Posts mit dem Label Pergolesi werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label Pergolesi werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

Dienstag, 13. März 2018

#hornlikes (Genuin)

„Die Hörner sind los!“, warnt das Leipziger Label Genuin Classics. Nachdem sie bisher immer gemeinsam mit anderen Ensembles zu hören waren, haben die Musiker von German Hornsound nun zum ersten Mal eine CD eingespielt, auf der sie pur zu erleben sind. Das darf man durchaus wörtlich nehmen. Denn das Hornquartett hat dafür Lieblingsstücke seiner Mitglieder neu arrangiert. 
Das ermöglicht interessante Eindrücke – egal, ob Sebastian Schorr Händels populäre Arie Lascia ch'io pianga einmal auf dem Horn spielen möchte, Stephan Schottstädt die ebenso berühmte Englischhorn-Melodie der Sinfonie Aus der Neuen Welt von Antonín Dvořák erkundet, Christoph Eß die Trompetenklänge aus dem Finalsatz des zweiten Brandenburgischen Konzertes von Johann Sebastian Bach auf das Horn verlegt, oder Timo Steininger den Meditango von Astor Piazzolla. Jeder Musiker durfte drei Favoriten für diese CD auswählen. Und es gibt, von Händels Wassermusik bis zu Verdis Messa da Requiem und von Alessandro Marcellos Oboenkonzert bis hin zu Bruckners Chorälen, eigentlich kein einziges Werk, das nicht mindestens so schön klingt wie im Original, wenn es derart gekonnt durch vier Hörner vorgetragen wird. 
Und weil es so schön ist, hatte auch das Publikum drei #hornlikes frei. Es entschied sich für Melodien von Richard Wagner, Franz Schubert und Engelbert Humperdinck. Eigens für Tonmeister Michael Silberhorn, der „es gerne hat, wenn es mal ein bisschen schmettert“, erklingt dann zum Schluss noch ein Chor aus Carl Maria von Webers Freischütz. Hinreißend! 
Die Edel-Blechbläser von German Hornsound entlocken ihren Instrumen- ten ebenso farben- wie nuancenreiche Klänge. Sie demonstrieren, dass mit dem Horn gefühlvolle Melodielinien genauso selbstverständlich gestaltet werden können wie rhythmische Fundamente. Von ätherisch bis groovig sind alle Optionen möglich – Horn grandios! 

Donnerstag, 13. April 2017

Pergolesi: Adriano in Siria (Decca)

Ein einziger fauler Apfel kann einen ganzen Keller voll Obst verderben – wenn er nicht rechtzeitig erkannt und entfernt wird. Damit lässt sich auch die Handlung dieser langen Oper kurz beschreiben, in der ein Tribun namens Aquilio ohne Rücksicht versucht,  seine Interessen durchzu- setzen. 
Im Mittelpunkt steht eine junge Dame, die Emirena heißt und dem parthischen Fürsten Farnaspe versprochen ist, sich aber nun nach der Niederlage ihres Vaters Osroa in der Hand des siegreichen Kaisers Adriano befindet. Hadrian wiederum – unter diesem Namen ist der Römer uns bekannt – hat sich in die schöne Gefangene verliebt, obwohl er eigentlich mit der römischen Edelfrau Sabina verlobt ist. Diese wiederum möchte Aquilio für sich gewinnen, und dazu ist ihm jede Intrige und jeder Vertrauensbruch recht. 
In seinem Libretto Adriano in Siria hat Pietro Metastasio aus dieser Konstellation drei komplette Akte lang eine komplizierte Geschichte mit allerlei Irrungen und Wirrungen erdacht. Giovanni Battista Pergolesi (1710 bis 1736) nutzte Metastasios Text, als er 1734 im Auftrag für Karl, den König von Neapel, eine Oper zum Geburtstag seiner Mutter Elisabetta Farnese, Königin von Spanien, komponierte. Berühmt ist Pergolesi bis zum heutigen Tag als Schöpfer der Opera buffa La serva padrona sowie des populären Stabat mater. Dass der Komponist seinerzeit auch und vor allem für seine Opere serie gefeiert wurde, ist hingegen ein wenig in Vergessen- heit geraten. 
Jan Tomasz Adamus hat sich mit der Capella Cracoviensis und einem handverlesenen Solistenensemble nun einer dieser Opern zugewandt. Pergolesi schuf Adriano in Siria für grandiose Stimmen. So entstand die Partie des Farnaspe für Gaetano Majorano, bekannter unter dem Namen Caffarelli, ausgebildet durch Nicola Porpora. Dieser Kastrat galt seinerzeit als bester Sänger Italiens – und entsprechend umfangreich und anspruchs- voll ist sein Gesangspart. 
Den Adriano und seinen Vertrauten Aquilio übernahmen zwei Sopranistin- nen, die auf Hosenrollen spezialisiert waren. Auch die beiden Frauenrollen sind für Sopran geschrieben, und sie fordern neben vokaler Virtuosität durchaus auch Ausdruckstärke. Den Osroa schließlich sang ein hervor- ragender Tenor. 
Diese Besetzung mit fünf Sopranen und einem Tenor, zwei Männern und vier Frauen, erscheint in einem Zeitalter seltsam, in dem die Heldinnen auf der Bühne tunlichst nicht nur gut singen sollten, sondern auch möglichst wie ein Model jung und schlank aussehen müssen, wenn sie erfolgreich sein wollen (wahrscheinlich ist das Publikum heutzutage in seiner optischen Wahrnehmung geschulter als im Zuhören). Auch sind seit einigen Jahren wieder zahlreiche Countertenöre verfügbar, die mitunter selbst hohe Partien übernehmen können. 
Und so singt hier an der Seite von Franco Fagioli, der sich an die höchst schwierige Partie des Farnaspe wagt, der junge ukrainische Countertenor Juri Mynenko als Adriano. Der Aquilio hingegen blieb mit einer Frauen- stimme besetzt, mit der jungen türkischen Sängerin Çiğdem Soyarslan. Den Osroa, König der Parther, singt Juan Sancho; in den Rollen der Emirena und der Sabina sind Romina Basso und Dilyara Idrisova zu hören. 
Die Capella Cracoviensis musiziert auf historischen Instrumenten – mun- ter, mitunter auch emotionsgeladen, dabei aber stets klangschön. Wer Lust hat auf vokale Ausnahmeklänge, auf die hochartifizielle Gesangskunst einer längst versunkenen Opernkultur, die nunmehr schrittweise wieder rekonstruiert wird, der sollte sich insbesondere die Arien mit Franco Fagioli anhören. Es dürfte auf der ganzen Welt derzeit keine drei Sänger geben, die in der Lage sind, eine solche Partie live und ohne Striche zu bewältigen.

Montag, 10. April 2017

Fauré/Messager: Messe des pêcheurs de Villerville, Bach/Pergolesi: Tilge, Höchster, meine Sünden (Rondeau)

Wer bei den beiden Werken,die auf dieser CD zu hören sind, meint, er hätte diese Musik doch schon ander- weitig gehört, der hat vollkommen recht. Die Messe des pêcheurs de Villerville haben Gabriel Fauré und André Messager gemeinsam geschaffen. Der Komponist und sein Schüler waren in dem Fischerdorf des öfteren zu Gast; 1881 schufen sie ein Werk, das von Dorfbewohnern zusammen mit Sommergästen in der Dorfkirche aufgeführt wurde, begleitet von Harmonium und einer Geige. Die Kollekte, die dabei eingesammelt wurde, kam den Fischern und ihren Familien zugute. 
Im darauffolgenden Jahr waren deutlich mehr Musiker anwesend, was dazu führte, dass die Instrumentalbegleitung der verfügbaren Besetzung angepasst wurde. Auf dieser CD musizieren Eva Ludwig, Flöte, Nikolaus Kolb, Oboe, Sharon Kam, Klarinette, Birte Päplow und Saskia Rohde, Violine, Johanna Held, Viola, Ute Sommer, Violoncello, Heinrich Lade- mann, Kontrabass, und Ulfert Smidt, Orgel. 
Im Jahre 1907 verwendete Fauré diese Musik noch einmal: Die Messe basse ist ohne jeden Zweifel eine Variante der Fischermesse – noch schlichter und vielleicht sogar edler als das Original, das einst in der Sommerfrische entstanden ist. 
Im Parodieverfahren verwandelte 1746/47 Johann Sebastian Bach das Stabat mater von Giovanni Battista Pergolesi in eine Vertonung von Psalm 51. Er brachte die Musik des Italieners, die ihn inspirierte, vor seine Gemeinde – indem er sie für den evangelischen Gottesdienst tauglich machte. 
Für Tilge, Höchster, meine Sünden BWV 1083 wagte Bach aber weit mehr als nur die behutsame Anpassung auf einen neuen Text. Er veränderte Pergolesis Musik mit der offenkundigen Absicht, den Psalmtext musika- lisch auszudeuten. Dies zog stellenweise doch recht deutliche Eingriffe nach sich. So ersetzte Bach lange Notenwerte durch Melismen und überarbeitete auch die Begleitung umfangreich. Allerdings bleibt das Original immer präsent; Bach hat es, bei aller Umdeutung, ausgesprochen respektvoll behandelt. 
Der Mädchenchor Hannover singt die beiden Werke sehr hörenswert. Chorleiterin Gudrun Schröfel führt die jungen Sängerinnen mit sicherer Hand – und auch ungemein stilsicher. So erhält jedes Musikstück seinen individuellen Charakter. Faurés Messe des pêcheurs de Villerville erklingt eindringlich und innig, BWV 1083 klar akzentuiert und affektgeladen. Die Soli singen Ania Vegry, Sopran, und Mareike Morr, Alt; das Arte Ensemble musiziert gemeinsam mit dem Marktkirchenorganisten Ulfert Smidt. Eine gelungene Kombination zweier Raritäten. 

Dienstag, 23. Februar 2016

Max Emanuel Cencic - Arie Napoletane (Decca)

Arien der neapolitanischen Schule präsentiert Max Emanuel Cencic auf seinem neuen Solo-Album bei dem Label Decca. Der Countertenor singt Werke von Alessandro Scarlatti, Nicola Porpora, Leonardo Leo, Leo- nardo Vinci und Giovanni Battista Pergolesi. Dabei wird er vom Ensemble Il Pomo d'Oro unter Leitung von Maxim Emelyanychev ebenso präzise wie temperamentvoll begleitet. 
Ein ganz erheblicher Anteil dieser Stücke, die ursprünglich für Kastraten komponiert worden sind, ist auf dieser CD in Weltersteinspielung zu hören. In den Koloraturen erscheint die Stimme von Cencic mittlerweile fast ein wenig zu schwer und zu dramatisch; dafür kann er in den lyrischen Stücken mit rundem Klang, perfekter Phrasierung und souveräner Gestaltung beeindrucken. 
Und als Zugabe bieten auch die Musiker eine Weltpremiere: Das Cembalo- konzert in D-Dur von Domenico Auletta (1723 bis 1753), das Solo über- nimmt Maxim Emelyanychev. Man lauscht erstaunt – aber dieses Werk klingt schon sehr nach Klassik. 

Samstag, 9. Mai 2015

Hiller: Stabat Mater (Pergolesi) (MDG)

Johann Adam Hiller (1728 bis 1804) lernte am Gymnasium in Görlitz und an der Kreuzschule in Dresden. 1751 begann der Sohn eines Lehrers und Gerichtsschreibers ein Jura-Studium in Leipzig. 1754 wurde er Hauslehrer bei Graf Heinrich von Brühl. 1759 startete er die erste deutsche Musik- zeitschrift – sie hieß Der musikali- sche Zeitvertreib. Hiller sorgte zudem für die Wiederbelebung der Tradition des Großen Concerts, das im Sieben- jährigen Krieg eingestellt worden war. 
Er leitete die Musikübende Gesell- schaft, und er dirigierte 1781 das erste Gewandhauskonzert, zur Ein- weihung des großen Saals im Messehaus der Tuchhändler. Auch als Gesangspädagoge hatte Hiller einen exzellenten Ruf. Aus seiner Singschule sind berühmte Sängerinnen hervorgegangen, wie Gertrud Elisabeth Mara oder Corona Schröter. 
Von 1789 bis 1801 wirkte Hiller als Thomaskantor. Er veröffentlichte ältere Werke, die er als gut ansah, um sie vor dem Archivschlaf zu bewahren, und komponierte zudem selbst. Seine eigenen Werke aber sind heute weit- gehend vergessen. Das gilt sowohl für seine Singspiele, Vorgänger der deutschen Spieloper, als auch für seine Kirchenmusik. Rainer Johannes Homburg hat mit seinen Stuttgarter Hymnus- Chorknaben nun drei bedeutende Werke Hillers eingespielt. 
Das lohnt durchaus, wie die eindrucksvolle Stuttgarter Interpretation des 100. Psalms beweist. Hillers Vertonung besteht aus fünf Sätzen. Drei davon sind für den Chor bestimmt, sie rahmen ein Duett von Sopran und Alt sowie eine Tenor-Arie ein. Schon der festliche Eingangschor Jauchzet dem Herrn, alle Welt lässt keine Zweifel daran, dass Hiller sein Handwerk versteht. Und in den sehr dankbaren Solopartien können die Sänger sowohl ihre Ausdrucksstärke als auch ihrer Virtuosität demonstrieren. Es folgt die Motette Lass sich freuen alle nach Psalm 5, 12-13. Dieses anspruchsvolle Stück für vierstimmigen Chor a cappella wird von dem Stuttgarter Knabenchor höchst achtbar gesungen. 
Ein musikhistorisches Kuriosum erklingt dann: Pergolesis „vollständige Passionsmusik zum Stabat mater mit der Klopstockischen Parodie; in der Harmonie verbessert, mit Oboen und Flöten verstärkt und auf vier Singstimmen gebracht von Johann Adam Hiller“. Ohne diese Bearbeitung wäre Pergolesis berühmtes Werk wohl heute keineswegs so bekannt. Während Bach das Original nutzte, um daraus die Kirchenkantate Tilge, Höchster, meine Sünden BWV 1083 zu formen, hat Hiller Pergolesis Musik, die mitunter ziemlich schroff kontrapunktisch-chromatisch verzweifelt daherkommt, in einem überraschenden Ausmaß weichgespült. Dazu tragen sowohl die Bläser als auch die vielfach umgeformten Mittel- stimmen bei. Den lateinischen Text der Ausgangsversion, katholisch, hat Hiller ersetzt durch Friedrich Gottlieb Klopstocks pietistisch-empfindsame Dichtung. Sie stellt anstelle der trauernden Gottesmutter Christus als Erlöser in den Mittelpunkt der Betrachtung – und machte so den alten Hymnus für evangelische Christen verständlich und akzeptabel. Der Dichter brachte dabei das Kunststück fertig, den Text ziemlich perfekt an den jeweiligen Ausdruck der Musik anzupassen. Es wird nicht verwundern, dass Klopstocks Dichtung hierzulande lange weitaus präsenter war als ihr Vorbild. Auch Hillers Bearbeitung, die ziemlich geschickt zwei zusätzliche Singstimmen integriert, blieb bis weit in das 19. Jahrhundert hinein populär. 
Insofern ist es erfreulich, dass sie nun auch auf CD dokumentiert ist. Als Solisten zu hören sind Veronica Winter, Thomas Riede, Knut Schoch und Thomas Laske. Den Orchesterpart hat die Handel's Company übernom- men. Dieses Stuttgarter Ensemble musiziert sehr klangschön auf historischen Instrumenten. Homburg setzt insbesondere beim Stabat mater ganz auf Noblesse und auf einen ruhigen, besinnlichen Fluss. Die Textverständlichkeit allerdings lässt fast durchweg zu wünschen übrig. 

Montag, 24. März 2014

Pergolesi: Stabat Mater (Erato)

Rechtzeitig vor Ostern legt das Label Erato eines der schönsten Werke der Kirchenmusik in einer neuen Aufnahme vor – das Stabat Mater von Giovanni Battista Pergolesi (1710 bis 1736). Um es gleich vorwegzunehmen: Wer diese CD angehört hat, der wird kaum noch eine andere Einspielung gelten lassen. Dies ist ohne Zweifel die neue Referenzaufnahme. Und das liegt vor allem auch an den Sängern, die keine Schwierigkeiten damit haben, mit eigentlich der Oper entlehnten Ausdrucksmitteln für die angemessene Andacht zu sorgen. 
Die russische Sopranistin Julia Lezhneva harmoniert klanglich perfekt mit Countertenor Philippe Jaroussky. Es ist phänomenal, wie die beiden Sänger nicht nur ihre Verzierungen, sondern auch ihr Timbre aufeinander abstimmen. Wer die Partien nicht kennt, der hat mitunter Mühe, zu erkennen, wer gerade singt. 
Und weil's so schön ist, hat Barock-Experte Diego Fasolis die CD gleich noch durch zwei weitere Werke Pergolesis ergänzt: Das Confitebor tibi Domine und das üppig orchestrierte Laudate pueri Dominum; beide Stücke bieten nicht nur anspruchsvolle Solo-Partien, sondern auch dankbare Aufgaben für die Musiker des Ensembles I Barocchisti sowie den Coro della Radiotelevisione svizzera. Auf die nachfolgende Aufnahme der Missa Romana sowie des Dixit Dominus, die Fasolis im Beiheft ankündigt, darf man bereits gespannt sein. 

Sonntag, 10. Juni 2012

Pergolesi: Stabat Mater - Salve Regina - Orfeo (Capriccio)

Einigermaßen erstaunt lauscht man dem, was diese CD aus den Lautsprechern quellen lässt. Nein, das ist keine Aufnahme aus den 50er Jahren, sondern sie stammt aus 1993 bzw. 1995! Das Bamber- ger Streichquartett, verstärkt durch Stefan Adelmann, Kontra- bass und Berthold Höps, Cembalo und Orgel, spielt Pergolesi - und das ganz so, als hätte es all die Debatten um historische Auffüh- rungspraxis nie gegeben. Nichts gegen Klaus Burmeister, Rüdiger Rehn, Roland Waschneck und Karlheinz Busch; man hört, dass dies durchaus ein versiertes Ensemble ist. Aber musste es gerade dieses Repertoire sein, und mussten es ausgerechnet diese Sängerinnen sein, mit einem Vibrato, so breit wie der Ozean? Regina Klepper mag eine entzückende Lisa sein, und auch eine temperamentvolle Marie - doch selbst beim Orfeo mag man sie nicht hören, denn es fehlt ihrer Stimme an Leichtigkeit und Geläufigkeit. Martina Borst kann man sich als Zerlina sehr gut vorstellen; das Salve Regina aber ist für ihre Stimme zu tief. Finger weg von dieser CD, wer sich nicht ärgern will, der lässt sie im Regal stehen. 

Montag, 9. April 2012

Concerto Köln - Italian Concertos (Capriccio)

Wer die wichtigsten Concertos von Antonio Vivaldi (1678 bis 1741), ergänzt um einige Werke seiner Zeitgenossen Francesco Durante (1684 bis 1755), Leonardo Leo (1694 bis 1744) und erstaun- licherweise auch ein Violinkonzert von Giovanni Battista Pergolesi (1710 bis 1736) kennenlernen will, der sollte zu dieser 2-CD-Box greifen. Hier kann man erfahren, was seinerzeit das Publikum verzückte. Und das Ensemble Concerto Köln macht es auch dem heutigen Zuhörer leicht, sich für diese Werke zu begeistern. 

Samstag, 3. Dezember 2011

Pergolesi: Stabat Mater (Naxos)

"Dein Brief fand mich just mitten in der Arbeit das Stabat Mater in teutsche reime mit beybehaltung des Rhythmus zu übersetzen; eine RuderknechtsArbeit, wenn's ein Mensch thun müßte", schrieb Christoph Martin Wieland 1779 an Johann Heinrich Merck. Wenige Tage später starb seine achtjährige Tochter Regina Dorothea - ein Verlust, der den Dichter, der am Weimarer Hof als Prinzenerzieher wirkte, schwer getroffen hat. Die Beschäftigung mit der Musik Giovanni Battista Pergolesis (1710 bis 1736), und das Ringen um die adäquate Übertragung des Textes in die deutsche Sprache mögen Wieland getröstet haben. 
Es mag verblüffen, doch die vorliegende CD bringt diese Textversion als Welt-Ersteinspielung - und dazu noch ein weiteres Werk nach einem Text Wielands, Der Frühling Wq 237 / H 723 von Carl Philipp Emanuel Bach (1714 bis 1788) sowie Entro le viscere, eine italieni- sche Kantate, die Carl Heinrich Graun (1701 bis 1759) für den preußi- schen Kronprinzen Friedrich komponiert hat. Auch dies sind Welt-Ersteinspielungen - erstaunlich angesichts der hohen musikalischen Qualität beider Werke; die Aufnahmen sind allerdings bereits 2008 entstanden. Es ist bei Naxos nicht die Regel - aber diese CD enthält ein geradezu üppiges Beiheft, und die Texte stammen überwiegend von hochdekorierten akademischen Fachkräften. 
Musiziert wird vorbildlich. Es singen Elisabeth Scholl, Sopran - deren Opernattitüde mir in der Graun-Kantate jedoch weit besser gefällt als in der Stabat Mater, - Marcus Ullmann mit einem schönen Tenor sowie Alexander Schneider, der mit einem schlanken, gut geführten Altus beeindruckt.  Das Barockorchester L'arpa festante steuert unter Alexander Eberle einen rhetorisch stark akzentuierten, spannungs- vollen Orchesterpart bei. 

Sonntag, 20. März 2011

Stabat Mater - A Tribute to Pergolesi; Netrebko, Pizzolato (Deutsche Grammophon)

Seit Jahren singt Anna Netrebko regelmäßig in Baden-Baden. Im vergangenen Jahr entschied sich die Sopranistin, erstmals keine Oper und auch kein Arien-Recital zu singen - sondern Barock- musik, von Giovanni Battista Pergolesi (1710 bis 1736). 
Dabei kombinierte sie das berühm- te Stabat Mater mit weltlichen Werken - sie selbst wählte die Kantate Nel chiuso centro, und die italienische Mezzosopranistin Marianna Pizzolato, die Kapellmeister Antonio Pappano für das Projekt vorgeschlagen hatte, entschied sich für Questo è il piano. Das Orchestra dell'Accademia Nazionale di Santa Cecilia aus Rom spielt zudem die Sinfonia aus dem geistlichen Drama Li prodigi della divina grazia nella conversione e morte di San Guglielmo duca d'Aquitania. Die Musiker, die moderne Instrumente nutzen, sind ganz offenkundig mit den Anforderungen der "Alten" Musik bestens vertraut, und spielen sie souverän.
Die beiden Sängerinnen aber können ihre Ausbildung nicht verleug- nen - und diese hat die Opernbühne zum Ziel, räumt Netrebko ein: "Zuerst versuchte ich, meine Stimme zurückzunehmen und wie eine Barocksängerin zu singen, aber dann fand ich die Idee nicht mehr so gut. Ich musste einen Mittelweg finden und mit meiner eigenen Stimme singen." Die Sängerin interessierte sich ganz offenkundig besonders für die theatralischen Momente von Pergolesis Musik. An manchen Stellen erzeugt das Dramatik; gelungen ist beispielweise Netrebkos messerscharfer Triller, der geradezu schmerzhaft verdeut- licht, wie das Schwert des Leidens die Seele der Gottesmutter beim Anblick ihres gekreuzigten Sohnes durchdringt. So perfekt ist das nicht einmal in der Aufnahme mit René Jacobs zu hören. An anderen Stellen muss man freilich schmunzeln, weil die Sängerinnen über- ziehen und hier und da doch die Primadonna hören lassen. 
Was soll's - Netrebko-Fans wird das nicht schrecken. Und Mezzo- sopranistin Pizzolato harmoniert stimmlich sehr gut mit dem Star. Sie hat eine warme, stets gut geführte, allerdings sehr hell timbrierte Stimme; eigentlich sollte ein contralto aber auch klanglich einen Kontrast zum Sopran bieten.