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Freitag, 16. Januar 2015

Clementi: Piano Duets on Broadwood 1798 (Quintone)

Diese CD mit Klaviermusik "for Two Performers on One Piano Forte" von Muzio Clementi (1752 bis 1832) gibt zugleich Einblick in die Geschichte des Klavierbaus. Heutzutage ist der Konzertflügel so selbstverständlich und so allgegenwärtig, dass man beinahe vergisst, wie jung dieses Instrument doch eigentlich ist. Musikhistoriker haben ermittelt, dass das allererste Konzert auf einem Klavier in England beispielsweise 1767 stattgefunden hat – auf einem Tafelklavier, um genau zu sein. Die ersten englischen Konzertflügel erklangen nach 1780; zehn Jahre später waren sie bereits so etabliert, dass Virtuosen aus ganz Europa anreisten, um darauf zu musizieren. 
Diese Instrumente wurden immer weiter vervollkommnet, und sie waren bald sehr begehrt. Dank der industriellen Revolution wurden daher aus etlichen Klavierbau-Werkstätten Klavierfabriken. Zu Beginn des 19. Jahr- hunderts fertigte, so erfährt man aus dem Beiheft zu dieser CD, allein John Broadwood & Son um die 400 Instrumente jährlich. Wie die Hammerflügel von Broadwood klangen, das zeigt exemplarisch diese Einspielung auf einem beeindruckenden Instrument aus dem Jahre 1798. Es hat einen Tonumfang von fünfeinhalb Oktaven, wurde sorgsam restauriert und befindet sich heute in der Sammlung von Eckart Sellheim. 
Galina Draganova und Vasily Ilisavsky, seit 2005 gemeinsam unterwegs als Duo Hammerklavier, präsentieren auf dem Broadwood Werke von Muzio Clementi. Das ist insofern witzig, als der „father of the pianoforte“ es nicht dabei beließ, als Virtuose zu konzertieren, zu komponieren und zwei berühmte pädagogische Schriften zu veröffentlichen – „Introduction to playing the Piano-Forte“, erschienen 1801, sowie die Etüdensammlung „Gradus ad Parnassum“, erstmals veröffentlicht 1817. Clementi interessier- te sich ebenfalls sehr für den Klavierbau, und er beteiligte sich sogar an der Klavierfabrik eines Freundes (und verlor wohl eine Menge Geld dabei). 

Dienstag, 4. Dezember 2012

Zachow: Christmas Cantatas (Quintone)

Friedrich Wilhelm Zachow (1663 bis 1712) entstammte einer weitverzweigten mitteldeutschen Musikerfamilie. Geboren wurde er in Leipzig, wo er wohl auch die Lateinschule besuchte. 1675 nahm sein Vater, der Kunstgeiger Hein- rich Zachow, allerdings eine Stelle als Stadtpfeifer im nahegelegenen Eilenburg an.
Wir wissen nicht, wer Zachow unterwiesen hat - doch seine Ausbildung muss hervorragend gewesen sein, denn bereits 1684 wurde der junge Musiker  zum Organisten der Hallenser Marienkirche gewählt. In diesem Amt war er nicht nur für das Orgelspiel, sondern auch für die Figuralmusik zuständig. In der Gemeinde muss man Zachow sehr geschätzt haben, denn er erhielt trotz seiner Jugend sehr bald ein ziemlich üppiges Gehalt. Zusätzliche Einnahmen brachten ihm seine Schüler. Der bekannteste von ihnen war Georg Friedrich Händel. Er wurde von Zachow im Clavier- und Orgelspiel sowie im Fach Komposition unterwiesen. Auch auf Geige und Oboe soll Händel Unterricht erhalten haben. 
Es ist bekannt, dass Zachow eine umfangreiche Sammlung von Musikalien aufgebaut und zu Unterrichtszwecken verwendet hat. Auch davon hat Händel wohl sehr profitiert. Er äußerte sich stets respektvoll und dankbar über seinen Lehrer, und soll zudem nach Zachows Tod dessen Witwe mehr als einmal finanziell unterstützt haben. 
Ludger Rémy, der sich seit vielen Jahren für vergessene mittel- deutsche Musik einsetzt und schon so manche Entdeckung vorgestellt hat, bringt gemeinsam mit der Sopranistin Constanze Backes, dem Kammerchor Capella Frisiae und den Instrumentalisten der Accade- mia Amsterdam auf dieser CD nun einige Werke Zachows wieder zum Klingen. Die vier Weihnachtskantaten erweisen sich als hörenswert. Es sind solide gearbeitete Kantaten - und sie stehen dem geistlichen Konzert eines Heinrich Schütz näher als den Kantaten der Bach-Zeit, obwohl die Chöre teilweise an die des frühen Bach erinnern. "Ik was getroffen door de unieke instrumentale bezetting van de kerkcanta- tes", begeistert sich Onno Verschoor, der Gründer und Leiter der Accademia Amsterdam, für Zachows Werke. "Heel bijzonder, nederig bijna, zijn ook de vocale solisten. Zij horen bij het koor. Zachow maakte er nog geen sterren van. Je hoort dat ook op deze cd: De solisten komen akoestisch uit de Capella Frisiae." 
Um die Klangwelt, die Zachow seinerzeit in Halle an der Saale er- schaffen hat, für den modernen Hörer nachvollziehbar zu machen, haben sich die Musiker eine Orgel gesucht, die ähnlich klingt wie weiland jene in St. Marien. Gefunden haben sie dieses Instrument, erbaut von Arp Schnitger zwischen 1693 und 1712, in der Pelster- gasthuiskerk in Groningen. Es hat einen Stimmton von 465 Hertz - und schon dieser Chorton sorgt für einen charakteristischen Klang. 
Auch die Tatsache, dass Zachow in der Figuralmusik auf die Stadtpfeifer und ihr Instrumentarium zurückgreifen musste, setzt interessante Akzente. So verwendet der Komponist in der Kantate Herr wenn ich nur Dich habe erstmals die Harfe als Soloinstrument. Überliefert wurde sie übrigens, weil Händel sie im Unterricht abge- schrieben hat. 

Samstag, 25. August 2012

Bach: Alto Cantatas (Quintone)

Maarten Engeltjes kann auf die langjährige Beschäftigung mit Bachs Werk verweisen. Denn er begann seine musikalische Aus- bildung im Alter von vier Jahren als Knabensopran. „I first became acquainted with the music of Johann Sebastian Bach at the age of seven“, berichtet der Sänger im Beiheft dieser CD. Sein Debüt als Countertenor gab er als 16jähriger mit den Alt-Arien in Bachs Matthäuspassion. Hier ist er nun mit den Solokantaten Vergnügte Ruh, beliebte Seelenlust BWV 170, Widerstehe doch der Sünde BWV 54 sowie Geist und Seele wird verwirret BWV 35 zu hören, gemeinsam mit dem Concerto d’Amsterdam und Vincent van Laar, Orgel, unter Leitung von Klaas Stok. Engeltjes Stimme erscheint nicht übermäßig groß, aber sie ist fokussiert, sehr weich im Klang und zudem recht beweglich. Die Interpretation ist solide, aber nicht besser als bei- spielsweise die Aufnahmen mit Andreas Scholl.
Berückend klingt allerdings die Orgel, die insbesondere in der Kantate BWV 35 aufgrund der obligaten Partie bestens zur Geltung kommt. Man mag es kaum glauben, aber bei der sogenannten Bach-Orgel der Grote Kerk in Dordrecht handelt es sich um einen Neubau, der erst 2007 festlich eingeweiht worden ist. Die Firma Verschueren Orgel- bouw aus Heythuysen hat dieses Instrument nach mitteldeutschen Vorbildern, insbesondere den Orgeln von Gottfried Silbermann und Zacharias Hildebrandt, neu angefertigt. Eine Orgel diesen Typs war in den Niederlanden bislang nicht verfügbar; und weil das Instrument ideal dafür geeignet ist, Bachs Musik zu spielen, erhielt sie auch den Namen des Komponisten.

Freitag, 11. Mai 2012

Music für a while (Quintone)

Lautenlieder von Henry Purcell sind mittlerweile in etlichen Ein- spielungen am Musikmarkt er- hältlich. So gehört dieses Reper- toire offenbar zu den Lieblings- stücken von Countertenören. Hier ist ein Bariton zu hören, begleitet von einer Theorbe - Fred Jacobs spielt sie sehr versiert. Der Gesang von Maarten Koningsberger allerdings begeistert mich nicht unbedingt; ich finde seine Lied-Interpretationen eher bieder und langweilig. Schade. Keine Ahnung, was die Kollegen von Gramophone bewogen hat, diese CD mit Editor's Choice zu bewerten.