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Sonntag, 8. August 2021

Mozart & Flute in Paris (Warner Classics)


 „Die Stücke auf diesem Album repräsentieren verschiedene goldene Zeitalter der Flöte“, sagt Emmanuel Pahud. Auch wenn die moderne Flöte eine deutsche Erfindung war – aber gespielt wurde das Instrument wohl nirgendwo so schön wie in Frankreich. 

Auf diesem Doppelalbum erklingen zum einen zwei Werke aus dem Jahr 1778, die Mozart bei einem Besuch in Paris schrieb: Die Sinfonia concertante für Flöte, Oboe, Horn und Fagott wird durch das Ensemble Les Vents Français in einer rekonstruierten Fassung von Robert D. Levin vorgestellt, und das Konzert für Flöte und Harfe spielt Pahud gemeinsam mit Anneleen Lenaerts. 

Vom 19. Jahrhundert bis in die Gegenwart führt die zweite CD. Sie beginnt mit Dreamtime von Philippe Hersant (*1948), 2014 von Pahud und dem Orchestre de Chambre de Paris uraufgeführt. Auch die anderen Werke sind in Paris entstanden, und zeigen die besondere Beziehung der französischen Musik zur Flöte: Komponisten wie Camille Saint-Saëns (1835 bis 1921), Gabriel Fauré (1845 bis 1924), Cécile Chaminade (1857 bis 1944) und Francis Poulenc (1899 bis 1963) haben für das Instrument großartige Stücke geschaffen, und Emmanuel Pahud präsentiert sie mit Eleganz, Leichtigkeit, technischer Brillanz und herrlichem Flötenton. Der Flötist musiziert gemeinsam mit dem Klarinettisten Paul Meyer sowie dem Orchestre de Chambre de Paris unter Leitung von Francois Leleux. 


Sonntag, 6. September 2020

Joseph Haydn - Four Sonatas (Genuin)

Klaviersonaten von Joseph Haydn (1732 bis 1809) widmet sich Brigitte Meyer auf dieser Genuin-CD. Die Schweizer Pianistin entstammt wie Friedrich Gulda und Martha Argerich der Wiener Talentschmiede des großen Lehrers Bruno Seidlhofer. Für diese Einspielung wählte sie vier sehr unterschiedliche Klaviersonaten aus dem umfangreichen Gesamtwerk Haydns aus. 
Die D-Dur-Sonate Hob. XVI:24 orientiert sich am Vorbild Carl Philipp Emanuel Bachs – aber Haydn führt dieses in einzigartiger, impulsiver Weise weiter. „Ich spüre hier immense Lebensfreude“, so Meyer, „und um die auszudrücken, muss man über die Technik verfügen, um beispielsweise auch schnellere Tempi wählen zu können. Für mich fordert die Sonate in D-Dur viel Phantasie vom Interpreten.“ 
Die Sonate in As-Dur Hob XVI:46 hingegen sei weit detaillierter ausgearbeitet: „Haydn schafft hier eine eigene Sprache, mit fließender Harmonie und großer rhythmischer Lebendigkeit“, schreibt die Pianistin im Beiheft. „Seine kühne und oft überraschende Art mit Harmonien umzugehen, ist für den Interpreten aufschlussreich und äußerst inspirierend.“ 
Die beiden Sonaten in C-Dur und Es-Dur Hob. XVI:50 und 52 komponierte Haydn anlässlich seiner Reise nach London 1794/95. Es sind virtuose Werke, bestimmt für den Vortrag auf englischen Instrumenten, kühn und modern. 
Brigitte Meyer findet für jedes der vier so verschiedenen Werke einen eigenen Ausdruck. Auf dem modernen Fazioli-Flügel musiziert sie fein nuanciert, sehr elegant, dabei kraftvoll und mit Esprit. Hinreißend musiziert, ich habe jeden Ton genossen. Das ist ein sehr interessanter Beitrag zum Beethoven-Jubiläumsjahr. 

Dienstag, 30. August 2016

Fantasia - Alliage Quintett & Sabine Meyer (Sony)

Was denn – das sollen wirklich nur vier Saxophone plus ein Klavier sein? Das Alliage Quintett überrascht mit sattem orchestralen Sound; Daniel Gauthier, Magdalena Lapaj, Asya Fateyeva und Sebastian Pottmeier können allerdings auch verblüffend schlank und lieblich musizieren, ebenso wie Jang Eun Bae am Klavier. 
Auf ihrem neuen Album Fantasia laden die zweifachen Echo-Klassik-Preisträger zu einer musikalischen Märchenreise ein – und dafür haben sie sich mit der Klarinettistin Sabine Meyer zusammengetan. Die CD beginnt mit den Polowetzer Tänzen aus Alexander Borodins Fürst Igor, für diese Besetzung arrangiert von Stéphane Gassot und Camille Pépin. 
Ebenso populär ist Der Feuervogel von Igor Strawinsky, hier zu hören in einer Bearbeitung von Sebastian Gottschick. Goethes Zauberlehrling inspirierte einst Paul Dukas zu einer Komposition; sie erklingt auf dieser CD in einem Arrangement von Rainer Schottstädt. Ihm ist es beispiels- weise kongenial gelungen, den wankenden Besen, im Original hörbar gemacht durch Fagott und Klarinette, auf Bariton-Saxophon und Klarinette zu übertragen. 
Die Ouvertüre zu Candide von Leonard Bernstein arrangierte Itai Soboi speziell für die sechs Musiker. Die Fünf Stücke für Orchester von Dmitri Schostakowitsch entstammen seinen Filmmusiken und Balletten; davon existiert eine Fassung für zwei Violinen und Klavier von Schostakowitschs Freund Levon Atovmian. Das Alliage Quintett setzte diese mit Blasinstru- menten um, in unterschiedlichen Besetzungen. Die Aufnahme verbindet kammermusikalische Intimität und Raffinesse mit magischem Orchester- klang. Faszinierend! 

Dienstag, 28. Juni 2016

Mozart with Friends (Sony)

Ausnahmebratschist Nils Mönke- meyer hat einige seiner Musiker- freunde eingeladen, mit ihm in wechselnder Besetzung ausgewählte Mozart-Werke einzuspielen. Es ist bekannt, dass Mozart gar nicht wenige seiner Musikstücke kompo- niert hat, um sie gemeinsam mit Freunden und Musikerkollegen in geselliger Runde aufzuführen. Das Klarinettentrio KV 498 beispiels- weise wird auch Kegelstatt-Trio genannt, weil es, wie eine Anekdote berichtet, 1783 auf der Kegelbahn entstanden sein soll. „Mozart hat diese Stücke geschrieben, um sie selber zu spielen – es waren also keine Auftragswerke“, erläutert Mönkemeyer. „Man merkt diesen musikanti- schen Aspekt beim Spielen der Stücke sehr: Wir treffen Mozart hier nicht nur als Komponisten, sondern auch als spontanen Musiker und Freigeist. Und in der Bratsche findet er dabei eine tolle Vielschichtigkeit.“ 
Im Beiheft zu dieser CD berichtet der Musiker, dass er kürzlich in Salzburg Mozarts Bratsche spielen durfte – „das war sehr berührend. Vor allen Dingen deshalb, weil diese Bratsche sehr dunkel und melancholisch klang.“ Dieses Instrument habe Mozart einst selbst ausgewählt. „Im Hinblick auf die Bratsche hat Mozart also vielleicht gar nicht das Strahlende gesucht, sondern eher das Verschattete“, meint Mönkemeyer. 
Gemeinsam mit den Klassikstars Sabine Meyer, Klarinette, Julia Fischer, Violine, und dem Pianisten William Youn hat Mönkemeyer ein Programm zusammengestellt, das beide Aspekte berücksichtigt – Spielfreude und Melancholie. Die ausgewählten Werke spannen zudem einen Bogen vom kindlichen bis zum reifen Mozart. So erklingen extra für diese Aufnahme von William Youn arrangierte Auszüge aus dem Londoner Skizzenbuch
KV 15 – Musik, die Mozart im Alter von neun Jahren geschrieben hat – oder das Duo in G-Dur KV 423 für Violine und Viola. Mönkemeyer spürt gemeinsam mit seinen Kollegen Klangfarben und Nuancen nach; doch auch die Musizierlust kommt nicht zu kurz. Ein phantastisches Album! 

Dienstag, 3. November 2015

Chamber Jazz - Peter Lehel Quartet (Finetone)

Was geschieht, wenn sich Jazz und Klassik begegnen? Eine Antwort auf diese Frage gibt diese Doppel-CD, eingespielt vom Peter Lehel Quartet. Das vielseitige und wunderbar wandlungsfähige Jazzquartett des Saxophonisten und Komponisten setzt sich hier mit bekannten Werken vergangener Jahrhunderte ausein- ander. Es spielt seit 1996 in unver- änderter Besetzung, mit Ull Möck am Piano, Mini Schulz am Bass und Dieter Schumacher, Drums und Percussion. 
Bei dem Projekt Chamber Jazz spielen die Musiker – die allesamt auch „klassisch“ ausgebildet sind – gemeinsam mit der in Bozen lebenden Flötistin Anna Toró und dem renommierten Klarinettisten Wolfgang Meyer. Die beiden Solisten aus der „Klassikwelt“ fügen sich perfekt ein – was nicht überrascht. So ist Wolfgang Meyer bekannt als Grenzgänger, der ebenso gern (und ebenso gut) Mozart spielt wie moderne Musik oder Jazz. 
Die Musiker nutzen Melodien beispielsweise von Fauré, Ravel und Piazzolla, aber auch von Bach, Schubert und Brahms, die sie improvisie- rend erkunden, und so eine ganz eigene Klangwelt erschaffen. Peter Lehel hat zu diesem Programm selbst zwei größere Werke beigetragen: Havanna Nights erinnert an Filmmusik, und an die Klänge des Buena Vista Club. Das Concertino for Quintet ist ein Doppelkonzert für Bassethorn und Sopransaxophon – und ebenso anspruchsvoll wie ansprechend. Sehr gelungen! 

Montag, 27. April 2015

Thomas Hecker Oboe (Genuin)

Die erste CD ist ein ganz besonderer Meilenstein in der künstlerischen Biographie eines Musikers. „Wie wahrscheinlich viele Debütanten bin ich die CD sehr ambitioniert und idealistisch angegangen“, meint Thomas Hecker. Der Oboist, Ge- winner des Deutschen Musikwett- bewerbs 2008 und mittlerweile Solo-Oboist des Deutschen Symphonie-Orchesters Berlin, hat durch seine souveräne Programmgestaltung dafür gesorgt, dass diese CD auch für den Hörer zu einem Ereignis wird. Hecker kombiniert Barock und Moderne, Ernsthaftes und Unterhaltsames – von Vivaldi bis Berio, von Couperin bis Yun und von Telemann bis Jackman. Der junge Oboist musiziert mit schönem, wandlungsfähigen Ton und feinem Gespür für Nuancen. Unterstützt wird Hecker dabei von Aleke Alpermann und Mischa Meyer, Violoncello, Michael Metzler, Tambourin, Michael von Schönermann, Fagott und Raphael Alpermann, Cembalo. Das Ergebnis: Kammermusik vom Allerfeinsten! 

Sonntag, 19. April 2015

Bach: Messe in h-Moll (Berlin Classics)

Im Juli 2014 erklang Johann Sebastian Bachs h-Moll-Messe in der wiederaufgebauten Dresdner Frauenkirche. Ein Live-Mitschnitt dieses Konzertes mit dem Kammerchor der Frauenkirche und dem Ensemble Frauenkirche unter Kantor Matthias Grünert ist nun bei Berlin Classics erschienen – pünktlich zum 330. Geburtstag des Komponisten. 
Als Solisten singen Miriam Meyer, Sopran, Britta Schwarz, Alt, Markus Brutscher, Tenor, und Klaus Mertens, Bass. Grünert orientiert sich bei seiner Interpretation der „hohen“ Messe weniger an den Gesangslinien als vielmehr an den Orchesterstimmen. Das führt mitunter zu etwas eigenwilligen Tempi und Akzenten, die seitens der Sänger kein Echo finden. Es hat aber seine Reize insofern, als die Musiker des Ensembles Frauenkirche ihre Stärken demonstrieren können. 
Und die haben sie, ohne Frage – von Robert Langbein, der exzellent das Horn spielt, über die drei brillanten Trompeter Christian Höcherl, Nikolaus von Tippelkirch und Frank Hebenstreit bis hinzu den präzise agierenden Streichern, den superben Holzbläsern, Thomas Käppler an den Pauken und Cornelia Osterwald an Truhenorgel und Cembalo. Nur schade, dass die Solo-Instrumente in den Arien mitunter lauter sind als die Solisten. 
Der Kammerchor schlägt sich wacker. Und der pathetisch-erhabene Beginn mit dem Kyrie lässt wirklich aufhorchen. Die Soprane haben Höhe, die Stimmen sind geübt und gesungen wird intonationssicher. Doch so manchen tänzerisch-beschwingten Orchesterpart vermag der Chor nicht zu spiegeln. Mitunter ist Grünert so flink unterwegs, dass der Chor seine Koloraturen wie eine Turnübung absolvieren muss. Die Sänger schaffen das, irgendwie, aber der Ausdruck bleibt dabei auf der Strecke. Und für die großen Jubelchöre, im Glanze der Trompeten, fehlen dann einfach die Reserven. Verkaufen wird sich diese CD ganz sicher, aber von Bachs h-Moll-Messe gibt es bereits sehr viele Aufnahmen – und etliche davon finde ich, sorry, besser. 

Montag, 14. Januar 2013

Louis Spohr - The forgotten master (Alpha)

Die vier Klarinettenkonzerte von Louis Spohr (1784 bis 1859) hat Paul Meyer gemeinsam mit dem Orchestre de Chambre de Lausanne eingespielt. Man fragt sich, warum man diese wunder- volle Musik noch nie gehört hat - weder im Konzertsaal, noch vollständig auf CD. Sabine Meyer hat, wenn ich mich recht erinnere, zwei davon eingespielt - andere Aufnahmen sind mir jedenfalls nicht bekannt.
Auch die anderen Werke Spohrs haben im Musikleben heutzutage kaum eine Bedeutung. Dabei galt der Kasseler Hofkapellmeister nach Mendelssohns und Beethovens Tod unangefochten als der führende deutsche Komponist, und zudem teilte er sich mit Paganini in den Ruhm des größten Violinvirtuosen seiner Zeit.
Spohrs Klarinettenkonzerte erweisen sich als überaus gelungene Kompositionen, die an Mozarts einziges Konzert anknüpfen. Sie sind ausgesprochen feinsinnig, und bis in die Orchesterbegleitung hinein mit Sorgfalt ausgearbeitet. Meyer begeistert mit seinem traumhaft schönen Ton und der Noblesse seiner Interpretation. Er spielt großartig, und wer ihn spielen hört, der denkt keine Sekunde daran, dass der Solopart sämtlicher Spohr-Konzerte als überaus schwierig gilt. Noch heute gehören seine Werke zu den technisch anspruchs- vollsten der Konzertliteratur. 
Das liegt daran, dass Spohr sie für einen Klarinettisten komponierte, der selbst ein Ausnahmevirtuose war: Johann Simon Hermstedt (1778 bis 1846) stammte aus dem thüringischen Langensalza, und war zunächst Premier-Hautboist und schließlich Hofkapellmeister in Sondershausen. Mit Spohr war er befreundet; die beiden Musiker hatten einander kennengelernt, als Spohr Konzertmeister im nahe- gelegenen Gotha war. Das erste Klarinettenkonzert bestellte 1808 Hermstedts Dienstherr, Günther Friedrich Karl I. von Schwarzburg-Sondershausen, der das Instrument auch selbst spielte - allerdings auf Liebhaber-Niveau. 
Spohrs Werk freilich war selbst für den Profi unspielbar. Hermstedt aber veränderte lieber seine Klarinette, als Änderungen einzufordern. Diese Anstrengungen zahlten sich aus, denn im Winterhalbjahr ging der Virtuose regelmäßig auf Konzertreisen. Die Kritik stand Kopf; selbst im musikbesessenen Dresden schwärmte die Zeitung: "In solcher Vollkommenheit hörten wir dieses Instrument noch nicht." Wer Meyer zuhört, der möchte die Musikalität dieses Klarinettisten und seine extrem gute Technik mit ähnlichen Superlativen bedenken. Das Kammerorchester sekundiert einmal mehr ganz phantastisch. Bravi! 


Donnerstag, 15. März 2012

Handel: Nine German Arias, Gloria (Naxos)

Diese CD vereint zwei sehr unter- schiedliche Werke von Georg Friedrich Händel (1685 bis 1759). Die Neun Deutschen Arien schuf der Komponist 1724 bis 1727 nach Gedichten aus der Sammlung Irdisches Vergnügen in Gott des Hamburger Dichters Barthold Heinrich Brockes. Sie sind schlicht und empfindsam, und bereiten so manchem Sänger Probleme - so auch Dorothea Craxton, die in den pietistisch-innigen Gesängen ihren strahlenden Sopran nicht recht zur Geltung zu bringen weiß. Auch ein Zwiegesang mit der obligaten Violine von Fredrik From kommt nicht recht zustande. So macht sich Langeweile breit, schade. 
Das Gloria hingegen, das Händel während seines Aufenthaltes in Ita- lien komponiert haben soll, ist hochvirtuose, technisch höchst an- spruchsvolle Musik - und hier brilliert urplötzlich auch die Sängerin. Man staunt, und ist erfreut: Ein schönes Stück, temperamentvoll vorgetragen. 

Sonntag, 25. Dezember 2011

Singt, ihr Engelchöre! (Querstand)

"Das Komponieren für deutsche Chöre war ein Wendepunkt in meinem künstlerischen Schaffen, der meiner Arbeit eine neue und willkommene Dimension hinzu- fügte", berichtet Sir Colin Mawby. Der Komponist, Jahrgang 1936, begann seine Ausbildung als Chorknabe an der Chorschule der Westminster Cathedral und stu- dierte dann am Royal College of Music.  Er wirkte viele Jahre als Organist und Chorleiter; so grün- dete er 1991 den Irish National Chamber Choir, Irlands einzigen professionellen Chor. Für seine Verdienste um die Kirchenmusik wurde er 2006 durch Papst Bene- dikt mit dem Gregorius-Orden ausgezeichnet. 
Doch Mawby beschränkt sich nicht auf die katholische Liturgie. Seit etlichen Jahren verbindet ihn eine enge Zusammenarbeit mit der Biederitzer Kantorei, dem außerordentlich engagierten Chor eines außerordentlich engagierten Kantors, der sich in der Nähe von Mag- deburg niedergelassen hat. Das bescherte auch dem Komponisten neue Ideen: "Ich bin begeistert vom Phänomen der deutschen 'Pasto- ralmesse' - in England gibt es nichts Vergleichbares", so Mawby. "Ihre Feierlichkeit, ihre Freude und ihr tanzartiger Charakter drücken den Sinn der Weihnacht mit großem Verständnis aus, und ich habe versucht, diese Eigenschaften 'im englischen Stil' aufzu- greifen. Das Komponieren dieser Messe hat mir große Freude bereitet." 
Die Pastoralmesse in G zieht sich wie ein roter Faden durch diese CD - und das Vocalconsort Leipzig, ein semiprofessionelles Ensemble, das von Gregor Meyer geleitet wird, der nun auch dem Gewandhauschor vorsteht, singt die weihnachtliche Chormusik des englischen Kompo- nisten mit Schwung und hörbarem Vergnügen. Das mag nicht zuletzt mit daran liegen, dass sie sehr schön klingt. "Meine Musik soll die Zuhörer ansprechen und sie bewegen", unterstreicht Mawby. "Die Kompositionstechnik ist niemals Ursprung, sondern immer Dienerin der Inspiration. Ich schreibe ganz bewusst für die kirchenmusikali- sche Praxis, weshalb keines der Stücke auf dieser CD schwer auszu- führen ist und sämtliche Streicherstimmen optional sind. Es ist unabdingbar, dass Interpreten Gefallen finden an dem, was sie singen - dies sollte jeder Komponist zu einem Grundsatz seiner Arbeit machen." 
Das Vocalconsort Leipzig wird teilweise begleitet durch Holzbläser und Streicher der camerata lipsiensis, sowie durch Caroline Roth an der Sauer-Orgel der Michaeliskirche Leipzig. Und sollte beim Anhö- ren dieser CD die Lust aufkeimen, diese schmissige Musik auch in der eigenen Gemeinde aufführen zu wollen - das Beiheft verrät, wo die Noten zu bekommen sind. 

Sonntag, 24. April 2011

Spohr: Die letzten Dinge (K&K)

Über die Uraufführung seines Oratoriums Die letzten Dinge am Karfreitag 1826 bei verdunkeltem Chorraum und unter einem mit 600 Gaslaternen beleuchteten Kreuz in Kassel schrieb Louis Spohr: "Die Wirkung war, ich muss es mir selbst sagen, außerordent- lich! Nie hatte ich früher bei Auf- führungen eines meiner größeren Werke diese Genugtuung gehabt!" Spohr, ein gefeierter Violinvirtuo- se, war 1822 als Hofkapellmeister nach Kassel gegangen. Dort brach- te er das Orchester und das städtische Musikleben auf Vordermann, unterrichtete zahlreiche Schüler und schuf mehr als 200 Werke. Zwar sind seine Opern heute vergessen, doch insbesondere seine Violin- konzerte und seine Violinschule gehören noch immer zu den Stan- dards. 
Zu Lebzeiten war Spohr ebenso berühmt wie Paganini. Doch setzte er nicht ausschließlich auf den virtuosen Effekt vor einem Orchester als Hintergrund, sondern vertrat offenbar ein romantisches Kunst- konzept, das sehr viel Wert auf  Gefühl und Harmonie legt. Selbst sein Oratorium Die letzten Dinge, welches das Publikum mit Apokalypse, Gericht und Auferstehung konfrontiert, ist voll schöner Melodien, klangvoller harmonischer Wendungen und herrlicher Chöre. So steht denn auch die Kantorei Maulbronn, dirigiert von ihrem Gründer und Leiter Jürgen Budday, im Zentrum dieser Aufnahme, die im Juni 2010 als Live-Mitschnitte eines Konzertes im Kloster Maulbronn entstanden ist. Der Chor singt wie immer hervorragend. Als Solisten wirken mit Miriam Meyer, Sopran, Ursula Eittinger, Mezzosopran, Marcus Ullmann, Tenor und Josef Wagner, Bass. Das Orchester, die Russische Kammerphilharmonie St. Petersburg, zeigt leider hier und da Schwächen. Das ist schade, denn ansonsten ist die Aufnahme sehr hörenswert. 

Sonntag, 29. November 2009

In Dulci Jubilo - Maria Stader Sings European Christmas Songs (Deutsche Grammophon)


Diese CD gehört zu meinen ganz persönlichen Weihnachtsfavoriten. Im Kerzenschein den glocken-reinen Stimmen von Maria Stader und der Münchner Chorbuben zu lauschen, das gleicht einer Begegnung mit dem Engel der Weihnacht, der seine Frohe Botschaft verkündet.
Maria Stader (1911-1999), geboren in Budapest, aufgewachsen in der Schweiz, wurde in den 50er und 60er Jahren vor allem für ihre Interpretationen von Partien Mozarts und Bachs gefeiert.  Zur Legende wurde insbesondere ihre Königin der Nacht. Dieses Album lässt ahnen, wieso die Sängerin das Publikum seinerzeit derart begeisterte. 
Stader singt vom ersten bis zum letzten Ton mit mitreißender Freude. Die Sopranistin interpretiert die alten Weihnachtslieder wie Mozarts herrliche Motette "Exsultate, jubilate" mit überragender musika-lischer Intelligenz und entwickelt so eine fantastische Ausstrahlung, die vielen makellosen, aber "abwaschbaren" Einspielungen heutzutage leider fehlt. Was für eine Künstlerpersönlichkeit! Und welch festlicher Glanz! Diese Aufnahmen muss man einfach lieben.

Mittwoch, 25. November 2009

Bach - Mozart; Sabine Meyer - Trio di Clarone (Avi-Music)

In Wien, im Hause des Barons van Swieten, hörte Mozart erstmals Werke der Familie Bach.
Dieses Erlebnis veränderte das musikalische Denken des Komponisten.
Der Kontrapunkt war für ihn nicht länger eine Technik für den Unterricht und fürs Museum; dieses Formprinzip inspirierte Mozart möglicherweise gerade aufgrund seiner Strenge. Denn in Bachs Musik erlebte er, wie kühn man es zum Klingen bringen kann.
Wie intensiv sich Mozart mit Bachs Werk auseinandersetzte, zeigt das Trio di Clarone mit einer CD, die Kompositionen der Bach-Familie mit Stücken Mozarts kombiniert, in denen er solche Werke umsetzt, und oftmals auch mit eigenen Sätzen ergänzt und kommentiert. So hat Mozart Bachsche Fugen für Streichertrio bearbeitet, und ihnen jeweils ein Adagio als Präludium vorangestellt. Die meisten davon schrieb er selbst - im alten Stile zwar, aber mit unverkennbar eigener Melodik.
Das Trio di Clarone wiederum spielt Bearbeitungen dieser Bearbeitungen - und zwar für Klarinetten, Bassetthorn und Bassklarinette, jeweils in welchselnden Besetzungen. Sabine Meyer, ihr Mann Reiner Wehle und ihr Bruder Wolfgang Meyer musizieren blitzsauber; diese CD ist rundum perfekt und gelungen. Wie versiert diese Musiker sind, das zeigt sich insbesondere in jenen Stücken, in denen sie sich alle drei auf dem Bassetthorn hören lassen. Mit dem Adagio für Glasharmonika in C-Dur und einem weiteren Adagio in F-Dur erweisen sie Mozart augenzwinkernd Reverenz, der ja bekanntlich für jenes etwas störrische Mitglied der Klarinetten-Instrumentenfamilie und seinen dunklen, melancholischen Klang ein Faible hatte.