Posts mit dem Label Orchestersuiten werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label Orchestersuiten werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

Sonntag, 2. Februar 2020

Johann Bernhard Bach: Orchestral Suites (Audite)

Noch einmal Bach – Johann Bernhard Bach (1676 bis 1749). Er war der Sohn des Erfurter Stadtmusikanten Johann Aegidius Bach, ein Cousin zweiten Grades von Johann Sebastian Bach, und er musizierte ab 1703 als Cembalist in der Hofkapelle des kunstsinnigen Herzogs Johann Wilhelm von Sachsen-Eisenach und dazu, als Nachfolger seines Onkels Johann Christoph, als Organist an der Georgenkirche. 
In Eisenach wirkte von 1708 bis 1712 auch Georg Philipp Telemann als Konzert- und Kapellmeister, und er schwärmte noch Jahre später davon: „Ich muß dieser Capelle, die am meisten nach frantzösischer Art eingerichtet war, zum Ruhm nachsagen, daß sie das parisische, so sehr berühmte Opern-Orchester übertroffen habe.“
Einen Eindruck von diesem einzigartigen musikalischen Universum vermittelt uns nun das Thüringer Bach Collegium. Auf dieser CD präsentiert das Ensemble um Konzertmeister Gernot Süßmuth vier Orchestersuiten, einst komponiert für die Eisenacher Hofkapelle. Drei davon wurden als Aufführungsmaterialien von Bachs Leipziger Collegium musicum überliefert; eine weitere fand sich in Form einer Partitur, die offenbar aus dem Umfeld des Bach-Sohnes Carl Philipp Emanuel stammt. 
Es sind anspruchsvolle Werke, voll Eleganz und voll Überraschungen. Das Thüringer Bach Collegium bringt diese musikalischen Brillanten mit ganz enormer Musizierlust so recht zum Funkeln. Entstanden sind diese Aufnahmen übrigens in der Eisenacher Georgenkirche. Eine hinreißend schöne Einspielung – und man darf gespannt weitere Entdeckung des Ensembles. 

Donnerstag, 26. Dezember 2019

Bach: Goldberg Variations (Supraphon)

Kann man die Goldberg-Variationen von Johann Sebastian Bach auch mit einem Holzbläser-Trio spielen? Václav Vonášek hat versucht, ein Arrangement für diese Besetzung anzufertigen, musste aber bald feststellen: Es „fehlt eine Tenorstimme, die den Freiraum zwischen der Klarinette und dem Fagott füllt.“ Es funktionierte nicht, berichtet der Fagottist: „Von allen Variationen konnten bei bestem Willen nur etwa die Hälfte umgeschrieben werden.“ Und so wurde aus dem Terzett aus Oboe, Klarinette und Fagott das Arundo Quartett: „Das Bassetthorn erwies sich als eine ausgezeichnete Wahl, nicht nur dank seines Tonumfangs von der großen bis zur dreigestrichenen Oktave, aber auch dank seiner Fähigkeit, sich farbig mit anderen Instrumenten zu verbinden“, schreibt Vonášek. „Der Klang des Ensembles gewann an Fülle und Kompaktheit und der Weg zu den Goldberg-Variationen war frei.“ 
Jan Souček, Oboe, Jan Mach, Klarinette, Karel Dohnal, Bassetthorn und Václav Vonášek, Fagott, musizieren exquisit und bescheren uns eine der schönsten Aufnahmen der Goldberg-Variationen überhaupt. Denn die Holzbläser mit ihrem ebenso ausgewogenen wie farbenreichen Klang erweisen sich als perfekte Besetzung dafür. Und als Zugabe spielen die vier Musiker anschließend noch die Orchestersuite BWV 1066. Bravi! 

Mittwoch, 14. Januar 2015

Bach: The Orchestral Suites (Accent)

Sigiswald Kuijken hat mit seinem Orchester La Petite Bande nach den Brandenburgischen Konzerten nun auch die vier Orchestersuiten von Johann Sebastian Bach eingespielt. „Vor etwa dreißig Jahren haben wir diese Suiten mit der damaligen Besetzung von La Petite Bande in einer (sehr) großen Besetzung aufgenommen“, blickt Kuijken zurück. „Damals war ich so gefesselt vom reichen Klang des Lully-Orchesters in Versailles, (den wir zu dieser Zeit gerade neu entdeckt hatten...), dass ich in meinem Enthusiasmus auch die viel kompliziertere Musik Bachs im gleichen Klangkonzept auszuführen versuchte.“ Das habe schön geklungen, meint der Geiger, „doch nach meiner heutigen Ansicht spricht nichts mehr für eine so große Anzahl von Spielern, weder historisch noch musikalisch.“ Und so sind die Stimmen bei dieser Neueinspielung solistisch, maximal aber doppelt besetzt. 
Diese schlanke Formation hat in der Tat Vorzüge. Das beginnt bei Details in der Stimmführung, wie der Auszierung. Besonders beeindruckt jedoch die enorme Transparenz und Durchhörbarkeit dieser Aufnahme. Und bei der Auswahl der Instrumente gibt es diesmal auch keine Kompromisse. Statt der Celli verwendet Kuijken den sogenannten Violone, eine Bassvioline, die bedeutend größer ist als das moderne Violoncello, und einen faszinierend satten Bassklang einbringt. 
Die Trompetenpartien spielen Jean-Francois Madeuf, Jérôme Princé und Graham Nicholson auf „echten“ Naturtrompeten, ohne Hilfslöcher. Sie müssen daher wie zu Bachs Zeiten mit der Naturtonreihe ihrer Instrumente zurandekommen. Das Clarinblasen ist eine hohe Kunst; nicht umsonst waren seinerzeit Trompetenvirtuosen sehr angesehen und wurden an den Höfen auch entsprechend bezahlt. Die drei Solisten meistern Bachs heikle Trompetenparts so locker, als wären es Anfänger-Etüden - Respekt! 
Musiziert wird flott, aber keineswegs hektisch, zwar mit tänzerischem Gestus, aber nicht wirklich als Tanzmusik. La Petite Bande zelebriert barocke Klangpracht, untersetzt mit protestantischem Qualitäts- bewusstsein. Ein ausgesprochenes Hörvergnügen, und in jedem Falle auch einmal mehr eine Referenzaufnahme. 

Sonntag, 7. August 2011

Bach: Orchestral Suites (Fuga Libera)

Paul Dombrecht hat mit seinem Ensemble Il Fondamento Bachs Orchestersuiten BWV 1066 bis 1069 neu eingespielt. Und dafür - Nomen est omen - die "originalen", d.h. die Fassungen aus Bachs Weimarer bzw. Köthener Zeit rekonstruiert. 
Das führt unter anderem generell zum Wegfall der Pauken und Trompeten; in der dritten Suite entfallen so auch die Oboen. Und die zweite Suite steht plötzlich nicht mehr in b-Moll, sondern in
a-Moll, und wird mit einer Solo-Violine anstatt einer Flöte besetzt. 

Soweit, so gut. Ob das substantielle Verbesserungen bedeutet, das mag jeder Hörer selbst entscheiden. Dombrecht geht die Suiten sehr rhythmusbetont an. Das kann man machen; es geht ja schließlich um (stilisierte) Tänze. Was mir gar nicht gefällt, das ist jedoch die klare Dominanz des Basses. Ein Kontrabass dürfte zu Bachs Zeiten noch nicht zum Instrumentarium gehört haben; so wird die Unterstimme zu laut und zu massiv. Und wenn schon historisch, dann doch bitte konsequent. 

Samstag, 16. Oktober 2010

Bach: The Orchestral Suites (Berlin Classics)

Warum verwechseln selbst außer- ordentlich renommierte En- sembles mitunter Geschwindigkeit und Esprit? Diese Frage drängt sich beim Anhören dieser CD förmlich auf. "Frischer Wind" ist ja sehr schön, aber muss es denn gleich ein Wirbelsturm sein, der mit seinem druckvollen Tempo jeg- lichen Ansatz einer dynamischen Differenzierung plattwalzt? 
Das Ensemble Concerto Köln, von der Kritik gerühmt als "musika- lische Trüffelschweine", konnte in den 25 Jahren seines Bestehens so manche Perle wieder ins Gedächtnis des Publikums und ins Repertoi- re zurückholen - erinnert sei hier nur an die Symphonies von Henri-Joseph Rigel, die das Orchester im vergangenen Jahr eingespielt hat. Dafür wurde es zu Recht vielfach ausgezeichnet und geehrt.
Warum die Musiker nun, für die CD zum Jubiläum, ausgerechnet Bachs vielfach auf dem Markt erhältliche Orchestersuiten ausgewählt haben, bleibt ein Rätsel. Möglicherweise hofft man darauf, mit dem bekannten Werk einen Schnelldreher unters Volk bringen zu können. Doch auch die Aufmachung mit zwei übereinander gestapelten CD auf einem losen Plastikträger in einer Papphülle, aus der einem das Beiheft entgegenpurzelt, macht einen lieblosen, nicht gerade wertigen Eindruck. Schade drum!