Mit dieser CD tritt Countertenor Valer Barna-Sabadus gegen das Kritikerurteil an, die höfische Musik des 18. Jahrhunderts sei gekünstelt und verstaubt. "Mit Johann Adolph Hasse habe ich einen noch zu Lebzeiten hoch- verehrten Komponisten gewählt, der heutzutage allerdings zu Unrecht in Vergessenheit geraten ist", schreibt der junge Sänger im Beiheft. "Seine Musik wieder zu entdecken, reizte mich vor allem wegen der spannungsreichen Verbindung von Händelscher Dramatik und der instrumentalen Virtuosität eines Vivaldi."
So wirkte Barna-Sabadus bei der Wiederentdeckung von Hasses Oper Didone abbandonata am Münchner Prinzregententheater mit. Aus dieser Produktion, die hier im Blog bereits vorgestellt wurde, ging auch sein Debüt-Album hervor. Darauf sind noch einmal die ebenso virtuosen wie ausdrucksstarken Arien, die Hasse für die Figur des Iarba (und für Venturo Rocchetti, erster Soprankastrat der Dresdner Hofoper) komponiert hat, zu hören. Zusätzlich singt der Countertenor die Solokantate La Gelosia, die Hasse 1762 für den Wiener Hof ge- schrieben hat, sowie eine Einlage-Arie, verfasst von Porpora 1734 in London für ein Pasticcio zu Hasses Oper Artaserse. Gesungen hat diese "Koffer-Arie" damals der berühmte Farinelli.
Valer Barna-Sabadus überzeugt durch seinen frische, bewegliche und gut geführte Stimme, die durch eine fundierte Tiefe, vor allem aber durch eine unglaubliche Höhe begeistert. Der Sänger wird einmal mehr versiert von der Hofkapelle München unter Michael Hofstetter begleitet.
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Sonntag, 5. Mai 2013
Mittwoch, 17. April 2013
Hasse: Didone abbandonata (Naxos)
Johann Adolph Hasse (1699 bis 1783) schrieb Didone abbando- nata 1742 anlässlich des Geburts- tages des polnischen Königs und sächsischen Kurfürsten August III. Die Oper erzählt die Geschichte der Didone, der verwitweten Königin von Karthago, die, von Enea ver- lassen und von dem afrikanischen König Iarba bedrängt, letztendlich in den Tod geht.
Das Werk ist insofern eine Rarität, als es auf das lieto fine, das für die Opera seria doch recht typisch ist, verzichtet - Textdichter Pietro Metastasio wagte sich hier einmal an einen tragischen Schluss.
Hasse war mit dem Dichter eng befreundet, und vertonte etliche seiner Libretti. Die beiden Künstler hatten sich in Italien kennen- und schätzengelernt, wo Hasse, der Sohn eines Organisten aus Bergedorf bei Hamburg, von 1722 bis 1725 bei Nicola Porpora und Alessandro Scarlatti seine musikalische Ausbildung vervollständigte. In Neapel begann dann Hasses Karriere als Opernkomponist, die ihn schließlich als Hofkapellmeister nach Dresden führte. In Neapel heiratete Hasse auch die Sängerin Faustina Bordoni.
Für diese Sopranistin, die in ganz Europa gefeiert wurde, komponierte Hasse die Partie der Didone - es ist also eine schwierige Aufgabe, die die junge Sängerin Theresa Holzhauser achtbar meistert. Valer Barna-Sabadus ist in der Rolle des Iarba zu hören. Der junge Countertenor hat die halsbrecherischen Koloraturen des afrikanischen Königs bereits auf seiner Solo-CD "Hasse reloaded" vorgetragen - hier singt er sie noch einmal, live, ebenso souverän und nun ergänzt auch um die Rezitative. Wie er in seiner letzten Arie buchstäblich in den Trümmern steht, siegreich, und doch statt eines Triumphgesanges ein Klagelied anstimmt, das ist großes Kino.
Die Partie des Enea übernahm Flavio Ferri-Benedetti, ebenfalls ein Countertenor. Dieser Held wird durch Hasses Musik entblättert, er erweist sich als ein Feigling und als eitler Gockel; der Sänger macht dies auch hörbar. Selene, die Schwester Didones, singt Magdalena Hinterdobler. Araspe, den Vertrauten Iarbas, singt Maria Celeng. Und als Osmida, Didones machtgieriger General, der zu Iarba überläuft, ist der Bariton Andreas Burkhart zu hören.
Lautes Gepolter erinnert den Zuschauer daran, dass es sich bei dieser Aufnahme um einen Live-Mitschnitt handelt. Die Inszenierung dürfte, wenn man die Bühnengeräusche recht interpretiert, wohl ziemlich bewegungsintensiv gewesen sein. Den Opernfreund wird das nicht weiter stören, denn Didone abbandonata war gut 240 Jahre lang überhaupt nicht auf der Bühne präsent. Und es war eine Hochschul- aufführung der Bayerischen Theaterakademie August Everding 2011 im Prinzregententheater München, der wir die Wiederentdeckung dieses Werkes verdanken. Insofern sind kleine Schwächen einiger Sänger absolut zu entschuldigen.
Begleitet werden die jungen Gesangssolisten durch die Hofkapelle München unter der Leitung von Michael Hofstetter. Den Einsatz des Orchesters kann man nicht genug loben - nicht nur, weil es phantas- tisch spielt. Rüdiger Lotter, der Konzertmeister dieses Ensembles, hatte die Oper aufgespürt, und die Hasse-Gesellschaft München war dabei behilflich, das Notenmaterial nach der Handschrift, die sich in Venedig befindet, für eine Aufführung verfügbar zu machen. Besten Dank dafür - und vielleicht inspiriert diese Einspielung ja dazu, auch die anderen Opern Hasses auf die eine oder andere Bühne zu bringen. Das wäre wirklich wünschenswert.
Das Werk ist insofern eine Rarität, als es auf das lieto fine, das für die Opera seria doch recht typisch ist, verzichtet - Textdichter Pietro Metastasio wagte sich hier einmal an einen tragischen Schluss.
Hasse war mit dem Dichter eng befreundet, und vertonte etliche seiner Libretti. Die beiden Künstler hatten sich in Italien kennen- und schätzengelernt, wo Hasse, der Sohn eines Organisten aus Bergedorf bei Hamburg, von 1722 bis 1725 bei Nicola Porpora und Alessandro Scarlatti seine musikalische Ausbildung vervollständigte. In Neapel begann dann Hasses Karriere als Opernkomponist, die ihn schließlich als Hofkapellmeister nach Dresden führte. In Neapel heiratete Hasse auch die Sängerin Faustina Bordoni.
Für diese Sopranistin, die in ganz Europa gefeiert wurde, komponierte Hasse die Partie der Didone - es ist also eine schwierige Aufgabe, die die junge Sängerin Theresa Holzhauser achtbar meistert. Valer Barna-Sabadus ist in der Rolle des Iarba zu hören. Der junge Countertenor hat die halsbrecherischen Koloraturen des afrikanischen Königs bereits auf seiner Solo-CD "Hasse reloaded" vorgetragen - hier singt er sie noch einmal, live, ebenso souverän und nun ergänzt auch um die Rezitative. Wie er in seiner letzten Arie buchstäblich in den Trümmern steht, siegreich, und doch statt eines Triumphgesanges ein Klagelied anstimmt, das ist großes Kino.
Die Partie des Enea übernahm Flavio Ferri-Benedetti, ebenfalls ein Countertenor. Dieser Held wird durch Hasses Musik entblättert, er erweist sich als ein Feigling und als eitler Gockel; der Sänger macht dies auch hörbar. Selene, die Schwester Didones, singt Magdalena Hinterdobler. Araspe, den Vertrauten Iarbas, singt Maria Celeng. Und als Osmida, Didones machtgieriger General, der zu Iarba überläuft, ist der Bariton Andreas Burkhart zu hören.
Lautes Gepolter erinnert den Zuschauer daran, dass es sich bei dieser Aufnahme um einen Live-Mitschnitt handelt. Die Inszenierung dürfte, wenn man die Bühnengeräusche recht interpretiert, wohl ziemlich bewegungsintensiv gewesen sein. Den Opernfreund wird das nicht weiter stören, denn Didone abbandonata war gut 240 Jahre lang überhaupt nicht auf der Bühne präsent. Und es war eine Hochschul- aufführung der Bayerischen Theaterakademie August Everding 2011 im Prinzregententheater München, der wir die Wiederentdeckung dieses Werkes verdanken. Insofern sind kleine Schwächen einiger Sänger absolut zu entschuldigen.
Begleitet werden die jungen Gesangssolisten durch die Hofkapelle München unter der Leitung von Michael Hofstetter. Den Einsatz des Orchesters kann man nicht genug loben - nicht nur, weil es phantas- tisch spielt. Rüdiger Lotter, der Konzertmeister dieses Ensembles, hatte die Oper aufgespürt, und die Hasse-Gesellschaft München war dabei behilflich, das Notenmaterial nach der Handschrift, die sich in Venedig befindet, für eine Aufführung verfügbar zu machen. Besten Dank dafür - und vielleicht inspiriert diese Einspielung ja dazu, auch die anderen Opern Hasses auf die eine oder andere Bühne zu bringen. Das wäre wirklich wünschenswert.
Samstag, 6. November 2010
Weihnachten am Münchner Hof (Oehms Classics)
Die Hofkapelle München, 1992 wiedergegründet und seit 2009 geleitet von dem Barockgeiger Rüdiger Lotter, hat sich der Erschließung von Werken aus der reichen süddeutschen Musik- tradition verschrieben. Das meint sowohl die italienische geprägte Musik am Hofe der Wittelsbacher, als auch die der Mannheimer Schule.
Mit dieser CD stellt das Ensemble Werke vor, wie sie am Münchner Hof in der Weihnachtszeit zum Anfang des 18. Jahrhunderts erklungen sein könnten. Besonderes Bonbon: Drei Weihnachtslieder nebst Passacaglia D-Dur von Esaias Reusner (1636 bis 1679), der als erster bedeutender deutscher Komponist für die Laute gilt.
Doch auch die anderen Werke, die für die CD ausgewählt wurden, verbreiten besinnliche Stimmung - vom Concerto C-Dur, op. 5 Nr. 5 von Evaristo Felice Dall'Abaco, mit der wunderbar gespielten Solo- Oboe von Stefan Schilli, über die Sonate Nr. 3 h-Moll "Die Geburt Jesu Christi" aus den Mysteriensonaten von Heinrich Ignaz Franz Biber, vorgetragen von Rüdiger Lotter, Violine, mit Olga Watts, Truhen- orgel, Bachs Orchestersuite Nr. 3 D-Dur BWV 1068, und das traum- haft schöne Concerto pastorale von Johann Christoph Pez mit Eva Fegers und Anne-Suse Enßle, Blockflöten, bis hin zum Concerto grosse g-Moll, op. 8 Nr. 6 von Giuseppe Torelli, auch als Weihnachts- konzert bekannt, mit Rüdiger Lotter und Susanne Schütz, Solo-Violi- ne. Barocker Wohlklang für Genießer - wer eine eher ruhige, aber doch stimmungsvolle CD zum Fest sucht, dem sei diese sehr empfoh- len.
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