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Sonntag, 3. Januar 2021
The Colourful Telemann (Naxos)
Ein abwechslungsreiches Programm mit Kompositionen von Georg Philipp Telemann (1681 bis 1767) beschert uns auf dieser CD das Indianapolis Baroque Orchestra unter Leitung von Barthold Kuijken. Es beginnt selbstverständlich mit einer Ouverture, und es zündet ein Feuerwerk an Klangfarben und melodischen Ideen. Der von Musikhistorikern gern als Vielschreiber geschmähte Telemann beeindruckt erneut durch seine Kreativität und Originalität, und die Musiker haben an den ausgewählten Stücken hörbar Vergnügen. Immer wieder gern!
Samstag, 6. Juli 2019
Mozart: Piano Quartets K. 493 & K. 478 (Challenge)
Gleich drei Mitglieder der Familie Kuijken musizieren im gleichnamigen Quartett: Veronika Kuijken ist am Klavier zu hören, ihr Vater Sigiswald Kuijken spielt Violine und ihre Schwester Sara Kuijken Viola. Michel Boulanger übernahm den Violoncello-Part; lange Jahre saß hier Wieland Kuijken am Pult, doch der Bruder und Onkel musste nun altersbedingt passen.
Subtil, perfekt aufeinander abgestimmt und mit wunderbarer Kantilene interpretiert das Kuijken-Quartett die Klavierquartette KV 493 und 478 von Wolfgang Amadeus Mozart. „Die beiden Klavierquartette, entstanden 1785 und 1786, sind allumfassend; sie verbinden den Reiz eines Miniatur-Klavierkonzertes einerseits und das Geheimnis und die Intimität der himmlischsten Kammermusik andererseits. Mozart schuf diese Gattung praktisch neu“, schreibt Veronika Kuijken im Beiheft der CD. „Seine Behandlung dieser vier Instrumente als gleichwertige Partner hatte es in der Tat zu seiner Zeit so noch nicht gegeben. Die Stille, (..) die ich im langsamen Satz des zweiten Klavierquartetts erfahre, ist wie Balsam, während mich die intensive Ausdruckskraft der beiden ersten Sätze sprachlos macht.“ Auch der Zuhörer erfreut sich an dem sensiblen Spiel der vier Musiker – das Album bietet Mozart so recht zum Genießen.
Subtil, perfekt aufeinander abgestimmt und mit wunderbarer Kantilene interpretiert das Kuijken-Quartett die Klavierquartette KV 493 und 478 von Wolfgang Amadeus Mozart. „Die beiden Klavierquartette, entstanden 1785 und 1786, sind allumfassend; sie verbinden den Reiz eines Miniatur-Klavierkonzertes einerseits und das Geheimnis und die Intimität der himmlischsten Kammermusik andererseits. Mozart schuf diese Gattung praktisch neu“, schreibt Veronika Kuijken im Beiheft der CD. „Seine Behandlung dieser vier Instrumente als gleichwertige Partner hatte es in der Tat zu seiner Zeit so noch nicht gegeben. Die Stille, (..) die ich im langsamen Satz des zweiten Klavierquartetts erfahre, ist wie Balsam, während mich die intensive Ausdruckskraft der beiden ersten Sätze sprachlos macht.“ Auch der Zuhörer erfreut sich an dem sensiblen Spiel der vier Musiker – das Album bietet Mozart so recht zum Genießen.
Dienstag, 11. Dezember 2018
"Das neugeborne Kindelein" (Accent)
Barocken Festtagsglanz verbreitet diese CD mit Werken von drei bekannten Komponisten: Dieterich Buxtehude, Johann Sebastian Bach und Georg Philipp Telemann schufen jeweils eine große Anzahl von Kantaten – und für das Weihnachts- fest offenbar besonders exquisite.
Im Mittelpunkt dieser Aufnahme steht Bachs Choralkantate Ich freue mich in dir BWV 133. Sie wird von dem Ensemble La Petite Bande um Sigiswald Kuijken in durchweg solistischer Besetzung präsentiert: Es singen Anna Gschwend, Sopran, Lucia Napoli, Alt, Søren Richter, Tenor und Christian Wagner, Bass.
Gefasst ist dieses musikalische Juwel, quasi als kleine Schwester der viel gespielten Kantaten des Weihnachtsoratoriums, in zwei Kompositionen Telemanns. Für Frankfurt/Main entstanden ist wohl um 1720 die Missa sopra Ein Kindelein so löbelich, sehr strikt polyphon gestaltet im stile antico. Die Kantate O Jesu Christ, dein Kripplein ist mein Paradies hingegen, aus dem Jahre 1748, schrieb Telemann ganz modern; hier zeigt sich der Komponist flott und sehr fröhlich, fast wie in einer italienischen Oper der damaligen Zeit.
Den Rahmen bilden zwei Werke Buxtehudes: Die Kantate Das neugeborne Kindelein BuxWV 13 beeindruckt durch Innigkeit, und die Choralkantate In dulci jubilo BuxWV 52 gibt dann mit ihrer freudig-erregten letzten Strophe auch den Instrumentalisten noch einmal Gelegenheit, so recht in Weihnachtsjubel auszubrechen. Himmlisch!
Im Mittelpunkt dieser Aufnahme steht Bachs Choralkantate Ich freue mich in dir BWV 133. Sie wird von dem Ensemble La Petite Bande um Sigiswald Kuijken in durchweg solistischer Besetzung präsentiert: Es singen Anna Gschwend, Sopran, Lucia Napoli, Alt, Søren Richter, Tenor und Christian Wagner, Bass.
Gefasst ist dieses musikalische Juwel, quasi als kleine Schwester der viel gespielten Kantaten des Weihnachtsoratoriums, in zwei Kompositionen Telemanns. Für Frankfurt/Main entstanden ist wohl um 1720 die Missa sopra Ein Kindelein so löbelich, sehr strikt polyphon gestaltet im stile antico. Die Kantate O Jesu Christ, dein Kripplein ist mein Paradies hingegen, aus dem Jahre 1748, schrieb Telemann ganz modern; hier zeigt sich der Komponist flott und sehr fröhlich, fast wie in einer italienischen Oper der damaligen Zeit.
Den Rahmen bilden zwei Werke Buxtehudes: Die Kantate Das neugeborne Kindelein BuxWV 13 beeindruckt durch Innigkeit, und die Choralkantate In dulci jubilo BuxWV 52 gibt dann mit ihrer freudig-erregten letzten Strophe auch den Instrumentalisten noch einmal Gelegenheit, so recht in Weihnachtsjubel auszubrechen. Himmlisch!
Donnerstag, 1. Dezember 2016
Telemann: Trumpet & Horn Concertos (Accent)
Was für ein cooler Sound! Natürlich sind die herrlichen Stücke, die Georg Philipp Telemann (1681 bis 1767) für das Horn und für die Trompete ge- schaffen hat, Musikliebhabern schon seit langem bekannt. Zahlreiche Trompeter und Hornisten haben, spätestens nach Maurice André und Hermann Baumann, die Concerti, Suiten und Sonaten für sich entdeckt – doch selbst jene Musiker, die sie im Sinne der historisch informierten Aufführungspraxis spielten, konnten bislang den Originalklang nicht reproduzieren: „De nombreuses versions plus récentes sur instruments anciens de ces pièces pour trompette et cor existent également, à la réserve près que ce ne sont pas des instruments naturels tels que Telemann les a connu de son temps qu'il nous es donné d'entendre, mais leurs versions modernisées (au moyen de trous pour la trompette) ou utilisant la technique classique de la main (pour le cor)“, schreibt Jean-François Madeuf im Beiheft. „La polémique n'étant pas la raison de cet enregistrement, mais plutôt le simple plaisir de les replacer dans leur pur contexte de musique de chambre et d'agrément, loin de l'idée ,boursoufflée' du concerto avec soliste que l'on a trop tendance à s'en faire, qui m'a poussé à proposer ce programme à Sigiswald Kuijken.“
Jean-François und Pierre-Yves Madeuf spielen diese Solowerke tatsächlich auf dem Naturhorn bzw. der Naturtrompete, ohne Stopftechnik und ohne Grifflöcher, und das Ensemble La Petite Bande musiziert mit den beiden Blechbläsern tatsächlich strikt kammermusikalisch, mit einfach besetzten Streichern – und es klingt, nach dem ersten Schreck, phantastisch. Die Bläser übertönen die Streicher keineswegs; die Aufnahme ist sehr harmo- nisch und gut ausbalanciert.
Jean-François und Pierre-Yves Madeuf spielen diese Solowerke tatsächlich auf dem Naturhorn bzw. der Naturtrompete, ohne Stopftechnik und ohne Grifflöcher, und das Ensemble La Petite Bande musiziert mit den beiden Blechbläsern tatsächlich strikt kammermusikalisch, mit einfach besetzten Streichern – und es klingt, nach dem ersten Schreck, phantastisch. Die Bläser übertönen die Streicher keineswegs; die Aufnahme ist sehr harmo- nisch und gut ausbalanciert.
Mittwoch, 14. Januar 2015
Bach: The Orchestral Suites (Accent)
Sigiswald Kuijken hat mit seinem Orchester La Petite Bande nach den Brandenburgischen Konzerten nun auch die vier Orchestersuiten von Johann Sebastian Bach eingespielt. „Vor etwa dreißig Jahren haben wir diese Suiten mit der damaligen Besetzung von La Petite Bande in einer (sehr) großen Besetzung aufgenommen“, blickt Kuijken zurück. „Damals war ich so gefesselt vom reichen Klang des Lully-Orchesters in Versailles, (den wir zu dieser Zeit gerade neu entdeckt hatten...), dass ich in meinem Enthusiasmus auch die viel kompliziertere Musik Bachs im gleichen Klangkonzept auszuführen versuchte.“ Das habe schön geklungen, meint der Geiger, „doch nach meiner heutigen Ansicht spricht nichts mehr für eine so große Anzahl von Spielern, weder historisch noch musikalisch.“ Und so sind die Stimmen bei dieser Neueinspielung solistisch, maximal aber doppelt besetzt.
Diese schlanke Formation hat in der Tat Vorzüge. Das beginnt bei Details in der Stimmführung, wie der Auszierung. Besonders beeindruckt jedoch die enorme Transparenz und Durchhörbarkeit dieser Aufnahme. Und bei der Auswahl der Instrumente gibt es diesmal auch keine Kompromisse. Statt der Celli verwendet Kuijken den sogenannten Violone, eine Bassvioline, die bedeutend größer ist als das moderne Violoncello, und einen faszinierend satten Bassklang einbringt.
Die Trompetenpartien spielen Jean-Francois Madeuf, Jérôme Princé und Graham Nicholson auf „echten“ Naturtrompeten, ohne Hilfslöcher. Sie müssen daher wie zu Bachs Zeiten mit der Naturtonreihe ihrer Instrumente zurandekommen. Das Clarinblasen ist eine hohe Kunst; nicht umsonst waren seinerzeit Trompetenvirtuosen sehr angesehen und wurden an den Höfen auch entsprechend bezahlt. Die drei Solisten meistern Bachs heikle Trompetenparts so locker, als wären es Anfänger-Etüden - Respekt!
Musiziert wird flott, aber keineswegs hektisch, zwar mit tänzerischem Gestus, aber nicht wirklich als Tanzmusik. La Petite Bande zelebriert barocke Klangpracht, untersetzt mit protestantischem Qualitäts- bewusstsein. Ein ausgesprochenes Hörvergnügen, und in jedem Falle auch einmal mehr eine Referenzaufnahme.
Diese schlanke Formation hat in der Tat Vorzüge. Das beginnt bei Details in der Stimmführung, wie der Auszierung. Besonders beeindruckt jedoch die enorme Transparenz und Durchhörbarkeit dieser Aufnahme. Und bei der Auswahl der Instrumente gibt es diesmal auch keine Kompromisse. Statt der Celli verwendet Kuijken den sogenannten Violone, eine Bassvioline, die bedeutend größer ist als das moderne Violoncello, und einen faszinierend satten Bassklang einbringt.
Die Trompetenpartien spielen Jean-Francois Madeuf, Jérôme Princé und Graham Nicholson auf „echten“ Naturtrompeten, ohne Hilfslöcher. Sie müssen daher wie zu Bachs Zeiten mit der Naturtonreihe ihrer Instrumente zurandekommen. Das Clarinblasen ist eine hohe Kunst; nicht umsonst waren seinerzeit Trompetenvirtuosen sehr angesehen und wurden an den Höfen auch entsprechend bezahlt. Die drei Solisten meistern Bachs heikle Trompetenparts so locker, als wären es Anfänger-Etüden - Respekt!
Musiziert wird flott, aber keineswegs hektisch, zwar mit tänzerischem Gestus, aber nicht wirklich als Tanzmusik. La Petite Bande zelebriert barocke Klangpracht, untersetzt mit protestantischem Qualitäts- bewusstsein. Ein ausgesprochenes Hörvergnügen, und in jedem Falle auch einmal mehr eine Referenzaufnahme.
Sonntag, 31. August 2014
Schenck: Le Nymphe di Rheno (Ricercar)
Johannes Schenck (um 1660 bis nach 1709) kam wohl in Amster- dam als Sohn eines Weinhändlers zur Welt. Über seinen Lebensweg ist wenig bekannt. 1686 schuf er die erste Oper auf der Grundlage eines Librettos in niederländischer Sprache. Das Libretto sowie einige Arien aus der Opera op de Zink- spreuk „Zonder Spys en Wyn, Kan geen Liefde zyn“ sind überliefert. 1696 findet sich Schenck erstmals als Kammermusikus vermerkt einer Liste von Musikern, die in Düsseldorf angestellt waren, am Hof des Kurfürsten Johann Wilhelm von der Pfalz.
So kamen wahrscheinlich auch seine zwölf Sonaten für zwei Bass- gamben zu ihrem Namen: Le Nymphe di Rheno, im Druck erschienen 1702, sind seinem Dienstherrn gewidmet. Jan Wellem war nicht nur ein großer Freund der Künste und ihr ganz entschiedener Förderer, er spielte auch selbst Gambe – wie gut, das verraten uns Schencks Werke. Denn man darf wohl davon ausgehen, dass diese virtuosen Duette für den Pfalzgrafen geschrieben worden sind.
Wieland Kuijken und Francois Joubert-Caillet haben sechs davon ausgewählt und bei Ricercar eingespielt. Die beiden Gambisten musizieren klangschön und inspiriert. Wer allerdings plätschernde Wellen und graziöse Mädels erwartet, der hat sich durch den Titel in die Irre führen lassen. Die Sonaten ignorieren den Grenzfluss Rhein auch insofern, als Schenck Formen aus der französischen, italienischen und deutschen Musik aufgreift und fröhlich verwendet, was gefällt. Seine Werke sind ziemlich eigenwillig – und noch immer faszinierend.
So kamen wahrscheinlich auch seine zwölf Sonaten für zwei Bass- gamben zu ihrem Namen: Le Nymphe di Rheno, im Druck erschienen 1702, sind seinem Dienstherrn gewidmet. Jan Wellem war nicht nur ein großer Freund der Künste und ihr ganz entschiedener Förderer, er spielte auch selbst Gambe – wie gut, das verraten uns Schencks Werke. Denn man darf wohl davon ausgehen, dass diese virtuosen Duette für den Pfalzgrafen geschrieben worden sind.
Wieland Kuijken und Francois Joubert-Caillet haben sechs davon ausgewählt und bei Ricercar eingespielt. Die beiden Gambisten musizieren klangschön und inspiriert. Wer allerdings plätschernde Wellen und graziöse Mädels erwartet, der hat sich durch den Titel in die Irre führen lassen. Die Sonaten ignorieren den Grenzfluss Rhein auch insofern, als Schenck Formen aus der französischen, italienischen und deutschen Musik aufgreift und fröhlich verwendet, was gefällt. Seine Werke sind ziemlich eigenwillig – und noch immer faszinierend.
Donnerstag, 29. Mai 2014
Carl Philipp Emanuel Bach: Die Auferstehung und Himmelfahrt Jesu (Hyperion)
Als Carl Philipp Emanuel Bach (1714 bis 1788) in Hamburg Nachfolger seines Paten Georg Philipp Telemann im Amt des städtischen Musikdirektors wurde, hatte sich das Oratorium grund- legend gewandelt. Aus Passions- musiken, die anfangs den Bibeltext maximal noch durch Choral- strophen ergänzten, waren Werke geworden, die den Kirchenraum zusehends verließen – und die geistliche Handlung durch fromme Gefühle und andächtige Reflexion ersetzt hatten. Auch von Carl Philipp Emanuel Bach sind drei solcher Oratorien überliefert: Die Israeliten in der Wüste, Die letzten Leiden des Erlösers und Die Auferstehung und Himmelfahrt Jesu.
Diese CD enthält das dritte dieser Werke, entstanden nach einem Text von Karl Wilhelm Ramler, der sich damals offenbar großer Beliebtheit erfreute. Denn das Libretto haben auch Graun, Telemann und andere Komponisten vertont. Das Oratorium, das keine Choräle mehr hat, war offenbar für den Konzertsaal bestimmt. Dort wurde es 1774 auch erstmals aufgeführt. Es zeichnet sich durch Expressivität aus. Insbe- sondere die Chöre sind ein Ereignis. Doch auch dem von Sigiswald Kuijken souverän geführten Orchester La Petite Bande und den Sängern lauscht man gern. Stephan Genz, Bass, ist hier gemeinsam mit seinem Bruder, dem Tenor Christoph Genz, zu hören. Er beeindruckt nicht nur durch seine gute geführte, geschmeidige Stimme, sondern auch durch seine sensible Textausdeutung.
Diese CD enthält das dritte dieser Werke, entstanden nach einem Text von Karl Wilhelm Ramler, der sich damals offenbar großer Beliebtheit erfreute. Denn das Libretto haben auch Graun, Telemann und andere Komponisten vertont. Das Oratorium, das keine Choräle mehr hat, war offenbar für den Konzertsaal bestimmt. Dort wurde es 1774 auch erstmals aufgeführt. Es zeichnet sich durch Expressivität aus. Insbe- sondere die Chöre sind ein Ereignis. Doch auch dem von Sigiswald Kuijken souverän geführten Orchester La Petite Bande und den Sängern lauscht man gern. Stephan Genz, Bass, ist hier gemeinsam mit seinem Bruder, dem Tenor Christoph Genz, zu hören. Er beeindruckt nicht nur durch seine gute geführte, geschmeidige Stimme, sondern auch durch seine sensible Textausdeutung.
Sonntag, 13. April 2014
Bach: Cantatas BWV 70 - 9 - 182; Kuijken (Accent)
Mit CD 18 findet der sogenannte kleine Kantatenzyklus von
Sigis- wald Kuijken nach knapp sieben Jahren seinen Abschluss. Der
Musiker wollte damit die These beweisen, dass die Vokalwerke von
Johann Sebastian Bach für eine solistische Besetzung entstanden
sind, so dass man sie besser mit jeweils einer Singstimme pro Part
aufführen sollte.
Die Aufnahmen, die Kuijken mit seinem Ensemble La Petite Bande und mit einer handverlesenen Sängerschar eingespielt hat, testen aus, welche Vorteile eine solche Besetzung bringt. Es wird nicht über- raschen, dass die Einspielungen in ihrer Brillanz und oftmals auch in ihrer Rasanz „klassischen“ Interpretationen, zumal mit Laienchören, überlegen sind. So wählt auch auf dieser letzten CD Kuijken gerade für die Eingangschöre ( Wachet! betet! betet! wachet! / Himmelskönig, sei willkommen) ausgesprochen sportliche Tempi. Das wird selbst für die Instrumentalisten, zumal für die Trompete, zu einer Herausforde- rung. Bach jedoch dürfte es bei seiner Kirchenmusik weniger um Geschwindigkeitsrekorde als vielmehr um theologische Inhalte und daher um Wohlklang und vor allem auch um Textverständlichkeit gegangen sein. Insofern sind dieser Edition ganz sicher interessante Denkanstöße zu verdanken. Ob dies aber der Weisheit letzter Schluss ist, darf bezweifelt werden.
Die Aufnahmen, die Kuijken mit seinem Ensemble La Petite Bande und mit einer handverlesenen Sängerschar eingespielt hat, testen aus, welche Vorteile eine solche Besetzung bringt. Es wird nicht über- raschen, dass die Einspielungen in ihrer Brillanz und oftmals auch in ihrer Rasanz „klassischen“ Interpretationen, zumal mit Laienchören, überlegen sind. So wählt auch auf dieser letzten CD Kuijken gerade für die Eingangschöre ( Wachet! betet! betet! wachet! / Himmelskönig, sei willkommen) ausgesprochen sportliche Tempi. Das wird selbst für die Instrumentalisten, zumal für die Trompete, zu einer Herausforde- rung. Bach jedoch dürfte es bei seiner Kirchenmusik weniger um Geschwindigkeitsrekorde als vielmehr um theologische Inhalte und daher um Wohlklang und vor allem auch um Textverständlichkeit gegangen sein. Insofern sind dieser Edition ganz sicher interessante Denkanstöße zu verdanken. Ob dies aber der Weisheit letzter Schluss ist, darf bezweifelt werden.
Mittwoch, 29. Mai 2013
Bach: Cantatas; Kuijken (Accent)
Mit diesem Bach-Kantatenzyklus will Sigiswald Kuijken die These des amerikanischen Bachforschers Joshua Rifkin bestätigen, Bach ha- be die Chorsätze seiner Kantaten mit lediglich einem Sänger pro Stimme besetzt.
Dazu spielt Kuijken mit seinem Ensemble La Petite Bande je eine Kantate für die Sonn- und Festtage im Kirchenjahr ein. Auch das Sängerquartett wurde mit Sorgfalt ausgewählt. Die Vokalsolisten be- zaubern durch Anmut und Klarheit; die Instrumentalisten musizieren ebenso sachlich wie sensibel. Im Mittelpunkt dieser Einspielung steht der Text, der durch die Musik unterstrichen, aber nicht übertönt werden soll.
Mittlerweile sind die Folgen 15 und 16 mit Kantaten für die Zeit nach Trinitatis sowie für das Pfingstfest erschienen. Und das Experiment erweist sich durchaus als gelungen. Kuijkens bislang bedeutendstes und umfangreichstes Projekt ist mitnichten von rein akademischem Interesse. Wer Ohren hat, der muss zugeben, dass die Bach-Interpre- tation in Zukunft an den Standards, die dieses Ensemble setzt, nicht mehr vorbei kann.
Mittlerweile sind die Folgen 15 und 16 mit Kantaten für die Zeit nach Trinitatis sowie für das Pfingstfest erschienen. Und das Experiment erweist sich durchaus als gelungen. Kuijkens bislang bedeutendstes und umfangreichstes Projekt ist mitnichten von rein akademischem Interesse. Wer Ohren hat, der muss zugeben, dass die Bach-Interpre- tation in Zukunft an den Standards, die dieses Ensemble setzt, nicht mehr vorbei kann.
Montag, 7. Mai 2012
Buxtehude: Membra Jesu Nostri (Accent)
Sieben Kantaten bilden den Zyklus Membra Jesu Nostri; sie führen das Publikum bei einer Meditation über die Wundmale Christi, den geschundenen Körper des Gekreu- zigten, von den Füßen bis hin zum Haupt. Dabei erklingt stets nach einer einleitenden Sinfonia zu- nächst ein kurzer Bibeltext in Form eines Concertos mit Streicher- begleitung. Darauf folgen jeweils drei Strophen, die Buxtehude aus der mittelalterlichen Oratio rhyth- mica auswählte, einem mystischen Zyklus von Passionsgedichten, der wahrscheinlich von dem Zisterzienserabt Arnulf von Löwen (um 1200 bis 1248) stammt und den Gläubigen mit den sieben leidenden Gliedern Christi konfrontiert.
Dieser Hymnenzyklus war im 17. Jahrhundert sehr populär; so inspi- rierte das letzte Gedicht von Ad singula membra Christi patientis den Kirchenliederdichter Paul Gerhardt zu seinem Choral O Haupt voll Blut und Wunden. Buxtehude vertonte jeweils drei Strophen in Form von Variationen über einem gleichbleibenden Bassmodell, aber mit wechselnden solistischen Besetzungen. Zwischen den Strophen ertönten Instrumentalritornelle; abschließend wird üblicherweise das Concerto noch einmal wiederholt. Lediglich in der ersten Kantate entschied sich der Komponist dagegen - und am Schluss, wo er das Werk durch ein ausgedehntes Amen beendet.
Aus welchem Anlass Buxtehude diesen Kantatenzyklus komponierte, das ist nicht bekannt. Gewidmet hat ihn der Komponist seinem Stockholmer Kollegen und Freund Gustav Düben. Ihm verdanken wir auch, dass dieses Werk überliefert wurde. Sigiswald Kuijken hat die Kantaten mit seinem Ensemble La Petite Bande für Accent eingespielt. Sie beeindrucken durch ihre ungemein expressive musikalische Gestaltung - und Kuijken und seinen Sängern und Musikern gelingt es vorzüglich, diese Sprache auch dem heutigen Zuhörer verständlich werden zu lassen.
Das gilt auch für das zweite Werk auf der CD, Fried- und Freundenrei- che Hinfahrt. Der erste Teil dieser Trauermusik, Mit Fried und Freud ich fahr dahin, entstand 1671 anlässlich der Beisetzung von Meno Hanneken, langjähriger Superintendent zu Lübeck und Prediger an der Marienkirche, wo Buxtehude seit 1668 als Organist angestellt war. Es handelt sich dabei um eine enorm kunstfertige, aber auch ziemlich konventionelle Vertonung des Nunc dimittis, die Strenge und Gefasst- heit ausstrahlt. Ganz anders erscheint der zweite Teil, ein aus sieben Strophen bestehendes Klag=Lied, das der Komponist ergänzte, nach- dem 1674 sein Vater verstorben war. Johannes Buxtehude, ebenfalls Organist, war nach seiner Pensionierung 1671 aus Helsingör zum Sohn nach Lübeck gezogen. Wie sehr der Komponist um seinen "hertzlich geliebten Vater" trauerte, das verrät die Musik, die ganz ergreifend klagt.
Die Kantaten Buxtehudes sind ein Schatz, und man darf sich darüber freuen, dass diese phantastische Musik nun schrittweise erschlossen und auf CD jedermann zugänglich gemacht wird. Wenn die Qualität der Aufnahme so hoch ist, wie im vorliegenden Falle, dann ist dies ein doppelter Gewinn.
Dieser Hymnenzyklus war im 17. Jahrhundert sehr populär; so inspi- rierte das letzte Gedicht von Ad singula membra Christi patientis den Kirchenliederdichter Paul Gerhardt zu seinem Choral O Haupt voll Blut und Wunden. Buxtehude vertonte jeweils drei Strophen in Form von Variationen über einem gleichbleibenden Bassmodell, aber mit wechselnden solistischen Besetzungen. Zwischen den Strophen ertönten Instrumentalritornelle; abschließend wird üblicherweise das Concerto noch einmal wiederholt. Lediglich in der ersten Kantate entschied sich der Komponist dagegen - und am Schluss, wo er das Werk durch ein ausgedehntes Amen beendet.
Aus welchem Anlass Buxtehude diesen Kantatenzyklus komponierte, das ist nicht bekannt. Gewidmet hat ihn der Komponist seinem Stockholmer Kollegen und Freund Gustav Düben. Ihm verdanken wir auch, dass dieses Werk überliefert wurde. Sigiswald Kuijken hat die Kantaten mit seinem Ensemble La Petite Bande für Accent eingespielt. Sie beeindrucken durch ihre ungemein expressive musikalische Gestaltung - und Kuijken und seinen Sängern und Musikern gelingt es vorzüglich, diese Sprache auch dem heutigen Zuhörer verständlich werden zu lassen.
Das gilt auch für das zweite Werk auf der CD, Fried- und Freundenrei- che Hinfahrt. Der erste Teil dieser Trauermusik, Mit Fried und Freud ich fahr dahin, entstand 1671 anlässlich der Beisetzung von Meno Hanneken, langjähriger Superintendent zu Lübeck und Prediger an der Marienkirche, wo Buxtehude seit 1668 als Organist angestellt war. Es handelt sich dabei um eine enorm kunstfertige, aber auch ziemlich konventionelle Vertonung des Nunc dimittis, die Strenge und Gefasst- heit ausstrahlt. Ganz anders erscheint der zweite Teil, ein aus sieben Strophen bestehendes Klag=Lied, das der Komponist ergänzte, nach- dem 1674 sein Vater verstorben war. Johannes Buxtehude, ebenfalls Organist, war nach seiner Pensionierung 1671 aus Helsingör zum Sohn nach Lübeck gezogen. Wie sehr der Komponist um seinen "hertzlich geliebten Vater" trauerte, das verrät die Musik, die ganz ergreifend klagt.
Die Kantaten Buxtehudes sind ein Schatz, und man darf sich darüber freuen, dass diese phantastische Musik nun schrittweise erschlossen und auf CD jedermann zugänglich gemacht wird. Wenn die Qualität der Aufnahme so hoch ist, wie im vorliegenden Falle, dann ist dies ein doppelter Gewinn.
Mittwoch, 21. Dezember 2011
Bach: Cantatas BWV 91 - 57 - 151 -122; Kuijken (Accent)
Rechtzeitig zum Fest ist eine weitere Super Audio-CD aus der Bach-Kantaten-Edition des Labels Accent erschienen. Sigiswald Kuijken spielt dort mit seinem Ensemble La Petite Bande und handverlesenen Solisten einen exemplarischen Kantatenjahrgang ein - und ist mittlerweile bei Vol. 14 von 20 angekommen.
Diese CD enthält die Kantaten BWV 91 Gelobet seist du, Jesu Christ, eine Choralkantate zum ersten Weihnachtstag aus dem Jahre 1724, BWV 57 Selig ist der Mann für den zweiten Weihnachtstag 1725 - der zugleich der Namenstag des Märtyrers Stephanus ist, worauf sich diese Kantate bezieht -, BWV 151 Süßer Trost, mein Jesus kömmt, entstanden für den 27. Dezember 1725, und BWV 122 Das neugeborne Kindelein, eine Choralkantate, komponiert für den 31. Dezember, den ersten Sonntag nach Weih- nachten, 1724.
Den Debatten der Musikwissenschaftler um die korrekte Aufführungs- praxis setzt Kuijken diese Aufnahmen entgegen, ein musikalisches Experiment, bei dem er einige Annahmen erprobt. So verzichtet er auf den Einsatz des Violoncellos als Continuo-Instrument, und setzt statt dessen auf den Violone, ein großes Instrument aus der Gamben- familie, das als Vorläufer des Kontrabasses gilt. Die ersten und zweiten Geigen sind jeweils lediglich doppelt, die Viola ist sogar nur einfach besetzt. Und natürlich spielen auch die Bläser "historische" Instrumente, was freilich zu einigen ungewohnten Klangeffekten führt.
Statt der üblichen, mehr oder weniger behäbigen Kantorei singt hier nur ein Solistenquartett, das auch die Choräle und Eingangschöre mit übernimmt. Diese Aufnahme gewinnt dadurch vor allem an Bewegt- heit, Klarheit und Ausdruck - was Bachs Musik, die ja stark rhetorisch orientiert ist, sehr zustatten kommt. Gerlinde Sämann, Sopran, Petra Noskaiová, Mezzosopran, Christoph Genz, Tenor und Jan Van der Crabben, Bariton, musizieren miteinander und auch im Dialog mit den Instrumentalisten, dass es eine Freude ist. Hinreißend! Insbesondere Christoph Genz gestaltet seine Partie derart intelligent, dass man sich fragt, warum dieser Sänger in anderen Aufnahmen lang nicht so be- eindrucken konnte. Wahrscheinlich liegt es in dem ganz besonderen Zauber dieser Einspielung begründet; Kunst bedarf ja bekanntlich auch der Inspiration.
Endlich hört man einmal nicht Solisten, die irgendwie "begleitet" werden, sondern man erlebt das komplexe Gebilde Bach-Kantate als strukturelle Einheit, die durch Sänger und Musiker gleichermaßen gestaltet wird. Das klingt sicherlich sehr theoretisch, doch es ist wirklich eine Sternstunde, wenn man hier hörend nachvollziehen kann, wie eng Bach Stimmen und Instrumente verflochten hat. Kuijken und sein Ensemble arbeiten das ausgesprochen sorgsam heraus. Das ist mit Sicherheit die derzeit interessanteste Version der Bach-Kantaten - ich kann diese Edition nur begeistert empfehlen.
Diese CD enthält die Kantaten BWV 91 Gelobet seist du, Jesu Christ, eine Choralkantate zum ersten Weihnachtstag aus dem Jahre 1724, BWV 57 Selig ist der Mann für den zweiten Weihnachtstag 1725 - der zugleich der Namenstag des Märtyrers Stephanus ist, worauf sich diese Kantate bezieht -, BWV 151 Süßer Trost, mein Jesus kömmt, entstanden für den 27. Dezember 1725, und BWV 122 Das neugeborne Kindelein, eine Choralkantate, komponiert für den 31. Dezember, den ersten Sonntag nach Weih- nachten, 1724.
Den Debatten der Musikwissenschaftler um die korrekte Aufführungs- praxis setzt Kuijken diese Aufnahmen entgegen, ein musikalisches Experiment, bei dem er einige Annahmen erprobt. So verzichtet er auf den Einsatz des Violoncellos als Continuo-Instrument, und setzt statt dessen auf den Violone, ein großes Instrument aus der Gamben- familie, das als Vorläufer des Kontrabasses gilt. Die ersten und zweiten Geigen sind jeweils lediglich doppelt, die Viola ist sogar nur einfach besetzt. Und natürlich spielen auch die Bläser "historische" Instrumente, was freilich zu einigen ungewohnten Klangeffekten führt.
Statt der üblichen, mehr oder weniger behäbigen Kantorei singt hier nur ein Solistenquartett, das auch die Choräle und Eingangschöre mit übernimmt. Diese Aufnahme gewinnt dadurch vor allem an Bewegt- heit, Klarheit und Ausdruck - was Bachs Musik, die ja stark rhetorisch orientiert ist, sehr zustatten kommt. Gerlinde Sämann, Sopran, Petra Noskaiová, Mezzosopran, Christoph Genz, Tenor und Jan Van der Crabben, Bariton, musizieren miteinander und auch im Dialog mit den Instrumentalisten, dass es eine Freude ist. Hinreißend! Insbesondere Christoph Genz gestaltet seine Partie derart intelligent, dass man sich fragt, warum dieser Sänger in anderen Aufnahmen lang nicht so be- eindrucken konnte. Wahrscheinlich liegt es in dem ganz besonderen Zauber dieser Einspielung begründet; Kunst bedarf ja bekanntlich auch der Inspiration.
Endlich hört man einmal nicht Solisten, die irgendwie "begleitet" werden, sondern man erlebt das komplexe Gebilde Bach-Kantate als strukturelle Einheit, die durch Sänger und Musiker gleichermaßen gestaltet wird. Das klingt sicherlich sehr theoretisch, doch es ist wirklich eine Sternstunde, wenn man hier hörend nachvollziehen kann, wie eng Bach Stimmen und Instrumente verflochten hat. Kuijken und sein Ensemble arbeiten das ausgesprochen sorgsam heraus. Das ist mit Sicherheit die derzeit interessanteste Version der Bach-Kantaten - ich kann diese Edition nur begeistert empfehlen.
Donnerstag, 14. April 2011
Bach: Cantatas BWV 249 - 6 (Accent)
Diese CD vollzieht zwei kirchen- musikalische Aufführungen nach, die die Leipziger Bürger im Jahre 1725 erleben konnten: Am Oster- sonntag erklang die Kantate Kommt, eilet und laufet BWV 249, und am Ostermontag folgte darauf Bleib bei uns, denn es will Abend werden BWV 6.
Sigiswald Kuijken hat diese beiden zeitlich aufeinander folgenden Werke mit seinem Ensemble La Petite Bande im Rahmen seiner Bachkantaten-Edition daher auch gemeinsam eingespielt.
Zwei (!) exzellente Beihefte stellen die Überlegungen vor, die dieser Gesamteinspielung vorausgegangen sind. Darin finden sich interes- sante Gedanken; beispielsweise begründet Kuijken, warum er bei den Bach-Kantaten auf den Einsatz des Violoncellos im Continuo grund- sätzlich verzichtet, und wieso die Solisten dieser Aufnahme auch die Chöre singen.
Eines wird bald hörbar: Durch dieses Konzept ergeben sich auch beim Klang etliche spannende Veränderungen. Denn das "Violoncello da spalla", das Kuijken benutzt, ist eher eine Art übergroße Bratsche, und klingt längst nicht so sonor wie das heute übliche Instrument.
Die Chöre werden durch den Verzicht auf die singenden Massen transparenter - und präziser, virtuoser. Es singen Yeree Suh, Sopran, Petra Noskaiová, Mezzosopran, Christoph Genz, Tenor und Jan Van der Crabben, Bariton. Insbesondere die koreanische Sopranistin Suh beeindruckt mit ihrem glasklaren Sopran; die Spezereien-Arien war wohl kaum jemals so schön zu hören wie in dieser Einspielung. Auch Tenor Christoph Genz überzeugt mit seinem strahlenden Ton. Die beiden tiefen Stimmen hätte man sich vom Timbre her vielleicht noch einen Tick dunkler vorstellen können; ein Mezzosopran ist eben doch kein Alto, und ein Bariton kein Bass.
Sigiswald Kuijken hat diese beiden zeitlich aufeinander folgenden Werke mit seinem Ensemble La Petite Bande im Rahmen seiner Bachkantaten-Edition daher auch gemeinsam eingespielt.
Zwei (!) exzellente Beihefte stellen die Überlegungen vor, die dieser Gesamteinspielung vorausgegangen sind. Darin finden sich interes- sante Gedanken; beispielsweise begründet Kuijken, warum er bei den Bach-Kantaten auf den Einsatz des Violoncellos im Continuo grund- sätzlich verzichtet, und wieso die Solisten dieser Aufnahme auch die Chöre singen.
Eines wird bald hörbar: Durch dieses Konzept ergeben sich auch beim Klang etliche spannende Veränderungen. Denn das "Violoncello da spalla", das Kuijken benutzt, ist eher eine Art übergroße Bratsche, und klingt längst nicht so sonor wie das heute übliche Instrument.
Die Chöre werden durch den Verzicht auf die singenden Massen transparenter - und präziser, virtuoser. Es singen Yeree Suh, Sopran, Petra Noskaiová, Mezzosopran, Christoph Genz, Tenor und Jan Van der Crabben, Bariton. Insbesondere die koreanische Sopranistin Suh beeindruckt mit ihrem glasklaren Sopran; die Spezereien-Arien war wohl kaum jemals so schön zu hören wie in dieser Einspielung. Auch Tenor Christoph Genz überzeugt mit seinem strahlenden Ton. Die beiden tiefen Stimmen hätte man sich vom Timbre her vielleicht noch einen Tick dunkler vorstellen können; ein Mezzosopran ist eben doch kein Alto, und ein Bariton kein Bass.
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