Die Motetti a due o tre voci op. 4 waren die letzten Werke von Antonio Caldara (um 1670 bis 1736), die zu seinen Lebzeiten im Druck erschie- nen sind. Sie wurden 1715 in Bologna veröffentlicht. 1716 übersiedelte der Komponist nach Wien, wo er Vize- kapellmeister am Hofe des Kaisers Karl VI. wurde.
Wie eng verbunden Europas Kultur- metropolen seinerzeit waren, das zeigt ein Blick in ihre Kunstsamm- lungen – und in die Archive. Ein Exemplar von Caldaras Motetten beispielweise gelangte nach Dresden, wo Jan Dismas Zelenka die Stücke, teilweise mit neu unterlegten Texten, zum Gebrauch im Rahmen der Fastenpredigten einrichtete.
Sie gehörten wahrscheinlich seit Mitte der 1720er Jahre in Dresden zum Repertoire, das während der vorösterlichen Fastenzeit alljährlich erklang. So dürfte auch Johann Adam Hiller (1728 bis 1804) sie kennengelernt haben, der seine Ausbildung als Kruzianer in Dresden begann. Hiller, der später nach Leipzig ging und letztendlich sogar Thomaskantor wurde, nahm eine dieser Motetten in seine berühmte Sammlung mit auf – was wiederum dazu führte, dass Caldara in die protestantische Kirchenmusik- praxis mit integriert wurde.
Auf dieser CD sind die zehn Motetten komplett zu hören – eindringlich gesungen von Ingeborg Dalheim, Anna Kellnhofer, Sopran, Franz Vitzthum und Alex Potter, Countertenor, Jan Van Elsacker, Tenor, und Florian Götz, Bariton. Begleitet werden die Sänger vom United Continuo Ensemble, bestehend aus Jörg Meder, Violone, Johannes Hämmerle, Orgel, und Thomas C. Boysen, Theorbe, der auch die Leitung dieses Ensembles inne hat.
Kombiniert wurden die Motetten mit Orgelwerken niederländischer und norddeutscher Komponisten älterer Generationen – Matthias Weckmann (1618/19 bis 1674), Franz Tunder (1614 bis 1667) und Jan Pieterszoon Sweelinck (1562 bis 1621). Johannes Hämmerle spielt sie an der histori- schen Orgel des Schlosses Gottorf. Sehr hörenswert!
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Montag, 17. April 2017
Freitag, 9. Oktober 2015
La serenissima - Venetian Church Sonatas by Albinoni and Vivaldi (Genuin)
Wer diese CD anhört, der ahnt, warum die Stadt Venedig den Beinamen La Serenissima erhielt. Die Camerata degli amici unter Leitung des Oboisten Jaime González spielen die Sonate a tre, op. 1 von Tomaso Giovanni Albinoni (1671 bis 1751) und zwei Oboensonaten RV 81 und RV 53 von Antonio Vivaldi (1678 bis 1741). Dabei entschied sich das Ensemble, Albinonis Triosonaten mit zwei Oboen aufzuführen, ergänzt durch ein farbenreiches Continuo, das in wechselnder Besetzung durch Fagott, Violoncello, Laute, Theorbe und Barockgitarre sowie Cembalo und Orgel gestaltet wird. Albinonis Werke sind durchweg Sonate da chiesa, Vivaldis Sonaten ähneln eher Konzerten. Doch sie alle zeichnen sich durch Heiterkeit und Klangpracht aus, und bieten den Musikern reichlich Gelegenheit, im Zusammenspiel zu brillieren. Daran haben González und seine Mitstreiter hörbar Vergnügen – und der Zuhörer auch. Bravi!
Sonntag, 26. Dezember 2010
Albinoni: Sonate da Chiesa - Opera Quarta (Genuin)
"Wenn ein Komponist für das eigene Instrument mehrere Stücke geschrieben hat, empfindet man eine gewisse Sympathie, die dann in Dankbarkeit übergeht", erläu- tert Jaime González, Professor für Oboe an der Hochschule der Künste in Bern, die Auswahl der Werke für diese CD. "Deshalb wollte ich mich bei Albinoni bedanken für die wunderschönen Oboenkonzerte Op. 7 und Op. 9 und dabei zeigen, wie gut die Musik ist, die er komponiert hat."
Tomaso Giovanni Albinoni (1671 bis 1751) war der Sohn eines vene- zianischen Spielkartenmachers. Er erlernte ebenfalls diesen Beruf, und als er 1694 seine erste Oper und die erste Sammlung von Trio- sonaten vorstellte, bezeichnete er sich als dilettante veneto. Schon bald schuf er mehrere Opern jährlich, und entschied sich endgültig für den Musikerberuf. In diesem war er recht erfolgreich; so erhielt er, insbesondere in den 1720er Jahren, Aufträge aus ganz Europa. Albinoni komponierte in erster Linie Opern, Kantaten und Instru- mentalmusik. Nicht alles, was unter seinem Namen kursiert, stammt auch von ihm. Das berühmte Adagio für Orgel und Streicher beispielsweise hat sein Biograph Remo Giazotti 1958 aus einer Triosonate "rekonstruiert".
Die Sonate da Chiesa auf dieser CD werden in den Werklisten als "Pseudo-op.4" geführt. Zumindest bei einem dieser Werke ist die Autorschaft umstritten; darüber freilich findet sich kein kritisches Wort. Auch soll der Druck aus dem Jahre 1708 stammen - das Beiheft verweist ihn allerdings kommentarlos auf 1704. Darüber staunt man dann doch. Und es wäre auch interessant gewesen, im Beiheft der CD einen Hinweis auf die Quelle für die Sonata da Camera in C-Dur zu finden, die abschließend erklingt.
Werke, die ursprünglich für Violine bestimmt waren, auf der Oboe zu spielen, ist in der Barockzeit durchaus üblich gewesen. Einige Passa- gen werden dadurch technisch eine Herausforderung, aber genau dort ist González am besten. Asa Akerberg, Barockcello, Thomas C. Boysen, Barockgitarre und Theorbe, und Martin Müller, Cembalo, erweisen sich als versierte Besetzung für den Basso continuo. Musiziert wird wirklich hörenswert, und die Aufnahme sei daher hier gern empfohlen.
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