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Dienstag, 12. November 2019

Bach: Concertos for Organ and Strings (Ramée)

Wenn Konzerte für Orgel und Orchester von Johann Sebastian Bach überliefert wären – wie würden diese wohl klingen? Eine Antwort auf diese Frage geben Bart Jacobs und das Ensemble Les Muffatti auf der vorliegenden CD – und das gar nicht so spekulativ, wie zunächst vermutet. 
Zwar sind heute nur noch Bachs Konzerte für Orgel solo bekannt, hauptsächlich nach Werken von Antonio Vivaldi. Bekannt ist zudem, dass er in Leipzig, und zwar mit dem studentischen Collegium musicum, im Zimmermannischen Kaffeehaus diverse Cembalokonzerte aufgeführt hat. In Dresden spielte Bach 1725 auf der neuen Silbermann-Orgel in der Sophienkirche und beeindruckte das Publikum dabei mit „diversen Concerten mit unterlauffender Doucen Instrumental-Music“, so ein zeitgenössischer Zeitungsbericht. 
Musikwissenschaftler vermuten, dass er dabei Musik vorgetragen hat, die er dann auch in seinen Kirchenkantaten verwendete. Denn unter den Kantaten aus dem Jahre 1726 finden sich auffällig viele Werke mit obligater Orgel. Es wird angenommen, dass Bach in den Sinfonie Sätze von Instrumentalkonzerten bearbeitet hat aus seiner Weimarer und Köthener Zeit, die nicht überliefert sind; einige davon verwendete er später erneut für seine Cembalokonzerte. 
Bart Jacobs hat nun dieses Material genutzt, um dreisätzige Konzerte für Orgel und Streicher hypothetisch zu rekonstruieren. Er zeigt außerdem anhand von drei Sinfonie, wie gut sie sich mit Orgel und Orchester aufführen lassen. Dazu hat er Bachs Arrangements mit großer Sorgfalt studiert, und seiner eigenen Arbeit zugrunde gelegt. 
Das Ergebnis ist rundum überzeugend. Wenn man nicht wüsste, dass es sich um eine Rekonstruktion handelt, würde man die Werke ohne weiteres Bach zuschreiben.  Musiziert wird ebenfalls sehr schön. Die Thomas-Orgel in der Liebfrauen- und Sankt-Leodegar-Kirche zu Bornem in Belgien – ein modernes Instrument, nachempfunden der Silbermann-Orgel im sächsischen Rötha – bietet dem Organisten ausreichend Klangvarianten zum Konzertieren. Und Les Muffatti sind Bart Jacobs ein exzellenter Partner. Aufnahme und Beiheft sind, wie stets bei Ramée, ebenfalls vorbildlich. Wer Bachs Musik schätzt, der sollte diese CD unbedingt anhören, es lohnt sich! 

Sonntag, 28. Januar 2018

Telemann: Lateinisches Magnificat (Christophorus)

Und noch ein Nachtrag zum Telemann-Jahr: Doch, tatsächlich – Georg Philipp Telemann (1681 bis 1767) hat einige wenige Werke mit Texten in lateinischer Sprache geschrieben. Das Ensemble Allabastrina unter Leitung von Elena Sartori hat diese Raritäten nun auf einer CD zusammengetragen. Laudate Jehovam omnes gentes TWV 7:25, eine Vertonung von Psalm 117, das elegante Deus judicium tuum TWV 7:7 nach Psalm 71, komponiert in französischem Stil während Telemanns Aufenthalt 1737/38 in Paris, und das Lateinische Magnificat TWV 9:17 werden ergänzt durch zwei klangvolle Concerti da Chiesa del Signor Telemann, appropriati all'orga- no dal Signor Walther

Sonntag, 28. Februar 2016

Händel: Organ Concertos op.4 (MDG)

Die Orgelkonzerte von Georg Friedrich Händel (1685 bis 1759) waren aus der Not geboren: Im Wettbewerb mit der Opera of the Nobility drohte der Opernunter- nehmer 1734 zu unterliegen. Das Publikum blieb aus. In dieser Situation hatte Händel die geniale Idee, den Leuten in den Pausen zur Unterhaltung Konzerte auf der Orgel zu präsentieren. Der Musiker, der als Organist in einem exzellenten Ruf stand, trat damit persönlich gegen Farinelli, den berühmtesten Sänger seiner Zeit, an. Und Händel obsiegte – nach vier Spielzeiten gab das Ensemble der Opera of the Nobility um Nicola Porpora auf. 
In späteren Jahrhunderten haben sich etliche Musiker für Händels Orgelkonzerte begeistert. So haben William Thomas Best (1826 bis 1897) und Clément Loret (1833 bis 1909) Bearbeitungen dieser Werke für Orgel solo veröffentlicht. Rudolf Innig stellt auf dieser Doppel-CD eine weitere Version vor. Sie stammt von Samuel de Lange (1840 bis 1911). Der Sohn eines Rotterdamer Organisten studierte in Lemberg Orgel bei dem Liszt-Schüler Alexander Winterberger, und Klavier bei dem Chopin-Schüler Karol Mikuli. Nach einigen Jahren, die er als Virtuose auf Reisen ver- brachte, wirkte er ab 1864 als Organist, zunächst in Rotterdam, dann in Basel, Paris, Köln und Den Haag. Außerdem unterrichtete er Orgelspiel am Konservatorium Stuttgart, das er von 1900 bis 1908 als Direktor leitete. De Lange hat zudem mehr als 800 Kompositionen hinterlassen. 
„Samuel de Langes Bearbeitungen der Orgelkonzerte von Händel sind (..) der kühne Versuch, die Musik Händels mit den spiel- und kompositions- technischen Errungenschaften seiner Zeit in Einlang zu bringen“, urteilt Rudolf Innig in einem sehr informativen Aufsatz, den man im Beiheft lesen kann. Der Bielefelder Organist hat für seine Einspielung die Furtwängler & Hammer-Orgel in St. Nicolai Lüneburg aus dem Jahre 1899 ausgewählt. Das Instrument wurde 2002 durch die Firma Orgelbau Lenter restauriert, wobei auch die ursprüngliche pneumatische Traktur wiederhergestellt wurde. 
Das Klangbild dieser Orgel passt zu de Langes Händel-Bearbeitungen wirklich gut. Denn bei allem Respekt, mit dem sich der Organist einst dem Werk des „alten Meisters“ gewidmet hat, so ist seine Version doch zutiefst im 19. Jahrhundert verwurzelt. „De Lange erweitert den in der Regel zweistimmigen Orgelpart Händels zu einem vollgriffigen Klaviersatz, er erfindet Neben- und Gegenstimmen (..) und fügt jeweils an den Stellen, bei denen Händel ad libitum schreibt, teils ausgedehnte Kadenzen hinzu (..), in denen sich seine kompositorische Fantasie und seine Virtuosität als Pianist und Organist widerspiegeln“, schreibt Innig. Wer das akzeptieren kann, der wird an dieser fantasievollen Bearbeitung seine Freude haben. Es ist eine echte Entdeckung, die Rudolf Innig hier liebevoll präsentiert – besten Dank zudem an die Soundkünstler von Dabringhaus und Grimm für die ringsum schöne, gelungene Aufnahme. 

Samstag, 13. September 2014

Händel: Piano Concertos 13 - 16 (cpo)

„Händels Orgelkonzerte wurden gezielt auf den ergreifenden wie brillanten Aspekt hin komponiert“, schreibt Matthias Kirschnereit im Geleitwort zu dieser CD. „Die Art und Weise, wie der Komponist dem Solisten großzügige Möglichkeiten der exponierten Präsentation bietet, erscheint mir hochmodern.“ 
Doch diese Spielräume wollen auch genutzt sein. Die Lösung, die Kirsch- nereit für diese Herausforderung gefunden hat, überzeugt auch bei seiner zweiten Einspielung der Orgelkonzerte auf einem modernen Konzertflügel. Es ist durchaus spannend, zu erleben, welche klanglichen Alternativen der Pianist anstelle der Orgelregister gefunden hat. Die Klangfarben der Orgel durch die dynamischen Möglichkeiten des Klaviers zu ersetzen, das gelingt Kirschnereit brillant – nicht zuletzt deshalb, weil er dabei sehr zurückhaltend agiert und sich nicht in den Vordergrund spielt. Wie der Pianist gemeinsam mit der Deutschen Kammerakademie Neuss unter Lavard Skou Larsen musiziert, und eben nicht als Solist mit Orchesterbegleitung, das ist einmal mehr berückend. Auf dieser CD erklingen Händels Konzerte ohne Opuszahl, darunter das berühmte „The Cuckoo and the Nightingale“ – meine unbedingte Empfehlung! 

Sonntag, 2. März 2014

Händel: Six Piano Concertos op. 4; Kirschnereit (cpo)

Auch Matthias Kirschnereit hat Händels Orgelkonzerte – in diesem Falle die sechs Konzerte op. 4 – eingespielt. Die Aufnahme setzt konsequent auf moderne Instru- mente – und ebenso konsequent auf eine historisch angemessene Musizierweise. „Dass Händel seine Orgelkonzerte ohne Pedal konzipierte, erleichtert deren Spielbarkeit auf dem Klavier“, meint Kirschnereit. Er beruft sich bei seiner Entscheidung für den Steinway zudem darauf, dass Händel selbst etliche seiner Werke für verschiedene Instrumente bearbeitet hat. 
Wenn man diese Aufnahme anhört, dann fragt man sich freilich, warum zuvor noch niemand diese Konzerte auf einem Flügel eingespielt hat – abgesehen von Ragna Schirmer, siehe oben, die aber mit dem musikalischen Material wesentlich freier verfahren ist. Kirschnereit hingegen bleibt möglichst dicht am Original. „Eine ,sprechende' Artikulation, kantables Spiel (für mich erschließt sich Händel besonders über seine Opern und Oratorien) wie auch der sparsame Gebrauch des rechten Pedals sind dieser Musik in hohem Maße angemessen“, beschreibt der Pianist im Beiheft sein Vorgehen. „Das Imitieren der einzelnen Orgelregister dürfte – wie überhaupt das innere Hören des menschlichen Gesanges und der unterschiedli- chen Orchesterinstrumente – eine Grundvoraussetzung darstellen.“ Umfangreiche Passagen der Orgelstimme sind nur fragmentarisch notiert bzw. mit Generalbass beziffert. „Hier einen Klaviersatz zu finden, der sinnvoll, klangschön und nicht allzu akademisch er- scheint, war eine besondere Herausforderung“, meint Kirschnereit, der von Haus aus kein Spezialist für „Alte“ Musik ist. 
Es ist dem Pianisten dennoch bestens gelungen. Seine Interpretation ist berückend elegant und rundum stimmig. Die Aufnahme dokumen- tiert zudem eine Musizierlust, die noch beim Anhören beschwingt. Die Deutsche Kammerphilharmonie Neuss unter Lavard Skou Larsen ist dem Solisten ein grandioser Musizierpartner. Wie sich Kirschnereit und das Orchester die Phrasen zuspielen, das ist wirklich sehr hörens- wert. Bravi! Und bitte mehr davon! Auf die Orgelkonzerte op. 7 darf man sich wohl schon jetzt freuen. 

Händel: Orgelkonzerte; Schirmer (Berlin Classics)

Nachdem sie bereits Händels Suiten eingespielt hat, wendet sich Ragna Schirmer nun auch den Orgelkonzerten des Komponisten zu. Georg Friedrich Händel hat sie für das Theater geschaffen, als Zwischenspiele. Sein Plan ging auf; die Pausenfüller erwiesen sich bald als der Renner. Das Publikum wollte die eingängigen Werke sogar zu Hause hören. Sie wurden dort auf dem Cembalo oder dem Spinett gespielt, mitunter mit Begleitung durch ein Streichquartett. 
Nun ist Ragna Schirmer keine Organistin. Sie hat daher die Orgel- konzerte zunächst auf das vertraute Klavier verlagert. „Es ist eine schwierige Aufgabe, von einem so voluminösen, lang klingenden Instrument wie der Orgel auf das doch eher filigrane Klavier zu übertragen“, meint die Musikerin. „Bloßes Ornamentieren und Verzieren reicht an vielen Stellen nicht aus, es bedarf größerer Ergänzungen und Verstärkungen.“ Unterstützt durch erfahrene Kollegen, hat Schirmer schließlich so manche kühne Idee verwirk- licht. So wurden Konzerte für Bläsertrio umgeschrieben. Das geht so weit, dass bei dem Konzert op. 4/4 die Bläser den Solopart komplett übernehmen, und Schirmer am Klavier die Rolle des Orchesters. Das Konzert HWV 296a wiederum spielt sie dann am Hammerflügel alleine. Es erklingt ein traumhaft gelungenes Instrument aus der Werkstatt von Matthias Arens und Martin Schwabe nach einem Vorbild von Anton Walter, Wien 1775. Als Wegbegleiter bei diesem Experiment konnte Schirmer das Händelfestspielorchester Halle/Saa- le gewinnen. 
Auf der zweiten CD nutzt die Musikerin einen modernen Konzert- flügel. Begleitet wird sie durch ihr eigens dafür gegründetes Kammerorchester DaCuore. Dem Steinway D entlockt Schirmer mitunter Klangfarben, die verblüffen. Die Solistin hält zwar den Ton erstaunlich schlank und die Strukturen durchhörbar. Aber generell sind die Interpretationen moderner, entfernen sich von der histo- risch informierten Aufführungspraxis. Das wird noch unterstrichen durch das Concertino des Franzosen Guillaume Connesson. Dieses Werk bezieht sich auf Themen aus den Orgelkonzerten. Es ist eine Auftragskomposition der Händel-Festspiele Halle für Ragna Schirmer. 
Die dritte CD wagt vollends den Schritt in die Moderne, denn hier wurde der Orchesterpart ausgewählter Orgelkonzerte von Stefan Malzew für ein Jazz-Ensemble arrangiert. Schirmer spielt den Orgelpart auf einer Hammond B3 von 1957. „Ganz bewusst habe ich barocke Artikulation auf diesem doch eher aus der Popularmusik bekannte Tasteninstrument zu imitieren versucht“, berichtet die Pianistin. Sie spielt so brillant, dass man ihr gern auch durch dieses Experiment folgt; das Ergebnis haut mich allerdings, um es mal so salopp zu sagen, nicht vom Hocker. Denn diese Jazz-Version ist durchaus Kaufhaus-kompatibel. Als Begleitmusik beim Shoppen zu enden, das wiederum haben Händels Werke nicht verdient. 

Dienstag, 1. Januar 2013

Wagenseil: Concertos for organ (Accent)

Georg Christoph Wagenseil (1715 bis 1777) begann seine Musiker- laufbahn als Klavier- und Orgel- schüler von Matteo Palotta und Gottlieb Muffat sowie als Kapell- knabe. Später wurde er Hofscholar und Kompositionsschüler von Johann Joseph Fux. In dieser Zeit schrieb er bereits jede Menge Kirchenmusik, und vertrat zudem Muffat, der Erzherzogin Maria Theresia Clavierunterricht gab. 
Die spätere Kaiserin war offenbar angetan. Denn Wagenseil wurde bereits 1738 zum Hofcompositeur ernannt, und wirkte dann bis an sein Lebensende als Musikmeister der Kaiserin. In dieser Funktion unterwies er nicht zuletzt die kaiserlichen Kinder; er war aber auch außerhalb des Hofes bis ins hohe Alter ein gefragter Pädagoge. 
Wagenseil schuf eine Vielzahl von Werken in allen Genres seiner Zeit; er gehört zu den Wegbereitern der Wiener Klassik. Dennoch  wäre sein Name inzwischen in Vergessenheit geraten, wenn es nicht jene Anek- dote gäbe, die über ein Konzert des kleinen Mozart erzählt wird, der bei Hofe ein Konzert Wagenseils vorspielen sollte. Der Sechsjährige rief den berühmten Virtuosen herbei, und ließ sich von ihm die Noten umwenden. 
Das bevorzugte Instrument Wagenseils war ohne Zweifel das Cemba- lo. Das hört man auch bei den vier Konzerten auf dieser CD. Sie stammen aus der Sammlung Six Concertos for the Harpsichord or the Organ with Accompanyments for Two Violins and a Bass, die um 1765 in London gedruckt worden ist. Elisabeth Ullmann spielt diese Werke auf einer Orgel, die ein unbekannter Orgelbauer um 1800 im österreichischen Rust errichtet hat. Die Solistin musiziert gemeinsam mit dem Piccolo Concerto Wien unter Roberto Sensi. Die Musiker sind hervorragend; trotzdem wird man mit dieser Aufnahme nicht recht zufrieden sein. Das liegt möglicherweise am Solo-Instrument. Denn es ist verblüffend, wie deutlich diese hübschen Konzerte für Cembalo bestimmt sind - und ein Rätsel, warum für diese Aufnahme dennoch die Orgel gewählt wurde. 

Sonntag, 14. März 2010

Bach: Die Kunst der Fuge / Orgelkonzerte (Berlin Classics)

Zwei historische Aufnahmen aus fernen DDR-Tagen: Johannes Ernst Köhler (1910-1990) spielt Bachs Kunst der Fuge an der Hildebrand- orgel der Wenzelskirche zu Naum- burg, sowie die Orgelkonzerte Nr. 1, 3, 2 und 5 an der Silbermann- orgel der katholischen Hofkirche zu Dresden. 
Köhler wirkte als Organist zu St. Peter und Paul in Weimar, bekannter wohl als Herderkirche, und bildete dort zugleich als Professor an der Musikhochschule bis zu seiner Emeritierung 1975 zahlreiche Kirchenmusiker aus. Er galt nicht nur als großartiger Organist, sondern auch als vorzüglicher Pädagoge mit enormer Ausstrahlung. Leider erfährt der Käufer dieser CD von all dem nichts, denn es gibt kein Beiheft.
Die vorliegenden Einspielungen zeigen ihn als erfahrenen Musiker, kurz vor dem Ruhestand. Sie beeindrucken durch eine unglaubliche Ruhe und Gelassenheit, ohne dabei aber langweilig oder gar nach- lässig zu werden. Köhler registriert abwechslungsreich, einfühlsam und niemals auf oberflächliche Effekte bedacht; dennoch demonstriert er mit seinem Spiel zugleich die Möglichkeiten und Stärken des jeweiligen Instrumentes.

Samstag, 17. Oktober 2009

Handel: Organ Concertos, op. 4; Ottavio Dantone, Accademia Bizantina (L'Oiseau Lyre)


Um Publikum zu seinen Oratorien-Aufführungen zu locken, erfand Händel - der ja auch ein gewiefter Geschäftsmann war - eine gänzlich neue Gattung: Das Orgelkonzert, eingeleitet vom Meister höchstpersönlich mit einem freien Präludium, erklang als Zwischenaktmusik, und begeisterte das anspruchsvolle Londoner Publikum. Das ist kein Wunder, denn die Musik ist ebenso virtuos wie eingängig. Und während die Oratorien heute nur noch Insidern bekannt sind, erfreuen sich die Orgelkonzerte wieder enormer Beliebtheit.
Eine Neueinspielung derart populärer Stücke ist immer auch ein Risiko. Denn nur dann, wenn die Interpreten wirklich etwas zu sagen haben, wird die CD tatsächlich gekauft. Bei der vorliegenden Aufnahme jedoch dürfte die Gefahr gering sein, dass sie wie Blei im Regal liegen bleibt. Das liegt zum einen an dem schlanken, frischen Klang des Ensembles, das in kleinster Besetzung musiziert. Dantone selbst entschied sich für ein kleines Orgelpositiv im böhmischen Stil, einmanualig, ohne Pedal und mit lediglich sechs Registern, aus der Werkstatt des Dresdener Orgelbauers Kristian Wegscheider.
Der Organist und seine Mitmusiker haben zudem den Mut und die technischen Fähigkeiten, Händels Partituren so zu lesen, wie sie einst gedacht waren: Als Skizzen, versehen mit reichlich Fragezeichen, Stichwort: "ad libitum". Ihre Lösungen sind ausgesprochen akzeptabel; Dantone gelingen schöne kleine Präludien, die den Charakter des folgenden Stückes bestens treffen. So hört man diese CD mit Vergnügen. Und als augenzwinkernde Verneigung vor dem Meister wurden die Stücke obendrein in der Kirche St. Bartholomäus zu Halle/Saale eingespielt; dort war Händels Großvater seinerzeit Pfarrer.