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Mittwoch, 5. September 2018

Viola Galante (Avi-Music)

„Originalkompositionen für Bratsche als Solo-Instrument finden sich in der Zeit vor 1775 ausgesprochen selten“, schreiben Pauline Sachse und Phillip Schmidt im Beiheft zu dieser CD. Unterstützt durch Ludger Rémy, hat sich die Musikerin dennoch auf die Suche begeben – und durchaus lohnenswertes aufgespürt. 
„Wir wünschen Ihnen viel Freude beim Hören dieser größtenteils vergessenen Sonaten“, heißt es im Beiheft. „Ihre Ohren sind vermutlich die ersten, die ihnen seit über 250 Jahren Gehör schenken.“ 
Die einzige Sonate auf dieser CD, die nicht für die Viola, sondern für die Viola da gamba entstanden ist, stammt von Carl Philipp Emanuel Bach – allerdings hat der Komponist die „Bratschen-Version“ eigenhändig autorisiert. Sie unterscheidet sich vom Original ohnehin nur durch Oktavierungen von Tönen, die für die Bratsche zu tief liegen, in zwei Takten. 
Die frühesten publizierten Kompositionen für Bratsche in England stammen von William Flackton (1709 bis 1798), im Hauptberuf Buchhändler. Er hatte festgestellt, dass für die Bratsche Literatur fehlt – und gleich selbst vier Sonaten geschrieben. Eine davon ist auf dieser CD zu hören. 
Die vier nachfolgenden Werke erklingen in Weltersteinspielungen. Die erste dieser Sonaten stammt von Giorgio Antoniotto (vermutlich 1692 bis 1776). Er stammte aus Mailand, und könnte sich einige Jahre in den Niederlanden und in London aufgehalten haben. Überliefert sind von ihm vor allem Werke für das Violoncello; in der Library of Congresss in Washington fanden sich aber auch Manuskripte von zwei Bratschen- sonaten. Eine davon wird von Julia Sachse und Andreas Hecker vorgestellt; sie erscheint insbesondere aufgrund ihrer mitunter kühnen Harmonik reizvoll. 
Franz Benda (1709 bis 1786) wirkte als Geiger am Hofe Friedrich des Großen; ab 1771 war er Konzertmeister des musikliebenden Königs. Er komponierte fast ausschließlich für die Violine – allerdings hat er auch zwei Bratschensonaten geschrieben. Abschriften befinden sich im Notenarchiv der Sing-Akademie zu Berlin. Sie sind auf dieser CD beide zu hören. 
Last but not least erklingt ein Trio von Christlieb Siegmund Binder (1723 bis 1789). Dieser Musiker war Cembalist und Komponist am Dresdner Hof. Nach 1764 wirkte er dort als Organist an der katholischen Hofkirche. Seine Werke bieten insbesondere dem Cembalisten einen attraktiven Part – das Tasteninstrument ist hier nicht Begleiter, sondern ebenfalls Solist, und setzt im Wechselspiel mit der Bratsche durchaus eigene Akzente. 
Julia Sachse und Andreas Hecker musizieren souverän und mit enormer Spielfreude; es ist ein Vergnügen, ihnen zuzuhören. Für diese Einspielung haben die beiden Musiker bewusst historische Instrumente und eine historische Stimmung verwendet: Die Viola hat Giovanni Paolo Maggini 1610 in Brescia angefertigt; Sachse spielt sie hier mit Darmsaiten und mit einem Bogen nach spätbarocken Vorbildern aus der Werkstatt von Thomas Gerbeth. Andreas Hecker spielt ein Cembalo nach einem Instrument von Michael Mietke, gebaut von Bruce Kennedy 2000 in Amsterdam. Gestimmt wurde auf 415 Hz und nach Neidhardt („für eine große Stadt“). Dies bringt tatsächlich eine recht deutlich wahrnehmbare Tonartencharakteristik und damit zusätzliche Farbe in ein ohnehin ziemlich abwechslungsreiches Programm. Wer den sonoren Klang der Bratsche liebt, der sollte diese CD unbedingt anhören – vom ersten bis zum letzten Ton gelungen! 

Montag, 27. April 2015

Thomas Hecker Oboe (Genuin)

Die erste CD ist ein ganz besonderer Meilenstein in der künstlerischen Biographie eines Musikers. „Wie wahrscheinlich viele Debütanten bin ich die CD sehr ambitioniert und idealistisch angegangen“, meint Thomas Hecker. Der Oboist, Ge- winner des Deutschen Musikwett- bewerbs 2008 und mittlerweile Solo-Oboist des Deutschen Symphonie-Orchesters Berlin, hat durch seine souveräne Programmgestaltung dafür gesorgt, dass diese CD auch für den Hörer zu einem Ereignis wird. Hecker kombiniert Barock und Moderne, Ernsthaftes und Unterhaltsames – von Vivaldi bis Berio, von Couperin bis Yun und von Telemann bis Jackman. Der junge Oboist musiziert mit schönem, wandlungsfähigen Ton und feinem Gespür für Nuancen. Unterstützt wird Hecker dabei von Aleke Alpermann und Mischa Meyer, Violoncello, Michael Metzler, Tambourin, Michael von Schönermann, Fagott und Raphael Alpermann, Cembalo. Das Ergebnis: Kammermusik vom Allerfeinsten! 

Freitag, 3. Mai 2013

Duo - Trio - Quartett (Avi-Music)

Eigentlich müsste diese CD "Trio - Duo - Quartett" heißen. Bei diesen Aufnahmen handelt es sich um Mitschnitte von einem ungewöhn- lichen Festival an einem ebenso außergewöhnlichen Ort: "Spannun- gen: Musik im Kraftwerk Heim- bach" findet seit 1998 alljährlich im Juni in einem Wasserkraftwerk statt.
Dabei handelt es sich um ein architektonisch wie technisch überaus beeindruckendes Gebäude, 1904 im Jugendstil errichtet - eine Kathedrale des Fortschrittes in der Eifel, idyllisch gelegen am Ufer eines Stausees. Dort wird zwischen den großen Turbinen die Bühne aufgebaut, auf der dann die Musiker agieren. Und wer diese Mitschnitte aus dem Jahre 2011 angehört hat, der wird bestätigen, dass auch das Motto für diese "Bürgerinitiative für Kammermusik" treffend gewählt ist. 
Zu hören sind Veronika Eberle, Violine, Marie-Elisabeth Hecker, Violoncello, und Martin Helmchen, Klavier, mit einer ebenso kraft- wie geistvollen Interpretation des Klaviertrios B-Dur von Joseph Haydn. Insbesondere Helmchen bezaubert mit seinem eleganten Klavierpart. 
Tanja Tetzlaff und Alois Posch spielen ein Duo für Violoncello und Kontrabass von Gioachino Rossini. Der Komponist hatte es einst für den Kontrabass-Virtuosen Domenico Dragonetti (1763 bis 1841) und dessen Partner, den Cellisten Robert Lindley, geschaffen. So vereint das Werk hohe Ansprüche an die Virtuosität der beiden Solisten und unerwartet dramatische Passagen - ein Salonstück ist das jedenfalls nicht. 
Antje Weithaas und Christian Tetzlaff, Violine, Rachel Roberts, Viola, und Tanja Tetzlaff, Violoncello, sind abschließend mit einer berük- kend intensiven Einspielung von Franz Schubers Streichquartett Der Tod und das Mädchen zu erleben. Diese Mitschnitte zeugen durchweg vom exzellenten musikalischen Niveau des Festivals - und wer die Chance dazu hat, der sollte die Konzerte dort unbedingt besuchen. Es lohnt sich!