Posts mit dem Label Mields werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label Mields werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

Mittwoch, 11. August 2021

Listen to our cry (Ars Produktion)


 Diese CD ist besonders, das zeigt schon ein Foto von der Aufnahmesituation im Innenteil: Musiker, die mit Mund-Nase-Maske am Pult sitzen. Werke von fünf Komponisten, die ihre Heimat verlassen haben, um künstlerisch tätig zu sein. Musik, die Einflüsse aus unterschiedlichsten Kulturen verknüpft – und damit oftmals auch Konflikträume aufzeigt. Ein Trompeter aus Deutschland, der ein Schofar bläst, das ihm der israelische Pianist und Komponist Benjamin Jussupow geschenkt hat. 

Angesichts der aktuellen woken Trends am Weltanschauungsmarkt zuckt man kurz zusammen und fragt sich: Ja, darf der denn das? Oder ist das etwa schon kulturelle Aneignung?? Unsere Vorväter aber, die Feldherrn und Königen gern die Sopranlage zuwiesen, dürften kaum die Auffassung teilen, dass Hautfarbe, Geschlecht und Herkunft für die Vergabe von Rollen ein entscheidendes Kriterium darstellen. Über die Saturiertheit, Verklemmtheit und Verblendung der modernen Gesellschaft würden sie vermutlich ein homerisches Gelächter anstimmen. 

Freiheit ist auch das zentrale Motiv der Musiker, die zu dem vorliegenden Album beigetragen haben. Schon die Liste der Instrumente, die Reinhold Friedrich für diese Einspielung genutzt hat, führt einmal rings um die Welt. Benjamin Jussupow vereint in seinem Stück Listen to our cry Motive aus der jüdischen, der christlichen und der muslimischen Tradition. Ivan Fischer kombiniert in seiner Kantate Die Stimmen der Geister jiddische und deutsche Texte und Klänge. 

Giya Kancheli stellt in Night Prayers die Erinnerung an seine im Bürgerkrieg zerstörte Heimat Georgien neben ein Echo der westlichen Welt, abgespielt vom Tonband. Alan Hovhaness, geboren in den USA, nimmt in Haroutioun Bezug auf armenische Traditionen. Luca Lombardi, geboren und aufgewachsen in Italien, hat 2008 die israelische Staatsangehörigkeit angenommen. Er lebt heute in beiden Ländern, und sein Stück predah (Hebräisch für Abschied/Trennung) entstand 2014 im Andenken an den verstorbenen Dirigenten Claudio Abbado. 

Die Trompete vereint all diese verschiedenen Stimmen; Reinhold Friedrich führt in seinem Spiel die unterschiedlichen musikalischen Welten zusammen. Er musiziert gemeinsam mit dem Georgischen Kammerorchester Ingolstadt unter Leitung von Ruben Gazarian. Den Klavierpart in Jussupows Konzert spielt Eriko Takezawa, und die Kantate singt Dorothee Mields. 


Montag, 26. Juli 2021

Handel: Messiah (Accentus)


 Noch immer gehört Händels Messias zu den Hits des Repertoires. Das Oratorium erfreut sich beim Publikum und bei Musikern weltweit nach wie vor einer ungebrochenen Popularität; auch Einspielungen gibt es davon massenhaft. Dennoch hat Hans-Christoph Rademann mit Chor und Orchester der Gaechinger Cantorey der langen Reihe von Schallplatten und CD eine eigene Interpretation hinzugefügt. Anders als heute gebräuchlich, entschied sich der Dirigent für die Version des vielfach umgearbeiteten Werkes, die einst 1742 bei der Uraufführung in Dublin erklungen ist. 

Die großen Chöre Georg Friedrich Händels lässt er von einer kleinen Besetzung singen – gerade einmal fünf Sängerinnen und Sänger gehören jeder Stimmgruppe der Gaechinger Cantorey an; nur beim Bass, dem Fundament des Chorklanges, sind es sieben. Statt Wucht haben die Chöre bei Rademann ganz klare Strukturen. Jede Verzierung ist sauber ausgeführt, und auch die rasantesten Koloraturen fließen synchron, dass man nur staunen kann. Die Tempi sind zumeist flott, und auch die Rhythmen sind klar herausgearbeitet, was mitunter beinahe tänzerisch wirkt. 

Für die Arien konnte Rademann ein ebenso exzellentes Solistenquartett aufbieten. Es singen Dorothee Mields, Benno Schachtner, Benedikt Kristjánsson und Tobias Berndt. Auch hier ist nichts dem Zufall überlassen; Rademanns Interpretation steht dem Belcanto allerdings wahrscheinlich näher, als das Puristen der „Alten“ Musik gefallen wird. Mich überzeugt seine Lesart. So erscheinen die Arien oftmals von großer Innigkeit, was mich sehr berührt hat. Diese Aufnahme ist insgesamt ausgesprochen hörenswert, meine unbedingte Empfehlung! 


Samstag, 10. Juli 2021

Bach: Eternity / Praise (Deutsche Harmonia Mundi)

 


Nach den Lutherkantaten, denen sich Christoph Spering mit seinen Ensembles Chorus Musicus Köln und Das Neue Orchester zum Reformationsjahr 2017 zugewandt hatte, sind mittlerweile bei der Deutschen Harmonia Mundi die beiden nächsten Doppel-CD mit Kompositionen Johann Sebastian Bachs aus dem Choralkantaten-Jahrgang 1724/25 erschienen. 

Eternity enthält O Ewigkeit, du Donnerwort BWV 20, Wer nur den lieben Gott lässt walten BWV 93, Ach Gott, wie manches Herzeleid BWV 3, Meine Seele erhebt den Herrn BWV 10, Du Friedefürst, Herr Jesu Christ BWV 116 und Meinen Jesum lass ich nicht BWV124. Das neuere Album mit dem Titel Praise fasst auf ebenfalls zwei CD die Kantaten Lobe den Herren, den mächtigen König BWV 137, Wachet auf, ruft uns die Stimme BWV 140, Ach wie flüchtig, ach wie nichtig BWV 26, Jesu, nun sei gepreiset BWV 41, Mache dich, mein Geist bereit BWV 115, und Christus, der ist mein Leben BWV 95 zusammen. 

Bach-Einspielungen gibt es viele. Diese hier kann mit exzellenten Solisten begeistern. Zu hören sind Dorothee Mields, Sopran, Olivia Vermeulen, Alt, Georg Poplutz und Benedikt Kristjánsson, Tenor, sowie Daniel Ochoa und Tobias Berndt, Bass. Textausdeutung ist allerdings nicht die Stärke dieser Aufnahme; Spering verzichtet darauf, die rhetorischen Qualitäten der Musik herauszuarbeiten. Ich hatte mir mehr erhofft; schade! 


Freitag, 20. November 2020

Telemann (Accent)


Einmal mehr widmet sich Dorothee Mields dem Werk Georg Philipp Telemanns. Gemeinsam mit dem Blockflötisten Stefan Temmingh, Domen Marinčič, Viola da gamba, Daniel Rosin, Barock-Violoncello, und Wiebke Weidanz, Cembalo, hat die Sopranistin für diese Aufnahme bei Accent ein höchst ansprechendes Programm zusammengestellt. Neben drei Solo-Kantaten aus dem Jahrgang 1725/26, im Druck erschienen unter dem Titel Harmonischer Gottesdienst, haben die Musiker dafür auch eine Sonatine sowie drei Triosonaten ausgewählt. Diese musikalisch sehr abwechslungsreichen Stücke, von den Instrumentalisten virtuos prädentiert, erweisen sich als hochkarätige Fassung für die bewusst kurz und prägnant gehaltenen Kirchenkantaten, die dennoch bis zum heutigen Tage als Juwelen des Repertoires gelten können. Bravi! 

Sonntag, 6. September 2020

Schütz: Schwanengesang (Carus)

Der Residenzstadt Dresden war Heinrich Schütz (1585 bis 1672) eng verbunden. Und es waren auch Dresdner, die das Schaffen des langjährigen kursächsischen Hofkapellmeisters aus Archiven wieder zurück in das Bewusstsein der musikliebenden Öffentlichkeit gerückt haben. Heinrich Schütz, ein Schüler von Giovanni Gabrieli, gilt als „Vater der modernen deutschen Musik“. Ebenso wie Scheidt und Schein – deshalb bekannt als „die drei großen Sch“ der miktteldeutschen Musikgeschichte – integrierte er Innovationen aus Italien in die deutsche Musiktradition. Seine Kompositionen begeistern noch heute, denn Schütz ist Meister darin, Texte mit dem Medium Musik auszudeuten. 
Die Neue Schütz-Ausgabe begann in den 50er Jahren, die Werke des Komponisten aus quellenkritischer Perspektive wieder zugänglich zu machen. In den 60er Jahren entstand zudem eine ebenso exzellente wie umfangreiche Einspielung dieser eindringlichen und zumeist geistlichen Werke, getragen vom Dresdner Kreuzchor unter Leitung des Kreuzkantors Rudolf Mauersberger und seines Nachfolgers Martin Fläming. Das wird kaum ein Zufall gewesen sein; die Kruzianer dürfte inmitten des real existierenden Sozialismus besonders der Bekenntnischarakter von Schütz‘ Musik inspiriert haben. Beteiligt an diesem Projekt war auch die Capella Fidicinia Leipzig, die auf historischen Instrumenten musizierte. 
Für damalige Verhältnisse war das außergewöhnlich. Veröffentlich wurde die Einspielung einst bei dem DDR-Label Eterna – man staunt noch heute darüber, wie unter dem Etikett der Pflege des kulturellen Erbes im Arbeiter- und Bauernstaat eine solche Edition möglich war. 
Dann war es der Musikhistoriker Wolfgang Steude, der sich unermüdlich dafür eingesetzt hat, die Musik des Dresdner Hofes aus dem Vergessen wieder auf die Bühnen zu holen. Noch heute engagieren sich erfreulich viele Ensembles in der Elbestadt dafür. Steude baute das Dresdner Heinrich-Schütz-Archiv auf, und er war Mitherausgeber des Schütz-Jahrbuches. 
In jüngster Vergangenheit hat sich nun Hans-Christoph Rademann Schütz‘ Kompositionen zugewandt. Mit Blick auf die Veröffentlichung der Stuttgarter Schütz-Ausgabe, die beim Carus-Verlag erscheint und aufführungspraktisch orientiert ist, hat der renommierte Chordirigent mit dem Dresdner Kammerchor sowie einem handverlesenen Kreis von Gesangs- und Instrumentalsolisten seine Schütz-Gesamteinspielung gestartet. Im Juni 2019 wurde diese mit der 20. und letzten Folge abgeschlossen. 
Mit diesem Projekt verwirklicht Rademann offensichtlich ein Herzensanliegen: „Als ich im Jahre 1975 als Sängerknabe im Dresdner Kreuzchor Heinrich Schütz erstmals intensiv kennengelernt habe, hatte sich mir noch längst nicht erschlossen, welch ungeheurer Schatz diese Musik ist“, schreibt er im finalen Begleitheft. „Nun, nach Abschluss der Gesamtaufnahme mit dem Dresdner Kammerchor, unseren wunderbaren Solistinnen und Solisten sowie den Instrumentalistinnen und Instrumentalisten, bleiben ein ehrfürchtiges Staunen und eine große Dankbarkeit. Alle Mitwirkenden sind ungemein erfüllt und bereichert durch diese Meisterwerke.“ 
Schütz‘ Musik ist einzigartig. Niemand sonst hat Klang und Wort so eng miteinander verbunden: „Musik und Sprache erzeugen bei Schütz eine Welt der Bilder, die nicht nur unser Verstand aufnehmen kann“, formuliert Rademann. „So entsteht die Empfindung einer Klarheit, die man auch als eine Form der Wahrheit oder der Erkenntnis bezeichnen kann.“ 
Nach den Madrigalen und Hochzeitsmusiken, die in Folge 19 zu hören waren, versammelt die abschließende 20. Folge unter dem Titel „Psalmen und Friedensmusiken“ einerseits zum Teil großangelegte Gelegenheitskompositionen sowie Auftragswerke außerhalb des Dresdner Hofs. Andererseits erklingt sehr Persönliches wie beispielsweise der umfangreiche Klagegesang, mit dem Schütz den Tod seiner Frau Anna Magdalena betrauert. Wenn Georg Poplutz dieses Lied singt, meint man, den Komponisten selbst zu hören. 
Besonders erwähnt sei an dieser Stelle zudem die Einspielung des 119. Psalms, in Schütz‘ Todesjahr 1672 veröffentlicht, und das letzte Werk des Komponisten. Dieser sogenannte Schwanengesang, ist Schütz‘ musikalisches Testament. Auch bei diesem Werk ist Rademann eine Interpretation gelungen, die das enge Verhältnis zwischen Wort und Musik deutlich werden lässt. „Die Werke von Heinrich Schütz können uns das geben, was wir gerade in der heutigen Zeit so dringend benötigen: Konzentration, Fokussierung und Ruhe in uns selbst. Sie kann uns die Bibel neu nahebringen und verlebendigt das Wort“, so das Fazit von Hans-Christoph Rademann. „Ich wünsche Ihnen, den Hörerinnen und Hörern unserer Gesamtaufnahme, dass Sie dies für sich entdecken können.“  Dem ist nichts hinzuzufügen. Chapeau! 

Freitag, 6. Dezember 2019

Bach: Weihnachtsoratorium (Accentus)

Jauchzet, frohlocket! Johann Sebastian Bachs Weihnachts- oratorium, erstmals aufgeführt zwischen dem ersten Weihnachtsfeiertag 1734 und dem Epiphaniasfest 1735 in den beiden Hauptkirchen St. Thomas und St. Nikolai, gehört mittlerweile zu den Fundamenten der Identität und des musikalischen Erbes der Stadt Leipzig. Ohne Bachs musikalisches Meisterwerk ist ein Weihnachtfest an der Pleiße kaum vorstellbar. 
Allerdings haben musikalische Traditionen so ihre Tücken, wie man feststellen wird, wenn man die Aufnahmen anhört, die die Thomaner in der Vergangenheit vorgelegt haben. Umso erfreulicher ist es, nun zu erleben, dass Thomaskantor Gotthold Schwarz die Erbe-Pflege offenbar nicht eine lästige Verpflichtung, sondern eine Herzensangelegenheit ist. Bachs 17. Amtsnachfolger hat sehr genau in die Partitur geschaut, und lässt ebenso präzise musizieren. 
Diese Einspielung aus dem Jahre 2018 mit dem Thomanerchor und dem Gewandhausorchester Leipzig berückt nicht nur mit festlichem Glanz, sondern auch mit unendlich vielen kleinen Details, die zeigen, wie sorgfältig Schwarz arbeitet. Die Thomaner singen hinreißend, und auch das Solistenensemble beeindruckt. Unbedingte Empfehlung! 

Freitag, 25. Oktober 2019

War & Peace - 1618:1918 (Deutsche Harmonia Mundi)

Andreas Hammerschmidt neben Friedrich Hollaender, Samuel Scheidt und Heinrich Schütz neben Hanns Eisler – auf dieser Doppel-CD bringt die Lautten Compagney höchst unterschiedliche Musikstücke zusammen. Zwei Jahreszahlen verbinden die Zeithorizonte: 1618 begann der Dreißigjährige Krieg, und 1918 endete der Erste Weltkrieg. Beide verwüsteten ganze Regionen Europas und brachten die Menschen in Not und Elend. 
„Angst“, „Katastrophe“, „Vergäng- lichkeit“ und „Sehnsucht“ stehen als Überschriften über den vier Kapiteln, in denen die Musiker um Wolfgang Katschner sowohl Barockmusik als auch Klänge aus dem frühen 20. Jahrhundert miteinander kombiniert haben. Sopranistin Dorothee Mields gibt sowohl den Klageliedern als auch der Hoffnung auf Frieden und auf ein friedvolles Leben Stimme. Sie singt ergreifend und berührend, wobei mir ihr engelsreiner Gesang freilich besser zu den barocken Melodien zu passen scheint als zu den doch oft recht ruppigen Liedern aus dem Berlin der 20er Jahre. Großartig sind die Arrangements von Bo Wiget und Ensembleleiter Wolfgang Katschner. Eisler, Hollaender und Satie in frühbarockem Klanggewand - das ist sehr spannend. 

Dienstag, 31. Juli 2018

Monteverdi: La dolce vita (Deutsche Harmonia Mundi)

„Der göttliche Claudio Monteverdi, der einzigartige Meister der Harmonien, pflegte zu sagen, (..) dass die Noten, mit denen er die Worte einkleidet, alle aus jenem harmonischen Geist entstehen, der dem Text selbst innewohnt, und dass Jeder im Innern der Worte schon schweigend den Gesang vernehmen kann, wenn er nur mit der Aufmerksamkeit der Seele gut zuhört.“ 
So zitiert das Beiheft zu dieser CD Michelangelo Torcigliani, der einst den Text geschrieben hat zu einer heute verlorenen Oper von Claudio Monteverdi (1567 bis 1643). 
Diese Aufmerksamkeit der Seele richten Dorothee Mields und die Lautten Compagney unter Leitung von Wolfgang Katschner auf das Schaffen des einstigen Kapellmeisters am Markusdom in Venedig. Diese CD bietet eine wunderbare Best-of-Auswahl, wobei es den Musikern um Katschner eher darum geht, das Wesen dieser damals so kühnen Musik zu erfassen, als diese bis ins Detail korrekt historisierend vorzutragen. 
Die Lautten Compagney präsentiert Monteverdis Kompositionen schwungvoll und höchst lebendig. In Dorothee Mields fand das renommierte Ensemble dafür auch die perfekte Sängerin. Mit ihrer ausdrucksstarken, schlanken und beweglichen Stimme erweist sie sich als ideale Interpretin der berühmten Madrigale, Canzonetten, Lamenti und Psalmvertonungen. Hinreißend! 

Dienstag, 3. April 2018

Graupner: Lass mein Herz (Accent)

Schier unerschöpflich scheint der Schatz an Kantaten zu sein, den Christoph Graupner (1683 bis 1760) für Landgraf Ernst Ludwig von Hessen-Darmstadt und dessen Nachfolger geschaffen hat. 
Die Werke, die der Hofkapellmeister komponierte, sind heute nahezu vollständig in der Hessischen Landes- und Hochschulbibliothek zu finden, wo nicht zuletzt unter den mehr als 1.400 Kantaten noch so manches Juwel seiner Wieder- entdeckung harrt. Drei davon, aus Graupners frühen Jahren in Darmstadt, stellt Dorothee Mields mit dem Ensemble Harmonie Universelle auf dieser CD vor. 
Im Jahre 1711 entstanden die Kantaten Ach Gott, wie manches Herzeleid zum ersten Sonntag nach Trinitatis und Reiner Geist, lass doch mein Herz zum Pfingstsonntag. Für den dritten Sonntag nach Trinitatis bestimmt war die Kantate Verleih, dass ich aus Herzensgrund aus dem Jahre 1716. 
Die Texte schrieb Hofbibliothekar Georg Christian Lehm. Er hatte, wie Graupner, in Leipzig studiert und nebenher Libretti für die Leipziger Oper geschrieben. Leider starb er bereits 1717. Graupners Musik deutet die Texte gekonnt aus – allerdings hat er für die (Berufs-)Sängerinnen, die diese Monologe einst vorgetragen haben, nicht nur eindringliche, sondern vor allem auch ziemlich virtuose Stücke geschaffen. 
Dorothee Mields erweist sich als ideale Interpretin für Graupners Kantaten. In den Chorälen gestaltet sie mühelos weite Melodiebögen, und auch die anspruchsvollen Koloraturen, die so manche Arie fordert, gelingen ihr problemlos. Ihre Technik ist makellos; allerdings geht es der Sopranistin nicht vordergründig darum, mit Kehlfertigkeit zu glänzen. In ihrer Interpretation steht stets der Text im Mittelpunkt, und der Zuhörer darf sich freuen, denn man versteht tatsächlich auch jedes Wort. 
Das Ensemble Harmonie Universelle, geleitet von seinen Konzertmeistern Florian Deuter und Mónica Waisman, ergänzt die Kantaten noch durch die Ouvertüren Suite GWV 442, in der besonders die beiden Oboen da caccia einen herausragenden Part spielen, und durch das Concerto g-Moll GWV 334, wo zwei Violinen solistisch agieren. Es sind beides bedeutende Werke, und sie werden meisterhaft gespielt. Unbedingt anhören, diese CD lohnt sich! 

Dienstag, 19. Juli 2016

Anne Hunter's Salon - Joseph Haydn (cpo)

Dr. John Hunter (1728 bis 1793), war ein berühmter Chirurg und Anatom; er gilt als Vater der modernen Chirur- gie und der Pocken-Reihenimpfung. Seine Gattin Anne führte in London einen ebenso berühmten Salon. Sie interessierte sich für die Dichtkunst, schrieb auch selbst Verse – und inspirierte Joseph Haydn (1732 bis 1809), der in ihrem Hause offenbar ein und aus ging. 
Zwischen 1791 und 1805 schuf Haydn im Auftrag schottischer Musikverleger 426 (!) Arrangements zu vermeintlichen Volksliedern; in Wahrheit scheint es sich dabei eher um Salonmusik gehandelt zu haben. Allerdings erhielt er für diese Tätigkeit, die sehr gut bezahlt wurde, nur Melodien, wie  Ludger Rémy in seinem informativen, langen Aufsatz im Beiheft berichtet: Der Komponist mahnte mehrfach, man möge ihm doch bitte Texte mitliefern – doch diese scheinen die Verleger erst nachträglich hinzugefügt zu haben. Verwendet wurden Gedichte von Robert Burns bis zu Anne Hunter. 
Dorothee Mields, eine der führenden Interpretinnen für die Musik des
17. und 18. Jahrhunderts, stellt auf dieser CD eine Auswahl Schottischer Lieder und Englischer Canzonetten von Joseph Haydn vor. Begleitet wird die Sopranistin dabei vom Ensemble Les Amis de Philippe, insbesondere Eva Salonen, Violine, und Gregor Anthony, Violoncello, mit Ludger Rémy am Klavier – welches, erfährt man leider nicht; dafür enthält das Beiheft aber lange Passagen über London und die dort lebenden Menschen zur Zeit Haydns. 

Dienstag, 3. Mai 2016

Bach: Kantaten für Sopran-Solo (Carus)

Mit dem L’Orfeo Barockorchester unter Michi Gaigg hat Dorothee Mields Bachs Kantaten für Solo-Sopran eingespielt. Etwas erstaunt wird man feststellen, dass der Komponist für diese Besetzung offenbar gar nicht viel geschrieben hat: Die Kantate Mein Herze schwimmt im Blut BWV 199 entstand 1714 für den Hofgottesdienst in Weimar. Sie nimmt Bezug auf das Gleichnis vom Pharisäer und vom Zöllner – insbesondere auf dessen Reue und Demut. 
Ich bin in mir vergnügt BWV 204, 1725 oder 1726 in Leipzig komponiert, singt nach einem Libretto von Christian Friedrich Hunold alias Menander das Lob der Zufriedenheit, die ein genügsamer Mensch gerade dann erlangen kann, wenn er „nicht reich und groß“ ist, und „nichts nach eitlen Dingen“ fragt. Wer der Auftraggeber dieser Gelegenheitskomposition war, ist nicht bekannt. Sie ist allerdings von üppigem Umfang – was angesichts des Themas dann doch schmun- zeln lässt. 
Das dritte Werk dieser Aufnahme ist die Huldigungsarie Alles mit Gott und nichts ohn’ ihn BWV 1127, adressiert an Herzog Wilhelm Ernst von Sachsen-Gotha zu dessen 51. Geburtstag im Jahre 1713 – und durch den Bach Experten Michael Maul zufällig 2005 in Weimar entdeckt. Es ist ein hübsches Stück mit Ohrwurm-Potential; vier der zwölf Strophen sind hier zu hören. 
Dorothee Mields singt souverän, begleitet vom L'Orfeo Barockorchester mit einer Gelassenheit, die man sich von so manchem Alte-Musik-Ensemble wünschen würde. Alle Mitwirkenden haben sehr genau in ihre Noten geschaut; es wird mit Sorgfalt ausgeziert und zwar mit Präzision, aber generell in eher großen Bögen gestaltet. Den Musikern geht es bei dieser Aufnahme nicht um Geschwindigkeitsrekorde und um Originalität, und das ist auch sehr gut so. 

Dienstag, 26. April 2016

Schütz: Symphoniae Sacrae III (Carus)

Die Symphoniae sacrae III hat Heinrich Schütz (1585 bis 1672) im Jahre 1650 veröffentlicht; kurz darauf wies er seinen Dienstherrn, den sächsischen Kurfürsten Johann Georg II., in einem Memorial darauf hin, dass ihm die Kräfte schwinden, und bat, dieser möge ihn in „einen etwas geruhigeren Zustandt“ ver- setzen. Schütz war damals 65 Jahre alt, und ging daran, die Bilanz seines Lebens zu ziehen. 
In den Symphoniae sacrae. Tertia pars. bot er noch einmal auf, was Italien an Klangpracht aufzubieten hatte, ergänzt durch seine eigene unnachahmliche Kunst der Textaus- legung. Nach dem Dreißigjährigen Krieg, in dem auch die Hofkapelle einen bedrückenden Niedergang erlebt hatte, so dass Schütz sich mit kleinsten Besetzungen begnügen musste, konnte er nun wieder für eine umfangreiche Schar Favoritsänger nebst konzertierenden Instrumenten, Kapellchor und Basso continuo komponieren. Mit musikalischen Mitteln stellt Schütz auch die bewährte Ordnung wieder her – das Werk beginnt mit Der Herr ist mein Hirte, und endet mit Nun danket alle Gott
Diesem herausragenden Werk hat sich Hans-Christoph Rademann mit seinem Dresdner Kammerchor und dem Dresdner Barockorchester nun im Rahmen der Schütz-Gesamteinspielung bei Carus zugewandt. Als Favoritsänger wirken mit Dorothee Mields, Ulrike Hofbauer und Isabel Jantschek, Sopran, Maria Stosiek, Mezzosopran, David Erler und Stefan Kunath, Altus, Georg Poplutz und Tobias Mäthger, Tenor, sowie Martin Schicketanz, Bariton, und Felix Schwandtke, Bassbariton. Die Inter- pretation ist ausgesprochen farbenreich und nah am Text, das Ensemble musiziert gekonnt und ausgewogen. 

Freitag, 10. Juli 2015

Bach: Ich elender Mensch - Leipzig Cantatas (Phi)

Einmal mehr setzt Philippe Herre- weghe mit einer Veröffentlichung auf seinem Label Phi Maßstäbe. Das liegt zum einen daran, dass er für diese Aufnahme von vier Kantaten aus Bachs Leipziger Zeit nicht nur ein erlesenes Solistenquartett gewinnen konnte: Mit Dorothee Mields, Damien Guillon, Thomas Hobbs und Peter Kooij singen und musizieren die bewährten Vokalisten und Instru- mentalisten vom Collegium Vocale Gent. Zum anderen liegt ihm hörbar auch die Aussage dieser Musik am Herzen. Das Magazin Fono Forum urteilte: „Herreweghe beweist ein außerordentliches Gespür für die seel- sorgliche Dimension dieser Musik, hierin Gardiner und Koopman deutlich überlegen und Suzuki durchaus ähnlich, wenngleich noch eine Spur phi- losophischer als dieser.“ Besser kann man es nicht auf den Punkt bringen. Und als Zugabe enthält die CD obendrein die Motette Komm, Jesu, komm von Johann Schelle (1648 bis 1701), einem der Amtsvorgänger des Thomaskantors. Unbedingt anhören! 

Samstag, 27. September 2014

Schütz: Psalmen Davids (Carus)

Heinrich Schütz (1585 bis 1672) hat wie kein anderer Komponist die Kunst der venezianischen Mehrchö- rigkeit mit der lutherischen Tradition der Textauslegung verknüpft. Besonders strahlend zeigt sich diese seine Kunstfertigkeit in den Psalmen Davids. Dort verbindet er repräsen- tative Klangpracht, wie er sie in Italien bei Giovanni Gabrieli kennengelernt hat, mit der Idee der Predigt, allerdings in Musik gesetzt, denn das war das Geschäft des Kapellmeisters am sächsischen Kurfürstenhof. 
Dieses bedeutende Werk gehört auch in der Schütz-Gesamteinspielung bei Carus ohne Zweifel zu den Höhepunkten. Das liegt zum einen an den herausragenden Solisten, die in den Favoritchören musizieren. Doch auch die Kapellchöre sind nicht wirklich schwächer besetzt. Hans-Christoph Rademann gelingt es zudem, die Sänger und die Instrumentalisten des Dresdner Barockorchesters so durch die komplizierten musikalischen Strukturen zu navigieren, dass der Klang perfekt ausbalanciert bleibt, so dass die Musik zu jedem Zeitpunkt durchhörbar wirkt. An keiner Stelle entsteht Klangbrei; allen Mitwirkenden gelingt es obendrein, Emotion und Textverständlichkeit in vorbildlicher Weise zu kombinieren. Und als besonderes Sahnehäubchen erklingt das ohnehin groß besetzte Danket dem Herren, denn er ist freundlich SWV 45 hier erstmals mit einem von dem Trompeter Edward H. Tarr rekonstruierten fünfstimmigen Bläserchor nebst Pauke. So wird auch die höfische Dimension dieser Musik zum Erlebnis. 

Montag, 3. März 2014

Schütz: Kleine geistliche Konzerte I (Carus)

„Anempfohlen sei, man möge sich beim Hören in Ruhe auf einige wenige der ‚Kleinen geistlichen Konzerte‘ beschränken, vielleicht vier oder fünf – dazwischen sei genügend Raum für nachklingen- de Stille“, empfiehlt Ludger Rémy in einem Geleitwort zu dieser CD. „Denn jedes Concert ist mehr als nur reine Musik: Es ist Verkündi- gung.“ 
Es ist dies die erste CD der neuen Schütz-Gesamteinspielung bei Carus, an der Hans-Christoph Rademann nicht mitgewirkt hat. Das hat der Aufnahme nicht gut getan. Festzustellen ist: Dem Ensemble hier fehlt es klar an Führung. Denn die Kleinen geistlichen Konzerte von Heinrich Schütz beziehen ihre Ausdrucksstärke gerade aus der untrennbaren Verknüpfung von Text und Musik, sie sind Exegese mit musikalischen Mitteln. 
Dazu allerdings muss der Hörer zu allererst den Text verstehen. Das fällt nicht leicht, wenn die Instrumente die Sänger übertönen. Zu hö- ren sind hier zudem Verzierungen, die das Wort nicht unterstreichen, sondern verwischen. An solchen kleinen Details stellt man fest, dass es dieser Interpretation an Sorgfalt und Tiefgründigkeit mangelt. Empfehlen kann ich die CD daher leider nicht; mittlerweile sind eine ganze Reihe ausdrucksstärkerer Aufnahmen auf dem Markt, und wer es nostalgisch möchte, dem sei beispielsweise die „originale“ Besetzung mit Knabenstimmen aus dem Dresdner Kreuzchor ans Herz gelegt. Sie singen mit jener Eindringlichkeit, die man bei den Profis hier vermisst. Von einer „Luxusbesetzung“, so wirbt das Label, darf man wohl mehr erwarten als saubere Töne. 

Donnerstag, 15. März 2012

Bach: Missa in h-moll; Herreweghe (Phi)

Die h-Moll-Messe ist mir bislang immer wie ein Fremdkörper in Bachs  urprotestantischem Werk erschienen. Überforderte Chöre und wenig inspiriert, aber desto engagierter vortragende Sänger lassen die Beschäftigung mit Bachs "großer catholischer Messe" regelmäßig zur Qual werden - denn wer über Musik schreiben möchte, muss auch schlechte Aufnahmen bis zum bitteren Ende ertragen. So hatte ich wenig Hoffnung, als ich diese CD startete - doch schon nach wenigen Takten weicht das Ent- setzen der Faszination: Das ist Musik! 
Es ist bereits seine dritte Einspielung der h-Moll-Messe, die Philippe Herreweghe nun bei seinem eigenen Label Phi veröffentlicht. Die jahrzehntelange intensive Auseinandersetzung des Dirigenten mit Bachs Musik schuf die Grundlage für diese phantastische Aufnahme - für die ihm allerdings auch erstklassige Musiker und Sänger als Part- ner zur Verfügung standen.  
Die Solistenriege besteht aus Dorothee Mields, Hana Blažiková, Damien Guillon, Thomas Hobbs und Peter Kooij, durchweg Sänger mit reicher Erfahrung im Bereich der "Alten" Musik. Und auch das Colle- gium Vocale Gent zeigt sich bestens disponiert. Solisten wie Ripie- nisten singen berückend. So himmlisch klingt Bachs Messe also, wenn Musiker nirgends durch ihre Technik limitiert sind. 
Herreweghe kann auf einen homogenen, traumhaft schönen En- sembleklang bauen. Wie er Bachs musikalischen Strukturen zum Leben erweckt, das hätte wohl auch den Thomaskantor begeistert. Herreweghe setzt ganz auf eine textnahe Interpretation, und sie ist hier in einzigartiger Intensität gelungen. Diese herausragende Ein- spielung ist ohne Zweifel die neue Referenzaufnahme. 


Sonntag, 22. Januar 2012

Schütz: Musikalische Exequien (Carus)

Trauermusiken von Heinrich Schütz hat Hans-Christoph Rade- macher für CD 3 der Schütz-Ge- samteinspielung mit dem Dresdner Kammerchor zusammengestellt. Dabei wird das exzellente Dresdner Ensemble zusätzlich durch junge Solisten unterstützt, die dennoch durchweg sehr viel Erfahrung im Bereich der "Alten" Musik mit- bringen: Dorothee Mields, Anja Zügner, Alexander Schneider, Jan Kobow, Tobias Mäthger, Harry van der Kamp und Matthias Lutze singen Soli mit Strahlkraft, fügen sich aber ebenso selbstverständlich ins Ensemble ein. Der Dresdner Kammerchor musiziert erneut auf höchstem Niveau; an Violone und Orgel lassen sich Matthias Müller und Ludger Rémy hören. So gelingt Rademann eine Hochglanz-Auf- nahme, die in ihrer Perfektion schon fast wieder ein bisschen langwei- lig ist. Spannend ist allerdings das Repertoire - man staunt, doch diese CD enthält vier Weltersteinspielungen. Ganz offensichtlich gibt es in Schütz' Werk noch immer einige Perlen zu entdecken, die bei aller Schütz-Renaissance bislang nicht die verdiente Aufmerksamkeit be- kommen haben. 

Montag, 24. Oktober 2011

Musica Sacra - Die Zeit (K & K)

"O Ewigkeit, du machst mir bang. / O ewig, ewig ist zu lang, / hier gilt fürwahr kein Scherzen: / Drumb wenn ich diesen lange Nacht / zusampt der großen Pein betracht, / erschreck ich recht von Herzen. / Nichts ist zu finden weit und breit / so schrecklich als die Ewigkeit." So reimte einst der Wedeler Pastor Johann Rist - und brachte die Bedenken seiner Zeit- genossen in Liedform. Das Thema Zeit hatte für die Menschen des Barock, die offenbar extrem auf eine geordnete Welt fixiert waren, eine Bedeutung, die wir uns heute kaum noch vorstellen können. 
Sopranistin Dorothee Mields und die Hamburger Ratsmusik haben im Juni 2010 bei einem Konzert im Kloster Maulbronn einige Werke aus dem 17. und 18. Jahrhundert vorgestellt, die belegen, wie seinerzeit Hoffnung und Zukunft, Beharrlichkeit und Vergänglichkeit besungen wurden. Das Programm wurde von der Gambistin Simone Eckert konzipiert - und es beeindruckt, weil es einerseits wenig bekannte Werke zusammenfasst, andererseits aber auch allen Beteiligten die Gelegenheit bietet, ihr Können zu demonstrieren. Das gilt für die renommierte Sängerin, die mit ihrem klaren, schlank geführten Sopran zu überzeugen weiß, ebenso wie für Michael Fuerst am Cem- balo, Ulrich Wedemeier, Theorbe, und für Simone Eckert, Viola da gamba. Die Musiker sind im Umgang mit barocker Rhetorik versiert; der Abend muss wirklich grandios gewesen sein. Es ist daher schön, dass Josef-Stefan Kindler und Andreas Otto Grimminger auch dieses Klosterkonzert auf CD dokumentiert haben. 

Samstag, 15. Oktober 2011

Ristori: Divoti affetti alla Passione di Nostro Signore (Accent)

Bevor die Dresdner Hofkirche fertiggestellt wurde, musste sich die (katholische) Gemeinde mit einem wesentlich kleineren Raum bescheiden. Das wirkte sich auch auf die Kirchenmusik aus, denn dort war der Platz auf der Empore beschränkt. Eines der schönsten Werke, die in jenen Jahren für kleine Besetzung entstanden, wa- ren die Divoti Affetti alla Passione di Nostro Signore per uso della Reale Cappella di Dresda nel Giorna de' Venerdi e Domeniche della Quadragesima von Giovanni Alberto Ristori (1692 bis 1753). 
Ristori war der Sohn eines Schauspielers. Er kam 1715 mit der Komö- diantentruppe seines Vaters nach Dresden,  und erwarb sich bald einen Ruf als Komponist, Pianist und Organist. 1717 erhielt er daher eine Anstellung als Compositeur beim italienischen Hofschauspiel. Außerdem wurde er der Leiter der polnischen Capelle, die den König anstelle der Hofkapelle nach Polen begleitete. 1733 wurde er zum Kammerorganisten, 1746 zum Kirchen-Compositeur und 1750 zum Vizekapellmeister ernannt. Ristori schuf Werke für Kirche und Kammer gleichermaßen; auch seine Opern waren wohl sehr beliebt. Seinen Nachlass erwarb der Hof; so sind Opernpartituren Ristoris überliefert. Kirchenmusik hingegen ist kaum erhalten; die meisten dieser Werke gingen im Krieg verloren. Desto erfreulicher ist es, dass die Divoti Affetti nunmehr sogar auf CD vorliegen.
Es sind "Kammerduette für die Kirche", für Singstimmen und Basso continuo. Sie erklangen während der Nachmittagsandachten in der vorösterlichen Fastenzeit. Dorothee Mields, Sopran, und Franz Vitzthum, Alto, sowie das Ensemble Echo du Danube präsentieren diese wundervolle, eindrückliche Musik aufs Beste. Ergänzt werden die Duette durch Instrumentalstücke des Komponisten, die dieser möglicherweise für den Unterricht geschaffen hat - die Esercizi per l'Accompagnamento, die hier durch die fünf Musiker gekonnt in unterschiedlichen Besetzungen vorgestellt werden. Den Namen Ristori sollte man sich merken. Zwar stand er ganz sicher immer im Schatten berühmter Kollegen wie Hasse, Heinichen, Zelenka oder Pisendel. Doch seine Musik ist traumhaft schön, das ist wirklich eine Entdeckung. Und die Einspielung ist gelungen, ich kann sie daher sehr empfehlen.