Posts mit dem Label Klavierquintett werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label Klavierquintett werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

Dienstag, 27. Juni 2017

Brahms: Piano Quintet/ Schumann: String Quartet No. 1 (Cedille)

Man ist nie zu alt, um Neues zu wagen! Dieser Satz gilt insbesondere für den Pianisten Menahem Pressler. 1955 war er Gründungsmitglied des legendären Beaux Art Trios. Nachdem sich dieses Ensemble im Jahre 2008 aufgelöst hat, orientierte er noch einmal ganz neu. 2014 beispielsweise musizierte er erstmals mit den Berliner Philharmonikern – da war er 90 Jahre alt. 
Und auch neues Repertoire erarbeitet sich der Musiker nach wie vor. So hat Pressler, heute 94, im Jahre 2014 zum ersten Male das Klavierquintett von Johannes Brahms in f-Moll op. 34 gespielt. Partner des Pianisten war dabei das Pacifica Quartet aus den USA. Dieses Ensemble, gegründet 1994, mag man nicht mehr wirklich als „jung“ bezeichnen. Es hat bereits etliche Preise in Wettbewerben errungen, 
Simin Ganatra und Sibbi Bernhardsson, Violine, Masumi Per Rostad, Viola, und Brandon Vamos, Violoncello, haben zudem Maßstäbe setzende Einspielungen der Streichquartette von Elliot Carter (bei Naxos) und Dmitri Schostakowitsch (bei Cedille) veröffentlicht, wofür sie mit internationalen Schallplattenpreisen ausgezeichnet wurden. 
Umso besser ist es für das Ensemble, wenn es nun durch die generationen- übergreifende Zusammenarbeit mit Menahem Pressler, dem mutmaßlich ältesten aktiven Konzertpianisten der Welt, einmal mehr international auf sich aufmerksam machen kann. Und das ist nicht nur eine Marketing-Idee: Wer mit hohen Erwartungen an diese Aufnahme herangeht, der wird dann auch nicht enttäuscht. Zu erleben ist hier ein famoses Ensemblespiel – wohldurchdacht, aber nicht kopflastig, ausgewogen und perfekt aus- balanciert, aber niemals langweilig, und durchaus temperamentvoll, aber an keiner Stelle hektisch. Die CD wird komplettiert durch das Streichquar- tett Nr. 1 a-moll op. 41 Nr. 1 von Robert Schumann. 

Dienstag, 10. Mai 2016

Schumann, Hiller: Piano Quintets (Avi-Music)

„Seit jeher fesselt und reizt mich die besondere Konstellation, wenn sich im kammermusikalischen Universum die Umlaufbahnen von Streich- quartett und Klavier kreuzen“, meint Tobias Koch. „Um das vielfach strapazierte Goethe-Wort ein weiteres Mal zu bemühen, sollten sich dann fünf ,vernünftige Leute miteinander unterhalten' – ohne dabei allerdings allzu vernünftig sein zu wollen: Das Klavierquintett, die Königsdisziplin der Klavierkammermusik.“ Zwei Gipfelwerke wiederum hat der Pianist auf dieser CD gemeinsam mit dem Pleyel  Quartett Köln eingespielt – auf historischen Instrumenten; die Streicher musizieren auf Darmsaiten, und Koch spielt einen Flügel aus der Dresdner Manufaktur von Clara Schumanns Cousin Wilhelm Wieck, gebaut um 1860. Entstanden ist die Aufnahme im Robert-Schumann-Haus Zwickau. 
Das Klavierquintett Es-Dur op. 44 von Robert Schumann, komponiert 1842, zählt Tobias Koch zu den „Kronjuwelen“ dieser Gattung. Clara Schumann, der das Werk gewidmet ist, lobte einst dessen „Kraft und Frische“. Es erklingt hier neben dem Klavierquintett G-Dur op. 156 von Ferdinand Hiller aus dem Jahre 1873 – einem Werk, das Tobias Koch „eher an einem sicheren Platz im Tresor der Schatzkammer“ sieht. 
Über den Lebensweg von Ferdinand Hiller (1811 bis 1885) wurde in diesem Blog bereits berichtet; seine Ausbildung erhielt er zu einem großen Teil in Weimar bei Johann Nepomuk Hummel. Hiller schuf mehr als 200 Kompositionen, darunter Bühnenwerke, Liederalben, etliche Konzerte und vier Sinfonien. Als Komponist und Pianist war Hiller berühmt, doch als Kapellmeister und Organisator der großen Niederrheinischen Musikfeste in Düsseldorf und Köln wurde er geliebt und gefeiert. Nach seinem Tode war er allerdings dann auch schnell vergessen, zumal seine Musik, in eher klassischer Tradition, schon vor der Jahrhundertwende antiquiert gewirkt haben muss. 
Hört man allerdings sein Klavierquintett, so wird man sich darüber wun- dern, dass Hillers Werke so gänzlich aus dem Konzertleben verschwunden bleiben. Denn der Klavierpart ist brillant, und das Quintett erscheint trotz seines enormen Umfanges kurzweilig und elegant. Insofern möchte man von einer wirklichen Entdeckung reden, die Tobias Koch und dem Pleyel Quartett Köln gelungen ist. Neben Hillers effektvollem Werk wirkt Schumanns Klavierquintett, das als Perle der Gattung gilt, erstaunlich blass und vom Klavier dominiert.

Samstag, 5. Januar 2013

Klughardt: String Quartet op. 42, Piano Quintet op. 43 (Avi-Music)

"Mein Kapellmeister hat zwar noch keinen Bart, aber er hat Haare auf den Zähnen." Mit diesen Worten soll der Direktor des Posener Theaters 1867 seinen Angestellten einen Neuling in dieser Position vorgestellt haben: August Klughardt (1847 bis 1902). Dieser Name dürfte heute kaum noch einem Musikfreund geläufig sein. Wieso eigentlich? fragt man sich verwundert beim Anhören dieser CD. 
Der Berufsanfänger erwarb sich rasch einen Ruf als Komponist, Pianist, Dirigent und Orchester- erzieher. Nach Stationen am Theater in Neustrelitz und in Lübeck wurde Klughardt schließlich als Musikdirektor an das Weimarer Hoftheater berufen. Dort wirkte er vier Jahre, und schuf zudem eine Vielzahl von Werken. 1873 ging er als Hofkapellmeister nach Neustre- litz; 1882 übernahm er dann die Hofkapellmeisterstelle in Dessau. Dort blieb er bis zu seinem Tode - eine Einladung, sich um die Leitung der Berliner Singakademie zu bewerben, lehnte er ab.
Sein Streichquartett F-Dur op. 42 wurde 1883 durch das berühmte Joachim-Quartett uraufgeführt - zwischen Mozart und Beethoven. "Die vier haben gespielt wie die Götter", schwärmte Klughardt. "Es ist doch etwas Schönes, so gespielt zu werden." Und die Kritik zeigte sich begeistert. Man wird dieses Urteil nachvollziehen, wenn man die CD mit dem Pleyel Quartett Köln angehört hat. Ingeborg Scheerer, Milena Schuster, Andreas Gerhardus und Nicholas Selo musizieren auf Instrumenten, wie sie noch vor hundert Jahren gebräuchlich waren. Insbesondere der Gebrauch von Darmsaiten und der diffe- renzierte Einsatz des Vibratos führen zu einem Klangbild, das sich von dem heute üblichen doch erstaunlich unterscheidet.
Verstärkt wird dieser Eindruck noch bei dem zweiten Stück auf der CD, dem Klavierquintett g-Moll op. 43. Hier ist statt Milena Schuster Verena Schoeneweg an der zweiten Geige zu hören - und Tobias Koch hat den Klavierpart übernommen. Der Pianist, der seit Jahren leiden- schaftlich für eine buntere Klangwelt auch bei den Tasteninstrumen- ten eintritt, hat für diese Aufnahme ein Fortepiano von Pierre Erard ausgewählt, das 1839 in Paris gebaut worden ist. Der Effekt ist deut- lich. 
Das Klavierquintett bietet auch insofern eine Überraschung, als Klug- hardt in diesem Werk sowohl Einflüsse der sogenannten Neudeut- schen Schule um Wagner und Liszt als auch Referenzen an die Tradi- tionalisten um Brahms und Joachim erkennen lässt. Die beiden Lager haben seinerzeit heftig und mit lautstarker Unterstützung durch die Musikkritik darum gestritten, was gute Musik ausmacht. Klughardt nahm, was er gut fand, und schuf damit ein Werk, das man gern öfter im Konzertsaal hören würde. Die Musik des Komponisten nämlich ist großartig - und auch die Interpretation, die hier zu erleben ist, macht Freude. Bravi! und bitte mehr davon. 

Freitag, 31. Dezember 2010

Schumann: Piano Quintet op. 44 - String Quartets op. 41 1-3 (MDG)

"Denk' ich nun freilich an die Höchste Art der Musik, wie sie uns Bach und Beethoven in einzelnen Schöpfungen gegeben, sprech' ich von seltenen Seelenzuständen, die mir der Künstler offenbaren soll, verlang' ich, daß er mich mit jedem seiner Werke einen Schritt weiter führe im Geisterreich der Kunst, verlang' ich mit einem Wort poetische Tiefe und Neuheit über- all, im Einzelnen wie im Ganzen", schrieb Robert Schumann, nach- dem er sich vom Leipziger David-Quartett an sechs Vormittagen neue Streichquartette hatte vorspie- len lassen - und mit den Werken höchst unzufrieden war. 
Also beschloss Schumann, selbst welche zu schreiben. Doch zunächst, 1839, blieben sie Bruchstücke, und der Komponist zog es vor, die Quartette Haydns, Mozarts und Beethovens weiter intensiv zu stu- dieren. Erst 1842 ging er wieder an das Projekt: Im Juni und Juli entstanden die drei Streichquartette op. 41. Im September und Oktober schrieb er zudem noch das Klavierquintett op. 44, das dann gemeinsam mit dem ersten Streichquartett im Januar 1843 im Gewandhaus öffentlich uraufgeführt wurde. Während das Quintett schnell populär wurde, und etliche Komponistenkollegen zu ähnli- chen Werken anregte, galten die Streichquartette als "schwierig", und wurden selten gespielt. 
Schumann hat zudem, nachdem er seinem Freund Felix Mendelssohn Bartholdy die Werke vorgestellt hatte, dessen Kritik berücksichtigt und zahlreiche Änderungen vorgenommen. Das Leipziger Streich- quartett hat jetzt für Dabringhaus und Grimm jene "originale" Fassung eingespielt, die die Gäste bei einer privaten Aufführung im September 1842 zum Geburtstag von Clara Schumann zu hören bekamen. Das macht die Aufnahme zu einer Rarität. Doch auch ihre musikalische Qualität erfreut - Stefan Arzberger und Tilman Büning, Violine, Ivo Bauer, Viola und Matthias Moosdorf, Violoncello, musizieren perfekt aufeinander abgestimmt. Nicht umsonst gelten sie als eines der besten Streichquartette der Welt. Beim Quintett werden die Leipziger Musiker von Christian Zacharias ergänzt, der allerdings seine eigenen Akzente setzt - und die finde ich nicht durchweg überzeugend.

Samstag, 16. Oktober 2010

August Klughardt: Piano Quintet / String Quintet (MDG)

August Friedrich Martin Klug- hardt, geboren 1847 in Köthen, schrieb seine ersten Kompositio- nen bereits als Gymnasiast. Am Klavier war er so versiert, dass er als 17jähriger Mendelssohns g-Moll-Klavierkonzert bei einem Abonnementskonzert spielen konnte. Nach dem Abitur 1866 studierte er Musik in Dresden.
1867 begann Klughardt seine Laufbahn als Kapellmeister, die ihn zunächst an die Stadttheater von Posen, Neustrelitz und Lübeck führte. Von 1869 bis 1873 war er am Hoftheater in Weimar engagiert, wo er Franz Liszt und möglicherweise auch dessen Freund und Schwiegersohn Richard Wagner kennenlernte. Nach einer erneuten Zwischenstation in Neustrelitz wurde Klughardt 1882 als Nachfolger seines früheren Lehrers Eduard Thiele Hofkapellmeister in Dessau.
1876 erlebte Klughardt die ersten Bayreuther Festspiele, und die Begeisterung für Wagners Werk sollte sein weiteres Leben prägen. So dirigierte er in Dessau mit Ausnahme des Parzifal sämtliche Werke Wagners;1893 wurde in der kulturell sehr aufgeschlossenen Resi- denzstadt erstmals der komplette Ring des Nibelungen aufgeführt. Dieses Engagement bescherte dem Dessauer Hoftheater den Bei- namen "Nördliches Bayreuth". Musiker aus Sachsen-Anhalt waren aber nicht nur in der Festspielstadt gern gesehen. Auch der Ruf des Theaterchores war offenbar so exzellent, dass Ende des 19. Jahr- hunderts regelmäßig etwa 20 Sänger aus Dessau  nach London reisten, um das Theatre Royal in Covent Garden bei der Aufführung deutscher Opern zu unterstützen.
Klughardt starb 1902 in Dessau. Er war nicht nur ein erfolgreicher Dirigent, sondern auch ein äußerst produktiver Komponist. Während seine Opern stark dem Bayreuther Vorbild folgten (und daher schon von seinen Zeitgenossen abgelehnt wurden), finden sich ansonsten erstaunlich wenig Spuren der "Neudeutschen"  in seinem Werk. Klughardt komponierte unter anderem mehrere Sinfonien, Konzerte und Kammermusik sowie Oratorien, Lieder und Chorwerke für verschiedene Stimmlagen. Im Konzertsaal sind sie heute kaum noch präsent. Das ist schade, wie die vorliegende CD zeigt. 
Klughardt beherrschte sein Handwerk, und er kannte die Erwar- tungen des Publikums. Ganz offensichtlich hatte er Vergnügen daran, musikalische Konventionen augenzwinkernd zu unterlaufen - und das Leipziger Streichquartett, ergänzt durch Olga Gollej, Klavier, bzw. durch den jungen Cellisten Julian Steckel, zelebriert diese kleinen Späßchen mit Wonne. Es ist Dabringhaus und Grimm zu danken, dass das audiophile Label für diese Aufnahme zweier bedeutender Kammermusikwerke eines der besten Streichquartette Europas gewinnen konnte. Das Engagement der Musiker lohnt sich - Klughardt verdient die Wiederentdeckung.