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Sonntag, 17. Dezember 2017

Christmas Piano Music (Sony)

Die Weihnachtszeit ist auch eine Zeit des häuslichen Musizierens. Das Klavier, als traditionelles Haus- instrument, war dabei in den letzten 150 Jahren von zentraler Bedeutung. Auch wenn es heute in vielen Familien nicht einmal mehr dazu reicht, ein simples Weihnachtslied gemeinsam zu singen – verflixt, wie war doch gleich der Text! – liegen doch jene Zeiten, in denen das souveräne Spiel auf einem Musik- instrument ganz selbstverständlich als Bestandteil der höheren Bildung galt, noch gar nicht so lange zurück. Und wer alte Notenbestände sichtet, der wird oftmals Werke für das Weihnachtsfest finden – auf jedem musikalischen Niveau. 
Peter Froundjian hat aus der Vielzahl solcher Kompositionen für dieses Album einige wirkliche Perlen ausgewählt. Der Pianist, Gründer des seit 1987 alljährlich in Husum stattfindenden, international renommierten Festivals „Raritäten der Klaviermusik“, hat so einiges gefunden, was garantiert kaum jemand kennt. So spielt er die zwölf Pastorales op. 77 von Charles Koechlin (1867 bis 1950), eine Pastorale von Gustav Helsted (1857 bis 1924) Noël und Pastorale von Ignaz Friedman (1882 bis 1948) oder das Jule-Idyl von Alfred Tofft (1865 bis 1931). 
Sehr schön ist auch Snöflingor op. 57 Nr. 2 des finnischen Komponisten Selim Palmgren (1878 bis 1951), der den Flockenwirbel mit impressionisti- schen Stilmitteln schildert. Carl Nielsen (1865 bis 1931) stellt in seiner Fantasie Drømmen om „Glade Jul“ die Melodie des Liedes Stille Nacht in den Mittelpunkt. Und Franciszek Brzeziński (1867 bis 1944) zeigt uns mit Noël in Pologne, mit welcher Inbrunst das Weihnachtsfest in Polen gefeiert wird. 
Die Liste der Raritäten, die Peter Froundjian zusammengetragen hat, ist damit lang noch nicht vollständig. Der Pianist bestätigt mit dieser CD einmal mehr seinen Ruf als Spezialist für kaum bekannte Klaviermusik. Mit diesem Album beschert er allen Freunden eher moderner Klänge eine Kollektion faszinierender Weihnachtsmusiken, weit abseits vom Kaufhausgedudel. 

Sonntag, 3. Dezember 2017

Koechlin: Oeuvres orchestrales (SWR Music)

Die Musik von Charles Koechlin (1867 bis 1950) ist hierzulande wenig bekannt. Zum hundertfünfzigsten Geburtstag des Komponisten – der am 27. November 1867 in Paris das Licht der Welt erblickte, aber seine Wurzeln im Elsass hatte – sind nun bei SWR Music in zwei Boxen jeweils sieben CD alle Koechlin-Produktio- nen des Senders erschienen. 
Als Zugabe gibt es jeweils ein umfangreiches Beiheft. Es enthält einen detailreichen Aufsatz von Otfrid Nies, der einen Überblick über Leben und Schaffen des Komponisten bietet. Nies setzt sich seit viele Jahren dafür ein, diesem Zeitgenossen von Debussy und Ravel mehr Beachtung zu verschaffen. Er hat dazu 1984 in Kassel das „Archiv Charles Koechlin“ gegründet, das mittlerweile über eine beeindruckende Kollektion an Dokumenten verfügt. 

Mit Sorgfalt zusammengestellt: höchst informatives Beiheft 

Otfried Nies und Robert Orledge, ebenfalls ein ausgewiesener Koechlin-Experte, haben dann ausführliche Anmerkungen zu den einzelnen Werken hinzugefügt. Diese werden gelegentlich durch Kommentare der beteiligten Musiker ergänzt. Außerdem sind die Texte sämtlicher Vokalwerke zu finden, und Kurzbiographien der Mitwirkenden – und all das auf Deutsch, Französisch und Englisch. Und als Zugabe gibt es obendrein noch Photographien von Koechlin. Soviel Sorgfalt ist selten; desto mehr ist der SWR zu loben, der diesen Aufwand treibt, um den Jubilar zu ehren und dem Musikfreund den Zugang zu seinem eigenwilligen Werk zu erleichtern. 
Charles Koechlin, obgleich mit Musik aufgewachsen, wollte eigentlich Ingenieur werden. Doch dann erkrankte er schwer an Tuberkulose, und musste seine Lebenspläne ändern. Er wandte sich der Musik zu, und studierte am Conservatoire, zunächst bei Jules Massenet, und dann bei Gabriel Fauré. Aber auch die Musik von Claude Debussy schätzte Koechlin sehr: „Il suffit parfois d'une seule mesure chez un génial confrère, pour nous ouvrir la porte sur des jardins enchantés, où nous pourrons très bien cueillir d'autres fleurs que les siennes“, so beschrieb er in seinen Memoiren die Inspiration, die er durch dessen Stück Mandoline erfuhr. 
Das Werk von Charles Koechlin ist umfangreich, und umfasst nahezu alle Gattungen mit Ausnahme von Opern, Oratorien und anderer geistlicher Chormusik. Ein besonderes Faible hatte der Komponist für das Orchestrieren; diese Gabe nutzten auch seine Kollegen gern, so dass er beispielsweise Faurés Musik zu Pelléas et Mélisande oder Debussys Ballettmusik Khamma orchestrierte. Seine Erfahrungen in diesem Bereich gab er in dem vierbändigen Traité de l'orchestration weiter. 
Schon im Jahre 2001 startete der SWR das Koechlin-Projekt; dabei arbeiteten der Stuttgarter Rundfunksender mit seinem Radio-Sinfonie- orchester, Dirigent Heinz Holliger und Otfrid Nies mit dem Archiv Charles Koechlin eng zusammen. Die beiden CD-Boxen zeigen, wie viele Facetten Koechlins Werk hat. Da wäre zunächst die Kammermusik, auf vier CD zusammengefasst – wobei der Komponist die Bläser offenbar sehr schätzte, insbesondere Klarinette und Flöten. Doch auch für Streichinstru- mente hat er etliche Werke geschrieben. 

Koechlins magische Musik - oder: Fronarbeit im Zaubergarten  

Entstanden sind die Aufnahmen im Laufe vieler Jahre. Auch die Liste der Mitwirkenden ist lang; sie reicht von Dirk Altmann, Klarinette, über Peter Bruns, Violoncello, bis hin zu Peter Thalheimer, Flöte. Die meisten Interpreten sind Mitglieder des Radio-Sinfonieorchesters Stuttgart und haben sich über viele Jahre mit dem Werk Koechlins beschäftigt. 
Die Klavierwerke, auf drei CD, hat Michael Korstick eingespielt. Der Pianist wurde durch eine CD auf die Musik Koechlins aufmerksam: „Gleich mit den ersten Akkorden öffnete sich ein fremdartiger Zaubergarten voller süchtig machender Farben und Düfte“, berichtet er. Korstick fragte beim Archiv nach – und bekam von Otfried Nies ein Notenpaket. „Allerdings sind die feinsinnigen und farbigen, eine große innere Ruhe ausstrahlenden Klavierschöpfungen Koechlins für den Pianisten eine harte Nuss“, stellt Korstick fest. „Der stark orchestral konzipierte Satz kümmert sich nicht im geringsten um das mit zwei Händen Machbare, wirkt mit seinen extrem aufgefächerten Akkorden über weite Strecken wie das Particell eines Orchesterwerks, welches vom Pianisten erst in einem ,Griffplan' eingerichtet werden muss und zudem noch ganz eigene, hoch differenzierte Pedaltechniken erforderlich macht.“ 
Die Veröffentlichung mit den Orchesterwerken Koechlins enthält zahlreiche Weltersteinspielungen. Sie bietet einen breiten Überblick über Koechlins Schaffen, von den frühen Orchesterliedern über orchestrierte Werke anderer Komponisten bis hin zu seinen klanggewaltigen und üppig besetzten Spätwerken. 
Koechlins Musikstücke beziehen sich oftmals auf Außermusikalisches, wie Literatur oder Filme. Am ehesten bekannt sind wohl seine Musikstücke zum Dschungelbuch von Rudyard Kipling, wie Chanson de nuit dans la jungle, Le Chant de Kala Nag oder Les Bandar-Log. Auf sieben CD erklingen die von 2000 bis 2012 aufgenommenen und veröffentlichten Produktionen des Radio-Sinfonieorchesters Stuttgart unter Heinz Holliger sowie La Méditation de Purun Bhagat, ebenfalls ein Dschungelbuch-Stück. 

Donnerstag, 12. Oktober 2017

Felix Klieser - Horn Trios (Berlin Classics)

Zu einer Reise in die Geschichte des Horntrios lädt Felix Klieser ein. Auf seinem neuesten und mittlerweile dritten Album hat der junge Hornist interessante Werke versammelt, die immerhin über einen Zeitraum von gut hundert Jahren entstanden sind. 
Im Mittelpunkt steht dabei das Horntrio op. 40 von Johannes Brahms (1833 bis 1897), ein bekanntes Werk, mit dem sich Klieser schon als Jungstudent an der Hochschule für Musik und Theater in Hannover beschäftigte – damals war er gerade einmal 13 Jahre alt. Und es gehört, wie der Hornist im Geleitwort zu der CD schreibt, noch immer zu seinen Lieblingsstücken. 
Eingerahmt wird Brahms' großartige Musik durch zwei Horntrios des französischen Komponisten Frédéric Nicolas Duvernoy (1765 bis 1838), der Hornist an der Pariser Oper war, sowie die Quatre petites pièces op. 32 des Fauré-Schülers Charles Koechlin (1867 bis 1950). Den Schlusspunkt setzt die Serenade op. 73 von Robert Kahn (1865 bis 1951). 
Für diese Einspielung hat sich Felix Klieser zwei erfahrene Partner gesucht: Geiger Andrej Bielow und Pianist Herbert Schuch. Die drei Musiker kennen sich schon viele Jahre, sie haben auch schon gemeinsam musiziert. Diese Vertrautheit kommt der Aufnahme zugute. Um Kammermusik angemessen zu gestalten, müssen sich alle Beteiligten einbringen, zugleich aber auch die Kollegen hervortreten und musikalisch zu Wort kommen lassen. 
Klieser und seinen Musizierpartnern gelingt dieses Wechselspiel bestens. Sein warmer, romantischer Hornton gesellt sich zum ebenfalls bemerkenswert farbenreichen Geigenspiel Bielows, und Herbert Schuch ergänzt den Klavierpart sensibel und nuancenreich. Ein faszinierendes Album voll herrlicher Klänge, und mit einem klugen Konzept.