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Sonntag, 26. Februar 2012

Vivaldi: Il Cimento dell'armonia e dell'inventione (Linn Records)

Pavlo Beznosiuk spielt seit mehr als 25 Jahren "alte" Musik. Ob Renaissance-Violine im Ensemble The Parley of Instruments oder ihre mittelalterlichen Verwandten Vielle, Rebec und Lira da Braccio im The New London Consort - kaum ein Instrument aus der großen Familie der Violinen dürfte dem Musiker fremd sein. 
Mit seinem eigenen, dem Avison Ensemble, hat der Geiger nun eines der ganz großen Werke der Musik- geschichte eingespielt: Il cimento dell'armonia e dell'inventione nannte Antonio Vivaldi eine Samm- lung von zwölf Violinkonzerten, die 1725 in Amsterdam als Opus 8 erstmals gedruckt wurde. Sie enthält unter anderem die berühmten Vier Jahreszeiten
Beznosiuk und The Avison Ensemble musizieren originell und tempe- ramentvoll; nicht jede Lösung, die sie finden, vermag zu überzeugen - doch das ist auch Geschmackssache. Wer eine frische, aber zugleich wohlstrukturierte Vivaldi-Lesart bevorzugt, der wird diese Aufnahme mögen. 

Freitag, 30. Dezember 2011

Bach: The Complete Flute Sonatas (Hyperion)

Diese Doppel-CD aus dem Hause Hyperion enthält sämtliche Flö- tensonaten von Johann Sebastian Bach sowie jene, die ihm zwar zugeschrieben werden, bei denen Experten aber Zweifel daran haben, dass sie tatsächlich von dem Komponisten stammen. Lisa Beznosiuk, ausgewiesene Expertin für "Alte" Musik, spielt eine Eben- holz-Traversflöte aus der Werk- statt von Alain Weemaels nach einem Original des Brüsseler Holz- blasinstrumentenbauers Johannes Hyacinthus Rottenburgh (1672 bis 1765). 
Dieses Instrument verfügt über eine faszinierend dunkel klingende Tiefe, und wird auch in der Höhe niemals spitz oder schrill. Beznosiuk entwickelt einen unglaublich wandlungsfähigen Ton, sie färbt den Klang nahezu nach Belieben   - das ist phantastisch, und es wäre mit einer modernen Böhmflöte wohl kaum in ähnlicher Weise möglich. Insofern ist diese Aufnahme spannend. Bei der Triosonate in G-Dur BWV 1039 übernimmt Rachel Brown die zweite Flöte; sie spielt ebenfalls brillant. 
Den Cembalo-Part hat Paul Nicholson übernommen. Ob allerdings Bach im Continuo ein Violoncello eingesetzt hat - es wird hier gespielt von Richard Tunnicliffe -, das ist umstritten; der Einsatz eines Violones würde den Klang noch einmal verändern. In einem Stück, der E-Dur-Sonate BWV 1035, kommt anstelle des Cembalos die Erzlaute zum Einsatz, gespielt von Elizabeth Kenny. Dies erscheint durchaus als eine attraktive Variante, auch wenn ich nicht glaube, dass diese Sonate zu Bachs Zeiten tatsächlich so erklungen ist. Variatio delectat - und diese beiden CD sind musikalisch wirklich sehr interessant.