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Montag, 28. Juni 2021

Carl Loewe: Piano Music, Volume two (Toccata Classics)


 Carl Loewe (1796 bis 1869) galt zu Lebzeiten als „norddeutscher Schubert“. Heute ist der Komponist nur noch Kennern und Liebhabern des Kunstlieds aufgrund seiner berühmten Balladen ein Begriff. 

Dass er auch ein beachtliches Klavierwerk geschaffen hat, das beweist Linda Nicholson mit einer Reihe von Aufnahmen, die britische das Label Toccata Classics nun in Co-Produktion mit dem WDR veröffentlicht. 

Auf diesem Album, es ist das zweite der Reihe, wurden vier Stücke zusammengefasst, die deutlich werden lassen, dass Loewe zu den wichtigsten Komponisten der Romantik gehört – durchaus an die Seite von Koryphäen wie Franz Liszt, Johannes Brahms oder Edvard Grieg. 

Zu hören sind Frühling. Eine Tondichtung in Sonatenform op. 47, Biblische Bilder op. 96, die Grande Sonate Brillante in Es-Dur op. 41 und die Abendfantasie op. 11, letztere in Erstaufnahme. Linda Nicholson spielt diese Werke stilsicher auf einem herrlichen Originalinstrument von Erard aus dem Jahre 1839, das sich im Besitz des WDR befindet. Was für ein Klang!  


Sonntag, 16. Juni 2013

Kuhlau: Grandes Sonates (Fra Bernardo)

Das Label Fra Bernardo will einerseits jungen Künstlern und Ensembles die Möglichkeit geben, sich international zu präsentieren. Anderseits will Bernhard Drobig, der Gründer des Labels, aber auch Repertoirelücken schließen – und da gibt es im Bereich der „Alten“ Musik, auf den sich Fra Bernardo konzentriert, in der Tat noch viel zu entdecken.
Ein Beispiel dafür ist das Werk von Friedrich Daniel Rudolph Kuhlau (1786 bis 1832). Der Musiker, geboren in Uelzen, flüchtete 1810 nach Dänemark, um nicht in Napoleons Truppen dienen zu müssen. Im dänischen Musikleben fand Kuhlau schließlich seinen Platz; so gilt er als einer der Väter der dänischen Oper.
Sein eigentliches Instrument aber war die Flöte. So komponierte er insgesamt sieben Sonaten für Flöte und Klavier. Drei davon sind auf dieser CD zu hören. Das Duo Les Fidelles – es besteht aus Charles Zebley, Flöte, und Linda Nicholson am Klavier – beweist, dass die Flötenmusik der Frühromantik durchaus Attraktives zu bieten hat. Klanglich faszinierend ist diese CD aber nicht nur aufgrund der musikalischen Klasse der beiden Interpreten.
Der verwendete Flügel wurde von dem Wiener Klavierbauer Conrad Graf um 1828 angefertigt. Das Instrument weist allerlei Finessen auf; so hat es fünf Pedale mit teilweise kuriosen Funktionen: „Una corda; Fagott – hier wird ein Pergamentstreifen an die Saiten geführt und dadurch eine schnarrende Klangfarbe erzeugt; Fortepedal; Modera- tor – hier schiebt sich ein Filzstreifen zwischen Hämmer und Saiten, um einen gedämpften Klang zu erreichen; Trommel/Glocken – hier setzt das Pedal einen Mechanismus in Bewegung, der bei leichtem Drücken einige Glocken anschlägt“, zählt Nicholson auf: „Bei festem Drücken schlägt zusätzlich noch ein Trommelschlägel auf den Reso- nanzboden.“

Freitag, 30. Dezember 2011

Bach: The Complete Flute Sonatas (Hyperion)

Diese Doppel-CD aus dem Hause Hyperion enthält sämtliche Flö- tensonaten von Johann Sebastian Bach sowie jene, die ihm zwar zugeschrieben werden, bei denen Experten aber Zweifel daran haben, dass sie tatsächlich von dem Komponisten stammen. Lisa Beznosiuk, ausgewiesene Expertin für "Alte" Musik, spielt eine Eben- holz-Traversflöte aus der Werk- statt von Alain Weemaels nach einem Original des Brüsseler Holz- blasinstrumentenbauers Johannes Hyacinthus Rottenburgh (1672 bis 1765). 
Dieses Instrument verfügt über eine faszinierend dunkel klingende Tiefe, und wird auch in der Höhe niemals spitz oder schrill. Beznosiuk entwickelt einen unglaublich wandlungsfähigen Ton, sie färbt den Klang nahezu nach Belieben   - das ist phantastisch, und es wäre mit einer modernen Böhmflöte wohl kaum in ähnlicher Weise möglich. Insofern ist diese Aufnahme spannend. Bei der Triosonate in G-Dur BWV 1039 übernimmt Rachel Brown die zweite Flöte; sie spielt ebenfalls brillant. 
Den Cembalo-Part hat Paul Nicholson übernommen. Ob allerdings Bach im Continuo ein Violoncello eingesetzt hat - es wird hier gespielt von Richard Tunnicliffe -, das ist umstritten; der Einsatz eines Violones würde den Klang noch einmal verändern. In einem Stück, der E-Dur-Sonate BWV 1035, kommt anstelle des Cembalos die Erzlaute zum Einsatz, gespielt von Elizabeth Kenny. Dies erscheint durchaus als eine attraktive Variante, auch wenn ich nicht glaube, dass diese Sonate zu Bachs Zeiten tatsächlich so erklungen ist. Variatio delectat - und diese beiden CD sind musikalisch wirklich sehr interessant.