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Sonntag, 19. April 2015

Bach: Messe in h-Moll (Berlin Classics)

Im Juli 2014 erklang Johann Sebastian Bachs h-Moll-Messe in der wiederaufgebauten Dresdner Frauenkirche. Ein Live-Mitschnitt dieses Konzertes mit dem Kammerchor der Frauenkirche und dem Ensemble Frauenkirche unter Kantor Matthias Grünert ist nun bei Berlin Classics erschienen – pünktlich zum 330. Geburtstag des Komponisten. 
Als Solisten singen Miriam Meyer, Sopran, Britta Schwarz, Alt, Markus Brutscher, Tenor, und Klaus Mertens, Bass. Grünert orientiert sich bei seiner Interpretation der „hohen“ Messe weniger an den Gesangslinien als vielmehr an den Orchesterstimmen. Das führt mitunter zu etwas eigenwilligen Tempi und Akzenten, die seitens der Sänger kein Echo finden. Es hat aber seine Reize insofern, als die Musiker des Ensembles Frauenkirche ihre Stärken demonstrieren können. 
Und die haben sie, ohne Frage – von Robert Langbein, der exzellent das Horn spielt, über die drei brillanten Trompeter Christian Höcherl, Nikolaus von Tippelkirch und Frank Hebenstreit bis hinzu den präzise agierenden Streichern, den superben Holzbläsern, Thomas Käppler an den Pauken und Cornelia Osterwald an Truhenorgel und Cembalo. Nur schade, dass die Solo-Instrumente in den Arien mitunter lauter sind als die Solisten. 
Der Kammerchor schlägt sich wacker. Und der pathetisch-erhabene Beginn mit dem Kyrie lässt wirklich aufhorchen. Die Soprane haben Höhe, die Stimmen sind geübt und gesungen wird intonationssicher. Doch so manchen tänzerisch-beschwingten Orchesterpart vermag der Chor nicht zu spiegeln. Mitunter ist Grünert so flink unterwegs, dass der Chor seine Koloraturen wie eine Turnübung absolvieren muss. Die Sänger schaffen das, irgendwie, aber der Ausdruck bleibt dabei auf der Strecke. Und für die großen Jubelchöre, im Glanze der Trompeten, fehlen dann einfach die Reserven. Verkaufen wird sich diese CD ganz sicher, aber von Bachs h-Moll-Messe gibt es bereits sehr viele Aufnahmen – und etliche davon finde ich, sorry, besser. 

Freitag, 14. Dezember 2012

Bach: Weihnachtsoratorium - Live aus der Dresdner Frauenkirche (Berlin Classics)

Wenn Frauenkirchenkantor Matthias Grünert alljährlich Bachs Weihnachtsoratorium aufführt, dann sind in dem Gotteshaus keine von weither angereisten Weltstars zu hören, sondern Sänger und Musiker aus der Region. Trotzdem quetscht sich das Publikum gern ins Kirchengestühl, um an einem von zwei Abenden alle sechs Kan- taten hintereinander anzuhören. So hatte Grünert das Weihnachts- oratorium bereits in seiner frühe- ren Gemeinde aufgeführt - allerdings gab es in dem Städtchen Greiz nach der dritten Kantate eine Stunde Pause, inklusive Glühwein und Thüringer Rostbratwürste draußen vor der Kirche. Und die Musiker starteten um 17 Uhr. In Dresden ist dies nicht möglich, weil das Zeitregime der Frauenkirche dafür keinen Freiraum lässt. 
Dennoch ist Grünert zumindest teilweise dabei geblieben. "Böse Zungen sprechen von Tortur", meint der Kantor, "das kann ich gar nicht verstehen. Gut, die Kirchenbänke sind schon unbequem. Aber es ist doch so kurzweilige Musik, wenn man sich darauf einlässt. Die Musik entschädigt doch für alles." Berlin Classics hat die kompakte Aufführung, die mittlerweile in Dresden schon eine Tradition gewor- den ist, im vergangenen Jahr mitgeschnitten. Das Label legt die Doppel-CD nun allen Klassikfreunden auf den Gabentisch. 
Wenn man die Aufnahmen anhört, ahnt man, dass es sich dabei um ein schwieriges Unterfangen gehandelt haben muss. Denn die Frauenkirche ist kein Konzertsaal, sondern ein akustisch schwieriger Rundbau mit einer gigantischen Kuppel - was dazu führt, dass die Musiker, insbesondere auch die Bläser, auf der CD klanglich sehr präsent sind, während die Sänger mitunter zu kämpfen haben. 
Musiziert wird auf modernen Instrumenten, aber historisch infor- miert und mit straffen Tempi. Die Musiker sind vorzüglich; man merkt, dass sie normalerweise an den Pulten der Sächsischen Staats- kapelle und der Dresdner Philharmonie sitzen. Hier spielen sie als Ensemble Frauenkirche. Zu hören sind zudem der (ziemlich kopf- starke) Kammerchor der Frauenkirche sowie die Solisten Jana Büchner, Britta Schwarz, Markus Brutscher und Gotthold Schwarz. 

Donnerstag, 20. Oktober 2011

Mozart: Requiem (Alpha)

Mozarts legendäres Werk in einer exzellenten Einspielung. Hier passt wirklich alles zusammen - von den hervorragenden Solisten über den ausgezeichneten Chor bis hin zum Orchester, und alle folgen wie hyp- notisiert dem Dirigenten Teodor Currentzis, der mitunter etwas eigenwillige, aber nicht uninteres- sante Klangideen verwirklicht. 
Das Solistenquartett wird ange- führt von Sopranistin Simone Kermes - noch nie zuvor habe ich die Sopranpartie besser gesungen gehört! Doch auch Stéphanie Houtzeel, Mezzosopran, Markus Brut- scher, Tenor, und Arnaud Richard, Bass, singen grandios. Das eigentliche Ereignis aber sind der Chor The New Siberian Singers und das Orchester Musica Aeterna - denn was da zu hören ist, das lässt staunen. 
Offenbar existiert in Sibirien eine hoch entwickelte Kulturszene, von der wir Westler keine Ahnung haben. Denn der Kammerchor der Oper von Nowosibirsk kann sowohl in Gesangskultur als auch in Stimm- qualität mühelos mit den besten westlichen Ensembles mithalten. Ähnliches gilt für Musica Aeterna, das Kammerorchester dieses Opernhauses, das auf historischen Instrumenten musiziert und keinen Vergleich scheuen muss.  Vielen Dank an das Label Alpha, das uns diese herausragenden Musiker vorstellt - und, bitte, bald mehr davon!