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Sonntag, 3. August 2014

Carl Philipp Emanuel Bach: Berlin Symphonies (MDG)

Die Sinfonia war ursprünglich ein Begleiter des Gesanges. Sie erklang als Einleitung oder aber als Zwischenaktmusik; in Neapel beispielsweise war die Sinfonia als Opern-Ouvertüre gebräuchlich. Sie hatte drei Teile, vom Tempo her schnell – langsam – schnell, mit einem markanten Kopfsatz, und wurde zunehmend auch ohne Oper in Akademien aufgeführt. Dieser Brauch wurde nördlich der Alpen bald übernommen. Und so dauerte es dann nicht lange, bis Komponi- sten Sinfonien schrieben, die reine Orchesterwerke waren, gänzlich ohne Oper, und auch ohne Generalbass. Carl Philipp Emanuel Bach 1714 bis 1788), Cembalist am Hofe Friedrichs des Großen, gehört zu den Protagonisten, die diese dreisätzige Konzertsinfonie sozusagen mit aus der Taufe gehoben haben. 
Seine sogenannten Berliner Sinfonien sind zunächst überwiegend als reine Streichersinfonien entstanden. Die Bläserstimmen für die meisten von ihnen fügte Bach später in seinen Hamburger Jahren hinzu, als er die Sinfonien überarbeitete. 
Diese Einspielung macht deutlich, wie sehr die Sinfonien durch diese Ergänzung gewonnen haben. Denn Christian Zacharias setzt mit seinem Orchestre de Chambre de Lausanne stark auf das Spiel mit den Klangfarben des Orchesters. Das wirkt sehr lebendig; und das zumeist forsche Tempo betont das tänzerische Moment, das vielen Sätzen zu eigen ist. Die vielen Unisono-Passagen gelingen wie mit dem Lineal gezogen. Auch sonst folgt das Orchestre de Chambre de Lausanne seinem langjährigen Chefdirigenten auf den Punkt, und musiziert höchst sensibel und differenziert. All das macht diese Aufnahme sehr spannend. Schwungvoller und lustvoller habe ich diese Werke jeden- falls noch nicht gehört. Bravi! 

Sonntag, 6. Mai 2012

Mozart: Piano Concertos Nos. 20 & 21; Lisiecki (Deutsche Grammophon)

"Ich liebe, was ich tue", sagt Jan Lisiecki. "Ich sehe das eigentlich nicht als Karriere; es ist kein Job, keine Arbeit. Es ist eher ein Beruf, etwas, das Ernsthaftigkeit und Konzentration, Motivation und Inspiration verlangt. Mich hat nie jemand gedrängt, Pianist zu wer- den, weder meine Eltern noch meine Lehrer. Das hat sich einfach so ergeben, ganz natürlich, ohne jede Absicht." Der 17jährige hat im Januar sein Debütalbum einge- spielt, das nun bei der Deutschen Grammophon erschienen ist - und dafür wählte er Mozarts Klavier- konzerte KV 466 und 467. 
Bei der Aufnahme musizierte er gemeinsam mit dem Symphonie- orchester des Bayerischen Rundfunks unter Christian Zacharias, der selbst ein gestandender Pianist ist, und Mozarts Klavierkonzerte bei Dabringhaus und Grimm veröffentlicht. Nun ist das Symphonieorche- ster des Bayerischen Rundfunks nicht das Orchestre de Chambre de Lausanne; und auch Lisiecki hat ziemlich konkrete Vorstellungen, wie Musik funktioniert: "Dieser Pianist ist nicht nur unglaublich begabt, sondern zum Glück auch erstaunlich offen und entspannt", berichtet Zacharias. "Er spürt sofort, was ihm das Orchester anbietet, er rea- giert und antwortet."  Dieser Dialog führt zu einer Interpretation, die auf Leichtigkeit setzt, Mozarts Melodien genüsslich erkundet, aber auch die dramatischen Passagen auskostet. Ein vielversprechender Erstling eines jungen Pianisten, der ganz sicher eine große Zukunft vor sich hat. 

Mittwoch, 25. April 2012

Mozart: Piano Concertos, Vol. 7 / Vol. 8; Zacharias (MDG)

Wie spielt man Mozart heute, wo seine Klavierkonzerte bereits in Dutzenden Versionen auf CD verfügbar sind? 
Christian Zacharias ist um eine Antwort nicht verlegen: Elegant und federleicht interpretiert er Mozarts Werke gemeinsam mit dem Orchestre de Chambre de Lausanne. Zacharias setzt ganz auf den Charme der Musik. Er vertraut Mozarts Ideen, und verzichtet auf diverse, in der Branche nicht unübliche Mätzchen. Und deshalb hört man diese Aufnahmen immer wieder gern. Bravi! 

Mittwoch, 12. Januar 2011

Mozart: Piano Concertos Vol. 6; Zacharias (MDG)

Mozarts Klavierkonzerte in der Champagner-Version:  Christian Zacharias, der sie mit dem von ihm geleiteten Orchestre de Chambre de Lausanne für Da- bringhaus und Grimm eingespielt hat, setzt ganz auf Leichtigkeit und Esprit. Das bringt Schwung in die oft noch immer bräsig-romantisie- rend gespielten Werke, und tut die- ser Musik ganz eindeutig gut. 
Der Pianist spielt bei den Konzer- ten Nr. 14 KV 449  und Nr. 15 KV 450 Mozarts Kadenzen. Für das Konzert Nr. 21 KV 467 sind diese nicht überliefert; in diesem Falle hat Zacharias eigene Kadenzen geschrieben, die gut zu dem schönen Werk mit dem stimmungsvollen zweiten Satz passen. 
Zacharias' Interpretation verortet die Klavierkonzerte deutlich in der Nachbarschaft der großen Mozart-Opern. Er gestaltet farbig und abwechslungsreich, kostet theatralisch angelegte Szenen aus, und lässt Kontraste wirken. Das alles ist nicht wirklich neu, aber man kann es durchaus genießen - ohne Reue. 

Freitag, 31. Dezember 2010

Schumann: Piano Quintet op. 44 - String Quartets op. 41 1-3 (MDG)

"Denk' ich nun freilich an die Höchste Art der Musik, wie sie uns Bach und Beethoven in einzelnen Schöpfungen gegeben, sprech' ich von seltenen Seelenzuständen, die mir der Künstler offenbaren soll, verlang' ich, daß er mich mit jedem seiner Werke einen Schritt weiter führe im Geisterreich der Kunst, verlang' ich mit einem Wort poetische Tiefe und Neuheit über- all, im Einzelnen wie im Ganzen", schrieb Robert Schumann, nach- dem er sich vom Leipziger David-Quartett an sechs Vormittagen neue Streichquartette hatte vorspie- len lassen - und mit den Werken höchst unzufrieden war. 
Also beschloss Schumann, selbst welche zu schreiben. Doch zunächst, 1839, blieben sie Bruchstücke, und der Komponist zog es vor, die Quartette Haydns, Mozarts und Beethovens weiter intensiv zu stu- dieren. Erst 1842 ging er wieder an das Projekt: Im Juni und Juli entstanden die drei Streichquartette op. 41. Im September und Oktober schrieb er zudem noch das Klavierquintett op. 44, das dann gemeinsam mit dem ersten Streichquartett im Januar 1843 im Gewandhaus öffentlich uraufgeführt wurde. Während das Quintett schnell populär wurde, und etliche Komponistenkollegen zu ähnli- chen Werken anregte, galten die Streichquartette als "schwierig", und wurden selten gespielt. 
Schumann hat zudem, nachdem er seinem Freund Felix Mendelssohn Bartholdy die Werke vorgestellt hatte, dessen Kritik berücksichtigt und zahlreiche Änderungen vorgenommen. Das Leipziger Streich- quartett hat jetzt für Dabringhaus und Grimm jene "originale" Fassung eingespielt, die die Gäste bei einer privaten Aufführung im September 1842 zum Geburtstag von Clara Schumann zu hören bekamen. Das macht die Aufnahme zu einer Rarität. Doch auch ihre musikalische Qualität erfreut - Stefan Arzberger und Tilman Büning, Violine, Ivo Bauer, Viola und Matthias Moosdorf, Violoncello, musizieren perfekt aufeinander abgestimmt. Nicht umsonst gelten sie als eines der besten Streichquartette der Welt. Beim Quintett werden die Leipziger Musiker von Christian Zacharias ergänzt, der allerdings seine eigenen Akzente setzt - und die finde ich nicht durchweg überzeugend.