirklich beeindruckend. 

Samstag, 7. September 2013

Fauré: Requiem, Bach: Partitas, Chorales & Ciaconna (LSO Live)

Diese CD verfolgt ein interessantes Konzept: Gordan Nikolitch spielt die Partita in d-Moll von Johann Sebastian Bach, und das Ensemble Tenebrae singt zwischen den einzelnen Sätzen Choräle. 
Das wäre nicht weiter erwähnens- wert, wenn nicht mittlerweile der letzte Satz der Partita genauer untersucht worden wäre – mit erstaunlichem Ergebnis. Die Chaconne stand mit ihrer Überlänge schon immer als ein Solitär am Ende des berühmten Werkes. Nun hat eine Musikwissenschaftlerin, die Professorin Helga Thoene, die Melodien beschrieben, um die die Violinstimme in der Ciaconna kreist. Es sind Choralzitate, Bruchstücke aus der lutheri- schen Begräbnisliturgie; einige Sänger des Ensembles Tenebrae machen sie hier hörbar. Und man muss sagen: Diese Aufnahme unterstreicht eindrücklich die These, die Chaconne sei ein Tombeau für Bachs 1720 verstorbene Frau Maria Barbara. 
Daran schließt sich nahtlos das Requiem von Gabriel Fauré an. Es steht ohnehin in der gleichen Tonart, und erklingt auf dieser CD in der Fassung von 1893. In dieser Version setzt die Orchestrierung auf die tiefen Instrumente – neben einer einzigen Violine sind nur Bratschen, Violoncelli, Kontrabässe, zwei Hörner, Harfe und Orgel besetzt. Dies ermöglicht spannende Klangeffekte, und so erscheint diese Version weit ausdrucksstärker als die spätere Variante für konventionelles Orchester. Das Ensemble Tenebrae singt diese sanfteste aller Toten- messen gemeinsam mit den Solisten Grace Davidson und William Gaunt sowie dem London Symphony Orchestra Chamber Ensemble unter Nigel Short. Diese Einspielung ist wirklich wundervoll, Kompliment an alle Beteiligten. 

Dienstag, 18. Juni 2013

Fauré: Requiem (Virgin Classics)

Glaubt man Gabriel Fauré (1845 bis 1924), dann waren es ziemlich weltliche Gründe, die ihn beweg- ten, ein Requiem zu schreiben. „Voilà si longtemps que j'accom- pagne à l'orgue des services d'enterrements! J'en ai pardessus la tete. J'ai voulu faire autre chose“, meinte er im Jahre 1902. Der Komponist, der zunächst das Amt des Chorleiters inne gehabt hatte, wirkte seit 1896 als Organist an der Pfarrkirche Sainte-Marie-Madeleine in Paris.
Erklungen ist Faurés Requiem zum ersten Male 1888 anlässlich der Trauerfeier für einen Architekten. Das Werk bestand zunächst aus fünf Sätzen – Introitus/Kyrie, Sanctus, Pie Jesu, Agnus Dei und In Para- disum. Begleitet wurden die Knaben und jungen Männer der Kantorei seinerzeit durch ein paar Streicher, Harfe, Pauken und Orgel.
In den späteren Jahren hat Fauré das Werk mehrfach ergänzt und überarbeitet. Hier ist es nun in der Version zu hören, die schließlich veröffentlicht wurde – und die 1901 anlässlich der Weltausstellung im Palais du Trocadéro aufgeführt worden ist, mit einem üppigen Orche- ster, Orgel, Chor, sieben Sätzen und zwei Solisten. Den Solopart übernahmen Philippe Jaroussky und Matthias Goerne.
Ergänzt wird das Programm durch den Cantique de Jean Racine, die berühmte Elégie op. 24 für Cello und Orchester – Solist ist Eric Picard – die nicht minder berühmte Pavane sowie Super flumina Babylonis, ein selten gespieltes Frühwerk. Der Choeur de l'Orchestre de Paris und das Orchestre de Paris musizieren unter Paavo Järvi; erfreut stellt man fest, dass sich bei dieser Aufnahme estnischer Tiefgang und fran- zösische Eleganz auf das glücklichste vereint finden. Jaroussky singt wie ein Engel, und auch Goerne lauscht man hier gern.

Montag, 31. Dezember 2012

Weihnachtslieder (Gramola)

Dieses Weihnachtsliederalbum hat die Sopranistin Ute Ziemer ge- meinsam mit dem Pianisten Julian Riem zusammengestellt und eingespielt. Im Mittelpunkt stehen Werke von Richard Strauss und Hugo Wolf; diese Komponisten sind jeweils mit einer umfang- reichen Auswahl vertreten. Doch auch Raritäten wie ein Weihnachts- lied von Engelbert Humperdinck, eines von Joseph Marx und eine berückende Ballade von Carl Loewe finden sich auf der CD. Nicht fehlen darf hier natürlich Wagners Der Engel aus den Wesendonck-Liedern
Etwas aus dem Rahmen fällt ein Werk von Claude Debussy, das der Komponist 1915 geschrieben hat, und das keineswegs das Christfest feiert, sondern die deutschen Besatzer verflucht, die den Kindern in ganz Europa große Not beschert haben. Weihnachtlich hingegen sind die beiden Lieder von Gabriel Fauré und Adolphe Adam, und ein Stück von Edvard Grieg, das Ziemer original in dänischer Sprache singt. 
Die bayerische Sopranistin erweist sich als großartige Liedersängerin. Exzellent begleitet durch Julian Riem am Flügel, begeistert sie durch ihre herausragende Gestaltung ebenso wie durch ihre klug geführte, lyrische Stimme, die auch in der Höhe niemals spitz oder scharf klingt. 

Donnerstag, 29. September 2011

Fauré: Requiem (Collegium records)

Gabriel Fauré (1845 bis 1924) hat ziemlich viel Vokalmusik kompo- niert. Auf dieser CD sind seine bekanntesten geistlichen Werke versammelt - vom Requiem über Ave verum Corpus und Tantum ergo über Ave Maria und Maria, Mater gratiae sowie Cantique de Jean Racine bis hin zur Messe Basse. Diese Werke sind eher für ihre raffinierte Harmonik als gesangliche Virtuosität berühmt; man sollte sich aber nicht täuschen lassen - denn einfach ist es nicht, sie brillant aufzuführen. 
The Cambridge Singers haben hier unter Leitung von John Rutter eine mustergültige Einspielung vorgelegt, die die Innigkeit und schein- bare Schlichtheit von Faurés Werken ganz ausgezeichnet zur Wirkung bringt. Die Sänger werden von Mitgliedern der City of London Sinfo- nia begleitet; die Orgel spielt John Scott, die Solovioline Simon Stan- dage. Interessanterweise hat sich Rutter beim Requiem für eine Version aus dem Jahre 1893 entschieden, die ein Libera me sowie ein In paradisum enthält, die man normalerweise nicht zu hören be- kommt. Und die Orgelstimme des Cantique de Jean Racine hat Rutter für Bratschen, Violoncelli, Kontrabässe und Harfe arrangiert. Das funktioniert erstaunlich gut, und sorgt klanglich für Abwechslung. 

Freitag, 25. März 2011

Jeux à Deux - Recital for Flute and Harp (Genuin)

Liebe Veranstalter, kauft uns ein! ruft diese CD laut und vernehm- lich. Das Ehepaar Regine und Michael Martin Kofler hat bei Genuin Classics Werke eingespielt, die zu ihrem Standard-Konzert- programm gehören, und beim Publikum ganz sicher gut ankom- men: Die Sonate in C-Dur, BWV 1033, von Johann Sebastian Bach, das berühmte Mozart-Andante
KV 315, Variationen von Frédéric Chopin über ein Thema von Rossi- ni, die Deux Préludes Romantiques op. 17 von Marcel Tournier sowie Werke von Jacques Ibert, Marc Berthomieu, Camille Saint-Saens und Gabriel Fauré - und natürlich auch ein Andante con Variazioni von Gioachino Rossini höchst- selbst. 

Keines dieser Stücke ist so modern, dass man es nicht auch im Altersheim problemlos spielen könnte. "Es ist Musik für die Seele. Musik, die berührt, die tanzt und auch in vielerlei Hinsicht virtuos ist", erklärt Michael Martin Kofler. Flöte und Harfe harmonieren ohnehin ausgezeichnet miteinander, und musiziert wird hier auf höchstem Niveau. Sowohl der Flötist als auch die Harfenistin haben Gelegenheit zu schönen Tönen wie zu rasanten Passagen, und beide spielen exzellent. 

Montag, 28. Februar 2011

Fauré: Complete Nocturnes (MDG)

Kann man nach Chopin noch Nocturnes schreiben? Gabriel Fauré (1845 bis 1924) konnte - und sein sechstes Nocturne op. 63 gilt sogar als eines der wichtigsten Werke dieses großen französischen Komponisten. Ausgebildet als Kirchenmusiker - zu seinen Lehrern gehörte unter anderem Camille Saint-Saens - wirkte Fauré als Organist, dann, ab 1896 auch als Professor für Komposition am Conservatoire de Paris und ab 1901 an der École Niedermeyer, an der er selbst einst gelernt hatte. 1905 wurde er Direktor des Konser- vatoriums. Obwohl Fauré vor allem Lieder, Kammer- und Klaviermu- sik komponierte, war er so bekannt und so geachtet, dass er nach seinem Tode ein Staatsbegräbnis bekam.
In seinen Nocturnes, die über einen Zeitraum von nahezu fünfzig Jahren entstanden, spiegelt sich die Entwicklung von der Spät- romantik zur Moderne. Pianist Stefan Irmer hat die Werke auf dieser CD aber nicht nach dem Zeitpunkt ihrer Entstehung geordnet, denn er will "das Gemeinsame und alle Stücke Verbindende in den Vorder- grund" rücken. 
Das ist sehr schade, denn die Entwicklungslinien sind ausgesprochen interessant. So sind die ersten fünf Nocturnes op. 33, 36 und 37, entstanden vor 1884, noch hörbar dem romantischen Charakterstück verbunden. Das sechste und siebente Nocturne hingegen waren in Form und Gestaltung enorm modern. Sie sind Solitäre; es gibt keine Vorbilder für diese kühnen Kompositionen, und man steht staunend vor diesem fein strukturierten Gewebe aus musikalischen Ideen. 
Ähnlich wie Beethoven, wurde Fauré im Alter taub. Seine letzten Nocturnes sind gekennzeichnet durch eine zunehmende Verdichtung und Verknappung der musikalischen Mittel, und sie steuern vom ersten Ton an konsequent und unaufhaltsam auf ihr Ende zu. Faurés letztes Werk war ebenfalls ein Nocturne, op. 119, entstanden 1921, drei Jahre vor seinem Tod. Es wirkt wie die Summe aus all diesen Werken, und zieht gleichzeitig einen Schlussstrich. 
Stefan Irmer spielt diese Werke auf einem klangstarken Steinway aus dem Jahre 1901. Er erweist sich als ein versierter Pianist mit einem ausgeprägten Sinn für Strukturen und Klangfärbungen. So zeigt er auch die dunklen Seiten der Stücke - bei den Spätwerken für meinen Geschmack allerdings etwas zu deutlich. 

Sonntag, 22. August 2010

Bonjour Paris - Albrecht Mayer (Decca)

In ihrem "Geburtsland" Frankreich war die Oboe als Soloinstrument bald nach Jean-Baptiste Lully und Nicholas Chédeville seltsamer- weise wenig gefragt. Zwar kompo- nierten Camille Saint-Saens und Francis Poulenc für Oboe. Doch weder Debussy, Fauré noch Ravel haben für das Blasinstrument ein Konzert oder wenigstens ein bedeutendes Kammermusikwerk geschrieben.
Albrecht Mayer, der Frankreich sehr zugetan ist und immerhin auch bei Maurice Bourgue studiert hat, fand diese Repertoirelücken schmerzlich - und schloss sie in bewährter Art und Weise: Für seine musikalische Huldigung an das Nachbarland ließ er berühmte Melo- dien für Oboe und Orchester arrangieren, wie Saties Gymnopédies und Debussys Clair de lune. Dass es sich dabei ursprünglich um Klavierstücke handelt, nimmt der Hörer staunend zur Kenntnis. Durch diese Bearbeitungen voll Poesie, musiziert mit dem für Mayer charakteristischen singenden, runden und warmen Oboenton, wird er daran aber nicht unbedingt erinnert. 
Mayer ist ohne Zweifel einer der besten Oboisten seiner Generation. Das kitschige Cover mit Blick über die Dächer der Musikmetropole an der Seine übersieht man ganz schnell. Denn Mayer bringt beispiels- weise Pavane und Sicilienne von Gabriel Fauré sanft zum Schweben und Tanzen. Und natürlich darf die Pavane pour une infante défunte von Maurice Ravel nicht fehlen - mit besten Grüßen an die Zwölf Cellisten, seine Kollegen bei den Berliner Philharmonikern, die erst vor kurzem ein ähnliches Album präsentiert haben.
Mayer verwandelt ein Lied von Reynaldo Hahn, Professor für Gesang an der École normale de musique de Paris sowie Direktor der Pariser Oper, in ein zauberhaftes Chanson ohne Worte. Er spielt aber auch einige Originalkompositionen, wie das Oboenkonzert L’horloge de Flore von Jean Françaix, das er schon öfter im Konzert vorgestellt hat. Als Weltersteinspielung erklingt Été, das der Schweizer Kompo- nist Gotthard Odermatt eigens für den Oboisten geschrieben hat - ein wundervolles, federleicht dahingetupftes Stück, das wie die akustische Version eines sonnendurchglühten impressionistischen Gemäldes erscheint. Traumhaft!


Samstag, 13. März 2010

Fauré: Cello Sonatas (Naxos)

Ein Violoncello und ein Klavier - das ist eine ideale musikalische Kombination: Das Cello kann singen, fast wie eine menschliche Stimme, begleitet vom Klavier. Es kann aber auch den Continuo-Part übernehmen, und so das Tasten- instrument konzertieren lassen. Diese Rollen können durchaus beliebig oft und beliebig schnell wechseln, wie diese CD beweist. Und wenn die Solisten so exzellent gemeinsam musizieren, wie die deutsch-israelische Cellistin Ina-Esther Joost Ben-Sasson und der Pianist Allan Sternfield, dann garantiert allein das schon ein großartiges Musikerlebnis.
Diese CD enthält die Cello-Sonaten op. 117 und op. 109 sowie einige kleinere, aber großenteils sehr bekannte Stücke von Gabriel Fauré (1845-1924). Der französische Komponist, ein Schüler Saint-Saens, wirkte viele Jahre als Organist und lehrte Komposition am Pariser Konservatorium; zu seinen Schülern gehörten Maurice Ravel, George Enescu und Nadia Boulanger. Seine eigenen Werke aber sind im Konzert nur selten zu hören, da er überwiegend für kleine Besetzung komponierte - Kammermusik, Klavierstücke und viele, viele Lieder. Diese CD lädt dazu ein, einige dieser hübschen kleinen Werke wiederzuentdecken.