Bachs Johannespassion erklang am Karfreitag 2017 in der Dresdner Frauenkirche. Der Live-Mitschnitt ist nun bei Berlin Classics erschienen. Frauenkirchenkantor Matthias Grünert stand bei diesem Konzert neben dem Kammerchor der Frauenkirche und dem Ensemble Frauenkirche Dresden ein exzellentes Solistenensemble zur Verfügung.
Dabei fällt besonders Tilman Lichdi auf, der mit seinem leichten, beweglichen, angenehm timbrierten Tenor sowohl als Evangelist als auch in den Arien überzeugt. Zu hören sind zudem Camilla Nylund, Sopran, Nicole Pieper, Alt, Andreas Scheibner, Bass, und Falko Hönisch als Vox Christi.
Grünert lässt flott und leichtfüßig musizieren; seine Lesart vermeidet das Pathos (wenn es nicht gerade um die Choräle geht), und bleibt insgesamt sehr an der klangschönen Oberfläche. Auch fehlt es dem kleinen Chor mitunter an Schwung, Biss und Prägnanz. So ist diese Aufnahme wirklich nett, aber letzten Endes nicht besonders ergreifend. Schade.
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Dienstag, 13. März 2018
Freitag, 27. November 2015
Martin Luther - Ein feste Burg ist unser Gott (Rondeau)
Dem Reformator Martin Luther waren Lieder wichtig – und deshalb schrieb er selbst fürs Kirchenvolk mehr als 30 Lieder – nach Psalmversen, nach liturgischen Stücken, zur Unterweisung der Gläubigen und zur Erbauung. Gemeinsam mit Johann Walter, dem evangelischen Urkantor, schuf Luther durch die neue Ordnung des Gottesdienstes auch Raum für eine neue Kirchenmusik – und gleich noch das passende Gesangbuch dazu.
Luther wollte eine singende Gemeinde, die nicht nur im Gottesdienst munter anstimmte, sondern auch in der häuslichen Andacht, oder aber zur Tröstung der Kranken und Sterbenden. Bis zum heutigen Tage sind insbesondere die Luther-Choräle in der evangelischen Kirche lebendig und beliebt. Auf dieser CD stellen der Kammerchor der Frauenkirche Dresden und die Instrumenta Musica unter Leitung von Frauenkirchenkantor Matthias Grünert sieben Lieder Luthers vor. Dabei wird zugleich deutlich, wie breit und differenziert die Ideen des Reformators in der Zeit nach der Reformation aufgegriffen wurden. Denn die Choräle, die Martin Luther geschaffen hat, wurden von Heinrich Schütz, Hans Leo Hassler, Michael Praetorius und vielen anderen namhaften Musikern bearbeitet.
Nun komm, der Heiden Heiland, Vom Himmel hoch, da komm ich her, Gelobet seist du, Jesu Christ, Christ lag in Todesbanden, Komm, Heiliger Geist, Herre Gott, Vater unser im Himmelreich sowie der heimliche Hymnus der protestantischen Kirche, Ein feste Burg ist unser Gott, erklingen jeweils in verschiedenen Versionen. Den Anfang macht jeweils ein Orgelchoral von Samuel Scheidt aus dem Görlitzer Tabulaturbuch von 1650. Es folgen Choralsätze, Motetten, Bicinien oder Geistliche Konzerte; zum Abschluss erklingt dann zudem noch einmal eine Choralbearbeitung für die Orgel. Für jeden Choral Martin Luthers hat Grünert genau fünf Varianten ausgewählt; eine davon stammt immer von Michael Praetorius, ebenso wie die Zwischenmusiken, für die der Kantor Tanzsätze aus Praetorius' Terpsichore (1612) herausgesucht hat.
Luther wollte eine singende Gemeinde, die nicht nur im Gottesdienst munter anstimmte, sondern auch in der häuslichen Andacht, oder aber zur Tröstung der Kranken und Sterbenden. Bis zum heutigen Tage sind insbesondere die Luther-Choräle in der evangelischen Kirche lebendig und beliebt. Auf dieser CD stellen der Kammerchor der Frauenkirche Dresden und die Instrumenta Musica unter Leitung von Frauenkirchenkantor Matthias Grünert sieben Lieder Luthers vor. Dabei wird zugleich deutlich, wie breit und differenziert die Ideen des Reformators in der Zeit nach der Reformation aufgegriffen wurden. Denn die Choräle, die Martin Luther geschaffen hat, wurden von Heinrich Schütz, Hans Leo Hassler, Michael Praetorius und vielen anderen namhaften Musikern bearbeitet.
Nun komm, der Heiden Heiland, Vom Himmel hoch, da komm ich her, Gelobet seist du, Jesu Christ, Christ lag in Todesbanden, Komm, Heiliger Geist, Herre Gott, Vater unser im Himmelreich sowie der heimliche Hymnus der protestantischen Kirche, Ein feste Burg ist unser Gott, erklingen jeweils in verschiedenen Versionen. Den Anfang macht jeweils ein Orgelchoral von Samuel Scheidt aus dem Görlitzer Tabulaturbuch von 1650. Es folgen Choralsätze, Motetten, Bicinien oder Geistliche Konzerte; zum Abschluss erklingt dann zudem noch einmal eine Choralbearbeitung für die Orgel. Für jeden Choral Martin Luthers hat Grünert genau fünf Varianten ausgewählt; eine davon stammt immer von Michael Praetorius, ebenso wie die Zwischenmusiken, für die der Kantor Tanzsätze aus Praetorius' Terpsichore (1612) herausgesucht hat.
Sonntag, 19. April 2015
Bach: Messe in h-Moll (Berlin Classics)
Im Juli 2014 erklang Johann Sebastian Bachs h-Moll-Messe in der wiederaufgebauten Dresdner Frauenkirche. Ein Live-Mitschnitt dieses Konzertes mit dem Kammerchor der Frauenkirche und dem Ensemble Frauenkirche unter Kantor Matthias Grünert ist nun bei Berlin Classics erschienen – pünktlich zum 330. Geburtstag des Komponisten.
Als Solisten singen Miriam Meyer, Sopran, Britta Schwarz, Alt, Markus Brutscher, Tenor, und Klaus Mertens, Bass. Grünert orientiert sich bei seiner Interpretation der „hohen“ Messe weniger an den Gesangslinien als vielmehr an den Orchesterstimmen. Das führt mitunter zu etwas eigenwilligen Tempi und Akzenten, die seitens der Sänger kein Echo finden. Es hat aber seine Reize insofern, als die Musiker des Ensembles Frauenkirche ihre Stärken demonstrieren können.
Und die haben sie, ohne Frage – von Robert Langbein, der exzellent das Horn spielt, über die drei brillanten Trompeter Christian Höcherl, Nikolaus von Tippelkirch und Frank Hebenstreit bis hinzu den präzise agierenden Streichern, den superben Holzbläsern, Thomas Käppler an den Pauken und Cornelia Osterwald an Truhenorgel und Cembalo. Nur schade, dass die Solo-Instrumente in den Arien mitunter lauter sind als die Solisten.
Der Kammerchor schlägt sich wacker. Und der pathetisch-erhabene Beginn mit dem Kyrie lässt wirklich aufhorchen. Die Soprane haben Höhe, die Stimmen sind geübt und gesungen wird intonationssicher. Doch so manchen tänzerisch-beschwingten Orchesterpart vermag der Chor nicht zu spiegeln. Mitunter ist Grünert so flink unterwegs, dass der Chor seine Koloraturen wie eine Turnübung absolvieren muss. Die Sänger schaffen das, irgendwie, aber der Ausdruck bleibt dabei auf der Strecke. Und für die großen Jubelchöre, im Glanze der Trompeten, fehlen dann einfach die Reserven. Verkaufen wird sich diese CD ganz sicher, aber von Bachs h-Moll-Messe gibt es bereits sehr viele Aufnahmen – und etliche davon finde ich, sorry, besser.
Als Solisten singen Miriam Meyer, Sopran, Britta Schwarz, Alt, Markus Brutscher, Tenor, und Klaus Mertens, Bass. Grünert orientiert sich bei seiner Interpretation der „hohen“ Messe weniger an den Gesangslinien als vielmehr an den Orchesterstimmen. Das führt mitunter zu etwas eigenwilligen Tempi und Akzenten, die seitens der Sänger kein Echo finden. Es hat aber seine Reize insofern, als die Musiker des Ensembles Frauenkirche ihre Stärken demonstrieren können.
Und die haben sie, ohne Frage – von Robert Langbein, der exzellent das Horn spielt, über die drei brillanten Trompeter Christian Höcherl, Nikolaus von Tippelkirch und Frank Hebenstreit bis hinzu den präzise agierenden Streichern, den superben Holzbläsern, Thomas Käppler an den Pauken und Cornelia Osterwald an Truhenorgel und Cembalo. Nur schade, dass die Solo-Instrumente in den Arien mitunter lauter sind als die Solisten.
Der Kammerchor schlägt sich wacker. Und der pathetisch-erhabene Beginn mit dem Kyrie lässt wirklich aufhorchen. Die Soprane haben Höhe, die Stimmen sind geübt und gesungen wird intonationssicher. Doch so manchen tänzerisch-beschwingten Orchesterpart vermag der Chor nicht zu spiegeln. Mitunter ist Grünert so flink unterwegs, dass der Chor seine Koloraturen wie eine Turnübung absolvieren muss. Die Sänger schaffen das, irgendwie, aber der Ausdruck bleibt dabei auf der Strecke. Und für die großen Jubelchöre, im Glanze der Trompeten, fehlen dann einfach die Reserven. Verkaufen wird sich diese CD ganz sicher, aber von Bachs h-Moll-Messe gibt es bereits sehr viele Aufnahmen – und etliche davon finde ich, sorry, besser.
Freitag, 14. Dezember 2012
Bach: Weihnachtsoratorium - Live aus der Dresdner Frauenkirche (Berlin Classics)
Wenn Frauenkirchenkantor Matthias Grünert alljährlich Bachs Weihnachtsoratorium aufführt, dann sind in dem Gotteshaus keine von weither angereisten Weltstars zu hören, sondern Sänger und Musiker aus der Region. Trotzdem quetscht sich das Publikum gern ins Kirchengestühl, um an einem von zwei Abenden alle sechs Kan- taten hintereinander anzuhören. So hatte Grünert das Weihnachts- oratorium bereits in seiner frühe- ren Gemeinde aufgeführt - allerdings gab es in dem Städtchen Greiz nach der dritten Kantate eine Stunde Pause, inklusive Glühwein und Thüringer Rostbratwürste draußen vor der Kirche. Und die Musiker starteten um 17 Uhr. In Dresden ist dies nicht möglich, weil das Zeitregime der Frauenkirche dafür keinen Freiraum lässt.
Dennoch ist Grünert zumindest teilweise dabei geblieben. "Böse Zungen sprechen von Tortur", meint der Kantor, "das kann ich gar nicht verstehen. Gut, die Kirchenbänke sind schon unbequem. Aber es ist doch so kurzweilige Musik, wenn man sich darauf einlässt. Die Musik entschädigt doch für alles." Berlin Classics hat die kompakte Aufführung, die mittlerweile in Dresden schon eine Tradition gewor- den ist, im vergangenen Jahr mitgeschnitten. Das Label legt die Doppel-CD nun allen Klassikfreunden auf den Gabentisch.
Wenn man die Aufnahmen anhört, ahnt man, dass es sich dabei um ein schwieriges Unterfangen gehandelt haben muss. Denn die Frauenkirche ist kein Konzertsaal, sondern ein akustisch schwieriger Rundbau mit einer gigantischen Kuppel - was dazu führt, dass die Musiker, insbesondere auch die Bläser, auf der CD klanglich sehr präsent sind, während die Sänger mitunter zu kämpfen haben.
Musiziert wird auf modernen Instrumenten, aber historisch infor- miert und mit straffen Tempi. Die Musiker sind vorzüglich; man merkt, dass sie normalerweise an den Pulten der Sächsischen Staats- kapelle und der Dresdner Philharmonie sitzen. Hier spielen sie als Ensemble Frauenkirche. Zu hören sind zudem der (ziemlich kopf- starke) Kammerchor der Frauenkirche sowie die Solisten Jana Büchner, Britta Schwarz, Markus Brutscher und Gotthold Schwarz.
Dennoch ist Grünert zumindest teilweise dabei geblieben. "Böse Zungen sprechen von Tortur", meint der Kantor, "das kann ich gar nicht verstehen. Gut, die Kirchenbänke sind schon unbequem. Aber es ist doch so kurzweilige Musik, wenn man sich darauf einlässt. Die Musik entschädigt doch für alles." Berlin Classics hat die kompakte Aufführung, die mittlerweile in Dresden schon eine Tradition gewor- den ist, im vergangenen Jahr mitgeschnitten. Das Label legt die Doppel-CD nun allen Klassikfreunden auf den Gabentisch.
Wenn man die Aufnahmen anhört, ahnt man, dass es sich dabei um ein schwieriges Unterfangen gehandelt haben muss. Denn die Frauenkirche ist kein Konzertsaal, sondern ein akustisch schwieriger Rundbau mit einer gigantischen Kuppel - was dazu führt, dass die Musiker, insbesondere auch die Bläser, auf der CD klanglich sehr präsent sind, während die Sänger mitunter zu kämpfen haben.
Musiziert wird auf modernen Instrumenten, aber historisch infor- miert und mit straffen Tempi. Die Musiker sind vorzüglich; man merkt, dass sie normalerweise an den Pulten der Sächsischen Staats- kapelle und der Dresdner Philharmonie sitzen. Hier spielen sie als Ensemble Frauenkirche. Zu hören sind zudem der (ziemlich kopf- starke) Kammerchor der Frauenkirche sowie die Solisten Jana Büchner, Britta Schwarz, Markus Brutscher und Gotthold Schwarz.
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