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Freitag, 20. Dezember 2019

Ein musikalisches Gipfeltreffen 1503 (Musikmuseum)

In den Jahren 1502 bis 1504 reiste Philipp von Österreich, genannte „der Schöne“, mit seinem Hofstaat von Spanien über Frankreich nach Brüssel. Dabei stattete er 1503 seinem Vater, Kaiser Maximilian, in Innsbruck einen Besuch ab. Das war ein großes Ereignis und ging wie jeder Staatsakt mit Turnieren, Jagden, allerlei Feierlichkeiten und natürlich auch Gottesdiensten einher. Bekannt ist, dass am 17. September 1503 die Hofkapellen beider Herrscher gemeinsam ein Hochamt in der Innsbrucker St. Jakobs-Pfarrkirche gestalteten. Auch in den nachfolgenden Tagen musizierten sie mehrfach zusammen. 
Und das war ohne Zweifel ein musikalisches Gipfeltreffen – denn die beiden Hofkapellen gehörten zum Besten, was das Abendland seinerzeit zu bieten hatte. So reisten mit Philipp 39 Musiker, darunter elf Trompeter, und zusätzlich Kapellknaben. Auch Maximilian beschäftigte zahlreiche Könner ihres jeweiligen Faches. 
Welche Wirkung es auf das Publikum hatte, wenn sie gemeinsam musizierten, davon vermittelt diese CD einen ungefähren Eindruck. Denn die Capella de la Torre unter Leitung der Oboistin Katharina Bäuml hat sich an eine Rekonstruktion der Feierlichkeiten gewagt. Als Schauplatz dafür wurde die Hofkirche Innsbruck ausgewählt, auch wenn sie damals noch nicht stand – aber sie ist heute der einzige verbliebene Renaissance-Sakralbau der Stadt, und dort befindet sich auch die älteste erhaltene Orgel Österreichs. Zentrale Werke der Einspielung sind insbesondere die Missa Virgo Prudentissima von Heinrich Isaac und die Missa pro fidelibus defunctis von Pierre de la Rue; die beiden Musiker waren Mitglieder der beteiligten Hofkapellen. 
„Wie in einem Zeitraffer lassen wir die knapp vier Wochen von September bis Oktober 1503 Revue passieren“, berichtet das Beiheft: „Auf den Einzug der Fürsten mit ihrem Hofstaat und ihren Kapellen folgt der feierliche Gottesdienst, ein Bankett mit ausgelassener Tafelmusik schließt sich an und das Requiem für Hermes Sforza bildet den Schlusspunkt der Festlichkeiten. Wir haben versucht, einen möglichst vielfältigen Eindruck von der Klangpracht eines außergewöhnlichen, musikhistorisch denkwürdigen Ereignisses der Hochrenaissance zu geben. Dazu sind unterschiedliche Klanggruppen aufgeboten: Eine ,Alta Capella' mit Blasinstrumenten der Zeit, Singknaben und hervorragende Gesangssolisten.“ 
Die Capella de la Torre musiziert daher gemeinsam mit den Sängern Kai Wessel, Bernd-Oliver Fröhlich, Harry van Berne und Matthias Lutze sowie den Wiltener Sängerknaben, einem Innsbrucker Knabenchor, dessen Geschichte bis ins 13. Jahrhundert zurück reicht. Die Einspielung entführt den Hörer in die Klangwelt des Innsbrucker Hofes unter Kaiser Maximilian, und sie beeindruckt noch heute durch ihre enorme Klangpracht. Überwältigend! 

Freitag, 25. Oktober 2019

War & Peace - 1618:1918 (Deutsche Harmonia Mundi)

Andreas Hammerschmidt neben Friedrich Hollaender, Samuel Scheidt und Heinrich Schütz neben Hanns Eisler – auf dieser Doppel-CD bringt die Lautten Compagney höchst unterschiedliche Musikstücke zusammen. Zwei Jahreszahlen verbinden die Zeithorizonte: 1618 begann der Dreißigjährige Krieg, und 1918 endete der Erste Weltkrieg. Beide verwüsteten ganze Regionen Europas und brachten die Menschen in Not und Elend. 
„Angst“, „Katastrophe“, „Vergäng- lichkeit“ und „Sehnsucht“ stehen als Überschriften über den vier Kapiteln, in denen die Musiker um Wolfgang Katschner sowohl Barockmusik als auch Klänge aus dem frühen 20. Jahrhundert miteinander kombiniert haben. Sopranistin Dorothee Mields gibt sowohl den Klageliedern als auch der Hoffnung auf Frieden und auf ein friedvolles Leben Stimme. Sie singt ergreifend und berührend, wobei mir ihr engelsreiner Gesang freilich besser zu den barocken Melodien zu passen scheint als zu den doch oft recht ruppigen Liedern aus dem Berlin der 20er Jahre. Großartig sind die Arrangements von Bo Wiget und Ensembleleiter Wolfgang Katschner. Eisler, Hollaender und Satie in frühbarockem Klanggewand - das ist sehr spannend. 

Mittwoch, 10. Oktober 2012

Isaac: Ich muss dich lassen (Ricercar)

Über Kindheit und Jugend von Heinrich Isaac wissen wir nur, dass er sie in Flandern verbracht hat. Selbst sein Geburtsjahr ist uns unbekannt. Die erste Spur, die er hinterlassen hat, stammt aus dem Jahre 1484. Sie belegt eine Zahlung an "Haynrichen ysaac Componist", geleistet in Innsbruck am Hofe Sigismunds von Österreich. 
Wenig später scheint der Musiker in Florenz eingetroffen zu sein, wo er als Sänger am Dom wirkte. Als der Chor 1493 auf Betreiben Savonarolas aufgelöst wurde, nahm Piero de'Medici den Komponisten in seine Dienste. 
Doch als die Medici 1494 aus Florenz vertrieben wurden, verlor Isaac seinen Mäzen. Er wandte sich nach Pisa, wo der König und spätere Kaiser Maximilian I. auf ihn aufmerksam wurde. 1497 ernannte er Isaac zu seinem Hofkomponisten. Damit war er übrigens der erste Musiker, von dem belegt ist, dass er ausschließlich zum Komponieren engagiert wurde. Maximilian versprach sich davon faszinierende, einzigartige Klänge, um Glanz und Ruhm des Wiener Hofes zu mehren. Offenbar war er mit dem Schaffen Isaacs zufrieden, denn der Kaiser behielt den Komponisten bis ans Ende seiner Tage im Dienst.
Und obendrein kehrten die Medici wieder nach Florenz zurück, wo Isaac noch immer einen Großteil seiner Zeit verbrachte, so er nicht den Kaiser auf Reisen begleiten musste; Giovanni de'Medici wurde 1513 als Leo X. Papst. Ihr früherer Hauskomponist gratulierte mit einer Motette. Die Medici verstanden - und setzten Isaac eine Pension aus.
Im Herbst 1516 erkrankte der Musiker; am 26. März 1517 starb er. Wie groß seine Bedeutung war, das lässt sich daran ermessen, dass trotz der langen Zeitspanne bis zum heutigen Tage eine Vielzahl seiner Werke überliefert ist. Das deutet darauf hin, dass sie sehr oft abgeschrieben wurden. Und auch Isaacs Schüler, allen voran Ludwig Senfl, pflegten sein Werk mit einer Hingabe, die uns verrät, wie sehr sie ihren Lehrer verehrt haben müssen. 
Die vorliegende CD gibt uns Einblick in das Schaffen des Komponisten. Dirk Snellings hat seine Werke und auch einige seiner Zeitgenossen den Lebensstationen Flandern - Florenz - Wien, Innsbruck, Augsburg zugeordnet. Unter seiner Leitung musizieren die Capilla Flamenca und das Bläserensemble Oltremontano. Die Sänger und Instrumenta- listen erfreuen mit Sachverstand und brillantem Vortrag. So lassen sie die enorme Klangpracht, mit der sich große und kleine Herrscher seinerzeit umgeben haben, erahnen. Grandios!