Einmal mehr erweist sich hier Vox Luminis als eines der weltweit besten Ensembles für „Alte“ Musik. Seine Aufnahmen sind immer wieder ein Erlebnis – phänomenal!
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Montag, 3. Februar 2020
Bach Kantaten (Ricercar)
Nach ihrer hochgelobten Einspielung von Motetten der Vorfahren von Johann Sebastian Bach widmet sich das Ensemble Vox Luminis unter Leitung von Lionel Meunier nunmehr Kantaten und geistlichen Konzerten der Bach-Familie. Aus dem sogenannten Altbachischen Archiv, in dem das musikalische Wirken der Musikerdynastie Bach bewahrt wurde, wurden dafür fünf Kompositionen ausgewählt. Zu hören sind Ach bleib bei uns, Herr Jesu Christ und Herr, der König freuet sich von Johann Michael Bach (1648 bis 1694), Ich danke dir Gott von Heinrich Bach (1615 bis 1692) und Die Furcht des Herrn sowie Herr, wende dich und sei mir gnädig von Johann Christoph Bach (1641 bis 1703). Außerdem erklingt die frühe Arnstädter Fassung der Kantate Christ lag in Todesbanden BWV 4 von Johann Sebastian Bach (1642 bis 1750).
Einmal mehr erweist sich hier Vox Luminis als eines der weltweit besten Ensembles für „Alte“ Musik. Seine Aufnahmen sind immer wieder ein Erlebnis – phänomenal!
Einmal mehr erweist sich hier Vox Luminis als eines der weltweit besten Ensembles für „Alte“ Musik. Seine Aufnahmen sind immer wieder ein Erlebnis – phänomenal!
Montag, 25. November 2019
Erlebach: Complete Trio Sonatas (Ricercar)
Hoch erfreut darf ich vermelden, dass sich wieder einmal ein Ensemble dem Schaffen von Philipp Heinrich Erlebach (1657 bis 1714) zugewandt hat. Er wirkte als Kapellmeister am Hofe des Grafen von Schwarzburg-Rudolstadt. Leider ist 1735 bei einem Brand in dem thüringischen Schloss fast die gesamte musikalische Hinterlassenschaft des Komponisten vernichtet worden. Nur eine Handvoll seiner Werke sind uns erhalten geblieben, weil sie von ihm zu Lebzeiten veröffentlicht oder in Abschriften außerhalb seiner Wirkungsstätte aufgefunden wurden. Doch diese Raritäten lassen erahnen, wie groß der Verlust ist.
Auf dieser CD erklingen sechs Sonaten für Violine, Viola da gamba und Basso continuo, die Erlebach 1694 drucken lassen konnte. Wie der Komponist französische und italienische Einflüsse in seinen ganz persönlichen Stil integrierte, das ist an diesen Werken gut zu erkennen. Mit seinem Ensemble L’Achéron erweckt François Joubert-Caillet diese Raritäten liebevoll wieder zum Klingen. Sensibilität und Sorgfalt zeichnen diese Einspielung aus, die den Charme dieser Musik aufs Schönste zur Geltung bringt. Unbedingte Empfehlung!
Auf dieser CD erklingen sechs Sonaten für Violine, Viola da gamba und Basso continuo, die Erlebach 1694 drucken lassen konnte. Wie der Komponist französische und italienische Einflüsse in seinen ganz persönlichen Stil integrierte, das ist an diesen Werken gut zu erkennen. Mit seinem Ensemble L’Achéron erweckt François Joubert-Caillet diese Raritäten liebevoll wieder zum Klingen. Sensibilität und Sorgfalt zeichnen diese Einspielung aus, die den Charme dieser Musik aufs Schönste zur Geltung bringt. Unbedingte Empfehlung!
Donnerstag, 6. September 2018
Vater unser - German Sacred Cantatas (Ricercar)
Eine Kollektion protestantischer Sakralmusik aus dem 17. Jahr- hundert hat das Ensemble Clematis auf dieser CD zusammengestellt. Die Werke entstammen überwiegend der Sammlung Düben; einige davon erklingen in Weltersteinspielung. Den Gesangspart hat der Counter- tenor Paulin Bündgen übernommen.
Immer wieder staunt man, welch hohes Niveau doch die Kirchenmusik damals hatte. David Pohle (1624 bis 1695) und Johann Theile (1646 bis 1724) beispielsweise waren Schüler von Heinrich Schütz; ihre Werke sind nicht weniger beeindruckend als die bekannten geistlichen Konzerte von Johann Christoph Bach (1642 bis 1703) oder Johann Michael Bach (1648 bis 1694). Doch auch längst vergessene Komponisten wie Johann Wolf- gang Franck, der in Ansbach am Hofe und in Hamburg am Gänsemarkt-Opernhaus tätig war, der Mühlhäuser Johann Rudolph Ahle oder Heinrich Schwemmer,der als Kantor in Nürnberg an St. Sebald wirkte, überraschen mit handwerklich gelungenen, ausdrucksstarken Kompositionen.
Immer wieder staunt man, welch hohes Niveau doch die Kirchenmusik damals hatte. David Pohle (1624 bis 1695) und Johann Theile (1646 bis 1724) beispielsweise waren Schüler von Heinrich Schütz; ihre Werke sind nicht weniger beeindruckend als die bekannten geistlichen Konzerte von Johann Christoph Bach (1642 bis 1703) oder Johann Michael Bach (1648 bis 1694). Doch auch längst vergessene Komponisten wie Johann Wolf- gang Franck, der in Ansbach am Hofe und in Hamburg am Gänsemarkt-Opernhaus tätig war, der Mühlhäuser Johann Rudolph Ahle oder Heinrich Schwemmer,der als Kantor in Nürnberg an St. Sebald wirkte, überraschen mit handwerklich gelungenen, ausdrucksstarken Kompositionen.
Freitag, 29. Dezember 2017
Frescobaldi: Organ Works (Ricercar)
„Non senza fatiga si giunge al fine“ – man erreicht das Ende nicht ohne Mühsal, das notierte einst Girolamo Frescobaldi (1583 bis 1643) als Anmerkung nach dem letzten Takt seiner Toccata IX aus dem Secondo libro di Toccate, gedruckt 1627 in Rom. Bernard Foccroulle beendet mit diesem berühmten und sehr anspruchsvollen Stück seine Einspielung ausgewählter Orgelwerke des Komponisten.
Er gibt auf dieser CD einen Überblick über das Schaffen Frescobaldis, von den Messen aus den Fiori Musicali bis hin zu nahezu profanen Stücken. Dabei schließt er sogar die Vokalmusik des Komponisten mit ein; Alice Foccroulle singt drei Motetten für Sopran. Bei einer Fantasia lässt sich auch Lambert Colson auf dem Zink hören.
Abwechslungsreich ist das Programm aber nicht nur durch die geschickt ausgewählten Werke. Foccroulle stellt zugleich drei historische Orgeln vor, die zu dieser Musik hervorragend passen. So erklingt eine bezaubernde kleine Orgel, die um 1600 von einem unbekannten Orgelbauer angefertigt wurde und sich heute in der Kirche Santa Barbara in Rom befindet. Dieses Instrument, 1995 von Marco Fratti restauriert, besitzt nur acht Register, aber es fasziniert durch seine Ausdruckskraft.
Zu hören ist weiter die Orgel der Kirche San Francesco in Trevi, 1509 von Paolo di Pietropaolo da Montefalco gebaut und vom Klangideal der Renaissance geprägt. Das dritte Instrument befindet sich in der Chiesa di Santa Maria Annunziata in Cerreto di Spoleto. Es soll 1580 von Ascanio Belforti errichtet worden sein und wurde 1620 von Armodio Maccioni erweitert. Beide Orgeln hat Claudio Pinchi restauriert.
Sie klingen jeweils sehr charakteristisch, und Foccroulle setzt die verfügbaren Register versiert ein, um Frescobaldis Musik aufs Beste zu gestalten. Er musiziert mit einer Leichtigkeit, über die man nur staunen kann. So erweist sich diese CD rundum als Hörgenuss. Hinreißend!
Er gibt auf dieser CD einen Überblick über das Schaffen Frescobaldis, von den Messen aus den Fiori Musicali bis hin zu nahezu profanen Stücken. Dabei schließt er sogar die Vokalmusik des Komponisten mit ein; Alice Foccroulle singt drei Motetten für Sopran. Bei einer Fantasia lässt sich auch Lambert Colson auf dem Zink hören.
Abwechslungsreich ist das Programm aber nicht nur durch die geschickt ausgewählten Werke. Foccroulle stellt zugleich drei historische Orgeln vor, die zu dieser Musik hervorragend passen. So erklingt eine bezaubernde kleine Orgel, die um 1600 von einem unbekannten Orgelbauer angefertigt wurde und sich heute in der Kirche Santa Barbara in Rom befindet. Dieses Instrument, 1995 von Marco Fratti restauriert, besitzt nur acht Register, aber es fasziniert durch seine Ausdruckskraft.
Zu hören ist weiter die Orgel der Kirche San Francesco in Trevi, 1509 von Paolo di Pietropaolo da Montefalco gebaut und vom Klangideal der Renaissance geprägt. Das dritte Instrument befindet sich in der Chiesa di Santa Maria Annunziata in Cerreto di Spoleto. Es soll 1580 von Ascanio Belforti errichtet worden sein und wurde 1620 von Armodio Maccioni erweitert. Beide Orgeln hat Claudio Pinchi restauriert.
Sie klingen jeweils sehr charakteristisch, und Foccroulle setzt die verfügbaren Register versiert ein, um Frescobaldis Musik aufs Beste zu gestalten. Er musiziert mit einer Leichtigkeit, über die man nur staunen kann. So erweist sich diese CD rundum als Hörgenuss. Hinreißend!
Donnerstag, 1. Dezember 2016
Kerll / Fux: Requiems (Ricercar)
Als Wolfgang Amadeus Mozart sein Requiem komponierte, überschritt er damit nicht nur die Schwelle zur Romantik. Er orientierte sich zugleich an alten musikalischen Modellen – es klingt paradox, aber nie war Mozart traditioneller als bei diesem Werk das als sein modernstes und visionäres gilt. Diese Aufnahme des Ensembles Vox Luminis führt uns in diese Vergangenheit, aus der Mozart schöpfte.
Die Sänger um Lionel Meunier öffnen eine ganz besondere Schatztruhe: Zu hören sind zwei Totenmessen von Johann Caspar Kerll (1627 bis 1693) und Johann Joseph Fux (1660 bis 1741). Fux schrieb sein Requiem 1720 für die Beisetzungsfeierlichkeiten von Eleonore Magdalene von Pfalz-Neuburg, der Witwe des Kaisers Leopold I. Es erklang später auch noch bei weiteren Trauerfeiern des Hofes, zuletzt 1740 beim Begräbnis Karls VI. Geprägt wird dieses Werk nicht etwa durch Schmerz und Verzweifung, sondern durch feierliche Erhabenheit. Entsprechend strahlend ist auch sein Klang; zu den beiden Sopranen, Alt , Tenor und Bass kommen neben Orgelpositiv und Violone noch zwei Geigen und eine Bratsche, sowie, passend zum Anlass, zwei stille Zinken, zwei Posaunen und ein Fagott. Es musiziert gekonnt das Scorpio Collectief – und man muss sagen, Fux' Requiem klingt wirklich staatstragend.
Das zweite Werk auf dieser CD wirkt intimer und auch düsterer. Hier sind statt zweier Soprane zwei Tenöre besetzt, was den Klang tiefer und gedeck- ter erscheinen lässt. Auch die Instrumente unterstreichen diesen Eindruck. Kerlls Missa pro Defunctis wird durch ein Gambenconsort begleitet; das Ensemble L'Achéron übernimmt diesen Part sehr eindrucksvoll. Sie findet sich in einem Band, der insgesamt fünf Messen des Komponisten enthält, 1689 gedruckt wurde und Kaiser Leopold I. gewidmet ist.
Die Sänger um Lionel Meunier öffnen eine ganz besondere Schatztruhe: Zu hören sind zwei Totenmessen von Johann Caspar Kerll (1627 bis 1693) und Johann Joseph Fux (1660 bis 1741). Fux schrieb sein Requiem 1720 für die Beisetzungsfeierlichkeiten von Eleonore Magdalene von Pfalz-Neuburg, der Witwe des Kaisers Leopold I. Es erklang später auch noch bei weiteren Trauerfeiern des Hofes, zuletzt 1740 beim Begräbnis Karls VI. Geprägt wird dieses Werk nicht etwa durch Schmerz und Verzweifung, sondern durch feierliche Erhabenheit. Entsprechend strahlend ist auch sein Klang; zu den beiden Sopranen, Alt , Tenor und Bass kommen neben Orgelpositiv und Violone noch zwei Geigen und eine Bratsche, sowie, passend zum Anlass, zwei stille Zinken, zwei Posaunen und ein Fagott. Es musiziert gekonnt das Scorpio Collectief – und man muss sagen, Fux' Requiem klingt wirklich staatstragend.
Das zweite Werk auf dieser CD wirkt intimer und auch düsterer. Hier sind statt zweier Soprane zwei Tenöre besetzt, was den Klang tiefer und gedeck- ter erscheinen lässt. Auch die Instrumente unterstreichen diesen Eindruck. Kerlls Missa pro Defunctis wird durch ein Gambenconsort begleitet; das Ensemble L'Achéron übernimmt diesen Part sehr eindrucksvoll. Sie findet sich in einem Band, der insgesamt fünf Messen des Komponisten enthält, 1689 gedruckt wurde und Kaiser Leopold I. gewidmet ist.
Montag, 21. November 2016
Johann Bernhard Bach: Ouvertures (Ricercar)
„No 18. Joh. Bernhard Bach,ältester Sohn von Johann Egydio Bachen Sub No. 8 ist in Erffurth An. 1676 gebohren. Lebet noch anjetzo (nehmlich 1735) als CammerMusicus u Organist in Eisenach. Succedirte Joh. Christ. Bachen Sub No. 13.“ Das notierte Johann Sebastian Bach über Johann Bernhard Bach (1676 bis 1749) in seiner Genealogie der weit verzweigten Musikerfamilie.
Er war zunächst Organist an der Kaufmannskirche in Erfurt, bevor er 1699 Organist an der Magdeburger Katharinenkirche wurde. 1703 ging er nach Eisenach – im selben Jahr trat Johann Sebastian in Arnstadt, einen straffen Tagesmarsch entfernt, seine erste Organistenstelle an. Johann Bernhard wirkte auch als Cembalist bei Hofe, und wurde 1712 zum Hof- kapellmeister ernannt.
Ob sich die beiden Cousins jemals persönlich getroffen haben, darüber kann man nur Vermutungen anstellen. Ganz unwahrscheinlich ist dies nicht; zum einen traf sich die Bach-Familie regelmäßig. Und zum anderen wurde 1706 Georg Philipp Telemann erster Geiger und Kapellmeister des Herzogs von Eisenach, der wiederum mit Johann Sebastian Bach eng befreundet war und Taufpate seines zweiten Sohnes wurde.
Die Ouvertüren von Johann Bernhard jedenfalls waren Johann Sebastian bekannt; er hat Stimmen eigenhändig mit angefertigt, wahrscheinlich für eine Aufführung mit dem Collegium musicum. In Leipzig sind wohl nur drei davon erklungen; das Ensemble L'Achéron, geleitet vom Bassgambi- sten François Joubert-Caillet, hat auf dieser CD alle vier überlieferten Ouvertüren veröffentlicht. Es sind elegante Suiten, die das französische Vorbild mit viel Charme nach Thüringen eingemeinden: Das stilistische Modell sei „clairement français, classique, inspiré de cet esprit et de goût typiques des danses et Ouvertures d'outre-Rhin“, stellt Joubert-Caillet in einem Geleitwort fest. „On ne pourrait pourtant pas imaginer cette musique écrite par un musicien français.“ Bach orientiere sich an diesem Modell, „et l'adapte à son style propre, créant ainsi une musique toute personelle.“
Das Ensemble L'Achéron hat sich für diese Aufnahme zum Orchester erweitert. Die Musiker spüren den Ideen und Klangfarben nach, die einst dem Komponisten wichtig waren: „En adoptant des instrumentations variées, typées, nous avons tenté de repeindre ici les inspirations s'exprimant dans chacune de ces miniatures“, so Joubert-Caillet. Aus diesem Grunde belassen es die Musiker auch nicht bei der Besetzung der Stimmen mit Streichern; Traversflöte und Piccolo, Blockflöten, Flageolett, Oboe und Fagott sorgen für klangliche Abwechslung. Auch im Continuo treten zu Kontrabass und Bassgambe ergänzend Erzlaute, Gitarre und Cembalo. Musiziert wird mit Leidenschaft und mit Esprit. Das Ensemble L'Achéron schreibt mit dieser CD ein spannendes Kapitel der europäischen Musikgeschichte weiter, die stets geprägt war durch den Austausch über alle Grenzen hinweg.
Er war zunächst Organist an der Kaufmannskirche in Erfurt, bevor er 1699 Organist an der Magdeburger Katharinenkirche wurde. 1703 ging er nach Eisenach – im selben Jahr trat Johann Sebastian in Arnstadt, einen straffen Tagesmarsch entfernt, seine erste Organistenstelle an. Johann Bernhard wirkte auch als Cembalist bei Hofe, und wurde 1712 zum Hof- kapellmeister ernannt.
Ob sich die beiden Cousins jemals persönlich getroffen haben, darüber kann man nur Vermutungen anstellen. Ganz unwahrscheinlich ist dies nicht; zum einen traf sich die Bach-Familie regelmäßig. Und zum anderen wurde 1706 Georg Philipp Telemann erster Geiger und Kapellmeister des Herzogs von Eisenach, der wiederum mit Johann Sebastian Bach eng befreundet war und Taufpate seines zweiten Sohnes wurde.
Die Ouvertüren von Johann Bernhard jedenfalls waren Johann Sebastian bekannt; er hat Stimmen eigenhändig mit angefertigt, wahrscheinlich für eine Aufführung mit dem Collegium musicum. In Leipzig sind wohl nur drei davon erklungen; das Ensemble L'Achéron, geleitet vom Bassgambi- sten François Joubert-Caillet, hat auf dieser CD alle vier überlieferten Ouvertüren veröffentlicht. Es sind elegante Suiten, die das französische Vorbild mit viel Charme nach Thüringen eingemeinden: Das stilistische Modell sei „clairement français, classique, inspiré de cet esprit et de goût typiques des danses et Ouvertures d'outre-Rhin“, stellt Joubert-Caillet in einem Geleitwort fest. „On ne pourrait pourtant pas imaginer cette musique écrite par un musicien français.“ Bach orientiere sich an diesem Modell, „et l'adapte à son style propre, créant ainsi une musique toute personelle.“
Das Ensemble L'Achéron hat sich für diese Aufnahme zum Orchester erweitert. Die Musiker spüren den Ideen und Klangfarben nach, die einst dem Komponisten wichtig waren: „En adoptant des instrumentations variées, typées, nous avons tenté de repeindre ici les inspirations s'exprimant dans chacune de ces miniatures“, so Joubert-Caillet. Aus diesem Grunde belassen es die Musiker auch nicht bei der Besetzung der Stimmen mit Streichern; Traversflöte und Piccolo, Blockflöten, Flageolett, Oboe und Fagott sorgen für klangliche Abwechslung. Auch im Continuo treten zu Kontrabass und Bassgambe ergänzend Erzlaute, Gitarre und Cembalo. Musiziert wird mit Leidenschaft und mit Esprit. Das Ensemble L'Achéron schreibt mit dieser CD ein spannendes Kapitel der europäischen Musikgeschichte weiter, die stets geprägt war durch den Austausch über alle Grenzen hinweg.
Freitag, 22. April 2016
Bertali: La Maddalena (Ricercar)
Maria Magdalena hat, ganz beson- ders in der Zeit des Barock, wie kaum eine andere Figur des Neuen Testa- mentes Künstler aller Genres inspiriert. Auch wenn nicht ganz klar wird, was sie zuvor getan hat – nach Reue und Umkehr jedenfalls gehörte sie zu der Schar, die Jesus begleitete, und zu den Zeugen von Passion und Auferstehung.
Für die Inszenierung des Leidens- weges Jesu mit den Mitteln profaner Dramatik ist diese Figur aufgrund ihrer Vielschichtigkeit attraktiv: Natürlich ist Maria aus Magdala eine reuige Sünderin, aber sie wird auch gezeigt als eine schöne, sanfte und sinnliche Frau, die Christus möglicherweise ganz besonders nahe stand. Ihr Schmerz angesichts des Leidens Christi findet seinen Ausdruck in einer Vielzahl von Klageliedern. Ein besonders apartes Beispiel dafür, Lagrime Amare von Domenico Mazzocchi (1592 bis 1665), erklingt am Ende dieser CD.
Mit seinem Ensemble Scherzi Musicali hat Nicolas Achten bei Ricercar aber noch zwei deutlich umfangreichere Werke eingespielt, die Maria Magdalena in den Mittelpunkt stellen. La Maddalena, Sacra Rappresen- tazione wurde 1617 in Mantua aufgeführt – wahrscheinlich zur Hochzeit Ferdinando Gonzagas mit Caterina de'Medici. Dabei handelt es sich um ein Theaterstück, das durch Musik begleitet wurde, die von verschiedenen Komponisten aus dem Umkreis des Hofes geschaffen worden ist. Es erklingen Werke von Claudio Monteverdi, Muzio Effrem, Alessandro Guivizzani und Salomone Rossi.
Antonio Bertali (1605 bis 1669), ab 1649 Hofkapellmeister in Wien, stellte La Maddalena 1663 in den Mittelpunkt eines bewegenden Sepolcro. Diese Passionsoratorien erklangen in der Karwoche vor einem Nachbau des Heiligen Grabes. Es waren szenische Aufführungen; die Sänger traten im Kostüm auf und agierten entsprechend ihrer Rollen. Diese Tradition, die Bertalis Vorgänger Giovanni Valentini ins Leben gerufen haben soll, wurde bis weit ins 18. Jahrhundert gepflegt.
Nach der Einspielung der Motetten von Giovanni Felice Sances begann Achten, sich intensiv mit diesen Sepolcri zu beschäftigen, berichtet er im Beiheft zu dieser CD. „Bertalis La Maddalena unterscheidet sich von an- deren Wiener Oratorien in mehr als einer Hinsicht“, schreibt der Sänger. „Suchen wir hier keine spektakuläre Theatralik, voll von allegorischen Figuren, verschiedenen Aposteln und Heiligen, sondern eher einen starken rhetorischen Ausdruck des Schmerzes im Angesicht des Todes, eine gedankliche Auseinandersetzung mit dem Sinn und der Nichtigkeit des Lebens.“ Vorgetragen wird all dies vorbildlich; eine rundum gelungene Aufnahme, stilsicher und mit beeindruckender Sorgfalt wird hier musiziert. Bravi!
Für die Inszenierung des Leidens- weges Jesu mit den Mitteln profaner Dramatik ist diese Figur aufgrund ihrer Vielschichtigkeit attraktiv: Natürlich ist Maria aus Magdala eine reuige Sünderin, aber sie wird auch gezeigt als eine schöne, sanfte und sinnliche Frau, die Christus möglicherweise ganz besonders nahe stand. Ihr Schmerz angesichts des Leidens Christi findet seinen Ausdruck in einer Vielzahl von Klageliedern. Ein besonders apartes Beispiel dafür, Lagrime Amare von Domenico Mazzocchi (1592 bis 1665), erklingt am Ende dieser CD.
Mit seinem Ensemble Scherzi Musicali hat Nicolas Achten bei Ricercar aber noch zwei deutlich umfangreichere Werke eingespielt, die Maria Magdalena in den Mittelpunkt stellen. La Maddalena, Sacra Rappresen- tazione wurde 1617 in Mantua aufgeführt – wahrscheinlich zur Hochzeit Ferdinando Gonzagas mit Caterina de'Medici. Dabei handelt es sich um ein Theaterstück, das durch Musik begleitet wurde, die von verschiedenen Komponisten aus dem Umkreis des Hofes geschaffen worden ist. Es erklingen Werke von Claudio Monteverdi, Muzio Effrem, Alessandro Guivizzani und Salomone Rossi.
Antonio Bertali (1605 bis 1669), ab 1649 Hofkapellmeister in Wien, stellte La Maddalena 1663 in den Mittelpunkt eines bewegenden Sepolcro. Diese Passionsoratorien erklangen in der Karwoche vor einem Nachbau des Heiligen Grabes. Es waren szenische Aufführungen; die Sänger traten im Kostüm auf und agierten entsprechend ihrer Rollen. Diese Tradition, die Bertalis Vorgänger Giovanni Valentini ins Leben gerufen haben soll, wurde bis weit ins 18. Jahrhundert gepflegt.
Nach der Einspielung der Motetten von Giovanni Felice Sances begann Achten, sich intensiv mit diesen Sepolcri zu beschäftigen, berichtet er im Beiheft zu dieser CD. „Bertalis La Maddalena unterscheidet sich von an- deren Wiener Oratorien in mehr als einer Hinsicht“, schreibt der Sänger. „Suchen wir hier keine spektakuläre Theatralik, voll von allegorischen Figuren, verschiedenen Aposteln und Heiligen, sondern eher einen starken rhetorischen Ausdruck des Schmerzes im Angesicht des Todes, eine gedankliche Auseinandersetzung mit dem Sinn und der Nichtigkeit des Lebens.“ Vorgetragen wird all dies vorbildlich; eine rundum gelungene Aufnahme, stilsicher und mit beeindruckender Sorgfalt wird hier musiziert. Bravi!
Sonntag, 3. Januar 2016
English Royal Funeral Music (Ricercar)
Diese CD, eingespielt vom Ensemble Vox Luminis, macht noch heute deutlich: Als Queen Mary im Februar 1695 zu Grabe getragen wurde, war dies auch musikalisch ein Ereignis. Die Gattin des englischen Königs hatte nach ihrer Krönung 1686 das Land regiert, dieweil William III. in erster Linie damit beschäftigt war, Krieg zu führen. Im Dezember 1694 starb sie an den Pocken.
Für diese Aufnahme hat das Ensemble Vox Luminis unter Lionel Meunier die gesamte Musik zusammengetragen, die beim Begräbnisgottes- dienst für die Königin erklungen ist. Der Sarg wurde in einem langen Trauerzug von Whitehall bis hin zur Westminster Abbey begleitet. Dazu schlugen dumpf die Trommeln, und es erklangen zwei Trauermärsche für Oboenensemble, die von den Hofmusikern John Paisible und Thomas Tollett komponiert worden waren. Diese Klangkulisse ist nun auf CD zu erleben. Den Einzug in die Kirche geleiteten dann die Zugtrompeter mit einem weiteren Trauermarsch, geschrieben von Henry Purcell.
Beim feierlichen Gottesdienst erklangen am englischen Hof traditionsge- mäß die Funeral Sentences von Thomas Morley. Als allerdings die Noten für die Beisetzungsfeierlichkeiten von Queen Mary herausgesucht wurden, fehlte eines dieser Stücke. Und so schrieb Purcell das Thou knowest, Lord (Z 58b), ganz bewusst im Stile Morleys.
Ergänzt werden diese Stücke, die im Rahmen der Liturgie erklungen sind, auf der CD durch weitere Trauermusiken Purcells, deren Bestimmung unbekannt ist, sowie durch ähnliche Stücke zweier weiterer bedeutender Komponisten. So erklingt Death hath deprived me, eine Totenklage für Morley, geschrieben von Thomas Weelkes, sowie Trauermusiken von Thomas Tomkins, der wie Morley ein Schüler von William Byrd war.
Das Ensemble Vox Luminis unter Lionel Meunier singt ergreifend, und auch Les Trompettes des Plaisirs unter Jean-François Madeuf sowie das Oboenensemble Lingua Franca unter Benoît Laurent präsentieren sich herausragend. Eine exzellente Aufnahme, die man unbedingt gehört haben sollte, wenn man sich für „Alte“ Musik sowie für Funeralmusik interessiert.
Für diese Aufnahme hat das Ensemble Vox Luminis unter Lionel Meunier die gesamte Musik zusammengetragen, die beim Begräbnisgottes- dienst für die Königin erklungen ist. Der Sarg wurde in einem langen Trauerzug von Whitehall bis hin zur Westminster Abbey begleitet. Dazu schlugen dumpf die Trommeln, und es erklangen zwei Trauermärsche für Oboenensemble, die von den Hofmusikern John Paisible und Thomas Tollett komponiert worden waren. Diese Klangkulisse ist nun auf CD zu erleben. Den Einzug in die Kirche geleiteten dann die Zugtrompeter mit einem weiteren Trauermarsch, geschrieben von Henry Purcell.
Beim feierlichen Gottesdienst erklangen am englischen Hof traditionsge- mäß die Funeral Sentences von Thomas Morley. Als allerdings die Noten für die Beisetzungsfeierlichkeiten von Queen Mary herausgesucht wurden, fehlte eines dieser Stücke. Und so schrieb Purcell das Thou knowest, Lord (Z 58b), ganz bewusst im Stile Morleys.
Ergänzt werden diese Stücke, die im Rahmen der Liturgie erklungen sind, auf der CD durch weitere Trauermusiken Purcells, deren Bestimmung unbekannt ist, sowie durch ähnliche Stücke zweier weiterer bedeutender Komponisten. So erklingt Death hath deprived me, eine Totenklage für Morley, geschrieben von Thomas Weelkes, sowie Trauermusiken von Thomas Tomkins, der wie Morley ein Schüler von William Byrd war.
Das Ensemble Vox Luminis unter Lionel Meunier singt ergreifend, und auch Les Trompettes des Plaisirs unter Jean-François Madeuf sowie das Oboenensemble Lingua Franca unter Benoît Laurent präsentieren sich herausragend. Eine exzellente Aufnahme, die man unbedingt gehört haben sollte, wenn man sich für „Alte“ Musik sowie für Funeralmusik interessiert.
Samstag, 17. Oktober 2015
Bach: Motetten (Ricercar)
Bedeutende Musikerdynastien hat es immer wieder gegeben – allerdings sind nur wenige so bekannt geworden wie die Bachs. Das einige Werke selbst von frühen Mitgliedern dieser weitverzweigten Familie bis zum heutigen Tage erhalten geblieben sind, das liegt auch mit daran, dass schon Johann Sebastian Bach stolz auf das musikalisches Erbe seiner Ahnen war.
Der Thomaskantor führte das von seinem Vater begonnene Altbachische Archiv fort und sorgte damit dafür, dass Zeugnisse des Wirkens seiner Familie bewahrt und überliefert wurden. Bach kannte und schätzte die Werke seiner Vorfahren. Er hat sie eigenhändig kopiert, und ließ insbesondere die Motetten immer wieder im Gottesdienst singen. Die erhaltenen Werke von Johann Bach (1604 bis 1673), Johann Christoph Bach (1642 bis 1703) und Johann Michael Bach (1648 bis 1694) präsentiert Lionel Meunier mit den Vokalisten von Vox Luminis auf diesen beiden CD.
Bei einer Motette lässt Meunier exemplarisch das Scorpio Collectief mit Zinken und Posaunen die Singstimmen colla parte mitspielen. Ansonsten werden die Sänger von der Orgel begleitet – wobei die Liste der Organisten, die sich bei diesem Projekt abgewechselt haben, lang und beeindruckend ist: Mitgewirkt haben David Van Bouwel, Haru Kitamika, Claudio Ribeiro und Masato Suzuki.
Die Vokalisten des Ensembles Vox Luminis beeindrucken mit ihrer intelligenten musikalischen Textauslegung und ihrer vorzüglichen Interpretation jener frühen Werke der Bach-Familie: Johann Bach wirkte als Organist in Schweinfurt und Erfurt, und war wohl der erste Kirchen- musiker der Familie Bach. Drei Begräbnismotetten sind von ihm bekannt, und hier zu hören. Er hatte zwei Brüder, Christoph und Heinrich. Christoph Bach war der Vater von Ambrosius Bach und somit der Großvater von Johann Sebastian Bach. Heinrich Bach hatte zwei Söhne, Johann Christoph und Johann Michael – ihre überlieferten Werke erklingen ebenfalls komplett auf den zwei CD. Gruppiert wurden sie den Anlässen folgend, für die sie geschaffen wurden. Die musikhistorisch-theologischen Zusammenhänge erläutert übrigens Produzent Jérôme Lejeune höchst- selbst im Beiheft mit einem klugen Kommentar – was deutlich zeigt, welchen Rang diese Aufnahmen auch für das Label haben.
Der Thomaskantor führte das von seinem Vater begonnene Altbachische Archiv fort und sorgte damit dafür, dass Zeugnisse des Wirkens seiner Familie bewahrt und überliefert wurden. Bach kannte und schätzte die Werke seiner Vorfahren. Er hat sie eigenhändig kopiert, und ließ insbesondere die Motetten immer wieder im Gottesdienst singen. Die erhaltenen Werke von Johann Bach (1604 bis 1673), Johann Christoph Bach (1642 bis 1703) und Johann Michael Bach (1648 bis 1694) präsentiert Lionel Meunier mit den Vokalisten von Vox Luminis auf diesen beiden CD.
Bei einer Motette lässt Meunier exemplarisch das Scorpio Collectief mit Zinken und Posaunen die Singstimmen colla parte mitspielen. Ansonsten werden die Sänger von der Orgel begleitet – wobei die Liste der Organisten, die sich bei diesem Projekt abgewechselt haben, lang und beeindruckend ist: Mitgewirkt haben David Van Bouwel, Haru Kitamika, Claudio Ribeiro und Masato Suzuki.
Die Vokalisten des Ensembles Vox Luminis beeindrucken mit ihrer intelligenten musikalischen Textauslegung und ihrer vorzüglichen Interpretation jener frühen Werke der Bach-Familie: Johann Bach wirkte als Organist in Schweinfurt und Erfurt, und war wohl der erste Kirchen- musiker der Familie Bach. Drei Begräbnismotetten sind von ihm bekannt, und hier zu hören. Er hatte zwei Brüder, Christoph und Heinrich. Christoph Bach war der Vater von Ambrosius Bach und somit der Großvater von Johann Sebastian Bach. Heinrich Bach hatte zwei Söhne, Johann Christoph und Johann Michael – ihre überlieferten Werke erklingen ebenfalls komplett auf den zwei CD. Gruppiert wurden sie den Anlässen folgend, für die sie geschaffen wurden. Die musikhistorisch-theologischen Zusammenhänge erläutert übrigens Produzent Jérôme Lejeune höchst- selbst im Beiheft mit einem klugen Kommentar – was deutlich zeigt, welchen Rang diese Aufnahmen auch für das Label haben.
Montag, 22. Dezember 2014
Deutsche geistliche Barockmusik: Weihnachten (Ricercar)
Weihnachtliche Barockmusik aus Deutschland enthält diese Box. Auf sieben (!) CD bündelt Ricercar eine Serie von Aufnahmen aus den Jahren 1982 bis 2010, die seinerzeit viel Beachtung gefunden hat. Denn es handelt sich oftmals um Welterst- einspielungen, und die Raritäten werden von renommierten Solisten und Ensembles vorgetragen. Zu hören sind beispielsweise Agnès Mellon, Elisabeth Scholl und Amaryllis Dieltjens, Sopran, Henri Ledroit, Countertenor, Lothar Blum und Hans-Jörg Mammel, Tenor, Stefan Geyer, Bariton, Max van Egmond, Bass und Bernard Foccroulle an der Orgel sowie das Ricercar Consort, der Choeur de Chambre de Namur und Les Agrémens, das Ensemble La Fenice, die Capella Sancti Michaelis und die Mannheimer Hofkapelle mit dem Vokalensemble Ex Tempore.
Es erklingen zum einen Werke aus Mitteldeutschland; dort wirkten „die drei großen S“ - Schütz, Schein und Scheidt – und ihre Schüler sowie Johann Sebastian Bach, der wiederum auch durch die norddeutsche Kirchenmusik stark beeinflusst worden ist. Sie ist hier ebenfalls vertreten durch Protagonisten wie Franz Tunder, Nicolaus Bruhns, Dieterich Buxtehude oder Matthias Weckmann.
Die reichhaltigen Aufnahmen aus dem Bestand von Ricercar werden ergänzt durch eine Einspielung von Heinrich Schütz' Historia der Geburt Jesu Christi SWV 435, die bei dem Label K 617 erschienen ist. Hervorzu- heben sind zudem die Weihnachtskantaten des Darmstädter Hofkapell- meisters Christoph Graupner. Sein Werk, das neben dem seiner namhaften Zeitgenossen durchaus bestehen kann, befindet sich leider noch immer weitestgehend im Archivschlaf. Desto mehr freut man sich über jede Kantate, die wieder erklingt – und über jede Notenedition, die vorliegt.
Es erklingen zum einen Werke aus Mitteldeutschland; dort wirkten „die drei großen S“ - Schütz, Schein und Scheidt – und ihre Schüler sowie Johann Sebastian Bach, der wiederum auch durch die norddeutsche Kirchenmusik stark beeinflusst worden ist. Sie ist hier ebenfalls vertreten durch Protagonisten wie Franz Tunder, Nicolaus Bruhns, Dieterich Buxtehude oder Matthias Weckmann.
Die reichhaltigen Aufnahmen aus dem Bestand von Ricercar werden ergänzt durch eine Einspielung von Heinrich Schütz' Historia der Geburt Jesu Christi SWV 435, die bei dem Label K 617 erschienen ist. Hervorzu- heben sind zudem die Weihnachtskantaten des Darmstädter Hofkapell- meisters Christoph Graupner. Sein Werk, das neben dem seiner namhaften Zeitgenossen durchaus bestehen kann, befindet sich leider noch immer weitestgehend im Archivschlaf. Desto mehr freut man sich über jede Kantate, die wieder erklingt – und über jede Notenedition, die vorliegt.
Sonntag, 31. August 2014
Schenck: Le Nymphe di Rheno (Ricercar)
Johannes Schenck (um 1660 bis nach 1709) kam wohl in Amster- dam als Sohn eines Weinhändlers zur Welt. Über seinen Lebensweg ist wenig bekannt. 1686 schuf er die erste Oper auf der Grundlage eines Librettos in niederländischer Sprache. Das Libretto sowie einige Arien aus der Opera op de Zink- spreuk „Zonder Spys en Wyn, Kan geen Liefde zyn“ sind überliefert. 1696 findet sich Schenck erstmals als Kammermusikus vermerkt einer Liste von Musikern, die in Düsseldorf angestellt waren, am Hof des Kurfürsten Johann Wilhelm von der Pfalz.
So kamen wahrscheinlich auch seine zwölf Sonaten für zwei Bass- gamben zu ihrem Namen: Le Nymphe di Rheno, im Druck erschienen 1702, sind seinem Dienstherrn gewidmet. Jan Wellem war nicht nur ein großer Freund der Künste und ihr ganz entschiedener Förderer, er spielte auch selbst Gambe – wie gut, das verraten uns Schencks Werke. Denn man darf wohl davon ausgehen, dass diese virtuosen Duette für den Pfalzgrafen geschrieben worden sind.
Wieland Kuijken und Francois Joubert-Caillet haben sechs davon ausgewählt und bei Ricercar eingespielt. Die beiden Gambisten musizieren klangschön und inspiriert. Wer allerdings plätschernde Wellen und graziöse Mädels erwartet, der hat sich durch den Titel in die Irre führen lassen. Die Sonaten ignorieren den Grenzfluss Rhein auch insofern, als Schenck Formen aus der französischen, italienischen und deutschen Musik aufgreift und fröhlich verwendet, was gefällt. Seine Werke sind ziemlich eigenwillig – und noch immer faszinierend.
So kamen wahrscheinlich auch seine zwölf Sonaten für zwei Bass- gamben zu ihrem Namen: Le Nymphe di Rheno, im Druck erschienen 1702, sind seinem Dienstherrn gewidmet. Jan Wellem war nicht nur ein großer Freund der Künste und ihr ganz entschiedener Förderer, er spielte auch selbst Gambe – wie gut, das verraten uns Schencks Werke. Denn man darf wohl davon ausgehen, dass diese virtuosen Duette für den Pfalzgrafen geschrieben worden sind.
Wieland Kuijken und Francois Joubert-Caillet haben sechs davon ausgewählt und bei Ricercar eingespielt. Die beiden Gambisten musizieren klangschön und inspiriert. Wer allerdings plätschernde Wellen und graziöse Mädels erwartet, der hat sich durch den Titel in die Irre führen lassen. Die Sonaten ignorieren den Grenzfluss Rhein auch insofern, als Schenck Formen aus der französischen, italienischen und deutschen Musik aufgreift und fröhlich verwendet, was gefällt. Seine Werke sind ziemlich eigenwillig – und noch immer faszinierend.
Samstag, 27. Juli 2013
Vitali Ciaconna (Ricercar)
Zu den Lieblingsstücken der Geiger gehört die Chaconne von Tomaso Antonio Vitali (1663 bis 1745). Das Werk freilich, an das die mei- sten dabei denken, ist in Wahrheit eine 1860 entstandene Fassung von Ferdinand David. Der Geiger, seinerzeit ein berühmter Virtuose, hatte eine Abschrift im Archiv der Dresdner Hofkapelle aufgespürt, und das Werk in sein Repertoire aufgenommen. Dabei hat er es durchaus auch bearbeitet, so dass es zu dem romantischen Bravourstück wurde, das bis heute nichts von seiner Popularität eingebüßt hat.
Stéphanie de Failly hat sich nun gemeinsam mit dem Ensemble Clematis des Originals angenommen. Und man muss sagen: Die Rückkehr zu den Quellen hat sich sehr gelohnt. Die Parte del Tomaso Vitalino ist ein wundervolles Stück, das Davids Version, bei allem Respekt, auf die Plätze verweist. Dankbar nimmt der Hörer zudem zur Kenntnis, dass auch der Vater des Komponisten, Giovanni Battista Vitali (1632 bis 1692), ein exzellenter Musiker war, der höchst ansprechende Stücke geschrieben hat. Die Auswahl aus dem Schaffen der beiden, die auf dieser CD mit Schwung und Musizierlust präsen- tiert wird, macht Lust auf mehr. Bravi!
Stéphanie de Failly hat sich nun gemeinsam mit dem Ensemble Clematis des Originals angenommen. Und man muss sagen: Die Rückkehr zu den Quellen hat sich sehr gelohnt. Die Parte del Tomaso Vitalino ist ein wundervolles Stück, das Davids Version, bei allem Respekt, auf die Plätze verweist. Dankbar nimmt der Hörer zudem zur Kenntnis, dass auch der Vater des Komponisten, Giovanni Battista Vitali (1632 bis 1692), ein exzellenter Musiker war, der höchst ansprechende Stücke geschrieben hat. Die Auswahl aus dem Schaffen der beiden, die auf dieser CD mit Schwung und Musizierlust präsen- tiert wird, macht Lust auf mehr. Bravi!
Montag, 14. Januar 2013
Willaert: Vespro della Beata Vergine (Ricercar)
Adriaen Willaert (um 1490 bis 1562) gilt als Vater der venezia- nischen Mehrchörigkeit. Der Komponist, der ursprünglich aus Flandern stammte, studierte in Paris, und trat 1515 in Rom in den Dienst des Kardinals Ippolito I. d'Este. Nach dessen Tod 1520 wirkte er bei Herzog Alfonso, dem Bruder des Kardinals. 1527 wurde er zum Kapellmeister an St. Markus in Venedig ernannt.
Willaert verstand es, den Raum und die exzellenten Sänger, die in der Hauskirche des Dogen zur Ver- fügung standen, virtuos in seine Musik einzubinden. Und er kombi- nierte die flämischen Prinzipien kontrapunktischer Komposition mit neuen Ideen, die er in Italien kennengelernt hatte. Wie prachtvoll das Ergebnis klang, das belegt diese CD, auf der die Capilla Flamenca unter Dirk Sneling eine Marienvesper rekonstruiert hat. Unterstützt wurde das Ensemble dabei durch Professor Dr. Wolfgang Horn von der Universität Regensburg, der noch nicht publizierte Transkriptio- nen für diese Einspielung zur Verfügung stellte.
Die Herren der Capilla Flamenca singen betörend. Und so stellt die Aufnahme nicht zuletzt die Klangpracht der venezianischen Mehrchörigkeit heraus, die bei den Zeitgenossen des Komponisten eine überwältigende Wirkung erzielt haben muss. Das war durchaus beabsichtigt, denn Venedigs Dogen hatten große Macht, und zeigten dies auch sehr deutlich. So erklangen an hohen Feiertagen die repräsentativen mehrchörigen Vesperpsalmen, wie sie in dem Band Di Adriano e di Iachet i salmi appartenenti alli Vesperi durch den Verleger Antonio Gardano 1550 veröffentlicht wurden. Sie wurden für diese CD durch zusätzliche Werke Willaerts zu Ehren der Jungfrau Maria aus anderen Sammlungen ergänzt. Als einziges Instrument erklingt hier die Orgel, aber nicht gleichzeitig mit dem Chor. Joris Verdin spielt Werke von Willaert sowie von Annibale Padovano (1527 bis 1575). Dieser war bis 1565 Organist der Markuskirche, und ging dann an den Hof von Erzherzog Karl II. nach Graz.
Die Herren der Capilla Flamenca singen betörend. Und so stellt die Aufnahme nicht zuletzt die Klangpracht der venezianischen Mehrchörigkeit heraus, die bei den Zeitgenossen des Komponisten eine überwältigende Wirkung erzielt haben muss. Das war durchaus beabsichtigt, denn Venedigs Dogen hatten große Macht, und zeigten dies auch sehr deutlich. So erklangen an hohen Feiertagen die repräsentativen mehrchörigen Vesperpsalmen, wie sie in dem Band Di Adriano e di Iachet i salmi appartenenti alli Vesperi durch den Verleger Antonio Gardano 1550 veröffentlicht wurden. Sie wurden für diese CD durch zusätzliche Werke Willaerts zu Ehren der Jungfrau Maria aus anderen Sammlungen ergänzt. Als einziges Instrument erklingt hier die Orgel, aber nicht gleichzeitig mit dem Chor. Joris Verdin spielt Werke von Willaert sowie von Annibale Padovano (1527 bis 1575). Dieser war bis 1565 Organist der Markuskirche, und ging dann an den Hof von Erzherzog Karl II. nach Graz.
Samstag, 5. Januar 2013
Bach - Böhm: Music for weddings and other festivities (Ricercar)
"Wer nicht liebt Wein, Weib und Gesang, der bleibt ein Narr sein Leben lang" - dieser Ausspruch wird keinem geringeren zuge- schrieben als dem Reformator Martin Luther. So wird es nicht verblüffen, dass auch die große Musikerfamilie Bach, wo sie Ursache dazu hatte, offenbar gern gefeiert hat.
Bach-Biograph Johann Nikolaus Forkel schreibt, dass ihm die beiden ältesten Söhne des Thomas- kantors berichtet hätten, die Familie Bach habe die Angewohnheit, sich einmal im Jahr vollzählig zu versammeln. "Da die Gesellschaft aus lauter Cantoren, Organisten und Stadtmusikanten bestand, die sämmtlich mit der Kirche zu thun hatten, und es überhaupt damahls noch eine Gewohnheit war, alle Dinge mit Religion anzufangen, so wurde, wenn sie versammelt waren, zuerst ein Choral angestimmt", so Forkel. "Von diesem andächtigen Anfang gingen sie zu Scherzen über, die häufig sehr gegen denselben abstachen. Sie sangen nemlich nun Volkslieder, theils von possierlichem, theils auch von schlüpfri- gem Inhalt zugleich miteinander aus dem Stegreif so, daß zwar die verschiedenen extemporierten Stimmen eine Art von Harmonie ausmachten, die Texte aber in jeder Stimme andern Inhalts waren. Sie nannten diese Art von extemporierter Zusammenstimmung Quodlibet, und konnten nicht nur selbst recht von ganztem Herzen dabey lachen, sondern erregten auch ein eben so herzliches und unwiderstehliches Lachen bey jedem, der sie hörte."
Als Beispiel für ein solches Quodlibet erklingt zum Abschluss dieser CD BWV 524 - mit einer Fülle von Scherzen und Anspielungen, die uns heute nicht mehr alle verständlich sind, aber doch beweisen, wie ausgelassen im Hause Bach einst gefeiert und gestichelt worden ist. Denn der zentrale Punkt dieses Werkes ist ein Backtrog, den ein Abkömmling der Musikerfamilie einst versuchsweise anstelle eines Schiffes genutzt haben muss - was wohl mit einem Bad im Teich endete. Und wer den Schaden hatte, der braucht hier um Spott nicht zu sorgen.
Das Quodlibet ist leider als Fragment überliefert; es fehlen die ersten und die letzten beiden Seiten. Leonardo García Alarcón und die Mitglieder des Ensembles Clematis haben dieses wenig bekannte Werk dennoch mit Wonne zelebriert - und gleich noch um ein weiteres Zitat bereichert, das aus den Goldberg-Variationen stammt, und ebenfalls ein Quodlibet ist. Die Sänger und Musiker haben für diese CD auch noch weitere Werke herausgesucht, die bei großen Familienfesten der Bachs erklungen sein könnten. Als Hochzeitsmusik für seine eigene Feier 1679 komponierte beispielsweise der Eisenacher Organist Johann Christoph Bach (1642 bis 1703) die Kantate Meine Freundin, du bist schön.
Bach-Biograph Johann Nikolaus Forkel schreibt, dass ihm die beiden ältesten Söhne des Thomas- kantors berichtet hätten, die Familie Bach habe die Angewohnheit, sich einmal im Jahr vollzählig zu versammeln. "Da die Gesellschaft aus lauter Cantoren, Organisten und Stadtmusikanten bestand, die sämmtlich mit der Kirche zu thun hatten, und es überhaupt damahls noch eine Gewohnheit war, alle Dinge mit Religion anzufangen, so wurde, wenn sie versammelt waren, zuerst ein Choral angestimmt", so Forkel. "Von diesem andächtigen Anfang gingen sie zu Scherzen über, die häufig sehr gegen denselben abstachen. Sie sangen nemlich nun Volkslieder, theils von possierlichem, theils auch von schlüpfri- gem Inhalt zugleich miteinander aus dem Stegreif so, daß zwar die verschiedenen extemporierten Stimmen eine Art von Harmonie ausmachten, die Texte aber in jeder Stimme andern Inhalts waren. Sie nannten diese Art von extemporierter Zusammenstimmung Quodlibet, und konnten nicht nur selbst recht von ganztem Herzen dabey lachen, sondern erregten auch ein eben so herzliches und unwiderstehliches Lachen bey jedem, der sie hörte."
Als Beispiel für ein solches Quodlibet erklingt zum Abschluss dieser CD BWV 524 - mit einer Fülle von Scherzen und Anspielungen, die uns heute nicht mehr alle verständlich sind, aber doch beweisen, wie ausgelassen im Hause Bach einst gefeiert und gestichelt worden ist. Denn der zentrale Punkt dieses Werkes ist ein Backtrog, den ein Abkömmling der Musikerfamilie einst versuchsweise anstelle eines Schiffes genutzt haben muss - was wohl mit einem Bad im Teich endete. Und wer den Schaden hatte, der braucht hier um Spott nicht zu sorgen.
Das Quodlibet ist leider als Fragment überliefert; es fehlen die ersten und die letzten beiden Seiten. Leonardo García Alarcón und die Mitglieder des Ensembles Clematis haben dieses wenig bekannte Werk dennoch mit Wonne zelebriert - und gleich noch um ein weiteres Zitat bereichert, das aus den Goldberg-Variationen stammt, und ebenfalls ein Quodlibet ist. Die Sänger und Musiker haben für diese CD auch noch weitere Werke herausgesucht, die bei großen Familienfesten der Bachs erklungen sein könnten. Als Hochzeitsmusik für seine eigene Feier 1679 komponierte beispielsweise der Eisenacher Organist Johann Christoph Bach (1642 bis 1703) die Kantate Meine Freundin, du bist schön.
Kurios ist auch die Geschichte der Hochzeitskantate Der Herr denket an uns BWV 196. Als Pastor Lorenz Stauber im Jahre 1707 in der Kirche zu Dornheim Johann Sebastian und Maria Barbara Bach traute, war unter den Hochzeitsgästen die Schwester der Brautmutter. Sie muss den verwitweten Pfarrer schwer beeindruckt haben; im Juni 1708 heiratete das Paar - und Bach schrieb für den Traugottesdienst eine seiner ersten Kantaten. Was von ihr überliefert ist, das findet sich ebenfalls auf dieser CD.
Georg Böhm (1661 bis 1733) stammte aus Thüringen, und wirkte später als Organist in Lüneburg. Dort verbrachte Johann Sebastian Bach seine letzten Schuljahre. Er war sogenannter Mettenschüler am Michaeliskloster; er musste also kein Schulgeld bezahlen, war aber im Gegenzug verpflichtet, als Chorsänger Dienst zu tun. In der Lüne- burger Residenz des Herzogs Georg Wilhelm konnte der junge Bach die Hofkapelle hören, die den französischen Stil pflegte. Auch lief er große Strecken zu Fuß, um namhafte Organisten spielen zu hören. Möglicherweise hat Böhm den Gymnasiasten im Orgelspiel unter- wiesen. Eines der wenigen Werke für Singstimmen, das von Böhm überliefert ist, eröffnet diese CD. Es ist ein geistliches Konzert über das Hohelied, Mein Freund ist mein, aber es hat mehr mystischen als weltlichen Bezug. Insofern fällt dieses Stück etwas aus dem Rahmen. Das dieses beeindruckende Werk durch die Bach-Familie aufgeführt worden ist, das erscheint nicht sehr wahrscheinlich.
Die Sänger und Musiker von Clematis widmen sich den Raritäten aus der Bach-Zeit mit Hingabe und Sachkenntnis. Das Ensemble, das von Leonardo García Alarcón am Cembalo geleitet wird, musiziert sehr hörenswert und ergänzt durch dieses Album das Bild der Bach-Familie um einen spannenden Aspekt.
Georg Böhm (1661 bis 1733) stammte aus Thüringen, und wirkte später als Organist in Lüneburg. Dort verbrachte Johann Sebastian Bach seine letzten Schuljahre. Er war sogenannter Mettenschüler am Michaeliskloster; er musste also kein Schulgeld bezahlen, war aber im Gegenzug verpflichtet, als Chorsänger Dienst zu tun. In der Lüne- burger Residenz des Herzogs Georg Wilhelm konnte der junge Bach die Hofkapelle hören, die den französischen Stil pflegte. Auch lief er große Strecken zu Fuß, um namhafte Organisten spielen zu hören. Möglicherweise hat Böhm den Gymnasiasten im Orgelspiel unter- wiesen. Eines der wenigen Werke für Singstimmen, das von Böhm überliefert ist, eröffnet diese CD. Es ist ein geistliches Konzert über das Hohelied, Mein Freund ist mein, aber es hat mehr mystischen als weltlichen Bezug. Insofern fällt dieses Stück etwas aus dem Rahmen. Das dieses beeindruckende Werk durch die Bach-Familie aufgeführt worden ist, das erscheint nicht sehr wahrscheinlich.
Die Sänger und Musiker von Clematis widmen sich den Raritäten aus der Bach-Zeit mit Hingabe und Sachkenntnis. Das Ensemble, das von Leonardo García Alarcón am Cembalo geleitet wird, musiziert sehr hörenswert und ergänzt durch dieses Album das Bild der Bach-Familie um einen spannenden Aspekt.
Donnerstag, 22. November 2012
A Baroque Christmas (Ricercar)
Ein Weihnachtskonzert ganz besonderer Art hat das Label Ricercar in dieser Drei-CD-Box zusammengestellt: Aus dem eigenen Programm sowie den Katalogen von Zig-Zag-Territoires, Fonti Musicali und der Manufac- ture d'orgues Thomas erklingen Werke aus der Barockzeit, und zwar aus Deutschland, England, Italien und Frankreich.
Zu hören sind zahlreiche bekannte Ensembles wie Vox Luminus, Ricercar Consort, La Pastorella, La Fenice oder Choeur de Chambre de Namur, und auch die Namensliste der beteiligten Solisten ist lang und illuster. Entsprechend hoch ist das Niveau, auf dem hier musiziert wird.
Es wird nicht verwundern, dass die Weihnachtsgeschichte gerade in dem auf Inszenierung und Theatralik versessenen Barockzeitalter viele Komponisten in ganz Europa inspiriert hat. Die Hirtenmusik, die Engelschöre und das jeweilige regionale Brauchtum lieferten dafür eine Fülle von Anregungen. Die drei CD machen Gemeinsamkeiten und Unterschiede hörbar - und erweisen sich so, ganz nebenbei, als kleine Lektion in europäischer Musikgeschichte. Dazu trägt auch das Beiheft mit seinen Informationen bei. Wer also etwas lernen will, der hat dazu Gelegenheit - und wer einfach nur genießen möchte, der darf sich ebenfalls freuen.
Zu hören sind zahlreiche bekannte Ensembles wie Vox Luminus, Ricercar Consort, La Pastorella, La Fenice oder Choeur de Chambre de Namur, und auch die Namensliste der beteiligten Solisten ist lang und illuster. Entsprechend hoch ist das Niveau, auf dem hier musiziert wird.
Es wird nicht verwundern, dass die Weihnachtsgeschichte gerade in dem auf Inszenierung und Theatralik versessenen Barockzeitalter viele Komponisten in ganz Europa inspiriert hat. Die Hirtenmusik, die Engelschöre und das jeweilige regionale Brauchtum lieferten dafür eine Fülle von Anregungen. Die drei CD machen Gemeinsamkeiten und Unterschiede hörbar - und erweisen sich so, ganz nebenbei, als kleine Lektion in europäischer Musikgeschichte. Dazu trägt auch das Beiheft mit seinen Informationen bei. Wer also etwas lernen will, der hat dazu Gelegenheit - und wer einfach nur genießen möchte, der darf sich ebenfalls freuen.
Sonntag, 4. November 2012
J.G. Goldberg Kantaten, J.L. Bach Missa brevis, J.L. Krebs Magnificat (Ricercar)
Zu Bachs Zeiten war es durchaus üblich, dass der Kantor die Gemeinde an jedem Sonntag im Gottesdienst durch eine neue Kantate erfreute. So sind von einigen Kantoren und Kapell- meistern ganze Kantatenjahrgänge überliefert.
Musik, die am Sonntag in Leipzig erklang, stellt Florian Heyerick mit dem Ensemble Ex Tempore auf dieser CD vor. Er interessierte sich aber nicht für die bekannten Kan- taten des Thomaskantors, sondern für Werke anderer Komponisten, die Johann Sebastian Bach mit den Thomanern im Gottesdienst auf- geführt hat.
Es ist beispielsweise bekannt, dass Bach öfters Kantaten seines Neffen Johann Ludwig Bach verwendet hat. Es erklangen zudem Werke von Telemann, Fasch, Stölzel, Graun, Kuhnau und vielen anderen Zeit- genossen; mitunter hat Bach sie bearbeitet und ergänzt. Aus diesem großen Fundus hat Heyerick für die vorliegende CD eine Missa brevis von Johann Ludwig Bach sowie Werke von Johann Gottlieb Goldberg und Johann Ludwig Krebs, zwei Bach-Schülern, ausgewählt.
Zu den Barock-Spezialensembles der allerersten Reihe gehört Ex Tempore nicht; musiziert wird solide, aber wenig differenziert. So gehen musikalische Details unter, und der entstehende Klang-Ein- heitsbrei wirkt auf den Zuhörer nicht gerade inspirierend. Schade.
Musik, die am Sonntag in Leipzig erklang, stellt Florian Heyerick mit dem Ensemble Ex Tempore auf dieser CD vor. Er interessierte sich aber nicht für die bekannten Kan- taten des Thomaskantors, sondern für Werke anderer Komponisten, die Johann Sebastian Bach mit den Thomanern im Gottesdienst auf- geführt hat.
Es ist beispielsweise bekannt, dass Bach öfters Kantaten seines Neffen Johann Ludwig Bach verwendet hat. Es erklangen zudem Werke von Telemann, Fasch, Stölzel, Graun, Kuhnau und vielen anderen Zeit- genossen; mitunter hat Bach sie bearbeitet und ergänzt. Aus diesem großen Fundus hat Heyerick für die vorliegende CD eine Missa brevis von Johann Ludwig Bach sowie Werke von Johann Gottlieb Goldberg und Johann Ludwig Krebs, zwei Bach-Schülern, ausgewählt.
Zu den Barock-Spezialensembles der allerersten Reihe gehört Ex Tempore nicht; musiziert wird solide, aber wenig differenziert. So gehen musikalische Details unter, und der entstehende Klang-Ein- heitsbrei wirkt auf den Zuhörer nicht gerade inspirierend. Schade.
Mittwoch, 10. Oktober 2012
Isaac: Ich muss dich lassen (Ricercar)
Über Kindheit und Jugend von Heinrich Isaac wissen wir nur, dass er sie in Flandern verbracht hat. Selbst sein Geburtsjahr ist uns unbekannt. Die erste Spur, die er hinterlassen hat, stammt aus dem Jahre 1484. Sie belegt eine Zahlung an "Haynrichen ysaac Componist", geleistet in Innsbruck am Hofe Sigismunds von Österreich.
Wenig später scheint der Musiker in Florenz eingetroffen zu sein, wo er als Sänger am Dom wirkte. Als der Chor 1493 auf Betreiben Savonarolas aufgelöst wurde, nahm Piero de'Medici den Komponisten in seine Dienste.
Doch als die Medici 1494 aus Florenz vertrieben wurden, verlor Isaac seinen Mäzen. Er wandte sich nach Pisa, wo der König und spätere Kaiser Maximilian I. auf ihn aufmerksam wurde. 1497 ernannte er Isaac zu seinem Hofkomponisten. Damit war er übrigens der erste Musiker, von dem belegt ist, dass er ausschließlich zum Komponieren engagiert wurde. Maximilian versprach sich davon faszinierende, einzigartige Klänge, um Glanz und Ruhm des Wiener Hofes zu mehren. Offenbar war er mit dem Schaffen Isaacs zufrieden, denn der Kaiser behielt den Komponisten bis ans Ende seiner Tage im Dienst.
Und obendrein kehrten die Medici wieder nach Florenz zurück, wo Isaac noch immer einen Großteil seiner Zeit verbrachte, so er nicht den Kaiser auf Reisen begleiten musste; Giovanni de'Medici wurde 1513 als Leo X. Papst. Ihr früherer Hauskomponist gratulierte mit einer Motette. Die Medici verstanden - und setzten Isaac eine Pension aus.
Im Herbst 1516 erkrankte der Musiker; am 26. März 1517 starb er. Wie groß seine Bedeutung war, das lässt sich daran ermessen, dass trotz der langen Zeitspanne bis zum heutigen Tage eine Vielzahl seiner Werke überliefert ist. Das deutet darauf hin, dass sie sehr oft abgeschrieben wurden. Und auch Isaacs Schüler, allen voran Ludwig Senfl, pflegten sein Werk mit einer Hingabe, die uns verrät, wie sehr sie ihren Lehrer verehrt haben müssen.
Die vorliegende CD gibt uns Einblick in das Schaffen des Komponisten. Dirk Snellings hat seine Werke und auch einige seiner Zeitgenossen den Lebensstationen Flandern - Florenz - Wien, Innsbruck, Augsburg zugeordnet. Unter seiner Leitung musizieren die Capilla Flamenca und das Bläserensemble Oltremontano. Die Sänger und Instrumenta- listen erfreuen mit Sachverstand und brillantem Vortrag. So lassen sie die enorme Klangpracht, mit der sich große und kleine Herrscher seinerzeit umgeben haben, erahnen. Grandios!
Wenig später scheint der Musiker in Florenz eingetroffen zu sein, wo er als Sänger am Dom wirkte. Als der Chor 1493 auf Betreiben Savonarolas aufgelöst wurde, nahm Piero de'Medici den Komponisten in seine Dienste.
Doch als die Medici 1494 aus Florenz vertrieben wurden, verlor Isaac seinen Mäzen. Er wandte sich nach Pisa, wo der König und spätere Kaiser Maximilian I. auf ihn aufmerksam wurde. 1497 ernannte er Isaac zu seinem Hofkomponisten. Damit war er übrigens der erste Musiker, von dem belegt ist, dass er ausschließlich zum Komponieren engagiert wurde. Maximilian versprach sich davon faszinierende, einzigartige Klänge, um Glanz und Ruhm des Wiener Hofes zu mehren. Offenbar war er mit dem Schaffen Isaacs zufrieden, denn der Kaiser behielt den Komponisten bis ans Ende seiner Tage im Dienst.
Und obendrein kehrten die Medici wieder nach Florenz zurück, wo Isaac noch immer einen Großteil seiner Zeit verbrachte, so er nicht den Kaiser auf Reisen begleiten musste; Giovanni de'Medici wurde 1513 als Leo X. Papst. Ihr früherer Hauskomponist gratulierte mit einer Motette. Die Medici verstanden - und setzten Isaac eine Pension aus.
Im Herbst 1516 erkrankte der Musiker; am 26. März 1517 starb er. Wie groß seine Bedeutung war, das lässt sich daran ermessen, dass trotz der langen Zeitspanne bis zum heutigen Tage eine Vielzahl seiner Werke überliefert ist. Das deutet darauf hin, dass sie sehr oft abgeschrieben wurden. Und auch Isaacs Schüler, allen voran Ludwig Senfl, pflegten sein Werk mit einer Hingabe, die uns verrät, wie sehr sie ihren Lehrer verehrt haben müssen.
Die vorliegende CD gibt uns Einblick in das Schaffen des Komponisten. Dirk Snellings hat seine Werke und auch einige seiner Zeitgenossen den Lebensstationen Flandern - Florenz - Wien, Innsbruck, Augsburg zugeordnet. Unter seiner Leitung musizieren die Capilla Flamenca und das Bläserensemble Oltremontano. Die Sänger und Instrumenta- listen erfreuen mit Sachverstand und brillantem Vortrag. So lassen sie die enorme Klangpracht, mit der sich große und kleine Herrscher seinerzeit umgeben haben, erahnen. Grandios!
Sonntag, 1. Juli 2012
Telemann: A fagotto solo (Ricercar)
Französische Musik und damit auch französische Musikinstru- mente waren im 17. Jahrhundert an deutschen Höfen groß in Mode. So löste die französische Version des Fagotts die deutsche Bauform ab. Das Barockfagott bestand daher aus mehreren Einzelteilen, und war eine kleine Terz tiefer gestimmt als sein Vorgänger, das Dulzian.
Und es wurde, nicht zuletzt auf- grund seines charakteristisches Klanges und seiner beträchtlichen spieltechnischen Möglichkeiten nicht nur im Continuo, sondern gern auch als Solo-Instrument eingesetzt. Diese CD hat einige hübsche Beispiele dafür zusammengestellt. So fand sich die titelgebende Sonate in f-Moll a fagotto solo in einer Sammlung von Musikstücken für Laien, die Georg Philipp Telemann 1728 und 1729 unter dem Titel Der getreue Music-Meister publiziert hat.
Auch sonst sind Jérémie Papasergio und seinem Ensemble Syntagma Amici im Werk des Hamburger Komponisten einige Entdeckungen gelungen. Der Fagottist hat diese Werke zudem um ein Trio B-Dur von Jan Dismas Zelenka und um ein Duetto g-Moll von Christoph Schaff- rath ergänzt.
Zelenka wirkte am Dresdner Hof, und veröffentlichte 1723 einen Band mit 6 Sonate a due Hautbois et Basson. Sie sind, dem Niveau der Dresdner Hofkapelle entsprechend, hochvirtuos, und geben auch dem Fagott einen entsprechend anspruchsvollen Part. Schaffrath stand zunächst im Dienst Friedrichs von Preußen; später wurde er Clavicembalist und Cammermusicus von Prinzessin Amalie, der musikbegeisterten Schwester des Königs. Sein brillantes Duetto für Fagott und obligates Cembalo weist schon in die Vorklassik. Papasergio hat sich intensiv mit historischen Grifftechniken und Herstellungsweisen von Rohrblättern beschäftigt. Man wird schnell feststellen, dass sich der Klang des Fagottes wie auch der Oboe auf dieser CD erheblich von anderen historisierenden Aufnahmen un- terscheidet, die den Rohrblattinstrumenten offenbar zu wenig Auf- merksamkeit zugewendet haben. "Aus Bequemlichkeit hat man nämlich die modernen Techniken der Rohrblattherstellung an die alten Instrumente angepasst", erläutert Papasergio im Beiheft. "Wenn man sich aber von historischen Texten, von Bildquellen und den wertvollen erhaltenen Modellen inspirieren lässt, so ist es erstaunlich, wie anders die Instrumente klingen: Ihr Klang ist freier, hat ein volleres Timbre und außerdem ist die Phrasierung einfacher." Der Effekt ist deutlich, die Überraschung gelungen - und nicht nur Freunden "Alter" Musik sei diese CD empfohlen. Der Name a fagotto solo täuscht; hier sind unter anderem auch exzellent gespielte Block- flöten zu erleben. Syntagma Amici ist ein hervorragendes Ensemble, diesen Musikern zu lauschen, macht wirklich Freude!
Und es wurde, nicht zuletzt auf- grund seines charakteristisches Klanges und seiner beträchtlichen spieltechnischen Möglichkeiten nicht nur im Continuo, sondern gern auch als Solo-Instrument eingesetzt. Diese CD hat einige hübsche Beispiele dafür zusammengestellt. So fand sich die titelgebende Sonate in f-Moll a fagotto solo in einer Sammlung von Musikstücken für Laien, die Georg Philipp Telemann 1728 und 1729 unter dem Titel Der getreue Music-Meister publiziert hat.
Auch sonst sind Jérémie Papasergio und seinem Ensemble Syntagma Amici im Werk des Hamburger Komponisten einige Entdeckungen gelungen. Der Fagottist hat diese Werke zudem um ein Trio B-Dur von Jan Dismas Zelenka und um ein Duetto g-Moll von Christoph Schaff- rath ergänzt.
Zelenka wirkte am Dresdner Hof, und veröffentlichte 1723 einen Band mit 6 Sonate a due Hautbois et Basson. Sie sind, dem Niveau der Dresdner Hofkapelle entsprechend, hochvirtuos, und geben auch dem Fagott einen entsprechend anspruchsvollen Part. Schaffrath stand zunächst im Dienst Friedrichs von Preußen; später wurde er Clavicembalist und Cammermusicus von Prinzessin Amalie, der musikbegeisterten Schwester des Königs. Sein brillantes Duetto für Fagott und obligates Cembalo weist schon in die Vorklassik. Papasergio hat sich intensiv mit historischen Grifftechniken und Herstellungsweisen von Rohrblättern beschäftigt. Man wird schnell feststellen, dass sich der Klang des Fagottes wie auch der Oboe auf dieser CD erheblich von anderen historisierenden Aufnahmen un- terscheidet, die den Rohrblattinstrumenten offenbar zu wenig Auf- merksamkeit zugewendet haben. "Aus Bequemlichkeit hat man nämlich die modernen Techniken der Rohrblattherstellung an die alten Instrumente angepasst", erläutert Papasergio im Beiheft. "Wenn man sich aber von historischen Texten, von Bildquellen und den wertvollen erhaltenen Modellen inspirieren lässt, so ist es erstaunlich, wie anders die Instrumente klingen: Ihr Klang ist freier, hat ein volleres Timbre und außerdem ist die Phrasierung einfacher." Der Effekt ist deutlich, die Überraschung gelungen - und nicht nur Freunden "Alter" Musik sei diese CD empfohlen. Der Name a fagotto solo täuscht; hier sind unter anderem auch exzellent gespielte Block- flöten zu erleben. Syntagma Amici ist ein hervorragendes Ensemble, diesen Musikern zu lauschen, macht wirklich Freude!
Mittwoch, 13. Juli 2011
Schütz: Musicalische Exequien (Ricercar)
Die Künstler und die Gelehrten sind es, die ein Gedächtnis stiften. So auch in diesem Falle: Heinrich Reuß Posthumus (1572 bis 1635), Herr zu Gera, Lobenstein und kurzzeitig auch Kranichfeld, hat sich in unruhiger Zeit um sein kleines Land große Verdienste erworben. Er schuf nicht nur die Voraussetzungen für eine jahr- hundertelang anhaltende wirt- schaftliche Blüte der ganzen Re- gion - als die reußische Residenz- stadt Gera 1920 Bestandteil von Thüringen wurde, war sie die größte Stadt des Landes. Er gilt zudem als Freund und Förderer der Künste, insbesondere der Musik, führte die allgemeine Schulpflicht ein und gründete in Gera ein Gymnasium illustre, das übrigens bis zum heuti- gen Tage besteht. Der Komponist Heinrich Schütz, Sohn eines Gast- wirtes aus dem der Residenz benachbarten Bad Köstritz, war sein Patenkind. Und auch wenn Schütz seine musikalische Ausbildung Landgraf Moritz von Hessen-Kassel verdankt, kreuzten sich doch die Wege des Landesherrn und des Musikers spätestens 1615 wieder, als Heinrich Schütz seinen Dienst in der Dresdner Hofkapelle antrat.
Immer wieder sind sich Heinrich Posthumus und Heinrich Schütz begegnet; und schließlich, nach dem Tode seines Landesherrn, komponierte Schütz die Trauermusik zu seiner Beisetzung - die Musikalischen Exequien nach Bibelversen und Choralstrophen, die der Verstorbene noch zu Lebzeiten zusammengestellt hatte. Damit sollte auch sein Sarg beschriftet werden. Diese CD ist insofern ein Novum, als sie erstmals auch Abbildungen dieses Sarges zeigt. So vermag der Zuhörer das Gesamtkunstwerk zumindest teilweise nachzuvollziehen.
Dem Ensemble Vox Luminis unter Lionel Meunier gelingt dazu eine Hochglanz-Interpretation, wie sie schöner kaum denkbar ist. Und weil noch mehr Musik auf eine CD passt, haben die Sänger und Musi- ker gleich auch noch die anderen Trauermotetten des berühmten Dresdner Hofkapellmeisters mit eingespielt. Lediglich die eingefügte Credo-Vertonung von Samuel Scheidt, eine ältere Aufnahme mit Bernard Foccroulle, passt dazu nicht wirklich.
Immer wieder sind sich Heinrich Posthumus und Heinrich Schütz begegnet; und schließlich, nach dem Tode seines Landesherrn, komponierte Schütz die Trauermusik zu seiner Beisetzung - die Musikalischen Exequien nach Bibelversen und Choralstrophen, die der Verstorbene noch zu Lebzeiten zusammengestellt hatte. Damit sollte auch sein Sarg beschriftet werden. Diese CD ist insofern ein Novum, als sie erstmals auch Abbildungen dieses Sarges zeigt. So vermag der Zuhörer das Gesamtkunstwerk zumindest teilweise nachzuvollziehen.
Dem Ensemble Vox Luminis unter Lionel Meunier gelingt dazu eine Hochglanz-Interpretation, wie sie schöner kaum denkbar ist. Und weil noch mehr Musik auf eine CD passt, haben die Sänger und Musi- ker gleich auch noch die anderen Trauermotetten des berühmten Dresdner Hofkapellmeisters mit eingespielt. Lediglich die eingefügte Credo-Vertonung von Samuel Scheidt, eine ältere Aufnahme mit Bernard Foccroulle, passt dazu nicht wirklich.
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